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Große Erwartungen und eine große Zukunft

Präsident Thomas S. Monson
CES-Fireside für Junge Erwachsene • 11. Januar 2009 • Brigham-Young-Universität

Präsident Thomas S. MonsonMeine lieben jungen Freunde, der Geist, der uns hier im Marriott Center an der Brigham-Young-Universität und an hunderten Orten in aller Welt durchdringt, spiegelt Ihre Kraft, Ihre Hingabe und Ihre Herzensgüte wider. Ich bin so dankbar, dass ich heute Abend bei Ihnen sein darf. Sie erinnern mich an die Worte aus der Feder des Dichters Henry Wadsworth Longfellow:

Wie herrlich Jugend ist! Wie hell ihr Schein.
Voll Täuschung, Hoffen, Träumen darf sie sein!
Vom Anfang spricht dies Buch, kommt nie am Ende an.
Heldin ist jede Frau und Freund ein jeder Mann!1

Ich freue mich aber nicht nur darüber, mit Ihnen allen zusammen zu sein, sondern auch darüber, dass ein Teil meiner Familie heute hier ist.

Vor kurzem habe ich eines meiner Lieblingsbücher erneut gelesen, Große Erwartungen von Charles Dickens. Wer diesen Klassiker gelesen hat, weiß, dass Dickens von einem Jungen namens Philip Pirrip erzählt, besser bekannt als Pip. Pip war ein Waisenjunge. Er konnte sich nicht erinnern, seine Eltern jemals gesehen zu haben. Er hatte die gleichen Träume wie alle Jungen. Er wünschte sich von ganzem Herzen, er wäre ein Gelehrter. Er wünschte sich, er wäre ein Gentleman. Er wünschte sich, er wäre gebildeter. Doch all seine Ziele und Hoffnungen schienen zum Scheitern verurteilt, bis sich eines Tages ein Londoner Anwalt namens Jagger mit ihm in Verbindung setzte und ihm mitteilte, dass ein anonymer Wohltäter ihm ein Vermögen hinterlassen habe. Danach sagte der Anwalt zu Pip, er sei „ein junger Mann, den eine große Zukunft erwarte“.2

Wenn ich heute überlege, wer und was Sie sind, wer und was aus Ihnen einmal werden kann, muss ich Ihnen sagen, was dieser Anwalt über Pip sagte: Sie erwartet eine große Zukunft! Und das nicht, weil Sie einen anonymen Wohltäter haben, sondern einen, den Sie kennen, nämlich den himmlischen Vater. Allerdings wird auch von Ihnen Großes erwartet.

Bereiten Sie sich auf den Wettlauf des Lebens vor

Viele von Ihnen stehen kurz davor, Ihre Ausbildung abzuschließen. (Dafür verdienen Sie natürlich Beifall.) Andere haben noch weitere Abschnitte in der beruflichen Ausbildung vor sich. Jeder befindet sich in einer Art Wettlauf des Lebens.

Der Verfasser des Buches Kohelet schrieb: „Nicht den Schnellen gehört im Wettlauf der Sieg, nicht den Tapferen der Sieg im Kampf.“ (Kohelet 9:11.) Der Sieg gehört vielmehr dem, der bis ans Ende ausharrt. Der Wettlauf des Lebens ist so wichtig, der Preis so kostbar, dass man großen Wert darauf legen muss, sich ausreichend und gründlich vorzubereiten.

Wenn wir uns vor Augen führen, dass unsere Entscheidungen ewiger Natur sind, ist Vorbereitung ein maßgeblicher Bestandteil des Lebens. Der Tag wird kommen, da wir auf unsere Vorbereitungszeit zurückschauen und dankbar sind, dass wir uns genügend angestrengt haben.

