Vorbereitung auf die geistige Bestimmung

Elder Neil L. Andersen
vom Kollegium der Zwölf Apostel


Elder Neil L. Andersen,  “Vorbereitung auf die geistige Bestimmung” 

CES-Fireside für junge Erwachsene • 10. Januar 2010 • Brigham-Young-Universität

Meine lieben jungen Brüder und Schwestern, ich kann nicht alle Ihre Gesichter hier im Mariott Center sehen und erst recht nicht Ihre Gesichter in den Tausenden von Gemeindehäusern überall auf der Welt, aber ich kann spüren, dass Sie gute Menschen sind, dass Sie den Wunsch haben, das Rechte zu tun, und dass Sie den Herrn und sein wiederhergestelltes Evangelium lieben. Ein Vorzug, den wir als Generalautoritäten genießen, ist, dass wir Gelegenheit haben, überall in der Welt mit Ihnen zusammenzukommen. In den vergangenen Monaten haben wir an vielen Orten in den Vereinigten Staaten Ihre Gesichter gesehen und Ihnen die Hand geschüttelt. Letzten Juni waren wir mit Präsident Uchtdorf und seiner Frau in Osteuropa, Russland und Großbritannien. Im Oktober waren wir in Südafrika und in Westafrika. Im November sind wir aus Mittelamerika zurückgekehrt. Unter den jungen Erwachsenen und Jugendlichen dieser Kirche ist eine mächtige Rechtschaffenheit zu spüren. Sie können sich mit  dem Gedanken trösten, dass die Herausforderungen, denen Sie gegenüberstehen, und die wichtigen Ziele, die Sie vor Augen haben, Sie mit Abertausenden anderen verbinden. Ich habe Sie gern und bete darum, dass der Geist des Herrn bei uns sein möge, wenn wir uns heute Abend mit einigem befassen, was für Sie von Belang ist.

Ich habe schon drei, vier Jahrzehnte länger als die meisten von Ihnen hier auf dieser Erde verbracht, aber ich stehe heute nicht aufgrund meiner Erfahrung vor Ihnen. Im Bewusstsein meiner eigenen Schwäche stehe ich hier vor Ihnen als ein Apostel des Herrn Jesus Christus – dazu ordiniert und beauftragt, von ihm Zeugnis zu geben und das zu sagen, was er sagen würde. Den Auftrag, heute zu Ihnen zu sprechen, habe ich vom obersten Apostel des Erretters, von Präsident Thomas S. Monson, erhalten.

Wenn ich Sie sie so vor mir sehe, muss ich daran denken, wie es mir vor 37 Jahren erging. Ich war gerade von meiner Mission in Frankreich zurückgekehrt. Ich war abgesehen von etwas geliehenem Geld mit nur wenigen Mitteln an die Brigham-Young-Universität gekommen. Ich hatte einen Job als Fensterputzer auf dem Campus gefunden. Es sollte noch ein weiteres Jahr dauern, bis ich das Licht meines Lebens, Kathy Williams, treffen sollte. Ich war etwas einsam und war mir nicht sicher, was vor mir lag. Ich weiß noch, wie ich dachte: „Wie sieht meine Zukunft aus und wie bereite ich mich darauf vor?“

Vor dem Hintergrund meiner damaligen Gedanken habe ich meiner heutigen Botschaft den Titel gegeben: „Vorbereitung auf die geistige Bestimmung“.

Als Jesus auf Erden weilte, sprach er oft über greifbare Gegenstände, damit seine Jünger das nicht Greifbare, das Geistige besser verstehen konnten. Er sprach von Samen, Getreide, Scheunen, Hühnern, Blumen und Füchsen und Dutzenden anderen stofflichen Gegenständen, um den Menschen den Glauben, die Umkehr, geistige Macht und die Errettung verstandesmäßig näherzubringen.

Er sprach nicht über Flugzeuge, da diese in seinem Umfeld keine Rolle spielten, aber Präsident Uchtdorf hat das in den letzten Jahren ausgeglichen, indem er uns anhand seiner Erfahrungen als Pilot hervorragende Lektionen mit auf den Weg gegeben hat.

Ich habe heute Abend eine Flugzeuggeschichte, die uns etwas über die Vorbereitung auf unsere geistige Bestimmung lehrt.

Kapitän Sullenberger und der US-Airways-Flug 1549

Diese Woche genau vor einem Jahr, am 15. Januar 2009, startete der US-Airways-Flug 1549 vom Flughafen LaGuardia in New York aus, die Maschine stieg schnell zum Himmel auf. Es sollte ein ganz normaler Flug nach Charlotte, North Carolina, entlang der Ostküste der Vereinigten Staaten werden. Der Kapitän des Flugzeugs war Chesley B. „Sully“ Sullenberger. Er hatte schon mehr als 19.000 Stunden Flugpraxis, und er ging davon aus, dass die nächsten anderthalb Stunden reine Routine sein würden.

