Im Leben muss man in geistiger Hinsicht hohes Gelände anstreben und erreichen

Elder Robert D. Hales
vom Kollegium der Zwölf Apostel


Elder Robert D. Hales,  “Im Leben muss man in geistiger Hinsicht hohes Gelände anstreben und erreichen,”  Mar 2009

CES-Fireside für Junge Erwachsene • 1. März 2009 • Brigham-Young-Universität

Es ist eine Freude, heute Abend bei Ihnen zu sein und Ihnen Zeugnis vom wiederhergestellten Evangelium Jesu Christi zu geben. Gemeinsam mit Ihnen bekunde ich meinen Dank für die Grundsätze des Evangeliums, die unseren Blick auf die Ewigkeit richten und uns zeigen, wie wir in diesem und im künftigen Leben Freude finden können.

Nachdem ich im Salt-Lake-Tempel als Assistent des Kollegiums der Zwölf Apostel eingesetzt worden war, legte Elder LeGrand Richards, der mir im Alter 46 Jahre voraus war, seine Arme um mich und flüsterte mir ins Ohr: „Ach, wie gern wäre ich doch wieder ein Junge und hätte noch mein ganzes Leben vor mir.“ Noch einmal ein Junge sein? Ich war doch immerhin 42! Ich erzähle Ihnen das, weil ich heute Abend so zu Ihnen sprechen werde, als wären Sie etwas jünger, als Sie meinen. Wenn ich Ihnen nun in die Augen schaue, liebe Brüder und Schwestern, sehe ich die Jugend Zions vor mir. Sie sind ein königliches Heer von edler Herkunft. Sie sind ein leuchtendes Beispiel für zukünftige Generationen. In einem Kirchenlied heißt es: „Soll die Jugend Zions zittern … ? Nein!… Standhaft und treu sei stets unser Stand!“1

Heute Abend möchte ich gern darüber sprechen, wie wir stets standhaft und treu sein können. Meiner Ansicht nach können wir nur „treu in dem Glauben“ stehen, wenn wir in unserem Leben in geistiger Hinsicht hohes Gelände anstreben, erreichen und dort bleiben.

Was versteht man unter hohem Gelände?

Es ist interessant, dass Propheten aller Evangeliumszeiten auf den Gipfeln der Berge nach Inspiration getrachtet haben. Mose zum Beispiel sah Gott von Angesicht zu Angesicht auf einem „überaus hohen Berg“ (siehe Mose 1:1,2). Nephi „stieg auf den Berg und rief den Herrn an“ (1 Nephi 17:7,8). Der Bruder Jareds sah auf dem Berg Schelem den vorirdischen Christus – ein ungemein heiliges Ereignis (siehe Ether 3:1,13). Jesaja und Micha, Propheten im Alten Testament, prophezeiten, dass „am Ende der Tage … der Berg mit dem Haus des Herrn fest gegründet [steht] als höchster der Berge“ (Jesaja 2:2; siehe auch Micha 4:1; 2 Nephi 12:2).

Auch der Heiland selbst ging oft in die Berge, um geistige Führung zu erlangen und seine Jünger zu belehren. Christus wurde auf einem „hohen Berg“ vor Petrus, Jakobus und Johannes verklärt (siehe Matthäus 17:1,2; Markus 9:2; Lukas 9:28). Eine der größten Reden aller Zeiten, die wir unter dem Namen Seligpreisungen kennen, ist Teil der wunderbaren Bergpredigt (siehe Matthäus 5:1). Ein anderes Mal stieg er auf einen Berg oberhalb des Sees von Galiläa. Er segnete die Menschenmenge, die sich versammelte, und heilte diejenigen, die litten (siehe Matthäus 15:29-31).

Auf solch einem hohen Gelände erhielten die Propheten vor alters und der Herr selbst Führung und Kraft, die Gebote zu halten und anderen zu dienen. In geistiger Hinsicht hohes Gelände anzustreben bedeutet, dass man sich über die Welt und deren Versuchungen erhebt und dem Herrn nachfolgt. Heute Abend möchte ich über eine besondere Begebenheit aus den heiligen Schriften sprechen, die deutlich macht, wie wichtig es ist, hohes Gelände anzustreben und dort zu bleiben.

Die Bedeutung von „hohem Gelände“

Aus der Begebenheit mit Lehonti im Buch Mormon können wir eine wichtige Lektion darüber lernen, was es heißt, hohes Gelände aufzusuchen und dort zu bleiben (siehe Alma 47). Lehonti führte seine Gefolgschaft zu einem Ort, der hoch auf einem Berg lag, und baute eine Festung, die Sicherheit und Schutz gewährte. Der König der Lamaniten schickte sein Heer, das von dem abtrünnigen Nephiten Amalikkja angeführt wurde, aus, um Lehonti und sein Volk zu unterwerfen. Aber Amalikkja war „sehr durchtrieben darin, Böses zu tun“ (Alma 47:4), und „es war seine Absicht, die Gunst der Heere der Lamaniten zu gewinnen“, damit er den König entthronen „und das Reich in Besitz nehmen könne“ (Alma 47:8).

Dreimal sandte Amalikkja Lehonti eine Botschaft, worin er ihn aufforderte, ins Tal herabzukommen, um mit ihm zu sprechen. Dreimal weigerte sich Lehonti, sein sicheres hohes Gelände zu verlassen. Aber Amalikkja war hartnäckig. Als Amalikkja sich Lehontis Lager zum vierten Mal näherte, sagte er Lehonti in etwa: „Komm einfach aus deiner Festung heraus – und bring deine Wachen mit. Ich treffe dich dann da.“ (Siehe Alma 47:12.)

