Entscheidungen bestimmen unser Schicksal
Präsident Thomas S. Monson
Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft
CES-Fireside für junge Erwachsene • 6. November 2005 • Brigham-Young-Universität
Sie sind eine wunderbare Gruppe, ja, eine erwählte Generation, Sie alle, die hier im Marriott Center an der Brigham-Young-Universität und an vielen anderen Orten versammelt sind. Es ist mir eine Ehre, bei Ihnen zu sein, und Sie sollen wissen, dass ich heute Abend an keinem anderen Ort der Welt lieber wäre.
Ich habe mich mit aufrichtigem persönlichen Gebet auf diesen Auftrag vorbereitet. Ich bitte Sie um Ihren Glauben und Ihre Gebete.
Wenn ich Sie ansehe und auch an diejenigen denke, die andernorts zuhören, muss ich an Ihre Eltern denken. Viele Jahre lang durfte ich fast jede Woche eine Pfahlkonferenz besuchen und im Haus eines Pfahlpräsidenten oder eines Ratgebers eines Pfahlpräsidenten übernachten. Manchmal erlebte man dabei eine Überraschung. Es kam vor, dass ein kleiner Sohn oder eine kleine Tochter nicht wusste, dass die Eltern ihr Schlafzimmer und ihr Bett einer Generalautorität überlassen hatten. Das Kind schlich früh am Morgen ins Schlafzimmer und kroch, wie es meinte, zu seiner Mutter und seinem Vater ins Bett – und war dann sehr überrascht und verwirrt, als es merkte, dass das nicht der Fall war.
Vor vielen Jahren besuchte ich auch den Pfahl Indianapolis. Präsident Lowe, der an der Purdue University arbeitete, sagte damals zu mir: „Bruder Monson, möchten Sie bei uns übernachten oder auf die über sechzig Kilometer lange Fahrt verzichten und lieber bei meinem Ratgeber hier in Indianapolis bleiben?“
Ich antwortete: „Es ist schon spät, Präsident Lowe. Wenn es Ihnen nichts ausmacht, bleibe ich lieber bei Ihrem Ratgeber hier in Indianapolis.“
Am nächsten Morgen um acht begrüßte mich Präsident Lowe und sagte: „Bruder Monson, Sie haben eine inspirierte Entscheidung getroffen.“
Ich fragte: „Inwiefern?“
„Nun“, antwortete er, „wir haben einen Sohn, der an einem anderen Ort studiert, und wir hatten natürlich vor, Ihnen unser Schlafzimmer zu überlassen. Völlig unerwartet kam unser Sohn um zwei Uhr nachts nach Hause, kam zur Haustür herein, ging die Treppe hinauf zu unserem Schlafzimmer, knipste das Licht an und rief laut: ‚Überraschung!‘“
Ich weiß nicht, wer wohl mehr überrascht gewesen wäre, wenn ich beim Pfahlpräsidenten übernachtet hätte – der Student oder ich! Es ist wahrscheinlich besser, dass wir es nicht herausgefunden haben.
Nun, meine jungen Freunde, ein spannendes Leben liegt vor Ihnen! Sie werden wohl kein John Cabot sein, der mit einem Freibrief des Königs hinaussegelt, um neues Land zu entdecken, auch kein Kapitän James Cook, dessen Entdeckungsreisen ihn in ferne Länder mit seltsam klingenden Namen führten.1 Aber Sie können in geistiger Hinsicht Forscher sein, mit dem Auftrag, die Welt zu verbessern, indem Sie entdecken, wie Sie ein besseres Leben führen und manches besser machen können. Wenn wir etwas erforschen wollen, sei es die Erdoberfläche, sei es die Weite des Weltalls oder seien es die Grundsätze eines erfüllten Lebens, müssen wir auch lernen, Schwierigkeiten mit Mut zu begegnen, Enttäuschung mit Frohsinn und Triumph mit Demut.
Sicher kennen viele von Ihnen das Musical Anatevka. Es ist eines meiner Lieblingsstücke. Man muss lachen, wenn man sieht, wie der traditionsbewusste Vater einer jüdischen Familie in Russland versucht, mit dem Wandel der Zeiten zurechtzukommen, den ihm seine hübschen Töchter deutlich vor Augen führen. Unbekümmert singen Sie „Jente, o Jente, finde mir einen Mann“. Tewje, der Vater, singt darauf als Antwort: „Wenn ich einmal reich wär“. Die wunderschöne Melodie des Liedes „Sabbat“ rührt zu Tränen, und bei dem Lied „Anatevka“ kann man Tewjes Liebe zu seinem Heimatdorf nachempfinden.
