Ein lebenslanges Engagement
Elder Dallin H. Oaks
vom Kollegium der Zwölf Apostel
CES-Fireside für junge Erwachsene
1. Mai 2005
Oakland, Kalifornien
Brüder und Schwestern, ich danke dem Chor für die bewegende und inspirierende Musik und Präsident Steven Edgren für seine einleitenden Worte.
Ich freue mich, hier in Oakland zu sein. Ich bedanke mich bei Ihnen hier im Raum und bei allen, die andernorts zugegen sind, für Ihre Anwesenheit.
Ich bin froh, dass ich zu den 18- bis 30-jährigen jungen Erwachsenen sprechen darf. Unsere jüngste Tochter gehört in diese Altersgruppe, desgleichen 15 von unseren 28 Enkelkindern. An den 18- bis 30-Jährigen habe ich folglich besonderes Interesse.
Das Evangelium muss Tag für Tag gelebt werden
Wenn ich zu Ihnen spreche, spreche ich mit der Zukunft. Eines Tages werden Sie diejenigen sein, die im Geschäftsleben, im Bildungssektor, in der Wissenschaft, in Städten, Ländern und Völkern und in der Kirche an führender Stelle stehen. Vor allem aber werden Sie eines Tages die Familien der Kirche anführen.
Zur Vorbereitung auf diesen Abend habe ich mir eine Ansprache von einer der letzten CES-Firesides für junge Erwachsene durchgelesen. Sie wurde am Sonntag, dem 6. Februar, im Marriott-Center an der BYU gehalten. Sprecher war Elder Russell M. Nelson vom Kollegium der Zwölf Apostel. Als ich seine Ansprache las, fand ich sie ebenso erbaulich wie bewegend.
Sie werden sich erinnern, dass Elder Nelson Sie aufforderte, einmal über sich selbst nachzudenken – „nicht darüber, wie Sie jetzt sind, sondern darüber, wie Sie in 50 Jahren sein könnten“. Er fragte Sie: „Was möchten Sie in 50 Jahren sein?“, und ging dann in großartiger Weise auf das Thema Glaube und Familie ein. Er sprach über sein Leben und das seiner lieben Frau, Dantzel. Er erzählte, wie lange sie sich mit ihrer Ausbildung abgemüht hatten. Er sprach von den Entscheidungen, die sie als Ehepaar treffen mussten, und wie sie zuerst nach dem Reich Gottes trachteten. Der Glaube, so sagte er, sei „das Leitmotiv“ ihrer Ehe gewesen. Er wies darauf hin, dass er seine erste Rechnung für eine Operation erst über zwölf Jahre nach Abschluss seines Medizinstudiums ausstellen konnte. Da hatten die beiden schon fünf Kinder. Sie können sich vorstellen, wie viel Glauben und wie viele Opfer erforderlich waren, als die Familie weiter wuchs, während Dr. Nelson seine lange Berufsausbildung zum Abschluss brachte (siehe Glaube und Familie, CES-Fireside für junge Erwachsene, 6. Februar 2005, Seite 1f.).
Wenn Sie die wunderbaren Worte von Elder Nelson bei der Frühjahrs-Generalkonferenz gehört haben, wissen Sie, was mich an der CES-Ansprache vom 6. Februar so berührt hat. In dieser Ansprache hatte er seiner lieben Frau noch auf eine wunderbare Art und Weise die wohl verdiente Anerkennung gezollt, und nur sechs Tage später starb sie plötzlich. Wie Elder Nelson sagte, hält das Leben tatsächlich ein paar unerwartete Überraschungen bereit, und es steht uns allen gut an, nicht nur darüber nachzudenken, was wir in 50 Jahren sein wollen, sondern auch Tag für Tag unser Leben so zu gestalten, dass wir jederzeit bereit sind, sollten wir plötzlich abberufen werden.
„Seht zu, dass ihr es tut“
Vorige Woche sprach ich mit jemandem vom Kollegium der Zwölf Apostel darüber, wie unsere Ansprachen bei der Frühjahrskonferenz aufgenommen wurden. Meinem Freund hatte jemand gesagt: „Ihre Ansprache hat mir wirklich gefallen.“ Wir waren uns einig, dass dies nicht gerade die Reaktion ist, die wir uns erhoffen. Mein Freund sagte: „Ich wollte gar nicht, dass die Ansprache jemandem gefällt. Glaubt der Mensch vielleicht, ich sei so eine Art Entertainer?“ Jemand anderes vom Kollegium kam hinzu und sagte: „Das erinnert mich an eine Geschichte von einem guten Pfarrer. Als einer der Kirchgänger zu ihm sagte: ,Heute hat mir Ihre Predigt aber wirklich gefallen‘, erwiderte der Pfarrer: ,Wenn das so ist, haben Sie sie nicht verstanden.‘“
Wie Sie vielleicht noch wissen, habe ich bei der Frühjahrskonferenz über Pornografie gesprochen. Was diese Ansprache betrifft, hat mir niemand gesagt, sie habe ihm gefallen – kein Mensch! Allerdings hat nicht einmal mir etwas daran gefallen.
Ich habe dieses Gespräch eigentlich nur erwähnt, um einen Grundsatz herauszustellen: Wenn eine Generalautorität bei einer Generalkonferenz spricht – Worte, die unter dem Einfluss des Geistes entstanden sind, um das Werk des Herrn voranzubringen –, dann nicht, um damit zu gefallen, sondern um zu inspirieren, zu erbauen, etwas anzuregen oder etwas richtig zu stellen. Was gesagt wird, soll unter dem Einfluss des Geistes des Herrn gehört werden, und das beabsichtigte Ergebnis besteht darin, dass der Zuhörer etwas aus der Ansprache lernt und vom Geist erfährt, was er zu tun hat.
