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Lehren aus dem Gefängnis zu Liberty

Elder Jeffrey R. Holland
vom Kollegium der Zwölf Apostel
CES-Fireside für Junge Erwachsene • 7. September 2008 • Brigham-Young-Universität

Elder Jeffrey R. HollandMeine lieben junge Freunde, es ist aufregend für meine Frau und mich, heute Abend bei dieser weltweiten Satellitenübertragung mit Ihnen zusammen zu sein. Es ist immer großartig, im Marriott Center zu sein. Ich wünschte, wir könnten direkt bei Ihnen sein, wo auch immer Sie sich befinden, Sie sehen und Ihnen die Hand geben. Noch haben wir dafür keine Möglichkeit gefunden, aber wir grüßen Sie alle herzlich, wo auch immer auf der Welt Sie sich aufhalten. Trotz der großen Zahl unserer Zuhörer auf der ganzen Welt hoffen wir, dass jeder von Ihnen spürt, wie sehr wir ihm zugetan sind, und dass jeder von Ihnen in unserer Botschaft heute Abend etwas findet, was er für sein Leben gebrauchen kann.

Der Prophet im Gefängnis zu Liberty

Es ist eine der großen Segnungen, die unsere Aufgaben als Generalautorität mit sich bringen, dass man die Mitglieder der Kirche an verschiedenen Orten der Welt besuchen kann und aus dem, was unsere Mitglieder überall erlebt haben, Anregungen bekommt. In diesem Sinne möchte ich heute Abend von Empfindungen erzählen, die sich einstellten, als ich im letzten Frühjahr im Auftrag der Kirche den Pfahl Platte City im Westen von Missouri hier in den USA besuchte.

Der Pfahl Platte City grenzt an den Pfahl Liberty, eine heute aus der Geschichte der Kirche sehr bekannte Gegend, in der mehrere geschichtlich bedeutsame Stätten liegen, darunter auch das Gefängnis zu Liberty, was ironischerweise Freiheit bedeutet. Aus Ihrer Beschäftigung mit der Geschichte der Kirche werden Sie alle etwas darüber wissen, was der Prophet Joseph Smith und seine Brüder erlebten, als sie im Winter 1838/39 dort eingesperrt waren. Es war eine furchtbar schwierige Zeit in unserer Geschichte, für die Kirche im Allgemeinen und zweifellos für den Propheten, der damals die Hauptlast der Verfolgung trug. Ich wage sogar zu behaupten, dass es bis zu seinem Märtyrertod fünfeinhalb Jahre später keine schwerere Zeit in seinem Leben gab als die grausame, ungesetzliche und ungerechtfertigte Gefangenschaft im Gefängnis zu Liberty.

Es ist aus Zeitgründen unmöglich, ausführlich zu erörtern, was zu diesem Augenblick in der Geschichte der Kirche führte. Belassen wir es dabei, dass verschiedene Probleme zusammengekommen waren, seitdem der Prophet Joseph Smith im Juli 1831 eine Offenbarung empfangen hatte, die Missouri als den Ort bezeichnete, der „für die Sammlung der Heiligen … geweiht“ und für die Errichtung der „Stadt Zion“ bestimmt war (LuB 57:1,2). Im Oktober 1838 schien ein offener Krieg zwischen den Mormonen und den ihnen feindlich gegenüberstehenden Nichtmormonen unausweichlich. Nachdem sie aus verschiedenen Landkreisen im westlichen Teil des Staates vertrieben worden waren, marschierten fünf Führer der Kirche, darunter der Prophet Joseph Smith, unter einer weißen Flagge ins Lager der Bürgerwehr von Missouri in der Nähe der kleinen Siedlung Far West im Kreis Caldwell. Sie hatten angenommen, man habe sie zu Gesprächen über eine Entschärfung der unberechenbaren Lage eingeladen.

Wie sich herausstellte, war die weiße Flagge nutzlos. Die Führer der Kirche wurden sofort in Ketten gelegt und schwer bewacht. Am nächsten Morgen wurden zwei weitere Führer der Kirche, darunter Hyrum Smith, ein Bruder des Propheten, gefangen genommen, sodass es nun sieben Gefangene waren.

Schnell drohte das Unrecht in eine Tragödie umzuschlagen, als ein „Militärgericht“ aus Offizieren der Bürgerwehr zusammentrat und anordnete, Joseph Smith und die sechs anderen Gefangenen auf den öffentlichen Platz von Far West zu führen und dort alle kurzerhand zu erschießen. Doch Brigadegeneral Alexander Doniphan, ein Offizier der Armee von Missouri, weigerte sich beherzt und mutig, den unmenschlichen und ungerechtfertigten Befehl auszuführen, und erwarb sich damit ewige Verdienste. Mit einem Wagemut, der ihn selbst vor ein Militärgericht hätte bringen können, rief er dem kommandierenden Offizier entgegen: „Das ist kaltblütiger Mord. Ich weigere mich, diesen Befehl auszuführen. … Und wenn Sie diese Männer hinrichten, bringe ich Sie vor ein irdisches Gericht, so wahr mir Gott helfe.“1

Durch seinen Mut und seine moralische Stärke rettete Doniphan nicht nur diesen sieben Männern das Leben, sondern gewann auch für immer das Herz der Heiligen der Letzten Tage.

