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Glaube und Familie

Elder Russell M. Nelson
vom Kollegium der Zwölf Apostel
Fireside für junge Erwachsene (CES)
6. Februar 2005
Brigham-Young-Universität

Elder Russell M. NelsonBrüder und Schwestern, ich freue mich sehr, zu diesem besonderen Anlass bei Ihnen zu sein. Leider ist meine Frau erkältet und hat so starken Husten, dass sie zu Hause geblieben ist. Ich finde diese große Versammlung von jungen Erwachsenen überwältigend. Viele weitere sind in ganz Nordamerika, in Mittel- und Südamerika, in Europa, Asien, Afrika und auf den Inseln des Meeres versammelt. Ich bete darum, dass der Geist des Herrn bei uns sein möge. Da diese Veranstaltung in 28 Sprachen übersetzt wird, wollen wir auch für unsere Übersetzer beten.

Ich überbringe jedem jungen Erwachsenen herzliche Grüße von Präsident Gordon B. Hinckley, Präsident Thomas S. Monson, Präsident James E. Faust und meinen Brüdern vom Kollegium der Zwölf Apostel. Wir danken Ihnen für Ihren Glauben, Ihr Engagement und Ihren Wunsch, dem Herrn zu dienen. Wir haben einen jeden von Ihnen lieb.

Ich möchte, dass Sie kurz aufhören, Notizen zu machen, und ein wenig in sich gehen. Im Augenblick sind Sie alle tatkräftig und jung. Die meisten von Ihnen sind Studenten und haben ehrgeizige Pläne für die Zukunft. Aber denken Sie einmal nach. Denken Sie über sich nach – nicht darüber, wie Sie jetzt sind, sondern darüber, wie Sie in 50 Jahren sein könnten. Machen Sie gedanklich eine Reise in die Zukunft und betrachten Sie sich so, wie Sie dann sein werden. Ihre Figur wird nicht mehr dieselbe sein und Ihre Einstellung auch nicht. Sie haben Ihre Karriere beendet. Ihr Berufsleben ist vorbei – keine Stechuhren und Gehaltszahlungen mehr. Können Sie mir folgen?

Hier nun meine Fragen: Was können Sie in 50 Jahren in sich erkennen? Was möchten Sie in 50 Jahren sein? Was möchten Sie in 50 Jahren wirklich mehr als alles andere?

Ich glaube, ich höre, wie Ihr Verstand jetzt arbeitet. So mancher von Ihnen sagt sich vielleicht: „Ich bin froh, wenn ich in 50 Jahren noch lebe.“ Kein schlechter Gedanke. Unfälle und Krankheiten gehören zum Erdenleben, daher werden manche von Ihnen in 50 Jahren nicht mehr da sein. Die meisten allerdings schon. Also planen Sie für die Regel, nicht für die Ausnahme. Manche von Ihnen sehen für ihre Zukunft Ruhm und Reichtum, und die meisten von Ihnen wünschensich eine Familie.

Wenn meine Frau hier wäre, würde ich sie jetzt an meine Seite bitten. Wie Sie wissen, ist der Mann im Herrn nicht ohne die Frau.1 Wenn Sie uns hier zusammen sehen könnten, fiele es Ihnen vielleicht leichter, zu überlegen, was Sie einmal werden möchten, und es auch zu werden. Meine heutige Ansprache trägt den Titel „Glaube und Familie“. Ich habe Glaube absichtlich zuerst genannt. Es war immer das Leitmotiv meiner Ehe, den Glauben zu haben, zuerst nach dem Reich Gottes zu trachten. Wir haben erkannt, dass unerschütterliches Gottvertrauen das Eheleben bereichert und zu größerer Liebe führt. Der Glaube an ihn vergrößert die Liebesfähigkeit – sowohl quantitativ als auch qualitativ.

Vor über 50 Jahren waren wir junge Erwachsene wie Sie jetzt. Dieses Foto wurde damals aufgenommen. Wir studierten beide an der Uni. Ich stand im zweiten Jahr meines Vorstudiums, ehe ich mit Medizin anfing, und sie hatte gerade ein Stipendium bekommen und mit dem Studium angefangen. Wir waren sehr verliebt. Ich glaube, das kann man auf dem Foto auch sehen. Dass ich mich in sie verliebt habe, dürfte Sie kaum verwundern, Brüder.

