Wahrheit und Toleranz

CES-Andacht für junge Erwachsene, September 2011, 2011

CES-Andacht für junge Erwachsene • 11. September 2011 • Brigham-Young-Universität


Meine lieben jungen Brüder und Schwestern, Kristen und ich freuen uns, zu diesem besonderen Anlass bei Ihnen zu sein. Heute ist der 11. September, der zehnte Jahrestag eines Ereignisses, das auf unser Leben und unsere Einstellung einen starken Einfluss hatte und noch viele Jahre haben wird. Dieser Tag bleibt für immer mit dem World Trade Center verbunden.

Ich dachte mir aber, ich sollte heute Abend nicht über diese beiden Zwillingstürme, sondern über ein anderes Zwillingspaar sprechen: Wahrheit und Toleranz. Ich bin auf diese Themen nicht verfallen, weil sie allein Sie junge Erwachsene beträfen, so wie das bei Verabredungen, dem Abhängen oder der Ehe der Fall ist, worüber ich in dieser Runde vor Jahren schon gesprochen habe. Ich möchte Sie mit meinen Ausführungen über Wahrheit und Toleranz anregen, über dieses Zwillingspaar nachzudenken und zu sprechen. Es ist nämlich sehr wichtig für die heranwachsende Generation, in der Sie zu den Älteren gehören.

Wir glauben an absolute Wahrheit

Erstens: Wahrheit. Wir glauben an absolute Wahrheit, wozu gehört, dass Gott existiert und dass durch seine Gebote geregelt ist, was richtig und was falsch ist. Wir singen:

Wenn der Himmel vergeht und die Erde verbrennt,
bleibt die Wahrheit, des Daseins Urelement,
unwandelbar ewig bestehn.1

Mit den Worten von Präsident Joseph F. Smith: „Wir glauben an alle Wahrheiten, ganz gleich, worauf sie sich beziehen. Es gibt keinen wahren Grundsatz in irgendeiner Kirche oder Religionsgemeinschaft auf Erden, den wir nicht annehmen oder den wir ablehnen würden. Wir nehmen bereitwillig alle Wahrheit an, ganz gleich, aus welcher Quelle sie kommen mag, denn die Wahrheit steht fest, die Wahrheit bleibt bestehen.“2

Ob es eine Wahrheit gibt und worin sie besteht, gehört zu den Grundfragen des irdischen Lebens. Jesus erklärte dem römischen Statthalter Pilatus, er sei dazu in die Welt gekommen, „dass [er] für die Wahrheit Zeugnis ablege“. „Was ist Wahrheit?“, fragte der Ungläubige (siehe Johannes 18:37,38). Zu einem früheren Zeitpunkt hatte der Heiland gesagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ (Johannes 14:6.) In neuzeitlicher Offenbarung verkündete er: „Und Wahrheit ist Kenntnis von etwas, wie es ist und wie es war und wie es kommen wird.“ (LuB 93:24.)

Meine jungen Brüder und Schwestern, wir wissen, dass die Existenz Gottes und die Existenz von absoluter Wahrheit grundlegend für das Leben auf dieser Erde sind, ob man daran glaubt oder nicht. Wir wissen auch, dass es das Böse gibt und dass manches einfach ganz und gar und in alle Ewigkeit falsch ist. Sie, zu denen ich spreche, meiden das Böse und suchen die Wahrheit. Ich lobe Sie für Ihr rechtschaffenes Tun und Ihre rechtschaffenen Wünsche. Als Apostel des Herrn Jesus Christus will ich Ihnen helfen, sich in einer Welt, die zwischen Glaube und Unglaube, zwischen Gut und Böse immer mehr hin- und hergerissen ist, richtig zu entscheiden.

In den letzten beiden Monaten gab es erschütternde Berichte über gewaltige Raubzüge und Betrügereien in der zivilisierten Gesellschaft. Sie zeugen von einer moralischen Leere, in der viele kaum ein Gespür dafür haben, was richtig und was falsch ist. Die ausgedehnten Ausschreitungen und Plünderungen in Großbritannien letzten Monat und der Skandal um die massenhafte Schulnotenfälschung durch Lehrer an Grund- und Mittelschulen in Atlanta/Georgia ließen vielfach die Frage aufkommen, ob westlichen Ländern die moralische Grundlage verloren geht, die sie ihrem jüdisch-christlichen Erbe verdanken.3

Hüten Sie sich vor moralischem Relativismus

Man muss sich um unsere moralische Grundlage in der Tat Sorgen machen. Wir leben in einer Welt, in der immer mehr einflussreiche Persönlichkeiten die Überzeugung äußern, dass nichts absolut richtig oder falsch sei und dass alle Befugnisse und Verhaltensregeln vom Menschen festgelegt würden und vor Gottes Geboten durchaus Vorrang haben dürften. Und danach handeln sie. Viele bezweifeln gar, dass es einen Gott gibt.

Der moralische Relativismus, ein Denkmodell, demzufolge jeder Mensch selbst bestimmen kann, was richtig und was falsch ist, ist für viele in Amerika und anderen westlichen Ländern inoffiziell zum Glaubensbekenntnis geworden. Im Extremfall sind Untaten, die bisher örtlich begrenzt waren und verborgen wurden wie ein Geschwür, jetzt legal und werden stolz zur Schau gestellt. Unter dem Eindruck dieses Denkmodells sind viele in der heranwachsenden Generation – Jugendliche und junge Erwachsene – von egoistischen Vergnügungen eingenommen. Sie bemalen und durchstechen den Körper wie die Heiden, reden unflätig daher, kleiden sich freizügig, sind unehrlich und geben sich der Pornografie und entwürdigenden sexuellen Praktiken hin.

