Wir waren die beste Generation

CES-Fireside für junge Erwachsene • 6. März 2011 • Brigham-Young-Universität


 

Es ist immer überwältigend, hier zu stehen und diese Gruppe schöner und gutaussehender junger Erwachsener vor mir zu sehen. Noch ergreifender ist die Vorstellung, dass zehntausende von Ihnen in Versammlungen überall auf der Welt zusammengekommen sind.

Sie sind die Zukunft der Kirche

Die Jahre vergehen im Fluge, und eines Tages werden Sie an diese Zeit als eine besonders spannende in Ihrem Leben zurückdenken. Ich setze großes Vertrauen in die jungen Erwachsenen der Kirche. Eine der eindringlichsten Offenbarungen überhaupt empfing ich, als ich mich darauf vorbereitete, als Präsident des Gebiets Europa Mitte tätig zu werden.

In einer schlaflosen Nacht kam mir die Eingebung, dass die jungen Erwachsenen die Zukunft der Kirche in Europa seien. Auf sie müsste ich mich konzentrieren. Diese Zeit damals war eine besonders lohnende in den langen Jahren meines geistlichen Dienstes. Während der letzten paar Jahre wurden einige sehr zufriedenstellende Ergebnisse erzielt, denn wir haben uns Ihre Anregungen und Anliegen angehört.

Gemeinsam haben wir herausgefunden, wie wir Ihnen helfen können, Ihre Freunde in großer Zahl zum Gottesdienst mitzubringen. Ich habe erlebt, welch glühende geistige Kraft die jungen Erwachsenen der Kirche antreibt. Ich kenne Ihre Fähigkeiten. Ich weiß, wie Sie einander stärken und Ihre Freunde mit dem wiederhergestellten Evangelium Jesu Christi bekannt machen.

Doch Sie sind jung, und ich bin alt. Viele Jahre liegen zwischen uns. Als ich so alt war wie Sie, verwendete ich im Buchführungsunterricht zum Rechnen einen Rechenschieber. Ich zeige Ihnen einmal, wie das geht. Bei meinen Ansprachen spreche mit einer Geschwindigkeit von 140 Wörtern pro Minute. Wenn ich den Rechenschieber zur Wortsumme meines Textes hinschiebe, kann ich die Sprechdauer ablesen. Für mich geht das auf diese Weise viel schneller als mit einem modernen Taschenrechner. Aber um mit Ihrem hellen Kopf mithalten zu können, musste ich für fast alle anderen Berechnungen mit der Zeit gehen und mich mit den heutigen Geräten anfreunden.

Um mit Ihnen Schritt zu halten, musste ich oft umlernen, bis ich mit modernster Technik einigermaßen zurechtkam. Ich habe gelernt, mit einer mechanischen Rechenmaschine umzugehen, mit einer 1401er Lochkarte und mit einem 360-MB-Festplattenrechner. Es folgten Laptop, Palm Pilot, Blackberry, iPod und iPhone, und jetzt habe ich ein iPad. Dazu kommen noch Facebook, Twitter, Blogs und YouTube. Überlegen Sie einmal, was es für einen 88-Jährigen bedeutet, mit Ihnen mithalten zu wollen!

Es ist eine große Herausforderung für meine Generation, mitzubekommen, was Sie alles hervorbringen, und damit zurechtzukommen. Aber eines haben wir Ihnen voraus: Wir haben all diese Veränderungen bewältigt. Wir haben durch unsere Kenntnis einiger einfacher Grundlagen, die noch immer sehr wertvoll sind und auf die man aufbauen kann, an Erfahrung gewonnen. Sie können darüber nur lesen. Ich möchte über einige dieser einfachen Grundlagen sprechen, die man nie aufgeben oder über Bord werfen darf.