König Benjamin war dieser Grundsatz bewusst. Er hat ihn erläutert. Seine große Predigt, die in den ersten paar Kapiteln des Buches Mosia steht, beginnt mit folgenden Worten:
„Meine Brüder, ihr alle, die ihr euch versammelt habt, die ihr meine Worte vernehmen könnt, die ich heute zu euch sprechen werde; ... ich habe euch nicht geboten, hier heraufzukommen, um mit den Worten, die ich sprechen werde, leichtfertig umzugehen, sondern dass ihr auf mich hört und eure Ohren öffnet, damit ihr hört, und euer Herz, damit ihr versteht“ (Mosia 2:9).
Wenn wir zusammenkommen, um einen Diener des Herrn zu hören, dürfen wir, wie dieser Prophet und König sagte, mit den Worten, die er spricht, nicht „leichtfertig“ umgehen. Es ist unsere Pflicht, unsere Ohren zu öffnen, um zu hören, und unser Herz, um zu verstehen. Dann sollen wir danach trachten, zu erkennen, was wir mit den Worten zu tun haben. Ich bin sicher, das König Benjamin genau dies im Sinn hatte, sagte er doch später in dieser bedeutsamen Ansprache: „Und nun, wenn ihr an dies alles glaubt, so seht zu, dass ihr es tut.“ (Mosia 4:10.) Bitte bedenken Sie diesen Grundsatz, wenn ich am heutigen Sabbat zu Ihnen spreche.
Ruhiges und beständiges Engagement – ein Leben lang
Ich habe meine Ansprache „Ein lebenslanges Engagement“ betitelt. Damit lehne ich mich an etwas an, was Gouverneur Adlai E. Stevenson aus Illinois, der Kandidat der Demokratischen Partei für die amerikanischen Präsidentschaftswahlen zur Amtsperiode 1952 bis 1956, einmal gesagt hat. Er war ein guter Mann und wäre wohl Präsident geworden, hätte er nicht einen sehr populären Gegenkandidaten gehabt, nämlich Dwight D. Eisenhower.
Bei einer Ansprache anlässlich einer Tagung der Kriegsveteranen sagte Stevenson zum Thema Patriotismus etwas sehr Kluges: „[Wir brauchen] keinen kurzen, frenetischen Gefühlsausbruch, sondern dass man sich sein Leben lang ruhig und beständig engagiert.“ (Rede vom 27. August 1952, zitiert in John Bartlett, Familiar Quotations, 13. Auflage, 1955, Seite 986.) Das gefällt mir: „keinen kurzen frenetischen Gefühlsausbruch, sondern dass man sich sein Leben lang ruhig und beständig engagiert“. Ich möchte diese Aussage zum Patriotismus als Maßstab dafür nehmen, wie wir das Evangelium leben sollen.
Manch einer lebt das Evangelium so, dass einem „kurzen, frenetischen Gefühlsausbruch“ lange inaktive Phasen oder ungleichmäßige, schwankende Leistungen folgen. Wir müssen das Evangelium aber so leben, „dass man sich sein Leben lang ruhig und beständig engagiert“.
Was bedeutet es, wenn man die Gebote so befolgen, die Bündnisse so halten und dem Herrn so dienen will, „dass man sich sein Leben lang ruhig und beständig engagiert“? Es bedeutet, dass man hundertprozentig Mitglied der Kirche ist, hundert Prozent der Zeit. In der Sprache der Schriften ausgedrückt, bedeutet es, dass man der Weisung folgt, die König Benjamin seinem Volk erteilte: „Darum möchte ich, dass ihr standhaft und unverrückbar seiet, stets reich an guten Werken, damit Christus, der Herr, der allmächtige Gott, euch als die Seinen siegle.“ (Mosia 5:15.) Es bedeutet, dass man dem entspricht, was Vater Lehi sich einst von einem wankelmütigen Sohn erwünschte: „O dass du wärest wie dieses Tal, fest und standhaft und unverrückbar im Halten der Gebote des Herrn!“ (1 Nephi 2:10.)
Zum „lebenslangen Engagement“ gehört, dass man ruhig und beständig ist, standhaft und unverrückbar. Wir halten fest an unseren Bündnissen und an der Führung und den Lehren der Diener des Herrn, damit wir, wie der Apostel Paulus schrieb, „nicht mehr unmündige Kinder [sind], ein Spiel der Wellen, hin und her getrieben von jedem Widerstreit der Meinungen“ (Epheser 4:14). Darin liegt unser Maßstab und unser Ziel. Der Maßstab Beständigkeit verlangt, dass wir Auswüchse meiden. Wir müssen der engagierte Diener sein, der beständig 100 Prozent Leistung bringt, nicht der frenetische Fanatiker, der hin und wieder 120 Prozent bringt.
Ein von mir hoch geschätzter Dozent an der BYU hat einen Fanatiker vor Jahren einmal so beschrieben: „Ein Fanatiker ist jemand, der sein Ziel aus den Augen verloren hat, aber die doppelte Kraft aufwendet, um es zu erreichen.“ Diese Definition war mir in meinem Leben eine gute Richtschnur, und ich möchte sie auch Ihnen ans Herz legen. Versuchen Sie nicht, Ihr Engagement durch fanatische Exzesse oder sonstige Großtuerei unter Beweis zu stellen. Wir zahlen unseren Zehnten und sind uns bewusst, dass das ständig zehn Prozent sind, keine acht, und schon gar nicht gelegentlich oder gar mit großem Getue zwölf Prozent.