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Captain Chesley B. Sullenberger

Als der Airbus A320 auf etwa 900 Meter gestiegen war, hatte der Kapitän das Unerwartete plötzlich direkt vor der Nase. Ein Schwarm riesiger kanadischer Gänse, deren Flügelspanne etwa 2 Meter maß, befand sich unmittelbar vor dem Flugzeug. Die großen Vögel stießen mit dem Flugzeug zusammen. Was noch schlimmer war: Die riesigen Triebwerke an beiden Tragflächen, die mit immenser Kraft die Luft in ihre Turbinen sogen, zogen auch die Gänse an das Flugzeug heran. Es gab ein schreckliches, mahlendes Geräusch, als die Vögel in die Triebwerke gesogen wurden. Dann Totenstille – die Triebwerke waren ausgefallen.

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Die Flugroute des US-Airways-Fluges 1549 vor der Notlandung im Hudson

Kapitän Sullenberger überlegte rasch, welche Möglichkeiten er hatte, das Flugzeug sicher zu landen. Er erwog zunächst, zum Flughafen zurückzukehren, dann dachte er daran, einen anderen Flughafen in der Nähe anzusteuern. Die Gefahren und Risiken waren enorm. Er wusste nicht, wie lange das Flugzeug ohne Triebwerke gleiten würde. Er musste augenblicklich entscheiden. Kapitän Sullenberger beschloss, dass es das Beste sei, das Flugzeug im Hudson zu landen, einem Fluss in der Nähe von New York. In diesen wenigen Sekunden kamen all sein Können als Pilot, all sein Urteilsvermögen, seine Instinkte und seine Talente bei der bevorstehenden Notwasserung zum Tragen.

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Die Maschine überflog die George-Washington-Brücke in weniger als 300 Metern Höhe.

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Am 15. Januar 2009 landete US-Airways-Flug 1549 im Hudson bei New York.

Aus dem Fenster konnte man die Hochhäuser sehen, als die Maschine rasch hinabsank; die George-Washington-Brücke überflog sie in weniger als 300 Metern Höhe. Kapitän Sullenberger flog so langsam es ging, und nachdem er die Tragflächen vollkommen gerade am Wasser ausgerichtet hatte, zog er die Nase des Fliegers hoch und ließ dessen Rumpf ins Wasser gleiten. Das 120 Tonnen schwere Flugzeug hüpfte über das Wasser und kam dann, völlig intakt, zum Halt.

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Passagiere des US-Airways-Flugs 1549 warten auf ihre Rettung; Reuters/Jane Doe

Die winterlichen Temperaturen lagen unter dem Gefrierpunkt, und der Kapitän wusste, dass das Flugzeug bald sinken würde. Den Passagieren wurde schnell geholfen, über die Notausgänge auf die Tragflächen zu gelangen. Die Rettungsboote des Flugzeugs wurden aufgeblasen, und vom Ufer eilten Schiffe herbei, um die Passagiere zu retten. Die Nachricht war schier unglaublich. Auch wenn ein Flugzeug im Wert von 60 Millionen Dollar verloren war, so war Kapitän Sullenberger doch sicher gelandet und alle 154 Passagiere und das Bordpersonal, darunter auch er selbst, waren in Sicherheit.

Bringen wir nun das Greifbare mit dem nicht Greifbaren in Verbindung, das Materielle mit dem Geistigen, so wie Jesus es machte, wenn er lehrte.  Sprechen wir über drei Bereiche, in denen unsere geistige Bestimmung – Ihre geistige Bestimmung – sich im US-Airways-Flug 1549 widerspiegelt. Erstens: Sie befinden sich auf der Reise durch das Erdenleben. Zweitens: Sie sollen ein Kapitän für die Sache des Herrn sein und haben eine bestimmte Mission zu erfüllen. Drittens: Es ist Ihre heilige Pflicht, sicher zurückzukehren und viele mit sich zu bringen.

Die Reise durch das irdische Leben

Erstens: Sie befinden sich auf der Reise durch das Erdenleben.

Das Dasein der Passagiere von Flug 1549 begann nicht erst, als sie in New York das Flugzeug bestiegen. Sie befanden sich auf einer Reise. Vor dem Flug war schon vieles in ihrem Leben geschehen, und nach dem Flug würde noch mehr geschehen. Desgleichen nehmen auch wir nicht in diesem Erdenleben unseren Anfang, noch enden wir hier. Wir sind auf einer Reise. Diese Reise begann vor sehr langer Zeit in einem vorirdischen Zustand; dort erhielten wir „in der Welt der Geister [unsere] ersten Unterweisungen und wurden darauf vorbereitet, zu der vom Herrn bestimmten Zeit hervorzukommen“ (Lehre und Bündnisse 138:56). Wir sind buchstäblich Geistsöhne und -töchter himmlischer Eltern. Der Herr hat gesagt: „Ich bin Gott; ich habe die Welt gemacht und die Menschen, ehe sie im Fleisch waren“ (Mose 6:51), „denn im Himmel erschuf ich sie“ (Mose 3:5).

