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Was für Männer und Frauen sollt ihr sein?

Bischof H. David Burton
Präsidierender Bischof
CES-Fireside für junge Erwachsene • 2. November 2008 • Brigham-Young-Universität

Bischof H. David BurtonMeine Frau und ich, einige unserer Kinder, von denen drei an der BYU sowie eines an der Utah State University studieren, sowie eine liebe Freundin, Crystal Ming, die das Institut an der University of Washington besucht, freuen uns sehr, an diesem Sonntagabend bei Ihnen zu sein. Barbara und ich sind wirklich gern mit der heranwachsenden Generation zusammen. Wir mögen Ihre Begeisterung. Wir sind beeindruckt von Ihrer Glaubenstreue. Wir mögen Sie wegen allem, was Sie in Ihrem jungen Alter bereits erreicht haben und was Sie noch erreichen werden, wenn Sie sich besonders dadurch auszeichnen, dass Sie dem himmlischen Vater und einander dienen. Wir schätzen Sie wegen der Tugend und der Güte, die Ihnen ins Gesicht geschrieben stehen und die Sie heute Abend auch ausstrahlen.

Vor zwei Wochen nahm ich mit meiner Frau im Nauvoo-Illinois-Tempel an einer Andacht für Tempelarbeiter teil. Die meisten dieser wunderbaren Menschen sind mehrere Generationen älter als die meisten von Ihnen. Bei diesem Anlass in diesem herrlichen Haus war ein sehr guter Geist zu spüren. Denselben guten Geist fühlen wir auch heute Abend hier bei Ihnen. Dennoch sind Sie in dieser großen Zahl, in der Sie versammelt sind, sowohl in diesem bemerkenswerten Gebäude auf diesem schönen Uni-Gelände als auch an vielen anderen Orten auf der Welt über Satellit oder andere Technik, etwas einschüchternd.

Ich werde nie vergessen, wie es war, als ich das erste Mal bei der Generalkonferenz sprechen sollte. Aus der Einladung, die ich bekommen hatte, ging hervor, dass ich 14 Minuten lang in der Versammlung am Sonntagvormittag sprechen sollte, unmittelbar nach Präsident Howard W. Hunter. Ich muss wohl nicht sagen, dass auch die damalige Situation sehr einschüchternd für mich war. Etwa eine Woche vor der Generalkonferenz traf ich Elder Russell M. Nelson im Flur, und er fragte, wie ich mit der Ansprache vorankam. Ich gestand ihm, dass ich mit der Vorbereitung Mühe hatte, und dann wurde mir klar, dass er von meiner Ansprache nur wusste, weil in seiner Einladung stand, dass er nach mir an der Reihe war. Gewappnet mit diesen spärlichen, aber äußerst nützlichen Informationen fragte ich Elder Nelson geradeheraus, warum jemand so Unerfahrenes und Schüchternes wie ich ausgerechnet zwischen Präsident Hunter und ihm drankam. Er dachte kurz nach und sagte dann mit seinem typischen Augenzwinkern: „Bischof, der einzige Grund, der mir einfällt, ist der, dass es durch Inspiration so vorgesehen wurde, um uns gut aussehen zu lassen.“ Nach diesem Gespräch war ich so eingeschüchtert wie noch nie.

„Wirst du wohl jemals etwas aus dir machen?“

Vor fast einem halben Jahrhundert - unmittelbar vor meiner Mission in Australien - genoss ich den Vorzug, etwa vier Jahre lang in einem Golfgeschäft für einen herausragenden schottischen Golfprofi zu arbeiten. Er hieß Alex C. McCafferty. Er war kein Mitglied der Kirche; und obwohl er gute 25 Jahre unter Heiligen der Letzten Tage gelebt hatte, verstand er unsere Lehre und das Evangelium nicht so recht. Ich arbeitete sehr gern für ihn, und ich werde für seine Großzügigkeit und all das Gute, was er mir getan hat, immer dankbar sein. Seinen geduldigen Erklärungen, was die Feinheiten des Golfsports betrifft, habe ich Erfolge bei einigen Jugendwettkämpfen zu verdanken und dass ich mein Leben lang viel Freude am Golfspiel in der Freizeit hatte. Ab und an war seine Ausdrucksweise ziemlich drastisch, und dazu kam noch sein starker schottischer Akzent. Wenn meine Arbeit nicht Alex’ Vorstellungen entsprach oder ich bei der Bedienung eines Kunden Fehler machte, ließ er mit sanfter, aber bestimmter Stimme mit schottischer Färbung einen Kraftausdruck heraus und stellte dann die immer gleiche Frage: „David, mein Junge, wirst du wohl jemals etwas aus dir machen?“