Nachdem die Erschießung also abgewendet war, wurden die sieben Männer zu Fuß von Far West nach Independence und dann von dort nach Richmond gebracht. Parley P. Pratt wurde dem Gericht im nahegelegenen Kreis Daviess überstellt, die übrigen sechs Gefangenen, unter ihnen Joseph und Hyrum, brachte man nach Liberty, dem Verwaltungssitz des benachbarten Kreises Clay, wo ihnen im folgenden Frühjahr der Prozess gemacht werden sollte. Sie kamen am 1. Dezember 1838 dort an, gerade als der Winter einsetzte.

Das Gefängnis, eines der wenigen, die es in dieser Gegend gab, und zweifellos eines der scheußlichsten, galt als „ausbruchsicher“, und vermutlich zu Recht. Es hatte zwei Stockwerke. Das obere, das Hauptstockwerk, war für die Außenwelt nur über eine einzige kleine, schwere Tür zugänglich. Mitten im Fußboden war eine Falltür, durch die die Gefangenen in das untere Geschoss oder Verlies hinabgelassen wurden. Die Außenwände waren aus grob behauenem Kalkstein, 60 cm dick. Die Innenwand bestand aus 30 cm dicken Eichenstämmen. Zwischen beiden Wänden war ein 30 cm breiter Spalt, der mit Steinen gefüllt war. Diese Wände bildeten zusammen eine gewaltige, praktisch undurchdringliche 1,20 m breite Barriere.

Im Verlies betrug der Abstand vom Boden bis zur Decke knapp 1,85 m. Da einige der Männer, auch der Prophet Joseph Smith, größer waren, mussten sie immer gebückt stehen. Wenn sie sich hinlegten, mussten sie meist mit einem rauen Fußboden aus nacktem Stein Vorlieb nehmen, der hie und da von losem, schmutzigem Stroh oder einer dreckigen Strohmatte bedeckt war.

Das Essen für die Gefangenen war schlecht und manchmal verdorben. Es war so ekelhaft, dass einer meinte, „man könne es nur essen, wenn der Hunger es hineintrieb“.2 Vier Mal wurde ihnen Gift im Essen verabreicht, das sie so krank machte, dass sie sich tagelang entweder übergaben oder in einer Art Delirium lagen, in dem es ihnen gleichgültig war, ob sie lebten oder starben. Der Prophet schrieb in seinen Briefen, das Gefängnis sei eine Hölle, „umgeben von bösen Geistern …, wo wir gezwungen sind, nichts als lästerliche Flüche zu hören und Szenen von Gotteslästerung und Trunkenheit und Heuchelei und Verkommenheit jeder Art mitzuerleben.“3 „Wir haben … nicht genügend Decken, um uns zu wärmen“ sagte er, „und wenn wir Feuer machen, müssen wir fast die ganze Zeit den Rauch ertragen.“4 „Unsere Seele ist niedergebeugt worden“5 und „meine Nerven zittern von der langen Gefangenschaft.“6 „Weder Feder noch Zunge noch Engel“, schrieb Joseph Smith, könnten „die Bosheit der Hölle, die er dort erlitten hat“, auch nur annähernd beschreiben.7 Und dies alles geschah in einem Winter, der einigen Berichten zufolge der kälteste seit Beginn der Aufzeichnungen im Staat Missouri war.

Ich will hier keine Rede über die Sorgen und Schwierigkeiten halten, die diese Männer im Gefängnis zu Liberty auszuhalten hatten, sondern möchte lieber ein paar Fotos zeigen und schließe hiermit diese kurze Einleitung zu meiner Ansprache. Ich verspreche Ihnen, dass ich noch über etwas anderes sprechen werde.

Auf diesem Bild sieht man das Gefängnis, wie es etwa zu der Zeit aussah, als Joseph und seine Brüder darin eingesperrt waren.

Dieses Bild wurde einige Jahre später aufgenommen, als einige Führer und Historiker der Kirche den Ort besuchten. Ich bin mir nicht sicher, ob oben der Mann heraus oder hinein will.

Das hier ist ein von der Kirche rekonstruierter Querschnitt des Gefängnisses. Er ist jetzt in unserem Besucherzentrum zu sehen. Man beachte die Zugvorrichtung mit dem Eimer, die einzige Verbindung zwischen dem Verlies und dem oberen Stockwerk.

Dieses Gemälde von Liz Lemon Swindle zeigt Joseph Smith im Gebet. Beachten Sie Josephs verzweifelten, sehnsüchtigen Gesichtsausdruck.

Und hier ein Gemälde von Greg Olson, das zeigt, wie Joseph einige der Offenbarungen, die er in diesem Gefängnis erhielt, niedergeschrieben haben mag.

Und dies ist mein letztes Bild, das mich zu der eigentlichen Botschaft führt, die ich heute Abend überbringe.

