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Der Heilige Tempel Von Präsident Boyd K. Packer
Im Tempel können Mitglieder der Kirche, die sich dafür qualifiziert haben, an den erhabensten aller erlösenden heiligen Handlungen teilnehmen, die dem Menschen offenbart worden sind. Dort kann man in einer heiligen Zeremonie gewaschen, gesalbt und belehrt werden und die Begabung und die Siegelung empfangen. Sobald jemand diese Segnungen für sich selbst erhalten hat, kann er sie für andere empfangen, die gestorben sind, ohne die Möglichkeit dazu gehabt zu haben. Im Tempel werden die heiligen Handlungen für Lebende und Tote gleichermaßen vollzogen.
Wir sprechen außerhalb des Tempels nicht über die Tempelverordnungen. Es war aber nie beabsichtigt, die Kenntnis der Tempelzeremonie auf ein paar Auserwählte zu beschränken, die dann gewährleisten müssen, dass andere nichts davon erfahren. Genau das Gegenteil ist richtig. Wir bemühen uns sehr darum, jeden Menschen so weit zu bringen, dass er sich qualifiziert und vorbereitet, um in den Tempel gehen zu können. Wer bereits im Tempel gewesen ist, kennt das Ideal: Eines Tages wird jeder Mensch, der lebt oder gelebt hat, die Möglichkeit haben, das Evangelium zu hören und das, was der Tempel ihm zu bieten hat, entweder anzunehmen oder abzulehnen. Wenn eine Ablehnung erfolgt, so muss sie von dem Betreffenden selbst kommen. Die heiligen Handlungen und Zeremonien im Tempel sind einfach und schön. Sie sind heilig, und es wird darüber nichts verlautbart, damit nicht jemand davon erfährt, der nicht dafür bereit ist. Neugier reicht nicht aus, jemand bereitzumachen, auch aufrichtiges Interesse nicht. Zur Vorbereitung auf die heiligen Handlungen gehören auch folgende Voraussetzungen: Glaube, Umkehr, Taufe, Konfirmierung, Würdigkeit und die Reife und innere Größe, die jemandem zukommt, der eingeladen wird, das Haus des Herrn zu betreten. Alle, die in jeder Hinsicht würdig und qualifiziert sind, können in den Tempel gehen, wo sie die heiligen Zeremonien und Handlungen kennen lernen.
Sie brauchen einen gültigen Tempelschein, um in den Tempel eingelassen zu werden. Dieser Schein muss von den zuständigen Beamten der Kirche unterschrieben sein. Nur wer würdig ist, darf in den Tempel gehen. Ihr Bischof beziehungsweise Zweigpräsident hat die Aufgabe, sich durch bestimmte Fragen Ihrer Würdigkeit zu vergewissern. Dieses Gespräch ist sehr wichtig, denn es ermöglicht Ihnen, mit einem ordinierten Diener des Herrn Ihre Lebensweise zu prüfen. Wenn etwas nicht in Ordnung ist, kann Ihnen der Bischof helfen, es zu bereinigen. Auf diese Weise können Sie sich mit einem allgemeinen Richter in Israel beraten und dann erklären, dass Sie würdig sind, mit der Zustimmung des Herrn in den Tempel zu gehen, oder es kann Ihnen geholfen werden, diese Würdigkeit zu erlangen. Das Interview für den Tempelschein findet zwischen dem Bischof und dem betreffenden Mitglied unter vier Augen statt. Dem Mitglied werden eingehende Fragen zu seinem Verhalten, seiner Würdigkeit und seiner Treue gegenüber der Kirche und ihrer Beamten gestellt. Der Betreffende muss erklären, dass er ein sittlich reines Leben führt, das Wort der Weisheit befolgt, den Zehnten voll zahlt, im Einklang mit den Lehren der Kirche lebt und mit abgefallenen Gruppen weder Verbindung hat noch sympathisiert. Der Bischof ist unterwiesen worden, dass es äußerst wichtig ist, alles, was ein solches Interview angeht, streng vertraulich zu behandeln. Wenn die Fragen des Bischofs annehmbar beantwortet worden sind, ist damit normalerweise erwiesen, dass der Betreffende würdig ist, den Tempelschein zu erhalten. Falls der Bewerber die Gebote nicht hält oder etwas noch nicht bereinigt ist, was in Ordnung gebracht werden muss, muss er wahre Umkehr zeigen, ehe ihm der Tempelschein ausgestellt wird. Nachdem der Bischof das Interview geführt hat, werden wir auch von einem Mitglied der Pfahlpräsidentschaft in gleicher Weise befragt; erst dann gehen wir zum Tempel.