Der Dichter William Wordsworth schrieb diese schönen Worte:

Geburt, das ist nur Schlaf und ein Vergessen.
Die Seele, die aufgeht mit uns, die unsres Lebens Stern,
ein anderes Zuhaus hat sie besessen
und kommt daher von fern:
Nicht alles sie vergessen hat,
nicht gleicht sie unbeschriebnem Blatt,
nach uns ziehend Wolkenglanz und Glorienschein,
von Gott wir kommen, er ist unser Heim. 1

Unser vorirdisches Leben war kein passives Dasein. Wir mussten genau wie hier Entscheidungen treffen. Wir hatten uns weiter entwickelt und benötigten einen physischen Körper und die Erfahrungen des Erdenlebens. Wir mussten beweisen, dass wir bereit waren, im Glauben zu leben. Der Vater im Himmel legte uns einen Plan vor. Im Mittelpunkt dieses Planes stand die Aufgabe seines einziggezeugten Sohnes, uns einen Weg zurück zu bereiten. Wir nahmen den Plan des Vaters an und freuten uns über den erwählten Erretter. Die uns vorbestimmten Gelegenheiten und Aufgaben bestimmen darüber mit, was wir auf Erden tun sollen. In einer Weise, die wir nicht gänzlich verstehen, beeinflusst unser Handeln in der Geisterwelt unser Leben hier auf Erden. 2

Wir sind jetzt hier – in unserem lang erwarteten Erdenleben. Auch wenn wir derzeit keine Erinnerung an unser vorirdisches Dasein haben, erscheint uns dies richtig. Auch in diesem Leben erinnern wir uns nicht an alles, was wichtig ist. Erinnern Sie sich beispielsweise daran, wie Sie Ihre ersten Worte gesagt oder Ihre ersten Schritte gemacht haben? Können Sie sich daran erinnern, wie Sie dachten: „Meine Mutter trägt mich doch tatsächlich nicht mehr so viel umher wie früher. Wenn ich also so von der Stelle kommen will, wie ich es mir wünsche, muss ich wohl aufstehen und laufen.“ So nimmt es uns nicht Wunder, dass wir tief im Inneren verspüren, dass das, was uns ausmacht, nicht erst mit unserer Geburt begann. Wir sind Söhne und Töchter Gottes. Es gibt eine Stelle im Buch Alma, in der die Aufgabe der heiligen Schriften beschrieben wird, „die Erinnerung dieses Volkes“ (Alma 37:8) zu erweitern. Unsere Erinnerung wurde erweitert, und wir wissen, dass wir uns auf das Leben, das wir jetzt führen, vorbereitet haben.

So wie unser Leben nicht erst mit der irdischen Geburt begann, endet unser Leben auch nicht mit dem letzten Herzschlag. Wir existieren weiter. Das, was Sie sind, das spezielle Individuum – Sie werden immer Sie selbst sein. Manch einer sagt: „Ich mag mich nicht.“ Das tut mir leid.  Sie können den Menschen formen, der Sie werden, Sie können mehr aus sich machen, als Sie heute sind, aber Sie werden immer Sie selbst sein.

Ein Kapitän für die Sache des Herrn

Zweitens: Sie sollen ein Kapitän für die Sache des Herrn sein und haben eine bestimmte Mission zu erfüllen.

So wie ich haben auch Sie eine geistige Bestimmung, und das macht es uns unmöglich, passiv im Heck des Flugzeugs Platz zu nehmen, das uns durch das Erdenleben trägt. Der Herr verhieß Abraham, dass durch seine Nachkommen alle Nationen der Erde gesegnet sein würden (siehe Genesis 22:18; Abraham 2:9). Er sprach von den geistigen Segnungen, die der Welt durch uns, die er „die Kinder des Bundes“ (3 Nephi 20:26) nannte, gebracht werden würden. Alma beschrieb einige als „von Grundlegung der Welt an gemäß dem Vorherwissen Gottes … berufen und vorbereitet“ (Alma 13:3).

Haben Sie sich je gefragt: „Warum bin ich so, wie ich bin?“, „Warum habe ich solche Empfindungen?“, „Warum habe ich mich dafür entschieden, so vorbehaltlos an den Herrn Jesus Christus zu glauben?“, „Warum entscheide ich mich dafür, seine Gebote zu halten, während andere sich nicht darum scheren?“, „Warum habe ich solche Empfindungen, was das Buch Mormon betrifft?“, „Warum lösen sich die Worte von den Seiten der heiligen Schriften und dringen mir direkt ins Herz, wohingegen andere kaum das geringste Interesse an diesem heiligen Buch haben?“, „Warum war ich bereit, heilige Bündnisse durch die Taufe einzugehen, Bündnisse im Tempel zu schließen und – was auf viele von Ihnen zutrifft – auf Mission zu gehen?“

Sie wurden auserwählt und vorherordiniert, das Evangelium in Ihrem Leben zu haben und in der Sache des wiederhergestellten Evangeliums eine Führungsaufgabe zu übernehmen.

Kapitän Sullenberger hatte zum Zeitpunkt des Fluges 1549 über 19.000 Flugstunden hinter sich. Im Rückblick auf seine Entscheidung, Pilot zu werden, sagte er, dass er mit 16 Jahren nach weniger als acht Flugstunden in einem kleinen, einmotorigen Flugzeug wusste, dass das Fliegen Teil seiner Bestimmung war. 3

Akzeptieren Sie, dass Sie eine Bestimmung von ewiger Bedeutung haben, eine geistige Bestimmung. Lesen Sie Ihren Patriarchalischen Segen. So ähnlich, wie einst über Königin Ester gesagt wurde, gilt auch für Sie, dass Sie aus einem bestimmten Grund gerade zu dieser Zeit hier sind (siehe Ester 4:14). Glauben Sie daran und nehmen Sie es an!