Er war im „Gefängnis-Tempel“

Die meisten von uns bezeichnen dieses Gebäude in Liberty meist als „Gefängnis“ oder „Kerker“ – und das war es bestimmt. Aber als Elder Brigham H. Roberts die Geschichte der Kirche schrieb, nannte er das Gebäude einen Tempel, oder genauer: einen „Gefängnis-Tempel“.8 Elder Neal A. Maxwell benutzte in einigen seiner Schriften denselben Ausdruck.9 Sicherlich fehlten diesem Tempel die Reinheit, die Schönheit, die Behaglichkeit und die Sauberkeit unserer Tempel, der richtigen Tempel, unserer geweihten Tempel. Die Ausdrucksweise und das Benehmen der Wachen und Verbrecher, die dorthin kamen, waren alles andere als tempelgemäß. So bedrückend, wie die Brutalität und Ungerechtigkeit der Erlebnisse in Liberty waren, scheinen sie das genaue Gegenteil von dem befreienden, barmherzigen Geist unserer Tempel und der heiligen Handlungen, die dort vollzogen werden, zu sein. Inwiefern könnte man das Gefängnis zu Liberty dann also als „Tempel“ bezeichnen, oder zumindest als eine Art Tempel, was die Entwicklung von Joseph Smith als Mensch und in seiner Rolle als Prophet betrifft? Und was sagt solch eine Bezeichnung über Gottes Liebe und seine Lehren aus und darüber, wo und wann diese Liebe und diese Lehren kundgetan werden?

Wenn wir darüber nachdenken, fällt uns dann auf, dass wir alle in all den vielen verschiedenen Phasen und Umständen unseres Lebens geistige Erfahrungen, offenbarende Erfahrungen, heilige Erfahrungen machen können, wenn wir es nur wollen, wenn wir warten und beten und in unseren Schwierigkeiten einen starken Glauben bewahren? Wir lieben und schätzen unsere geweihten Tempel und die wichtigen, erhöhenden heiligen Handlungen, die darin vollzogen werden. Wir danken dem Himmel und den präsidierenden Brüdern, dass immer mehr Tempel gebaut werden und immer mehr von uns sie leichter erreichen können. Diese Bauwerke sind wahrhaftig die heiligsten, die es im Reich Gottes gibt, und wir alle sollten so würdig und so oft wie möglich dorthin gehen.

Aber meine heutige Botschaft lautet: Wenn es sein muss, kann man in jeder Lage, in der man sich befindet, heilige, offenbarende, zutiefst lehrreiche Erfahrungen mit dem Herrn machen. Ich möchte das sogar noch ein wenig deutlicher ausdrücken: Man kann selbst während der unglücklichsten Ereignisse im Leben heilige, offenbarende, zutiefst lehrreiche Erfahrungen mit dem Herrn machen – in den schlimmsten Situationen, während man aufs Schmerzlichste Ungerechtigkeit erduldet, wenn man vor den größten Schwierigkeiten und Widerständen steht, die einem je begegnet sind.

Sprechen wir kurz über diese Behauptungen. Jeder von uns wird – geistig gesehen – auf die eine oder andere Weise, im Großen oder Kleinen, zwangsläufig oder aus Zufall ein wenig Zeit im Gefängnis zu Liberty verbringen. Wir mögen aus Gründen, die wir nicht verschuldet haben, in Situationen geraten, in die wir nicht geraten möchten. Wir können sogar aus Gründen, die absolut gut und richtig sind, in eine schwierige Situation geraten, gerade weil wir uns bemühen, die Gebote des Herrn zu halten. Wir werden vielleicht verfolgt oder erleben Kummer und die Trennung von unseren Lieben, wir sind vielleicht hungrig und durchfroren und einsam. Ja, bevor unser Leben vorüber ist, müssen wir vielleicht alle eine Kostprobe von dem erleben, was die Propheten so oft erlebten. Aber die Lehren aus dem Winter 1838/39 zeigen uns, dass jede Erfahrung eine erlösende sein kann, wenn wir in diesen Schwierigkeiten mit dem Vater im Himmel fest verbunden bleiben. Diese schweren Lektionen lehren uns, dass die äußerste Not des Menschen Gott Möglichkeiten eröffnet; wenn wir demütig und gläubig sind und Gott nicht wegen unserer Probleme verfluchen, kann er die ungerechten und unmenschlichen und entkräftenden Kerker unseres Lebens in Tempel verwandeln – oder wenigstens in einen Zustand, der uns Trost und Offenbarung, göttliche Begleitung und Frieden verschafft.

Ich möchte noch ein wenig weiter gehen. Gerade habe ich gesagt, dass schwere Zeiten auf uns zukommen können. Präsident Joseph Fielding Smith, der Großneffe des Propheten Joseph Smith und Enkel des eingekerkerten Hyrum, drückte sich sogar noch deutlicher aus, als er 1963 das Besucherzentrum des Gefängnisses zu Liberty weihte. Auf die Geschichte anspielend, wie wir sie heute Abend geschildert haben, sagte er angesichts des Ortes, wo sein Großvater und sein Großonkel so unrechtmäßig festgehalten wurden, dass dergleichen vielleicht geschehen muss – es kann nicht nur geschehen, es muss wohl geschehen. Er hat gesagt: „Als ich die Geschichte jener Tage las, der Tage, die vorangingen, und der Tage, die folgten, kam ich zu dem Schluss, dass die Bedrängnisse, die Verfolgung, der beinahe allgegenwärtige Widerstand [gegen die Kirche zu dieser Zeit] notwendig waren. Jedenfalls wurden sie zu Lehrmeistern für unser Volk. Sie halfen, [es] stark zu machen.“10

Lehren aus dem Gefängnis zu Liberty

Ohne bestimmen zu wollen, welche dieser Art von Erfahrungen in unserem Leben „verbindlich“ und welche „freigestellt“ sind und trotzdem unserem Besten dienen, möchte ich nur ein paar von den Lektionen nennen, die in Liberty gelernt wurden, Erfahrungen, die „Lehrmeister“ für Joseph waren und es auch für uns sein können, Erfahrungen, die viel zu unserer Schulung hier auf Erden und unserer Erhöhung in der Ewigkeit beitragen.