Dabei fällt mir ein, was Präsident Harold B. Lee mir einmal zu bedenken gab, als ich Präsident der BYU war. Kurz vor der Weihung des Tempels in Provo äußerte er mir gegenüber seine Besorgnis, dass die unmittelbare Nähe des Tempels einige Studenten der BYU in Versuchung führen könnte, ihn so oft zu besuchen, dass sie ihr Studium vernachlässigten. Er bat mich, zusammen mit den Pfahlpräsidenten an der BYU dafür Sorge zu tragen, dass den Studenten bewusst wird, dass selbst etwas so Heiliges und Wichtiges wie die Arbeit im Tempel in Weisheit und Ordnung geschehen muss, damit die Studenten ihr Studium nicht vernachlässigen, was ja in ihren Studienjahren an der BYU das Wichtigste ist.
Es ist gefährlich, gute Grundsätze zu übertreiben
Vor über zehn Jahren hielt ich einmal eine Ansprache mit dem Titel „Gerade unsere Stärken können uns zu Fall bringen“ (Der Stern, Mai 1995, Seite 10-23). Darin sprach ich darüber, was geschieht, wenn man einen guten Grundsatz oder ein Gebot im Übermaß umsetzt. Ich führte 20 Beispiele an, von denen ich fünf für meine heutige Bitte umformuliert habe, dass wir uns ruhig und beständig ein Leben lang engagieren, anstatt, wie Gouverneur Stevenson es nannte, einem „kurzen, frenetischen Gefühlsausbruch“ zu erliegen.
Passenderweise geht es in meinem ersten Beispiel um den Patriotismus. Selbst die Vaterlandsliebe kann uns, wenn sie übertrieben wird, geistig schaden. Einige Mitbürger sind von einem derart rasenden und verzehrenden Patriotismus (wie sie das nennen) ergriffen, dass er jede andere Verantwortung, selbst die gegenüber der Familie und der Kirche, zu verdrängen scheint. Beispielsweise soll es da einige sogenannte Patrioten geben, die Privatarmeen aufstellen oder sich daran beteiligen und sich privat auf bewaffnete Auseinandersetzungen einrichten. Der überzogene Eifer, mit dem sie sich einem Teilaspekt der Vaterlandsliebe widmen, schadet ihnen geistig, je mehr sie sich aus der kirchlichen Gemeinschaft zurückziehen und sich der Herrschaft der weltlichen Obrigkeit, der wir nach unserem 12. Glaubensartikel ja untertan sind, entziehen.
Mein zweites Beispiel betrifft diejenigen, die sich mit grenzenloser Hingabe einer spezifischen Lehre oder einem spezifischen Gebot im Evangelium Jesu Christi widmen. Dabei mag es sich um die vorrangige Konzentration auf die Genealogie handeln, eine ungewöhnlich ausgiebige Beschäftigung mit verfassungsmäßigen Rechten oder eine sonstige Vorliebe.
In einer denkwürdigen Ansprache bei der Herbst-Konferenz 1971 verglich Elder Boyd K. Packer die Fülle des Evangeliums mit den Tasten eines Klaviers. Er wies darauf hin, dass man von einem bestimmten Ton genau wie von einer Lehre so angezogen sein kann, dass man ihn immer und immer wieder hören will. Er erklärte:
„Manche Mitglieder der Kirche, die es eigentlich besser wissen müssten, suchen sich ein, zwei Tasten aus und drücken sie unaufhörlich nieder ... Sie vergessen, dass wir die Fülle des Evangeliums besitzen, ... die ihnen allerdings über ihren Lieblingstönen ganz unwichtig vorkommt. Dies kann zu Übertreibungen und Verzerrungen führen, und die Betreffenden fallen schließlich von der Kirche ab.“ (Teach Ye Diligently, 1975, Seite 44.)
Über solche Menschen könnten wir das sagen, was der Herr über die Shaker sagte: „Sie haben den Wunsch, teilweise die Wahrheit zu wissen, aber nicht gänzlich.“ (LuB 49:2.) Ich sage darum: Vorsicht vor Lieblingstönen! Wenn Sie eine Taste so häufig niederdrücken, dass die volle Harmonie des Evangeliums zerstört oder schwer beeinträchtigt wird, weichen Sie von der Empfehlung ab, dass man sich sein Leben lang ruhig und beständig engagieren soll.
Da wir gerade Beispiele anführen, wie gefährlich es ist, einen guten Grundsatz überzustrapazieren, muss ich eine meiner eigenen Schwächen eingestehen. Sie kennen vermutlich den Spruch: „Probier das Neue nicht als Erster ganz gespannt, und leg das Alte nicht als Letzter aus der Hand.“ Was die technischen Wunderwerke unserer Zeit betrifft, wie zum Beispiel den Computer, bin ich vermutlich der Letzte, der das Alte aus der Hand legt.
Ich benutze noch immer eine Schreibmaschine. Seit über 50 Jahren habe ich Briefe und Notizen und Teile meiner Ansprachen auf einer ganzen Reihe von Schreibmaschinen getippt. Vor ein paar Jahren war die letzte, meine gute alte tragbare Schreibmaschine, schließlich ausgeleiert. Ich fing an, mich nach Ersatz umzuschauen. Das war gar nicht so einfach.