Die Erkenntnis, wer Sie sind und wer Sie sein sollen, macht Sie noch nicht zu einem Kapitän in der Sache des Herrn. Es gibt Hindernisse und Versuchungen, die viel tückischer sind als ein Schwarm riesiger kanadischer Gänse und die Sie von Ihrer Bestimmung fernhalten wollen. Sie müssen auf der Hut sein. Um ein Kapitän in der Sache des Herrn zu sein, ist Vorbereitung erforderlich, und diese Vorbereitung ist nicht einfach! Der Erretter hat gesagt: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Matthäus 16:24.) Er erklärte außerdem: „Dass ein Mensch sein Kreuz auf sich nimmt, heißt, dass er alles Ungöttliche verleugnet, und jede weltliche Begierde, und meine Gebote hält.“ (Schriftenführer, JSÜ, Matthäus 16:26.)

Im Rückblick auf seine Ausbildungszeit an der Luftwaffenakademie sagt Kapitän Sullenberger:

„Es war eine intensive Erfahrung … Wir wurden geprüft, … herausgefordert. Und wir erlebten, wie einige aus unseren Reihen nicht durchhielten. …

Daraus lernte ich, dass ich, wenn ich nur tief genug danach grub, eine Kraft finden konnte, von der ich nicht wusste, dass ich sie besaß. Wenn ich nicht gezwungen gewesen wäre, mich selbst anzutreiben, … hätte ich nie das volle Ausmaß der inneren Ressourcen erkannt, auf die ich zurückgreifen konnte.“ 4

Durch geistige Vorbereitung kommen Ihre eigenen inneren Ressourcen zum Vorschein. Im Gebet liegt Macht. In den heiligen Schriften steckt Kraft. Wir lernen, im Glauben voranzuschreiten und in größerem Ausmaß gehorsam zu sein. Wenn wir uns jede Woche würdig auf das Abendmahl vorbereiten und davon nehmen, werden wir dadurch erneuert und beschützt. Wir erhalten die unschätzbare Gabe des Heiligen Geistes. Diese himmlische Gabe gibt es wirklich. Sie ist absolut unerlässlich für unsere Sicherheit.

Im Zusammenhang mit seinen Erfahrungen als Flugkapitän warnte Sullenberger:

„Nicht jede Situation kann man voraussehen oder erahnen. Es gibt nicht für alles eine Prüfliste.“ 5

„Man muss wissen, was man weiß und was nicht. …

Es muss einem auch klar sein, dass das Urteilsvermögen von der Situation beeinflusst werden kann.“ 6

Die gleichen Grundsätze treffen auch auf unsere geistige Mission zu. Persönliche Offenbarung, die wir durch die Gabe des Heiligen Geistes empfangen, leitet uns durch das Unvorhersehbare, während wir das bewerkstelligen, wofür wir hier sind. Um die Gabe des Heiligen Geistes haben zu können, müssen wir rechtschaffen sein. Der Heilige Geist wird uns nicht führen, wenn wir in unserem Gehorsam nachlässig sind.

Im Mittelpunkt unseres gesamten Denkens und Handelns steht der Herr Jesus Christus. Sein Leben ist unser Vorbild. Dank ihm werden wir wieder leben. Durch die Macht seines Sühnopfers können wir rein in der Gegenwart des Vaters stehen. Wir lernen, unseren Vater im Himmel und seinen Sohn Jesus Christus mit ganzem Herzen, aller Macht, ganzem Sinn und aller Kraft zu lieben. Mir gefällt folgende Aussage: „Derjenige liebt den Herrn von ganzem Herzen, der nichts so liebt wie ihn und das, was er liebt, nur so weit, wie er es mit ihm in Zusammenhang bringt.“ 7 Jesus hat gesagt: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ (Johannes 14:15.)

Es gibt viele gute Menschen auf der Erde. Es gibt viele selbstlose Menschen. Es gibt andere, die wie wir an Christus glauben. Wir sind nicht die Einzigen, die zum Vater im Himmel beten, und auch die Gebete anderer Menschen werden erhört; der himmlische Vater liebt alle seine Kinder. Aber wir dürfen niemals vergessen, dass es nur in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage das Priestertum Gottes gibt. Nur hier gibt es den Propheten des Herrn. Nur hier gibt es die heilige Siegelungsvollmacht, die es der Familie ermöglicht, ewig als solche fortzubestehen.

Auch wenn diese Sendung in 33 Sprachen übertragen wird, sind wir gemessen an den Milliarden von Menschen auf der Erde nur gering an der Zahl. Petrus nannte uns „ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, … ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde“ (1 Petrus 2:9). Weisen Sie die besondere Aufgabe und Verantwortung, die Ihnen übertragen wurde, nicht von der Hand und spielen Sie sie nicht herunter. Sie sollen ein Kapitän in der Sache des Herrn sein – mit dem Auftrag, das Banner des wiederhergestellten Evangeliums hochzuhalten, denn der Herr hat gesagt, dass die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage „vor [seinem] Angesicht ein Bote“ sein werde, „den Weg vor [ihm] zu bereiten“ (Lehre und Bündnisse 45:9).

