Wahrheiten, die zu kennen größten Wert hat

CES-Andacht für Junge Erwachsene • 6. November 2011 • Brigham-Young-Universität


 

Ich bin sehr dankbar für die Segnungen, die es Ihnen ermöglichen, mir von allen Enden der Erde aus zuzusehen und zuzuhören. Ich bin besonders dankbar für die Gabe des Heiligen Geistes – ein Wunder, das keine Satellitenübertragung erfordert und das es mir erlaubt, Sie mir alle vor meinem inneren Auge vorzustellen, wo auch immer Sie sein mögen. Sie sind überaus kostbar. Wir freuen uns auf den Tag, da wir die Schlüssel des Reiches an Sie weitergeben können.

Anstatt sich etwas zu notieren, achten Sie lieber auf die Eindrücke, die sich einstellen, wenn wir nun ein überaus heiliges Thema behandeln. Wenn Sie nach diesem Abend nur das wissen, was Sie gehört haben, dann ist Ihnen die Bedeutung dieser Runde entgangen.

Manche kommen mit Fragen und suchen Führung. Andere fragen sich, wie sie vom Weg des Evangeliums abgekommen sind und wie sie darauf zurückkehren können. Obwohl ich zu allen spreche, wende ich mich besonders ernsthaft demjenigen zu, der sucht.

Sich um Führung bemühen und diese annehmen

Ich habe beobachtet, wie meine älteren Brüder im Kollegium ihren Lebenslauf vollendet haben und auf die andere Seite des Schleiers versetzt wurden – so viele große Persönlichkeiten. Präsident Harold B. Lee trug mir auf, mich an die älteren Brüder zu halten und aus ihren Erfahrungen zu lernen. Ich habe diesen Rat befolgt.

Henry Wadsworth Longfellow schrieb:

Das Leben großer Männer spornt uns an,
Gutes zu tun auf unsres Lebens Bahn,
sodass, wenn wir verlassen diesen Stand,
man unsre Spur sieht in der Zeiten Sand.
Die Spur, die dann ein andrer wohl erblickt,
der auf des Lebens hohe See geschickt,
der schiffbrüchig und ganz verlassen
durch sie beseelt wagt, neuen Mut zu fassen.1

Diese „Spuren in der Zeiten Sand“ werden immer sichtbar bleiben, um Sie zu führen.

Als ich ein junges Mitglied des Kollegiums der Zwölf war, gingen wir von unseren wöchentlichen Versammlungen im Tempel immer zu Fuß zurück ins Büro. Ich blieb für gewöhnlich etwas zurück und ging mit Elder LeGrand Richards. Er hatte von einem Unfall in seiner Jugend körperliche Behinderungen davongetragen und kam nicht mehr so schnell voran.

Die anderen Brüder sagten oft: „Wie nett von Ihnen, dass Sie sich um Elder Richards kümmern“, und ich erwiderte dann: „Sie wissen ja nicht, warum ich das mache!“

Ich ging neben ihm her und hörte zu. Er konnte sich noch an Präsident Wilford Woodruff erinnern. Er war zwölf Jahre alt, als er Präsident Woodruff zum letzten Mal sprechen hörte. Elder Richards verband mich mit dieser Generation. Ich sog all seine Worte in mich auf.

Im Buch Lehre und Bündnisse wird den zwölf Aposteln ein Auftrag erteilt: „Die zwölf reisenden Räte sind berufen, die Zwölf Apostel oder besonderen Zeugen des Namens Christi in aller Welt zu sein.“2

Ich hatte den unstillbaren Wunsch, vom Vater und von Jesus Christus Zeugnis zu geben. Christus hat gesagt: „Wenn ihr micht erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen.“3 Mein Verlangen war, alles mitzuteilen, was ich über Christus wusste und wer der Vater und der Sohn sind.

Ich weiß, dass Worte, die durch die Gabe des Heiligen Geistes übermittelt werden, dazu führen können, dass man „von allem wissen [kann], ob es wahr ist“4. Alle Wahrheit ist es wert, dass man sie kennt. Manche Wahrheiten sind aber nützlicher, und dann gibt es noch die, die zu kennen von größtem Wert sind.

