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Blicken sie mit gläubigem auge voraus!

Elder Merrill J. Bateman
von der Präsidentschaft der Siebziger
CES-Fireside für junge Erwachsene • 5. März 2006 • Brigham-Young-Universität

Elder Merrill J. BatemanBrüder und Schwestern, es ist mir ein besonderes Vergnügen, wieder einmal hier im Marriott Center zu sein, wo sich heute so viele von Ihnen versammelt haben. Darüber hinaus bin ich mir aber auch bewusst – und das freut mich sehr –, dass überall auf der Welt Zehntausende an verschiedenen Orten versammelt sind, ja, vielleicht sogar Hunderttausende. Letzte Woche waren meine Frau und ich in Argentinien und Uruguay, und wir wissen, dass man dort nächsten Sonntagabend eine Aufzeichnung dieser Versammlung sehen wird. Überall sind Menschen zusammengekommen, und das zeigt, was für einen Glauben sie haben.

Im August 2005 forderte Präsident Hinckley „die Mitglieder der Kirche in aller Welt und unsere Freunde überall auf, das Buch Mormon zu lesen oder erneut zu lesen“. Er beendete seine Aufforderung mit der Verheißung: „Der Geist des Herrn [wird dadurch] stärker in Ihrem Leben und in Ihrer Familie zu spüren sein. Sie werden sich noch fester entschließen, die Gebote Gottes zu befolgen, und Sie werden ein festeres Zeugnis empfangen, dass der Sohn Gottes wirklich lebt.“1

Der Aufruf des Propheten rief sofort ein weitreichendes Echo hervor. Überall begannen die Menschen damit, das Buch Mormon zu lesen – zu Hause, im Flugzeug, morgens, wenn sie aufstanden, und abends, wenn sie zu Bett gingen. Wahrscheinlich haben in der zweiten Hälfte des Jahres 2005 mehr Menschen das Buch Mormon gelesen als je zuvor. Vor einigen Monaten flog ein Bekannter von mir von New York nach Salt Lake City. Als er den Gang hinabging, lasen viele das Buch. Ungefähr in der Mitte des Flugzeugs bemerkte er zwei Passagiere, die einander am Gang gegenübersaßen und das Buch Mormon lasen. Er blieb stehen, um zu sehen, an welcher Stelle sie gerade waren. Amüsiert stellte er fest, dass beide dieselbe Seite aufgeschlagen hatten.

Elder Richard G. Scott und ich hatten im November in Afrika zu tun. Während einer Andacht an einem Sonntagabend im Pfahlhaus von Accra in Ghana, an der über 2000 Mitglieder teilnahmen, fragte Elder Scott, wie viele gerade das Buch Mormon lasen. Fast jeder hob die Hand. Zehn Tage später kam ich in Daressalam in Tansania bei einer weiteren Andacht mit 200 Mitgliedern und Freunden zusammen. Ich stellte dieselbe Frage. Etwa zwei Drittel der Hände gingen in die Höhe. Nach der Versammlung erfuhr ich, dass das übrige Drittel größtenteils aus Untersuchern bestand. Heben Sie nun bitte einmal die Hand! Wie viele von Ihnen haben das Buch Mormon 2005 gelesen? Wenn ich mich im Publikum umschaue, so hat fast jeder die Hand gehoben, und ich nehme an, es ist auch in Los Angeles, New York, Frankfurt, Tokio, São Paulo, Mexiko-Stadt und an den vielen anderen Orten, wo Sie sonst noch versammelt sind, nicht anders. Welch eine bemerkenswerte Reaktion auf die Aufforderung des Propheten!

Auch ich nahm sie an und las das Buch. Ich konnte erleben, wie sich die von Präsident Hinckley gemachten Verheißungen erfüllten. Ich verspürte den Geist noch mehr, mein Zeugnis wuchs, und ich wurde in meinem Vorsatz bestärkt, auf dem Weg des Herrn zu wandeln. Ich möchte Ihnen heute Abend kurz über etwas berichten, was mir beim Lesen im Buch Mormon im letzten Jahr aufgefallen ist.

Ein festeres Zeugnis vom Buch Mormon

Mir ist seit geraumer Zeit bewusst, dass es in Kapitel 5 und 32 in Alma um dasselbe Thema geht, nämlich den Glauben. Bis ich es letztes Jahr gelesen habe, war mir jedoch entgangen, wie genau die beiden Predigten auf das entsprechende Publikum zugeschnitten sind. Almas Zuhörer im Kapitel 5 waren Mitglieder der Kirche in Zarahemla (siehe Alma 5:2). Diese Stadt war der Hauptsitz der Kirche, und man kann davon ausgehen, dass die Mitglieder die Lehre kannten. Im Unterschied dazu handelte es sich bei den Zuhörern im Kapitel 32 um verarmte Zoramiten, die von den Reichen aus ihren Synagogen vertrieben worden waren. Die Menschen in diesem Teil des Landes hatten sich weit von der Wahrheit entfernt (siehe Alma 31:12-17). Obwohl die Armen demütig waren und lernen wollten, waren sie doch wie Untersucher, die noch über die Grundlagen des Evangeliums aufgeklärt werden mussten.