Ihre heilige Pflicht

Drittens: Es ist Ihre heilige Pflicht, sicher zurückzukehren und viele mit sich zu bringen.

Ein großer Teil Ihrer geistigen Bestimmung wird bei denjenigen, denen Sie geistig helfen, tiefe Spuren hinterlassen. Was macht aus Kapitän Sullenberger einen Helden? Weswegen wird er geachtet und geschätzt? Liegt es daran, dass er schnell denken konnte? Dass er die richtigen Entscheidungen traf, als die Triebwerke ausfielen? Liegt es daran, dass er wusste, wie er die Tragflächen gerade halten konnte, als er im Wasser landete? Es war all dies zusammen! Vor allem aber hätten 154 Menschen von einem Moment zum anderen ihr Leben einbüßen können, und er hat sie gerettet, und dadurch, dass er sie rettete, hat er sich auch selbst gerettet.

Kapitän Sullenberger sagt über die Rettung des Lebens seiner Passagiere: „Abstrakt gesehen ist 155 nur eine Zahl. Als ich jedoch in die Gesichter all dieser Passagiere sah – und danach in die Gesichter ihrer Angehörigen – wurde mir klar, wie herrlich und wunderbar es doch war, dass Flug 1549 ein so gutes Ende genommen hatte.“ 8

Können wir dies auf unsere Mission übertragen? Die Mitglieder dieser Kirche sind äußerst großzügig darin, den Armen und Bedürftigen sowohl in der Kirche als auch überall in der Welt zu helfen. Unsere gottgegebene Mission – der Segen, den die Welt, so wie es der Herr gesagt hat, durch die Nachkommen Abrahams empfangen soll – ist jedoch vor allem geistiger Natur.

Wir müssen unser Leben nach außen ausrichten und anderen helfen, mit uns zum Vater im Himmel zurückzukehren.

Der Herr hat gesagt: „Wer sein Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.“ (Matthäus 10:39.) Wenn ich jetzt aus Matthäus 25 vorlese, werde ich im Hinblick auf unsere Aufgabe als geistiger Kapitän das Wort geistig einfügen:

„Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.

Denn ich war [geistig] hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war [geistig] durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war [geistig] fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen …

Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich [geistig] hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder [geistig] durstig und dir zu trinken gegeben? …

Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25:34,35,37,40.)

Wen werden Sie mit sich bringen? Ich möchte vorwegschicken: All diejenigen, die die Gelegenheit dazu haben, sollen heiraten und ihren Partner und ihre Nachkommen mit sich bringen. Dies ist Ihre vorrangige Aufgabe. Die Familie ist eine Einrichtung des Himmels.

Um diese Aufgabe überblicken zu können, müssen wir weit über das hinaussehen, was direkt vor uns liegt. Wie es sich geistig auswirkt, wenn wir rechtschaffene Nachkommen heranziehen, lässt sich nur begreifen, wenn wir den Blick auf die kommenden Generationen richten – auf unsere Enkel, Urenkel und noch darüber hinaus. Kapitän Sullenberger verstand diesen Grundsatz bereits in Bezug auf die Rettung des Lebens seiner Passagiere. Er sagt: „Ich weiß nicht, wie viel Gutes die 154 Menschen auf meinem Flug noch zuwege bringen werden. Ich kann mir nicht ausmalen, welchen Beitrag in der Welt ihre Kinder, Enkel und Urenkel, die noch geboren werden müssen, leisten werden.“ 9

Ich möchte Ihnen erzählen, wie es sich auswirken kann, wenn eine Familie sich über viele Generationen geistig vorbereitet.

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Henry Arline

Henry Arline lebte von 1841 bis 1919. 1898, im Alter von 57 Jahren, hörte er, wie Missionare in einem Schulgebäude im Bundesstaat Florida das Evangelium verkündeten. Er sagte zu seiner Frau: „Ich habe zum allerersten Mal die Wahrheit gehört.“ Er ließ sich mit seiner Familie taufen. Einige Jahre später legte die Familie die mehr als 3.000 Kilometer nach Utah im Zug zurück, um sich im Tempel siegeln zu lassen. Henry Arline kehrte nach Florida zurück und blieb bis an sein Lebensende gläubig und treu.

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Sophronia Arline Williams

Seine Tochter war Sophronia Arline Williams, ihr Sohn wiederum war James Bernard Williams. Bernard Williams lernte eine wunderschöne junge Frau kennen, Martha Aman. Sie untersuchte aufrichtig die Kirche, entwickelte ein festes Zeugnis und ließ sich taufen.

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Hochzeitsfoto von James Bernard und Martha Aman Williams

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Foto der Familie von James und Martha Williams, Schwester Kathy Williams Andersen ist darauf als kleines Mädchen zu sehen

Acht Jahre nach ihrer Heirat wurden sie gemeinsam mit ihren drei Kindern aneinander gesiegelt. Ihre kleine Tochter war Kathy Williams, die ich Jahre später an der BYU kennenlernte und anflehte, meine Frau zu werden. Mittlerweile haben wir vier Kinder und dreizehn Enkel.

