Was geschah als Nächstes?

Rosemary M. Wixom

Präsidentin der Primarvereinigung


 

Frohe Weihnachten!

Jetzt haben wir wieder Weihnachten, und die Kinder bringen uns den Zauber der Weihnacht ins Herz. Wir versäumen etwas, wenn wir Weihnachten nicht mit den Augen eines Kindes sehen, denn Kinder sehen die Lichter, hören die Musik und riechen den Duft der Weihnachtsbäume und Süßigkeiten mit freudiger Erwartung. Wir sehen ihre rosa Bäckchen und kleinen Näschen gegen Schaufenster gedrückt. Sie träumen von Heiligabend und zählen mit ihren Fingerchen die Tage bis zum 24. Dezember. Auch die Eltern zählen die Tage bis zum 24. Dezember. Bei ihren Planungen und den Überraschungen, die sie für ihre Kinder vorbereiten, träumen sie davon, bis Heiligabend mit allem fertig zu werden.

Als ich ein Kind war, nähte meine Mutter oft eine Weihnachtsüberraschung für mich und meine Zwillingsschwester. Sie stellte ihre Nähmaschine bereits einen Monat vorher in ihrem Schlafzimmer auf und achtete darauf, dass die Zimmertür verschlossen blieb, während sie arbeitete. Die Tage vor Weihnachten nähte sie dann bis tief in die Nacht. Wenn die Kleidungsstücke fast fertig waren und uns nur noch genau angepasst und der Rocksaum markiert werden musste, hatte sie einen Plan, um die Überraschung nicht zu verderben. Da kam dann eine Augenbinde ins Spiel. Meine Mutter verband uns der Reihe nach die Augen, führte uns in ihr Schlafzimmer, streifte uns das Kleidungsstück über und achtete unablässig darauf, dass die Augenbinde richtig saß. Das funktionierte sehr gut – nur das eine Mal nicht, als das Telefon im Nebenzimmer klingelte.

Als sie hinausging, sagte sie noch: „Ich bin gleich wieder zurück. Wagt es ja nicht, zu schauen!“ Sie fragen sich vielleicht: „Was geschah als Nächstes?“

Ich kann es Ihnen sagen: Es war ein Trägerkleid aus rotem Samt.

Lassen Sie mich erzählen, warum die Frage „Was geschah als Nächstes?“ eine wahrhaft weihnachtliche Bedeutung hat.

Eines Tages mitten im Dezember ergriff Amy Johnston, die Rudelführerin einer PV-Scout-Gruppe aus Gilbert/Arizona, einmal die Gelegenheit, ein paar energiegeladenen Achtjährigen von der Geburt Christi zu erzählen. Sie hatte das Gefühl, sie solle die geplante Aktivität aufschieben und den Jungen vom allerersten Weihnachtsfest erzählen. Sie scharte sie in ihrem Wohnzimmer um sich herum auf dem Boden und las ihnen einige Schriftstellen aus der Bibel vor. Dazu zeigte sie Bilder, die die heilige Geschichte von Maria und Josef, den Hirten, dem Stern und der Geburt des kleinen Jesus in einem Stall in Betlehem besser untermalen sollten.

Sie las vor:

„So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; …

Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. …

Und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.

Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr,

der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll:

Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“1

Als sie so über die Geburt Jesu sprach, bemerkte sie, dass alle Jungen von Zeit zu Zeit zuhörten, einer aber, John, geradezu jedes Wort in sich aufsog. John war ein richtiger Wildfang, der fast nie still saß, aber als sie die Geschichte erzählte, war er ganz aufmerksam und fragte dann: „Und was geschah als Nächstes?“

Daraufhin erzählte sie den Jungen von der Kindheit Jesu. Sie sagte: „Jesus war ein Junge, ganz so wie ihr. Er lief gerne herum und spielte. Aber auch seine Weisheit nahm zu.“2 Sie erzählte ihnen, dass Jesus sich mit gerade einmal zwölf Jahren zusammen mit seiner Familie nach Jerusalem begeben hatte. Als Maria und Josef wieder nach Hause gingen, fiel ihnen auf, dass ihr Sohn nicht bei ihnen war. Rasch kehrten sie nach Jerusalem zurück und fanden Jesus im Tempel, wo er gerade mit Gelehrten und Lehrern sprach, die ihm Fragen stellten. In der Heiligen Schrift steht, dass alle, die ihn hörten, „erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten“3 waren.

„Und was geschah als Nächstes?“, wollte John wissen. Amy erzählte den Jungen vom Wirken Jesu Christi und wie er vom Geist des Herrn erfüllt wurde. Wir lesen in der Bibel, dass er den Armen das Evangelium brachte, Wunder wirkte, Blinde und Kranke heilte und sogar Tote zum Leben erweckte. Er sagte: „Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen.“4

John war von der Geschichte sichtlich eingenommen und wollte mehr wissen. Wieder fragte er: „Und was geschah als Nächstes?“ Amy erzählte den Jungen, dass manche Menschen Jesus ablehnten und ihn nicht mochten. Sie wollten ihm sogar das Leben nehmen. Sie erzählte den kleinen PV-Scouts vom letzten Abendmahl, vom Garten Getsemani und wie Jesus gekreuzigt wurde und wieder auferstand. Sie merkte, dass für John, der so begierig war, mehr zu erfahren, all diese Geschichten neu waren.