Dieses Mal ging Lehonti auf Amalikkjas Einladung ein und verließ die Sicherheit des Berggipfels. Nun legte Amalikkja seinen verschlagenen Plan vor und führte Lehonti mit der Aussicht auf den Sieg und Macht in Versuchung. Er forderte Lehonti auf, mitten in der Nacht mit seinen Männern vom Berg herabzukommen und das Heer der Lamaniten zu umzingeln, während alle schliefen. Amalikkja versprach, dass er sich Lehonti ergeben und ihm den Oberbefehl über das gesamte lamanitische Heer übertragen würde – sofern Lehonti ihn zu seinem Stellvertreter machte.

Der Plan wurde genau so ausgeführt, wie Amalikkja ihn dargestellt hatte. Das lamanitische Heer ergab sich und Lehonti wurde ihr Anführer. Aber dann veranlasste Amalikkja seine Diener, Lehonti langsam zu vergiften. Nach Lehontis Tod übernahm Amalikkja den Oberbefehl über beide Heere, schwang sich zum Herrscher über Lehontis Volk auf und kehrte siegreich zum König der Lamaniten zurück. Er vollendete seinen bösen Plan: Er brachte den König um und wurde Herrscher der Lamaniten.

Amalikkjas Betrug zeigt, wie der Satan in unserem Leben wirkt. Seine Versuchungen sind eine ständige Aufforderung, unser hohes Gelände und unsere geistige Sicherheit zu verlassen. Und er wartet – voller Geduld – darauf, dass wir seinen Verlockungen nachgeben. Lehonti ging auf den ersten Boten Amalikkjas nicht ein, auf den zweiten nicht und auch nicht auf den dritten. Aber beim vierten Mal trat er nur einen kleinen Schritt aus der Sicherheit, die ihm das hohe Gelände bot, heraus und erlag den falschen Versprechungen von Ruhm und Macht. Natürlich folgte Lehontis Tod nicht unmittelbar. Vielleicht rühmte er sich ein paar Tage lang seines Ranges als Oberbefehlshaber des lamanitischen Heeres, und wahrscheinlich dachte er auch, dass es sich gelohnt hatte, die Bergfestung zu verlassen. Aber so wie beim Verrat Amalikkjas sind auch die Verlockungen des Satans stets kurzlebig – und voller Gift. Immer wenn wir das hohe Gelände verlassen, erliegen wir einer geistigen Krankheit.

Warum müssen wir auf hohem Gelände bleiben?

Verstehen Sie, warum es so wichtig ist, auf höherem Gelände zu bleiben? So wie der Erretter seine Jünger aufforderte, ihm auf einen Berg zu folgen, damit er sie mit Priestertumsvollmacht ausstatten konnte (siehe Markus 3:13-15), lädt er uns – seine heutigen Jünger – ein, zu ihm zu kommen. Wer diese Einladung annimmt, empfängt Segnungen, die nirgendwo sonst zu haben sind.

In diesem Leben werden wir ständig geprüft und erprobt, damit sich erweist, ob wir die Gebote Gottes halten. Aber alle Prüfungen dieser Bewährungszeit, die wir Erdenleben nennen, dienen dazu, uns stärker zu machen, nicht dazu, uns nach unten zu ziehen und uns zu Fall zu bringen. Der Herr sagte dem Propheten Joseph Smith:

„Dies alles [wird] dir Erfahrung bringen und dir zum Guten dienen.“ (LuB 122:7.)

„Dein Ungemach und deine Bedrängnisse werden nur einen kleinen Augenblick dauern,

und dann, wenn du gut darin ausharrst, wird Gott dich in der Höhe erhöhen.“ (LuB 121:7,8.)

Manchmal vergessen wir, wer wir sind: Wir sind Kinder Gottes, und wir streben nach der Erhöhung! Wir wollen ewig auf höchstem Gelände leben – in der Gegenwart von Gottvater und seinem Sohn Jesus Christus. Das wird als Erhöhung bezeichnet. Leider bringen wir uns manchmal wie Lehonti in eine verfängliche Lage, indem wir es vorziehen, aus der Sicherheit, die uns das Halten der Gebote bietet, nur einen kleinen Schritt herauszutreten. Dadurch werden wir anfällig für den Satan und die Verlockungen der Welt.

Auf hohem Gelände zusammenbleiben

Bedenken Sie auch, dass Lehonti nicht der Einzige war, der unter den Folgen seiner Entscheidungen zu leiden hatte. Wie oft denken wir doch, wenn wir unsere Maßstäbe lockern: „Ich schade doch nur mir selbst“, aber in Wirklichkeit sind auch viele andere darauf angewiesen, dass wir gehorsam, würdig, treu und keusch sind. Denken Sie nur an Ihre Freunde, Ihre Eltern, Ihre Brüder und Schwestern und vor allem an Ihren Partner für die Ewigkeit und Ihre Kinder. Auch wenn Sie noch nicht verheiratet sind, haben Ihr zukünftiger Ehepartner und Ihre zukünftigen Kinder ein Interesse daran, dass Sie in geistiger Hinsicht wohlauf sind. Die Entscheidungen, die Sie jetzt treffen, können dafür maßgebend sein, ob Sie ihrer in der Zukunft würdig sind oder nicht.