Vor vielen Jahren, noch ehe ich ins Kollegium der Zwölf Apostel berufen wurde, hatte ich die Gelegenheit, zu einigen Geschäftsleuten in Dallas zu sprechen – in der Stadt, die für ihre vielen Kirchen bekannt ist. Nach der Tagung machte ich mit dem Bus eine Rundfahrt durch die Vororte der Stadt. Während wir an den schönen Kirchen vorbeifuhren, erklärte der Fahrer: „Links sehen Sie die Methodistenkirche“ oder „rechts steht die Kathedrale der Katholiken.“ Dann kamen wir an einem schönen roten Backsteingebäude auf einem Hügel vorbei und der Fahrer meinte: „In diesem Gebäude kommen die Mormonen zusammen.“

Eine Frau, die weiter hinten im Bus saß, fragte den Fahrer: „Können Sie uns etwas über die Mormonen erzählen?“ Der Fahrer fuhr an die Seite, drehte sich um und erwiderte: „Gute Frau, ich weiß über die Mormonen nur, dass sie dort in dem roten Backsteingebäude zusammenkommen. Sitzt hier jemand im Bus, der etwas über die Mormonen weiß?“

Ich schaute jedem Einzelnen ins Gesicht, ob sich da ein kundiger Blick andeutete oder jemand etwas sagen wollte. Ich sah aber nichts dergleichen – keine Spur. Da erkannte ich, wie wahr der Spruch ist: „Wenn die Zeit der Entscheidung gekommen ist, ist die Zeit der Vorbereitung vorbei.“ Die nächste Viertelstunde durfte ich dann, wie Petrus es nennt, über die Hoffnung sprechen, die uns erfüllt (siehe 1 Petrus 3:15). Danach wusste ich viel mehr zu schätzen, was es heißt, vorbereitet zu sein.

Eigentlich, meine jungen Freunde, hat Ihre Zeit der Vorbereitung nicht erst angefangen, als Sie Ihr erstes Seminar am College oder an der Universität besucht haben. Sie fing schon lange vor Ihrem Erdenleben an, als wir als Geistkinder bei unserem himmlischen Vater lebten. Ich bin so dankbar, dass er uns in seiner Weisheit im Buch Abraham einen Bericht gegeben hat, in dem etwas über dieses Dasein steht:

„Nun hatte der Herr mir, Abraham, die Intelligenzen gezeigt, die geformt wurden, ehe die Welt war; und unter allen diesen waren viele von den Edlen und Großen;

und Gott sah diese Seelen, dass sie gut waren, und er stand mitten unter ihnen, und er sprach: Diese werde ich zu meinen Herrschern machen; denn er stand unter denen, die Geister waren, und er sah, dass sie gut waren; und er sprach zu mir: Abraham, du bist einer von ihnen; du wurdest erwählt, ehe du geboren wurdest.

Und da stand einer unter ihnen, der war wie Gott, und er sprach zu denen, die bei ihm waren: Wir wollen hinabgehen, denn dort gibt es Raum, und wir wollen von diesen Stoffen nehmen, und wir wollen eine Erde machen, worauf diese wohnen können;

und wir wollen sie hierdurch prüfen und sehen, ob sie alles tun werden, was auch immer der Herr, ihr Gott, ihnen gebietet;

und diejenigen, die sich ihren ersten Stand bewahren, werden hinzugefügt bekommen; und diejenigen, die sich ihren ersten Stand nicht bewahren, werden keine Herrlichkeit im selben Reich mit denen haben, die sich ihren ersten Stand bewahren; und diejenigen, die sich ihren zweiten Stand bewahren, werden Herrlichkeit auf ihr Haupt hinzugefügt bekommen für immer und immer.“ (Abraham 3:22-26.)

Gemäß der Weisheit unseres himmlischen Vaters kamen Sie und ich daraufhin auf die Erde und wurden in einer liebevollen Familie willkommen geheißen.

Ich möchte kurz unterbrechen und Ihnen sagen, wie sehr Ihre Angehörigen für Sie beten. Sie machen sich Sorgen um Sie. Sie möchten wissen, wie Sie zurechtkommen. Sie lieben Sie von ganzem Herzen. Enttäuschen Sie sie nicht.

Der Herr sagt uns im Buch Lehre und Bündnisse, dass dem Satan nicht die Macht gegeben ist, kleine Kinder während ihrer ersten acht Lebensjahre zu versuchen (siehe LuB 29:46,47). Wir hatten einen Vorsprung von acht Jahren vor Luzifer.

Das wurde dem Propheten Joseph Smith im Jahr 1830 vom Herrn offenbart. In der heutigen Zeit ist der bekannte Gelehrte und Wissenschaftler Dr. Glenn Doman – der so gut wie sicher noch nie von der zitierten Offenbarung gehört hat – durch seine Forschungsarbeit zu dem Schluss gekommen, dass „ein neugeborenes Kind beinahe wie [ein] Computer ist, obwohl es ihm auf fast allen Gebieten überlegen ist.