Ich kann mich immer noch genau an die Worte erinnern, die er sagte, als ich schließlich allen Mut zusammennahm und ihm mitteilte, dass ich eine Berufung von einem Propheten Gottes angenommen hatte, für zwei Jahre als Missionar nach Australien zu gehen, und daher meine Arbeit bei ihm aufgeben müsse. Zunächst bekam ich mehrere Kraftausdrücke zu hören und schließlich die Feststellung: „David, mein Junge, du wirst nie etwas aus dir machen, wenn du durch die Welt tingelst und über Religion sprichst.“

Ein, zwei Tage vor meiner Abreise schaute ich zum Abschied noch einmal bei meinem guten Freund Alex vorbei. Als ich ihm die Hand schüttelte und mich für alles bedankte, zog er mich an sich und legte einen Umschlag in meine Hand. Wir beide hatten feuchte Augen, als ich schnellen Schrittes zu meinem Auto ging. Ich fuhr einige Minuten zu einem Park in der Nähe, wo ich in ungestörter Umgebung seine Zeilen las und feststellte, dass er einen beachtlichen Geldbetrag in den Umschlag gelegt hatte, der zur Finanzierung meiner Mission beitragen sollte.

Etwa ein Jahr später - ich war gerade in Adelaide - bekam ich einen Brief von Alex. Er schrieb: „David, mein Junge, man hat mir gesagt, dass ein Missionar nach einem Jahr einen neuen Anzug brauche. Kauf dir von dem Geld bitte einen Anzug, der aus feinster schottischer Wolle hergestellt ist.“

Einige Tage nach meiner Rückkehr aus Australien schaute ich beim Golfplatz vorbei, um unsere Freundschaft aufzufrischen. Alex fragte, ob ich Golf spielen wolle. Ich sagte ihm, dass meine große Zeit im Golf vorbei sei, da ich meine Schläger und mein Auto verkauft hatte, um die Kosten für die Mission zu bestreiten, und es außerdem längst an der Zeit sei, mich ernsthaft um meine Ausbildung zu kümmern.

Seine Antwort begann mit den üblichen Kraftausdrücken: „David, mein Junge, du wirst niemals etwas aus dir machen, wenn du nicht Golf spielst. Du gehst jetzt schnurstracks in diesen Golfladen und suchst dir ein paar Schläger aus, die dir gefallen.“

Das tat ich, und jetzt – fast 50 Jahre später – habe ich diese Schläger immer noch. Ich hielt natürlich nicht viel von Alex’ drastischer Ausdrucksweise, aber ich werde immer für die Lektionen in Ehrlichkeit, Redlichkeit und Großzügigkeit dankbar sein, die ich lernte, während ich für ihn arbeitete.

Über die Jahre hinweg habe ich oft über Alex’ Frage nachgedacht: Wirst du wohl jemals etwas aus dir machen? Alex sagte mir so auf seine Weise, wenn er mit mir unzufrieden war. Er stellte meine Fähigkeit, Anweisungen zu befolgen, in Frage, ebenso meine Konzentration darauf, was gerade anlag, und dass mir die Arbeit wichtig war. Er stellte auch in Frage, ob ich den Wunsch hatte, ein erfolgreicher, produktiver Erwachsener zu werden, der etwas beizutragen hatte. Ich habe diese Fragen immer wieder überdacht. Ich muss einräumen, dass das damals gewichtige Fragen waren und dass sie es auch heute noch sind. Ich bin sozusagen „noch in Arbeit“. Außerdem bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Alex darauf hinaus wollte, was ich im Leben erreichen würde, und nicht auf meinen Lebensweg allgemein. Seine Frage wirft jedoch eine weitere auf: Was macht eigentlich Erfolg im Leben aus?

Christliche Eigenschaften entwickeln

Eine bessere Frage, auf die wir uns dabei konzentrieren sollten, ist nicht, ob wir etwas aus uns selbst machen und damit in den Augen der Welt erfolgreich sind, sondern vielmehr die Frage, die der Herr selbst gestellt hat: „Darum: Was für Männer [und Frauen] sollt ihr sein?“ Sie kennen die Antwort, die er selbst gab: „Wahrlich, ich sage euch: So, wie ich bin.“ (3 Nephi 27:27.) Weiter sagte er: „Denn das, was ihr mich habt tun sehen, ja, das sollt ihr tun.“ (Vers 21.)

Was für Männer und Frauen sollt ihr sein? In meinen Überlegungen frage ich weiter: Was zeichnet ein christliches Leben aus? Welches Muster ist das richtige, um den Herausforderungen des Lebens zu begegnen? Was bedeutet es, so zu sein wie Jesus Christus? Ich weiß bestimmt nicht alles, was erwartet wird, aber Eigenschaften wie Liebe zu Gott und den Mitmenschen, Mitgefühl, beispielhaftes Verhalten, Gehorsam, Dienen und das Halten von Bündnissen gehören dazu.