Das fröhliche Tanzen, die rhythmische Musik und die ausgezeichneten Schauspieler treten jedoch allesamt in den Hintergrund, wenn Tewje ausspricht, was für mich die Aussage des Musicals ist. Er schart seine reizenden Töchter um sich, und in der schlichten, ländlichen Umgebung gibt er ihnen einen Rat im Hinblick auf ihre Zukunft. „Denkt daran“, ermahnt Tewje sie, „in Anatevka wissen wir, wer wir sind und was Gott von uns erwartet.“
Als Heilige der Letzten Tage wissen wir, wer wir sind und was Gott von uns erwartet. Hören Sie, welche Wahrheit uns im ersten Buch Mose, dem Buch Genesis, gelehrt wird: „Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. … Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. Gott segnete sie.“ (Genesis 1:26-28.)
„Als Abbild Gottes erschaffen.“ Wir können davon nicht ernstlich überzeugt sein, ohne dabei eine tiefe innere Kraft zu spüren. Als Heilige der Letzten Tage wissen wir, dass wir gelebt haben, bevor wir auf die Erde gekommen sind, dass das irdische Leben eine Bewährungszeit ist, in der wir zeigen können, dass wir Gottes Geboten gehorchen und somit der celestialen Herrlichkeit würdig sind. Ja, wir wissen, wer wir sind und was Gott von uns erwartet. Dieses Wissen garantiert jedoch nicht, dass es uns auch gelingt, unser Ziel, nämlich das ewige Leben, zu erreichen.
In den letzten fünfzig Jahren hat in vielen Lebensbereichen weltweit ein langsamer, doch stetiger Verfall stattgefunden. Wir sehen Beziehungen ohne Sittlichkeit, Wissenschaft ohne Menschlichkeit, Wissen ohne Charakter, Geschäft ohne Moral, Gottesdienst ohne Opfer, Genuss ohne Gewissen, Politik ohne Prinzipien und Reichtum ohne Arbeit.
Vielleicht hat der berühmte Autor Charles Dickens unsere Zeit am besten getroffen, als er eine Zeit vor über zweihundert Jahren beschrieb. Der Klassiker Eine Geschichte aus zwei Städten beginnt mit den Worten:
„Es war die beste Zeit, es war die schlimmste Zeit; es war die Zeit der Weisheit, es war die Zeit der Torheit; es war die Epoche des Glaubens, es war die Epoche der Ungläubigkeit; es war die Zeit des Lichts, es war die Zeit der Finsternis; es war der Frühling der Hoffnung, es war der Winter der Verzweiflung; alles lag vor uns, nichts lag vor uns.“
So sieht auch Ihre Welt aus. Die Zukunft liegt in Ihrer Hand. Was am Ende herauskommt, liegt an Ihnen. Der Weg zur Erhöhung ist keine Autobahn, auf der Sie unbegrenzte Sicht und keine Tempolimits haben und wo Ihre Fähigkeiten nicht geprüft werden. Vielmehr gibt es auf diesem Weg viele Gabelungen und Biegungen, scharfe Kurven und Geschwindigkeitsbegrenzungen. Ihre Fahrkünste werden geprüft. Sind Sie bereit dafür? Sie sitzen am Steuer. Sie fahren diese Strecke zum ersten Mal. Zum Glück hat der Baumeister dieser Autobahn, unser Vater im Himmel, uns eine Karte bereitgestellt, die uns den richtigen Weg weist. Entlang des Wegs hat er Schilder aufgestellt, die Sie zu Ihrer Bestimmung führen sollen. Vielleicht kennen Sie einige seiner Schilder:
- • „Ehre deinen Vater und deine Mutter.“ (Exodus 20:12.)
- • „Erforscht die Schriften, ... gerade sie legen Zeugnis über mich ab.“ (Johannes 5:39.)
- • „Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen.“ (Matthäus 6:33.)
- • „Seid rein.“ (3 Nephi 20:41.)