Almas Predigt im Kapitel fünf, die an die Mitglieder in Zarahemla gerichtet ist, ist tiefgründig und komplex. Die Reihe an Fragen, die er stellt, lässt darauf schließen, dass er mit der Lehre vertraut war und Erfahrung mit dem Heiligen Geist hatte. Andernfalls hätten die Fragen wenig Bedeutung und wären schwer zu beantworten. Mit den Fragen sollten die Mitglieder in Zarahemla dazu bewogen werden, dass sie ihren Glauben an den Herrn und seine erlösende Macht prüfen und erneuern. Hören Sie, welche Fragen gestellt wurden (siehe Alma 5:14,15):

• Seid ihr geistig aus Gott geboren?
• Habt ihr sein Abbild in euren Gesichtsausdruck aufgenommen?
• Habt ihr diese mächtige Wandlung in eurem Herzen erlebt?
• Übt ihr Glauben aus an die Erlösung durch ihn, der euch erschaffen hat?
• Blickt ihr mit gläubigem Auge voraus, und seht ihr diesen sterblichen Leib zur Unsterblichkeit erhoben ..., sodass ihr vor Gott stehen könnt, um gemäß den Taten gerichtet zu werden, die ihr im sterblichen Leib getan habt?

Um diese Fragen verstehen und beantworten zu können, muss jeder das Sühnopfer unseres Herrn, Jesus Christus, kennen und daran glauben, eine Reinigung durch Wasser und Feuer erlebt und die Früchte des Heiligen Geistes geschmeckt haben und an die buchstäbliche Auferstehung des physischen Körpers glauben. Dies ist keine Predigt für Neubekehrte, sondern für mit der Lehre wohl vertraute Mitglieder der Kirche.

Im Unterschied dazu lehrt Alma die Untersucher unter den Zoramiten Grundlagen des Glaubens – wie der Glaube an Christus seinen Anfang nimmt und dann wächst. Die Predigt in Kapitel 32 beschreibt so deutlich, wie der Glaube nach und nach wächst, dass die Missionare auch heute noch Untersuchern damit erklären, wie sie zu einem Zeugnis kommen. Am Anfang der Entwicklung steht der „Wunsch zu glauben“. Der Mensch muss das Samenkorn, also das Wort Gottes, in sein Herz pflanzen, indem er in den heiligen Schriften forscht, auf die Worte der Propheten achtet, um Bestätigung der Wahrheiten des Evangeliums betet und bittet, zur Kirche geht und die Gebote hält. Das Ergebnis wird, wie Alma sagt, ein Schwellen in der Brust sein, eine Erleuchtung des Verstandes und ein gutes Gefühl im Herzen (siehe Alma 32:28). Dies ist der Anfang eines Zeugnisses – und dieses Samenkorn ist gut! Jeder Mensch, der aufrichtig nach Wissen trachtet, kann ein Zeugnis erlangen, indem er Almas Worte in Kapitel 32 befolgt.

Nachdem Alma erklärt hatte, wie man den Vorgang anstößt, der den Glauben aufbaut, fuhr er in Kapitel 32 mit einer Frage fort: „Nachdem ihr von diesem Licht gekostet habt, ist euer Wissen vollkommen?“ (Alma 32:35.) Nein – der Prozess hat gerade erst angefangen (siehe Alma 32:36). Das Samenkorn ist zwar gewachsen, aber immer noch nur ein Keimling. Alma erklärt: Wenn jemand glaubensvoll voranschreitet, wird aus dem Keimling ein Baum. Was für ein Baum? Der Baum des Lebens! (Siehe Alma 32:41.) Dieser Baum symbolisiert Gottes Liebe für seine Kinder, die in der Herablassung und im Sühnopfer seines Sohnes zum Ausdruck kommt (siehe 1 Nephi 11:9-3, Johannes 3:16).

Alma lehrt die Zoramiten: Wenn der Baum tief in ihrer Seele verwurzelt ist, können sie sich an seinen Früchten laben und müssen weder Durst noch Hunger leiden (siehe Alma 32:42,43). Anders ausgedrückt: Sie werden eine geistige Neugeburt – die mächtige Wandlung im Herzen – erleben, und der tief in ihrer Seele verwurzelte Baum wird das Abbild Gottes in ihrem Gesichtsausdruck erscheinen lassen. Es ist bemerkenswert, dass Alma die Zoramiten in Kapitel 32 lehrt, was sie tun müssen, um die Fragen beantworten zu können, die in Kapitel 5 den Mitgliedern in Zarahemla gestellt wurden.

Wie aufschlussreich! Können Sie sich vorstellen, wie Joseph Smith im Alter von 24 Jahren mit einer geringen Schulbildung ein Manuskript diktiert, das auf hunderten von Seiten grundlegende Lehren beschreibt, die bis ins kleinste Detail stimmig sind, und dabei die Darstellung der Lehren auf die Bedürfnisse der Zuhörer abstimmt? Obendrein beziehen sich Almas Predigten sogar unmittelbar auf die Visionen vorangegangener Propheten, nämlich auf die Träume Lehis und Nephis vom „Baum des Lebens“ in 1 Nephi, und bauen darauf auf. Noch wichtiger ist sogar, dass die Predigten nicht nur für die Nephiten und Zoramiten von Bedeutung waren, sondern dass sie es auch für die Leser hunderte und tausende Jahre später sind.

Brüder und Schwestern: Das Buch Mormon ist das Wort Gottes. Es ist echt. Joseph Smith war nicht der Verfasser des Buches, sondern der Übersetzer des Herrn. Das Buch wurde von Propheten vor alters geschrieben.