Der Tempel ist eine große Schule, er ist ein Haus des Lernens.
Im Tempel wird darauf geachtet, dass eine Atmosphäre herrscht, die für die Unterweisung in zutiefst geistigen Belangen ideal ist. Der verstorbene Elder John A. Widtsoe vom Kollegium der Zwölf Apostel war ein hervorragender Universitätspräsident und ein namhafter Gelehrter. Er hatte große Achtung vor der Tempelarbeit und sagte einmal: "Die Tempelverordnungen umfassen den ganzen Erlösungsplan, wie er von den Führern der Kirche immer wieder gelehrt wird, und erhellen vieles, was schwer zu verstehen ist. Man muss nichts zurechtbiegen oder verdrehen, um die Lehren des Tempels in den gesamten Plan der Erlösung einzufügen.
Die philosophische Vollständigkeit der Begabung ist ein gutes Argument dafür, dass die Tempelverordnungen wahr sind. Außerdem macht diese vollständige Übersicht und Auslegung des Evangeliumsplans den Tempeldienst zu einer der wirksamsten Methoden, uns das Gesamtbild des Evangeliums wieder ins Gedächtnis zu rufen." (Utah Genealogical and Historical Magazine, April 1921, Seite 58.) Wenn Sie beim Tempelbesuch daran denken, dass die Belehrung symbolisch geschieht, werden Sie, wenn Sie mit der richtigen Einstellung hingegangen sind, nie von dort fortgehen, ohne einen tieferen Einblick erhalten zu haben, sich ein wenig erhabener zu fühlen und in der Erkenntnis von Geistigem gewachsen zu sein. Die Belehrungsweise ist überragend, sie ist inspiriert. Der Herr selbst, der größte aller Lehrer, hat seine Jünger ständig in Gleichnissen belehrt, wobei ein Sachverhalt, der sonst schwer zu verstehen wäre, durch Worte symbolisch dargestellt wird. Der Tempel selbst wird zum Symbol. Wenn Sie schon einmal einen Tempel bei Nacht gesehen haben, hell erleuchtet, dann wissen Sie, wie eindrucksvoll dieser Anblick sein kann. In Licht gebadet, tritt das Haus des Herrn aus der Dunkelheit hervor und wird zum Symbol für die Macht und die Inspiration des Evangeliums Jesu Christi, zu einem Leuchtfeuer in einer Welt, die immer tiefer in geistige Finsternis versinkt. Wenn Sie den Tempel betreten, wechseln Sie die Straßenkleidung gegen die weiße Tempelkleidung. Das geschieht im Umkleideraum, wo jedem ein verschließbarer Schrank und eine separate Umkleidekabine zur Verfügung steht. Im Tempel wird auf Anstand besonderen Wert gelegt. Wenn Sie Ihre Kleidung im Schrank einschließen, lassen Sie alle Sorgen und Ablenkungen dort zurück. Sie kommen aus der Kabine, in Weiß gekleidet, und verspüren Einigkeit und Gleichheit, denn alle anderen ringsum sind ja ebenso gekleidet.
Ehe das Brautpaar an den Altar kommt, um gesiegelt zu werden, hat der Amtierende Gelegenheit, ihm einige Ratschläge mit auf den Weg zu geben. Vielleicht bekommt es dabei Worte wie die folgenden zu hören: "Heute ist Ihr Hochzeitstag, und tiefe Gefühle bewegen Sie. Der Tempel ist als heilige Sätte für solche heiligen Handlungen errichtet worden. Hier sind wir nicht in der Welt, und das, was von der Welt ist, hat hier keine Gültigkeit und soll das, was wir hier tun, nicht beeinflussen. Wir sind aus der Welt weggegangen, um in den Tempel des Herrn zu kommen. Das ist der wichtigste Tag in Ihrem Leben. Ihre Eltern haben Sie zur Welt gebracht und eine irdische Hülle bereitet, damit Ihr Geist darin wohnen kann. Sie sind beide getauft worden. Die Taufe, diese heilige Handlung, symbolisiert eine Reinigung, symbolisiert Tod und Auferstehung, symbolisiert, dass wir uns zu einem ganz neuen Leben erheben. Dazu gehören Umkehr und Sündenvergebung. Das Abendmahl dient der Erneuerung der Taufbündnisses, und wir können, wenn wir dementsprechend leben, Vergebung unserer Sünden erlangen. Sie, der Bräutigam, sind zum Priestertum ordiniert worden.