In der technischen Entwicklung folgte auf die manuelle Schreibmaschine die elektrische. Diesen Schritt habe ich übersprungen. Dann kamen Textverarbeitungssysteme am Computer, die immer raffinierter wurden und mit denen meine fähige Sekretärin, Margie McKnight, die zahlreichen Entwürfe zu dieser Ansprache angefertigt hat. Heutzutage kann man im Laden nur noch Computer kaufen. Da war es eigentlich kein Wunder, dass die jungen Verkäufer mich ungläubig anstarrten, wenn ich nach einer konventionellen, tragbaren Schreibmaschine verlangte. Ein findiger Bursche holte ganz stolz eine elektrische Schreibmaschine hervor, die klein und leicht genug war, um sie von einer Steckdose zur anderen mitzunehmen, und fragte mich, ob das meinen Vorstellungen entspräche.
Schließlich entdeckte ich einen kleinen Laden, deren ergrauter Inhaber noch wusste, was eine konventionelle, tragbare Schreibmaschine ist. Er hatte noch eine im Hinterzimmer, und ich wollte sie unbedingt haben. Der Ladeninhaber war ein wenig neugierig, was ich wohl damit anfangen wollte. Aus Höflichkeit fragte er nicht, sondern machte nur eine Andeutung. Als er mir die neue tragbare Maschine übergab, sagte er: „Davon verkaufen wir nicht viele. Sie gehen wohl oft zelten.“ Das hat sich wirklich so zugetragen!
Ich möchte mit einem dritten Beispiel über den Unterschied zwischen beständigem Engagement und kurzen, frenetischen Gefühlsausbrüchen fortfahren. Die Bereitschaft, im Werk des Herrn alles zu opfern, was wir besitzen, ist gewiss ein Kennzeichen von Engagement. Ja, es ist sogar etwas, was wir an heiliger Stätte geloben. Man muss diese Opfer aber mit Bedacht auf das beschränken, was der Herr und seine Führer von uns zu dieser Zeit verlangen. Wie Alma sollten wir sagen: „Warum sollte ich mir mehr wünschen, als das Werk zu verrichten, wozu ich berufen worden bin?“ (Alma 29:6.) Wem es nicht genügt, seinen Zehnten und die Opfergaben zu zahlen und in dem Amt zu dienen, in das man ihn berufen hat, der wird leicht anfällig für Sektierer, die ihm für seine Opferbereitschaft ein „Überdruckventil“ bieten, wie ich es einmal nennen möchte.
Beispiel vier betrifft Zielsetzungen. Es verleiht uns große Kraft, wenn wir uns auf unsere Ziele konzentrieren. Jeder kennt die Früchte solcher Anstrengungen, und doch kann hohe Zielstrebigkeit dazu führen, dass man vergisst, wie wichtig die Wahl der richtigen Mittel ist. Kommt es dazu, kann aus einem lobenswerten, beständigen Engagement eine gefährliche Leidenschaft werden.
Ein fünfter Bereich, in dem wir beständig auf Kurs bleiben müssen und uns vor Auswüchsen hüten müssen, sind die Finanzen. Uns ist geboten, den Armen zu geben. Kann die Erfüllung einer solch grundlegenden Christenpflicht übertrieben werden? Ja, allerdings. Ich habe das schon beobachtet. Vielleicht kennen auch Sie Leute, die ihrer Pflicht, den Armen zu geben, in solchem Übermaß nachgekommen sind, dass sie ihrer eigenen Familie geschadet haben, indem sie Mittel oder Zeit opferten, die eigentlich ihre Familie gebraucht hätte.
Um ein bekanntes Bild aus der Landwirtschaft anzuführen: Wir dürfen unser Saatgut nicht aufessen. Ein Exzess wie dieser würde uns der Fähigkeit berauben, die Früchte des nächsten Jahres, von denen ja unsere Familien ernährt und die Armen gespeist werden sollen, anzupflanzen und zu ernten. König Benjamin, der seinem Volk gebot, die Hungrigen zu speisen, die Nackten zu kleiden, die Kranken zu besuchen und ihnen Hilfe zuteil werden zu lassen (siehe Mosia 4:26), ermahnte es auch, darauf zu achten, „dass dies alles in Weisheit und Ordnung geschieht; denn es ist nicht erforderlich, dass der Mensch schneller laufe, als er Kraft hat“ (Vers 27; siehe auch LuB 10:4).
Zum Abschluss meiner fünf Beispiele muss ich eine Warnung aussprechen. Der Grundsatz, den ich dargelegt habe, dass wir uns nämlich beständig engagieren und Auswüchse vermeiden sollen, könnte auch so ausgelegt werden, dass wir uns in allem mäßigen sollen. Dem ist nicht so. Der Erretter hat uns geboten, mit ganzem Herzen, aller Macht, ganzem Sinn und aller Kraft zu dienen (siehe LuB 4:2), ernsthaft nach den Reichtümern der Ewigkeit zu trachten (siehe LuB 68:31) und im Zeugnis von Jesus tapfer zu sein (siehe LuB 76:79). Er hat uns gesagt, er werde uns „ausspeien“, wenn wir „lau“ sind (siehe Offenbarung 3:16). Die angeführten Beispiele zielen hauptsächlich darauf ab, dass wir in unserem Engagement, unserem Eifer und unseren Bemühungen standhaft und unbeirrbar sein müssen.