Bei der Auswahl dieser Lektionen fällt mir auf, welchen Nutzen dieses Unglück noch gebracht hat. Um unmissverständlich zum Ausdruck zu bringen, was ich Ihnen heute Abend mitteilen möchte, beziehe ich mich direkt auf die Worte der Offenbarung, die in dieser kummervollen Zeit aus dem Munde Joseph Smiths kamen und die wir als heilige Schrift im Buch Lehre und Bündnisse finden. Auch wenn wir vermutlich keine Lieblingsschriftstellen haben sollen und ich so viele davon habe, dass man mich kaum auf eine oder zwei festnageln kann, sollte gewiss jede Liste meiner Lieblingsschriftstellen diejenigen enthalten, die im düsteren Gefängnis zu Liberty geschrieben wurden.

Wir erkennen sofort, dass Gott nicht nur Joseph Smith in diesem Gefängnis belehrte, sondern uns alle, auch zukünftige Generationen. Welch ein Geschenk an heiliger Schrift! Und welch hoher Preis wurde dafür gezahlt! Und wie leer wäre unser Leben als Heilige der Letzten Tage, wenn wir nicht Abschnitt 121, 122 und 123 im Buch Lehre und Bündnisse hätten! Wenn Sie dies in letzter Zeit nicht gelesen haben, möchte ich, dass Sie es heute Abend oder spätestens morgen noch einmal lesen – nicht später. Das ist Ihre Hausaufgabe, und ich werde das überprüfen! Es geht um insgesamt nur acht Seiten Text, aber diese acht Seiten werden mit ihrer Schönheit und ihrer Kraft Ihr Herz anrühren. Und sie werden Sie daran erinnern: „Gott wirket oft geheimnisvoll die Wunder seiner Macht.“11 Jedenfalls hat der Herr bestimmt Unglück in Segen verwandelt, als er uns diese heiligen Schriften und Überlegungen gab – so rein, edel und christlich sowohl im Ton als auch im Inhalt, obwohl sie doch in einem so unreinen, unwürdigen und unchristlichen Rahmen entstanden.

1. Jeder erlebt schwierige Zeiten

Nun zu drei Lehren aus dem Gefängnis zu Liberty. Ich mache darauf aufmerksam, dass die erste sich aus dem ergibt, was ich bereits gesagt habe – dass jeder, auch der Rechtschaffene (und der vielleicht ganz besonders), beschwerliche Zeiten erleben wird. Wenn das geschieht, fürchten wir manchmal, dass Gott uns verlassen habe, und uns bleibt zumindest zeitweilig nichts als die Frage, ob unsere Schwierigkeiten jemals enden werden. Jeder Mensch, jede Familie, jedes Land, jedes Volk hat wohl schon einmal Gelegenheit gehabt – oder wird sie haben –, nachzuempfinden, was Joseph Smith verspürte, als er fragte, warum solches Leid kommen musste und wie lange diese Dunkelheit und ihre Folgen anhalten würden. Wir fühlen mit ihm, wenn er aus der Tiefe und Mutlosigkeit seiner Gefangenschaft ruft: „O Gott, wo bist du? … Wie lange noch wird deine Hand sich zurückhalten …? Ja, o Herr, wie lange noch [soll dein Volk leiden], ehe … dein Inneres von Mitleid mit ihnen bewegt sein wird?“ (LuB 121:1-3.)

Das ist ein schmerzlicher, persönlicher Aufschrei des Herzens, eine geistige Einsamkeit, die wir vielleicht alle gelegentlich empfinden werden.

Vielleicht haben Sie in Ihrem jungen Leben schon solche Augenblicke erlebt. Wenn ja, hoffe ich, dass es nicht zu viele waren. Aber wann auch immer so ein Augenblick äußerster Not kommt: Wir dürfen uns nicht der Furcht ergeben, dass Gott uns verlassen habe oder dass er unsere Gebete nicht höre. Er hört uns. Er sieht uns. Er liebt uns. Wenn die Umstände schlimm sind und wir rufen möchten: „Wo bist du?“, dürfen wir keinesfalls vergessen, dass er gerade dann hier bei uns ist – wo er immer gewesen ist! Wir müssen weiterhin glauben, weiterhin beten und den Himmel anflehen, selbst wenn wir zeitweise das Gefühl haben, dass unsere Gebete nicht gehört werden und Gott sich irgendwie entfernt habe. Er ist da. Unsere Gebete werden gehört, und wenn wir weinen, dann weinen er und die Engel im Himmel mit uns.

Wenn einsame, kalte, schwere Zeiten kommen, müssen wir aushalten, müssen wir weitermachen, müssen wir beharrlich sein. Das war die Botschaft des Erlösers im Gleichnis von der Witwe, die den Richter bedrängte (siehe Lukas 18:1-8; siehe auch Lukas 11:5-10). Klopfen Sie weiter an die Tür. Flehen Sie weiter. Und bedenken Sie unterdessen, dass Gott Ihre Rufe hört und Ihre Not kennt. Er ist Ihr Vater, und Sie sind seine Kinder.