Zuerst ist Ihnen das Aarosische Priestertum übertragen worden und Sie sind wahrscheinlich durch alle Stufen gegangenDiakon, Lehrer und Priester.
Dann kam der Tag, an dem Sie für würdig befunden wurden, das Melchisedekische Priestertum zu empfangen. Dieses Priestertum, das höhere Priestertum, wird als das Priestertum nach der heiligen Ordnung Gottes bezeichnet, das heilige Priestertum nach der Ordnung des Sohnes Gottes (siehe Alma 13:18; Helaman 8:18; LuB 107:24). Sie haben ein Amt im Priestertum erhalten und sind nun Ältester. Sie haben beide die Begabung empfangen. Dabei sind Sie mit Möglichkeiten für die Ewigkeit ausgestattet worden. Doch das alles ist gewissermaßen nur die Einleitung und Vorbereitung darauf, dass Sie zum Altar kommen können, um als Mann und Frau für Zeit und alle Ewigkeit gesiegelt zu werden. Sie werden jetzt zu einer Familie, haben die Freiheit, Leben zu zeugen, und die Möglichkeit, mit Hingabe und Opferbereitschaft Kinder auf die Welt zu bringen, sie großzuziehen und sicher durch das Erdenleben zu geleiten - sie eines Tages in den Tempel gehen zu sehen wie Sie selbst, um an diesen heiligen Handlungen teilzuhaben. Sie sind aus eigenem Antrieb gekommen und sind für würdig befunden worden. Einander im Ehebund anzunehmen ist eine große Verantwortung, die aber unermessliche Segnungen mit sich bringt." Wenn wir die Tempelarbeit sowohl historisch als auch der Lehre nach verstehen wollen, müssen wir begreifen, was die Siegelungsvollmacht ist. Wir müssen uns wenigstens in gewissem Maß vorstellen können, warum die Schlüssel zur Ausübung der Siegelungsvollmacht so entscheidend sindnicht nur für die Arbeit im Tempel, sondern für alle heiligen Handlungen in der Kirche, überall auf der Welt. Die Siegelungsvollmacht stellt die Übertragung geistiger Vollmacht von Gott auf den Menschen dar. Der Verwahrer dieser Siegelungsvollmacht ist der, der den Herrn hier auf der Erde vertritt, nämlich der Präsident der Kirche. Das ist eine Stellung von größtem Vertrauen und höchster Autorität. Wie schon gesagt, sind viele Lehren, die sich auf die tiefergehenden Belange in der Kirche, vor allem im Tempel, beziehen, symbolischer Natur. Wir gebrauchen das Wort Schlüssel sinnbildlich. Die Schlüssel der Priestertumsvollmacht stellen hier die Grenzen der Macht dar, die dem sterblichen Menschen von jenseits des Schleiers verliehen wurde, damit er auf der Erde im Namen Gottes handeln kann.
Die Begriffe siegeln, Schlüssel und Priestertum sind eng miteinander verbunden. Die Schlüssel der Siegelungsvollmacht sind gleichbedeutend mit den Schlüsseln des immer währenden Priestertums. "Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn? . . . . Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein."(Matthäus 16:1319.) Petrus sollte die Schlüssel innehaben; er sollte die Siegelungsvollmacht haben, nämlich die Vollmacht, auf Erden zu binden - oder zu siegeln - und zu lösen, und so sollte es dann auch im Himmel sein. Diese Schlüssel gehören dem Präsidenten der Kirche innedem Propheten, Seher und Offenbarer. Diese heilige Siegelungsvollmacht ist heute in der Kirche vorhanden. Nichts wird von denen, die sich der Bedeutung dieser Vollmacht bewusst sind, als heiliger betrachtet. Nichts wird sorgsamer gehütet. Es gibt auf der Erde nur verhältnismäßig wenige Männer, denen diese Siegelungsvollmacht übertragen wirdin jedem Tempel gibt es Brüder, die die Siegelungsvollmacht erhalten haben. Man kann sie nur vom Propheten, Seher und Offenbarer erhalten, der der Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist. Eine deutliche Aussage über die Siegelungsvollmacht, die für alles, was wir für die Lebenden und die Toten tun, bindend ist, lautet: "Immer, wenn die Fülle des Evangeliums auf der Erde ist, hat der Herr auch Bevollmächtigte, denen