Durch Erfahrungen können wir die Liebe des himmlischen Vaters für seine Kinder besser verstehen

Ich habe junge Missionare gefragt: „Wissen Sie, was das Wort Vater bedeutet?“ Natürlich sagen sie immer, sie wissen es. Ich respektiere diese Antwort, aber tief im Innern denke ich: „Ihr wisst eigentlich so wenig darüber.“ Sie wissen, was das Wort Vater bedeutet, aber ihre Kenntnisse sind noch unentwickelt.

Für Sie, die Sie verheiratet sind und ein Kind haben, bekommt das Wort Vater eine neue Bedeutung, das Wort Vater wird Ihnen klarer.

Vielleicht kommt der Tag, da ein Arzt Ihnen sagt: „Ich fürchte, dieses Baby werden Sie nicht behalten.“ Dann erst erfahren Sie etwas über Väter und über sich selbst.

Wir waren neun Jahre verheiratet, als wir diese Worte zum ersten Mal vom Arzt hörten: „Ich fürchte, dieses Baby werden Sie nicht behalten.“ Als Eltern schauten wir auf unseren winzigen Sohn und machten das Einzige, was uns blieb. Es erhielt im Krankenhaus einen Namen und einen väterlichen Segen. Wir beteten, hatten Glauben und sagten laut: „Dein Wille geschehe.“

Es vergingen Stunden und Tage. Ärzte und Krankenschwestern bemühten sich weiter um unseren Sohn.

Endlich hörten wir vom Arzt die Worte: „Ich denke, Sie werden ihn doch behalten.“

Als Eltern verstanden wir mehr, wurden stärker und kamen einander und dem Vater im Himmel näher.

Dreizehn Jahre später erlebten wir dasselbe in einem viel größeren Krankenhaus mit unserem zehnten Kind. Es erhielt im Krankenhaus einen Namen und einen väterlichen Segen. Wir beteten, hatten Glauben und sagten wieder: „Dein Wille geschehe.“

Die Stunden schlichen dahin. Wieder wurden wir reich gesegnet. Unser Sohn sollte leben. Die vor Jahren gelernte Lektion hatte sich wiederholt.

Solche Erfahrungen werden Sie lehren, was Vater und Mutter bedeuten. Dann wissen Sie, dass Sie Ihr Leben dafür geben würden, dass dieser kleine Sohn das irdische Dasein erleben kann. Dann fangen Sie an, den Vater im Himmel zu verstehen; Sie begreifen wahrhaftig, was die Wörter Vater und Mutter bedeuten.

Oft hatte ich das Verlangen, einem Kind sein Leiden zu erleichtern oder einem geliebten Menschen Kummer oder Schmerz abzunehmen, und musste dann doch einsehen, dass ich es nicht vermochte. Aber ich habe erkannt, dass die Tatsache, dass ich es tun würde, wenn ich nur könnte, sich stark auf mein Verhältnis zum Herrn auswirkt.

Erkennen, dass wir einen Mittler brauchen

In der heiligen Schrift gibt es ein Rätsel um Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Das sind zwei scheinbar gegensätzliche Prinzipien, über die ich an anderer Stelle in Form eines Gleichnisses gesprochen habe.5 Hören Sie gut zu.

Es war einmal ein Mann, der einen großen Wunsch hegte. Dieser war ihm wichtiger als alles andere im Leben. Um sich seinen Wunsch zu erfüllen, machte er ungeheure Schulden.

Man hatte ihn davor gewarnt, so große Schulden zu machen, und ihn besonders wegen seines Gläubigers zur Vorsicht gemahnt. Aber ihm war es sehr wichtig, das Gewünschte sofort zu bekommen, und er war sicher, er könne später dafür bezahlen. Und so unterzeichnete er einen Vertrag. Irgendwann in der Zukunft wollte er bezahlen. Er machte sich deshalb keine großen Sorgen, denn der Zahltag lag scheinbar in weiter Ferne. Er besaß nun, was er sich so sehr gewünscht hatte, und das war die Hauptsache.

Der Gläubiger tauchte zwar immer wieder in seinen Gedanken auf, und gelegentlich zahlte er auch symbolische Beträge zurück, aber er bildete sich irgendwie ein, dass der Tag der Abrechnung niemals kommen werde. Doch es war unvermeidlich, dass dieser Tag kam, und die Zahlung wurde fällig. Die Schuld war noch nicht abbezahlt.

