Was ist der Bauplan der Kirche Christi?

Elder Tad R. Callister

von der Präsidentschaft der Siebziger

CES-Andacht für junge Erwachsene • 12. Januar 2014 • Brigham-Young-Universität

Tad R. Callister

Es ist mir ein Vergnügen, den heutigen Abend mit denjenigen zu verbringen, die einmal Führer und Eltern in dieser Kirche sein werden. Weil dem so ist, bin ich überzeugt, dass die Kirche einer sicheren und strahlenden Zukunft entgegensieht. Deshalb möchte ich über die Kirche sprechen, über die Sie eines Tages präsidieren werden.

Im ersten Abschnitt des Buches Lehre und Bündnisse trifft der Herr eine kühne und bedeutsame Aussage: „[Dies ist] die einzige wahre und lebendige Kirche auf dem Antlitz der ganzen Erde.“ (LuB 1:30.) Was bedeutet das? Es bedeutet nicht, dass in anderen Kirchen nicht irgendwo Wahrheit vorhanden ist, denn dem ist ganz gewiss so. Es bedeutet nicht, dass andere Kirchen nichts Gutes tun, denn sie tun viel Gutes. Es bedeutet, dass dies die einzige Kirche ist, in der alle Wahrheit vorhanden ist, die in dieser Evangeliumszeit bislang offenbart wurde – die einzige Kirche, in der es die für die Erhöhung notwendigen heiligen Handlungen gibt, und die einzige Kirche, in der es das Priestertum Gottes gibt, das diesen Handlungen vor Gott Gültigkeit verleiht. Welche Beweise haben wir für diese Behauptung?

Vor einigen Jahren suchten meine Frau und ich eine größere Wohnung für unsere wachsende Familie, und wir fanden ein Stück Bauland. Wir verwandten einige Zeit darauf, einen Bauplan zu erstellen, der den Bedürfnissen unserer Familie so weit wie möglich entgegenkam. Meine Frau plante zwischen dem Familienzimmer und dem Wohnzimmer eine Faltschiebetür ein, die für große Familien- und Jugendaktivitäten geöffnet werden konnte. Da über der Garage noch etwas Platz war, planten wir auch einen Raum ein, wo unsere Kinder erbaulichen Aktivitäten nachgehen konnten. Hinter der Garage war ein kleiner Raum als Lager für Lebensmittel und anderes vorgesehen. Diese und andere Gestaltungselemente wurden in den Bauplan aufgenommen. Das Haus wurde dann nach diesem Plan gebaut.

Im Laufe der Bauzeit ließen wir der Baufirma ab und zu Änderungen zukommen, die sich auf den Bauplan auswirkten. Als das Haus schließlich fertiggestellt war, entsprach es genau dem von Zeit zu Zeit geänderten Bauplan. Wenn man unseren Bauplan zur Hand nähme und ihn mit allen Häusern auf der Welt vergliche, wie viele Häuser würden dann genau dazu passen? Nur ein einziges: unser Haus! Hie und da mag es Ähnlichkeiten geben – da hat ein Raum dieselbe Größe, die Fenster sind ähnlich. Aber wenn man Fundament für Fundament, Zimmer für Zimmer und Dachlinie für Dachlinie miteinander vergliche, gäbe es nur ein Haus, das vollkommen zu dem Bauplan passen würde: unseres.