Was die Grundüberzeugung von dem angeht, was richtig und was falsch ist, besteht zwischen der älteren und der jüngeren Generation ein alarmierender Gegensatz. In einer Umfrage gaben vor zwei Jahrzehnten 79 Prozent der erwachsenen Amerikaner an, es gebe „klare Maßstäbe dafür, was gut und was böse ist, die für jeden gelten – ganz gleich, in welcher Situation“.4 Im Gegensatz dazu ergab eine Befragung von Oberschülern unlängst, dass „drei Viertel von ihnen glauben, der Unterschied zwischen richtig und falsch sei relativ“.5

Viele religöse Führer erklären, dass es Gott gibt und dass er der oberste Gesetzgeber ist. Er hat festgelegt, dass manche Verhaltensweisen absolut richtig und wahr sind und andere absolut falsch und unstimmig. 6 Die Propheten in der Bibel und im Buch Mormon haben diese Zeit vorhergesehen, in der die Menschen „mehr dem Vergnügen als Gott zugewandt“ sind (2 Timotheus 3:4) und in der sie wahrhaftig Gott leugnen (siehe Judas 1:4; 2 Nephi 28:5; Moroni 7:17; LuB 29:22).

In dieser beunruhigenden Lage stehen wir, die wir an Gott und die damit einhergehende Tatsache glauben, dass manches absolut richtig oder falsch ist, vor der Herausforderung, in einer gottlosen und immer unmoralischeren Welt zu leben. In dieser Lage sind wir alle – und insbesondere Sie aus der heranwachsenden Generation – verpflichtet, uns zu erheben und zu bekräftigen, dass Gott existiert und dass durch seine Gebote absolute Wahrheiten festgelegt sind. Wenn wir das tun, bauen wir Heilige der Letzten Tage auf die Wahrheit, die wir in dem Lied besingen, das ich zuvor zitiert habe:

Die Wahrheit bleibt fest wie ein Pfeiler bestehn,
ihre Stützmauer wird nie im Ansturm vergehn,
wer sie angreift, der sieht sich getäuscht.7

Wenn ich in diese Runde begeisterter junger Menschen blicke, ist mir bewusst, dass einige sich fragen, warum ich über etwas spreche, was für Sie und vermutlich auch für andere so offensichtlich ist. Doch bedenken Sie die zuvor erwähnte Befragung, wonach drei Viertel aller Oberschüler glauben, der Unterschied zwischen richtig und falsch sei relativ.

Ich habe mir das Thema Wahrheit ausgesucht, weil die Lehrer an den Schulen und Hochschulen eine relative Moral lehren und ausleben. Damit beeinflussen sie die Einstellung vieler junger Amerikaner, die als Lehrer unserer Kinder nachrücken und die über die Medien und über Unterhaltungsangebote die Einstellung der Öffentlichkeit prägen. Der moralische Relativismus verleugnet als Denkmodell, was Millionen gläubige Christen, Juden und Moslems für grundlegend halten, und das bereitet uns allen gravierende Probleme. Was ein Gläubiger da machen sollte, führt mich zum zweiten Punkt meines Zwillingsthemas: Toleranz.

Toleranz

Toleranz wird definiert als wohlwollende, gerechte Einstellung gegenüber ungewohnten Ansichten oder Bräuchen oder gegenüber denjenigen, die ihnen anhängen. Da die modernen Verkehrs- und Kommunikationsmittel fremde Menschen und fremde Vorstellungen uns allen nähergebracht haben, brauchen wir alle mehr Toleranz. Als ich ein junger Erwachsener war, vor etwa 60 Jahren, kamen die meisten Amerikaner nur in Büchern und Zeitschriften mit den gewaltigen Unterschieden zwischen Kulturen, Wertvorstellungen und Völkern in Berührung. Heute begegnen uns diese Unterschiede im Fernsehen oder im Internet, auf Reisen und oftmals im persönlichen Kontakt mit unseren Nachbarn oder Leuten auf der Straße.

Dass wir Gegensätzen stärker ausgesetzt sind, macht unser Leben sowohl reicher als auch komplizierter. Es ist eine Bereicherung, fremde Völker kennenzulernen, denn es führt uns die wunderbare Vielfalt der Kinder Gottes vor Augen. Unterschiedliche Kulturen und Wertvorstellungen zwingen uns aber auch, zu überlegen, was sich mit der Kultur und den Werten des Evangeliums verträgt und was nicht. Auf diese Weise verstärken Unterschiede das Konfliktpotenzial; sie verlangen uns ab, dass wir gründlicher überlegen, was es mit der Toleranz auf sich hat. Was ist Toleranz, wann muss man sie üben und wann muss man sie nicht üben?