Verabredungen statt „abhängen“
Ich habe mich bemüht, Beispiele dafür anzuführen, wie wichtig es ist, sich lebenslang beständig zu engagieren, und davor gewarnt, der Gefahr zu erliegen, gute Grundsätze zu übertreiben. Sollte es mir bisher nicht gelungen sein, Sie zu einer Überprüfung Ihres Verhaltens zu veranlassen, wird der letzte Punkt vielleicht dazu führen.
In seiner Ansprache anlässlich der Diplomverleihung an der BYU vor zwei Wochen bezog sich Elder Earl C. Tingey auf einen Artikel über junge Leute in Ihrem Alter, der neulich in der Zeitschrift Time erschienen ist. Darin heißt es, das Alter zwischen 18 und 25 Jahren sei zu einer klar umrissenen, eigenständigen Lebensphase geworden, einem seltsam verschwommenen Übergangsstadium zwischen dem Erwachsenwerden und dem Erwachsensein, in dem man sich noch ein paar Jahre länger aufhält und die Verantwortung, die ein Erwachsener hat, vor sich hinschiebt (siehe Lev Grossman, „Grow Up? Not So Fast“, Time, 24. Januar 2005, Seite 44). In dem Artikel werden diese Übergangswesen als „ständig Heranwachsende“ bezeichnet, als „Peter Pan in den Zwanzigern“ (Seite 42). Um diese Untersuchung in Begriffe zu kleiden, mit denen die BYU-Absolventen und ihre Angehörigen eher vertraut sind, sprach Elder Tingey von der „Unentschlossenheit, die manche Hochschulabgänger an den Tag legen, wenn es darum geht, sich den Aufgaben Eheschließung und Familiengründung zu stellen“ (Ansprache zur Abschlussfeier am 21. April 2005).
Die Neigung, die Aufgaben eines Erwachsenen vor sich herzuschieben, auch was das Heiraten und Kinderkriegen betrifft, ist bei den jungen Erwachsenen in der Kirche deutlich sichtbar. Das durchschnittliche Heiratsalter ist in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter gestiegen, und die verheirateten Paare in der Kirche bekommen immer weniger Kinder. In Elder Nelsons Ansprache bei der Fireside vor drei Monaten, „Glaube und Familie“, ging es um dieses Thema, und es betrifft auch mein Thema, „Ein lebenslanges Engagement“. Ich möchte deshalb zum Schluss einige Befürchtungen ansprechen, die sich auf gängige Praktiken bei jungen alleinstehenden Mitgliedern der Kirche in Nordamerika beziehen.
Zuverlässige Beobachter berichten, dass die Praxis, sich zu verabreden, an den Hochschulen wie unter jungen Erwachsenen allgemein kaum noch verbreitet ist. Stattdessen hat sich das sogenannte „Abhängen“ eingebürgert (siehe Bruce A. Chadwick, „Hanging Out, Hooking Up, and Celestial Marriage“, in Brigham Young University 2002–2003 Speeches, Seite 1-8). Sie wissen offenbar Bescheid, worum es sich da handelt, aber für die etwas Älteren oder noch Älteren oder auch sonst weniger Sachkundigen möchte ich es etwas erläutern. Beim Abhängen kommt eine beliebige Anzahl junger Männer und Frauen zu einer Art Gruppenaktivität zusammen. Das ist etwas ganz anderes als eine Verabredung.
Für diejenigen unter Ihnen, die noch nicht zu den Älteren oder noch Älteren gehören, möchte ich auch das etwas erläutern. Im Gegensatz zum Abhängen sind Verabredungen keine Massenveranstaltung. Bei einer Verabredung trifft man sich zu zweit, um die Art einer Zweierbeziehung und einer vorübergehenden Bindung kennen zu lernen, die im besten aller Ausnahmefälle zur Ehe führen kann.
Wieso stirbt die Verabredung allmählich aus? Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich kann einige Faktoren erkennen, die dazu beitragen.
- 1. Die gesellschaftlichen Strömungen in unserer Zeit sprechen stark gegen jede familiäre Bindung. Zum Beispiel ist es rechtlich einfach geworden, sich scheiden zu lassen, und es ist unmodern geworden, Kinder zu bekommen. Der Drang, sich nicht zu binden, begünstigt ganz offensichtlich den Widerstand des Teufels gegen den Plan, den der Vater für seine Kinder hat, und der darauf beruht, dass Bündnisse und Verpflichtungen eingehalten werden. Alles, was uns davon abhält, uns zu verpflichten, schwächt unsere Fähigkeit, am Plan mitzuwirken. Bei einer Verabredung muss man sich verpflichten, wenn auch nur für ein paar Stunden. Beim Abhängen muss sich niemand verpflichten – zumindest nicht die Männer, wenn die Frauen für Verpflegung und Unterkunft sorgen.
- 2. Die zunehmende Gleichberechtigung in der Arbeitswelt ist Verabredungen ebenfalls nicht zuträglich. Je mehr Möglichkeiten die Frauen haben und je offensiver manche diese wahrnehmen, desto mehr zögern die Männer, nach alter Tradition die Initiative zu übernehmen und eine Frau beispielsweise um ein Rendezvous zu bitten. Sie fürchten nämlich, dann als „Chauvinist“ gebrandmarkt zu werden.
- 3. In Fernsehsendungen über Alleinstehende wird das Abhängen verherrlicht.