Machen Sie aus sich die beste Generation

Vor ein paar Jahren bezeichnete ein bekannter Journalist einige Männer und Frauen meiner Tage als „die beste Generation“. Dieser Journalist, Tom Brokaw, erklärte:

„Diese Männer und Frauen wurden während der Weltwirtschaftskrise groß, als wirtschaftlich Verzweiflung über dem Land lag wie eine Seuche. Sie mussten mit ansehen, wie ihre Eltern ihr Geschäft, ihren Hof, ihre Arbeit und die Hoffnung verloren. Sie mussten sich mit einer Zukunft anfreunden, die sich Tag für Tag neu ergab. Und dann, gerade als sich wirtschaftlich eine Erholung andeutete, brach in Europa und Asien der Krieg aus. … Diese Generation wurde auf den Exerzierplatz einberufen und für den Krieg ausgebildet. Die Menschen ließen ihre Ranch zurück … , ihren Job auf der Einkaufsmeile … , sie gaben ihren Platz am Fließband auf … oder ihren Rang an der Wall Street, sie brachen ihre Ausbildung ab oder tauschten Talar und Doktorhut gleich gegen die Uniform ein. …

Sie sahen sich großer Ungewissheit gegenüber und einem späten Start ins Leben, aber sie begehrten nicht auf. Zu einer Zeit, da ihre Tage und Nächte eigentlich mit harmlosen Abenteuern, Liebe und den Lektionen des Arbeitslebens hätten ausgefüllt sein sollen, standen sie im Kampf, oft Mann gegen Mann, unter allerprimitivsten Bedingungen. … Tag um Tag durchflogen sie den Luftraum, wo Angst und Schrecken herrschten, oder sie fuhren zur See, in feindlichen Gewässern, fernab heimatlicher Gestade. …

Nach Kriegsende wurden die Heimkehrer, Männer wie Frauen, … gefeiert – fröhlich, aber nur kurz, denn gleich darauf mussten sie sich wieder ein Leben aufbauen und eine Welt nach ihren Wünschen. Sie waren reifer, als es ihrem Alter entsprochen hätte, geprägt von dem, was sie durchgemacht hatten, und durch die … Ausbildung und die Opfer, die sie gebracht hatten, geschult. Die Eheschließungen erreichten Rekordzahlen, und daraus ging eine neue … Generation hervor. Sie blieben ihren Werten treu: Eigenverantwortung, Pflicht, Ehre und Glaube.“1

Als ich in Ihrem Alter war, freute ich mich auf dasselbe, was Sie sich heute wünschen. Wir erwarteten, dass wir uns verlieben, eine Ausbildung durchlaufen, ins Berufsleben starten und heiraten würden. Stattdessen wurden wir einberufen und in alle Welt hinausgeschickt, um in einem schrecklichen Krieg zu kämpfen, mit dem unsere gesetzlich geschützten Grundrechte gesichert werden sollten, die Meinungsfreiheit, Handlungs- und Versammlungsfreiheit und das Recht auf politische Selbstbestimmung. Unser Dienst galt nicht nur uns selbst – er sollte auch unser Beitrag für die Generationen sein, die uns nachfolgen würden. Wir stellten uns dem bereitwillig. Das erforderte großen Mut.

Auch wenn ich die Bezeichnung nicht nur für mich beanspruche, bin ich doch einer der verbliebenen Überlebenden dieser „besten Generation“. Wenn ich in die Zukunft blicke – und in Ihre Zukunft – bete ich darum, dass Sie vorwärts gehen mögen und Ihrer Verantwortung nachkommen, das edle Erbe unserer Vergangenheit zu bewahren. Ich bete darum, dass eines Tages Sie als „die beste Generation“ bekannt sein werden.

Der Krieg, der vor Ihnen liegt, ist ganz anders. Mir ist völlig klar, dass Ihre Herausforderungen viel größer sein werden als unsere. Wir wussten, wer unser Feind auf dem Schlachtfeld war. Er hat ja auf uns geschossen! Der Feind heute ist viel unheimlicher. Er fordert uns nicht immer Mann gegen Mann zum Kampf. Stattdessen verbirgt er sich in fast jedem Gerät, das man nur kennt. Sein Ziel ist es, uns hier eine schlechte Idee und da einen bösen Gedanken unterzuschieben, um uns von den Tugenden abzubringen, die unsere herrliche Geschichte uns gelehrt hat. In seinem schlauen Plan hat er Wege ersonnen, unseren christlichen Glauben zu schwächen.

Heute möchte ich zu Ihnen darüber sprechen, dass die Grundlage des christlichen Glaubens überall in der Welt wankt.