Doch auch der Böse hat Straßenschilder aufgestellt, um Ihren Fortschritt aufzuhalten und Sie vom wahren Weg abzubringen und auf sündige Umwege zu führen. Seine Umwege enden alle in einer Sackgasse. Vielleicht kennen Sie auch seine Schilder:
- • Einmal ist keinmal.
- • Es trifft ja keinen außer mich.
- • Ich kann Liebe geben, wie ich will, es ist schließlich mein Leben.
- • Die Zeiten haben sich geändert.
Nun erkennen wir immer deutlicher, dass wir nicht umhinkommen, uns in den kritischen Momenten, an den Kreuzungen unseres Lebens, zu entscheiden. Der, der Sie nach unten bringen will, wartet geduldig auf eine dunkle Nacht, auf Unentschlossenheit, auf ein verunsichertes Gewissen, auf einen verwirrten Sinn. Sind Sie bereit, an den Kreuzungen eine Entscheidung zu treffen?
Ich kann gar nicht genug betonen, dass unsere Entscheidungen unser Schicksal bestimmen. Jede Entscheidung für die Ewigkeit zieht auch ewige Folgen nach sich.
Bei unseren Entscheidungen können wir auf eine ganz einfache Formel zurückgreifen. Sie lässt sich leicht merken, aber manchmal schwer anwenden: Wer das Falsche tut, ist nie im Recht, wer das Rechte tut, liegt niemals falsch. Unser Gewissen ermahnt uns zunächst als Freund, ehe es uns als Richter straft.
In einer Offenbarung, die dem Propheten Joseph Smith im Mai 1831 in Kirtland in Ohio gegeben wurde, erklärt der Herr: „Was nicht erbaut, das ist nicht von Gott, sondern ist Finsternis. Was von Gott ist, das ist Licht.“ (LuB 50:23,24.)
Manch einer ist töricht, kehrt Gottes Weisheit den Rücken zu und folgt den Verlockungen der launischen Mode, der Anziehungskraft scheinbarer Beliebtheit und dem Nervenkitzel des Augenblicks. Er verhält sich kaum anders als Esau, der sein Erstgeburtsrecht für Linsengemüse verkaufte.
Um dies zu verdeutlichen, möchte ich Ihnen die Ergebnisse einer Umfrage berichten, die von einem seriösen Institut durchgeführt und in einer überregionalen Zeitschrift veröffentlicht wurde.2 Thema der Umfrage war, was man für zehn Millionen Dollar so alles tun würde. Ich stelle Ihnen die gleichen Fragen, die in der Umfrage gestellt wurden:
- • Würden Sie für zehn Millionen Dollar in bar Ihre Familie für immer verlassen?
- • Würden Sie jemanden heiraten, den Sie nicht lieben?
- • Würden Sie alle Ihre Freunde auf Dauer verlassen?
- • Würden Sie unter einer falschen Anklage für ein Jahr ins Gefängnis gehen?
- • Würden Sie sich in der Öffentlichkeit ausziehen?
- • Würden Sie einen gefährlichen Job übernehmen, der Sie mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu zehn das Leben kosten könnte?
- • Würden Sie ein Jahr lang betteln gehen?
Von den Befragten würde 1 Prozent die Familie verlassen, 10 Prozent würden ohne Liebe heiraten, 11 Prozent würden ihre Freunde aufgeben, 12 Prozent würden sich in der Öffentlichkeit ausziehen, 13 Prozent würden für ein Jahr ins Gefängnis gehen, 14 Prozent würden einen riskanten Job übernehmen und 21 Prozent würden ein Jahr lang betteln gehen.
Wo Geld, und nicht Moral, das Verhalten bestimmt, wendet man sich von Gott ab. Die Abkehr von Gott hat zur Folge, dass Bündnisse gebrochen werden, Träume zerplatzen, Ziele aufgegeben werden, Erwartungen sich nicht erfüllen, Hoffnungen sich zerschlagen und das Leben ruiniert wird.
Ich bitte Sie eindringlich: Meiden Sie solchen Treibsand! Sie sind von edler Herkunft. Ewiges Leben im Reich unseres Vaters ist Ihr Ziel. Solch ein Ziel lässt sich nicht mit einem einzigen glanzvollen Versuch erreichen, nein, dazu bedarf es eines rechtschaffenen Lebens, vieler kluger Entscheidungen und fester Entschlossenheit. Wie die begehrte Eins auf dem Zeugnis für ein schwieriges, doch notwendiges Fach, erfordert auch das ewige Leben, dass man sich anstrengt.