Was das Kind in den ersten acht Lebensjahren in seinem Gehirn speichert, wird wahrscheinlich darin bleiben. Wenn man ihm in dieser Zeit falsche Informationen eingibt, ist es ausgesprochen schwierig, sie wieder zu tilgen.“ Dr. Dohan war der Auffassung, das Alter, in dem der Mensch am meisten aufnimmt, sei das dritte oder vierte Lebensjahr.3

Vielleicht fragen Sie sich: „Warum hebt Präsident Monson das so hervor? Die ersten acht Lernjahre unseres Lebens sind schon lange vorbei.“ Doch Sie, meine Brüder und Schwestern, werden eines Tages Kinder haben, und Sie werden Ihren Kindern und künftigen Generationen Ihrer Nachkommen klarmachen wollen, wie wichtig diese ersten acht Jahre sind.

Wenn ich daran denke, was wir als Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene wohl alle so angestellt haben, glaube ich, es grenzt an ein Wunder, dass unsere Eltern das überlebt haben, und vor allem, dass sie nicht wahnsinnig geworden sind. Eine Frau hatte einen sehr schweren Morgen hinter sich. Sie hatte alle Hände voll damit zu tun, ihre Kinder im Zaum zu halten, und glaubte, den Verstand zu verlieren.

Ihr kleiner Sohn Matthew kam zu ihr und sagte strahlend: „Mama, erinnerst du dich an die Vase, die deine Großmutter deiner Mutter gegeben hat, und sie hat sie dann dir geschenkt, und du hattest immer Angst, dass ich sie kaputtmache?“

„Ja“, erwiderte sie.

„Na ja“, meinte Matthew, „du brauchst jetzt keine Angst mehr zu haben.“

Bereiten Sie sich auf das Arbeitsleben vor

Sie, meine Brüder und Schwestern, haben nun eine weitere wichtige Vorbereitungszeit erreicht, um einmal für den Wettlauf des Lebens gerüstet zu sein. Ich spreche von Ihrer beruflichen Vorbereitung. Sie ist so wichtig, weil wir dabei die Lektionen lernen, die uns helfen, den Schwierigkeiten dieser sich ständig wandelnden Welt entgegenzutreten.

Nur vor wenigen Generationen konnte sich jemand um eine verantwortungsvolle Stelle in der Geschäftswelt bewerben und der Personalleiter fragte ihn zum Beispiel: „Sind Sie bereit, schwer zu arbeiten? Sind Sie gesund?“ Und falls die Antwort auf diese Fragen „ja“ lautete, wurde er wahrscheinlich eingestellt.

Das ist heute natürlich nicht mehr der Fall. Wenn eine Bewerbung – die für gewöhnlich über das Internet eingereicht wird – zu einem Vorstellungsgespräch führt, stellt der moderne Personalchef Fragen wie: „Was für einen Abschluss haben Sie? Welche Vorteile können Sie unserem Unternehmen verschaffen? Mit welcher Software können Sie umgehen?“

Strengen Sie sich an

Vor vielen Jahren habe ich an einer Universität gelehrt, und ich weiß noch, dass einige Studenten genau zu wissen schienen, welchen Weg sie einschlagen wollten. Sie gaben sich Mühe, setzten sich kurz- und langfristige Ziele und arbeiteten daran, diese Ziele zu erreichen. Andere Studenten hingegen kümmerten sich gar nicht darum. Sie ließen sich vom Zufall wie auf einem Meer treiben, wo ihr Scheitern sie wie eine Welle zu verschlingen drohte. Erst wurden sie faul, dann verloren Sie den Mut, dann wurden sie gleichgültig, und dann brachen sie ihr Studium ab.