Danke, dass Sie das Foto eingeblendet haben. Wir sehen inzwischen allerdings wirklich ganz anders aus. Was mich betrifft, so finde ich meine Frau heute sogar noch viel hübscher!

Meine Laufbahn als Arzt ist abgeschlossen. Ich habe zahlreiche chirurgische Eingriffe vorgenommen. Gleichermaßen hatte meine Frau äußerst anspruchsvolle Aufgaben als Mutter von zehn Kindern. Ich habe vergessen zu erwähnen, dass unsere ersten neun Kinder alles Mädchen waren. Bei uns zu Hause ging es zu wie in einem Mädchenwohnheim, bis unser einziger Sohn dazukam. Der arme Kerl! In seinen ersten Lebensjahren wusste er gar nicht, wer eigentlich seine Mutter war.

Schwester Nelson ist ein wenig älter geworden. Sie hat nun die weniger anstrengende Rolle der Großmutter unserer Enkel, von denen etliche heute Abend hier sind. Würden die Mitglieder unserer Familie bitte einen Moment lang aufstehen? Ich möchte die Kameraleute bitten, die Kameras auf euch zu richten, damit auch andere euch sehen können. Uns sind 56 Enkel und 14 Urenkel geschenkt worden. Unser jüngstes Enkelkind ist hier, heute gerade zwei Wochen alt. Diese Zahlen werden wahrscheinlich noch steigen.

Ich hatte mir erst überlegt, ob ich Fotos von allen 106 Vertretern unserer Familie zeige. Doch dann fiel mir die Großmutter ein, die im Flugzeug neben einem Fremden saß. Sie erzählte voller Begeisterung von ihrer Familie und fragte schließlich: „Habe ich Ihnen schon ein Bild von meinen Enkeln gezeigt?“

Ihr Sitznachbar antwortete: „Nein, und vielen Dank auch!“

Ich werde Ihnen also keine Bilder mehr zeigen. Es würde Ihnen sowieso nicht weiterhelfen. Die Schönheit unserer Familie geht weit über das hinaus, was man sehen kann. Sie ist geistiger Natur. Keine zwei Familienmitglieder gleichen sich. Jedes ist einzigartig und besonders.

Was ist mir und meiner Frau jetzt am wichtigsten? Dass wir Mann und Frau sind, für Zeit und alle Ewigkeit getraut. Unsere Kinder wurden im Bund geboren und sind für immer an uns gesiegelt. Welch Freude diese Erkenntnis bringt!

Als wir im Tempel heirateten, kannten wir nur wenige Schriftstellen. Eine davon war jedoch Matthäus 6:33: „Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.“ Wie bereits gesagt, wurde dies das Leitmotiv bei jeder Entscheidung, die wir gemeinsam getroffen haben. Erst Jahre später erfuhren wir, dass die Übersetzung dieses Verses von Joseph Smith noch eindringlicher und deutlicher war: „Darum trachtet nicht nach den Dingen dieser Welt, sondern trachtet zuerst danach, das Reich Gottes und seine Rechtschaffenheit aufzurichten, und dies alles wird euch hinzugefügt werden.“ (Schriftenführer, JSÜ, Matthäus 6:38.) Diese Schriftstelle war uns ein guter Rat. Mich hat die glaubenstreue Frau, die all die Jahre an meiner Seite stand, sehr inspiriert. Die für mich bedeutsamsten Segnungen habe ich nur ihr zu verdanken.

In einem halben Jahrhundert haben sich die Zeiten geändert. Die Welt ist in geistiger Hinsicht krank. Die Krankheit, von der ich spreche, greift immer mehr um sich. Die Versuchung, zu sündigen, geht weit über alles hinaus, was wir kannten, als wir in Ihrem Alter waren. Sie treten in eine Konsumgesellschaft ein, die von materialistischen Zielen besessen ist. Ganze Pilgerscharen fallen vor dem Schrein der Selbstsucht auf die Knie. Laute Stimmen verteidigen die abwegige Lehre, dass jeder Lebensstil gleich viel wert sei. Die Menschen wollen mehr Rechte als Pflichten. Es scheint ihnen mehr darum zu gehen, was ihnen zusteht, als was ihnen Klarheit verschaffen könnte. Ein Vater gilt als verantwortungsbewusst, wenn er einen Besuch pro Woche abstattet und finanzielle Hilfe leistet. Kurz gesagt – wir erleben eine bestürzende Umkehrung moralischer Werte.