Wenn das, was geschehen muss, geschehen ist und das, was gelernt werden muss, gelernt worden ist, wird es für uns genauso sein wie für den Propheten Joseph Smith. Gerade als er sich am einsamsten und am weitesten vom Himmel entfernt wähnte, empfing er eine wundersame Kundgebung des Geistes und wunderbare, herrliche Antworten, die vom Vater im Himmel kamen. In diesen trostlosen Kerker und diese bedrückende Zeit drang die Stimme Gottes, die sagte:

„Mein Sohn, Friede sei deiner Seele; dein Ungemach und deine Bedrängnisse werden nur einen kleinen Augenblick dauern, und dann, wenn du gut darin ausharrst, wird Gott dich in der Höhe erhöhen; du wirst über alle deine Feinde triumphieren.“ (LuB 121:7,8.)

Selbst wenn wir anscheinend von Ungerechtigkeit erdrückt werden und selbst wenn wir lieblos und unverdient schlecht behandelt werden – vielleicht von denen, die wir für unsere Feinde halten, aber in manchen Fällen auch von denen, die wir für unsere Freunde gehalten haben –, in dem allen ist Gott doch bei uns. Darum sang unser großartiger Chor heute das traditionelle, in der Christenheit weithin bekannte Lied von Sarah Adams, „Näher, mein Gott zu dir“. Der Chor sang auch die im Englischen selten gesungene vierte Strophe, in der es heißt:

Baue mein Bethel dir
aus meinem Kummer hier;
um dann durch Schmerz und Pein
näher bei dir zu sein.12

Wir sind hier in unseren kleinen Kerkern nicht allein. Wenn wir leiden, können wir Gott sogar näher sein als jemals zuvor im ganzen Leben. Diese Erkenntnis kann aus jeder solchen Lage so etwas wie einen Tempel machen.

Der Herr hat für unsere Erdenreise verheißen: „Ich werde vor eurem Angesicht hergehen. Ich werde zu eurer rechten Hand sein und zu eurer linken, und mein Geist wird in eurem Herzen sein und meine Engel rings um euch, um euch zu stützen.“ (LuB 84:88.) Hier erklärt Gott, dass er uns immerzu liebt und sich immerzu um uns sorgt, und das auch – oder vielleicht gerade – in schwierigen Zeiten.

2. Auch gute Menschen müssen leiden

Zweitens müssen wir begreifen: Wenn Schwierigkeiten auftreten – manchmal unfair und anscheinend ungerechtfertigt – bedeutet das nicht, dass wir nicht rechtschaffen oder Gottes Segens nicht würdig seien oder dass Gott von uns enttäuscht sei. Natürlich bringt Sünde Leiden, und dieses kann nur durch Umkehr behoben werden. Aber auch die Rechtschaffenen müssen manchmal leiden. Vergessen Sie nicht: Als Joseph Smith tief im Gefängnis zu Liberty bewusst gemacht wurde, dass er „in Ungelegenheiten“ gebracht worden war, dass er Drangsal durchgemacht hatte und falsch beschuldigt, von seiner Familie weggerissen und in eine Grube geworfen worden war, und zwar Mördern in die Hände, sollte er dennoch daran denken, dass dem Erretter der Welt dasselbe widerfahren war, und weil er triumphierte, werden auch wir triumphieren (siehe LuB 122:4-7). Als nüchterner Hinweis darauf, was der Erretter durchmachen musste, heißt es in der Offenbarung aus dem Gefängnis zu Liberty: „Des Menschen Sohn ist unter das alles hinabgefahren. Bist du größer als er?“ (LuB 122:8.)

Nein. Joseph Smith war nicht größer als der Erretter, und wir sind es auch nicht. Und wenn wir versprechen, dem Erretter zu folgen, in seinen Spuren zu wandeln und seine Jünger zu sein, versprechen wir zu gehen, wohin dieser göttliche Weg uns führt. Und der Weg zur Errettung hat immer auf die eine oder andere Weise durch Getsemani geführt. Wenn also der Erretter solches Unrecht und solche Entmutigung erlebte, solche Verfolgung und Ungerechtigkeit und Leiden, können wir nicht erwarten, dass wir nicht auch ein wenig davon erleben, wenn wir uns weiterhin seine wahren Jünger und treuen Anhänger nennen wollen. Und gewiss unterstreicht dies die Tatsache, dass die Rechtschaffenen – im Fall des Erretters die Rechtschaffenheit in Person – vollkommen würdig vor Gott sein können und doch leiden.

Die Tatsache, dass Jesus im Verlauf des Sühnopfers all die Seelenqualen und den Kummer, alle Enttäuschungen und Ungerechtigkeiten durchlebte, die die ganze Menschheit von Adam und Eva bis ans Ende der Welt durchlebt hat und noch durchleben wird, damit wir sie nicht so schwer und so tief erleben müssen, sollte uns eigentlich eine sehr tröstliche Lehre sein. Wie schwer unsere Last auch sein mag, sie wäre viel schwerer, wenn der Erretter nicht diesen Weg vor uns gegangen wäre und die Last mit uns und für uns getragen hätte.