Es gibt eine Erzählung über Euklid, den Pharao und die Geometrie. Der Pharao, der von Euklids Erläuterungen und Vorführungen fasziniert war, wollte die Geometrie erlernen, und Euklid begann, ihn zu unterweisen. Er befasste sich kurz damit, dann rief er Euklid zu sich und sagte, es gehe ihm viel zu langsam voran. Er sei der Pharao, es müsse einen schnelleren Weg geben. Er wolle nicht seine ganze Zeit damit zubringen, Geometrie zu lernen. Da sprach Euklid eine großartige Wahrheit aus. Er sagte diesem König: „Es gibt keinen Königsweg zur Geometrie.“3
Meine jungen Freunde, es gibt keinen Königsweg zur Errettung und Erhöhung. Wonach wir auch streben, es gibt keinen Königsweg zum Erfolg. Die Eins ist das Ergebnis aller Aufsätze, aller Aufgaben, aller Unterrichte, aller Prüfungen, aller Seminararbeiten. Ebenso führt jedes aufrichtige Gebet, jede Versammlung der Kirche, die man besucht, jeder würdige Freund, jede rechtschaffene Entscheidung, jeder Dienst, den man erweist, hin zu dem Ziel, ewiges Leben zu haben.
Vor wenigen Monaten, als ich von einem Auftrag in Deutschland zurückkehrte, blickte ich aus dem Flugzeugfenster und bewunderte die Sterne, an denen sich der Navigator orientierte. Ich dachte an Sie alle und die Gelegenheit, heute Abend bei Ihnen zu sein. Ich dachte an den Ausspruch: „Ideale sind wie Sterne; man kann sie nicht anfassen. Aber wenn man sich an ihnen orientiert und ihnen folgt, gelangt man ans Ziel.“4
Welche Ideale bringen Sie, sofern Sie sich daran halten, zu den Segnungen, nach denen Sie sich sehnen, nämlich ein ruhiges Gewissen, ein von Frieden erfülltes Herz, eine liebevolle Familie und ein glückliches Zuhause?
Ich möchte drei vorschlagen:
Wählen Sie Ihre Freunde sorgfältig aus.
Planen Sie Ihre Zukunft zielbewusst.
Gestalten Sie Ihr Leben mit Glauben.
Erstens: Wählen Sie Ihre Freunde sorgfältig aus
In einer Umfrage, die in ausgewählten Gemeinden und Pfählen der Kirche durchgeführt wurde, erfuhren wir etwas höchst Bedeutsames. Diejenigen, deren Freunde im Tempel geheiratet hatten, heirateten meist selbst auch im Tempel, während diejenigen, deren Freunde nicht im Tempel geheiratet hatten, meist auch selbst nicht im Tempel heirateten. Der Einfluss der Freunde schien eine größere Rolle zu spielen als das Drängen der Eltern, der Unterricht in der Kirche oder die räumliche Nähe zum Tempel.
Wir neigen dazu, es denen gleichzutun, die wir bewundern. So wie in Nathaniel Hawthornes klassischer Erzählung „The Great Stone Face“ nehmen wir die Eigenheiten, die Einstellung und sogar das Verhalten derjenigen an, die wir bewundern – und das sind meistens unsere Freunde. Pflegen Sie Umgang mit denen, die, wie Sie selbst, nicht auf kurzfristige Bequemlichkeit, wertlose Ziele und geringe Anstrengung aus sind, sondern auf das, worauf es am meisten ankommt, nämlich Ziele für die Ewigkeit.
In die östliche Querwand der Gedächtniskirche an der Stanford-Universität ist die folgende Wahrheit eingraviert: „Alles, was nicht ewig ist, ist zu kurz, und alles, was nicht unendlich ist, ist zu klein.“5
Machen Sie sich, zusätzlich zu Ihrem Freundeskreis, den himmlischen Vater zum Freund, darum bitte ich Sie. Er möchte Ihnen Antwort geben auf das Gebet Ihres Herzens. Er ist der Vater Ihres Geistes und hat Sie als sein Abbild erschaffen, und er kennt das Ende von Anfang an. Seine Weisheit trifft immer zu und sein Rat ist immer wahr. Machen Sie sich ihn zum Freund.