Stärken Sie den Glauben an den Erlöser

Ihre Aufgabe ist es, den Kindern des himmlischen Vaters dabei zu helfen, dass sie sich ihren christlichen Grundlagen wieder zuwenden, indem sie Glauben an den Heiland und seine Mittel und Wege entwickeln.

„Papst Benedikt XVI. hat beklagt, dass [die] Kirchen in Europa, Australien und den [Vereinigten Staaten] an Einfluss verlieren. [Er hat gesagt:] ,Es deutet nichts mehr darauf hin, dass die Menschen Gott oder gar Christus brauchen. … Es sieht so aus, als ob die sogenannten traditionellen Kirchen aussterben.‘“2

Wir haben uns von der traditionellen Gottesverehrung entfernt. Immer mehr Menschen erklären, sie seien eher spirituell eingestellt als religiös – wenn eine Lehre zu ihrem Lebensstil passt, nehmen sie sie an und sie wird zu einem Teil ihres Glaubens. Wenn nicht, entwickeln sie ihren eigenen, von Menschen erdachten Glauben. Glaube und Spiritualität werden heute als Verbrauchsgüter betrachtet. Der Materialismus hat das Ruder übernommen und Gott ersetzt. Wir müssen unsere Stimme als Gegenpol zu dieser gefährlichen Entwicklung erheben, die darauf ausgerichtet ist, den Glauben der Menschen zu vernichten.

Im Buch Mormon werden wir wiederholt davor gewarnt, unser Vertrauen auf Gott durch etwas zu ersetzen, was nicht von Dauer ist. Eine Zeit, in der viele Nephiten sich vom Glauben entfernten, wird darin so geschildert: „Sie wurden stolz, weil sie im Herzen überheblich waren wegen ihrer überaus großen Reichtümer; darum wurden sie in ihren eigenen Augen reich und schenkten [den] Worten [der Propheten] keine Beachtung, nämlich dass sie untadelig vor Gott wandeln sollten.“ (Alma 45:24.)

Meine jungen Freunde, da Sie ja sehen, wie der christliche Glaube in der Gesellschaft immer mehr abnimmt, muss Ihr eigener Glaube sogar noch fester und sicherer werden. Helaman hat erklärt: „Denkt daran, dass es auf dem Fels unseres Erlösers ist, und das ist Christus, der Sohn Gottes, dass ihr eure Grundlage bauen müsst; damit, wenn der Teufel seine mächtigen Winde aussenden wird, ja, seine Pfeile im Wirbelsturm, ja, wenn all sein Hagel und sein mächtiger Sturm an euch rütteln, dies keine Macht über euch haben wird, euch in den Abgrund des Elends und des endlosen Wehs hinabzuziehen, und zwar wegen des Felsens, auf den ihr gebaut seid, der eine sichere Grundlage ist, und wenn die Menschen auf dieser Grundlage bauen, können sie nicht fallen.“ (Helaman 5:12.)

Nephi erinnert uns: „Wir reden von Christus, wir freuen uns über Christus, wir predigen von Christus, wir prophezeien von Christus, und wir schreiben gemäß unseren Prophezeiungen, damit unsere Kinder wissen mögen, von welcher Quelle sie Vergebung ihrer Sünden erhoffen können [und das] Leben, das in Christus ist, … denn der rechte Weg ist, an Christus zu glauben.“ (2 Nephi 25:26-28.)

Haben wir eine Grundlage, die diese Behauptung untermauert?

Die Symbole für das Opfer Christi haben alle Zeitalter überdauert

Die am besten belegte Tatsache aller Zeiten ist der Bericht über die Mission unseres Herrn und Erlösers auf der Erde. Seine Mission wurde von den Anfängen der Menschheitsgeschichte an vorhergesagt.

Dafür nur ein Beispiel. In Mose, Kapitel 5, lesen wir:

„Und es begab sich: Nachdem ich, der Herr, Gott, sie hinausgetrieben hatte, fing Adam an, die Erde zu bebauen und über alle Tiere des Feldes zu herrschen und sein Brot im Schweiße seiner Stirn zu essen, wie ich, der Herr, es ihm geboten hatte. Und auch Eva, seine Frau, arbeitete mit ihm. …

Und Adam und Eva, seine Frau, riefen den Namen des Herrn an, und sie vernahmen die Stimme des Herrn aus der Richtung vom Garten von Eden her, wie er zu ihnen sprach; und sie sahen ihn nicht, denn sie waren aus seiner Gegenwart ausgeschlossen.