Ein solcher Student, der das Studium abgebrochen hatte, kam heim zu seiner Mutter und sagte: „Mama, ich gehe nicht mehr zur Uni. Ich werde in der Welt auch so meinen Weg machen.“ Er packte seine Sachen und zog aus, um dem Leben die Stirn zu bieten. Als er dem Leben drei Wochen die Stirn geboten hatte, rief er seine Mutter an. „Mama“, sagte er, „weißt du noch, dass du mir bei meinem Auszug gesagt hast, dass ich ohne einen Abschluss keinen Job bekomme? Da hast du dich geirrt. Ich bin erst seit drei Wochen auf mich allein gestellt und hatte schon sechs Jobs!“

Wenn Sie sich auszeichnen wollen, müssen Sie sich anstrengen. Denken Sie daran: „Wer kärglich sät, wird auch kärglich ernten; wer reichlich sät, wird reichlich ernten.“ (2 Korinther 9:6.)

Das Leben ist ein Meer, das den Stolzen demütigt, den Drückeberger bloßstellt und den Führer zum Vorschein bringt. Um es sicher zu überqueren und den angestrebten Hafen zu erreichen, muss man seine Seekarten zur Hand haben und auf dem neuesten Stand halten. Man muss aus der Erfahrung anderer lernen, für Grundsätze eintreten, seine Interessen erweitern, Verständnis für andere aufbringen, die auf dem gleichen Meer unterwegs sind, und in der Erfüllung seiner Pflichten verlässlich sein.

Wie Sie sich bei der Ausbildung anstrengen, wirkt sich gewaltig auf Ihre Aussichten danach aus. Wenn Sie an Ihrem Notendurchschnitt feilen, vergessen Sie jedoch nicht, dass man auch lernen muss, richtig zu denken. Der große Industrielle Henry Ford hat gesagt: „Gebildet ist nicht der Mensch, der gelernt hat, sich ein paar geschichtliche Jahreszahlen zu merken, sondern der, der etwas zuwege bringt. Ein Mensch, der nicht denken kann, ist nicht gebildet, wie viele Hochschulabschlüsse er auch erworben haben mag. Weil Denken die schwerste Arbeit ist, die es gibt, beschäftigen sich wohl auch nur wenige damit.“4

Bereiten Sie sich geistig vor

Noch wichtiger als unsere berufliche Vorbereitungszeit ist unsere geistige. Wir müssen ein Zeugnis vom Evangelium Jesu Christi erlangen, das für unsere Seele zu einem Anker wird.

In diesem unsicheren Abschnitt des Lebens fragt sich der eine oder andere von Ihnen vielleicht genau wie Pilatus, der zu Lebzeiten Christi römischer Statthalter in Judäa war: „Was ist Wahrheit?“ (Johannes 18:38.) Und wieder nehmen wir uns die Offenbarungen als Richtschnur:

„Und was nicht erbaut, das ist nicht von Gott, sondern ist Finsternis.

Was von Gott ist, das ist Licht.“ (LuB 50:23,24.)

Es gibt tausende von aufrichtigen Seelen auf der Suche, die noch immer vor der eindringlichen Frage stehen, die auch Joseph Smith einst beschäftigte, als er untersuchte, welchen Standpunkt die Kirchen in seiner Gegend dazu vertraten, wer Recht habe und wer Unrecht. Er sagte:

„Inmitten dieses Wortkriegs und Tumults der Meinungen sagte ich mir oft: Was ist da zu tun? Welche von allen diesen Parteien hat Recht, oder haben sie allesamt Unrecht? Falls eine von ihnen Recht hat, welche ist es, und wie soll ich sie erkennen? …

Endlich kam ich zu dem Schluss, dass ich entweder in Finsternis und Verwirrung bleiben müsse oder dass ich das tun müsse, was Jakobus sagt, nämlich Gott bitten.“ (Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:10,13.)

Er betete. Was dann geschah, lässt sich am besten mit Josephs eigenen Worten schildern. Sie kennen sie: „Ich [sah] zwei Personen von unbeschreiblicher Helle und Herrlichkeit über mir in der Luft stehen. Eine von ihnen redete mich an, nannte mich beim Namen und sagte, dabei auf die andere deutend: Dies ist mein geliebter Sohn. Ihn höre!“ (Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:17.) Joseph hörte zu und lernte. Seine Frage wurde beantwortet.

Wer demütig auf der Suche ist, braucht auf dem Pfad zur Wahrheit weder zu stolpern noch zu wanken. Unser himmlischer Vater hat ihn deutlich gekennzeichnet. Zuerst müssen wir den Wunsch haben, selbst Erkenntnis zu erlangen. Wir müssen lernen. Wir müssen beten. Wir müssen den Willen des Vaters tun. Dann werden wir die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird uns frei machen. Gottes Gunst wird denen zuteil, die demütig danach trachten. Das verheiße ich Ihnen. Denken Sie daran.