Vor kurzem starb ein Bekannter von uns. Er war ein guter, enger Freund unserer Tochter und unseres Schwiegersohns und hatte lange und tapfer gegen einen Gehirntumor gekämpft. Kurz vor seinem Tod schickte einer seiner Freunde ein paar Zeilen an die Frau unseres Freundes, in denen er seine Gefühle beschrieb. Mit Erlaubnis der beiden gebe ich den Inhalt wieder, nicht weil er literarisch herausragend wäre, sondern wegen der Gefühle, die vermittelt werden. Es beginnt:

„[Liebe] Diane,
richte Harold bitte aus: ‚Danke‘,
dass du mein Leben verändert hast;
mir ein Beispiel gabst,
wie man durch das Priestertum führt,
wie man für den Einzelnen sorgt,
wie man selbstlos, unermüdlich dient
und wahrhaft christlich liebt.

Berichte Harold bitte von den vielen Erinnerungen,
die mich jeden Tag begleiten,
die mich stärken
und mich anleiten –
Erinnerungen, die dank ihm entstanden,
als ich mit ihm diente. …

Sag Harold bitte, dass sein Beispiel
als liebevoller Ehemann
und gütiger Vater,
als treuer Diener des Herrn,
voller Humor,
voller Visionen,
mir einen Maßstab gab, nach dem ich mich richten kann,
und zum Segen für meine Frau und Kinder geworden ist.

Sag Harold bitte, dass es eine große Ehre war,
ihn hier auf Erden gekannt
und mit ihm gedient zu haben.

Berichte Harold bitte von den Tränen, die ich vergossen habe,
und meinem Seelenschmerz,
weil ich weiß, dass er bald zurückkehrt
und berichtet.

Sag Harold bitte, dass ich ihn lieb habe,
um seiner Güte,
seines Beispiels
und [um] seiner Freundschaft willen.

Sag Harold bitte, dass ich ihn vermissen,
mich aber eifrig vorbereiten werde,
erneut mit ihm zu jubeln
in den himmlischen Hallen des allerhöchsten Gottes.

Sag Harold bitte, dass ich dem Herrn dienen werde
mit ganzem Herzen, aller Macht, ganzem Sinn und aller Kraft,
im Gedenken an sein Beispiel,
seine Hingabe
und Ergebenheit gegenüber dem Herrn.

Richte Harold bitte aus …
Danke!“1

Die in diesen Zeilen genannten Eigenschaften sind es vielleicht auch wert, Teil unseres Lebens zu werden. Wenn Tugenden wie beispielhaftes Verhalten, Macht im Priestertum, die Sorge um den Einzelnen, Dienen, Liebe, ein liebevoller Ehemann und Vater sein, Güte, Freundschaft, Hingabe und Ergebenheit uns zugeschrieben werden können, so wie sie Harold auf so schöne Weise zugeschrieben wurden, kann unser Leben mit Sicherheit als christlich erachtet werden und damit erfüllend und erfolgreich sein.

Präsident Thomas S. Monson verweist oft auf seine schottische Abstammung und Kindheitserlebnisse, als er nicht weit von seinen schottischen Großeltern, Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen wohnte. Ich frage mich da, wie oft er etwas in der Art hörte wie: „Tommy, mein Junge, wird aus dir jemals etwas werden?“ Ich nehme an, dass er als Junge mit vielen Interessen, einem höchst kreativen und fantasievollen Verstand und einer Menge Energie diese Frage möglicherweise des Öfteren zu hören bekam.

Präsident Monsons Leben kann ein Muster für unser eigenes sein. Das trifft insbesondere auf das zu, was ich sein Wirken im Stillen nenne. Sein öffentliches Wirken andererseits ist ein offenes Buch, das von herausragenden Leistungen in der Gemeinde, im Pfahl, in der Mission und für die ganze Kirche zeugt. Ich bezweifle, dass es in dieser Evangeliumszeit jemanden gegeben hat, der mit mehr Hingabe jede seiner kirchlichen Aufgaben erfüllt hat als Präsident Thomas S. Monson.

Ab und zu erhalten wir einen kleinen Einblick in sein Wirken im Stillen: Kennzeichnend dafür ist, dass er dem „Einzelnen“ dient, sich um ihn sorgt, auf ihn zugeht und ihm Gutes tut, ihm Mut macht und ihn tröstet.

Vor kurzem musste eine liebe Nachbarin, die gegenüber wohnt, für ein paar Tage in eine Reha-Einrichtung. Als meine Frau Barbara und ich sie besuchten, konnte sie es kaum erwarten zu erzählen, dass Präsident Monson zu ihrer Abendmahlsversammlung gekommen war.