Und er gab ihnen Gebote, dass sie den Herrn, ihren Gott, anbeten sollten und die Erstlinge ihrer Herden dem Herrn als Opfer opfern sollten. Und Adam war den Geboten des Herrn gehorsam.

Und nach vielen Tagen erschien Adam ein Engel des Herrn und sprach: Warum bringst du dem Herrn Opfer dar? Und Adam sprach zu ihm: Ich weiß nicht, außer dass der Herr es mir geboten hat.

Und dann sprach der Engel, nämlich: Dies ist ein Sinnbild für das Opfer des Einziggezeugten des Vaters, der voller Gnade und Wahrheit ist.

Darum sollst du alles, was du tust, im Namen des Sohnes tun, und du sollst umkehren und Gott im Namen des Sohnes anrufen immerdar.“ (Vers 1,4-8.)

Damit wurden Opfer auf der Erde als Verordnung des Evangeliums eingeführt. Sie sollten kraft der Vollmacht des Priestertums dargebracht werden und auf das bevorstehende Opfer des Menschensohnes hindeuten, der sein Leben für die Sünden der Welt hingeben sollte.

Diese heilige Handlung wurde formell immer so gestaltet, dass sie konkret auf das Opfer des Herrn hinwies, der in der Mitte der Zeit kommen sollte. Zum Pascha beispielsweise wurde ein männliches, einjähriges Lamm, ohne Fehl und Makel, als Opfer ausgewählt. Das Blut wurde vergossen und es wurde darauf geachtet, dass dem Lamm keine Knochen gebrochen wurden – alles symbolhaft für die Umstände beim Tod des Erretters.

Ich finde es erstaunlich, dass durch alle Zeitalter von Adam bis hin zur Zeit des Erretters weiterhin Opfer dargebracht wurden. Obwohl es immer wieder Zeiten des Abfalls vom Glauben gab, blieb den Menschen doch stets die Hoffnung klar im Bewusstsein, dass der Herr durch seinen einziggezeugten Sohn für die Sünden der Menschheit sühnen würde und dass sein sühnendes Blut die Unsterblichkeit ermöglichen würde.

Der Brauch, Opfer darzubringen, wurde generell abgeschafft, als der Heiland zur Erde kam. Das Abendmahl wurde eingeführt, um die Jünger des Herrn daran zu erinnern, dass er auf Erden gewesen war und seine irdische Mission erfüllt hatte. Wir lesen in Lukas 22:19,20:

„Und er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis!

Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.“

Auch hier staune ich darüber, dass dies zur Erinnerung durch Generationen hindurch auf vielerlei Weise und in verschiedener Form praktiziert wurde, sogar über die finstere Zeit des Abfalls vom Glauben hinweg, bis zur Wiederherstellung des Evangeliums, als auf der Erde wieder die Priestertumsmacht vorhanden war, die erforderlich ist, um diese errettende heilige Handlung zu vollziehen.

Durch alle Zeitalter der belegten Geschichte hindurch wird beständig an die Mission unseres Erretters erinnert. Er kam mit doppeltem Bürgerrecht auf die Erde, einem göttlichen und einem menschlichen. Damit konnte er sein großes, ihn adelndes Opfer für uns alle darbringen, indem er für uns sühnte. Könnte es einen schlagenderen Beweis dafür geben, dass er Jesus, der Messias ist, der Erretter der Welt, als dass seine Lehren durch alle Zeitalter hindurch befolgt wurden? Er hat uns sein Evangelium gegeben, das uns während unseres Erdendaseins führen und leiten soll.