Auf ähnliche Weise hat Christus ein Haus gebaut, das den geistigen Bedürfnissen seiner Kinder so weit wie möglich entgegenkommt. Es wird seine Kirche genannt. Der geistige Bauplan für diese Kirche findet sich im Neuen Testament. Ab und zu nahm der Erretter „Änderungen“ am Bauplan vor. Ein Änderungsauftrag erging stets in Form einer Offenbarung. Beispielsweise gebot der Erretter anfangs seinen Aposteln, das Evangelium dem Haus Israel zu predigen, nicht aber den Heiden (siehe Matthäus 10:5,6). Doch nachdem er in den Himmel aufgefahren war, gab der Heiland dem Petrus einen geistig bedeutsamen Änderungsauftrag – eine Offenbarung in Form einer Vision –, dass das Evangelium nun auch den Andern gepredigt werden solle (siehe Apostelgeschichte 10). Aus dem, was Petrus erlebt hat, gehen mindestens zwei wichtige Grundregeln hervor, wie die Kirche Christi geführt wird: Der Bauplan konnte einerseits geändert werden – das aber nur durch Offenbarung von Christus – und andererseits würde eine solche Offenbarung an den Propheten ergehen, der Gottes Sprachrohr auf Erden war. Mit anderen Worten: Die Kirche sollte durch göttliche Offenbarung und auf Anweisung hin geführt werden.

Wenn jemand heutzutage den Wunsch hätte, die Kirche Christi zu finden, müsste er jede christliche Kirche auf der Welt mit dem Bauplan aus dem Neuen Testament vergleichen, bis er die Kirche fände, die dazu passt: Organisation für Organisation, Lehre für Lehre, Verordnung für Verordnung, Frucht für Frucht, Offenbarung für Offenbarung. Dabei würde er möglicherweise auf Kirchen stoßen, die manche Ähnlichkeit aufweisen – ein, zwei Lehren, die sich decken, eine Verordnung, die genau gleich ist, ein paar Ämter, die die gleiche Bezeichnung tragen. Aber nur eine Kirche, nämlich die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, würde dem Bauplan in jedem entscheidenden Punkt entsprechen. Ich möchte diese Behauptung auf die Probe stellen.

Sehen wir uns die erste Seite des Bauplans an und schauen wir nach, wie die Organisation der Kirche Christi aussehen sollte, die darin offenbart ist.

Zunächst einmal war die Kirche Christi auf Apostel und Propheten gegründet. Als Paulus einigen neuen Mitgliedern der Kirche schrieb, sagte er, sie seien nun „auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Christus Jesus selbst“ (Epheser 2:20; Hervorhebung hinzugefügt).

Den Aposteln war die zwingende Notwendigkeit bewusst, ein vollständiges Kollegium der Zwölf Apostel aufrechtzuerhalten. Wenn ein Apostel wie zum Beispiel Judas starb und somit ein Teil des Fundaments „weggebrochen“ war, kamen die anderen elf zusammen und wählten einen Nachfolger aus, damit das Fundament wieder vollständig war (siehe Apostelgeschichte 1:23–26).

Dieses Muster belegt, wie wichtig es ist, ein Kollegium von zwölf Aposteln aufrechtzuerhalten. Die Apostel waren für das Wohlergehen der Kirche so wichtig, dass Paulus erklärte, wie lange wir sie brauchen würden – nämlich bis „wir alle zur Einheit im Glauben … gelangen“ (Epheser 4:13). Er erklärte auch, warum: Wir sollten nicht „hin und her getrieben [werden] von jedem Widerstreit der Meinungen“ (Epheser 4:14). Die Apostel waren demgemäß sehr darauf bedacht, die Lehre rein zu halten.

Nehmen wir einmal einen Augenblick an, ich würde jemandem am Ende der Sitzreihe vor mir eine Geschichte erzählen. Derjenige sollte sie dann seinem Nachbarn erzählen und so weiter, alle Reihen hindurch bis zum Ende des Sitzblocks. Was würde mit dieser Geschichte geschehen? Sie würde sich ändern. Sie ändert sich immer; das liegt in der Natur des Menschen. So geschah es auch mit der Lehre, die von den Aposteln verkündet wurde, als diese in die verschiedenen Städte und Dörfer zogen. Als die Lehre von Mensch zu Mensch weitergetragen wurde, begann sie sich zu ändern. Solange die Apostel zur Verfügung standen, konnten sie die Lehre richtigstellen, indem sie Briefe schickten oder persönlich eine Predigt hielten. Aber als sie nicht mehr da waren, gab es keine Gegenkontrolle mehr, niemanden, der eingriff, und schon bald wurden die Lehren verzerrt oder gingen verloren.