Diese Frage zu beantworten fällt denjenigen, die an die Existenz Gottes und an absolute Wahrheit glauben, schwerer als denjenigen, die an einen moralischen Relativismus glauben. Je weniger man an Gott glaubt und je weniger man moralisch für unumstößlich hält, desto weniger Gelegenheiten hat man, durch die Vorstellungen oder Bräuche anderer zur Toleranz herausgefordert zu werden. Beispielsweise braucht sich ein Atheist keine Gedanken darüber machen, welches gottlose oder gotteslästerliche Verhalten toleriert werden kann und gegen welches man angehen sollte. Ein Mensch, der nicht an Gott oder an absolute Wahrheit in Fragen der Moral glaubt, kann sich für den tolerantesten aller Zeitgenossen halten. Bei ihm ist fast alles erlaubt. „Mach du deins und ich mach meins“, lautet die gängige Einstellung. In so einer Glaubenswelt wird fast jedes Verhalten und fast jeder Mensch toleriert. Leider haben einige von denen, die dem moralischen Relativismus anhängen, offenbar Schwierigkeiten, diejenigen zu tolerieren, die darauf beharren, dass es einen Gott gibt, der zu respektieren ist, und dass gewisse moralische Vorstellungen unumstößlich sind.

Drei absolute Wahrheiten im Zusammenhang mit Toleranz

Ich möchte mich über die Toleranz oder Intoleranz der Ungläubigen nicht weiter auslassen. Schließlich spreche ich zu Heiligen der Letzten Tage, die an Gott und an absolute Wahrheit glauben. Was bedeutet Toleranz uns und anderen Gläubigen und wann ist es für uns besonders schwer, Toleranz zu üben?

Ich möchte mit drei absoluten Wahrheiten beginnen. Ich spreche sie zwar als Apostel des Herrn Jesus Christus aus, bin aber überzeugt, dass die meisten Gläubigen diese Vorstellungen teilen.

Erstens sind alle Menschen Brüder und Schwestern unter Gott, und sie werden in ihrer jeweiligen Religion dazu angehalten, einander zu lieben und Gutes zu tun. Präsident Gordon B. Hinckley hat diesen Gedanken für die Mitglieder der Kirche so formuliert: „Wir alle [die wir verschiedenen Religionen angehören] glauben, dass Gott unser Vater ist, auch wenn wir unterschiedliche Auffassungen von ihm haben. Wir alle gehören einer riesigen Familie an, der Menschheit. Wir sind Söhne und Töchter Gottes und somit Brüder und Schwestern. Wir müssen uns um beiderseitigen Respekt bemühen, um eine nachsichtige Haltung, um gegenseitige Toleranz – ungeachtet der Lehren und Philosophien, zu denen wir uns bekennen mögen.“8

Beachten Sie, dass Präsident Hinckley von „beiderseitigem Respekt“ und von Toleranz gesprochen hat. Zehn Jahre später führte ein islamischer Gelehrter, Dr. Alwi Shihab aus Indonesien, diesen Gedanken an der BYU weiter aus: „Etwas tolerieren heißt, dass man lernt, damit zu leben, selbst wenn man es falsch und von Grund auf übel findet. … Wir müssen daher, meine ich, über Toleranz hinausgehen, wenn wir auf der Welt in Harmonie leben wollen.“

Mit Bezug auf die Lehren des Korans erklärte Dr. Shihab weiter: „Wir müssen bei jedem Menschen die ihm von Gott gegebene Würde respektieren, selbst bei unseren Feinden, denn das Ziel aller menschlichen Beziehungen – ob auf religiöser, gesellschaftlicher, politischer oder wirtschaftlicher Ebene – sollten Zusammenarbeit und beiderseitiger Respekt sein.“9

Das Zusammenleben mit beiderseitigem Respekt vor der Verschiedenheit des anderen stellt in der heutigen Welt eine Herausforderung dar. Dass man mit Unterschieden lebt, ist jedoch – und hier verkünde ich eine zweite absolute Wahrheit – genau das, was das Evangelium Jesu Christi von uns verlangt.

Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, sagte Jesus (siehe Matthäus 13:33). Im Sauerteig geht die Hefe in einer großen Masse unter, bis alles durchsäuert ist und durch ihre Wirkung aufgeht. Unser Erlöser erklärte auch, dass seine Anhänger in der Welt bedrängt würden, dass ihre Anzahl und ihre Herrschaft gering sein würde (siehe 1 Nephi 14:12) und dass sie gehasst werden würden, weil sie nicht von der Welt seien (siehe Johannes 17:14). Aber das ist unsere Aufgabe. Wir sind dazu berufen, mit den anderen Kindern Gottes, die unsere Überzeugung und unsere Wertvorstellungen nicht teilen und die nicht wie wir Bündnispflichten eingegangen sind, zusammenzuleben. Deshalb betete Jesus gegen Ende seines irdischen Wirkens zum Vater: „Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.“ (Johannes 17:15.) Wir sollen in der Welt sein, aber nicht von der Welt.

Da es den Nachfolgern Jesu Christi geboten ist, wie ein Sauerteig zu sein – nicht aus der Welt genommen zu werden, sondern in ihr zu bleiben –, müssen wir uns um die Toleranz derjenigen bemühen, die uns dafür hassen, dass wir nicht von der Welt sind. Dazu gehört, dass wir manchmal Gesetze in Frage stellen müssen, die unsere Freiheit, unserem Glauben nachzugehen, einschränken würden, und zwar im Vertrauen auf unser verfassungsmäßiges Recht auf freie Religionsausübung. Wie es ein Anwalt ausdrückte, der gerade eine Schule der Lutheraner in einem Fall vor dem Obersten Gerichtshof der USA vertritt, ist die große Frage, „ob die Anhänger sämtlicher Glaubensrichtungen in der Lage sind, ihr Verhältnis zu Gott und zueinander zu regeln, ohne dass ihnen der Staat über die Schulter blickt“.10 Darum brauchen wir Verständnis und Unterstützung – auch IhrVerständnis und Ihre Unterstützung –, wenn wir für die Religionsfreiheit eintreten müssen.