- 4. Was eine Verabredung ist und was dazugehört, hat sich ebenfalls so stark gewandelt, dass man sie sich schlichtweg nicht mehr leisten kann. Ich konnte beobachten, wie dieser Trend bei unseren jüngeren Kindern Einzug hielt. Aus unerfindlichem Grund dachten die Jungen an der Schule, sie müssten für eine Verabredung etwas ganz Raffiniertes oder Exotisches veranstalten, vor allem wenn es um so etwas wie einen Ball ging, und die Mädchen dachten, sie müssten das in ähnlicher Form erwidern. Außerdem musste die Verabredung stets irgendwie ins Geld gehen. So etwas hatte ich auf dem Campus der BYU in den Siebzigerjahren gesehen. Ich weiß noch, wie ein Pärchen sich auf dem Mittelstreifen südlich vom BYU-Football-Stadion, umbraust vom Verkehr, von Freunden ein Essen servieren ließ.
All dies hat das Verabreden erschwert. Je ausgefallener und je teurer ein Rendezvous wird, desto weniger Verabredungen gibt es. Je weniger Verabredungen es gibt und je raffinierter sie ausfallen, desto mehr scheint auch die Erwartung zu steigen, dass es dabei um etwas Ernstes geht oder dass es eine längerfristige Bindung nach sich zieht. Diese Erwartung wirkt nicht gerade förderlich. Vorbei die Zeiten, in denen noch Ihre Eltern, ich und Ihre Großeltern durch einen plumpen, billigen Telefonanruf zusammenkamen. So ein Gespräch lief etwa wie folgt: „Was machst du heute Abend? Gehen wir ins Kino?“, oder „Gehen wir zusammen in die Stadt?“ Eine billige Verabredung wie diese kann man oft wahrnehmen, und sie wirkt auch nicht beängstigend, da sie keine längerfristige Bindung erahnen lässt.
Bei einfachen, aber häufigen Verabredungen können sowohl Männer als auch Frauen sich einfach nur umsehen und die Aussichten gründlich abwägen. Bei so einer altmodischen Verabredung konnte man wunderbar jemand vom anderen Geschlecht kennen lernen. Man unterhielt sich miteinander. Man konnte sich ein Bild machen, wie man andere behandelt und von ihnen behandelt wird, wenn man zu zweit zusammen ist. Man hatte viele Chancen zu lernen, wie man eine reife Beziehung anbahnt und aufrechterhält. Beim Abhängen geschieht nichts dergleichen.
Liebe alleinstehende Brüder und Schwestern, halten Sie sich an das einfache Muster für Verabredungen, und Sie brauchen sich nicht im Internet in einem Chatroom oder bei einem Kontaktvermittler umzuschauen – zwei Varianten, die sehr gefährlich oder zumindest überflüssig und nutzlos sein können.
Noch ein weiterer Faktor trägt möglicherweise dazu bei, dass man sich immer weniger verabredet und dass das Abhängen so sehr um sich greift. Viele Jahre lang hat die Kirche jungen Menschen geraten, sich nicht vor dem 16. Lebensjahr zu verabreden. Vielleicht haben einige junge Erwachsene, zumal die Männer, diesen weisen Ratschlag zu ernst genommen und sich entschlossen, sich nicht eher als mit 26 oder gar mit 36 zu verabreden.
Ihr Männer, wenn ihr von eurer Mission zurückgekehrt seid und noch immer dem Jungen-und-Mädchen-Schema folgt, das euch mit 15 empfohlen wurde, dann wird es Zeit für euch, erwachsen zu werden. Fasst Mut und haltet nach jemand Ausschau, mit dem ihr zusammenkommen könnt. Trefft viele Verabredungen mit den verschiedensten jungen Frauen, und wenn sich da eine gute Aussicht ergibt, macht etwas Ernstes daraus. Es ist an der Zeit, zu heiraten. Das ist die Absicht des Herrn in Bezug auf seine jungen erwachsenen Söhne und Töchter. Die Initiative liegt bei den Männern, und ihr müsst sie ergreifen. Wenn ihr nicht wisst, was eine Verabredung ist, hilft euch vielleicht die folgende Regel, die ich von meiner 18-jährigen Enkeltochter habe. Eine Verabredung muss drei Punkte erfüllen: 1. gut geplant, 2. nicht zu teuer, 3. auf zwei Personen ausgelegt.
Ihr jungen Frauen, lasst euch weniger auf das Abhängen ein, sondern kümmert euch lieber um einfache, preiswerte und häufige Verabredungen. Macht es den jungen Männern nicht so leicht, irgendwo abzuhängen, wo ihr Frauen die Verpflegung besorgt. Füttert keine Kostgänger durch. Gelegentlich eine Gruppenaktivität ist in Ordnung, aber wenn ihr Männer seht, die mit dem anderen Geschlecht vorzugsweise beim Abhängen zusammenkommen, dann solltet ihr, finde ich, die Küche zusperren und die Haustür vernageln.
Dabei könnt ihr auch gleich ein Schild aufhängen: „Für Einzeltermine geöffnet“, oder etwas in der Art. Und, ihr jungen Frauen, erleichtert es den schüchternen Männern doch bitte, sich einfach und preiswert zu verabreden. Dazu gehört, dass ihr nicht den Eindruck erwecken dürft, die Verabredung sei eine überaus ernsthafte Angelegenheit. Wenn wir junge Männer dazu bringen wollen, sich häufiger zu verabreden, muss für beide Seiten klar sein, dass eine Verabredung nicht zwangsläufig eine feste Bindung nach sich zieht. Zu guter Letzt, ihr jungen Frauen: Wenn ihr eine Absage erteilt, seid freundlich, denn sonst könntet ihr einen nervösen oder schüchternen Antragsteller vernichtend schlagen und so eine andere Schwester um ihr Glück bringen, weil er sich nicht mehr traut, zu fragen.