Das ist einer der Gründe, weshalb nach dem Bauplan die Apostel und Propheten das Fundament der Kirche Christi darstellten. Kennen Sie etwa einen Änderungsauftrag im Neuen Testament, eine Offenbarung, durch die der Bauplan dahingehend geändert worden wäre, dass Apostel nicht länger notwendig wären? Ich nicht. Wenn dem also so ist, dann muss die wahre Kirche Christi auch heute Apostel und Propheten als Fundament haben.

Um dem Erretter und seinen Aposteln zu helfen, der Welt das Evangelium zu predigen, erwählte der Heiland weitere Männer, Siebziger genannt, dazu aus, den Weg zu bereiten. Von diesen Siebzigern lesen wir in Lukas, Kapitel 10. Kennen Sie eine Kirche in der heutigen Zeit, die zu diesem Bauplan passt – in der es das Amt des Siebzigers gibt?

Im Bauplan des Neuen Testaments werden weitere Beamte aufgeführt, die zur Organisation der Kirche Christi gehörten: der Bischof (siehe 1 Timotheus 3; Titus 1:7), der Älteste (siehe Apostelgeschichte 14:23; Titus 1:5), der Diakon (siehe Philipper 1:1), der Evangelist (siehe Epheser 4:11; damit ist der Patriarch gemeint1) und der Hirte (siehe Epheser 4:11; damit sind Männer wie der Bischof oder der Pfahlpräsident gemeint, die über eine Herde präsidieren2).

Der sechste Glaubensartikel nimmt auf diesen Bauplan Bezug: „Wir glauben an die gleiche Organisation, wie sie in der Urkirche bestanden hat, nämlich Apostel, Propheten, Hirten, Lehrer, Evangelisten usw.“ (6. Glaubensartikel; Hervorhebung hinzugefügt.) Mit anderen Worten: Wir glauben, dass die heutige Kirche Jesu Christi dieselbe Organisation haben sollte, wie sie in der Urkirche Christi vorhanden war, und dass diese nur durch Offenbarung geändert werden kann. Deshalb gibt es ein jedes dieser Ämter in unserer heutigen Kirche.

Wie wurden die Apostel Christi und andere Beamte ausgewählt? Ist der Erretter an die besten theologischen Schulen seiner Zeit gegangen und hat dort die besten Schüler ausgewählt? Nein. Dem Bauplan zufolge wählte er vielmehr Petrus, einen Fischer, Matthäus, einen Steuereintreiber, und später Paulus, einen Zeltmacher, aus. Es wurden nichts als gewöhnliche Sterbliche ausgewählt – im Grunde alles Laiengeistliche. Heute hat die Kirche ein Kollegium von zwölf Aposteln, die gleichermaßen aus den Reihen der ganz normalen Mitglieder der Kirche kommen. Der eine ist vielleicht Lehrer, der andere Ingenieur, wieder ein anderer Anwalt und so weiter.

Haben sich die Apostel Christi und die übrigen Beamten für den geistlichen Dienst beworben? Nein, das haben sie nicht. Im Bauplan steht, wie Christus seine Beamten ausgewählt hat: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und … bestimmt.“ (Johannes 15:16; Hervorhebung hinzugefügt.) Was hat Christus seinen Aposteln gegeben, als er sie ordinierte? In Matthäus und Lukas steht die Antwort: „[Er] gab ihnen … Vollmacht“ (Matthäus 10:1; siehe auch Lukas 9:1) – die Macht des Priestertums, in seinem Namen zu handeln und sein Werk zu verrichten. Deshalb steht in dem Plan, dass der Menschensohn „alle Verantwortung seinen Dienern“ übertrug (Markus 13:34). Wozu? Auf dass sie mit seiner Billigung in seinem Namen handeln konnten. Jeder, der in dieser Kirche heute das Priestertum Gottes trägt, kann seine Vollmacht auf Jesus Christus zurückführen, die Quelle aller Vollmacht und Macht. So hat auch er ein Anrecht auf die Billigung Christi – seine Genehmigung –, wie es der Bauplan erfordert.