Ich bin dankbar, dass ich das Buch Mormon ein weiteres Mal gelesen habe. Jedes Mal habe ich etwas Neues erfahren, was meiner Seele Zeugnis davon gibt, dass Joseph Smith der Prophet des Herrn für die Wiederherstellung war und ist. Obwohl ich so manches nicht weiß, ist eines gewiss: Das Buch Mormon und die Wiederherstellung der Kirche sind Teil der „Wiederherstellung von allem“, die der Apostel Petrus vor zweitausend Jahren vorhergesagt hat (siehe Apostelgeschichte 3:21).

Der Blick voraus im Plan des Herrn

Ich möchte auch Sie, die jungen Erwachsenen der Kirche im Jahre 2006, heute Abend in Anlehnung an Almas Predigt in Zarahemla fragen: Blicken Sie mit gläubigem Auge voraus? Befolgen Sie die Lehren des Evangeliums, sodass Sie Gottes Abbild in Ihren Gesichtsausdruck aufnehmen und auch behalten können? Erkennen Sie, dass Sie an einem kritischen Punkt in Ihrem Leben angekommen sind, und welche Folgen die wichtigen Entscheidungen, die Sie in den nächsten Jahren treffen werden, langfristig haben?

Ich glaube, dass das Alter zwischen 18 und 30 Jahren zu den riskantesten und schwierigsten des Lebens gehört. Zugleich ist es auch eine sehr lohnende Zeit. In den nächsten paar Jahren stehen Ihnen viele wichtige Entscheidungen bevor, die sich auf Ihr Erdenleben und bis in die Ewigkeit auswirken. Sie werden sich festlegen müssen, was Ihre Ausbildung, Ihre Arbeit, Ehe und Kinder und die treue Mitwirkung im Gottesreich betrifft. Was jetzt entschieden wird, ob aktiv oder passiv, wird ewige Auswirkungen auf Sie haben.

Die Kenntnis vom Plan des Herrn wird Ihnen insbesondere, was das Diesseits betrifft, helfen, sich weise zu entscheiden. Die übrige Zeit heute Abend möchte ich darauf eingehen, welchen Sinn das Erdenleben im Plan des Herrn hat, und wie dieser Sinn mit den wichtigen Entscheidungen, die vielen von Ihnen bevorstehen, zusammenhängt.

Man bekommt etwas hinzugefügt

Als der Vater seine Geistkinder zum Rat im Himmel zusammenrief, gab er zu erkennen, dass es nun an der Zeit sei, eine Erde zu erschaffen und dass diejenigen, „die sich ihren ersten Stand bewahren, … hinzugefügt bekommen, ... und diejenigen, die sich ihren zweiten Stand bewahren, … Herrlichkeit auf ihr Haupt hinzugefügt bekommen für immer und immer“ (Abraham 3:26). Wir wissen, dass der erste Stand die Geisterwelt und der zweite Stand das Erdenleben ist. Inwiefern sollten wir etwas „hinzugefügt bekommen“, wenn wir unseren ersten Stand bewahren und das irdische Leben aufnehmen?

Wir verbessern uns in mindestens drei Bereichen, wenn wir auf die Erde kommen. Erstens: Wir erhalten einen physischen Körper. Zweitens: Die Erfahrungen des Erdenlebens ermöglichen es uns, uns selbst zu beweisen, und dadurch wachsen wir an Intelligenz oder Licht und Wahrheit (siehe LuB 93:36; 130:18,19). Zu guter Letzt haben wir die Gelegenheit, eine ewige Familie zu gründen, in der wir besondere Beziehungen schmieden, die uns zusätzliche Herrlichkeit verschaffen. Betrachten wir doch einmal jeden dieser Punkte etwas näher.

Der physische Körper

Der physische Körper ist eines der größten Geschenke des Erdenlebens. Aus den heiligen Schriften wissen wir, dass der Körper nicht nur für dieses Leben, sondern auch für die Ewigkeit von großer Bedeutung ist. Während des Erdenlebens kann der Körper ein Tempel Gottes sein, und zwar insofern, als der Heilige Geist darin wohnen kann (siehe 1 Korinther 6:19,20). Wer sich vom Heiligen Geist leiten lässt, wird ins celestiale Reich geführt. Der Körper ist so wichtig für die Ewigkeit, dass Christus sein Leben gab, um den physischen sowie den geistigen Tod zu überwinden. Dadurch hat er allen Menschen die Auferstehung ermöglicht.

Joseph Smith hat gesagt: „Wir sind auf diese Erde gekommen, damit wir einen Körper erlangen und ihn rein darbringen können, nämlich vor Gott im celestialen Reich. Das wichtige Prinzip des Glücklichseins besteht darin, dass man einen Körper hat.“2

Warum ist der physische Körper so wichtig? Was hat er mit Ihrem Glücklichsein auf Erden und im Jenseits zu tun? Welche göttlichen Absichten stehen dahinter? Es gibt mindestens drei.