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Foto der Familie Neil und Kathy Andersen

Ich werde auf ewig für Kathys rechtschaffene Mutter und ihren rechtschaffenen Urgroßvater dankbar sein, die sich der Kirche anschlossen und bis ans Ende ihres Lebens gläubig und treu blieben. Diese beiden Menschen haben sich auf der Erde nie kennengelernt. Sie lebten zu unterschiedlichen Zeiten. Und doch sind sie Kapitäne in der Sache des Herrn und tragen aufgrund ihrer geistigen Entscheidungen dazu bei, unsere Familie mit sich zu bringen.

Es stimmt zwar, dass nicht alle die Gelegenheit haben werden, in diesem Leben zu heiraten, doch ist den Rechtschaffenen, die sich diese Segnung wünschen, ein Partner in der Ewigkeit verheißen. Diejenigen, die nicht heiraten, können ebenfalls viel dazu beitragen, die Sache des Herrn zu lenken und Seelen mit sich zu bringen. Anlässlich der vergangenen Konferenz äußerte Schwester Barbara Thompson, die der FHV-Präsidentschaft angehört und ledig ist, folgende Worte:

„Nach meiner Schulzeit hatte ich zum Ziel, … aufs College zu gehen, einen gut aussehenden Mann zu heiraten und vier makellose, hübsche Kinder zu haben. …

Vielleicht wissen Sie, dass sich viele meiner Ziele nicht so verwirklicht haben, wie ich es mir erhofft hatte. Ich schloss das College ab, ging auf Mission, begann zu arbeiten, setzte mein Studium fort … und arbeitete jahrelang weiter in meinem Beruf. … Aber es fand sich kein gut aussehender Mann, und es gab keine Ehe und keine Kinder. …

Eine Arbeitskollegin, die nicht der Kirche angehörte, fragte mich: ‚Warum gehst du noch immer in eine Kirche, in der es so sehr um Ehe und Familie geht?‘ Ich antwortete schlicht und einfach: ‚Weil sie wahr ist!‛ … Mit der Kirche und dem Evangelium Jesu Christi in meinem Leben war ich glücklich, und ich wusste, dass ich dem Pfad folgte, auf dem der Erretter mich haben wollte.“

Dann sprach sie von einer Möglichkeit, wie sie als Alleinstehende geistig auf andere Einfluss nehmen konnte: „Jahrelang hatte ich eine Berufung bei den Jungen Damen und empfand das als eine Chance, jungen Mädchen, die an ihrem Zeugnis arbeiteten …, etwas beizubringen und ihnen Zeugnis zu geben.“ 10

Vor 25 Jahren war Schwester Thompson Shellie Nielsons Lehrerin in der Lorbeermädchenklasse. Shellie Nielson, mittlerweile Shellie Nielson Seager, schrieb Schwester Thompson mehr als zwanzig Jahre, nachdem sie in ihrer Lorbeermädchenklasse gewesen war, einen Dankesbrief. Schwester Seager schrieb:

„Ich bin um 5:15 Uhr aufgewacht und habe an Sie gedacht und welchen Einfluss Sie auf mein Leben hatten. …

Wir standen ganz oben auf Ihrer Prioritätenliste. Sie sind uns immer mit so viel Aufmerksamkeit, Fürsorge und Liebe begegnet. Sie waren immer gut aufgelegt … Vor allem wussten wir jedoch, dass Sie ein starkes Zeugnis vom Evangelium Jesu Christi haben.“ 11

Schwester Seager hat jetzt eine Familie mit fünf Kindern. Der gute Einfluss, den Schwester Thompson hatte, wird sich für immer auf Schwester Seager und die nachfolgenden Generationen auswirken.

Der Herr hat gesagt:

„Denkt daran, die Seelen haben großen Wert in den Augen Gottes. …

Und wenn es so ist, dass ihr alle eure Tage arbeitet, um dieses Volk zur Umkehr zu rufen [und zur Umkehr rufen bedeutet ganz einfach, Menschen zu helfen, zu Gott zurückzukehren] und auch nur eine einzige Seele zu mir führt, wie groß wird eure Freude mit ihr im Reich meines Vaters sein!

Und nun, wenn eure Freude schon groß sein wird mit einer Seele …, wie groß wird eure Freude sein, wenn ihr viele Seelen zu mir führt!“ (Lehre und Bündnisse 18:10,15,16.) 12

Wenn wir unsere Aufmerksamkeit anderen zuwenden – zunächst unserem Ehepartner, dann unseren Kindern und dann anderen – wenn wir sie geistig emporziehen und ihnen helfen, fest und standhaft zu bleiben, dann erretten wir Generationen und erfüllen unsere ewige Bestimmung.

Luciano Cascardi ist Präsident des Pfahles Ipiranga in São Paulo in Brasilien. Als Bruder Cascardi sechs Jahre alt war, ließ sich seine Familie in São Paulo taufen. Im vergangenen Oktober kam Präsident Cascardi in die Vereinigten Staaten, um nach dem Missionar zu suchen, der seine Familie 40 Jahre zuvor unterwiesen hatte. Eines wusste er ganz sicher: Der Vorname des Missionars war Elder.