Was war der Name der Kirche, die von Christus gegründet wurde? Wenn wir im Namen Christi getauft werden, wenn wir im Namen Christi beten, wenn wir im Namen Christi errettet werden und wenn er der Gründer und Schlussstein seiner Kirche ist, wie sollte seine Kirche dann Ihrer Meinung nach heißen? Kirche Jesu Christi! Als der Erlöser zu der Zeit, in der das Buch Mormon spielt, zu den Menschen sprach, erläuterte er die Hintergründe, weshalb die Kirche seinen Namen tragen sollte: „Und wie soll es meine Kirche sein, wenn sie nicht nach meinem Namen genannt wird? Denn wenn eine Kirche nach dem Namen des Mose genannt wird, dann ist sie die Kirche des Mose, oder wenn sie nach dem Namen eines Menschen genannt wird, dann ist sie die Kirche eines Menschen; wenn sie aber nach meinem Namen genannt wird, dann ist sie meine Kirche, wenn es so ist, dass sie auf mein Evangelium gebaut sind.“ (3 Nephi 27:8; Hervorhebung hinzugefügt.)

Aus diesem Grund tadelte Paulus einige der frühen Mitglieder der Kirche; sie hatten ihre Gemeinde nach dem einen oder anderen Jünger benannt und nicht nach dem Namen Christi. Paulus schrieb dazu:

„Ich meine damit, dass jeder von euch etwas anderes sagt: Ich halte zu Paulus – ich zu Apollos – ich zu Kephas – ich zu Christus.

Ist denn Christus zerteilt? Wurde etwa Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden?“ (1 Korinther 1:12,13.)

Anders ausgedrückt: Wir nehmen keinen anderen Namen als den Jesu Christi auf uns.

So geht also aus dem Bauplan hervor, dass die Kirche Christi seinen Namen tragen sollte. Mir ist es immer wie ein Wunder erschienen, dass es die Reformation schon 300 Jahre vor den Zeiten von Joseph Smith gegeben hat und niemand daran gedacht hat, seine Kirche nach Jesus Christus zu benennen. Natürlich sind einige seit den Lebzeiten von Joseph Smith seinem Beispiel gefolgt, aber auf wundersame Art schützte der Herr die Verwendung seines Namens bis zu den Zeiten von Joseph Smith und der Wiederherstellung der Kirche Christi.

Wenden wir uns der zweiten Seite des Bauplans zu. Was waren die „Lehren“ der Kirche Christi? Betrachten wir einige davon.

Ist Gott nur ein Geist oder hat er auch einen Körper aus Fleisch und Knochen? Was steht im Bauplan?

Nach der Auferstehung erschien Christus seinen Jüngern, die fälschlicherweise annahmen, er sei ein Geist (siehe Lukas 24:37). Er korrigierte ihre falsche Schlussfolgerung: „Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.“ (Lukas 24:39; Hervorhebung hinzugefügt.)

Um jegliche Zweifel auszuräumen, dass sein wiederauferstandener Körper wirklich fleischlicher Natur war, fragte er seine Jünger: „Habt ihr etwas zu essen hier?“ (Lukas 24:41.) In der Heiligen Schrift heißt es:

„Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch;

er nahm es und aß es vor ihren Augen.“ (Lukas 24:42,43.)

Mit einem verherrlichten, auferstandenen Körper aus Fleisch und Knochen fuhr Christus in den Himmel auf (siehe Apostelgeschichte 1:9),3 wo er zur rechten Hand Gottvaters sitzt und, wie es in den Schriften heißt, „das Abbild seines Wesens“ ist (Hebräer 1:3). Dies ist genau die Wahrheit, die Joseph Smith im Rahmen der Wiederherstellung der Kirche Christi verkündete: „Der Vater hat einen Körper aus Fleisch und Gebein, so fühlbar wie der eines Menschen, ebenso der Sohn.“ (LuB 130:22.)