Während um Sie herum alles in geistigem Zerfall begriffen ist, betreten Sie, die jungen Erwachsenen der Kirche, die Bühne. Sie haben eine feste Grundlage im Glauben. Sie sind vorbildlich, sowohl beim Flirten als auch in der Ehe. Sie wissen, was richtig und was falsch ist. Sie halten die Stellung! Sie kennen die Lehren des Herrn, und Sie werden sie an Ihre Kinder und Enkelkinder weitergeben. Sie sind die „Hoffnung Israels, Zions [Schar], Kinder vom verheißnen Reich“2. Sie haben wesentlich größere geistige Kraft, als wir es in Ihrem Alter hatten. Sie schreiten im Lebenskampf voran und gehören dabei zum „Bundesvolk des Herrn, das über [die] ganze ... Erde zerstreut [ist]; [ausgerüstet] mit Rechtschaffenheit und mit der Macht Gottes in großer Herrlichkeit“ (1 Nephi 14:14). Wir sind sehr, sehr stolz auf Sie!

Wenn meine Frau und ich zurückschauen, können wir ehrlich sagen, dass uns unsere Familie und die Mitgliedschaft in der Kirche am wichtigsten sind. Wir sind sehr dankbar dafür, dass wir den Rat der Führer der Kirche befolgt und im Tempel geheiratet, den Kindersegen gerne angenommen und dem Herrn gedient haben. Hätten wir unsere Ausbildung vor unsere Familie gestellt, wären wir jetzt nicht so glücklich. Die Ausbildung war für uns ein langwieriger Prozess. Ich habe sehr lange gebraucht, meine zwei Doktortitel zu erwerben. Dann schlugen wir uns noch viele weitere Jahre, in denen ich mich als Chirurg spezialisierte, durch. Meine erste Rechnung für eine Operation konnte ich erst über zwölf Jahre nach Abschluss meines Medizinstudiums ausstellen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits fünf Kinder. Doch irgendwie haben wir es geschafft.

Ich habe Hochachtung vor meiner Frau, die niemals murrte, weil sie mit so wenig auskommen musste. Ich erinnere mich an einen Abend im Stadtzentrum von Boston. Wir waren auf der Boylston Street unterwegs und kamen an einem Möbelgeschäft vorbei. Meine Frau drückte ihre Nase gegen das Schaufenster und fragte: „Glaubst du, wir können uns je eine Lampe leisten?“

Brüder, ich rate Ihnen, nach einer Frau Ausschau zu halten, die eine Vision für die Zukunft hat, so wie meine Frau. Und Schwestern, Ihnen lege ich ans Herz, Ihren Mann zu motivieren, alles aus sich herauszuholen, was in ihm steckt – auch wenn es lange dauert.

Wir haben im Leben Erfolg und Kummer kennen gelernt. Wir mussten mit Enttäuschung, Krankheit und mit Todesfällen unter unseren Kindern zurechtkommen. Doch der Tod kann eine Familie, die im Tempel gesiegelt ist, nicht trennen. Die Zeit der Trennung ist nur vorübergehend. Dank des großen Plans des Herrn für unser Glücklichsein können wir alle der Zukunft mit großem Glauben und Optimismus entgegensehen.

Meine Frau und ich haben gelernt, dass dieses Leben kein Einakter ist. Es gibt wirklich ein vorirdisches Leben. Und es gibt tatsächlich das Leben nach dem Tod. Das vorirdische und das irdische Leben sind nur ein Vorspiel zum künftigen Leben. Die Kenntnis von den drei Graden der Herrlichkeit, wie sie den Propheten offenbart wurde, gibt uns einen kleinen Einblick in unsere Möglichkeiten nach diesem Leben.3 Das ewige Leben ist herrlich und die Reise wert.