Der Gläubiger erschien und forderte die vollständige Zahlung. Erst jetzt wurde dem Mann klar, dass sein Gläubiger nicht nur die Macht hatte, seinen gesamten Besitz zu pfänden, sondern dass er ihn auch ins Gefängnis bringen konnte.

„Ich kann Sie nicht bezahlen, ich bin dazu nicht in der Lage“, gestand er.

„In diesem Fall“, sagte der Gläubiger, „wird der Vertrag wirksam: Ich bekomme, was Sie besitzen, und Sie wandern ins Gefängnis. Sie haben dem zugestimmt. Es war Ihre Entscheidung. Sie haben den Vertrag unterzeichnet, und jetzt mache ich meine Rechte geltend.“

„Kennen Sie kein Mitleid? Können Sie mir die Schuld nicht noch eine Weile stunden oder gar erlassen?“, bettelte der Schuldner. „Gibt es denn gar keine Möglichkeit, wie ich meinen Besitz behalten und auf freiem Fuß bleiben kann? Haben Sie doch Erbarmen! Halten Sie nichts von Barmherzigkeit?“

Der Gläubiger erwiderte: „Bamherzigkeit ist immer so einseitig. Den Nutzen hätten nur Sie. Wenn ich barmherzig bin, komme ich um meine Bezahlung. Ich fordere Gerechtigkeit. Halten Sie nichts von Gerechtigkeit?“

„Ich war für Gerechtigkeit, als ich den Vertrag unterzeichnete“, sagte der Schuldner. „Damals war sie auf meiner Seite, ich dachte, sie würde mich schützen. Ich brauchte damals keine Barmherzigkeit und dachte auch nicht, dass ich je darauf angewiesen wäre. Ich dachte, Gerechtigkeit wäre für uns beide von Vorteil.“

„Die Gerechtigkeit verlangt, dass Sie jetzt entweder Ihre Schuld bezahlen oder die Strafe hinnehmen“, erwiderte der Gläubiger. „So lautet das Gesetz. Sie waren einverstanden, und so muss es nun geschehen.“

So standen sich die beiden gegenüber: Der eine, der Gerechtigkeit forderte, der andere, der um Barmherzigkeit flehte. Keiner von beiden konnte sich durchsetzen, ohne dem anderen zu schaden.

„Wenn Sie mir nicht die Schuld erlassen, wäre es unbarmherzig“, bettelte der Schuldner.

„Wenn ich es täte, wäre es nicht gerecht“, war die Antwort.

Anscheinend konnten beide Gesetze nicht zugleich eingehalten werden. Die Barmherzigkeit kann die Gerechtigkeit nicht berauben.6 Beides sind ewige Ideale, die einander zu widersprechen scheinen. Gibt es keine Möglichkeit, sowohl die Forderungen der Gerechtigkeit als auch die der Barmherzigkeit zu erfüllen?

Es gibt sie! Dem Gesetz der Gerechtigkeit kann vollständig Genüge getan und umfassende Barmherzigkeit gewährt werden, aber es ist ein Dritter notwendig. So geschah es auch hier.

Der Schuldner hatte einen Freund. Er kam ihm zu Hilfe. Er kannte den Schuldner gut. Er wusste, wie kurzsichtig dieser war. Er hielt ihn für töricht, weil er sich in eine so schlimme Lage gebracht hatte. Trotzdem wollte er ihm helfen, denn er hatte ihn sehr gern. Er trat zwischen die beiden, wandte sich an den Gläubiger und machte ihm folgendes Angebot:

„Ich bezahle die Schulden, wenn Sie den Schuldner aus diesem Vertrag entlassen. So kann er seinen Besitz behalten und muss nicht ins Gefängnis.“

Als der Gläubiger über das Angebot nachdachte, fügte der Mittler hinzu: „Sie haben Gerechtigkeit verlangt. Er kann zwar nicht bezahlen, aber ich übernehme das für ihn. Sie werden gerecht behandelt und können nicht mehr verlangen. Sonst wäre es nicht gerecht.“