Dank einer ganzen Reihe von Wundern fand Bruder Cascardi ihn – Bruder Larry Wilson, einen tüchtigen Führer der Kirche aus Nordkalifornien. In einem Brief an Bruder Wilson verglich Präsident Cascardi das Auffinden seines Missionars damit, wie es ist, einen verlorenen Vater nach vielen Jahren zu finden. Präsident Cascardi sagte über den geistigen Samen, der vor 40 Jahren keimte und sich seitdem vervielfacht und viele Menschen beeinflusst hat: „Man kann die Kerne in einem Apfel zählen, aber nicht die Äpfel in einem Kern.“ 13

Wir müssen nicht auf Mission sein, um andere zu stärken und emporzuziehen. Präsident Monson fordert uns immer wieder auf, auf unsere Mitmenschen zuzugehen und sie zu retten. Erinnern Sie sich an die Geschichte, wie er sich als junger Bischof um jemanden kümmerte, der nicht zur Kirche kam?

Präsident Monson hat erzählt:

„Als ich Bischof wurde, wurde mir bewusst, dass ich auch Präsident des Priesterkollegiums war, und ich wollte alle Jungen einbinden. Da war ein Junge, der niemals kam. Ich dachte: Wieso sitze ich hier bei den Priestern, die doch einen Berater haben, der die Lektion geben kann? Lieber mache ich mich auf den Weg und suche Richard Casto. Ich ging zu ihm nach Hause. Seine Eltern waren da. Sie erzählten mir, er arbeite in einer Autowerkstatt in der Nähe.

Ich ging also zu dieser Werkstatt, und das Tor war offen, aber es war niemand da. Also schaute ich überall herum, aber da war keiner. Dann ging ich hinter das Gebäude. Dort war eine dieser altmodischen Montagegruben.

Ich blickte in die Dunkelheit hinunter und entdeckte ein Augenpaar, das mich ansah. Ich hörte die Worte: ‚Sie haben mich gefunden, Bischof. Ich komme rauf.‘ Der Junge stieg aus der Montagegrube.

Wir hatten ein nettes, kurzes Gespräch miteinander. Ich sagte: ‚Richard, wir brauchen dich; du kannst gut mit Menschen umgehen. Ich wünsche mir, dass jeder Priester in die Kirche kommt. Kommst du auch?‘ Er sagte Ja und kam.“

Jahre später berichtete Richard Casto, wie es nach diesem Gespräch weiterging:

„Später bin ich auf Mission gegangen. Ich habe mich im Tempel an meine Frau siegeln lassen. Wir haben fünf wunderbare Kinder. Zwei waren auf Mission, ich selbst war zweimal Bischof. Meine Kinder haben ihn sehr lieb, und auch meine Frau hat ihn sehr lieb, weil er das für mich getan hat. Das ist wohl eine der größten Segnungen meines bisherigen Lebens.“ 14

Bei der Herbst-Generalkonferenz 2009 hat Präsident Monson gesagt: „Ich glaube, der Herr sagt uns damit, dass unser Leben nur wenig Zweck hat, wenn wir uns nicht im Dienst an anderen verlieren. Wer nur für sich selbst lebt, verkümmert schließlich und verliert bildlich gesehen sein Leben, während derjenige, der sich im Dienst an anderen verliert, wächst und aufblüht und somit sein Leben rettet.“ 15

Sie sollen ein Kapitän in der Sache des Herrn sein, der die besondere Mission hat, sicher heimzukehren und viele mit sich zu bringen.

Mit dem Glanz der Hoffnung ausharren

Ich schließe mit etwas, was ich selbst erlebt habe. Auch dies ist eine Flugzeuggeschichte.

Am 9. November letzten Jahres kamen meine Frau Kathy und ich aus Guatemala-Stadt zurück, wobei wir in Miami umsteigen mussten. Wir hatten einen wichtigen Termin und mussten unbedingt den Anschlussflug in Miami bekommen. Wir verließen früh unser Hotel bei Antigua, um rechtzeitig um 8:55 Uhr nach Miami abfliegen zu können. Auf der Fahrt durch Guatemala-Stadt waren die Straßen ungewöhnlich verstopft. Wir machten uns Sorgen, ob wir den Flughafen noch rechtzeitig erreichen würden. Als wir ankamen, hatten wir gerade noch genug Zeit, das Flugzeug zu erwischen.

Wir eilten durch die Passkontrolle und zum Flugsteig. Am Flugsteig erfuhren wir, dass unser Flieger erst in anderthalb Stunden starten würde. Er war am Vorabend wegen unruhigen Wetters verspätet angekommen. Die Piloten und das Bordpersonal mussten eine bestimmte Ruhezeit einhalten. Durch die Verspätung waren wir besorgt, ob wir den Anschlussflug in Miami bekommen würden. Wir bestiegen anderthalb Stunden später das Flugzeug, doch nachdem wir vom Flugsteig zurückgesetzt hatten, erfuhren wir von einer Fehlfunktion in der Bordelektronik. Dies bedeutete weitere 40 Minuten Verspätung. Wir atmeten tief durch und fragten uns, ob es überhaupt noch eine Chance gab, den Anschlussflug zu erreichen.