„Er war so nahe“, sprudelte es aus ihr hervor, „dass ich die Hand ausstrecken und ihn berühren konnte.“

Sie war begeistert, weil sie spürte, dass der Präsident der Kirche um sie besorgt war.

Präsident Monson lebt nach der Überzeugung, die er oft vermittelt: Die fünf wichtigsten Wörter sind: Ich bin stolz auf dich. Die vier wichtigsten lauten: Was ist deine Meinung? Die drei wichtigsten sind: Würdest du bitte? Die zwei wichtigsten sind: Vielen Dank. Das unwichtigste ist: Ich.2

Der Erretter hat oft Gleichnisse verwendet, um wichtige Lektionen zu vermitteln. In ähnlicher Weise veranschaulicht Präsident Monson gern mit Begebenheiten, was er vermitteln möchte. Präsident Henry B. Eyring hat sich Gedanken darüber gemacht, wie Präsident Monson Begebenheiten verwendet, und gesagt, man meine zunächst, die Geschichte bereits gehört zu haben. Doch wenn man geduldig sei und genau hinhöre, stelle man fest, dass die Begebenheiten nicht dieselben sind, weil der Geist einen so führt, dass man die Botschaft anders auffasst.

Eine der Begebenheiten, die Präsident Monson verwendet, stammt aus seiner Zeit als Diakon. Er und die anderen Mitglieder seines Kollegiums hatten wohl den Auftrag, in der Roadshow der Gemeinde als Eskimos aufzutreten. Präsident Monsons Schwester stellte „Lady Liberty“, die Freiheit, dar. Kurz vor dem Auftritt erkrankte seine Schwester an einer schweren Kehlkopfentzündung, und es bestand die Sorge, dass sie ihren Text nicht würde sprechen können und die Show beeinträchtigt würde. Die „Eskimos“ beschlossen, etwas in dieser Sache zu unternehmen. Sie versammelten sich im Keller des Gemeindehauses und knieten zum Gebet nieder. Sie baten den Herrn, einzugreifen und Präsident Monsons Schwester beizustehen. Als es so weit war, konnte Lady Liberty ihren Text mit klarer Stimme vortragen. Präsident Monsons Schwester behielt das als Wunder in Erinnerung und war den Eskimos dankbar.

Diese schlichte Begebenheit zeigt uns, dass Präsident Monson schon immer großen Glauben hatte und intensiv betete. Er nutzt diese Gaben auch heute, um vielen Menschen Gutes zu tun. Er ist ein Beispiel dafür, was für Männer und Frauen wir sein sollen – Menschen mit großem Glauben, Menschen, die intensiv beten. Für unsere eigene Stärke und Überzeugung ist das Gebet unabdingbar. Denken Sie daran, wie Nephi seine ungläubigen Brüder fragte: „Habt ihr den Herrn befragt?“ (1 Nephi 15:8.) Präsident Monsons vom Dienst am Nächsten erfülltes Leben ist ein Muster, nach dem wir unser Leben ausrichten und strukturieren können.

Bei Entscheidungen um Hilfe beten

Viele von Ihnen haben einen Lebensabschnitt erreicht, in dem Sie Entscheidungen treffen, die sowohl Ihr irdisches als auch Ihr ewiges Leben formen. Einige von Ihnen treffen gerade Entscheidungen hinsichtlich der Ausbildung. Andere denken vielleicht gerade über eine Mission nach. Viele stehen vor der Entscheidung, was für einen Beruf sie wählen, welche Laufbahn sie einschlagen sollen. Der eine oder andere versucht vielleicht herauszufinden, ob er den Richtigen oder die Richtige für eine ewige Partnerschaft gefunden hat. All diese Entscheidungen werden Ihnen leichter fallen, wenn Sie sie im Gebet vor den Herrn bringen.

Einige wenige von Ihnen ringen möglicherweise mit Sünde und versuchen sich darüber klar zu werden, ob sie wirklich durch die sühnende Macht Jesu Christi gereinigt werden wollen. Einige von Ihnen schwanken möglicherweise in ihrem Zeugnis vom Evangelium und versuchen herauszufinden, wie sie diese Entwicklung umkehren können. Die Entscheidungen hinsichtlich dieser und anderer wichtiger Fragen wirken sich sehr darauf aus, was für Männer und Frauen Sie sein und was Sie in Ihrem Leben erreichen werden oder - um mit meinem Freund Alex zu sprechen - was Sie aus sich machen werden.