Wichtige Grundlagen der Lehre, die unseren Glauben festigen, gehen auf das vorirdische Leben zurück. Das ewige Evangelium wurde damals eingeführt. Der Erlösungsplan wurde vor Grundlegung der Erde aufgestellt.4 Dazu gehörte auch die herrliche Aussicht, dass wir von Gott einmal ein Erbteil in seinem Reich erhalten.5

Im Mittelpunkt des Erlösungsplans steht das Sühnopfer Jesu Christi. Jesus wurde in vorirdischen Ratsversammlungen von seinem Vater vorherordiniert, für unsere Sünden zu sühnen und die Bande des körperlichen und des geistigen Todes zu zerreißen.6 Jesus hat erklärt: „Ich [war] von der Grundlegung der Welt an bereitet ..., mein Volk zu erlösen. ... In mir werden alle Menschen Leben haben, und das ewiglich, nämlich jene, die an meinen Namen glauben werden.“ (Ether 3:14.) Später erklärte Paulus noch, dass die Kirche „auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut“ ist; „der Schlussstein ist Christus Jesus selbst“ (Epheser 2:20).

Auch die Familie spielt im Plan Gottes eine wesentliche Rolle. Ein Ziel des Planes ist es ja, die Familie zu erhöhen. Die Erde wurde geschaffen, damit wir, die Geistkinder des Vaters im Himmel, auf die Erde kommen und einen irdischen Körper erlangen können. Wir sind hier, um uns zu bewähren und geprüft zu werden.7 Wir sind hier, um „Freiheit und ewiges Leben zu wählen ... oder um Gefangenschaft und Tod zu wählen“ (2 Nephi 2:27). Und das beste von allem: Wir dürfen uns verlieben, heiraten und Kinder bei uns aufnehmen.

Bestimmte Segnungen wurden den Letzten Tagen vorbehalten. Der Herr hatte die Absicht, das zu offenbaren, „was seit der Schöpfung verborgen war“ (Matthäus 13:35). Dazu gehören auch Offenbarungen, die im Buch Mormon aufgezeichnet sind,8 ebenso die heiligen Handlungen und die Bündnisse im heiligen Tempel.9 Dem Propheten Joseph Smith erklärte der Herr: „Es beliebt mir, meiner Kirche zu offenbaren, was von vor der Grundlegung der Welt an verborgen gehalten wurde und was die Evangeliumszeit der Fülle der Zeiten betrifft.“ (LuB 124:41.)

„Die Verordnung der Taufe für die Toten ... [wurde ebenfalls] schon vor Grundlegung der Welt eingerichtet.“ (LuB 124:33.) Damit wird die Errettung denen zugänglich gemacht, „die sterben ..., ohne das Evangelium zu kennen“ (LuB 128:5). Es wurde ein Bindeglied zwischen den Generationen geschaffen, damit eine vollständige und vollkommene Einheit von Evangeliumszeiten, Schlüsseln, Mächten und Herrlichkeiten entsteht.10 Dieses Zusammenschweißen der Generationen ist so wichtig, dass der Zweck der Erde und auch der Kirche verfehlt würde, wenn im heiligen Tempel keine Familien gesiegelt würden.11

Die Vorbereitung auf das Erdenleben begann bereits im vorirdischen Dasein. Vor der Grundlegung der Welt lebte jeder von uns als Geistkind bei unseren himmlischen Eltern. Unter uns waren die Edlen und Großen.12 Abraham13, Jeremia14, Joseph Smith15 und andere16 wurden ausersehen, Propheten Gottes zu werden; einige von ihnen sollten für das heilige Werk Gottes als Märtyrer sterben.17 Und so sollte das Priestertum übertragen werden: Es sollte „von den Vätern [herabkommen], vom Anfang der Zeit her, ... selbst ... vor der Grundlegung der Erde“ (Abraham 1:3).

Der Herr lehrt, um den höchsten Grad der celestialen Herrlichkeit erlangen zu können, „muss man in diese Ordnung des Priestertums [nämlich den neuen und immerwährenden Bund der Ehe] eintreten; und wenn jemand das nicht tut, so kann er ihn nicht erlangen.“ (LuB 131:2,3.)