Da hatte sie das starke Gefühl, sie solle nicht weiter erzählen, sondern jeden Jungen namentlich ansprechen und sagen: „Jesus Christus ist für dich gestorben.“ John hörte aufmerksam zu, als sie jeden Jungen persönlich ansprach. Schließlich schaute sie auch ihn an und sagte: „John, Jesus Christus ist für dich gestorben.“ Er sah sie an und fragte ganz verwundert: „Für mich?“

Amy berichtete: „Der Geist war an diesem Tag, als ein kleiner Junge vielleicht das erste Mal vom Heiligen Geist berührt wurde, in unserem Wohnzimmer ganz stark zu spüren.“ Und weiter: „Ich weiß nicht, was die Zukunft für John bereithält. Seine Familie ist inzwischen weggezogen. Aber ich bete dafür, dass der Same, den wir bei diesem PV-Scout-Treffen zwei Wochen vor Weihnachten gelegt haben, wächst und ihm eines Tages das Licht des Evangeliums in aller Fülle bringt.“

Wenn Weihnachten vorbei ist, die Festbeleuchtung abgenommen wird, kein Nadelholzduft mehr in der Luft liegt, keine Weihnachtslieder mehr im Radio erklingen, dann fragen wir vielleicht wie John: „Was geschieht als Nächstes?“

Das Weihnachtsfest mit all dem ehrfürchtigen Staunen ist lediglich ein Anfang. Weihnachten erinnert uns daran, dass das kleine Kind, das in Betlehem geboren wurde, unserem Leben einen Sinn gegeben hat. Was als Nächstes geschieht, hängt vor allem davon ab, wie wir unseren Erlöser, Jesus Christus, annehmen und ihm folgen. Jeden Tag laden wir seinen Geist in unser Leben ein. Wir sehen das Licht in anderen; wir hören die Freude in den Kinderstimmen, die Hoffnung und Vorfreude auf die Zukunft bringen. Wir suchen Gelegenheiten, uns zu treffen, andere einzubeziehen, ihnen zu helfen und sie aufzurichten, und lernen dabei, was es wirklich heißt, unseren Erretter, Jesus Christus, zu erkennen. Wir zählen zuweilen die Tage vor besonderen Ereignissen in unserem Leben, bei denen wir seinen Einfluss ganz besonders spüren – beispielsweise, wenn ein Baby geboren oder ein Kind getauft wird, wenn jemand auf Mission geht, eine feierliche Eheschließung im Tempel bevorsteht oder beim wöchentlichen Abendmahl. Wir suchen ihn mit christlichem, mit kindlichem Glauben und können so seinen Einfluss spüren.

„Wenn ihr nicht … wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.“5

Es ist ein wunderschöner Plan, den unser Vater für uns entworfen hat. Dank seinem Sohn, unserem Erretter Jesus Christus, können wir zu ihm zurückkehren, bei ihm bleiben und in den Genuss von allem kommen, was der Vater hat. Denn das ist die allerletzte Antwort auf die Frage: „Was geschieht als Nächstes?“ Der Erretter sprach: „Wer mich empfängt, der empfängt meinen Vater; und wer meinen Vater empfängt, der empfängt meines Vaters Reich; darum wird ihm alles gegeben werden, was mein Vater hat.“6

Die Bereitschaft, ihn zu empfangen, verleiht dem Bereitsein für Heiligabend eine völlig neue Bedeutung.

John, wo du auch sein magst, die lebenden Apostel haben gesagt: „Wir bezeugen feierlich, dass [das Leben unseres Erretters], das ja den zentralen Punkt der Menschheitsgeschichte bildet, weder in Betlehem begann noch auf dem Kalvarienberg endete. Er war der Erstgeborene des Vaters, der einziggezeugte Sohn im Fleisch, der Erlöser der Welt.“7

John, sein Geschenk an uns ist das, was als Nächstes geschieht.

Es ist wahr und er tat es für dich. Von dieser wundervollen Wahrheit gebe ich Zeugnis in seinem Namen, im Namen Jesu Christi. Amen.

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    Anmerkungen

  1.  

    1. Lukas 2:4–11

  2.  

    2. Vgl. Lukas 2:40

  3.  

    3. Lukas 2:47; siehe auch Joseph-Smith-Übersetzung, Lukas 2:46 (in Lukas 2:46, Fußnote c)

  4.  

    4. Lukas 6:27

  5.  

    5. Matthäus 18:3

  6.  

    6. Lehre und Bündnisse 84:37,38

  7.  

    7. „Der lebendige Christus – das Zeugnis der Apostel“, Liahona, April 2000, Seite 2f.