Nach dem Tod unseres Sohnes vor elf Jahren, begann ich damit, mir eine „Schatztruhe“ anzulegen – ich sammelte digitalisierte Bilder, Musikstücke und Zitate, die mir selbst halfen, die schwierige Zeit zu bewältigen. Mittlerweile ist diese Truhe voll gefüllt und ich konnte nicht nur mir selbst, sondern auch vielen anderen Menschen in schwierigen Lebenslagen damit helfen. Ja, Dienen kann wunderschön sein! Immer wenn ich meine Schätze mit jemandem teile, werden sie noch ein wenig schöner und kostbarer.
Durch berufliche Veränderungen musste ich lernen, mit dem Computer umzugehen, und dies erwies sich als großer Segen für mich. Ich konnte meine vielen Naturaufnahmen, aufbauenden Melodien, Schriftstellen und Leitgedanken in bunte Power Point Präsentationen verpacken und dadurch noch leichter verschenken. Auch eigene Mappen mit Musik-CDs, meist vom Tabernakel-Chor, sind Teil meines persönlichen geistigen Vorrats, der vor allem älteren Schwestern Freude bringt, die nicht mehr aus dem Haus gehen können. Für mich ist solche Musik Balsam auf der Seele.
Immer wenn ich meine Schätze mit
jemandem teile, werden sie noch
ein wenig schöner und kostbarer.
Meine Präsentationen und Musikzusammenstellungen schneide ich immer ganz speziell auf die Situation mir bekannter lieber Menschen zu. Am Beginn meiner Zeit als FHV-Leiterin hatte ich in einem Jahr vier Schwestern, die an Krebs erkrankt waren, alle vier hatte ich bis zum letzten Atemzug begleiten und dabei auch einige „Wunder“ erleben dürfen. Bei einer Schwester wussten wir, dass sie es nicht schaffen würde. Ich war am Abend vor ihrem Tod mit einer lieben Schwester bei ihr. Wir hatten mit ihr gebetet und sie wollte unbedingt das Lied „How Great Thou Art“ („Wie groß bist du“) hören. So hatte ich am Morgen mein Tragbares CD-Gerät samt CD-Mappe mitgenommen, doch wurden mein Mann Peter und ich auf der Straße von einem heftigen Gewitter überrascht. Peter meinte, ich sollte nach Hause fahren und mich umziehen, doch ich hatte das starke Gefühl, dass die Zeit drängte – und so war es. Das Krankenhaus war am anderen Ende von Wien. Ich war eine Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und eilte dann mit schnellen Schritten in das Krankenhaus. Im Zimmer der Schwester angekommen, sah ich die ganze Familie um das Bett stehen. Sie sagten: „Sie hört dich nicht mehr...“ Die Familie bat mich, da sie selbst keine Mitglieder waren, mit der Sterbenden nochmals zu beten – und gingen hinaus. So war ich also allein mit dieser lieben Schwester. Ich packte mein CD-Gerät aus, setzte ihr den Kopfhörer auf und drehte die Musik laut auf... Auf einmal fing sie an zu lächeln und es rannten ihr die Tränen runter. Sie ging mit dieser Musik auf die andere Seite des Lebens. Das war für mich so ein starkes geistige Erlebnis, wie ich es in Worten nicht ausdrücken kann.
Als ich vor kurzem selbst im Krankenhaus war, hat sich mein Motto „Musik kann Balsam auf der Seele sein“ wieder bewahrheitet. Ich hatte meinen MP3-Player mit und kam dadurch in den Genuss, aufbauende Musik zu hören. Viele bewunderten mich, dass ich so „fröhlich“ war trotz Operation und „Nachbehandlungen“. Meine Einstellung durch all die Zeit war wirklich positiv, und ich kann nur sagen, ich habe ein starkes Zeugnis vom Priestertum, das mir einen Krankensegen gegeben hat, und vom Gebet. Viele Schwestern hatten für mich gebetet, und dieses Gefühl hat mich in all den Tagen getragen – solch ein schönes, dankbares Gefühl hatte ich in meinem Herzen fühlen können. Was ich für andere getan hatte – tun durfte – war in großem Maß auf mich zurück gekommen.