Sind Gott und Jesus ein und dasselbe Wesen, wie viele Christen glauben, oder zwei voneinander getrennte Wesen? Was steht im Bauplan?

In der Bibel gibt es eine erstaunliche Anzahl von Hinweisen darauf, dass Vater und Sohn getrennte Wesen mit getrennten Aufgaben sind. Als er im Garten Getsemani erkannte, welch unerträgliche Qual auf ihn zukommen sollte, erklärte der Erretter: „Nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.“ (Lukas 22:42.) Dies ist der großartigste Akt der Unterwerfung, den die Welt je gesehen hat. Aber was für eine Unterwerfung hätte es denn geben können, wenn es kein anderes Wesen gegeben hätte, dem er sich hätte unterwerfen können – wenn er und der Vater ein und dasselbe Wesen gewesen wären? Warum betet der Heiland zum Vater oder ruft aus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Markus 15:34.) Wie hätte er verlassen werden können, wenn es kein von ihm getrenntes Wesen gegeben hätte, das ihn hätte verlassen können? Wie konnte Stephanus Jesus zur rechten Hand Gottes sehen, wenn es nicht zwei Personen wären (siehe Apostelgeschichte 7:55,56)?

Als Joseph Smith aus dem Wäldchen zurückkehrte, hatte er die Wahrheit für sich selbst erkannt. Er hatte Gottvater und dessen Sohn Jesus Christus nebeneinander stehen sehen; er hatte gehört, wie der Vater den anderen als seinen „geliebten Sohn“ bezeichnete (Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:17). An diesem herrlichen Tag machte der Himmel die alten Legenden der Menschheit über das Wesen Gottes zunichte und offenbarte und bestätigte die einfache Wahrheit so, wie sie ursprünglich aus dem Bauplan hervorgegangen war: Gottvater und sein Sohn Jesus Christus sind eins in den Absichten und im Willen, körperlich aber getrennt voneinander.

Was steht im Bauplan über diejenigen, die keine faire Chance hatten, das Evangelium Jesu Christi zu hören, solange sie auf Erden waren? Sind sie verdammt? Gibt es keine offenbarte Erkenntnis, in welchem Zustand ihr Geist ist?

Diese überragende Frage betrifft Milliarden von Menschen. Gewiss hat Gott doch etwas zu diesem Punkt gesagt? Ja, das hat er tatsächlich. Im Bauplan steht die Antwort.

Petrus hat geschrieben: „Denn auch Toten ist das Evangelium dazu verkündet worden, dass sie wie Menschen gerichtet werden im Fleisch, aber wie Gott das Leben haben im Geist.“ (1 Petrus 4:6.) Diese Lehre war während des Abfalls vom Glauben, der nach dem Tod der Apostel Christi einsetzte, verlorengegangen, aber sie wurde durch den Propheten Joseph Smith wiederhergestellt.

Gibt es drei Himmel oder nur einen? Jahrelang vertrat die Christenheit die Ansicht, es gebe einen Himmel und eine Hölle, aber was steht im ursprünglichen Bauplan?

Paulus hat gesagt: „Der Glanz der Sonne ist anders als der Glanz des Mondes, anders als der Glanz der Sterne.“ (1 Korinther 15:41.) Etwas später bestätigt er, dass der Himmel wahrhaftig dreigliedrig ist, als er von der Vision eines Mannes erzählt, der „bis in den dritten Himmel entrückt“ wurde (2 Korinther 12:2). Kann es einen dritten Himmel geben, wenn es keinen zweiten oder ersten Himmel gibt? Auch diese, durch den Propheten Joseph Smith wiederhergestellte Lehre stimmt genau mit dem ursprünglichen Bauplan überein.

Besteht die Ehe auf ewig oder hört sie mit dem Tod auf? Was steht im Bauplan?