1. Die heilige Schöpfungskraft. Die erste göttliche Absicht hat mit der heiligen Schöpfungskraft zu tun. Der Körper hält für uns die Keimzellen der Schöpfung bereit, die es uns ermöglichen, Kinder zu bekommen und eine ewige Familie zu gründen. Diese Kraft ist uns auf Erden nur für einen begrenzten Zeitraum gegeben. Wenn wir glaubenstreu sind und die diesbezüglichen Gebote halten, wird diese Schöpferkraft in der Auferstehung wiederhergestellt werden. Die heiligen Schriften sprechen von einer „Fülle der Freude“, die sich einstellt, wenn Geist und Körper untrennbar verbunden sind (siehe LuB 93:33). Eine „Fülle der Freude“ erfordert jedoch mehr als nur die Auferstehung. Im Buch Lehre und Bündnisse erfahren wir, dass diejenigen, die in den „neuen und immerwährenden Bund der Ehe“ eintreten und glaubenstreu sind, in die höchste Herrlichkeit des celestialen Reiches gelangen und dort eine „Fülle“ der Herrlichkeit und „eine Fortsetzung der Samen … für immer und immer“ erhalten (LuB 131:2; 132:19). Es ist die ewige Ehe und die Kraft, Leben zu erschaffen, die zum Glücklichsein auf Erden und zu einer „Fülle der Freude“ im künftigen Leben führen.
2. Ein Werkzeug des Verstandes. Zweitens: Der physische Körper ist ein Werkzeug des Verstandes. Präsident Boyd K. Packer hat diesen Punkt vor drei Jahren bei einer CES-Satellitenübertragung erläutert.3 Für vieles, was man aus Liebe, Güte oder Hilfsbereitschaft tut, braucht man einen physischen Körper. Dieses greifbare Tun ist nicht nur zum Vorteil anderer, sondern auch zum eigenen. Ein Geistwesen kann manches tun, aber der physische Körper erweitert die Bandbreite dessen, was getan werden kann. Präsident Joseph F. Smith hat ja in seiner Vision von der Geisterwelt sogar erfahren, dass die Toten „die lange Abwesenheit ihres Geistes von ihrem Leib als Gefangenschaft [betrachteten]“ (LuB 138:50). Anders ausgedrückt: Es gibt einiges, was wir nach dem Tod und vor der Auferstehung nicht tun können, und wir werden nach der Rückkehr des physischen Körpers und der Freiheit, die wir ihm verdanken, trachten und uns nach ihr sehnen.
3. Ein Gefäß für Licht. Drittens: Der physische Körper ist ein Gefäß für Licht. Die moderne Physik lehrt, dass jeder physische Körper Licht aufnehmen kann. Der Bruder Jareds muss das gewusst haben, als er ausrief: „Berühre diese Steine, o Herr, mit deinem Finger, und richte sie her, … damit wir Licht haben, während wir das Meer überqueren.“ (Ether 3:4.) Der Herr stellte dem Propheten Joseph Smith gegenüber fest: „Wenn euer Auge nur auf meine Herrlichkeit gerichtet ist, so wird euer ganzer Körper mit Licht erfüllt werden.“ (LuB 88:67.)

Ist Ihnen schon einmal das Licht im Gesichtsausdruck derer aufgefallen, die das Evangelium leben? Vor vier Monaten war ich im Accra-Tempel in Ghana. Die Tempelarbeiter, in weiß gekleidet, waren alle Ghanaer. Man konnte wirklich sehen, wie Licht aus ihren Gesichtern erstrahlte. Wenn Sie das Evangelium leben, werden auch Sie Licht hinzugefügt bekommen, und Ihr physischer Körper wird als Gefäß dienen.

Schließlich sagt der Herr uns, dass unser Körper bei der Auferstehung „diejenige Herrlichkeit“ empfangen wird, womit er „belebt ist“, wenn wir nach dem celestialen Gesetz leben. „Ihr, die ihr durch ein Teil der celestialen Herrlichkeit belebt seid, werdet dann davon empfangen, und zwar eine Fülle.“ (Siehe LuB 88:28,29.) Was bedeutet das? Wenn wir uns bemühen, das Evangelium zu leben, wird unser Körper in diesem Leben mit einem Teil des celestialen Lichts belebt und erhält dann die Fülle der celestialen Herrlichkeit bei der Auferstehung.

Brüder und Schwestern, der Prophet Joseph Smith hat gesagt: „Das wichtige Prinzip des Glücklichseins besteht darin, dass man einen Körper hat.“ In ihm schlummern die heiligen Kräfte des Lebens, er ist ein Werkzeug des Verstandes und als ein Tempel Gottes vergrößert er unsere Fähigkeit, Licht und Wahrheit aufzunehmen. Es ist wichtig, dass wir unserem Körper durch anständige Kleidung Respekt zollen, dass wir unsittliche Handlungen unterlassen und dass wir ihn rein und schadlos halten.

Es gibt noch einen weiteren Aspekt in Bezug auf den physischen Körper, der nicht unerwähnt bleiben sollte, nämlich die Verteilung der körperlichen Kräfte im Laufe des Lebens. Haben Sie schon einmal über die Entwicklung der Körperkraft in Ihrem Leben nachgedacht? Das Muster, wie sich die Körperkraft im Leben entwickelt, und ihr Verhältnis zum geistigen Wachstum rückt die Entscheidungen, die Sie treffen, ins rechte Licht.

Körperliche Kraft im irdischen Leben

Das folgende Schaubild fußt auf den Ergebnissen physiologischer Studien über die Muskelkraft eines Menschen von der Geburt bis ins hohe Alter. Die horizontale Achse zeigt das Lebensalter von der Geburt bis zum Tod an. Die vertikale Achse zeigt die Muskelkraft des Körpers an. Bei der Geburt beginnt die Linie am unteren Rand des Schaubildes – ein Baby hat relativ wenig Kraft im Vergleich zu einem Erwachsenen. Die Linie steigt rapide an, wo der Körper sich von dem eines Kindes zu dem eines Erwachsenen entwickelt. Der physische Körper erreicht seine größte Kraft im Alter von etwa 30 Jahren. Es ist gut zu sehen, dass die Muskelkraft sowohl bei Männern als auch bei Frauen vom 30. Lebensjahr an allmählich nachlässt und bis zum Tod immer weiter schwindet.4

Wo befinden Sie sich auf dem Diagramm? Sie befinden sich alle am Höhepunkt oder kurz davor. Da heute Abend die meisten Zuhörer jünger als 30 sind, haben sie bisher lediglich das Anwachsen ihrer körperlichen Kräfte erlebt. Die meisten wissen nur, wie es ist, stärker und noch stärker zu werden. Aber warten Sie nur. Es dauert nur noch wenige Jahre, dann haben Sie den Gipfel überstiegen, und es geht bergab. Wie wird das sein?