Vergessen Sie nicht, dass Zweifel und Glaube in Ihrem Herzen nicht nebeneinander bestehen können, das eine wird das andere vertreiben. Zweifel zerstört, Glaube hingegen erfüllt. Wenn man Glauben ausübt, kommt man Gott und seinen Absichten näher.

Präsident David O McKay hat oft gesagt: „Das irdische Dasein des Menschen ist lediglich eine Prüfung, bei der er zeigt, ob er seine Anstrengungen, seinen Sinn, seine Seele auf das ausrichtet, was seiner physischen Natur Wohlbefinden und Genuss verschafft, oder ob er sich den Erwerb geistiger Eigenschaften zum Lebensziel macht.“5

Glaube heißt, dass man dem Wort unseres Schöpfers vertraut und sich darauf verlässt.

Falls Sie Zweifel haben, denken Sie an die Worte von Präsident Stephen L. Richards, einem ehemaligen Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft. Er sagte: „Weisen Sie diese skeptischen, verstörenden, aufrührerischen Gedanken zurück, indem Sie sich sagen: ‚Ich bin entschlossen, meinem Glauben treu zu bleiben, dem Glauben meines Volkes. Ich weiß, dass dort Glück und Zufriedenheit zu finden sind, und ich verbiete euch agnostischen Gedanken, euch Zweifeln, das Haus meines Glaubens zu zerstören. Ich gebe zu, dass ich nicht verstehe, wie die Schöpfung abgelaufen ist, aber ich erkenne sie als Tatsache an. Ich gebe zu, dass ich die in der Bibel geschilderten Wunder nicht erklären kann, und versuche es auch gar nicht, aber ich erkenne Gottes Wort an. Ich bin nicht bei Joseph Smith gewesen, aber ich glaube ihm. Mein Glaube beruht nicht auf Wissenschaft, und ich lasse es nicht zu, dass er von Wissenschaft zerstört wird.‘“6

Nun, da sich Ihre Vorbereitungszeit auf der Schulbank dem Ende zuneigt und Sie sich in den Wettlauf des Lebens begeben, möchte ich Ihnen ein paar Vorschläge machen, die Ihnen helfen, die großen Erwartungen an Sie zu erfüllen.

Vermeiden Sie die Fallgruben des Lebens

Erstens: Vermeiden Sie die Fallgruben auf dem Weg. Vermeiden Sie Umwege, die Sie Ihres celestialen Lohnes berauben. Sie können sie erkennen, wenn Sie wollen. Sie heißen vielleicht: „Dieses eine Mal schadet mir nicht“, oder: „Meine Eltern sind so altmodisch.“

Auch schlechte Angewohnheiten können Fallgruben sein. Anfangs könnten wir sie ablegen, wenn wir wollten. Später würden wir sie ablegen, wenn wir könnten. John Dryden, ein einflussreicher englischer Dichter und Dramatiker des 17. Jahrhunderts, hat geschrieben:

Schlechte Gewohnheiten häufen sich unbemerkt an gar sehr –
so wie der Bach zum Fluss wird und der Fluss zum Meer.7

Gute Gewohnheiten hingegen sind die Muskeln der Seele. Je mehr man sie trainiert, desto stärker werden sie.

Unser himmlischer Vater möchte von uns, dass wir nach allem trachten, was tugendhaft und liebenswert ist, einen guten Klang hat oder lobenswert ist (siehe 13. Glaubensartikel). Freizügigkeit, Unsittlichkeit und Gruppenzwang treiben viele auf einem Meer von Sünden hin und her und lassen sie an den zerklüfteten Klippen vergebener Chancen, eingebüßter Segnungen und zerplatzter Träume zerschellen.

Was immer Sie lesen, anhören oder anschauen, hinterlässt bei Ihnen einen Eindruck.

Vermeiden Sie alles, was auch nur den Anschein von Pornografie hat. Sie ist gefährlich und macht süchtig. Wenn Sie sich immer wieder pornografisches Material ansehen, stumpft Ihr Geist ab und Ihr Gewissen wird unterhöhlt.