Dann wandte sich der Mittler an den Schuldner. „Wenn ich deine Schulden begleiche, akzeptierst du dann mich als Gläubiger?“

„Oh, ja, natürlich!“, rief der Schuldner aus. „Du hast mich ja vor dem Gefängnis bewahrt und barmherzig gehandelt.“

„Dann“, sagte der Wohltäter, „wirst du mir die Schuld bezahlen, und ich lege die Bedingungen fest. Es wird nicht leicht, aber es ist zu machen. Ich werde einen Weg finden. Du musst nicht ins Gefängnis.“

So kam es, dass der Gläubiger vollständig ausbezahlt wurde. Er war gerecht behandelt worden. Der Vertrag war eingehalten worden. Dem Schuldner hingegen war Barmherzigkeit widerfahren. Beide Gesetze waren erfüllt worden. Weil es einen Mittler gab, konnte die Gerechtigkeit vollständig erfüllt werden und auch der Barmherzigkeit war Genüge getan.

Wenn es keinen Mittler gibt, wenn wir keinen Freund haben, trifft uns die Gerechtigkeit mit voller Wucht – ungemildert und gnadenlos! Dann wird der volle Preis für jede Übertretung, ob sie schwer oder auch nur geringfügig war, bis zum letzten Heller von uns gefordert.

Es gibt einen Mittler, einen Erlöser, der willig und auch fähig ist, die Forderungen der Gerechtigkeit zu befriedigen und den Reumütigen Barmherzigkeit zu erweisen, denn „er bringt sich selbst als Opfer für Sünde dar, um den Zwecken des Gesetzes Genüge zu leisten für alle, die ein reuiges Herz und einen zerknirschten Geist haben; und für niemanden sonst kann den Zwecken des Gesetzes Genüge geleistet werden“7. Alle werden eines Tages vor ihm stehen, „um am letzten Tag, dem Tag des Gerichts, gemäß ihren Werken gerichtet zu werden“8, „denn: Einer ist Gott, einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen: … Christus Jesus“9.

Durch ihn kann jedem von uns voll und ganz Barmherzigkeit gewährt werden, ohne dass das ewige Gesetz der Gerechtigkeit verletzt wird. Barmherzigkeit erfährt man aber nicht automatisch. Sie beruht auf einem Bündnis mit Gott. Man erfährt sie nach seinen Bedingungen – seinen großzügigen Bedingungen.

Damit seine Barmherzigkeit wirksam wird, müssen wir umkehren. Alle Übertretungen werden auf unserem Konto verbucht, und wenn es eines Tages nicht ausgeglichen ist, wenn wir nicht umgekehrt sind, werden wir für unwürdig befunden und verurteilt werden.

Umkehr tilgt Schuld und Enttäuschung

Wir alle leben, geistig betrachtet, auf Pump. So oder so wird die Rechnung immer länger. Wenn Sie laufend zahlen, brauchen Sie sich kaum Sorgen machen. Sie üben sich schon bald in Selbstbeherrschung und wissen, dass der Tag der Abrechnung kommt. Achten Sie darauf, Ihr geistiges Konto regelmäßig auszugleichen, und lassen Sie nicht zu, dass sich Zinsen und Säumniszuschläge aufhäufen.

Weil Sie geprüft werden, kann man davon ausgehen, dass Sie einige Fehler machen werden. Ich nehme an, dass Sie in Ihrem Leben manches bedauern, dass Sie sich für manches nicht einmal mehr entschuldigen, geschweige denn, es korrigieren können – darum tragen Sie eine Last. Jetzt ist es an der Zeit, das Wort Schuld zu benutzen: Sie kann Flecken hinterlassen wie urkundensichere Tinte und ist nur schwer abzuwaschen. Mit Schuld verwandt sind Enttäuschung und die Reue wegen entgangener Segnungen und versäumter Gelegenheiten.

Wenn Sie von Schuldgefühlen gepeinigt werden, ähneln Sie dem Volk im Buch Mormon, von dem der Prophet gesagt hat: „Und wegen ihres Übeltuns hatte die Kirche angefangen zu verfallen; und sie fingen an, nicht mehr an den Geist der Prophezeiung und an den Geist der Offenbarung zu glauben; und die Strafgerichte Gottes starrten ihnen ins Gesicht.“10

Wir bemühen uns oft, das Schuldproblem zu lösen, indem wir einander und auch uns selbst einreden, es sei nicht weiter schlimm. Aber irgendwie glauben wir das im Grunde unserer Seele selbst nicht. Wir glauben es auch dann nicht, wenn wir es behaupten, denn wir wissen es besser. Es ist schlimm!