Ist es überraschend, dass so viele der wichtigen Entscheidungen des Lebens im Alter zwischen 18 und 30 Jahren getroffen werden? Sie nähern sich dem Gipfel Ihrer Kräfte. Sie fühlen sich unverwüstlich. Der Tod ist ein weit entferntes Ereignis, das vielleicht niemals eintritt. Vom physikalischen Standpunkt aus betrachtet ist es besonders wichtig, dass man im Alter zwischen 20 und 30 Jahren heiratet und eine Familie gründet, weil man noch gesund ist und die Energie hat, die man braucht, um sie in den kommenden Jahrzehnten zu versorgen.

Wenn man das Schaubild betrachtet, mag man sich fragen: Wozu dient der lange, stetige Abstieg? Kann man daraus etwas lernen? Die Antwort lautet: Ja! Verstand und Geist können daraus vieles lernen. Eine der ersten Lektionen, wenn es bergab geht, lautet: Wir sind sterblich! Als ich so alt war wie Sie, spielte der Tod keine Rolle. Wie bei Ihnen, war er so weit entfernt, dass ich kaum an ihn dachte. Heute stehe ich auf der Kurve schon wesentlich weiter hinten und erlebe all die Beschwerden, die mit dem stetigen Verfall des Körpers einhergehen. Heute steht mir der Tod unmittelbar vor Augen.

Ich habe gelernt, dass das Leben kurz ist – ganz gleich, wie lange man lebt. Ich verstehe auch die Notwendigkeit eines Erretters wesentlich besser. Es ist mir unmöglich, den geistigen wie den physischen Tod ohne seine Gnade zu überwinden. Ich habe auch erkannt, dass viele der Segnungen, die ich später erfahren habe, auf den Entscheidungen beruhten, die ich zwischen 18 und 30 getroffen habe. Meine größten Segnungen verdanke ich den Entscheidungen, 1.) kurz nach meiner Mission meine Frau zu heiraten, 2.) unsere Ausbildung trotz bescheidener Mittel abzuschließen und 3.) auf die Einflüsterungen des Heiligen Geistes zu hören, als wir das Fundament unseres künftigen Lebens legten.

Wenn es dann später im Leben bergab geht, dienen all die unvermeidlichen Beschwerden einem wichtigen Zweck. Sie helfen einem, König Benjamins „natürlichen Menschen“ abzulegen, indem man lernt, den „Einflüsterungen des Heiligen Geistes“ nachzugeben (Mosia 3:19). Die zahlreichen Beschwerden im fortgeschrittenen Alter lehren einen Demut; was es heißt, lange zu leiden; wie wichtig Geduld ist; sie lehren einen auch, für Eigenschaften wie Freundlichkeit und Liebe dankbar zu sein, und helfen einem zu lernen, sich in allem zu mäßigen. Interessanterweise sind das alles göttliche Eigenschaften. Der langsame Verfall des Körpers dient dem Gläubigen als Werkzeug, um seinen Geist zu verfeinern.

Wenn Sie in jungen Jahren gut auf Ihren Körper Acht geben, vergrößern Sie die Wahrscheinlichkeit, lange zu leben. Das ist wichtig, weil man viele wichtige Lektionen im Leben erst später lernt. Eine Schachtel Zigaretten pro Tag verkürzt das Leben um zehn bis dreizehn Jahre. Bitte beachten Sie die abnehmende Kraft auf dem folgenden Schaubild. Drogen verkürzen das Leben noch massiver. Kein Wunder, dass der Herr in jeder Evangeliumszeit ein Gesundheitsgesetz erlassen hat.

Meine jungen Freunde: Das Sühnopfer und die Auferstehung des Herrn bestätigen, wie wichtig der physische Körper ist. Mögen wir einsehen und respektieren, welch wichtige Rolle er im Erdenleben und in der Ewigkeit spielt!

Intelligenz oder Licht und Wahrheit

Der zweite große Zweck des Erdenlebens besteht darin, sich Intelligenz oder Licht und Wahrheit anzueignen (siehe LuB 93:36). Das Wörterbuch definiert Intelligenz als „die Fähigkeit, sich Wissen anzueignen und es anzuwenden“5. Die Definition des Herrn klingt jedoch ein wenig anders. Bei ihm gehört zur Intelligenz ein weiteres Element. Sie ist nicht nur die „Fähigkeit, sich Wissen anzueignen und es anzuwenden“, sondern auch die Weisheit, es rechtschaffen zu nutzen. In den Worten des Herrn: „Licht und Wahrheit verlassen jenen Bösen.“ (LuB 93:37.)