Meine alleinstehenden jungen Freunde, wir raten euch, eure Beziehungen zum anderen Geschlecht über Verabredungen anzubahnen, die zu einer Eheschließung führen können, und nicht über das Abhängen, das nur zu Mannschaftssportarten wie Fußball führen kann. Die Ehe ist keine Gruppenaktivität – zumindest solange nicht, bis sich Kinder in reichlicher Anzahl einstellen.
Schwestern, Sie scheinen genossen zu haben, dass ich mich in erster Linie über die Pflichten alleinstehender Männer ausgelassen habe. Nun ein paar Worte an die alleinstehenden Frauen.
Wenn Sie lediglich auf der Stelle treten und auf einen Heiratsantrag warten, so hören Sie auf damit! Vielleicht bekommen Sie in Ihrem Leben nie die Chance, einen passenden Ehepartner zu finden – also warten Sie nicht länger und setzen Sie sich in Bewegung. Bereiten Sie sich auf das Leben vor – selbst als Alleinstehende – indem Sie sich bilden, Erfahrungen sammeln und Pläne schmieden. Warten Sie nicht, dass das Glück Ihnen hinterherläuft. Suchen Sie es selbst, indem Sie dienen und lernen. Nehmen Sie Ihr Leben in die Hand und haben Sie Gottvertrauen. Richten Sie Ihr Engagement Ihr Leben lang nach dem Rat König Benjamins aus, indem Sie „den Namen des Herrn täglich [anrufen] und standhaft [dastehen] im Glauben an das, was kommen wird“ (Mosia 4:11).
„Sie regieren sich selbst“
Und nun, alleinstehende Schwestern, möchte ich eine Expertin zu mir ans Pult bitten, nämlich meine Frau, Kristen, die als Erwachsene etwa 35 Jahre lang alleinstehend war, ehe wir geheiratet haben. Ich bitte sie, hierher zu mir zu kommen und uns einmal zu sagen, was sie empfindet.
Schwester Kristen Oaks: Vielen Dank, Elder Oaks. Ich habe erst mit Mitte fünfzig geheiratet und komme mir allmählich wie ein Vorzeigemädchen für die älteren Jahrgänge vor.
Ehe ich zum Thema komme, muss ich Ihnen unbedingt sagen, wie sehr der himmlische Vater Sie liebt. Wir sind ja hier in Oakland, und ich habe mir gerade mit dem hiesigen Missionspräsidenten, Robert Bauman, das Besucherzentrum gegenüber mit der Christus-Statue angeschaut und die Worte über den lebendigen Christus gehört. Das hat mich tief bewegt. Diese Zeit gehört Ihnen. Geben Sie ihr einen Wert, indem Sie sie dem himmlischen Vater weihen.
Mir gefällt, was Präsident Packer über das Sühnopfer sagt. Es wird nämlich nicht erst am Ende des Lebens wirksam, sondern jeden Tag. Den alleinstehenden Schwestern kann ich nur sagen: Machen Sie das Beste daraus!
Es kann sehr schmerzhaft sein, wenn man lange allein ist, zumal in einer Kirche, in der sich alles um die Familie dreht. Ich kenne das Gefühl. An meinem 50. Geburtstag las mein Schwager gerade die Zeitung. Auf einmal sagte er: „Du, hier in der Zeitung steht, dass man mit 50 Jahren größere Chancen hat, von Terroristen umgebracht zu werden, als zu heiraten.“ Als er das sagte, war mir klar, dass es nicht einfach ist, einen Partner zu finden, aber geben Sie nicht auf – es hat nichts mit Terrorismus zu tun.
Außerdem möchte ich Ihnen raten: Achten Sie auf Ausgewogenheit. Als alleinstehende Frau musste ich nach vorn schauen. Ich habe dann meine Doktorarbeit geschrieben und mich so in meinen Beruf vertieft, dass ich dabei ganz vergaß, ein guter Mensch zu sein. Das möchte ich allen hier im Raum sagen: Vergessen Sie nie, dass Sie in erster Linie als Mutter und Vater berufen sind, und fördern Sie häusliche Talente wie das Talent, Liebe zu geben und hilfsbereit zu sein. Als ich allein war, musste ich mich nach Dienstprojekten umschauen, und heute sitzt mir jeden Abend eines am Tisch gegenüber. Dafür bin ich sehr dankbar.
Zum Schluss möchte ich noch etwas über schwierige Zeiten im Leben sagen, die es immer gibt, ob man alleinstehend ist oder verheiratet. Vielleicht haben Sie ein schwer krankes Kind, oder ein Mensch, der Ihnen nahe steht, stirbt, oder Sie erleben eine Phase großer Einsamkeit. Vielleicht verlieren Sie ein Kind oder geraten in eine Situation, die Sie nicht beeinflussen können, beispielsweise eine chronische Krankheit. Ich rate Ihnen, sich damit dem himmlischen Vater anzuvertrauen. In Helaman 3:35 steht, wenn wir unser Herz Gott hingeben, dann dient all unser Tun einer Heiligung, und dann trägt jeder Augenblick seinen Segen in sich.
Ich fühle mich Ihnen besonders verbunden. Sie stehen mir so nahe, weil ich weiß, in welcher Lage Sie sich befinden. Mir ist es nämlich lange, lange Zeit genauso ergangen.