Der Prophet Joseph Smith erhielt diese Lehre schon zu Beginn seines Wirkens vom Erretter. Nachdem Jesus von Leiden gesprochen hatte, die so außerordentlich schmerzlich und so schwer zu ertragen waren, sagte er: „Ich, Gott, habe das für alle gelitten, damit sie [und das bedeutet Sie und ich, wir alle] nicht leiden müssen, sofern sie umkehren.“ (LuB 19:16.) Ich nehme an, dass wir in einem Augenblick des Schmerzes und der Prüfung zittern würden bei dem Gedanken, dass es noch schlimmer sein könnte, aber die Antwort darauf lautet ganz klar, dass es schlimmer sein könnte und würde, und nur Glauben und Umkehr und Gehorsam gegenüber dem Evangelium, dem das heilige Sühnopfer zu verdanken ist, verhindern, dass es schlimmer wird.

Weiter stellen wir fest, dass nicht nur der Erretter gelitten hat, und in seinem Fall völlig unschuldig, nein, auch die meisten Propheten und die anderen großen Männer und Frauen, von denen in der Schrift berichtet wird, haben gelitten. Sie können jeden Propheten aus dem Alten Testament oder aus dem Buch Mormon, jeden Apostel aus dem Neuen Testament, jeden Führer aus allen Evangeliumszeiten herausgreifen – es wird immer jemand sein, der Schwierigkeiten hatte.

Was will ich damit sagen? Wenn Sie einen schlechten Tag haben, sind Sie in guter Gesellschaft – in ausgesprochen guter Gesellschaft. In der besten Gesellschaft, die je gelebt hat.

Verstehen Sie mich jetzt aber nicht falsch. Wir müssen nicht auf Kummer aus sein. Wir müssen nicht danach streben, Märtyrer zu sein. Probleme finden ihren Weg zu uns, ohne dass wir ihnen nachlaufen müssen. Aber wenn es offensichtlich ist, dass Sie etwas Zeit im Gefängnis zu Liberty erwartet (geistig gesehen), dann denken Sie an die ersten beiden Wahrheiten, die Joseph in diesem Gefängnis-Tempel lernte. Erstens: Gott hat Sie nicht vergessen, und zweitens: Der Erretter ist dort gewesen, wo Sie sind, und hat für Ihre Befreiung und Ihren Trost gesorgt.

Wie der Prophet Jesaja schrieb, hat der Herr Sie „eingezeichnet in [seine] Hände“; es ist eine dauerhafte Schrift wie eine Narbe, mit römischen Nägeln als Schreibinstrument. Nachdem sie durch Leiden den Preis für Sie gezahlt haben, werden der Vater und der Sohn Sie in Ihren Leiden niemals vergessen oder verlassen (siehe Jesaja 49:14-16; siehe auch 1 Nephi 21:14-16). Sie haben Ihren Sieg geplant, vorbereitet und garantiert, wenn Sie ihn wünschen. Also glauben Sie und harren Sie gut darin aus (siehe LuB 121:8). Am Ende wird es Ihnen „zum Guten dienen“ (LuB 122:7), und „eine immerwährende Herrschaft“ wird Ihnen „ohne Nötigung … zufließen für immer und immer“ (LuB 121:46).

3. Ruhig, geduldig, wohltätig und vergebungsbereit bleiben

Als Drittes und Letztes für heute Abend möchte ich uns alle erinnern: Inmitten solch schwieriger Gefühle, wenn man zu Recht ärgerlich, widerspenstig oder rachsüchtig sein könnte, wenn man den Wunsch hat, Auge um Auge und Zahn um Zahn zu vergelten, mahnt uns der Herr aus dem Gefängnis-Tempel zu Liberty, „dass die Rechte des Priestertums untrennbar mit den Mächten des Himmels verbunden sind und dass die Mächte des Himmels nur nach den Grundsätzen der Rechtschaffenheit beherrscht und gebraucht werden können“ (LuB 121:36). Darum müssen wir, selbst wenn wir solche schmerzlichen Umstände erleben und etwas in uns gegen Gott oder Mensch, Freund oder Feind zurückschlagen möchte, daran denken: Es „kann und soll keine Macht und kein Einfluss anders geltend gemacht werden als nur mit überzeugender Rede, mit Langmut, mit Milde und Sanftmut und mit ungeheuchelter Liebe, … ohne Heuchelei und ohne Falschheit.“ (LuB 121:41,42; Hervorhebung hinzugefügt.)

Für mich war es immer ein wunderbares Zeugnis von der Größe des Propheten Joseph Smith und der Größe all unserer Propheten und insbesondere des Erretters der Welt in seiner Herrlichkeit, dass sie inmitten solcher Not und Bedrängnis ruhig und geduldig, wohltätig und vergebungsbereit bleiben konnten – dass sie überhaupt so sprechen, ja, leben konnten. Aber sie konnten es und sie taten es. Sie gedachten ihrer Bündnisse, sie beherrschten sich und sie wussten, dass wir zu allen Zeiten nach dem Evangelium leben müssen, nicht nur, wenn es uns gerade passt oder wenn alles gut geht. Sie wussten, dass unser Glaube und unsere Bereitschaft, Christus zu folgen, dann wahrhaft geprüft werden, wenn nicht alles glatt geht. Dann merken wir, aus welchem Stoff wir sind und wie stark unsere Verpflichtung gegenüber dem Evangelium wirklich ist.