Zeigen Sie der Welt, dass das Evangelium Jesu Christi wahr ist

Präsident David O. McKay hat gesagt:

„Verantwortlich dafür, der Welt zu zeigen, dass das Evangelium Jesu Christi ihre Probleme lösen wird, sind die Menschen, die das behaupten. … Ich glaube, … dass jedes Problem auf dieser Welt durch Gehorsam gegenüber den Grundsätzen des Evangeliums Jesu Christi gelöst werden kann. …

Die Lösung der großen Probleme der Welt ist hier zu finden, in der Kirche Jesu Christi. Es ist reichlich vorhanden, nicht nur für die Bedürfnisse des Einzelnen, sondern auch für die des Volkes oder ganzer Völkergruppen. … Ich gebe zu, es mag so aussehen, als hielten wir uns für klüger als andere, aber dem ist nicht so. Wir wenden einfach den Plan Gottes auf die Probleme der Welt an. Sie, die Sie das Priestertum tragen, tragen heute mehr Verantwortung, als sie die Kirche je hatte, da Sie in dieser erfindungsreichen Phase der Weltgeschichte leben. Ich wiederhole: Wenn wir behaupten, die Wahrheit zu haben, ist jedes Mitglied der Kirche verpflichtet, so zu leben, dass die Menschen der Welt, wenn sie dem Ruf folgen und von der Frucht des Baumes kosten, diese bekömmlich und gut finden.“3

Die wunderbare Botschaft, die wir der Welt bringen, lautet, dass das Evangelium unseres Herrn und Heilands auf der Erde wiederhergestellt worden ist. Seine Kirche ist wieder auf der Erde, und zwar mit der Macht und Herrlichkeit des heiligen Priestertums.

Denen, die dazu ordiniert wurden, ist die Macht verliehen, an der Stelle des Herrn zu handeln und die Lehren, Verordnungen, Grundsätze und Mächte zu bringen, die auf Erden binden, was auch im Himmel gebunden sein wird. Dies ist die Kirche des Erretters. Er leitet die Angelegenheiten seiner Kirche durch seine erwählten Propheten. Die Propheten wiederum lehren andere das Evangelium und geben Zeugnis von Jesus als unserem Erretter und Erlöser. Jetzt ist die Evangeliumszeit der Fülle, von der die Propheten seit Anbeginn der Zeit gesprochen haben. Es ist die Zeit, in der sich alles erfüllt, was aufgezeichnet wurde, um hervorzukommen, wie es die Propheten des Herrn vorhergesagt haben und wie es in den heiligen Schriften festgehalten wurde. Dies ist keine neue Kirche, sondern eine Kirche, die der Welt in der heutigen Zeit wiederhergestellt wurde.

Sie sind die Generation, die der Herr für diesen Tag bewahrt hat. Sie sind im Wasser der Taufe einen Bund mit dem Herrn eingegangen und haben ihm versprochen, als seine Stellvertreter anderen zu helfen, ihre weltlichen Wege hinter sich zu lassen und sich wieder den Segnungen zuzuwenden, die uns verheißen sind, sofern wir dem Herrn folgen und sein Evangelium leben. Sie können den Kindern des Vaters im Himmel helfen, sich ihrem christlichen Glauben wieder zuzuwenden, Glauben an den Herrn aufzubringen und zu seinen Mitteln und Wegen zurückzukehren.

Was Sie tun können

Sie fragen sich vielleicht: „Was kann ich da tun?“ Vor ein paar Monaten schlug unser Pfahlpräsident in der Abendmahlsversammlung vier Punkte vor, wie wir andere zurückholen können.

Erstens: täglich beten. Mir gefällt folgende Aussage im Bible Dictionary (Bibelwörterbuch): „Sobald wir erkannt haben, in welcher Beziehung wir tatsächlich zu Gott stehen (nämlich, dass Gott unser Vater ist und wir seine Kinder sind), bekommt unser Beten sofort etwas Natürliches, ganz Selbstverständliches (Matthäus 7:7-11). Viele der sogenannten Schwierigkeiten beim Beten rühren daher, dass diese Beziehung außer Acht gelassen wird. Das Beten ist die Handlung, durch die der Wille des himmlischen Vaters und der seines Kindes in Einklang gebracht werden. Das Beten dient nicht dazu, den Willen Gottes zu ändern, sondern dazu, dass wir uns und anderen Segnungen sichern, die Gott schon für uns bereithält, die aber davon abhängen, dass wir darum bitten. Um diese Segnungen zu erlangen, müssen wir arbeiten und uns anstrengen. Beten ist eine Art Arbeit und als Mittel dafür festgesetzt, die allerhöchsten Segnungen zu erlangen.“4

Präsident Thomas S. Monson hat gesagt:

„Jedem, der mich hören kann und der mit Schwierigkeiten und Herausforderungen zu kämpfen hat – seien sie groß oder klein –, sage ich: Das Beten ist die Quelle geistiger Kraft. … Indem wir beten, nahen wir uns dem Vater im Himmel, der uns liebt. Sprechen Sie im Gebet zu ihm und hören Sie dann zu, was er antwortet. Durch das Gebet werden Wunder gewirkt. …

Vergessen Sie nicht, inniglich zu beten.“5

Beten Sie täglich und helfen Sie dann anderen, sich wieder ihrem christlichen Glauben zuzuwenden, indem Sie sie ermuntern, auf die Knie zu gehen und zu Gott zu beten.

Zweitens: täglich die heiligen Schriften studieren. Könnte es stärkere Zeugnisse für Jesus Christus geben als die Zeugnisse, die wir im Buch Mormon finden? In 233 von den 239 Kapiteln wird der Erretter erwähnt. Ist das nicht erstaunlich?

Studieren Sie unbedingt täglich in den heiligen Schriften. Helfen Sie dann anderen, sich wieder ihrem christlichen Glauben zuzuwenden, indem Sie sie ermuntern, ebenfalls täglich die heiligen Schriften zu studieren.

Drittens: tempelwürdig sein. Einige von Ihnen waren bereits im Tempel, andere nicht. Es ist gut, wenn man versteht, was erforderlich ist, um einen Tempelschein zu erhalten. Wir kennen den Ablauf ganz genau. Man sucht einen Richter in Israel auf und bestätigt ihm, dass man würdig ist, einen gültigen Tempelschein zu haben, und dann lebt man nach den Maßstäben, die Voraussetzung dafür sind, dass man ihn hat.

Leben Sie so, dass Ihr rechtschaffenes Beispiel zeigt, wie man lebt, um der Segnungen des Tempels würdig zu sein.

Viertens: täglich dienen. Denken Sie an die Worte König Benjamins: „Und siehe, ich sage euch dies, damit ihr Weisheit lernt, damit ihr lernt, dass, wenn ihr im Dienste eurer Mitmenschen seid, ihr nur im Dienste eures Gottes seid.“ (Mosia 2:17.) Der Herr erhört unsere Gebete buchstäblich durch das Gute, was wir für andere tun.

Dienen Sie vorbildlich so, wie Christus es täte, und helfen Sie anderen, sich ihrem christlichen Glauben wieder zuzuwenden, indem Sie sie auch dazu ermuntern, zur Tat zu schreiten und ihren Mitmenschen zu dienen.

„Vorwärts, Christi Jünger“

Als ich so alt war wie Sie, habe ich etwas erlebt, was mich erkennen ließ, wie wichtig es ist, zu dienen. Vor zehn Jahren habe ich davon in dem Film Besondere Zeugen Christi berichtet. Heute möchte ich noch einmal darüber sprechen:

„Ich habe etwas erlebt, was mir immer wieder vor Augen führt, welche Freude es bringen kann, wenn man sich die Frage stellt: ‚Was würde der Erretter in dieser Situation tun?‘

Ich gehörte zur ersten Gruppe des Marine Corps, das nach Unterzeichnung des Friedensabkommens am Ende des Zweiten Weltkriegs in Japan an Land ging. Als wir das verwüstete Nagasaki betraten, war dies eins meiner traurigsten Erlebnisse. Ein großer Teil der Stadt war völlig zerstört. Einige Tote waren noch nicht beerdigt. Als Besatzungstruppen errichteten wir unser Hauptquartier und machten uns an die Arbeit.

Die Lage war schrecklich trostlos, und einige von uns wollten mehr geben. Also gingen wir zum Feldgeistlichen unserer Einheit und baten um Erlaubnis, beim Wiederaufbau christlicher Kirchen mitzuhelfen. Wegen der durch die Regierung erlassenen Beschränkungen während des Krieges gab es so gut wie kein Gemeindeleben mehr. Die wenigen Gebäude waren arg beschädigt. Einige von uns boten an, diese Gebäude in unserer dienstfreien Zeit zu reparieren und neu zu verputzen, damit dort wieder Gottesdienste abgehalten werden konnten.