Die wirklich wichtigen, prägenden Entscheidungen sind zumeist sehr schwierig. Immer wieder findet sich ein kleines „wenn“, „und“, „aber“, das die Antwort komplizierter macht und hinauszögert. Ich habe mir oft gewünscht, es gäbe eine magische Tablette, die wir schlucken können und die uns dazu bringt, immer die optimale Entscheidung zu treffen. Aber da es diese Tablette nicht gibt, möchte ich Ihnen einen Vorschlag, nur einen einzigen, machen, der Ihnen bei der Entscheidungsfindung helfen könnte. Beziehen Sie den Vater im Himmel durch demütiges Beten ein, und haben Sie dann den Glauben und die Entschlossenheit, seinem Rat zu folgen, den er Ihnen durch den Heiligen Geist übermittelt. Der Herr möchte, dass wir alles mit dem Verstand durcharbeiten und dann ihn fragen. Er verheißt: „Ich [werde] machen, dass dein Herz in dir brennt; darum wirst du fühlen, dass es recht ist.“ (LuB 9:8.) Als der Mensch, der Sie werden, gewinnen Sie an Statur, wenn Sie auf die sanfte, leise Stimme hören und ihr gehorchen. Denken Sie daran, zum Zuhören gehört, das Sie „fühlen, dass es recht ist“.

In den Vereinigten Staaten ist gerade wieder eine Baseball-Saison zu Ende gegangen. Die Finalspiele sind vorbei und ein neuer Meister ist gekrönt. Vor über 50 Jahren begann ein Vorzeigeathlet bei den Boston Red Sox im linken Feld seine Laufbahn. Seine Baseball-Karriere wurde mindestens zweimal unterbrochen, weil er als Kampfpilot eingezogen wurde. Er war bekannt dafür, dass er trotz seiner schmächtigen Statur überaus geschickt darin war, den Baseball genau richtig zu treffen. Er ist, was den Sport betrifft, vor allem deshalb so berühmt, weil er als letzter Spieler der Major-League die ganze Saison über eine Trefferquote von über .400 hatte. Das bedeutet, dass er meistens die Base erreichen konnte, weil er den Ball bei 4 von 10 Versuchen traf, wenn er schlagen musste. In den letzten 50 Jahren konnte niemand seinen Rekord brechen. Der Name des Spielers war Ted Williams.

Viele Jahre, nachdem Williams seine Baseballkarriere beendet hatte, erfuhr die Öffentlichkeit etwas sehr Interessantes über ihn – sein Sehvermögen war erheblich besser als das der meisten Menschen. Mit seinem hervorragenden und außergewöhnlichen Sehvermögen hatte Williams einen kleinen Vorteil, weil er den Ball etwas besser sehen konnte als andere Spieler und somit eine Mikrosekunde mehr Zeit für die Entscheidung hatte, ob er mit dem Schläger zum Ball gehen sollte. Er konnte erkennen, ob der Ball sich in der Luft drehte und ob er inner- oder außerhalb der Strike Zone landen würde.

Wir, die wir uns haben taufen lassen und die Gabe des Heiligen Geistes empfangen haben, damit dieser immer bei uns ist, haben ebenfalls einen Vorteil bei schwierigen Entscheidungen. So wie bei Grundstücksfragen der Erfolg von der Lage abhängt, hängt der Vorteil, den der Heilige Geist einem verschafft, vom Zuhören ab.

Sich nicht entmutigen lassen

Manchmal mache ich mir Sorgen und schäme mich auch etwas, dass meine Generation der Ihren Probleme und Herausforderungen aufbürdet, die wir hätten beseitigen sollen. Es hat zwar großen Fortschritt gegeben, der das Leben besser, länger, sicherer und erfüllter macht, aber es gibt nach wie vor viel Bedauerliches, was die Habgier, die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Umwelt betrifft, um nur einiges zu nennen. Wir sind mit Ungewissheit konfrontiert, die aus den unruhigen Zeiten erwächst, in denen wir leben. Nur zu leicht könnte man entmutigt und sogar ein wenig deprimiert sein, wenn man darüber nachdenkt, wie vielfältig sich das noch auswirken könnte. Die unsichere Lage auf dem Arbeitsmarkt in Verbindung mit massiven wirtschaftlichen Verwerfungen tragen weiter zur derzeitigen Besorgnis bei. Die Völker hören nicht auf, miteinander zu streiten.