Haben Sie keine Angst, das Kino zu verlassen, den Fernseher auszuschalten oder den Radiosender zu wechseln, wenn etwas nicht den Maßstäben des himmlischen Vaters genügt. Kurz gesagt, wenn Sie nicht sicher sind, ob ein bestimmter Film, ein Buch oder eine andere Form der Unterhaltung schicklich ist, dann schauen Sie nicht hin, lesen Sie es nicht, nehmen Sie nicht daran teil.

Halten Sie durch bis zum Ziel

Zweitens: Hüten Sie sich davor, einen fulminanten Start hinzulegen und dann vor der Ziellinie nachzulassen. Ich mag die einfache Wahrheit, die aus dem Gedicht eines unbekannten Verfassers spricht. Es ist wohl kein literarisches Meisterwerk, aber Sie werden es verstehen können.

Lauf weiter, und sticht auch die Sonne sehr.
Am Start siehst du noch der Läufer Heer.
Doch letzten Endes der Siegeskranz
geht an den, der gelaufen das Rennen ganz.

Lauf weiter, und sticht auch die Sonne sehr.
Lauf weiter, meinst du auch, es ginge nicht mehr.
Lauf weiter, lauf weiter, trotz Tränen und Schweiß,
lauf weiter, dann wirst du erringen den Preis.8

Sehr schön ist die „W-Formel“: „Wahre Werke wirken Wunder, wildes Wünschen weniger.“ Nur wer Arbeit gewohnt ist, wird auch die Fähigkeit entwickeln, sich unablässig anzustrengen, bis ein vorgegebenes Ziel erreicht ist.

Ich war schon immer ein begeisterter Sportfan. Ich werde nie vergessen, wie einmal ein Sportreporter die hervorragende Leistung von Y. A. Tittle pries, einem der besten Football-Quarterbacks aller Zeiten. Er sagte:

„Das ist der Höhepunkt des Spiels. Tittle bekommt den Snap vom Center; er will werfen, aber die Linie wird durchbrochen. Das Spiel scheint vorbei zu sein.

Wartet! Stopp! Tittle weicht dem Tackle aus; er fällt noch weiter zurück. Er spannt den Arm, wirft, der Ball fliegt in die Endzone, wird gefangen und führt zum Touchdown.

Was für ein großartiger zweiter Versuch von Y. A. Tittle.“

Im Spiel des Lebens ist oft ein zweiter Versuch erforderlich. Glück und Freude kündigen sich im Leben niemals mit Pauken und Trompeten an. Sie werden uns Jahr für Jahr zuteil, nach und nach, bis wir schließlich erkennen, dass wir sie haben. Das schaffen wir nur, wenn wir so gut arbeiten, dass wir hoch erhobenen Hauptes der Welt zuversichtlich gegenübertreten können.

Folgen Sie dem Beispiel, das Christoph Columbus gegeben hat. Lesen Sie einmal eine Seite des Logbuchs von seiner ersten Reise. Tag für Tag hoffte man, Land zu sichten. Wenn der Erfolg ausblieb, schrieb er einfach: „Heute sind wir weitergesegelt.“9 Ausdauer wird reichlich belohnt.

Helfen Sie anderen

Drittens: Helfen Sie anderen in ihrem Wettlauf des Lebens.Vergessen Sie nicht: Wenn Sie jemandem helfen, einen Berg zu erklimmen, kommen Sie selbst der Spitze näher. Betrachten Sie Ihren Bruder oder Ihre Schwester aus dem richtigen Blickwinkel. Jemand sagte einmal: „Ich nahm meinen Bruder kritisch unter die Lupe und stellte fest: ,Wie gewöhnlich mein Bruder doch ist.‘ Ich nahm meinen Bruder voller Hohn unter die Lupe und stellte fest: ,Wie klein mein Bruder doch ist.‘ Dann blickte ich in den Spiegel der Wahrheit und stellte fest: ,Wie sehr mein Bruder mir doch gleicht.‘“

Die Mission des Herrn zeichnete sich dadurch aus, dass sie von Liebe erfüllt war. Er ließ die Blinden sehen, ließ Lahme gehen und erweckte Tote zum Leben. Wenn wir einmal unserem Herrn von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen, fragt er uns nicht: „Wie viele Ämter hattest du inne?“, sondern eher: „Wie vielen Menschen hast du geholfen?“ Man kann den Herrn nämlich nicht lieben, wenn man ihm nicht dient, und man dient ihm, indem man seinem Volk dient.