Auch wir müssen gegenüber anderen Toleranz üben und sie respektieren. Wie der Apostel Paulus sagte, soll ein Christ „nach dem streben, was zum Frieden … beiträgt“ (Römer 14:19) und nach Möglichkeit „mit allen Menschen Frieden [halten]“ (Römer 12:18). Folglich sollten wir darauf achten, all das Gute anzuerkennen, was wir bei allen Menschen und in vielen Ansichten und Gebräuchen vorfinden, die von unseren abweichen. Wie steht es im Buch Mormon?

„Alles, was gut ist, [kommt] von Gott. …

 Alles, was einlädt und lockt, Gutes zu tun und Gott zu lieben und ihm zu dienen, [ist] von Gott eingegeben.

Darum gebt acht, … damit ihr nicht etwa urteilt, … das, was gut und von Gott ist, sei vom Teufel.“ (Moroni 7:12-14.)

Eine solche Einstellung gegenüber Unterschieden wird zu Toleranz und auch zu Respekt führen.

Unsere Toleranz und unser Respekt gegenüber anderen und ihrer Überzeugung sind kein Grund, unsere Verpflichtung gegenüber den Wahrheiten, die wir erkennen, und den Bündnissen, die wir geschlossen haben, aufzugeben. Das ist eine dritte absolute Wahrheit. Wir geben die Wahrheit und unsere Bündnisse nicht auf. Wir sind zu Teilnehmern in dem Krieg zwischen Wahrheit und Irrtum bestimmt. Es gibt keine Grauzone dazwischen. Wir müssen für die Wahrheit eintreten, auch wenn wir Toleranz üben und Ansichten und Vorstellungen respektieren, die von den unseren abweichen, so wie wir deren Vertreter respektieren.

Aber auch wenn wir Toleranz gegenüber anderen und ihrer Überzeugung üben und sie respektieren, wozu auch ihr verfassungsmäßiges Recht gehört, ihre Ansicht zu erläutern und zu verteidigen, wird von uns nicht erwartet, falsches Verhalten zu respektieren und zu tolerieren. Unsere Verpflichtung zur Wahrheit erfordert, dass wir uns von bestimmten Verhaltensweisen befreien, die falsch sind. Das ist leicht zu erkennen, wenn es um extreme Verhaltensweisen geht, die von den meisten Gläubigen und Ungläubigen als falsch oder unannehmbar angesehen werden. Beispielsweise sind Mord und sonstige terroristische Verhaltensweisen selbst dann zu missbilligen, wenn ein Extremist im Namen seiner Religion handelt. Wir müssen auch alle gegen Gewalt und Diebstahl einschreiten.

Die zweiseitige Medaille Toleranz und Wahrheit

Bei weniger extremen Verhaltensweisen, wo selbst die Gläubigen uneins sind, ob sie falsch sind oder nicht, ist die Art und das Ausmaß dessen, was zu tolerieren ist, weit schwieriger zu bestimmen. So schrieb mir eine Schwester aus der Kirche nachdenklich über ihre Sorge, dass die Auffassung der Welt, was Toleranz sei, offenbar immer mehr darauf hinauslaufe, dass man einen schlechten Lebensstil tolerieren müsse. Sie fragte mich, wie der Herr wohl „Toleranz“ definiert.11

Präsident Boyd K. Packer näherte sich diesem Thema einmal mit inspirierten Worten. Vor einem Kreis von Institutsschülern sagte er vor drei Jahren: „Der Begriff Toleranz steht nicht für sich allein. Es gehört ein Objekt dazu und eine Reaktion, damit er als Tugend gilt. … Toleranz wird oft eingefordert, aber selten erwidert. Hüten Sie sich vor dem Begriff Toleranz. Das ist eine sehr instabile Tugend.“12

Diese inspirierte Warnung weist uns darauf hin, dass Toleranz gegenüber Verhaltensweisen für jemanden, der an absolute Wahrheiten glaubt, eine Medaille mit zwei Seiten ist. Toleranz oder Respekt steht auf einer Seite der Medaille, Wahrheit aber stets auf der anderen. Man kann die Medaille Toleranz nicht besitzen oder betrachten, ohne beider Seiten gewahr zu sein.

Der Erlöser hat diesen Grundsatz befolgt. Als er der Frau gegenüberstand, die beim Ehebruch ertappt worden war, sprach Jesus tröstende Worte voller Toleranz: „Auch ich verurteile dich nicht.“ Und als er sie dann fortschickte, sprach er gebieterisch Worte voller Wahrheit: „Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“ (Johannes 8:11.) Wir alle sollten uns von diesem Beispiel, wie man sowohl tolerant ist als auch die Wahrheit spricht, aufrichten und bestärken lassen: freundlich in der Formulierung, doch fest in der Wahrheit.