Das Flugzeug legte die Strecke Guatemala-Stadt – Miami zügig zurück. Wir erreichten Miami nur 30 Minuten vor dem geplanten Start unseres Anschlussfluges. Dreißig Minuten erschienen nicht ausreichend, aber wir waren entschlossen, es zu versuchen. Wir rannten so schnell wir konnten. Überraschenderweise war die Schlange an der Passkontrolle kurz. Wir begaben uns zum Zoll und beteten im Stillen, dass das Gepäck, dass wir hinter uns her zogen, nicht kontrolliert werden würde. Unsere Gebete wurden erhört. Ein kurzer Blick auf die Monitore des Flughafens zeigte mir, dass unsere Maschine an Flugsteig D-3 wartete. Wir rannten zum Terminal D und dann kam der unangenehme Sicherheitscheck. Schuhe aus. Flüssigkeiten in einen Plastikbeutel. Laptop separat. Hoffen, dass die Sicherheitskontrolle beim Durchschreiten des Scanners nicht anschlägt.

Als wir die Sicherheitskontrolle hinter uns hatten, blieben uns nur noch zehn Minuten bis zum geplanten Abflug. Ich schaute erneut auf den Monitor. Entsetzt stellte ich fest, dass ich mich geirrt hatte: Das Flugzeug startete nicht von D-3, sondern von E-3. Wir waren im falschen Terminal. Wir waren außer Atem. Die Türen des Flugzeugs waren wahrscheinlich schon geschlossen und wir waren weit weg. Wir dachten ans Aufgeben. Aber wir spornten einander an und kämpften uns ans Ziel vor. Wir spurteten los, die Koffer rollten hinter uns her. Als wir um die Ecke zu Flugsteig E-3 bogen, hörten wir, wie man unsere Namen ausrief. Es war ein Wunder. Die Tür war noch offen. Wir hatten es geschafft!

Auf dem Weg zu Ihrer geistigen Bestimmung gibt es Hindernisse, Verspätungen und Fehlfunktionen der Geräte. Es wird Fehler geben. Sie mögen sich fragen, ob Sie es schaffen werden. Verlieren Sie nicht den Mut! Es wird für Sie auch Augenblicke voller Hoffnung und Glauben geben, wenn sich eine Tür öffnet oder ein Hindernis überwunden wird. Machen Sie weiter, lassen Sie nicht locker und vor allem: Glauben Sie an Christus und lernen Sie, ihm und seinen Propheten zu folgen, harren Sie, wie Nephi es sagt, mit dem „Glanz der Hoffnung“ aus (2 Nephi 31:20). Wenn Sie sich daran halten, verheiße ich Ihnen, dass Sie eines Tages Ihren Namen hören werden. Sie werden es schaffen.

Unser Vater im Himmel lebt. Wir sind seine Söhne und Töchter. Jesus Christus ist unser Erretter und Erlöser. Er hat sein Evangelium durch den Propheten Joseph Smith wiederhergestellt. Präsident Monson ist heute sein Prophet. Ich bete darum, dass all die Segnungen des Himmels, die auf Sie warten, Ihnen gehören mögen, wenn Sie sich auf Ihre geistige Bestimmung vorbereiten. Im Namen Jesu Christi. Amen.

© 2009 by Intellectual Reserve, Inc. Alle Rechte vorbehalten. Genehmigung: Englisch 5/09.  PD50018081

Anmerkungen

1. William Wordsworth, „Ode: Intimations of Immortality From Recollections of Early Childhood“, in The Oxford Book of English Verse, Hg. Christopher Ricks, 1999, Seite 351

2. Siehe Dallin H. Oaks, Der Stern, Januar 1994, Seite 67

3. Siehe Kapitän Chesley „Sully“ Sullenberger und Jeffrey Zaslow, Highest Duty: My Search for What Really Matters, 2009, Seite 5, 10

4. Sullenberger, Highest Duty, Seite 93, 95

5. Sullenberger, Highest Duty, Seite 188

6. Sullenberger, Highest Duty, Seite 119f.

7. Howard W. Hunter, Frühjahrs-Generalkonferenz 1965

8. Sullenberger, Highest Duty, Seite 286

9. Sullenberger, Highest Duty, Seite 264

10. Barbara Thompson, „Achtung, Zwischenraum“, Liahona, November 2009, Seite 119

11. Brief an Barbara Thompson von Shellie Nielsen Seager vom 2. April 2007

12. Siehe Neil L. Andersen, „Kehrt um, damit ich euch heile“, Liahona, November 2009, Seite 40ff.

13. Aus einem persönlichen Brief von Larry Wilson vom 14. November 2009 und aus einer E-Mail an Familie Wilson von Luciano Cascardi vom 9. Oktober 2009, übersetzt aus dem Portugiesischen

14. Text aus der DVD Im Auftrag des Herrn (2008)

15. Thomas S. Monson, „Was habe ich heute für einen anderen getan?“, Liahona, November 2009, Seite 85

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