Trachten Sie nach der Hilfe des Herrn

Viertens und abschließend: Trachten Sie nach der Hilfe des Herrn. Die Seele ist kostbar – Ihre Seele und meine Seele. Das hat der himmlische Vater gesagt.

Denken wir daran, dass wir in diesem großen Wettlauf des Lebens nicht allein sind; wir haben ein Anrecht auf die Hilfe des Herrn. Der Apostel Paulus ermahnte die Hebräer:

„Wir [wollen die Sünde] abwerfen. Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist,

und dabei auf Jesus [als unser Beispiel] blicken, den Urheber und Vollender unseres Glaubens.“ (Hebräer 12:1,2.)

Doch bevor er uns begleiten kann, bevor wir uns ihn zum Führer nehmen können, müssen wir ihn finden. Um ihn zu finden, würde ich zunächst vorschlagen, dass wir in unserem Leben Platz für ihn schaffen. Er sagte: „Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ (Matthäus 8:20.)

Lukas, der ja Arzt war, beschreibt die Geburt des Herrn: „Und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.“ (Lukas 2:7.)

Die Einladung des Herrn gilt jedem von uns. Betrachten Sie diese Worte so, als richte der Herr sie direkt an Sie: „Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten.“ (Offenbarung 3:20.)

Oh, meine jungen Brüder und Schwestern, schaffen Sie Platz für den Herrn in Ihrem Zuhause und in Ihrem Herzen, und er wird Sie begleiten. Er wird Ihnen zur Seite stehen. Er wird Sie den Pfad der Wahrheit lehren. Mit seiner Hilfe und der Vorbereitung, über die wir gesprochen haben, können Sie den Wettlauf des Lebens bestreiten und Ihre eigenen großen Erwartungen erfüllen. Dann können Sie am Ende sagen: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten.“ (2 Timotheus 4:7.)

Dann werden die Segnungen des Himmels auf Ihnen ruhen. Er, der es sogar bemerkt, wenn ein Spatz zu Boden fällt, wird unser Tun auf seine Weise belohnen.

Ich möchte Ihnen von einem Erlebnis berichten, das diese Zuversicht verdeutlicht.

Bruder Edwin Q. Cannon Jr. – ich nenne ihn immer Ted – war 1938 als Missionar in Deutschland. Er hatte die Menschen dort gern und verrichtete treu seinen Dienst. Nach seiner Mission kehrte er nach Salt Lake City zurück. Er heiratete und machte sich selbständig.

Vierzig Jahre vergingen. Eines Tages kam Bruder Cannon in mein Büro und erzählte, er habe sein Missionsalbum zurechtgestutzt. (Das ist ein guter Ausdruck dafür. Man sieht sich alle Fotos an, wirft zwei davon weg und behält den Rest.) Unter den Fotos, die er seit seiner Mission aufbewahrt hatte, gab es einige, die er nicht mehr genau zuordnen konnte. Jedes Mal, wenn er sie wegwerfen wollte, hatte er das Gefühl, er solle sie behalten, auch wenn er nicht wusste, warum. Bruder Cannon hatte die Bilder auf seiner Mission gemacht, als er in Stettin gedient hatte. Eine Familie war darauf zu sehen – eine Mutter, ein Vater, ein kleines Mädchen und ein kleiner Junge. Er wusste, dass die Familie mit Nachnamen Berndt hieß, aber an mehr konnte er sich nicht erinnern. Er sagte mir, er wüsste von einem Führer der Kirche in Deutschland mit dem Nachnamen Berndt, und er dachte, auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering war, dass es zwischen diesem Berndt und den Berndts aus Stettin, die auf den Fotos zu sehen waren, vielleicht eine Verbindung gebe. Bevor er jedenfalls die Aufnahmen wegwarf, wollte er kurz mit mir Rücksprache halten.

Ich sagte Bruder Cannon, dass ich bald nach Berlin fliegen würde, wo ich voraussichtlich auch Dieter Berndt, den dortigen Führer der Kirche, träfe, und dass ich ihm die Fotos zeigen würde. Dann würde man ja sehen, ob eine Verbindung besteht und er sie haben wolle. Eventuell würde ich auch Bruder Berndts Schwester begegnen, die mit Dietmar Matern verheiratet war, dem Pfahlpräsidenten in Hamburg.