Trotz allem, meine jungen Freunde, dürfen wir uns nicht von unserer Angst leiten lassen. Aus den heiligen Schriften erfahren wir, dass uns vor der Zukunft nicht bange sein muss, wenn wir vorbereitet und gehorsam sowie Mitglieder der Kirche des Herrn sind. „Die Rechtschaffenen brauchen sich nicht zu fürchten.“ (1 Nephi 22:22; siehe auch Alma 1:4; LuB 10:55.) Was für Männer und Frauen wir sein werden, hängt teilweise davon ab, wie gut wir mit den beängstigenden und unvorhersehbaren Aspekten des Lebens umgehen. In der Erkenntnis, dass das wahre Leben aus Kämpfen, Problemen, Fehlern, Gelegenheiten und Lektionen besteht, denken Sie bitte an das alte chinesische Sprichwort: „Der Edelstein kann nicht ohne Reibung geschliffen, und der Mensch nicht ohne Prüfung vollkommen werden.“ Oder um es mit den Worten des Herrn zu sagen: „Denn es muss notwendigerweise so sein, dass es in allen Dingen einen Gegensatz gibt.“ (2 Nephi 2:11.)

Trotz aller Unsicherheiten und Unzulänglichkeiten in der Welt gibt es vieles, wofür wir dankbar sein und worüber wir uns sehr freuen können. Ich bin Optimist. Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass das Jahr 2008 die beste Zeit in der Weltgeschichte ist, um zu leben und von Gott dergestalt gesegnet zu werden, dass einem die Fülle des Evangeliums Jesu Christi offensteht. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich sehe, dass das Evangelium überall in der Welt Kindern des himmlischen Vaters in Herz und Sinn geprägt wird.

Ich vermute, dass nur wenige von Ihnen – wenn überhaupt – wissen, was jedes Jahr am ersten Freitag im Dezember am Hauptsitz der Kirche geschieht. Das ist der Tag, an dem traditionell der Rat zur Verwendung der Zehntengelder zusammenkommt, so wie der Herr es im 120. Abschnitt des Buches Lehre und Bündnisse vorgeschrieben hat. Unter der Leitung der Ersten Präsidentschaft versammeln sich das Kollegium der Zwölf Apostel und die Präsidierende Bischofschaft, um zu entscheiden, wie die Mittel der Kirche im kommenden Jahr verwendet werden. Es fasziniert mich immer wieder, was bei dieser Sitzung herauskommt. Es fasziniert mich, wie viele neue Gotteshäuser genehmigt und erbaut werden. Die Zahl neuer Tempel nimmt weiter zu. Den Bischöfen in aller Welt werden die Mittel zur Verfügung gestellt, mit denen sie sich der Armen annehmen können. Missionare in über 350 Missionen werden unterstützt. Projekte, die die Arbeit der Tempel beschleunigen, werden genehmigt. Gelder, die Hochschulbildung und religiöse Bildung ermöglichen, werden bereitgestellt. Das Werk des Herrn schreitet voran und wird die ihm prophezeite Bestimmung erfüllen.

Ich schöpfe Mut, wenn ich an eine Aussage des Propheten Joseph Smith denke, die von großem Glauben zeugt: „Keine unheilige Hand kann den Fortschritt dieses Werkes aufhalten.“3 Ist es nicht spannend, dass wir alle die Gelegenheit haben, in unmittelbarer Nähe mitzuerleben, wie das vorhergesagte Wunder geschieht? Was für Männer und Frauen Sie sein werden, ist teilweise abhängig von Ihrem Einsatz und Ihrer Mithilfe dabei, des Herrn Reich voranzubringen. Das erfordert nicht nur Einsatz, sondern auch große Selbstdisziplin. Jim Rohn, ein bekannter Motivationstrainer, hat gesagt: „Disziplin ist die Brücke zwischen Zielen und dem, was man wirklich erreicht.“4

Ich mag sehr gern geistliche Musik, insbesondere Lieder, mit denen wir Gott preisen oder die uns motivieren. Eines dieser Lieder, das wir oft singen, ist „An des Herren Hand“. Der Text floss 1700 aus der Feder von Charles Wesley und die Komposition wird James Lucas zugeschrieben. Der wunderbare, hervorragende Chor von der Utah State University wird dieses schöne Lied zum Ausklang unseres gemeinsamen Abends für uns singen. Die Heiligen der Letzten Tage versammeln sich in Abendmahlsversammlungen, bei Andachten und zu anderen Anlässen, um zu singen, zu beten, Bündnisse und Verpflichtungen zu erneuern und um einander anzuspornen. Wenn wir zusammenkommen, ist das wie ein Synergieeffekt, der uns erneuert. Musik spielt dabei eine tragende Rolle. Sie vermag unsere Seele zu besänftigen und unseren Geist für Himmlisches empfänglich zu machen. Der Herr sagt uns: „Das Lied der Rechtschaffenen ist ein Gebet für mich.“ (LuB 25:12.) Bitte achten Sie gut auf den Text dieses ermutigenden Liedes:

An des Herren Hand als Pilger im Land,
in Liebe vereint,
lasst uns wandern froh, bis der Heiland erscheint.
In Demut lasst uns gemäß seinem Wunsch
in dem Kampfe für Christ
nicht erschrecken vor dem Spott und des Feindes großer List. …

Unser Lebenstraum verschwindet wie Schaum,
im Flug er enteilt,
keine Stunde kommt, die bei uns hier verweilt.
Der Pfeil fliegt dahin, die Jahre entfliehn,
das Millennium ist nah,
und eh wir daran gedacht, ist die Ewigkeit schon da. …

O wär zu der Zeit ein jeder bereit,
könnt sagen: „O Gott!
Für die Wahrheit focht ich und hielt dein Gebot.“
O dass jedermann vom Herrn höre dann:
„Du warst standhaft mein Sohn,
gehe ein zu meiner Freud und lobsing an meinem Thron.“5

Die ermutigende Botschaft dieses Liedes ist ganz deutlich. Darin wird uns geraten, in unserem Bestreben, so zu werden, wie der Herr es möchte – nämlich so wie er –, unsere Begeisterung oft aufzufrischen und mit unseren guten Werken nie zum Stillstand kommen, bis der Heiland erscheint. Wenn wir das aufschieben, vergeht die Zeit wie im Fluge und der flüchtige Augenblick ist für immer dahin. Jeder von uns wird am Tag des Kommens des Herrn berichten wollen: „Für die Wahrheit focht ich und hielt dein Gebot.“ Und es wird ein herrliches Gefühl sein, wenn wir als Antwort hören: „Du warst standhaft mein Sohn, gehe ein zu meiner Freud und lobsing an meinem Thron.“ Dies kann unser Los sein, wenn es unser Ziel ist, der Mann oder die Frau zu sein, die der große „Ich bin“ im Sinn hat.

Oft werden Mitglieder unserer Kirche kritisch beäugt und manchmal mit einem strengeren Maßstab gemessen als unsere andersgläubigen Mitmenschen. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass die Medien oft Schlagzeilen bringen wie „Mormonenbischof begeht …“, „Ehemaliger Mormonenmissionar verstrickt in …“, „Mormonenmutter unter Anklage wegen …“? Was wir unerkannt tun, ist nicht weniger wichtig als das, was wir vor den Augen der Allgemeinheit tun. Oft ruhen die Augen vieler unsichtbarer Beobachter auf uns. In vielerlei Hinsicht leben wir im Glashaus.

Vor einigen Monaten habe ich eine kaputte Wasserleitung repariert. Dabei wurde meine Kleidung nassund schmutzig und meine Arme waren ölverschmiert. Ich stellte fest, dass ich für die Reparatur ein kleines Teil benötigte und statt mir die Zeit zu nehmen, mich zu waschen, sprang ich ins Auto und fuhr zum Baumarkt. Als ich mir die verschiedenen Teile genau ansah, um sicherzugehen, dass ich die richtige Größe mit dem richtigen Gewinde kaufen würde, kam ein mir unbekannter Mann den Gang entlang und ging an mir vorbei. Als er ein paar Schritte hinter mir war, hörte ich ihn sagen: „Der sieht mir aber nicht wie der Präsidierende Bischof aus.“ Das war mir unsagbar peinlich – ich war dem erwarteten Maßstab nicht gerecht geworden. Damals fragte ich mich kritisch: „David, mein Junge, wirst du es wohl jemals lernen?“

Sich auf das Wichtigste konzentrieren

Ehrgeiz und harte Arbeit gehören unbedingt dazu, wenn man lohnenswerte Ziele erreichen will. Sie sind eine äußerst verheißungsvolle Generation. Gott hat Sie mit vielen Gaben ausgestattet. Sie sind intelligent und aufgeweckt. Diejenigen von Ihnen, die diese Intelligenz nutzen, um wohlüberlegte Ziele zu erreichen, werden auch erfolgreich sein. Wer über Intelligenz, Zielstrebigkeit und Ehrgeiz verfügt, wird höchstwahrscheinlich zu der Sorte Männer oder Frauen gehören, auf die sich der Vater im Himmel verlässt, dass sie sein Reich voranbringen.

Kurz vor Ende meiner Mission fand ein großes internationales Golfturnier beim Royal Melbourne Golfclub statt, und Amateurgolfer erhielten die Gelegenheit, bei den Übungsrunden vor dem Turnier mit einem Profi zu spielen. Am letzten Tag meiner Mission konnte ich bei dieser Übungsrunde mitspielen, aber ich will Sie nicht mit den Einzelheiten langweilen, wie das zustande kam. Als ich an der Reihe war, den Namen des Profis zu ziehen, mit dem ich zusammenspielen sollte, zog ich den Namen Arnold Palmer. Da wir vorhin davon gesprochen habe, wie einschüchternd es ist, bei der Generalkonferenz zu sprechen – das war nichts im Vergleich dazu, wie ich mich fühlte, als ich den Namen „Arnold Palmer“ auf meinem Zettel sah. Ich hatte natürlich über zwei Jahre keinen Golfschläger mehr in der Hand gehabt und war – um es der heutigen Ausdrucksweise anzupassen – total gestresst.