Sie sollen wissen, dass dies die Kirche des lebendigen Gottes ist, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Es ist seine Kirche. Ich bin dankbar für den lebenden Propheten, Präsident Gordon B. Hinckley. Vor allem weiß ich aber, dass ich einen himmlischen Vater habe, der mich liebt und der stets mein bester Freund war, wenn mich sonst niemand lieb hatte. Das sage ich im Namen Jesu Christi. Amen.
Elder Dallin H. Oaks: Vielen Dank, Kristen. Brüder und Schwestern, falls wir etwas gesagt haben, was Ihnen Sorgen bereitet, so hören Sie bitte ganz genau zu, was ich jetzt sage. Vielleicht fühlen Sie sich als junger Mann unter Druck gesetzt, weil ich gesagt habe, Sie müssen mit Verabredungen anfangen, die zur Heirat führen können, oder Sie sind als junge Frau besorgt, weil wir gesagt haben, Sie müssen Ihr Leben in die Hand nehmen.
Wenn Sie glauben, Sie seien ein Sonderfall, auf den die starken Worte, die ich gebraucht habe, nicht zutreffen, schreiben Sie mir bitte keine Briefe. Warum ich das sage? Ich habe festgestellt: Wenn ich unmittelbar Rat erteile, führt das zu einer Unmenge Briefen von Mitgliedern, die glauben, sie seien eine Ausnahme, und die dann von mir bestätigt haben wollen, dass das, was ich gesagt habe, auf sie in ihrer besonderen Situation einfach nicht zutrifft.
Warum ich auf diese Art Briefe wenig trostreich antworten kann, lässt sich am besten anhand eines Erlebnisses veranschaulichen, das ich mit jemandem hatte, der mit einer allgemein gültigen Regel Schwierigkeiten hatte. Ich hielt eine Ansprache, in der ich auf das Gebot „du sollst nicht morden“ einging (Exodus 20:13). Danach kam ein Mann zu mir, in Tränen aufgelöst, und meinte, was ich gesagt habe, sei ein Beweis, dass es für ihn keine Hoffnung gebe. „Was meinen Sie damit?“, fragte ich ihn.
Er erklärte mir, er sei im Koreakrieg MG-Schütze gewesen. Bei einem Frontalangriff habe er mit seinem MG Scharen feindlicher Infanteristen niedergemäht. Ihre Leichen stapelten sich vor seiner Waffe derart hoch auf, dass er sie mit seinen Leuten fortschieben musste, um weiterhin freies Schussfeld zu haben. Er habe hundert Mann ermordet, sagte er, und nun müsse er zur Hölle fahren, weil ich über das Gebot des Herrn gesprochen habe, dass man nicht morden soll.
Was ich diesem Mann erklärt habe, ist dasselbe, was ich auch Ihnen erkläre, wenn Sie sich für eine Ausnahme von meinen Worten halten. Als Generalautorität ist es meine Aufgabe, allgemein gültige Grundsätze zu verkünden. Dabei mache ich nicht den Versuch, sämtliche Ausnahmen zu berücksichtigen. Zu manchen Regeln gibt es Ausnahmen. Zum Beispiel glauben wir nicht, dass das Gebot übertreten wird, wenn man bei einer bewaffneten Auseinandersetzung aufgrund eines rechtmäßigen Befehls jemanden tötet. Verlangen Sie aber von mir nicht, mich zu Ihrem Ausnahmefall zu äußern. Ich lehre nur die allgemeinen Regeln. Ob Sie eine Ausnahme darstellen, liegt in Ihrem Ermessen. Das müssen Sie ganz allein für sich mit dem Herrn ausmachen.
Genau das hat der Prophet Joseph Smith auch gesagt, nur etwas anders. Er wurde einmal gefragt, wie er die doch so verschiedenen Mitglieder der Kirche regiere, und er antwortete: „Ich lehre sie richtige Grundsätze, und dann regieren sie sich selbst.“ (Zitiert von John Taylor im Millennial Star, 15. November 1851, Seite 339.) Mit dem, was ich gerade gesagt habe, vermittele ich lediglich richtige Grundsätze, und ich fordere Sie alle auf, diese zu befolgen, indem Sie sich selbst regieren.
Brüder und Schwestern, es war großartig, bei Ihnen zu sein. Ich bete darum, dass das, was heute gesagt wurde, Ihnen ins Herz dringt und dass Sie es mit der Macht des heiligen Geistes genau so auffassen, wie es beabsichtigt war, nämlich als einen Segen für Sie, der den Bedrängten Ruhe verschaffen und die allzu Ruhigen in Bedrängnis bringen soll.
Dies ist die Kirche Jesu Christi. Er litt und starb unter schrecklichen Qualen in Getsemani und Golgota, um uns die Unsterblichkeit zu sichern und uns ewiges Leben zu ermöglichen. Ich bete darum, dass der Herr einen jeden von uns entsprechend unserem Bestreben, seine Gebote zu halten, segnen möge, dass wir unseren Blick noch höher erheben und unsere alltäglichen Entscheidungen so ausfallen, dass wir uns dadurch, wie ich es nannte, ein Leben lang ruhig und beständig engagieren. Dies ist die Kirche Jesu Christi, die in den Letzten Tagen mit der Macht der Priestertums und mit der Fülle des Evangeliums wiederhergestellt wurde. Davon gebe ich Zeugnis, und ich erflehe für Sie, meine geschätzten Freunde, den Segen des Herrn. Im Namen Jesu Christi. Amen.