Das Licht ist ein Attribut der Gottheit. Der Apostel Johannes hat gesagt: „Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm.“ (1 Johannes 1:5.) Jesus hat gesagt, er sei „das Licht der Welt“ (Johannes 8:12). Das Evangelium ist eine Botschaft des Lichts (siehe LuB 45:9). Ein Hauptziel aller Kinder Gottes im irdischen Leben ist die Aneignung von Licht – um Gott ähnlicher zu werden. Wir müssen uns im Erdenleben bewähren, indem wir seine Gebote halten. Die Belohnung ist dann mehr Herrlichkeit und Licht (siehe Abraham 3:25,26). Im Buch Lehre und Bündnisse heißt es: „Was von Gott ist, das ist Licht; und wer Licht empfängt und in Gott verbleibt, empfängt mehr Licht; und jenes Licht wird heller und heller bis zum vollkommenen Tag.“ (LuB 50:24.)

Der Herr hat zwei Quellen für geistiges Licht bereitgestellt. Die erste ist das Licht Christi. Dieses Licht ist jedem Menschen gegeben, damit er „Gut von Böse unterscheiden“ kann (Moroni 7:15,16; siehe auch Johannes 1:9; LuB 84:46). Die zweite Quelle ist die Gabe des Heiligen Geistes, die jedem Mitglied der Kirche gespendet wird. Der Heilige Geist besitzt viele Gaben, die uns erleuchten und stärken, besonders in Bezug auf unser Zeugnis von Jesus Christus, aber auch in anderer Hinsicht.

Drei Wege in geistiger Hinsicht

Das folgende Diagramm zeigt drei verschiedene Wege, die man in geistiger Hinsicht im Leben einschlagen kann. Der obere Pfad führt in das celestiale Reich. Wie schon zuvor erwähnt, erlangen die Menschen auf diesem Pfad immer mehr Licht im Leben.

Der Grund dafür ist, dass sie „weise sind und die Wahrheit empfangen haben und sich den Heiligen Geist als ihren Führer genommen haben“ (LuB 45:57).

„Sie sind diejenigen, die das Zeugnis von Jesus empfangen haben und an seinen Namen geglaubt haben und … getauft worden sind … und den Heiligen Geist … durch das Händeauflegen [empfangen haben]. … Sie sind diejenigen ..., die von seiner Fülle empfangen haben und von seiner Herrlichkeit.“ (LuB 76:51,52,56.)

Diese Menschen lernen sowohl vom Heiligen Geist als auch vom Licht Christi. Beachten Sie bitte, dass die celestiale Kurve für junge Mitglieder der Kirche rapide ansteigt, denn die Taufe und die Eingebungen des Heiligen Geistes über Jahre hinweg spenden einem Menschen viel Licht.

Der zweite Pfad führt in das terrestriale Reich. Auch an diesem Pfad gibt es geistiges Wachstum, aber die Kurve bleibt unter dem, was möglich wäre. Die Menschen auf dem mittleren Pfad nehmen das Licht Christi an und lernen von ihm, nicht aber vom Heiligen Geist. Sie sind „ehrenhafte Menschen auf Erden …, die durch die Hinterlist von Menschen verblendet worden sind. [Sie empfangen] von seiner Herrlichkeit …, aber nicht von seiner Fülle.“ (LuB 76:75,76.)

Der dritte oder auch untere Pfad führt in das telestiale Reich. Die Reisenden auf diesem Pfad lehnen sogar das Licht Christi sowie den Heiligen Geist ab. Sie betrügen, stehlen, begehen Ehebruch und lieben die Lüge (siehe LuB 76:103). Diese Menschen empfangen in der Auferstehung zwar telestiale Herrlichkeit, doch während des Erdenlebens geht ihnen Licht verloren. Um es mit Paulus zu sagen: Ihr Gewissen ist gebrandmarkt und sie hören nicht auf die Eingebungen des Lichtes Christi (siehe 1 Timotheus 4:2).

Die Auswirkungen der Sünde

Das nächste Schaubild untersucht die Auswirkungen der Sünde. Nehmen wir an, jemand befindet sich auf dem celestialen Pfad und begeht eine Sünde. Die Folge ist ein Verlust von Licht.6 Wer sich dem Bösen zuwendet, begibt sich auf einen niedrigeren Pfad, denn der Heilige Geist zieht sich zurück. Ist es möglich, auf den höheren Weg zurückzukehren? Ja, man kann zurückkehren, indem man Glauben an den Herrn Jesus Christus hat und Umkehr übt. Nehmen wir an, jemand stiehlt einem anderen die Brieftasche. Was ist zu tun, damit die Richtung gewechselt und der höhere Weg erreicht wird? Man muss die Sünde erkennen, Reue empfinden, den Betreffenden und den Herrn um Vergebung bitten, sein Bedauern ausdrücken, die Brieftasche zurückgeben und weitere Sünden unterlassen – so beginnt die Rückkehr zum höheren Weg. Es braucht Zeit, um sich zu bewähren, aber es ist möglich, die Auswirkungen der Sünde durch den Glauben an das Sühnopfer des Herrn zu beseitigen.

Betrachten wir nun noch einen weitaus ernsteren Fall. Nehmen wir an, ein junger Mann und eine junge Frau berauben sich durch Unzucht gegenseitig ihrer Tugend. Der Verlust an Licht ist hier größer als im Fall der gestohlenen Brieftasche. Können diese jungen Menschen auf den celestialen Pfad zurückkehren? Natürlich ist das möglich, doch wie geht das? Wie werden sie wieder rein? Der junge Mann kann dem Mädchen nicht seine Tugend zurückgeben und das Mädchen dem jungen Mann nicht die seine. Der einzige, der beider Tugend erneuern kann, ist der Herr. Er ist der einzige, der die Macht besitzt, die Tugend wiederherzustellen und die jungen Menschen zu reinigen.