Wahrheit und Toleranz, wenn andere fluchen, ohne Trauschein zusammenleben oder den Sabbat missachten

Schauen wir uns an, wie man diesem Beispiel bei anderen Verhaltensweisen folgt. Ein weiteres nachdenkliches Mitglied der Kirche schrieb:

„In Mosia 18:9 erzählt uns Alma, wenn wir uns taufen lassen, geloben wir, ,allzeit und in allem und überall, wo auch immer [wir uns befinden mögen], … als Zeugen Gottes aufzutreten‘. …Was bedeutet diese Schriftstelle in der heutigen Zeit, und wie können die Mitglieder der Kirche sie befolgen?

Ich erfülle eine Mission und höre oft, wie der Name des Herrn missbraucht wird. Ich habe auch Bekannte, die mir sagen, dass sie mit ihrem Freund zusammenleben. Ich habe festgestellt, dass die Einhaltung des Sabbats beinahe abgeschafft ist. Wie kann ich befolgen, was ich gelobt habe – nämlich als Zeuge aufzutreten –, ohne diese Menschen zu kränken?“13

Fluchen, ohne Trauschein zusammenleben, den Sabbat nicht einhalten – hervorragende Beispiele dafür, wie Mitglieder der Kirche die konkurrierende Verpflichtung zu Wahrheit und Toleranz unter so schwierigen Umständen austarieren müssen.

Ich beginne mit unserem persönlichen Verhalten, wozu auch die Erziehung der Kinder gehört. Wenn wir die manchmal konkurrierenden Anforderungen, die die Wahrheit und die Toleranz in diesen drei Bereichen und vielen anderen an uns stellt, gegeneinander abwägen, dürfen wir mit uns selbst nicht tolerant sein. Wir müssen uns von dem leiten lassen, was die Wahrheit erfordert. Wir selbst müssen stark sein, wenn es darum geht, die Gebote und unsere Bündnisse zu halten, und wir müssen umkehren und besser werden, wenn es uns nicht recht gelingt.

Was sagte Präsident Thomas S. Monson in der Konferenz, in der er als Prophet bestätigt wurde? „Meine lieben jungen Freunde, seid stark. … Das Gesicht der Sünde verbirgt sich heute oft hinter der Maske der Toleranz. Lasst euch nicht täuschen; hinter der Fassade warten Kummer, Elend und Schmerz. Ihr wisst, was richtig und was falsch ist, und keine Verkleidung, wie ansprechend sie auch sein mag, kann das ändern. Das Wesen der Übertretung ändert sich nicht. Wenn euch sogenannte Freunde drängen, irgendetwas zu tun, von dem ihr wisst, dass es falsch ist, dann tretet für das Rechte ein, auch wenn ihr ganz alleine dasteht.“14

In ähnlicher Weise steht im Umgang mit unseren Kindern oder anderen, deren Erziehung uns obliegt – wie in unseren Berufungen in der Kirche –, die Verpflichtung zur Wahrheit ganz oben. Selbstverständlich können alle Erziehungsversuche nur Früchte tragen, wenn man anderen ihre Entscheidungsfreiheit lässt. Es gehören also stets Liebe, Geduld und gutes Zureden dazu.

Ich wende mich nun unserer Verpflichtung zu Wahrheit und Toleranz in persönlichen Beziehungen mit denjenigen zu, die in unserem Beisein fluchen, ohne Trauschein zusammenleben oder den Sabbat nicht angemessen einhalten. Wie sollen wir auf sie reagieren oder mit ihnen umgehen?

Unsere Verpflichtung zur Toleranz erfordert, dass wir uns von keiner dieser Verhaltensweisen – oder anderen, die wir für eine Abweichung von der Wahrheit halten – je zu hasserfüllten Worten oder bösen Taten hinreißen lassen. Unsere Verpflichtung zur Wahrheit geht jedoch mit einem eigenen Bündel an Bedingungen und auch an Segnungen einher. Wenn wir „untereinander die Wahrheit“ reden (Epheser 4:25) und wenn wir „uns, von der Liebe geleitet, an die Wahrheit halten“ (Epheser 4:15), wie es der Apostel Paulus verlangte, handeln wir als Diener des Herrn Jesus Christus und verrichten sein Werk. Engel werden uns beistehen und er wird seinen Heiligen Geist senden, um uns zu leiten.

In so heiklen Fragen sollten wir zuerst überlegen, ob und inwieweit wir unseren Mitmenschen offenlegen sollten, was wir im Hinblick auf ihr Verhalten als wahr erkannt haben. In den meisten Fällen können wir diese Entscheidung davon abhängig machen, wie unmittelbar wir persönlich davon betroffen sind.

Wenn jemand in unserem Beisein ständig flucht, ist das Grund genug, ihn auf die Tatsache hinzuweisen, dass wir das anstößig finden. Wenn ein Ungläubiger in unserer Abwesenheit flucht, haben wir wahrscheinlich keine Gelegenheit, den Übeltäter darauf hinzuweisen.

Ohne Trauschein zusammenzuleben ist, wie wir wissen, eine schwere Sünde, die ein Mitglied der Kirche unter keinen Umständen begehen darf. Wenn das jemand in unserer Nähe macht, kann er es im Stillen tun oder von uns erwarten, dass wir es dulden, fördern oder ermöglichen. Bei der Abwägung zwischen Wahrheit und Toleranz kann die Toleranz den Ausschlag geben, wenn das Verhalten uns persönlich nicht betrifft. Wenn wir von dem Zusammenleben ohne Trauschein jedoch irgendwie persönlich betroffen sind, müssen wir uns von unserer Verpflichtung zur Wahrheit leiten lassen. Beispielsweise ist es eine Sache, eine schwere Sünde zu ignorieren, wenn sie im Stillen stattfindet, eine ganz andere jedoch, wenn von uns erwartet wird, sie zu fördern oder stillschweigend zu dulden, zum Beispiel wenn wir sie in unseren eigenen vier Wänden zulassen.