Es gibt noch einen weiteren wichtigen Freund, den Sie haben sollten, nämlich den Bischof Ihrer Gemeinde. Er wurde durch Prophezeiung und das Händeauflegen derer, die Vollmacht dazu haben, von Gott berufen. Er hat Anspruch auf göttliche Hilfe, wenn es darum geht, Ihnen Rat und Führung zu geben. Machen Sie sich ihn zum Freund.
Ich erinnere mich noch gut an die Herausforderungen der Jugendlichen in der Gemeinde, in der ich einmal als Bischof präsidierte. An einem Abend kam ein liebenswertes junges Mädchen zusammen mit seinem Freund in mein Büro, um mit mir zu sprechen. Die beiden waren sehr verliebt und liefen Gefahr, der Versuchung zu erliegen.
In unserem Gespräch versprachen die beiden einander, der Versuchung zu widerstehen und immer an ihr Ziel, eine Tempelehe, zu denken. Ich schlug ihnen einige Leitlinien für ihr Verhalten vor und fühlte mich dann inspiriert zu sagen: „Wenn ihr feststellt, dass ihr in Gefahr seid und zusätzliche Hilfe braucht, dann ruft mich an, egal um welche Uhrzeit.“
Um 1 Uhr nachts klingelte dann eines Tages das Telefon, und eine Stimme sagte: „Bischof, hier ist Susan. Wissen Sie noch, dass Sie mich gebeten haben, anzurufen, wenn ich in Versuchung gerate? Jetzt ist es so weit, Bischof.“ Ich fragte, wo sie war, und sie nannte einen beliebten Parkplatz im Salzseetal. Sie und ihr Verlobter waren zu einer Telefonzelle gegangen, um mich anzurufen. Es war nicht die ideale Situation für einen Rat, aber er war dringend erforderlich, und das junge Paar war aufnahmebereit.
Ich erwähne hier nicht, wie oft Susan angerufen hat. Als jedoch der Postbote eines Tages ihre Hochzeitsanzeige brachte und meine Frau las, „Mr. und Mrs. Jones würden sich freuen, Sie beim Hochzeitsempfang ihrer Tochter Susan begrüßen zu können“, seufzte sie: „Dem Himmel sei Dank!“ Als ich weiter unten klein gedruckt las, dass sie im Salt-Lake-Tempel heirateten, sagte ich zu mir: „Dem Himmel sei Dank für die Stärke der Jugendlichen in der Kirche.“
Wählen Sie Ihre Freunde sorgfältig aus.
Zweitens: Planen Sie Ihre Zukunft zielbewusst
Der große Thomas Carlyle hat gesagt: „Ein Mann ohne ein Ziel im Leben ist wie ein Schiff ohne Ruder – ein Heimatloser, ein Nichts, ein Niemand. Verfolgen Sie ein Lebensziel und bringen Sie so viel Verstand und Muskelkraft, wie Gott Ihnen gegeben hat, in dieses Bestreben ein.“6
Vor vielen Jahren war ich Missionspräsident. Ich hatte 450 wunderbare, eifrige Missionare. Als meine Frau und ich nach drei Jahren nach Salt Lake City zurückkehrten und eines Abends nachzählten, wie viele unserer Missionare verheiratet waren, waren wir überrascht, dass einige Schwestern noch keinen Partner für die Ewigkeit gefunden hatten. Wir waren entschlossen, zu helfen, so gut wir konnten. Ich sagte zu meiner Frau: „Frances, lass uns zielbewusst planen und drei oder vier dieser lieben Schwestern zu uns einladen. Wir werden herausfinden, wen von all den alleinstehenden zurückgekehrten Missionaren wir gemeinsam mit ihnen zu einer kleinen Fireside bei uns zu Hause einladen könnten. Dazu zeigen wir ihnen einfach Bilder von der Mission und setzen die Schwestern so nebeneinander, dass sie einander besser kennen lernen können.“ Der Plan wurde ausgeführt, und ich darf sagen, dass die vier Mädchen, die wir einluden, sich der Aufgabe sehr gern stellten.