Die Schwestern haben eine besondere Gabe erhalten. Wie der Herr sagt, wurden sie befähigt, „sich zu mehren und die Erde zu füllen, ... und um die Verheißung zu erfüllen, die mein Vater vor der Grundlegung der Welt gegeben hat, ... zu ihrer Erhöhung in den ewigen Welten, damit sie Menschenseelen gebären können; ... hierin wird das Werk meines Vaters fortgesetzt, damit er verherrlicht werde“ (LuB 132:63). Halten Sie sich vor Augen, welche Erhabenheit hinter dieser Aussage steht! Wenn eine würdige Mutter ein Kind zur Welt bringt und für es sorgt, trägt sie nicht nur dazu bei, dass die Erde den Zweck ihrer Erschaffung erfüllt,18 sondern sie verherrlicht auch Gott.

Wir wurden als Kinder des Bundes erwählt, dem Erlöser zu dienen. Der Apostel Paulus hat erklärt, dass Gott „uns [in Christus erwählt hat] vor der Erschaffung der Welt“ (Epheser 1:4).19 Bei dieser Vorherordinierung hat Gott auch Bedingungen festgelegt, die es uns ermöglichen, seine Segnungen zu empfangen. Diese Segnungen sollten auf der Grundlage des Gehorsams gegenüber den Gesetzen, auf denen die Segnungen Gottes beruhen, gewährt werden.20

Eine dieser Bedingungen hat damit zu tun, dass wir weltliche Versuchungen überwinden müssen.21 Ehe die Welt geschaffen wurde, wurde zugelassen, dass sich der Satan auflehnt.22 Er hat immer gegen das heilige Werk Jesu Christi gekämpft und wird das auch weiterhin tun. Er hat gegen die Propheten und die heiligen Schriften der Wiederherstellung Widerstand geleistet. Und in unserer Zeit führt der Satan Krieg gegen das Herzstück im Plan Gottes, nämlich die Familie. Überall in unserer Umgebung finden wir die Spuren seiner Angriffe. Die Anzahl der verheirateten Erwachsenen geht zurück,23 ebenso die Geburtenrate.24 Das Heiratsalter steigt immer mehr,25 und auch die Zahl der unverheirateten Paare wächst.26 Unsittlichkeit und Pornografie breiten sich immer mehr aus und richten Schaden an.27

Angesichts des geistigen Verfalls überall um uns herum ist echter Glaube an den Herrn und sein Evangelium notwendig, um den Angriffen des Widersachers standhalten zu können. Ich ermahne Sie: Halten Sie sich von allem fern, was ungöttlich ist, sei es körperlicher oder geistiger Natur.28 Halten Sie sich an der eisernen Stange fest, die das Evangelium bietet!

Brüder und Schwestern, auch als es die Welt noch nicht gab, stand das Evangelium im ewigen Plan Gottes im Mittelpunkt. Es ist ein ewiges Evangelium, das nun in seiner Fülle wiederhergestellt ist.29 Auf dieser Grundlage wird die Kirche unverrückbar an ihrem Platz stehen,30 selbst während des Millenniums.31 Das Evangelium Jesu Christi ist eine sichere Grundlage, auf der wir unseren persönlichen Glauben entwickeln können. Einige von uns sind schwach, einige stark. Wir können unentschlossen sein „wie eine Welle, die vom Wind im Meer hin und her getrieben wird“ (Jakobus 1:6), oder uns geistig an Stahlseilen verankern – fest verwurzelt in den ewigen Wahrheiten des Evangeliums.32

Solcher Glaube wird die Schwierigkeiten des Lebens nicht verhindern, aber eine Hilfe sein, wenn sich etwas Unangenehmes ereignet. Guten Menschen widerfährt Schlimmes. Unfälle passieren. Das eine oder andere Ehepaar bekommt vielleicht keine Kinder geschenkt. Andere heiraten vielleicht nicht in diesem Leben oder stellen fest, dass sie jemanden geheiratet haben, dem es nicht gelingt, Gottes Gebote zu halten. Der Herr kennt diese Situationen. Er wird seinen glaubenstreuen Kindern alle Segnungen, die er für sie bereithält, gewähren – auf seine Weise und zu seiner Zeit.33 Seien Sie rechtschaffen, haben Sie Geduld und richten Sie den Blick auf die Ewigkeit – dann werden Sie beschützt.34

Im Laufe der Jahre werden Sie bemerken, dass die Apostel und Propheten Regeln vermitteln. Wir reden nicht über die Ausnahmen von der Regel. Die Ausnahmen überlassen wir der Entscheidungsfreiheit und Verantwortlichkeit des Einzelnen. Der Herr weiß, dass wir in einer unvollkommenen Welt leben. Er ist sich bewusst, dass sie im Übeltun reif wird (siehe LuB 18:6). Sein Richterspruch wird ausgewogen, gerecht und barmherzig sein.