Der Herr ließ mich jedoch nicht einmal bis nach Berlin kommen, ehe seine Absichten sich erfüllten. Ich war in Zürich und bestieg die Maschine nach Berlin, als ich feststellte, dass Dieter Berndt ebenfalls an Bord war. Wir saßen nebeneinander, und ich erzählte ihm, dass ich einige alte Fotos von einer Familie namens Berndt aus Stettin bei mir hatte. Ich gab sie ihm und fragte ihn, ob er die Menschen auf den Fotos erkannte. Er sah sie sich genau an und begann zu weinen. Er sagte: „Meine Familie wohnte während des Kriegs in Stettin. Mein Vater kam ums Leben, als eine Bombe der Alliierten die Fabrik zerstörte, wo er arbeitete. Kurz darauf fielen die Russen in Polen und in das Gebiet um Stettin ein. Meine Mutter floh mit meiner Schwester und mir vor dem anrückenden Feind. Wir mussten alles zurücklassen, auch unsere Fotos. Bruder Monson, ich bin der kleine Junge auf diesen Bildern, und meine Schwester ist das kleine Mädchen. Der Mann und die Frau sind unsere lieben Eltern. Bis heute habe ich keine Fotos aus meiner Kindheit in Stettin oder von meinem Vater.“

Ich wischte mir die Tränen aus den Augen und sagte Bruder Berndt, dass diese Fotos nun ihm gehörten. Sorgsam und liebevoll legte er sie in seine Aktentasche.

Als Dieter Berndt zur nächsten Generalkonferenz nach Salt Lake City kam, besuchte er Bruder Edwin Cannon Jr. und seine Frau, um ihnen persönlich dafür zu danken, dass Bruder Cannon so inspiriert gewesen war und die kostbaren Fotos aufbewahrt hatte und dieser Inspiration vierzig Jahre lang gefolgt war.

William Cowper schrieb die folgenden Zeilen:

Gott wirket oft geheimnisvoll
die Wunder seiner Macht.
Er wandelt auf dem stürmschen Meer
und hilft aus Not und Nacht. …

Bau auf die Gnade deines Herrn,
sei in Gedanken treu.
Im Sturm des Lebens hilft er gern,
lächelt dir zu aufs Neu.10

Ich gebe Ihnen dieses Zeugnis und bezeuge Ihnen, dass Gott lebt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn des lebendigen Gottes, dass er unser älterer Bruder ist, unser Erretter und Erlöser und der Urheber Ihrer großen Zukunft.

Ich gebe Ihnen meinen Segen und grüße Sie alle herzlich. Sie sind eine auserwählte Generation mit einer großen Zukunft. Möge unser himmlischer Vater Sie immer führen und segnen und mögen Sie stets bemüht sein, diese großen Erwartungen zu erfüllen. Darum bete ich im Namen Jesu Christi. Amen.

Anmerkungen

1. Henry Wadsworth Longfellow, Morituri Salutamus, 1875, aus: The Complete Poetical Works of Longfellow, 1922, Seite 311

2. Charles Dickens, Great Expectations, New York, Alfred A. Knopf, 1992, Seite 130

3. Glenn Doman, zitiert in „Too Young to Read?“, Life, 27. November 1964, Seite 111, siehe auch Seite 107

4. Henry Ford und Samuel Crowther, My Life and Work, 1922, Seite 247

5. David O. McKay, Herbst-Generalkonferenz 1963

6. Stephen L. Richards, Herbst-Generalkonferenz 1937

7. John Dryden, „Of the Pythagorean Philosophy“, 1700, aus Ovid, Metamorphoses, Book XV, in The Poetical Works of Dryden, 1950, Seite 881

8. „Stick to Your Task“, in Best-Loved Poems of the LDS People, Hg. Jack M. Lyon und andere, 1996, Seite 255f.

9. Lillian Eichler Watson, Hg., Light from Many Lamps, 1979, Seite 138

10. William Cowper, „Light Shining out of Darkness“, Olney Hymns, 1779, Nr. 35, in Masterpieces of Religious Verse, Hg. James Dalton Morrison, 1948, Seite 10f.

 
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