er die Macht gibt, auf Erden zu binden und auf ewig im Himmel zu siegeln (Matthäus 16:19; 18:18; Helaman 10:310; LuB 132:4649). . . . Alles, was nicht mit dieser Vollmacht gesiegelt wird, hat ein Ende, wenn die Menschen tot sind. Wenn auf der Taufe nicht dieses dauerhafte Siegel ruht, bewirkt sie nicht, dass der Mensch ins celestiale Reich eintreten kann; wenn der ewige Ehebund nicht mit dieser Vollmacht gesiegelt wird, vermag er die Eheleute nicht zu ihrer Erhöhung im höchsten Himmel der celestialen Welt zu führen. Alles empfängt seine dauernde Wirksamkeit und Gültigkeit aufgrund der Siegelungsvollmacht. Diese Vollmacht ist so umfassend, dass sie alle heiligen Handlungen für die Lebenden und die Toten einschließt, die Kinder auf der Erde an ihre Väter siegelt, die ihnen vorausgegangen sind, und die dauerhafte patriarchalische Kette bildet, die unter den Erhöhten ewig bestehen wird." (Bruce R. McConcie, Mormon Doctrine, 2. Ausgabe, 1966, Seite 683.) Wir haben in der Kirche ausreichend Vollmacht, um alle heiligen Handlungen vollziehen zu können, die für die Erlösung und Erhöhung aller Menschen notwendig sind. Und weil wir die Schlüssel der Siegelungsvollmacht innehaben, wird das, was wir hier in der richtigen Weise binden, auch im Himmel gebunden sein. Diese Schlüsselnämlich die Schlüssel, auf Erden zu siegeln und zu binden, so dass es im Himmel gebunden ist, stellen die allerhöchste Gabe unseres Gottes dar. Mit dieser Vollmacht können wir taufen und segnen, die Begabung spenden und siegeln, und der Herr hält sich an diese Verpflichtungen. Der Prophet Joseph Smith sagt, ihm sei häufig die Frage gestellt worden:"Können wir denn nicht errettet werden, ohne dass wir alle diese Verordnungen durchmachen? Meine Antwort ist: Nein, jedenfalls nicht die Fülle der Errettung. Jesus sagte: Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen... Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten.' Der hier gebrauchte Ausdruck Haus hätte mit Reich übersetzt werden sollen; und jeder, der in die höchste Wohnung erhöht wird, muss nach einem celestialen Gesetz leben, und zwar nach dem ganzen Gesetz." (Lehren des Propheten Joseph Smith, 1983, Seite 338.)
Bei der Grundsteinlegung für den Logan-Utah-Tempel sagte Präsident George Q. Cannon, der damals in der Ersten Präsidentschaft war: "Jeder Grundstein, der für einen Tempel gelegt wird, und jeder Tempel, der gemäß der Ordnung errichtet wird, die der Herr für sein heiliges Priestertum offenbart hat, verringert die Macht Satans auf der Erde und vermehrt die Macht Gottes und der Frömmigkeit, bewegt die Himmel dazu, machtvoll für uns einzutreten, und ruft die Segnungen der ewigen Götter und derer, die in ihrer Gegenwart wohnen, auf uns herab." (Millennial Star, 12. November 1877, 743.) Wenn jemand in der Kirche Sorgen hat oder ihm eine schwerwiegende Entscheidung auf der Seele lastet, ist es nicht ungewöhnlich, dass er zum Tempel geht. Das ist ein guter Ort, um unsere Sorgen hinzutragen. Im Tempel gewinnen wir eine geistige Perspektive und sind während des Tempeldienstes "aus der Welt". Manchmal sind wir mit Problemen überhäuft und so vieles nimmt uns gleichzeitig in Anspruch, dass wir einfach nicht klar denken und sehen können. Im Tempel scheint sich jedoch die Staubwolke der Verwirrung aufzulösen, der Nebel und der Dunst lichten sich, und wir können manches "sehen", was wir vorher nicht wahrnehmen konnten, und wir finden einen Weg durch die Schwierigkeiten, den wir vorher nicht gekannt haben. Der Herr segnet uns, wenn wir die heilige Arbeit im Tempel tun. Die Segnungen beschränken sich aber nicht auf den Tempeldienst, sondern erstrecken sich auf unser ganzes Leben.
Unsere Arbeit im Tempel verleiht uns - jedem Einzelnen und auch der ganzen Kirche - Schild und Schutz. |