Wir hatten von jedem Missionar ein Foto. Die Fotos bewahrten wir in Schuhkartons auf. Es gab insgesamt vier solcher Kartons mit Fotos von den Missionaren. Als diese vier Mädchen bei uns im Wohnzimmer saßen, sagte ich zu ihnen: „Hier ist ein Geschenk. Seht euch die Fotos in eurem Schuhkarton an und wählt jeweils einen jungen Mann aus, den wir zu der Fireside bei uns einladen sollen.“ Das war vielleicht ein faszinierender Anblick! Ich kann ihn wohl nur mit einer Frage treffend beschreiben. Haben Sie schon einmal Kindern zugesehen, die ihre Weihnachtsgeschenke auspacken? Wir luden also diese vier auserwählten jungen Männer gemeinsam mit den vier jungen Frauen zu uns nach Hause ein und verbrachten einen herrlichen Abend. Als der Abend zu Ende war, sah ich zwei von ihnen langsam unsere Auffahrt hinabgehen, und ich sagte zu meiner Frau: „Das sieht vielversprechend aus.“ Sie gingen sehr dicht nebeneinander.
Bald darauf rief mich der junge Mann an. Er sagte: „Präsident Monson, erinnern Sie sich, dass ich Ihnen versprochen habe, es Ihnen zu sagen, wenn ich mich verliebe?“
Ich bejahte.
Er fuhr fort: „Präsident, ich habe mich verliebt.“
Ich sagte: „Gut. In wen denn?“
Er sagte: „Darauf kommen Sie nie.“
Ich wollte nichts riskieren und machte keinen Versuch. Ich sagte: „Verraten Sie es mir.“ Er nannte die Schwester, mit der er Seite an Seite und Hand in Hand an jenem Abend von uns fortgegangen war. Sie sind nun seit 42 Jahren verheiratet und haben fünf Kinder und viele Enkelkinder.
Manche, die mir heute Abend zuhören, sind bereits verheiratet, andere sind noch auf der Suche nach dem besonderen Menschen, mit dem sie die Ewigkeit verbringen möchten. Wer zur zweiten Kategorie gehört, sollte auf der Suche nach dem Traummann oder der Traumfrau vielleicht den Rat von König Arthur in dem Musical Camelot berücksichtigen. König Arthur, der mit einem besonders verzwickten Problem konfrontiert war, hätte ebenso gut zu uns allen sprechen können, als er erklärte: „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Leidenschaft unsere Träume zerstört.“7 Mögen Sie sich an diesen entscheidenden Leitsatz halten. Ich bitte Sie eindringlich: Halten Sie an Ihren Grundsätzen fest! Bitte geraten Sie nicht ins Wanken!
Als Junge hatte ich eine ganz besondere Sonntagsschullehrerin, die inzwischen verstorben ist. Sie hieß Lucy Gertsch.
Lucy war sehr nett und ausgesprochen liebenswert. Sie hatte einen würdigen Mann verdient, doch bisher war ihr noch keiner über den Weg gelaufen. Die Jahre vergingen und Lucy fand sich damit ab, dass sie nie heiraten würde. Und dann, sie war Mitte vierzig, begegnete ihr Dick. Es war Liebe auf den ersten Blick. Doch es gab ein Problem: Dick gehörte nicht der Kirche an. Unterlag Lucy dem uralten Irrtum, aus Verzweiflung zu heiraten, in der flüchtigen Hoffnung, ihr Mann könne sich eines Tages der Kirche anschließen? Nicht Lucy. Sie war klüger. Sie sagte ihm: „Dick, du bist wunderbar, aber wir werden nicht glücklich werden, wenn wir zusammenkommen.“
„Warum nicht?“, wollte er wissen.
„Weil du kein Mormone bist.“
„Wie werde ich ein Mormone? Ich möchte mir dir zusammen sein.“ Er befasste sich mit dem Evangelium. Sie beantwortete seine Fragen. Er erlangte ein Zeugnis und ließ sich taufen.
Dann sagte er: „Lucy, jetzt bin ich Mitglied der Kirche, wir können endlich heiraten.“
Lucy antwortete: „Oh Dick, ich liebe dich so sehr. Nun, da du Mitglied der Kirche bist, würdest du dich doch aber nicht mit etwas Geringerem als einer Tempelehe zufrieden geben.“
„Wie lange dauert das, Lucy?“
„Etwa ein Jahr, wenn wir alle Anforderungen erfüllen.“ Ein Jahr später betraten Lucy und Dick das Haus des Herrn.
Lucy lebte nach der Wahrheit in diesen Zeilen:
Trau dich, Mormone zu sein.