Was die Einhaltung des Sabbats betrifft, so wissen wir Heilige der Letzten Tage, dass von uns erwartet wird, dies anders zu handhaben als viele andere Christen. Die meisten von uns machen sich Sorgen über brechend volle Einkaufszentren und andere kommerzielle Aktivitäten am Sonntag. Vielleicht sollten wir unsere Überzeugung erläutern, dass die Einhaltung des Sabbats einschließlich der Teilnahme am Abendmahl unserer geistigen Wiederherstellung dient und uns für den Rest der Woche zu besseren Menschen macht. Wir könnten anderen Gläubigen gegenüber auch zum Ausdruck bringen, dass wir dafür dankbar sind, beim Allerwichtigsten eine gemeinsame Basis zu haben, denn wir alle glauben an Gott und an die Existenz absoluter Wahrheit, auch wenn wir diese Grundlagen unterschiedlich definieren. Darüber hinaus dürfen wir die Worte des Erlösers nicht vergessen, dass wir Streit meiden sollen (siehe 3 Nephi 11:29,30) und dass unser Beispiel und „unser Predigen die warnende Stimme sein [sollen], jedermann für seinen Nächsten, voll Milde und voll Sanftmut“ (LuB 38:41).

Bei all dem dürfen wir uns nicht erlauben, unsere Nächsten, unsere Mitmenschen für die Folgen, die ihr Verhalten haben wird, zu verurteilen. Dieses Urteil steht dem Herrn zu, nicht uns. Selbst er enthielt sich gegenüber der beim Ehebruch ertappten Frau eines abschließenden irdischen Urteils. Toleranz erfordert, dass auch wir uns bei der Beurteilung anderer ähnlich zurückhalten.

Vier Grundsätze im Hinblick auf Wahrheit und Toleranz, wenn man möchte, dass der Staat eingreift

Nachdem wir die Abwägung zwischen Wahrheit und Toleranz in unserem persönlichen Verhalten und unserem Verhältnis zu anderen besprochen haben, möchte ich mich einem weiteren, schwierigeren Bereich zuwenden. Wenn ein Gläubiger sich in der Öffentlichkeit äußert, um die Ausarbeitung oder Durchsetzung von Gesetzen zu beeinflussen, die auf seinen Ansichten beruhen, sollten andere Grundsätze gelten.

Als junge Erwachsene wundern Sie sich vielleicht, warum ich zu Ihnen über Grundsätze spreche, die man befolgen soll, wenn man möchte, dass der Staat eingreift, beispielsweise über die Gesetzgebung. Vielleicht sagen Sie: „Darum sollen sich doch die leitenden Autoritäten der Kirche kümmern.“ Ich erläutere Ihnen, den jungen Erwachsenen, diese Grundsätze, weil Sie die derzeitigen Mitglieder und künftigen Führer der Kirche Jesu Christi sind und sich eher, als Sie glauben, derartigen Fragen stellen müssen. Ihnen muss klar sein, wie sich die Abwägung zwischen Wahrheit und Toleranz auf unser Auftreten in der Öffentlichkeit auswirkt.

Ob oder wie wir Gesetze anstreben können, die Verhaltensweisen herbeiführen würden oder könnten, die wir aufgrund unseres Glaubens an Gott und seine Gebote für wünschenswert halten, ist ein zu weites Feld, als dass ich es in den letzten paar Minuten meiner Ansprache hinreichend behandeln könnte. Ich beschränke mich daher auf die Beschreibung von vier obersten Leitsätzen, die diesem Auftreten zugrunde liegen sollten.

Erstens: Wenn jemand, der an Jesus Christus glaubt, seine Auffassung von der Wahrheit in die Öffentlichkeit trägt, muss er sich um Inspiration vom Herrn bemühen und überlegt und weise auswählen, welche Grundsätze per Gesetz oder durch die ausführende Gewalt verteidigt werden sollen. Im Allgemeinen sollte er davon absehen, Gesetze oder Verwaltungsmaßnahmen anzustreben, die nur dazu dienen, seine jeweiligen Ansichten zu fördern – und sei es auch nur implizit –, wie zum Beispiel die Durchsetzung von Gottesdiensten. Der Gläubige kann weniger Vorsicht walten lassen, wenn der Staat Grundsätze schützen soll, die weiter reichen, als lediglich die Ausübung des Glaubens zu erleichtern, zum Beispiel durch Gesetze, die dem Wohl, der Sicherheit und der Moral der Allgemeinheit dienen.

Auf jeden Fall kann und muss der Gläubige als Verteidiger des Glaubens Gesetze anstreben, die die Religionsfreiheit bewahren. Neben zunehmendem moralischem Relativismus ist in den Vereinigten Staaten eine besorgniserregende Abnahme der allgemeinen Wertschätzung von Religion zu beobachten. Einst selbstverständlicher Teil des Lebens in Amerika, gilt die Religion heute vielen als suspekt. Für sie ist daraus etwas geworden, dessen Berechtigung sich im öffentlichen Raum erst noch erweisen muss. Einige einflussreiche Leute stellen sogar in Frage, in welchem Ausmaß unsere Verfassung die freie Religionsausübung schützen sollte, wozu auch das Recht gehört, religiöse Grundsätze zu befolgen und zu predigen.