Vor einem Jahrzehnt sahen die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel diesen geistigen Niedergang vorher und formulierten eine Proklamation an die Welt zum Thema Familie. Sie ist heute aktueller denn je. Wir verkünden: „Die Ehe zwischen Mann und Frau [ist] von Gott verordnet und ... [die Familie steht] im Plan des Schöpfers für die ewige Bestimmung seiner Kinder im Mittelpunkt.

Alle Menschen – Mann und Frau – sind als Abbild Gottes erschaffen. Jeder Mensch ist ein geliebter Geistsohn beziehungsweise eine geliebte Geisttochter himmlischer Eltern und hat dadurch ein göttliches Wesen und eine göttliche Bestimmung. Das Geschlecht ist ein wesentliches Merkmal der individuellen vorirdischen, irdischen und ewigen Identität und Lebensbestimmung. …

Das erste Gebot, das Gott Adam und Eva gab, bezog sich darauf, dass sie als Ehemann und Ehefrau Eltern werden konnten. Wir verkünden, dass Gottes Gebot für seine Kinder, sich zu vermehren und die Erde zu bevölkern, noch immer in Kraft ist. Weiterhin verkünden wir, dass Gott geboten hat, dass die heilige Fortpflanzungskraft nur zwischen einem Mann und einer Frau angewandt werden darf, die rechtmäßig miteinander verheiratet sind.

Wir verkünden, dass die Art und Weise, wie sterbliches Leben erschaffen werden soll, von Gott so festgelegt ist. Wir bekräftigen, dass das Leben heilig und in Gottes ewigem Plan von wesentlicher Bedeutung ist.“

Meine lieben Freunde, beachten Sie diese Warnung: „Jemand, der die Bündnisse der Keuschheit verletzt ... oder seinen familiären Verpflichtungen nicht nachkommt, [muss] eines Tages vor Gott Rechenschaft ablegen. Weiter warnen wir davor, dass der Zerfall der Familie Unheil über die einzelnen Menschen, die Gemeinwesen und die Nationen bringen wird, wie es in alter und neuer Zeit von den Propheten vorhergesagt worden ist.“ („Die Familie – eine Proklamation an die Welt“, Der Stern, Januar 1996, Seite 93.)

Wenn Sie sich an diese Proklamation halten, Brüder und Schwestern, werden Sie gesegnet. Gott lebt, und er liebt uns.35 Mit seiner Hilfe können wir unseren Glauben und unsere Familie stärken. Wir können uns für die folgende Verheißung des Herrn bereitmachen: „Wenn ein Mann eine Frau heiratet, durch mein Wort, ... und durch den neuen und immerwährenden Bund, und dieser wird vom Heiligen Geist der Verheißung auf sie gesiegelt, ... [werden sie] Throne, Reiche, Gewalten[,] ... Mächte [und] Herrschaften ... ererben.“ (LuB 132:19.)

Ich bezeuge, dass Ihr Glaube und Ihre Familie Ihnen große Freude bringen werden – hier und im künftigen Leben. Gott lebt. Jesus ist der Messias. Seine Kirche wurde wiederhergestellt. Wir werden von seinem Propheten geführt, Präsident Gordon B. Hinckley. Ich grüße einen jeden von Ihnen, liebe junge Erwachsene der Kirche, herzlich und segne Sie. Im Namen Jesu Christi. Amen.