Was sind die Voraussetzungen? Offensichtlich reicht es nicht aus, dass die jungen Leute einander vergeben und künftig von der Sünde lassen. Sie müssen eine Beziehung zum Herrn aufbauen, die mit dem Geständnis beim Bischof beginnt. Sie müssen nach der Vergebung des Herrn trachten und sich sein Vertrauen verdienen! Sie brauchen Zeit, Glauben und Mühe, um geheilt werden zu können. Glücklicherweise wird der Heilige Geist zurückkehren und sie auf den höheren Weg zurückführen, wenn sie die Früchte des Sühnopfers durch ihren Glauben und durch eifriges Halten der Gebote genießen dürfen.

Brüder und Schwestern, es ist wichtig, auf dem celestialen Pfad zu bleiben. Achten Sie Ihren Körper, lassen Sie von der Sünde, und Sie werden das zusätzliche Licht, das Sie auf Erden bekommen, in der künftigen Welt behalten und Ihr Eigen nennen (siehe LuB 130:18,19).

Die Familie

Der dritte großartige Zweck des Erdenlebens ist es, zu heiraten und selbst eine ewige Familie zu gründen. Präsident Hinckley hat gesagt, dass es nichts Wertvolleres als die eigene Familie gibt.7 In einer kürzlich weltweit ausgestrahlten Satellitenübertragung über die Familie hat Elder L. Tom Perry aus einem Heft, das Anleitung für die Familie heißt, zitiert. Darin heißt es: „Die Familie ist die Grundeinheit der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und die wichtigste gesellschaftliche Einheit in Zeit und Ewigkeit.“8

Joseph Smith hat gesagt: „Wenn Mann und Frau – solange sie sich im jetzigen Bewährungszustand befinden – nicht einen immerwährenden Bund eingehen und für die Ewigkeit die Ehe schließen, und zwar durch die Kraft und Vollmacht des heiligen Priestertums, werden sie, wenn sie sterben, keine Vermehrung mehr haben; das heißt, sie werden nach der Auferstehung keine Kinder haben.“9 In der Proklamation zur Familie steht, „dass die Ehe zwischen Mann und Frau von Gott verordnet ist und dass im Plan des Schöpfers für die ewige Bestimmung seiner Kinder die Familie im Mittelpunkt steht“10.

Warum sind die Ehe und die Familie so wichtig? Elder David A. Bednar hat kürzlich bei einer weltweiten Satellitenübertragung zwei Gründe aus der Lehre angeführt. Erstens: „Die Wesenszüge des männlichen und des weiblichen Geistes ergänzen und vervollkommnen einander, daher ist vorgesehen, dass Mann und Frau gemeinsam auf die Erhöhung hinarbeiten.“11 Deshalb hat Petrus auch gesagt, Mann und Frau seien gemeinsam Erben des ewigen Lebens (siehe 1 Petrus 3:7). Und Paulus hat gesagt: „Doch im Herrn gibt es weder die Frau ohne den Mann noch den Mann ohne die Frau.“ (1 Korinther 11:11.) „Gott hat es so vorgesehen, dass beide, Mann und Frau, gebraucht werden, um Kindern ein Leben auf Erden zu ermöglichen und die besten Voraussetzungen für das Erziehen und Umsorgen der Kinder zu schaffen.“12

Mann und Frau ergänzen einander in körperlicher, geistiger, seelischer und intellektueller Hinsicht. Jeder hat andere Stärken, und eine rechtschaffene Ehe ist eine Partnerschaft, in der die Unterschiede zwischen Mann und Frau das geistige Wachstum anregen.

Die Familie bietet die ideale Umgebung, um Kinder zu unterweisen. Vater und Mutter sind wichtige Vorbilder. Die Kinder beziehen ihre Selbstachtung und ihr Persönlichkeitsgefühl aus der Liebe zwischen Vater und Mutter und deren Liebe zu ihren Kindern. Das Zuhause und die Familie existieren dort, wo Kinder das Band der Liebe erfahren und wo sie Tugend, Ehrlichkeit und Gemeinsinn erlernen. In der Familie lernen Kinder, Achtung vor anderen zu haben. Anders ausgedrückt: Die Familie ist die ideale Einrichtung für das geistige Wachstum sowohl der Eltern als auch der Kinder.

Die Ansichten der Welt in Bezug auf Ehe und Familie weichen von unseren ab. Weltlich gesinnte Menschen betrachten eine Heirat im Allgemeinen als eine zeitlich begrenzte Bindung, eine kurzfristige Beziehung. Einigen dient sie hauptsächlich zum individuellen Vergnügen und zu ihrer Befriedigung. Wenn schwierige Zeiten kommen, verringern sich die Anreize, die Verbindung aufrechtzuerhalten, und die Beziehung wird oftmals beendet. Immer mehr Erwachsene beschließen, nicht einmal zu heiraten, sondern ohne formelle Bindung zusammenzuleben. Man muss wohl kaum erwähnen, dass solche Verbindungen am wenigsten halten.