Dies ist eine sehr wichtige Frage, in der wir, die wir an ein höheres Wesen glauben, das festgelegt hat, welches menschliche Verhalten absolut richtig oder falsch ist, zusammenstehen und auf die bewährten verfassungsmäßigen Rechte pochen müssen, unsere Religion auszuüben, unsere Überzeugung in Fragen von allgemeinem Interesse zu äußern und in der Öffentlichkeit und vor Gericht an Abstimmungen und Debatten teilzunehmen. Dabei stehen uns Engel zur Seite. Wir müssen auch den Schulterschluss mit anderen Gläubigen suchen, um die Freiheit zu bewahren und zu stärken, für religiöse Ansichten aller Art einzutreten und danach zu leben. Zu diesem Zweck müssen wir gemeinsam denselben Weg beschreiten, damit wir uns die Freiheit bewahren, getrennte Wege zu gehen, wenn unterschiedliche Ansichten dies erfordern. Vom Himmel geleitet in dieser gerechten Sache, werden unsere Worte anrührend sein und im Herzen vieler Anklang finden.

Zweitens: Wenn ein Gläubiger seine Ansichten in der Öffentlichkeit vertreten möchte, sollte er in seinen Methoden und seinem Auftreten gegenüber den Ansichten und Meinungen derer, die seine Überzeugung nicht teilen, stets tolerant sein. Wir sollten den Extremismus, der unsere Gesellschaft spaltet, nicht verschärfen. Als Gläubige müssen wir uns stets liebevoll ausdrücken und unseren Widersachern mit Geduld, Verständnis und Mitgefühl begegnen. Dem gläubigen Christen ist es geboten, seinen Nächsten zu lieben (siehe Lukas 10:27), zu vergeben (siehe Matthäus 18:21-35) und denen Gutes zu tun, die ihn böswillig behandeln (siehe King-James-Bibel, Matthäus 5:44). Er sollte stets der Worte des Erlösers gedenken: „Segnet die, die euch fluchen, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet für die, die euch böswillig behandeln und euch verfolgen.“ (King-James-Bibel, Matthäus 5:44.)

Als Gläubige sollten wir unsere Argumente und Ansichten auch in einer Weise formulieren, die einer vernünftigen Diskussion und Würdigung zugänglich ist, wie es in einem demokratischen Staat in einer pluralistischen Gesellschaft erforderlich ist. Damit wahren wir die Höflichkeit, die für den Erhalt der Zivilisation unerlässlich ist.

Drittens: Ein Gläubiger darf sich von dem bekannten Vorwurf nicht abschrecken lassen, dass er die Moral gesetzlich regeln wolle. Viele Rechtsbereiche sind in der jüdisch-christlichen Moral verankert, und zwar seit Jahrhunderten. Unsere Zivilisation beruht auf Moral und kann ohne sie nicht existieren. Wie John Adams es ausdrückte: „Unsere Verfassung wurde allein für ein moralisches und religiöses Volk geschaffen. Um ein andersartiges zu regieren, ist sie völlig unzureichend.“15

Viertens: Ein Gläubiger darf sich nicht fürchten, Gesetze anzustreben, mit denen allgemeine Verhältnisse oder Bestimmungen beibehalten werden sollen, die dazu dienen, die Bedingungen seines Glaubens zu erfüllen, wenn diese dem Wohl, der Sicherheit oder der Moral der Allgemeinheit ebenfalls zuträglich sind. Zum Beispiel sind in einer demokratischen Gesellschaft oft religiöse Ansichten die Grundlage des Strafrechts und manchmal auch des Familienrechts, und dennoch sind die einzelnen Gesetze historisch fest verankert und werden akzeptiert. Wo die Gläubigen die Mehrheit darstellen, müssen sie jedoch stets auf die Ansichten der Minderheit Rücksicht nehmen.

Uns Mitgliedern der Kirche wird mitunter vorgeworfen, selbstgerecht und intolerant zu sein, zumal wenn wir die Mehrheit stellen oder wenn andere die Mehrheit stellen und wir ihnen aus Überzeugung entgegentreten müssen. Gewiss müssen die Mitglieder der Kirche noch klüger und umsichtiger vorgehen, um ihre Ansichten zu erläutern und zu verfolgen und ihren Einfluss auszuüben, wenn sie welchen haben.

Darum geht es bei der zweiseitigen Medaille Wahrheit und Toleranz. Präsident Thomas S. Monson führt uns beispielhaft vor, wie man diese beiden Tugenden befolgt. Sein Leben lang hat er sich vorbildlich den Angehörigen und Führern anderer Glaubensgemeinschaften zugewandt und mit ihnen zusammengearbeitet – in Fragen, die von gemeinsamem Interesse waren, und in christlicher Brüderlichkeit und Sorge, die keine Glaubensgrenzen kennt.16