Der eine oder andere wird vielleicht nicht heiraten. Ihnen möchte ich sagen: Am wichtigsten ist, dass Sie daran denken, auf hohem Gelände zu bleiben, und dass Sie stets würdig sind. Uns wird ja gesagt, dass es in der Ewigkeit, die vor uns liegt, viele Segnungen gibt, auf die Sie ein Anrecht haben. Also lassen Sie sich nicht entmutigen. Das Wichtigste ist, in geistiger Hinsicht würdig und treu auf dem hohen Gelände zu bleiben.

Als Lehonti aus seiner Festung heraustrat und der Versuchung erlag, mussten alle Angehörigen seines Volkes darunter leiden. Amalikkja führte sie wieder in Gefangenschaft, und später kamen viele von ihnen in der Schlacht um. Als bekehrte Nachfolger des Erlösers haben wir den Auftrag, unsere Mitmenschen zu stärken. Wir begeben uns nicht nur auf hohes Gelände, um uns selbst vor dem Widersacher zu retten, sondern auch, um andere emporzuheben und in Sicherheit zu bringen.

Gute Freunde tragen dazu bei, dass wir auf hohem Gelände bleiben. Gute Freunde stärken uns und helfen uns, die Gebote zu halten, wenn wir mit ihnen zusammen sind. Wahre Freunde zwingen uns nicht, zwischen ihren Wegen und den Wegen Gottes zu wählen (siehe Jesaja 55:8). Wenn Ihre jetzigen Freunde Sie vom engen und schmalen Pfad und vom hohen Gelände wegführen, halten Sie sich ab sofort fern von ihnen! Lassen Sie nicht zu, dass der Spott derjenigen, die sich für das „große und geräumige Gebäude“ entschieden haben, Sie so beschämt, dass Sie Ihre geistige Sicherheit verlassen (siehe 1 Nephi 8:25-28).

Suchen Sie sich Ihre Freunde sorgfältig aus. Als ich ein kleiner Junge war, nahm mich meine Mutter mit zu einem Teich, wo wir die Schwäne mit Brot fütterten. Sie war eine hervorragende Lehrerin. Sie sagte immer zu mir: „Siehst du unter diesen schönen, friedlichen Schwänen Geier oder andere Raubvögel? Es gibt hier nur Schwäne, denn gleich und gleich gesellt sich gern!“ Die Botschaft war einfach. In Ihren Freunden spiegelt sich wider, was für ein Mensch Sie sind und mit wem Sie gern zusammen sind. Letztendlich werden Sie Ihren Partner für die Ewigkeit aus Ihrem Freundeskreis auswählen, und es sind Ihre Freunde, die Ihnen helfen, auf dem engen und schmalen Pfad zu bleiben und standhaft und treu zu sein.

Gleichzeitig müssen wir uns fragen: „Was für ein Freund bin ich?“ Geben Sie gutes Beispiel, seien Sie der Welt ein Licht und führen und leiten Sie Ihre Mitmenschen auf den Pfad der Rechtschaffenheit. Sie sind darauf angewiesen, dass Sie sie erbauen und stärken.

Auf hohem Gelände bleiben: Wunsch und Glaube

Wie gelangen wir auf hohes Gelände und bleiben dort? Zunächst einmal müssen wir den Wunsch haben und uns bemühen, den Lehren, Geboten und Bündnissen des Evangeliums treu zu sein. Wir müssen nach den Segnungen trachten, die sich aus einem solchen Gehorsam ergeben. Dazu müssen wir eine Atmosphäre schaffen, die es dem Geist ermöglicht, immer bei uns zu verweilen. Wenn wir uns einmal auf hohem Gelände befinden, verbleiben wir dort, indem wir den Geboten gehorsam sind, das Evangelium studieren und beten, die Grundsätze, die der Selbständigkeit und einer vorausschauenden Lebensweise zugrunde liegen, anwenden, uns auf die Tempelbündnisse vorbereiten und sie halten und starke Ehen und Familien schaffen.

Um höheres Gelände zu erreichen, müssen wir zuerst den Wunsch haben, im Reich Gottes zu sein und über den Dingen der Welt zu stehen. Der Glaube ist das grundlegende Element dieses Wunsches. In den heiligen Schriften wird erklärt, dass der Glaube „nicht eine vollkommene Kenntnis“ ist, aber selbst wenn wir „nicht mehr [können], als dass [wir] den Wunsch [haben] zu glauben“, können wir Glauben entwickeln, indem wir mit dem Wort „einen Versuch machen“ (Alma 32:26,27) – oder anders ausgedrückt: Wenn wir die Gebote halten, wächst unser Glaube.

Glaube an den Herrn Jesus Christus ist der erste Grundsatz des Evangeliums und der Eckpfeiler unserer ewigen Errettung. Wenn wir Glauben an unseren Erretter ausüben und seine Lehren anwenden, werden wir gestärkt und wir werden die Welt nicht fürchten und ihren Verlockungen keine Beachtung schenken. Die Ermahnung des Herrn, unser Vertrauen in ihn zu setzen, ist eindeutig: „Blickt in jedem Gedanken auf mich; zweifelt nicht, fürchtet euch nicht.“ (LuB 6:36.)

Wir können so sein wie Joseph Smith, dessen Dienst für den Herrn mit dem einfachen Glauben eines Jungen an eine Schriftstelle begann: „Fehlt es aber einem von euch an Weisheit, dann soll er sie von Gott erbitten.“ (Jakobus 1:5.) Auf Josephs aufrichtiges Gebet erfolgte die erste Vision, und von der Zeit an befolgte er die Anweisungen des Herrn. So wie Joseph Smith reifer wurde, werden auch wir glaubenstreu im Evangeliumsdienst wachsen. Wir werden dem Heiland ähnlicher, wenn wir für andere da sind, bereitwillig geben und Zeugnis ablegen und uns dabei darauf verlassen, dass der Heilige Geist uns in allem, was wir tun, führt und leitet.