Trau dich und steh auch allein.
Trau dich und tu, was du musst.
Steh fest zu dem, was du tust.8
Planen Sie Ihre Zukunft zielbewusst.
Drittens: Gestalten Sie Ihr Leben mit Glauben
Inmitten der Verwirrung unserer Zeit, der Gewissenskonflikte und des Trubels im täglichen Leben wird ein beständiger Glaube zum Anker.
Kleine Kinder können uns interessante Beispiele für Glauben geben. Vor einiger Zeit schrieb ich aus einer überregionalen Zeitschrift eine kurze Sammlung von Briefen an Gott ab, die Kinder verfasst hatten. Ich fand sie faszinierend.
Der kleine Mark schrieb: „Lieber Gott, ich warte auf den Frühling, er ist immer noch nicht da. Vergiss ihn nicht.“
Ein anderes Kind erklärte: „Lieber Gott, wenn du die Regel aufgestellt hast, dass die Kinder den Müll hinaustragen sollen, dann ändere das bitte.“
Der kleine Mickey schrieb: „Lieber Gott, wenn du am Sonntag in der Kirche zusiehst, zeige ich dir meine neuen Schuhe.“
Jeff schrieb: „Lieber Gott, es ist toll, wie du es schaffst, die Sterne immer an der richtigen Stelle zu halten. Warum schaffst du das nicht auch beim Mond?“
Joyce schrieb: „Lieber Gott, danke für meinen kleinen Bruder, aber eigentlich wollte ich ein Hündchen.“
Am besten gefällt mir Matthews Brief: „Lieber Gott, ich habe dein Buch gelesen, und es gefällt mir.“ Dann fragte er: „Ich möchte auch einmal ein Buch mit solchen Geschichten schreiben. Woher hast du die Ideen? Alles Gute!“9
Wahrer Glaube erfordert Entschlossenheit – eine Entschlossenheit, wie sie eine 21-jährige Collegestudentin beschrieben hat, die erklärte, was sie bedrückt:
„Unsere Generation wird über alle möglichen Kanäle großen und kleinen Ängsten ausgesetzt – die unterschwellige Drohung, keinen Partner zu finden, weil man nicht ein bestimmtes Mundwasser verwendet, oder die Angst, ausgegrenzt zu werden, weil man nicht seine sittlichen Grundsätze aufgibt für ein Verhalten, das ja angeblich ‚in der Natur des Menschen‘ liegt.
Viele von uns akzeptieren den Gedanken, dass man gegen den Staat machtlos ist, oder den Gedanken, dass man das Leben jetzt auskosten soll, weil wir morgen sowieso durch einen Atomkrieg oder eine andere Katastrophe vernichtet werden.
Ich bin altmodisch genug, um an Gott zu glauben, um an die Würde und das Potenzial seines Geschöpfes, des Menschen, zu glauben, und ich bin realistisch, nicht idealistisch, genug, um zu wissen, dass ich mit meinem Empfinden nicht allein dastehe.
Manche sagen, wir hätten im Gegensatz zu anderen Generationen keine Aufgabe im Leben, alles sei uns in den Schoß gelegt worden. Wir sind zwar nicht verhätschelt worden, aber wir sind in geistiger Hinsicht verarmt. Ich möchte nicht in der Armut des Überflusses leben – und ich kann nicht allein leben.“
Vergessen Sie nicht, dass Glaube und Zweifel in Ihrem Herzen nicht nebeneinander existieren können; das eine wird das andere vertreiben. Bleiben Sie stark im Glauben!