Zu guter Letzt kommt die Abwägung von Wahrheit und Toleranz auch in folgenden Worten von Präsident Gordon B. Hinckley zum Ausdruck: „Gehen wir auf die Menschen in unserem Land, die nicht unserer Kirche angehören, zu. Seien wir gute Mitmenschen – freundlich, großzügig und gütig. Beteiligen wir uns an allem im Staat, was gut ist. Es mag Situationen geben, es wird Situationen geben, wo es um schwierige Fragen der Moral geht und wir aus grundsätzlichen Erwägungen heraus nicht nachgeben können. Aber in diesen Fällen können wir höflich anderer Meinung sein, ohne unangenehm zu werden. Wir können die Aufrichtigkeit derjenigen anerkennen, deren Einstellung wir nicht akzeptieren können. Wir können über Grundsätze sprechen, ohne anzüglich zu werden.“17

Die Gabe, zu wissen, und die Gabe, zu glauben

Ich schließe mit folgender Zusicherung und diesem Zeugnis:

In der Bibel steht, es sei eine der Aufgaben eines Propheten, ein „Wächter“ zu sein, der Israel warnt (siehe Ezechiel 3:17; 33:7). In einer Offenbarung setzte der Herr dieses Gleichnis für das heutige Zion hinzu: Stellt einen „Wächter auf dem Turm“ auf, der „den Feind [sieht], solange er noch weit weg [ist]“, und der warnt, um den „Weingarten vor den Händen des Zerstörers“ zu retten (LuB 101:45, 54).

Ich habe als einer dieser Wächter über das Thema zu Ihnen gesprochen, das der Geist mir gegeben hat. Ich versichere Ihnen, dass meine Worte wahr sind. Wenn Sie daran Zweifel haben oder sich fragen, wie Sie diese Grundsätze in Ihrem Leben anwenden können, bitte ich Sie dringend, bei derselben Quelle Führung zu suchen.

Was die wichtigere Frage betrifft, die von den Atheisten unserer Tage so lebhaft diskutiert wird, bekenne ich, dass ich weiß, dass Gott lebt! Seine Schöpfung gibt von seiner Existenz Zeugnis und seine Diener hören und verkünden seine Stimme. Aus neuzeitlicher Offenbarung geht hervor, dass manche die Gabe haben, „zu wissen, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist und dass er für die Sünden der Welt gekreuzigt worden ist“, und dass es „anderen … gegeben [ist], dass sie ihren Worten glauben“ (LuB 46:13,14). Als einer, der das weiß, bitte ich Sie, meinen Worten zu glauben.

Ich gebe Zeugnis von Jesus Christus, dem Herrn des Weingartens. Er ist unser Erlöser, und er kommt auf jeden von uns zu und bittet uns immer wieder, seinen Frieden anzunehmen, indem wir von ihm lernen und auf seinen Pfaden wandeln (siehe LuB 19:23):

„Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.

Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.

Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11:28-30.)

Im Namen Jesu Christi. Amen.

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    Anmerkungen

  1.   1.

    „Oh Say, What Is Truth?“, Hymns, Nr. 272

  2.   2.

    Joseph F. Smith, Gospel Doctrine, 5. Auflage, 1939, Seite 1

  3.   3.

    Siehe „Anarchy in the UK“, The Economist, 13. August 2011, Seite 14; Patrick Jonsson, „Is the US a Nation of Liars?“ The Christian Science Monitor, 25. Juli 2011, Seite 20

  4.   4.

    Stephen L. Carter, The Culture of Disbelief: How American Law and Politics Trivialize Religious Devotion, 1993, Seite 225

  5.   5.

    „Campus Confidential“, The Wall Street Journal, 5. Juli 2002, Seite W11

  6.   6.

    Zum Beispiel John Paul II: The Encyclicals in Everyday Language, 3. Auflage, Hg. Joseph G. Donders, 2005, Seite 210–213; Harold Kushner, Who Needs God, 1989, Seite 83f.

  7.   7.

    „Oh Say, What Is Truth?“ Hymns, Nr. 272

  8.   8.

    Gordon B. Hinckley, Teachings of Gordon B. Hinckley, 1997, Seite 665

  9.   9.

    Alwi Shihab, Building Bridges to Harmony Through Understanding, Ansprache an der Brigham-Young-Universität, 10. Oktober 2006, http://speeches.byu.edu/reader/reader.php?id=11324

  10.   10.

    Eric Rassbach, zitiert in: William McGurn, „Religion and the Cult of Tolerance“, The Wall Street Journal, 16. August 2011, Seite A11

  11.   11.

    Brief an Dallin H. Oaks, 14. Mai 1998

  12.   12.

    Boyd K. Packer, „Be Not Afraid“, Ansprache am Institut Ogden, 16. November 2008, Seite 5; siehe auch Bruce D. Porter, „Defending the Family in a Troubled World“, Ensign, Juni 2011, Seite 12–18

  13.   13.

    Brief an Dallin H. Oaks, 22. Dezember 1987

  14.   14.

    Thomas S. Monson, Frühjahrs-Generalkonferenz 2008, Liahona, Mai 2008, Seite 65

  15.   15.

    John Adams, aus einer Rede vor Beamten der Miliz von Massachusetts , 11. Oktober 1798, in The Works of John Adams, Second President of the United States, Hg. Charles Francis Adams, 10 Bände, 1856, 9:229

  16.   16.

    Siehe Heidi S. Swinton, To the Rescue: The Biography of Thomas S. Monson, 2010; insbesondere Kapitel 25, 28 und Seite 462f.

  17.   17.

    Gordon B. Hinckley, Teachings of Gordon B. Hinckley, Seite 662