Damit der Geist mit uns sei

Wenn wir unseren Glauben ausüben und uns dabei auf den Geist verlassen, hilft uns das, hohes Gelände zu erreichen. Bei der Taufe empfangen wir die Gabe des Heiligen Geistes durch das Händeauflegen von jemandem, der dazu bevollmächtigt ist, so wie der Erretter seinen ersten Aposteln versprochen hat, er werde einen Beistand bei ihnen lassen (siehe Johannes 14:26). Es erfüllt mich mit Bewunderung, dass alle Apostel – außer Judas – dem Erretter bis ans Ende treu blieben, obwohl sie für ihren Glauben letztlich ihr Leben lassen mussten.

Der Heilige Geist gibt uns auch Führung, Mut und Kraft, um auf hohem Gelände bleiben zu können. Durch den Einfluss des Heiligen Geistes können wir als Antwort auf unsere Gebete Offenbarung empfangen, unser ganzes Leben lang ein starkes Zeugnis vom Erretter bewahren, bis ans Ende ausharren und ewiges Leben erlangen.

Keiner von uns ist immun gegen die Versuchungen des Widersachers. Gerade deswegen sind wir ja auf der Erde: um geprüft zu werden. Wir alle benötigen das Bollwerk, das uns der Heilige Geist bieten kann. Wie wichtig ist es doch, dass wir in schwierigen Zeiten, wenn wir geprüft werden, nichts tun, was dazu führt, dass wir den Beistand, den Frieden und die Führung, die der Heilige Geist uns gibt, verlieren. Wenn wir Gemeinschaft mit dem Geist haben, schöpfen wir daraus die Kraft, dem Bösen zu widerstehen, gegebenenfalls umzukehren und auf den engen und schmalen Pfad, der zu ewiger Errettung führt, zurückzukehren.

Ich denke, dass wir uns nicht weit vom hohen Gelände entfernen können, wenn der Geist immer mit uns ist. Jeden Sonntag, wenn wir vom Abendmahl nehmen, haben wir Gelegenheit, unseren Taufbund zu erneuern. Dabei versprechen wir dem Herrn, dass wir willens sind, seinen Namen auf uns zu nehmen, immer an ihn zu denken und seine Gebote zu halten (siehe LuB 20:77). Wenn wir dazu bereit sind, gilt uns die herrliche Verheißung, dass sein Geist immer mit uns sein wird.

Im Buch Mormon erklärt König Benjamin, warum unsere Bereitschaft, den Namen des Herrn auf uns zu nehmen, so bedeutsam ist:

„Es ist kein anderer Name gegeben, wodurch die Errettung kommt; darum möchte ich, dass ihr den Namen Christi auf euch nehmt, ihr alle, die ihr mit Gott den Bund eingegangen seid, dass ihr bis zum Ende eures Lebens gehorsam sein wollt.

Und es wird sich begeben: Wer auch immer dies tut, wird zur rechten Hand Gottes gefunden werden, denn er wird den Namen kennen, mit dem er gerufen wird; denn er wird mit dem Namen Christi gerufen werden.“ (Mosia 5:8,9.)

Wenn wir bestrebt sind, den Namen Christi auf uns zu nehmen, also Christen zu werden, setzen wir ihn und sein Werk an die erste Stelle. Wir heiligen uns und versuchen, wie er zu werden. Dazu bemühen wir uns, seinen Willen zu erkennen und anderen gewissenhaft zu dienen. Wenn wir den Eingebungen des Heiligen Geistes auf diese Weise folgen, erreichen wir in geistiger Hinsicht hohes Gelände.

Gehorsam

Wenn wir den Lehren Christi gehorchen, verbleiben wir auf hohem Gelände. Der Psalmist schrieb:

„Wer darf hinaufziehn zum Berg des Herrn? …

Der reine Hände hat und ein lauteres Herz.“ (Psalm 24:3,4.)

Wir halten unsere Hände und unser Herz rein, indem wir gehorsam sind.

Im vorirdischen Dasein wurden wir mit Entscheidungsfreiheit gesegnet – der Fähigkeit zu wählen. Wir bewahren uns diese Entscheidungsfreiheit, indem wir gehorsam sind. Dieser Gehorsam bewahrt uns vor der Knechtschaft des Satans. Wenn wir glaubenstreu und gehorsam sind, kann er uns nicht beherrschen oder Gewalt über uns ausüben. Ich denke, wir müssen im Kopf behalten, dass wir mit dem Geist als Begleiter auch Licht empfangen, und der Satan, der ja der Fürst der Finsternis ist, kann Licht nicht ertragen. Wenn wir ihn also mit diesem Licht von uns weisen, muss er weichen.

Doch wie wir in den heiligen Schriften in der Begebenheit mit Lehonti und Amalikkja lesen, ist der Widersacher äußerst gerissen darin, uns in Versuchung zu führen. Wenn unser Urteilsvermögen einmal vorübergehend geschwächt ist, versucht er, uns vom hohen Gelände herabzulocken. Dabei können wir sämtliche Segnungen verlieren, die der Herr für uns bereithält, sofern wir glaubenstreu sind. Ich wünschte mir sehr, Sie würden einsehen, dass es nicht wünschenswert ist, sein Leben lang Fehlentscheidungen und ungehorsames Verhalten zu bereuen. Mir kommen die Worte Whittiers in den Sinn:

Von allen traurigen Worten, die gesagt oder geschrieben worden sind, sind die traurigsten:
„Es hätte sein können.“2

Nichts ist trauriger, als in der Gegenwart durch Entscheidungen aus der Vergangenheit geplagt zu werden. Und denken Sie bei der Umkehr daran, dass sie zum Teil darin besteht, dass Sie sich selbst vergeben und loslassen müssen, dann wird der Herr nicht mehr daran denken. Halten Sie sich vor Augen, dass nichts, was Sie getan haben, Sie daran hindern kann, eine Sache hinter sich zu lassen.