Ich habe einmal einen Bericht über die Frau eines der ersten Pioniere gelesen. Sie hieß Catherine Curtis Spencer. Ihr Mann, Orson Spencer, war ein einfühlsamer, gebildeter Mann. Sie war in Boston aufgewachsen und war gebildet und wohlerzogen. Catherine und Orson hatten sechs Kinder. Nachdem sie Nauvoo verlassen hatten, wurde Catherine aufgrund der Kälte und der widrigen Umstände sehr krank. Ihr Mann schrieb an ihre Eltern und fragte an, ob sie bei ihnen wohnen dürfe, während er für seine Familie eine neue Heimat im Westen schuf. Sie antworteten: „Wenn sie ihren unglückseligen Glauben aufgibt, kann sie zurückkommen – aber nur dann.“ Doch Schwester Spencer wollte ihren Glauben nicht aufgeben. Als man ihr den Brief ihrer Eltern vorlas, bat sie ihren Mann, seine Bibel zu holen und ihr aus dem Buch Rut vorzulesen: „Dränge mich nicht, dich zu verlassen und umzukehren. Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott.“ (Rut 1:16.) Draußen
heulte der Sturm, die Plane des Wagens war undicht, und Schwester Spencers Freundinnen hielten ihr Milchtöpfe über den Kopf, damit sie nicht nass wurde. Unter diesen Umständen schloss sie, ohne sich auch nur ein einziges Mal zu beklagen, zum letzten Mal die Augen.10
Auch wenn wir wohl kaum im Dienste Gottes unser Leben lassen müssen, können wir ihm doch dadurch, wie gut wir ihm dienen, unsere Liebe zeigen. Er, der unser stilles Beten hört, der unsere verborgenen Taten sieht, wird sie uns zur gegebenen Zeit öffentlich vergelten.
Sollten in Ihnen jemals Zweifel aufkommen, dann weisen Sie diese skeptischen, störenden, aufrührerischen Gedanken mit solchen Worten zurück: „Ich bin entschlossen, meinem Glauben treu zu bleiben, dem Glauben meines Volkes. Ich weiß, dass darin Glück und Zufriedenheit zu finden sind, und ich verbiete euch agnostischen Gedanken, euch Zweifeln, das Haus meines Glaubens zu zerstören. Ich gebe zu, dass ich die in der Bibel geschilderten Wunder nicht erklären kann und versuche es auch gar nicht, aber ich erkenne Gottes Wort an. Ich war nicht bei Joseph Smith, aber ich glaube ihm. Mein Glaube beruht nicht auf Wissenschaft, und ich lasse es nicht zu, dass er von sogenannter Wissenschaft zerstört wird. Sollte ich meine Einstellung zu Gott und seinem Werk ändern, dann nur durch Inspiration von Gott.“
Gestalten Sie Ihr Leben mit Glauben.
Wenn Sie Ihre Freunde sorgfältig auswählen, Ihre Zukunft zielbewusst planen und Ihr Leben mit Glauben gestalten, verdienen Sie es, dass der Heilige Geist an Ihrer Seite ist. Sie werden erfüllt sein vom Glanz der Hoffnung. Sie können aus eigener Erfahrung bezeugen, dass die folgende Verheißung des Herrn wahr ist: „Ich, der Herr, bin barmherzig und gnädig zu denen, die mich fürchten, und es freut mich, die zu ehren, die mir in Rechtschaffenheit und in Wahrheit bis ans Ende dienen. Groß wird ihr Lohn sein und ewig wird ihre Herrlichkeit sein.“ (LuB 76:5,6.)
Von diesen vollkommenen Wahrheiten gebe ich feierlich Zeugnis und erflehe für jeden von Ihnen den Segen unseres Vaters im Himmel. Im Namen Jesu Christi. Amen.
Anmerkungen
1. Vgl. „Far Away Places“, Text von Joan Whitney, Musik von Alex Kramer, 1948
2. Siehe James Patterson und Peter Kim, The Day America Told the Truth: What People Really Believe About Everything That Really Matters, 1991
3. Euklid gegenüber Ptolemaios I., nach Proklus, Kommentar zu Euklid, Prolog
4. Carl Schurz, Ansprache in Boston, 18. April 1859
5. http://religiouslife.stanford.edu/memorial_church/inscriptions.html
6. Siehe Harold B. Lee, Herbst-Generalkonferenz 1952; Thomas S. Monson, Frühjahrs-Generalkonferenz 1982
7. Alan Jay Lerner und Frederick Loewe, Camelot, 1960
8. Thomas S. Monson, Frühjahrs-Generalkonferenz 2000, siehe Liahona, Juli 2000, Seite 69; siehe auch Mark E. Petersen, Frühjahrs-Generalkonferenz 1952
9. In Stuart Hample und Eric Marshall, Hg., More Children’s Letters to God, 1967; Hample und Marshall, Children’s Letters to God: The New Collection, 1991
10. Siehe Nicholas G. Morgan, „And Thus History Was Made“, Improvement Era, Juli 1940, Seite 399; siehe auch Preston Nibley, Exodus to Greatness, 1947, Seite 132–135
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