Ich weiß nicht mehr viel von dieser Runde Golf, nur noch, dass ich sehr schlecht gespielt habe. Wir schlugen am 17. Loch ab. Wir gingen einige Schritte und ich machte meinen zweiten Schlag, und kurz darauf meinen dritten, bis wir schließlich bei Mr. Palmers Ball ankamen. Der junge Australier, der als Caddie für Mr. Palmer arbeitete, war sehr bemüht, ihm alles recht zu machen. Ich hörte, wie er Mr. Palmer sagte, dass links das Gelände abfalle und sich dort ein dem Auge verborgener Bach entlangschlängele. Dann sagte er, dass man rechts das Gras hatte wuchern lassen und es dort sehr schwer sei, den Schläger zu schwingen.

Mr. Palmer steckte den Schläger sorgfältig zurück in die Tasche und sagte ruhig, aber bestimmt zu dem jungen Caddie: „Stopf bitte meinen Kopf nicht damit voll, was rechts ist, und mich interessiert auch nicht sonderlich, was sich links befindet. Das einzige, was ich von dir wissen möchte, ist die genaue Entfernung von diesem Ball zu der Fahne auf dem Grün.“

Daraus habe ich unglaublich viel gelernt. Mir wurde plötzlich klar, dass man sich auf das konzentrieren muss, was wichtig ist, und sich nicht von dem ablenken lassen darf, was links oder rechts sein könnte. Damit wir unsere Ziele erreichen können, müssen wir uns konzentrieren. Zu viele von uns sorgen sich darum, was sich rechts und links befindet, und versäumen, sich genug auf das eigentliche Ziel zu konzentrieren, das sich genau in der Mitte befindet. Wenn wir es versäumen, uns auf das Richtige zu konzentrieren, ist es schwierig, der Mann oder die Frau zu werden, die wir unbedingt sein wollen. Während Sie auf dieses Ziel hinarbeiten, vergessen Sie nicht diese Verheißung des Herrn: „Ich werde vor eurem Angesicht hergehen. Ich werde zu eurer rechten Hand sein und zu eurer linken, und mein Geist wird in eurem Herzen sein und meine Engel rings um euch, um euch zu stützen.“ (LuB 84:88.)

Ich bete darum, dass wir uns stets bemühen, uns darauf zu konzentrieren, was am wichtigsten ist. Ich bezeuge, dass wir im Auftrag des Herrn stehen. Wir haben das Glück, von lebenden Propheten geführt zu werden. Ich war gesegnet, unter der Leitung von vier Propheten dieser Evangeliumszeit arbeiten zu dürfen. Ich glaube, dass ich ein wenig über Propheten weiß, und ich bezeuge, dass Thomas Spencer Monson im wahrsten Sinne des Wortes ein Prophet Gottes ist.

Ich weiß, dass wir einen liebevollen Vater im Himmel haben, und dass er lebt. Wir sind seine Söhne und Töchter. Ich bin dankbar für seinen einziggezeugten Sohn, der unser Erlöser ist und für unsere Sünden gesühnt hat. Allen von Ihnen, die sich verloren fühlen, die das Gefühl haben, ohne Hoffnung zu sein, oder glauben, dass Sünde ihren Fortschritt behindert habe, bezeuge ich, dass sein Sühnopfer allen offen steht und seine Barmherzigkeit immer währt. Ich weiß, dass Joseph Smith der Prophet der Wiederherstellung war.

Ich nehme diese Gelegenheit wahr, auf einen jeden von Ihnen die Segnungen des Himmels herabzurufen. Ich erflehe diesen Segen und bete darum, dass Sie sich angesprochen fühlen und entschlossen sind, der Mann oder die Frau zu werden, die sich der Vater im Himmel wünscht. Dies tue ich mit der mir übertragenen Vollmacht und im heiligen Namen Jesu Christi, unseres Erretters und Erlösers. Amen.

ANMERKUNGEN

1. Christian Weibell an Diane Lefrandt, Privatkorrespondenz, Abdruck mit freundlicher Genehmigung

2. Ursprünglich von Robert Woodruff; siehe Thomas S. Monson, Der Stern, Januar 1988, Seite 63

3. History of the Church, 4:540

4. Jim Rohn, The Treasury of Quotes, 2001, Seite 40

5. Gesangbuch, Nr. 144

 
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