Wenn einmal solch ein schwacher Moment eintreten sollte, denken Sie bitte auch daran, dass es dank des Sühnopfers unseres Erlösers Jesus Christus durch die Umkehr einen Weg zurück gibt, sodass wir ehrenvoll zu ihm und zum Vater zurückkehren können. Selbst wenn wir bereits spüren, wie das Gift des Bösen zu wirken beginnt, gibt es ein Gegenmittel. Wir können völlige geistige Gesundheit und vollkommenes Glück zurückerlangen. Die Barmherzigkeit kann die Forderungen der Gerechtigkeit erfüllen, wenn wir Umkehr üben und im Gebet und auch im Verhalten zum himmlischen Vater zurückkehren. Umkehr und Gehorsam gegenüber den Geboten, Glaubens- und Bündnistreue versetzen uns in die Lage, ewiger Segnungen einst wieder würdig zu werden.

Evangeliumsstudium und Beten

Eine weitere wichtige Methode, auf hohem Gelände zu bleiben, besteht darin, sich gläubig und gründlich mit dem Evangelium zu befassen und zu beten. Wir können so viel vom Erlöser lernen. Wenn er von Luzifer versucht wurde, flehte er den himmlischen Vater um Kraft an und sagte: „Weg mit dir, Satan!“ (Matthäus 4:10.)

Sie müssen daran denken, dass Sie einen sterblichen Körper haben, weil Sie sich entschieden haben, auf diese Welt zu kommen und die Erfahrungen des Lebens zu machen; aber weder Luzifer noch seine Gefolgsleute werden je einen Körper besitzen. Und wenn Sie ihm gebieten, zu weichen, dann muss er weichen. Wenn Sie dies erst einmal verstanden haben, erkennen Sie allmählich auch, wer Sie als Kind Gottes sind.

Was wäre wohl geschehen, wenn Lehonti wie Jesus um Führung gebetet hätte? Ich glaube, wenn er das gemacht hätte, wäre er nicht auf Amalikkjas Bitte eingegangen, vom sicheren Berggipfel herabzukommen. Ich bin sicher, der Geist hätte Lehonti vor den Gefahren, die ihm und seinem Volk drohten, gewarnt. Ich bin für die heiligen Schriften dankbar, weil ich von denjenigen lernen kann, die Rechtschaffenheit und Mut verkörperten, und weil ich die Fehler derjenigen, die nicht treu waren, vermeiden kann. Ich bin dankbar, dass ich im Gebet nach Führung trachten und den Eingebungen des Geistes folgen kann.

Ich bin auch dankbar, dass jeder von uns die Gelegenheit hat, dadurch zu lernen, dass er andere gut beobachtet, vor allem innerhalb der Familie. Meine Mutter hatte großen Einfluss auf mich. Niemals wollte ich etwas tun, was ihr Kummer oder Schmerz bereitet hätte. Ich habe auch meinen Vater geliebt. Er hat nie mit mir geschimpft. Auf ruhige Art setzte er ein gutes Beispiel und führte durch sanfte Überredung und eine freundliche Erwartungshaltung. Als Jüngster in der Familie lernte ich auch vieles von meinem älteren Bruder und meiner älteren Schwester, und so manches Mal dachte ich mir: Das werde ich aber lieber sein lassen! Das ist sehr interessant. Wenn man aus den Schriften lernen kann und von den Menschen, die einen umgeben, und man nicht alle Erfahrungen selbst sammeln muss, kann das wirklich hilfreich sein. Aber den größten Einfluss auf mich hat meine Partnerin für die Ewigkeit. Die wichtigste Entscheidung, die wir in unserem Leben treffen, ist die, wen wir heiraten. Ich bin sehr dankbar für meine geliebte Frau – für das Vorbild, das sie mir seit über 50 Jahren ist. Sie leitet und umsorgt mich und unsere Familie auf einfühlsame Weise auf dem engen und schmalen Pfad.

Geistiges und zeitliches Wohlergehen

Der Herr hat uns über den Glauben, die Gabe des Heiligen Geistes, das Evangeliumsstudium und das Beten hinaus einige wichtige Grundsätze für unser geistiges und zeitliches Wohlergehen mit auf den Weg gegeben, damit wir auf hohem Gelände bleiben können.

Das Vorratshaus des Herrn ist sowohl geistiger als auch zeitlicher Natur. Durch Glauben und Gehorsam gegenüber den Geboten legen wir einen Speicher an geistiger Kraft an, mit der wir den Herausforderungen des Lebens begegnen können. Aber diesen Speicher müssen wir immer wieder auffüllen. Es ist wie mit dem Manna im Alten Testament. Die Israeliten mussten jeden Tag neues Manna sammeln, und um Nachschub zu erhalten, mussten sie treu bleiben. So verhält es sich auch mit geistiger Kraft. Gleichermaßen sollten wir uns an kluge Grundsätze für eine vorausschauende Lebensweise und Selbständigkeit halten, um zeitliche Mittel anzusammeln, mit denen wir unseren Bedarf decken und etwas für andere tun können.