Das klassische Beispiel dafür ist, wie Christus in den schmerzlichsten Stunden der Kreuzigung sagen konnte: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lukas 23:34.) Es ist sehr schwer, dies zu sagen, wenn wir Schmerzen haben. So etwas ist auch sehr schwer, wenn wir beleidigt wurden – oder müde und überlastet sind oder unschuldig leiden. Aber genau dann ist christliches Verhalten am wichtigsten. Bedenken Sie, „dass die Mächte des Himmels nur nach den Grundsätzen der Rechtschaffenheit beherrscht und gebraucht werden können“. Und in solchen Zeiten brauchen wir die Mächte des Himmels auf unserer Seite! Wie Joseph Smith in seinem Gefängnis-Tempel belehrt wurde, müssen auch wir, selbst in Drangsal und Kummer, unser Inneres erfüllt sein lassen „von Nächstenliebe zu allen Menschen“, denn dann und nur dann wird unser „Vertrauen in der Gegenwart Gottes stark werden, und … der Heilige Geist wird [unser] ständiger Begleiter sein.“ (LuB 121:45,46.)

Nur wenn wir unseren christlichen Grundsätzen treu bleiben, kann der göttliche Einfluss uns helfen. Es ist für den Geist fast unmöglich, zu einem Herzen vorzudringen, das von Hass, Wut, Rachsucht oder Selbstmitleid erfüllt ist. All dies steht im Gegensatz zum Geist des Herrn. Andererseits findet der Geist sofort Zugang zu einem Herzen, das nach Nächstenliebe, Vergebungsbereitschaft, Langmut und Güte strebt, den Grundsätzen, die einen wahren Jünger kennzeichnen. Welch ein Zeugnis, dass die Evangeliumsgrundsätze zu allen Zeiten und unter allen Umständen gültig sind; und wenn wir uns anstrengen, glaubenstreu zu bleiben, kann der Triumph eines christlichen Lebens niemals überwunden werden, ganz gleich, wie düster die Umstände sein mögen. Wie sehr gefällt mir doch die Erhabenheit dieser anmutigen, celestialen Lehren, auch wenn sie ironischerweise in solch jämmerlicher Umgebung und Zeit erteilt wurden.

Alles frohgemut tun

Als Abschied von den Lehren aus dem Gefängnis zu Liberty verweise ich auf den letzten Vers im letzten Abschnitt dieser drei, die wir heute besprochen haben. In dieser letzten, zur heiligen Schrift erhobenen Aussage aus der Erfahrung im Gefängnis zu Liberty sagt der Herr uns durch seinen Propheten Joseph Smith: „Darum, vielgeliebte Brüder [und Schwestern], [selbst wenn wir uns in der schwierigsten aller Zeiten befinden] lasst uns frohgemut alles tun, was in unserer Macht liegt, und dann mögen wir mit größter Zuversicht ruhig stehen, um die Errettung Gottes zu sehen, und dass sein Arm offenbar werde.“ (LuB 123:17; Hervorhebung hinzugefügt.)

Was für eine ungeheuer optimistische und gläubige Abschlusserklärung, die da aus einem Gefängnis-Tempel kommt! Als Joseph Smith diese Zeilen schrieb, wusste er nicht, wann er freigelassen oder ob er überhaupt freigelassen werden sollte. Es sah alles danach aus, dass seine Feinde immer noch vorhatten, ihm das Leben zu nehmen. Außerdem waren seine Frau und seine Kinder allein, voller Furcht, oft hungrig, und sie fragten sich, wie sie sich ohne Mann und Vater allein versorgen sollten. Auch die Heiligen waren ohne Zuhause und ohne ihren Propheten. Sie zogen von Missouri in Richtung Illinois, aber wer wusste, was für Tragödien sie dort erwarteten? Um es noch einmal zu sagen: Es war zweifellos die finsterste und trostloseste Zeit.

Aber in diesen kalten, einsamen Stunden sagt Joseph: Lasst uns tun, was wir können, und lasst es uns frohgemut tun. Dann sind wir gerechtfertigt, wenn wir uns zum Herrn wenden, auf seine Barmherzigkeit warten und sehen, wie sein Arm für uns offenbar wird.

Das ist eine großartige Einstellung, die man in guten wie in schlechten Zeiten, in Kummer wie in Freude beibehalten sollte!

Segen und Zeugnis

Meine lieben jungen Freunde, im Rahmen meines abschließenden Zeugnisses am heutigen Abend möchte ich Ihnen einen Segen geben. Mir scheint, wenn wir unser apostolisches Zeugnis in die Welt hinaustragen, können wir zweierlei tun oder sind vielleicht sogar dazu verpflichtet. Das eine ist, Zeugnis zu geben, wie ich es versucht habe und zum Abschluss auch tun werde. Das andere ist, zu segnen, wie es die Apostel vor alters taten, die der Erlöser dazu aufgefordert hatte – nur dass es heute in aller Welt geschieht.

Sie alle, die Sie heute zugegen sind – hier in diesem großen Saal ebenso wie andernorts überall auf der Welt – segne ich. Ich segne jeden Einzelnen von Ihnen in seinen Lebensumständen, als legte ich Ihnen meine Hände auf, und ich biete Ihnen dies so aufrichtig an, wie ich mein Zeugnis anbiete. Gesegnet seien Sie im Namen Gottes, des Herrn, dass er sie liebt, dass er Ihre Gebete hört, Ihnen zur Seite steht und Sie nie verlässt.