Die Propheten haben noch stets Umkehr gepredigt. Alma hat gesagt: „Denn siehe, er kommt, diejenigen zu erlösen, die sich aus Glauben an seinen Namen zur Umkehr taufen lassen werden.“11

Alma sagte seinem Sohn, der vom rechten Weg abgekommen war, unverblümt: „Nun könnte Umkehr dem Menschen nicht zukommen, wenn nicht eine Strafe, die ebenso ewig ist, wie es das Leben der Seele sein soll, festgesetzt wäre im Gegensatz zum Plan des Glücklichseins.“12

Zwei Absichten werden mit dem irdischen Leben vor allem verfolgt. Die erste ist, einen Körper zu erhalten, der – sofern wir es wollen – rein gemacht, erhöht werden und ewig leben kann. Die zweite Absicht besteht darin, uns zu prüfen. Dabei werden wir sicherlich Fehler begehen. Aber wir können – sofern wir es wollen – aus unseren Fehlern lernen. „Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns.“13

Sie fühlen sich vielleicht minderwertig an Körper und Geist und sind von dem Gewicht einer geistig „überfälligen“ Rechnung beunruhigt oder belastet. Wenn Sie in einem Augenblick stiller Besinnung (dem viele von uns gerne ausweichen) mit sich ins Gericht gehen, ist dann noch etwas offen, was Sie beunruhigt? Lastet etwas auf Ihrem Gewissen? Sind Sie immer noch – mag die Sache gravierend sein oder nicht – mehr oder weniger schuldig?

Allzu häufig erhalten wir einen Brief von jemandem, der einen tragischen Fehler gemacht hat und belastet ist. Er fleht: „Kann mir jemals vergeben werden? Kann ich mich jemals ändern?“ Die Antwort lautet: Ja!

Paulus schrieb an die Korinther: „Noch ist keine Versuchung über euch gekommen, die den Menschen überfordert. Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet. Er wird euch in der Versuchung einen Ausweg schaffen, sodass ihr sie bestehen könnt.“14

Durch das Evangelium wissen wir, dass man durch Umkehr von Qualen und Schuld befreit werden kann. Außer für die ganz, ganz wenigen, die zum Verderben überlaufen, nachdem sie eine Fülle empfangen haben, ist keine Gewohnheit, keine Sucht, keine Auflehnung, keine Übertretung, keine Abtrünnigkeit, kein Vergehen oder Verbrechen von der Verheißung vollständiger Vergebung ausgenommen. Ganz gleich, was in Ihrem Leben geschehen ist: Der Herr hat einen Rückweg vorbereitet, wenn Sie den Eingebungen des Heiligen Geistes folgen.

Manche sind von einem zwanghaften Drang erfüllt – eine Versuchung kreist immer wieder in ihren Gedanken und wird vielleicht zur Gewohnheit und dann zur Sucht. Wir neigen in gewissem Ausmaß zur Übertretung und zur Sünde und auch zu der Ausrede, wir seien unschuldig, weil wir so geboren wurden. Wir tappen in die Falle, und daher rühren der Schmerz und die Qual, die nur der Erretter heilen kann. Doch wir haben die Kraft, aufzuhören, und können erlöst werden.

Der Satan greift die Familie an

Präsident Marion G. Romney hat mir einmal empfohlen: „Sagen Sie etwas nicht nur so, dass man es verstehen kann, sondern sagen Sie es auch so, dass man es nicht missverstehen kann.“

Nephi hat gesagt: „Denn meine Seele erfreut sich an Klarheit; denn auf diese Weise wirkt der Herr, Gott, unter den Menschenkindern. Denn der Herr, Gott, gibt dem Verständnis Licht.“15

Hören Sie also gut zu! Ich werde mich klar ausdrücken als einer, der dazu berufen und verpflichtet ist.