Vorausschauend leben bedeutet, nicht die Dinge dieser Welt zu begehren. Es bedeutet, die Ressourcen der Erde weise zu nutzen und nicht verschwenderisch zu sein, nicht einmal in Zeiten des Überflusses. Vorausschauend leben bedeutet, keine übermäßigen Schulden zu machen und mit dem zufrieden zu sein, was man für den eigenen Bedarf braucht.

Zu einer vorausschauenden Lebensweise gehört beispielsweise, ein Studium oder eine Ausbildung zu absolvieren, um einen Beruf ergreifen zu können, mit dem man für sich und die Familie sorgen kann. Dann müssen wir, wenn wir für einen ganzen Tag bezahlt werden, auch die Arbeit eines ganzen Tages erbringen. Eine solche Arbeitsmoral – gepaart mit Redlichkeit, Charakterstärke und Vertrauenswürdigkeit – zeichnet uns als einen Arbeiter aus, „der seines Lohnes wert [ist]“ (LuB 31:5).

Ein anderes Element einer vorausschauenden Lebensweise ist die Fähigkeit, frohgemut im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel zu leben – keine übermäßigen Schulden zu machen und nicht die zeitlichen Dinge dieser Welt zu begehren. Wie sehr wünschte ich mir doch, dass Sie das bereits jetzt, in jungen Jahren verstehen. Heute scheint in der Gesellschaft ein gewisses Anspruchsdenken vorzuherrschen – der Gedanke, dass wir alles, was sich unsere Eltern über viele Jahre erarbeitet haben, jetzt sofort bekommen müssen. Schulden können uns zu Sklaven machen. Wenn wir uns übermäßige Schulden aufbürden, verschenken wir unsere wertvolle, unbezahlbare Entscheidungsfreiheit und begeben uns in selbst auferlegte Knechtschaft. Wir wenden unsere ganze Zeit, all unsere Kraft und sämtliche Mittel dafür auf, unsere Schulden zurückzuzahlen. Das in dieser Situation ständig zunehmende Gefühl der Hoffnungslosigkeit mündet in eine Anspannung, die einen mental und auch körperlich niederdrückt. Darunter leiden das Selbstwertgefühl, die Beziehung zum Ehepartner und schließlich auch die Gefühle, die man für den Herrn hegt.

Uns muss klar sein, dass wir nicht ohne einen Plan für unsere Ausgaben und Ersparnisse auskommen. Wir müssen einen Haushaltsplan aufstellen und zwischen Wünschen und Bedürfnissen unterscheiden. Ich habe schon oft gedacht, dass eine Beziehung nicht nur der drei geschätzten Worte „ich liebe dich“ bedarf, sondern auch der behutsam ausgesprochenen, fürsorglichen Worte: „Das können wir uns nicht leisten.“ Wenn Eheleute finanzielle Entscheidungen treffen, müssen sie miteinander darüber sprechen. Wenn eine Frau oder ein Mann einen großen Einkauf tätigt, ohne dies mit dem Ehepartner zu besprechen und es im Gebet dem Herrn vorzulegen, kommt es in der Ehe zu finanziellen Spannungen. Finanzielle Spannungen sind – abgesehen von unsittlichem Verhalten natürlich – der häufigste Scheidungsgrund. Wenn Ehepartner sich in zeitlichen und finanziellen Fragen uneins sind, so kann ich Ihnen versichern, dass sie auch in geistigen Fragen nicht eins sein werden.

Selbständigkeit heißt, dass wir Verantwortung für unsere eigene geistige und zeitliche Wohlfahrt übernehmen und auch für diejenigen, die der himmlische Vater unserer Obhut anvertraut hat. Wenn wir selbständig sind, können wir dem Heiland besser nacheifern, indem wir anderen dienen und ihnen Gutes tun. Wir erklimmen höheres Gelände, um anderen die Hand auszustrecken und sie zu erheben. Wenn Sie Erfolg im Leben haben, dann nur deshalb, damit Sie anderen helfen können, und nicht, um sich selbst zu verwirklichen. Unsere Fähigkeit zu dienen nimmt entweder zu oder ab – je nachdem, wie selbständig wir sind.

Diese Wohlfahrtsgrundsätze sind praktische Richtlinien, die uns einen besonnenen Lebensstil nahelegen, der uns einen glücklichen Alltag beschert und uns darauf vorbereitet, den Herausforderungen und Notfällen, die die Prüfungen des Lebens mit sich bringen, begegnen und sie durchstehen zu können. Wenn wir diese Grundsätze der Wohlfahrt in unserem eigenen Leben erfolgreich anwenden, sind wir in der Lage, auf hohem Gelände zu bleiben und unsere Hand nach Mitmenschen auszustrecken, die Hilfe brauchen. Wir können ihnen auch beibringen, wie sie vorausschauend leben und selbständig sein können.

Diese Grundsätze sind für den Einzelnen genauso wichtig wie für die Familie. Wenn Sie noch nicht verheiratet sind, fangen Sie jetzt damit an, diese Grundsätze zu praktizieren, damit Sie, wenn es einmal so weit ist, bereits gute Gewohnheiten haben. Diese Selbstdisziplin wird Ihrer Familie in der Zukunft von großem Nutzen sein.