Ich segne die Brüder, dass Sie – dass wir – des Priestertums, das wir tragen, würdig sein mögen, dass wir der Nachfolge, zu der wir berufen sind, gerecht werden in dieser großen Ordnung, dem heiligen Priestertum nach der Ordnung des Sohnes Gottes. Ich segne Sie, dass wir wirklich wie der Meister sind – mehr so denken, wie er denkt, mehr so sprechen, wie er spricht, und mehr das tun, was er getan hat. Ich segne Sie, Brüder: Mögen Ihnen, wenn Sie sich bemühen, glaubensvoll zu sein, sämtliche Segnungen des Priestertums zufließen, von denen wir heute Abend etliche aus den Abschnitten im Buch Lehre und Bündnisse zitiert haben.

Ich segne auch die Schwestern hier im Saal und alle, die mich hören können. Möge Ihnen bewusst sein, wie sehr wir Sie verehren, wie sehr Gott Sie verehrt und wie oft die Schwestern in dieser Kirche von Anfang an das Banner des Glaubens erhoben haben. In jeder Generation, wie es scheint, vom Anbeginn der Zeit bis zur gegenwärtigen Stunde und darüber hinaus waren es doch oft die Frauen in unserem Leben, unsere Großmütter, unsere Mütter, unsere Ehefrauen, unsere Töchter, unsere Schwestern, unsere Enkeltöchter, die die Fackel des Glaubens ergriffen haben und das Banner des Schönen im Leben und die die Grundsätze des Evangeliums an jeden Ort getragen haben, an den sie auch geführt wurden – entgegen allen Nöten in ihr eigenes, kleines Gegenstück zum Gefängnis zu Liberty und schwierigen Zeiten. Schwestern, wir lieben Sie und ehren Sie und segnen Sie. Wir bitten darum, dass Ihnen jeder rechtschaffene Wunsch Ihres Herzens heute und immerdar gewährt werde und dass Sie heute diese Versammlung in dem festen Bewusstsein und mit der festen Erkenntnis im Herzen verlassen mögen, wie sehr Gott, der Himmel und die führenden Brüder dieser Kirche Sie lieben und ehren.

Ich grüße Sie, die jungen Erwachsenen dieser Kirche in dieser großen Versammlung des Bildungswesens, und sage Ihnen, dass die Zukunft in Ihren Händen liegt und dass die Angehörigen meiner Generation schon sehr bald Ihnen das Kommando übergeben werden. Gott segne Sie, dass Sie dieser Zeit so tugendhaft, ehrlich und unantastbar entgegensehen, wie wir es heute Abend besprochen haben.

Zum Abschluss gebe ich Zeugnis, dass der Vater und der Sohn leben. Ich bezeuge, dass sie nahe sind, vielleicht durch den Heiligen Geist am nächsten, wenn wir schwierige Zeiten durchleben. Ich bezeuge – wie es auch das abschließende Musikstück, „Meine Huld wird nie von dir weichen“, bezeugen wird, worin der Prophet Jesaja zitiert wird –, dass das Wohlwollen des Himmels Sie niemals verlassen wird, was auch immer geschehen mag (siehe Jesaja 54:7-10; siehe auch 3 Nephi 22:7-10). Ich bezeuge, dass alle bösen Tage ein Ende haben, dass der Glaube stets triumphiert und dass himmlische Verheißungen stets in Erfüllung gehen. Ich bezeuge, dass Gott unser Vater ist und Jesus der Christus und dass dies das wahre und lebendige Evangelium ist – zu finden in seiner wahren und lebendigen Kirche. Ich bezeuge, dass Präsident Thomas S. Monson ein Prophet Gottes ist, der Prophet für diese Stunde und diese Zeit. Ich habe ihn lieb und unterstütze ihn, wie Sie es auch tun. Um es in den Worten aus dem Gefängnis-Tempel zu Liberty zu sagen, meine jungen Freunde: „Halte an deinem Weg fest. … Fürchte nicht, denn Gott wird mit dir sein für immer und immer.“(LuB 122:9.) Im Namen Jesu Christi. Amen.

ANMERKUNGEN

1. In History of the Church, 3:190f.

2. Alexander McRae, in A Comprehensive History of the Church, 1:521

3. History of the Church, 3:290

4. Brief an Isaac Galland, 22. März 1839, in Personal Writings of Joseph Smith, Hg. Dean C. Jessee, 2002, Seite 456

5. Brief an die Kirche im Kreis Caldwell, 16. Dezember 1838; „Communications“, Times and Seasons, April 1840, Seite 85

6. Brief an Emma Smith, 21. März 1839, in Personal Writings, Seite 449

7. Brief an Emma Smith, 4. April 1839, in Personal Writings, Seite 463f.

8. Siehe Comprehensive History, 1:521, Kapitelüberschrift; siehe auch Seite 526

9. Siehe beispielsweise, „A Choice Seer“, Ensign, August 1986, Seite 12

10. „Text of Address by Pres. Smith at Liberty Jail Rites“, Church News, 21. September 1963, Seite 14; Hervorhebung hinzugefügt

11. „Gott wirket oft geheimnisvoll“, Gesangbuch, Nr. 171

12. Hymns, Nr. 100; Hervorhebung hinzugefügt

 
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