Sie wissen, dass es einen Widersacher gibt. In den Schriften wird er so beschrieben: „Jene alte Schlange, und zwar der Teufel, der der Vater aller Lügen ist.“16 Er wurde am Anfang hinabgeworfen17 und bekam keinen irdischen Körper. Er hat nun geschworen, den „großen Plan des Glücklichseins“18 zu zerschlagen und ist ein Feind aller Rechtschaffenheit geworden. Er konzentriert seine Angriffe auf die Familie.

Sie leben zu einer Zeit, wo die Geißel Pornografie über die Welt fegt. Es ist schwer, ihr zu entgehen. Pornografie zielt auf den Teil Ihrer Natur ab, der Ihnen die Macht verleiht, Leben zu zeugen.

Sich der Pornografie hinzugeben, führt zu Schwierigkeiten, Scheidung, Krankheit und Dutzenden verschiedener Probleme. Es ist nichts Unschuldiges daran. So etwas zu sammeln, anzuschauen oder in irgendeiner Form mit sich herumzutragen, ist so, als ob man eine Klapperschlange im Rucksack trüge. Man setzt sich damit auf geistiger Ebene unausweichlich dem Biss der Schlange mit ihrem tödlichen Gift aus. Da die Welt so ist, wie sie nun einmal ist, ist es leicht zu verstehen, dass man damit fast unschuldig in Berührung kommen kann. Man kann etwas lesen oder sehen, ohne die schrecklichen Folgen zu erkennen. Wenn das auf Sie zutrifft, warne ich Sie. Hören Sie damit auf! Hören Sie sofort auf!

Im Buch Momon steht, dass alle „Menschen genügend unterwiesen [sind], um Gut von Böse zu unterscheiden“19 – Sie also auch. Sie wissen, was richtig und was falsch ist. Hüten Sie sich, die Grenze zu überschreiten.

Zwar kann man die meisten Fehler für sich allein dem Herrn bekennen, aber es gibt einige Übertretungen, die mehr erfordern, um Vergebung zu erlangen. Wenn Ihre Fehler schwerwiegend waren, gehen Sie zum Bischof. Andernfalls genügt einfaches Bekennen, im Stillen und persönlich. Aber denken Sie daran, dass der große Morgen der Vergebung meist nicht mit einem Mal anbricht. Geben Sie nicht auf, wenn Sie am Anfang straucheln. Zur Prüfung gehört auch, dass man Entmutigung überwindet. Geben Sie nicht auf. Und wie ich schon öfter gesagt habe: Wenn Sie Ihre Sünden bekannt und aufgegeben haben, schauen Sie nicht zurück!

Der Herr ist immer da. Er ist bereit, zu leiden und die Strafe zu bezahlen, wenn Sie bereit sind, ihn als Ihren Erlöser anzunehmen.

Der Erretter hat für unsere Sünden gelitten

Als Sterbliche mögen wir nicht, ja, können wir nicht gänzlich verstehen, wie er das Sühnopfer vollbracht hat. Aber im Augenblick ist das Wie nicht so wichtig wie das Warum seines Leidens. Warum hat er es für Sie, für mich, für die ganze Menschheit getan? Er tat es aus Liebe zu Gott, dem Vater, und zur ganzen Menschheit. „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“20

In Getsemani verließ Christus seine Apostel, um zu beten. Was auch immer dort geschah, geht über unser Verständnis hinaus. Aber wir wissen, dass er das Sühnopfer vollendet hat. Er war bereit, die Fehler und Sünden, die Schuld, die Zweifel und die Ängste der ganzen Welt auf sich zu nehmen. Er litt für uns, damit wir nicht leiden müssen. Viele Menschen haben Qualen erlitten und sind einen schmerzlichen, schrecklichen Tod gestorben. Aber seine Qual übertraf das alles.

In meinem Alter habe ich erfahren, was körperlicher Schmerz ist. Es macht keinen Spaß! Niemand verlässt dieses Leben ohne die eine oder andere Erkenntnis, was leiden heißt. Aber am wenigsten kann ich die Qualen ertragen, die sich einstellen, wenn ich erfahre, dass ich das Leid eines anderen verursacht habe. Dann erlebe ich einen flüchtigen Eindruck von der Qual, die der Heiland in Getsemani erlitten hat.