Das Zahlen des Zehnten und des Fastopfers trägt sehr dazu bei, sich eine vorausschauende Lebensweise zu eigen zu machen. Wenn wir den Zehnten und die Opfergaben zahlen, entwickeln wir persönlich Rechtschaffenheit. Unser Glaube wird gestärkt und trägt uns auf unserem Lebensweg durch Prüfungen, Drangsal und Leid. Es hilft, das selbstsüchtige, zeitliche Verlangen nach den Dingen dieser Welt zu unterdrücken, wendet unsere Gedanken und Taten ewigen Zielen zu und weckt in uns die Bereitschaft, denen beizustehen, die Hilfe brauchen. Wenn wir den Zehnten und die Opfergaben bereitwillig zahlen, werden wir gesegnet und erfahren eine mächtige Wandlung im Herzen – weg von der weltlichen Mentalität des Nehmens und Bekommens, hin zu einer christlichen Einstellung des Liebens, Teilens und Gebens.

Wenn wir vorbereitet sind, weil wir uns an die Wohlfahrtsgrundsätze halten, werden wir uns nicht nur „nicht fürchten“ (LuB 38:30), sondern auch imstande sein, unsere Schwierigkeiten zu überwinden und anderen in ihrer Not beizustehen. Das ist der große Segen, der sich daraus ergibt, dass man vorausschauend lebt und selbständig wird. Ich hoffe, dass Sie alle dies lernen und in Ihrem Leben anwenden werden.

Der Tempel

Eine vorausschauende Lebensweise beschert uns auch die Zeit und den inneren Frieden, die wir brauchen, um uns auf andere wichtige Aspekte konzentrieren zu können, die uns helfen, auf hohem Gelände zu bleiben. Der Tempel ist das höchste Gelände, das wir im Erdenleben erreichen können. Der Tempel ist heute unser Berggipfel – er ist das vom Herrn erwählte Haus für heilige Belehrungen, ewige Bündnisse und Verordnungen sowie Zwiesprache mit dem Herrn. Hier gehen wir Bündnisse mit dem Herrn ein, und wenn wir diese Bündnisse schließen, ist es so, als wären wir in seiner Gegenwart.

Der Tempel ist ein von der Welt abgeschiedener Ort – dem Herrn geweiht und gewidmet. Er ist ein Ort, wo wir von der Grundlegung der Welt erfahren, welchen Sinn das Erdenleben hat und auf welchen Bedingungen ewige Segnungen beruhen. Im Tempel gilt: Was auf Erden aufgezeichnet wird, wird auch im Himmel aufgezeichnet, und was auf der Erde gesiegelt wird, wird auch im Himmel für Zeit und alle Ewigkeit gesiegelt. Die ewigen Bündnisse, die wir im Tempel mit dem Herrn schließen, können niemals gebrochen werden – außer durch unseren eigenen Ungehorsam. Wenn wir diesen ewigen Bündnissen und Verordnungen treu sind, sind wir darauf vorbereitet, in Ewigkeit bei Gott, dem Vater, und seinem Sohn Jesus Christus zu leben. Der Tempel ist auch ein Ort, wo wir im Gebet vor den Herrn kommen und unsere Wünsche und Sorgen vortragen können. Er ist ein heiliger Ort, wo wir in uns gehen und die Kraft, unsere Probleme zu bewältigen, sowie Führung für unser Leben erflehen können. Wenn wir beunruhigt sind oder vor wichtigen Entscheidungen stehen, die uns schwer auf der Seele lasten, dann können wir unsere Sorgen in den Tempel tragen und geistig Führung empfangen. Ich hoffe, Sie machen Gebrauch davon.

Die Tempelbündnisse und der Gottesdienst im Tempel sind entscheidend dafür, dass wir auf hohem Gelände bleiben. Wenn wir die heiligen Tempelbündnisse noch nicht empfangen haben, müssen wir unser Augenmerk darauf richten, in den Tempel zu gehen, um die verheißenen Segnungen des Herrn zu empfangen. Nachdem wir im Tempel waren, sollten wir gläubig und häufig dorthin zurückkehren, um Gott zu verehren und heilige Handlungen zugunsten anderer zu vollziehen.

Viele von Ihnen bereiten sich darauf vor, sich als Partner oder Partnerin für die Ewigkeit an einen kostbaren Sohn oder eine kostbare Tochter unseres himmlischen Vaters siegeln zu lassen. Einige von Ihnen haben diese Segnung bereits erlangt und bereiten sich darauf vor, ihre Pflichten als Eltern zu erfüllen. Ob sich diese Segnungen nun in diesem Leben einstellen oder im nächsten – sie werden all denen gewährt, die treu sind. Wenn Sie ein Kind von Eltern sind, die im Tempel gesiegelt wurden, danken Sie ihnen und dem himmlischen Vater für diesen großen Segen. Falls nicht, danken Sie Ihren Eltern und allen, die Ihnen geholfen haben, heute auf dem hohen Gelände des Evangeliums zu stehen. Fassen Sie den unerschütterlichen Entschluss, sich einmal im Tempel siegeln zu lassen und Ihre Kinder im Bund aufzuziehen. Aus den Segnungen der Tempelehe, die Sie in diesem Leben und im nächsten genießen, werden Sie und Ihre Nachkommen in alle Ewigkeit großen Nutzen ziehen.

Wir müssen starke Ehen und Familien schaffen

Wenn wir uns bemühen, unsere Tempelbündnisse zu halten und starke Ehen und Familien zu schaffen, rüsten wir uns mit einem Schild des Glaubens, der uns vor den feurigen Pfeilen des Widersachers schützt.