Drei Arten von Beziehungen

Die nächsten Schaubilder verdeutlichen den Unterschied zwischen gar keiner Ehe, einer standesamtlichen Ehe und einer Ehe für Zeit und Ewigkeit. Die erste Abbildung zeigt die Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau ohne vertragliche Basis. Die beiden leben zusammen, bleiben aber selbständig. Die gegenseitigen Versprechungen sind begrenzt, und es existiert keine formelle Bindung zwischen ihnen. Nichts außer persönlicher Befriedigung scheint ihr Ziel zu sein. Weil kein Vertrag existiert, haben Kinder, die in eine solche Situation hineingeboren werden, kaum Sicherheiten. Die Beziehung ist zerbrechlich und fast immer von kurzer Dauer.

Die zweite Abbildung zeigt eine standesamtliche Ehe. Die Pfeile veranschaulichen die Versprechungen, die sich für den Mann und die Frau aus dem Ehevertrag ergeben. Sie haben versprochen, füreinander zu sorgen, bis der Tod sie scheidet. Dieser Vertrag ist von einer amtlichen Stelle anerkannt. Die Kinder genießen eine gewisse Sicherheit auf Grund der Absichtserklärungen und der Versprechungen der Eltern. Leider scheitern immer mehr standesamtliche Ehen, weil die Menschen diese Versprechen leichtfertig brechen. Vielfach lassen gebrochene Versprechen Männer, Frauen und Kinder mittellos zurück.

Die dritte Abbildung zeigt eine Ehe für Zeit und Ewigkeit. Die Beziehung wird durch ein heiliges Bündnis zwischen dem Mann, der Frau und dem Herrn besiegelt. Die Frau geht ein Bündnis mit dem Mann ein und der Mann eines mit der Frau, und beide gemeinsam gehen ein Bündnis mit dem Herrn ein. Die Pfeile veranschaulichen die im Bündnis gemachten Versprechen. Der Mann verspricht der Frau, dass er sie ehren und für sie sorgen wird und dass sich niemand zwischen sie stellen wird. Niemand heißt: auch Vater, Mutter, Freunde nicht und gewiss keine andere Frau. Der Mann verspricht dem Herrn, dass er das Evangelium leben und seine Frau mit dem gebührenden Respekt behandeln wird. Ähnliche Versprechen gibt auch die Frau dem Mann und dann Gott gegenüber. Schließlich gibt der Herr dem Mann und der Frau und ihren Nachkommen wunderbare Verheißungen, die von ihrer Glaubenstreue abhängen.

Solch eine Dreiecksverbindung ist wesentlich stabiler als die einfachen Pfeile. Solche potenziell unendlichen Beziehungen vergrößern, sofern richtig verstanden, das Vertrauen, sie vertiefen die Bindung und geben der Ehe größere Festigkeit. Beachten Sie, dass Mann und Frau einander immer näher kommen, je näher sie dem Herrn kommen. Das Geheimnis einer guten Ehe besteht darin, dass man das Evangelium lebt und das Dreieck in einen ewigen Kreis umwandelt.

Die ewige Familie ist eines der drei Geschenke des Erdenlebens. In Ihrem jetzigen Lebensabschnitt sind Sie körperlich und geistig dazu bestimmt, eine solche zu gründen. Sie haben den Heiligen Geist, der Sie bei dieser wichtigen Entscheidung leiten wird. Aber die Wahl müssen Sie treffen. Der Heilige Geist wird sie ihnen nicht abnehmen. Das ist weder seine Aufgabe noch wird er Sie Ihrer Entscheidungsfreiheit berauben. Der Heilige Geist wird Ihrer Seele jedoch Frieden zusprechen, wenn Sie eine richtige Entscheidung getroffen haben.

Brüder und Schwestern, denken Sie an die großartigen Geschenke des Erdenlebens: den physischen Körper, zusätzliches Licht und die ewige Familie. Diese Geschenke sind kostbar. Möge der Herr Sie in dem wunderbaren Lebensabschnitt, in dem Sie jetzt stehen, segnen, dass Sie so leben, dass Sie alle drei dieser großen Verheißungen in ihrer Fülle empfangen können. Ich bete darum, dass der Herr Sie damit segnen möge. Im Namen Jesu Christi. Amen.

Anmerkungen

1. Gordon B. Hinckley, „Ein lebendiges und wahres Zeugnis“, Liahona, August 2005, Seite 6

2. Lehren des Propheten Joseph Smith, Hg. Joseph Fielding Smith, 1983, Seite 184

3. Siehe Boyd K. Packer, The Instrument of Your Mind and the Foundation of Your Character (CES-Fireside für junge Erwachsene am 2. Februar 2003)

4. Siehe William D. McArdle, Frank I. Katch und Victor L. Katch, Essentials of Exercise Physiologoy, 2. Auflage, 2000, Seite 558

5. The American Heritage Dictionary of the English Language, 1969, „Intelligence“, Seite 682

6. Siehe Lehren des Propheten Joseph Smith, Seite 69; 2 Nephi 28:30

7. Siehe Gordon B. Hinckley, „Freuen wir uns, dass wir dienen dürfen!“, Weltweite Führerschaftsschulung, 21. Juni 2003, Seite 25

8. „Aufbau und Zweck der Familie“, Anleitung für die Familie, 2001, Seite 1

9. Lehren des Propheten Joseph Smith, Seite 305

10. „Die Familie – eine Proklamation an die Welt“, Der Stern, Januar 1996, Seite 93

11. David A. Bednar, „Die Ehe ist in Gottes ewigem Plan von entscheidender Bedeutung“, Liahona, Juni 2006, Seite 51

12. Bednar, „Die Ehe ist in Gottes ewigem Plan von entscheidender Bedeutung“, Liahona, Juni 2006, Seite 52

 
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