Sein Leiden unterschied sich von dem aller anderen vor und nach ihm, weil er alle Strafen auf sich nahm, die der Menschheit jemals auferlegt worden sind. Stellen Sie sich das einmal vor! Er musste keine Schuld begleichen. Er hatte nichts falsch gemacht. Und doch erlebte er die geballte Menge Schuld, Kummer und Sorgen, Schmerzen und Demütigung, all die geistigen, seelischen und körperlichen Qualen, die der Mensch kennt – er erfuhr das alles. In den gesamten Annalen der Menschheitsgeschichte hat es nur einen gegeben, der völlig frei von Sünde war und daher für die Sünden und Übertretungen der ganzen Menschheit geradestehen und den Schmerz, der mit ihrer Begleichung einherging, überleben konnte.

Er bot sein Leben an und sagte: „Ich bin es, der die Sünden der Welt auf sich nimmt.“21 Er wurde gekreuzigt; er starb. Man konnte ihm das Leben nicht nehmen. Er selbst gab sein Leben auf.

Vollständige Vergebung ist möglich

Wenn Sie gestrauchelt sind oder gar eine Weile verloren gegangen sind, wenn Sie glauben, der der Widersacher halte Sie nun gefangen, so können Sie doch im Glauben vorangehen und brauchen nicht länger in der Welt umherwandern. Es gibt Menschen, die bereitstehen, um Sie zurück zu Frieden und Sicherheit zu führen. Selbst die Gnade Gottes kommt, wie es in der Schrift verheißen wird, „nach allem, was wir tun können“22. Dass dies möglich ist, ist für mich die Wahrheit, die zu kennen den größten Wert hat.

Ich verheiße Ihnen, dass der strahlende Morgen der Vergebung anbrechen kann. Dann wird „der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt,“23 wieder wie ein Sonnenaufgang in Ihr Leben treten, und Sie werden so wie er „[nicht mehr] an [Ihre] Sünde denken“24. Und woran können Sie das erkennen? Sie werden es erkennen!25

Das ist es, was ich Ihnen, die Sie in Schwierigkeiten stecken, vermitteln will. Er wird eingreifen und das Problem lösen, das Sie nicht lösen können, aber Sie müssen den Preis zahlen. Andernfalls geschieht es nicht. Er ist ein sehr gütiger Herrscher in dem Sinne, dass er immer den notwendigen Preis zahlen wird, aber er verlangt, dass Sie das Erforderliche tun, auch wenn es schmerzlich ist.

Ich liebe den Herrn und ich liebe den Vater, der ihn gesandt hat. Wir können unsere Last an Enttäuschung, Sünde und Schuld vor ihn legen, und zu seinen großzügigen Bedingungen kann jeder Posten auf der Rechnung mit dem Vermerk „vollständig bezahlt“ versehen werden.

„Kommt her, wir wollen sehen, wer von uns Recht hat, spricht der Herr. Wären eure Sünden auch rot wie Scharlach, sie sollen weiß werden wie Schnee. Wären Sie rot wie Purpur, sie sollen weiß werden wie Wolle.“ Das heißt, fährt Jesaja fort, „wenn ihr bereit seid zu hören“26.

Kommen Sie zu Christus

Die Schriftstelle „Lerne Weisheit in deiner Jugend; ja, lerne in deiner Jugend, die Gebote Gottes zu halten“27 ist eine Aufforderung, mit der aber auch Friede und Schutz vor dem Widersacher zugesichert wird. „Niemand soll dich wegen deiner Jugend geringschätzen. Sei den Gläubigen ein Vorbild in deinen Worten, in deinem Lebenswandel, in der Liebe, im Glauben, in der Lauterkeit.“28

Erwarten Sie nicht, dass im Leben immer alles glattgeht. Selbst bei denjenigen, die so leben, wie es richtig ist, stellt sich mitunter genau das Gegenteil ein. Begegnen Sie jeder Herausforderung im Leben optimistisch und in der Gewissheit, dass Sie den Frieden und den Glauben haben werden, der Sie jetzt und in Zukunft aufrechterhält.