Wir beherrschten die Sprache nicht. Alles, was wir tun konnten, war Gebäude reparieren. Wir fanden die Geistlichen, die während der Kriegsjahre nicht hatten amtieren können, und ermutigten sie, auf ihre Kanzel zurückzukehren. Es war herrlich, mitzuerleben, wie diese Menschen wieder die Freiheit erfuhren, ihren christlichen Glauben auszuüben.

Als wir Nagasaki verließen, um nach Hause zurückzukehren, geschah etwas, was ich nie vergessen werde. Als wir in den Zug stiegen, der uns zu unseren Schiffen nach Hause bringen sollte, wurden wir von vielen Kameraden aufgezogen. Sie hatten ihre Freundinnen dabei, um sich zu verabschieden. Sie lachten über uns und meinten, dass wir das Beste am Aufenthalt in Japan versäumt hätten. Wir hätten unsere Zeit damit vergeudet, zu arbeiten und Wände zu verputzen.

Gerade als ihre Hänseleien den Höhepunkt erreicht hatten, kamen rund zweihundert der japanischen Christen, deren Kirchen wir repariert hatten, über eine Anhöhe beim Bahnhof und sangen ,Vorwärts, Christi Jünger‘. Sie kamen herab und überschütteten uns mit Geschenken. Dann reihten sie sich am Gleis entlang auf, und als der Zug losfuhr, reichten wir mit den Händen hinaus und berührten im Wegfahren ihre Finger. Wir konnten vor Rührung nicht sprechen, doch wir waren dankbar, dass wir einen kleinen Teil dazu hatten beitragen können, das Christentum nach dem Krieg in einem Land wieder aufzubauen.“6

Gehen Sie eine neue Verpflichtung ein

Ich weiß, dass Gott lebt. Ich weiß, dass wir alle seine Kinder sind und dass er uns liebt. Ich weiß, dass er seinen Sohn als Sühnopfer für die ganze Menschheit auf die Welt gesandt hat und dass diejenigen, die sein Evangelium annehmen und ihm folgen, ewiges Leben erlangen werden, die größte aller Gaben Gottes. Ich weiß, dass er die Wiederherstellung des Evangeliums hier auf Erden durch den geistlichen Dienst des Propheten Joseph Smith gelenkt hat. Ich weiß, dass die einzige Freude und das einzige Glück, das wir in unserem sterblichen Dasein je finden und das auch andauern wird, dadurch kommt, dass wir dem Erretter folgen, seinem Gesetz gehorchen und seine Gebote halten.

Meine jungen Freunde, heute fordere ich Sie auf, eine neue Verpflichtung einzugehen. Ich fordere Sie auf, „die beste Generation“ zu werden, indem Sie mithelfen, die Kinder unseres himmlischen Vaters zu ihrem christlichen Glauben zurückzuführen und zu der starken religiösen Grundlage, die unabdingbar ist, wenn man inneren Frieden und wahres Glück in dieser irdischen Bewährungszeit erfahren will.

Möge Gott Sie mit dem Mut, der Kühnheit, der Begeisterung und dem Wunsch segnen, den Glauben an das Evangelium unseres Herrn und Heilands wiederzuerwecken. Er lebt. Das ist das Zeugnis, das ich Ihnen in seinem heiligen Namen gebe. Im Namen Jesu Christi. Amen.

© 2011 Intellectual Reserve, Inc. Alle Rechte vorbehalten. Genehmigung: Englisch 6/10, Übersetzung 6/10. Das Original trägt den Titel: We Were the Greatest Generation. German. PD50029874 150

Quellenangaben anzeigen

    Anmerkungen

  1.   1.

    Tom Brokaw, The Greatest Generation, 1998, Seite XIXf.

  2.   2.

    Noelle Knox, „Religion Takes a Back Seat in Western Europe“, USA Today, 11. August 2005, http://www.usatoday.com/news/world/2005-08-10-europe-religion-cover_x.htm

  3.   3.

    David O. McKay, Gospel Ideals, 1953, Seite 5

  4.   4.

    Bible Dictionary, „Prayer“

  5.   5.

    Thomas S. Monson, Liahona, Mai 2009, Seite 68f.

  6.   6.

    L. Tom Perry, Mitschrift von der DVD Special Witnesses of Christ, 2003