Wir wissen, dass wir die heiligen Handlungen und Bündnisse des Tempels brauchen, um in den höchsten Grad des celestialen Reiches eingehen zu können. Ich habe mich schon oft gefragt, warum einige, die die heiligen Tempelbündnisse auf sich genommen und das hohe Gelände erreicht haben, diese Bündnisse überhaupt brechen und vom hohen Gelände herabkommen. Diese Untreue bricht wiederum dem Ehepartner und den Kindern, die ja den Wunsch haben, eine ewige Familie zu sein, das Herz.

Über die Jahre habe ich viele, viele Ehepaare beobachtet, die ihre Ehe stark und lebendig hielten, weil sie ihren Tempelbündnissen treu blieben. Ich möchte Ihnen abschließend erzählen, was ich diese erfolgreichen Ehepaare habe tun sehen. Diese augenscheinlich „kleinen“ Dinge haben diese Familien gefestigt und gestärkt.

Erstens: Eheleute, die eine starke Ehe und Familie schaffen, wissen, wer sie sind. Sie wissen, dass sie ein Sohn, eine Tochter Gottes sind. Sie setzen sich ewige Ziele, um wieder beim himmlischen Vater und seinem Sohn Jesus Christus leben zu können. Sie bemühen sich, die Wege des natürlichen Menschen hinter sich zu lassen.

Zweitens: Sie kennen die Lehren des Evangeliums und wissen, wie wichtig die heiligen Handlungen und Bündnisse des Tempels sind. Sie wissen, dass sie die eingegangenen Bündnisse halten müssen, um ewige Ziele zu erreichen.

Drittens: Sie entscheiden sich lieber dafür, die ewigen Segnungen des Reiches Gottes zu empfangen, als dem zeitlichen und vergänglichen Besitz der Welt nachzujagen. Sie streben hohes Gelände an und bleiben dort.

Viertens: Diesen Eheleuten ist auch klar, dass sie mit der Siegelung für Zeit und Ewigkeit einen Partner für die Ewigkeit gewählt haben. Es ist nicht notwendig, sich weiter umzuschauen. Die Zeit der Partnersuche ist vorbei.

Fünftens: Diese Eheleute denken zuerst an den Partner, ehe sie an sich selbst denken. Sie distanzieren sich nicht voneinander, sondern kommen einander näher, weil sie einander dienen, lieben, umsorgen und gemeinsam mit dem Herrn im Gebet sprechen. Sie sprechen oft miteinander und verhindern so, dass aus Kleinigkeiten größere Probleme erwachsen. Sie sprechen frühzeitig über die „kleinen Kränkungen“ und haben keine Angst, damit beim anderen anzuecken. Auf diese Weise vermeiden sie einen großen Ausbruch bitterer Gefühle. Es ist viel besser, ein bisschen Dampf abzulassen, als abzuwarten, bis der Deckel des Kochtopfs in die Luft fliegt! Diese Eheleute wollen einander Gutes tun und vermeiden Selbstsucht, die jegliches geistiges Einfühlungsvermögen erstickt. Sie nörgeln nicht aneinander herum, machen sich nicht übereinander lustig und sprechen vor anderen nicht schlecht voneinander. Sie wissen, dass derartige Reden und Verhaltensweisen dem ewigen Potenzial ihrer Beziehung abträglich sind. Sie sind bereit, ihr Herz zu wandeln, umzukehren, sich zu entschuldigen und um Vergebung zu bitten, wenn sie den Menschen verletzt haben, den sie lieben. Sie arbeiten jetzt daran, ihre Beziehung zu verbessern, da sie wissen, dass sie nicht plötzlich netter werden, wenn sie sterben! Sie pflegen rücksichtsvollen, aufmerksamen Umgang miteinander, und sie lieben einander immer. Dadurch heben sie einander auf hohes Gelände und stärken einander in ihrem Entschluss, gemeinsam dort zu bleiben.

Abschluss und Zeugnis

Meine Brüder und Schwestern, ich hoffe, dass Sie verstehen, wie wichtig es ist, in unserem Leben in geistiger Hinsicht hohes Gelände anzustreben, dort zu bleiben und auch andere dorthin mitzunehmen. Ich hoffe und bete, dass Sie wirklich erkennen, wer Sie sind, und Ihr Leben so führen, dass der Geist immer mit Ihnen ist. Dadurch erreichen Sie in geistiger Hinsicht das hohe Gelände, das Sie und Ihre Nachkommen für sämtliche ewigen Segnungen bereitmacht, die Ihnen rechtmäßig zustehen.

Mögen Sie – die heranwachsende Generation – die erlesensten Segnungen des Herrn empfangen. Sie sind das königliche Heer, das Sie, Ihre Familie, Ihre Freunde und die Menschen, denen Sie dienen, auf hohes Gelände führt. Ich bezeuge, dass diejenigen, die es sich zum Lebensziel machen, hohes Gelände anzustreben und dort zu bleiben, so gesegnet werden, dass sie eines Tages auf dem höchsten Gelände stehen – in der Gegenwart Gottvaters und seines Sohnes Jesus Christus. Ich bete darum, dass wir alle so leben mögen, dass wir dank unseres Gehorsams im Halten heiliger Bündnisse solcher celestialer Segnungen würdig sind. Im Namen Jesu Christi. Amen.

© 2009 by Intellectual Reserve, Inc. Alle Rechte vorbehalten. Genehmigung: Englisch 10/08, Übersetzung 10/08. Das Original trägt den Titel: Seek and Attain the Spiritual High Ground in Life. German.  PD50013423 150

Anmerkungen

1. „Treu in dem Glauben“, Gesangbuch, Nr. 166

2. John Greenleaf Whittier, „Maud Muller“, Strophe 53, in The Complete Poetical Works of Whittier, 1894, Seite 48

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