Denen, die noch nicht alle gewünschten oder ihrer Meinung nach benötigten Segnungen haben, sage ich: Ich glaube fest daran, dass Ihnen keine Erfahrung oder Gelegenheit, die sie zur Erlösung und Errettung brauchen, vorenthalten wird, wenn Sie dem Glauben treu bleiben. Bleiben Sie würdig, seien Sie voller Hoffnung, geduldig und beten Sie stets. Irgendwie wird sich alles zum Besten wenden. Die Gabe des Heiligen Geistes wird Sie leiten und Ihr Handeln bestimmen.

Wenn Sie zu denen gehören, die sich mit Schuldgefühlen, Enttäuschung oder Depressionen herumschlagen, weil sie Fehler gemacht haben oder Segnungen noch nicht eingetreten sind: Achten Sie auf die tröstlichen Worte des Liedes29, das der Chor am Ende der Versammlung singen wird.

Ich erhebe zusammen mit meinen Brüdern, den Aposteln, den Anspruch, ein besonderer Zeuge des Herrn Jesu Christi zu sein. Dieses Zeugnis wird jedes Mal aufs Neue bestätigt, wenn ich in mir oder in anderen die läuternde Wirkung des heiligen Opfers Christi wahrnehme. Mein Zeugnis und das meiner Brüder ist wahr. Wir kennen den Herrn. Er ist seinen Propheten, Sehern und Offenbarern kein Fremder.

Abschliessend möchte ich sagen: Ich kenne Sie – die Jugend der Kirche –, und mir ist bewusst, dass Sie nicht vollkommen sind, aber Sie sind auf dem Weg dorthin. Haben Sie Mut. Seien Sie sich bewusst, dass jeder, der einen Körper hat, Macht über denjenigen hat, der keinen hat.30 Dem Satan wurde ein Körper verwehrt; wenn Sie sich also jemals Versuchungen ausgesetzt sehen, seien Sie sich bewusst, dass Sie ihnen gewachsen sind, wenn Sie nur die Entscheidungsfreiheit richtig gebrauchen, die Adam und Eva im Garten erhalten haben und die bis zu dieser Generation weitergegeben wurde.

Ich bitte um einen Segen für Sie, dass Ihr Leben erfüllt ist und Sie Frieden finden können. Mögen Sie mit Hoffnung vorausblicken und den Wunsch haben, das zu tun, was der Herr von Ihnen will – mehr wird nicht von Ihnen erwartet. Im Namen Jesu Christi. Amen.

© 2011 Intellectual Reserve, Inc. Alle Rechte vorbehalten. Genehmigung: Englisch 9/11. Übersetzung 9/11. Das Original trägt den Titel: Truths Most Worth Knowing. German.PD50036632 150

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    Henry Wadsworth Longfellow, „A Psalm of Life“, 1838, aus: The Complete Poetical Works of Longfellow, 1922, Seite 3

  2.   2.

    Lehre und Bündnisse 107:23

  3.   3.

    Johannes 14:7

  4.   4.

    Moroni 10:5

  5.   5.

    Siehe Boyd K. Packer, „Der Mittler Jesus Christus“, Liahona, April 2011, Seite 57f.

  6.   6.

    Siehe Alma 42:25

  7.   7.

    2 Nephi 2:7

  8.   8.

    Alma 33:22

  9.   9.

    1 Timotheus 2:5

  10.   10.

    Helaman 4:23

  11.   11.

    Alma 9:27

  12.   12.

    Alma 42:16

  13.   13.

    1 Johannes 1:10

  14.   14.

    1 Korinther 10:13

  15.   15.

    2 Nephi 31:3

  16.   16.

    2 Nephi 2:18

  17.   17.

    Siehe Lehre und Bündnisse 29:36-38

  18.   18.

    Alma 42:8

  19.   19.

    2 Nephi 2:5

  20.   20.

    Johannes 15:13

  21.   21.

    Mosia 26:23

  22.   22.

    2 Nephi 25:23

  23.   23.

    Philipper 4:7

  24.   24.

    Jeremia 31:34

  25.   25.

    Siehe Mosia 4:1-3

  26.   26.

    Jesaja 1:18,19

  27.   27.

    Alma 37:35

  28.   28.

    1 Timotheus 4:12

  29.   29.

    Siehe Hymns, Nr. 117

  30.   30.

    Siehe Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Smith, 2007, Seite 232