Anmerkungen

1. Siehe 1 Korinther 11:11

2. Siehe „Hoffnung Israels“, Gesangbuch, Nr. 170

3. Siehe 1 Korinther 15:40,41; LuB 76:50-113; 88:17-32; Schriftenführer, JSÜ, 1 Korinther 15:40

4. Siehe 1 Nephi 10:18; Mosia 15:19; Alma 12:25,30; 18:39; 22:13,14; 42:26; LuB 76:12,13

5. Zu den Menschen in der Alten Welt sagte der Herr: „Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.“ (Matthäus 25:34.) Einige Menschen im alten Amerika erfuhren zudem: „[Diejenigen], die an den Heiligen Israels geglaubt haben, ... werden das Reich Gottes ererben, das von Grundlegung der Welt an für sie bereitet war.“ (2 Nephi 9:18; siehe auch Ether 4:19.)

6. Siehe Johannes 17:5,24; 1 Petrus 1:19,20; Mosia 4:6,7; 18:13; 3 Nephi 26:3-5; LuB 93:7-9; Mose 5:57; Joseph Smith Translation, Genesis 5:43; Schriftenführer, JSÜ, Genesis 14:30,31

7. Siehe Abraham 3:24,25

8. Siehe 2 Nephi 27:10

9. Siehe LuB 124:40,41

10. Siehe LuB 128:18

11. Siehe LuB 138:47,48; siehe auch LuB 2:1-3; 110:14-16; Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:39

12. Siehe Alma 13:3,5,7; LuB 132:28; 138:55,56; Abraham 3:22,23

13. Siehe Abraham 3:23

14. Siehe Jeremia 1:4,5

15. Siehe 2 Nephi 3:5-15; LuB 127:2; 138:53-55

16. Siehe LuB 138:53

17. Siehe Lukas 11:49-51

18. Siehe LuB 49:16,17

19. Siehe auch Epheser 1:5. Paulus hat auch gesagt, dass Gott „uns gerettet [hat]; mit einem heiligen Ruf hat er uns gerufen, ... aus eigenem Entschluss und aus Gnade, die uns schon vor ewigen Zeiten in Christus Jesus geschenkt wurde“ (2 Timotheus 1:9; siehe auch LuB 38:1-4; Abraham 3:22-26). Man muss sich auch bewusst sein, dass das Buch Mormon „dem Überrest des Hauses Israel zeigen“ soll, „was der Herr Großes für ihre Väter getan hat; und sie sollen die Bündnisse des Herrn erkennen“ (Buch Mormon, Titelseite).

20. Siehe LuB 130:20,21; 132:5,11,12

21. Siehe 2 Nephi 2:11-13

22. Siehe Schriftenführer, JSÜ, Offenbarung 12:6-8

23. Siehe David Popenoe und Barbara Dafoe Whitehead, The State of Our Unions 2004: The Social Health of Marriage in America, Rutgers University, The National Marriage Project, Juni 2004, Seite 16ff. (http://marriage.rutgers.edu/)

24. Siehe Popenoe and Whitehead, The State of Our Unions, Seite 21ff.

25. Jason Fields, „America’s Families and Living Arrangements: 2003“, U.S. Census Bureau, November 2004, Seite 12f. (www.census.gov/prod/2004pubs/p20-553.pdf)

26. Siehe Popenoe and Whitehead, The State of Our Unions, Seite 20f.

27. B. J. Sigesmund, „XXX-ceptable“, Newsweek Web Exclusive, 2. Juli 2003 (www.keepmedia.com/pubs/Newsweek/2003/07/02/309790). Pornografie ist in den Vereinigten Staaten ein Riesengeschäft mit einem Jahresumsatz von schätzungsweise zwölf Milliarden Dollar (siehe www.internetfilterreview.com/internet-pornography-statistics.html).

28. Siehe Moroni 10:32; Schriftenführer, JSÜ, Matthäus 16:26

29. Siehe Apostelgeschichte 3:20,21

30. Siehe Daniel 2:28,31-44; LuB 65:2-6; 124:45

31. Siehe Bruce R. McConkie, The Millenial Messiah, 1982, Seite 672

32. Siehe Epheser 3:17-19; Kolosser 2:6-7; Helaman 5:12. Denken Sie immer daran, dass ein weiser Mann sein Haus auf einen Fels und nicht auf flüchtigen Sand baut (siehe Matthäus 7:24-27).

33. Siehe LuB 130:20,21

34. Der Blick eines Menschen sollte auf die Ewigkeit ausgerichtet sein. Paulus hat gelehrt: „Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen.“ (1 Korinther 15:19.)

35. Siehe 1 Nephi 11:16,17

 
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