Ganz im Einklang mit der den Aposteln verliehenen Macht, dass alles, was sie auf Erden binden würden, auch im Himmel gebunden sein würde (siehe Matthäus 18:18), verkündete Paulus: „Doch im Herrn gibt es weder die Frau ohne den Mann noch den Mann ohne die Frau“ (1 Korinther 11:11) – was bedeutet, dass es für Mann und Frau ideal ist, wenn sie in Gottes Gegenwart auf ewig verbunden sind. Petrus bestätigt diese Wahrheit. Auf Mann und Frau anspielend, sagt er, dass sie „Erben der Gnade des Lebens“ seien (1 Petrus 3:7). Nicht jeder für sich und einzeln, sondern gemeinsam sollten sie ihren Weg als Erben des ewigen Lebens gehen. Das ist die Lehre, die im Bauplan verkündet wird, und es ist auch die Lehre, die heute von der Kirche Christi verkündet wird.

Die dritte Seite des Bauplans heißt: „Heilige Handlungen in der Kirche Christi.“ Was das angeht, ist der Bauplan sehr genau. Segnen oder taufen wir beispielsweise Babys oder kleine Kinder? Was steht im Bauplan?

Der Erretter hat uns ein deutliches Beispiel gegeben. Kleine Kinder betreffend, heißt es in den Schriften: „Und er [Jesus] nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.“ (Markus 10:16; Hervorhebung hinzugefügt.) Matthäus bestätigt im Hinblick auf kleine Kinder, dass der Heiland „ihnen die Hände [auflegte]“ (Matthäus 19:15). Aus dem Bauplan geht hervor, dass Babys und kleine Kinder gesegnet und nicht getauft werden. Es gibt tatsächlich im gesamten Neuen Testament keinen einzigen Bericht über die Taufe eines Babys. Warum? Weil dies in der Kirche Christi nicht verordnet war. Wer in der heutigen Zeit auf der Suche nach der Kirche Christi ist, muss nach einer Kirche suchen, in der Babys gesegnet, aber nicht getauft werden.

Ist die Taufe für unsere Errettung unabdingbar? Was steht im Bauplan?

Nachdem Christus durch seine Taufe das Beispiel gegeben hatte, erklärte er unmissverständlich: „Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ (Johannes 3:5; Hervorhebung hinzugefügt.) Ähnlich verkündet Petrus: „Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung seiner Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“ (Apostelgeschichte 2:38; Hervorhebung hinzugefügt.) Was im Bauplan erklärt wird, ist genau das, was auch heute in der Kirche Christi erklärt wird.

Soll die Taufe durch Beträufeln, Übergießen oder Untertauchen vollzogen werden? Im Bauplan gibt es mindestens vier Beispiele dafür, dass die Taufe durch Untertauchen zu vollziehen ist.

Zunächst einmal kam der Erretter, unser leuchtendes Vorbild, geradewegs „aus dem Wasser gestiegen“ (Matthäus 3:16), was darauf hinweist, dass er zuerst in das Wasser hinabgestiegen sein musste.

Zweitens taufte Johannes der Täufer „in Änon bei Salim, weil dort viel Wasser war“ (Johannes 3:23; Hervorhebung hinzugefügt). Wieso hätte er sich an einen Ort begeben sollen, wo „viel Wasser“ war, wenn Beträufeln oder Übergießen ein zulässiges Taufverfahren gewesen wären?

Drittens hat Paulus uns gesagt, dass die Taufe für den Tod, das Begräbnis und die Auferstehung Jesu Christi steht (siehe Römer 6:3–5). Wenn der Bekehrte im Wasser der Taufe steht, stellt er den alten Menschen dar, der bald stirbt. Mit dem Untertauchen im Wasser werden seine Sünden „begraben“ und durch die Reinigungskraft des Wassers symbolisch vergeben. Wenn er dann aus dem Wasser hervorkommt, stellt er den in Jesus Christus neu gewordenen oder auferstandenen Menschen dar. All die Symbolik, die der Taufe zugrunde liegt, passt zur Taufe durch Untertauchen und geht beim Beträufeln oder Übergießen verloren, und zwar vollständig.

Viertens bedeutet das griechische Wort für Taufe übersetzt so viel wie „ins Wasser eintauchen“ oder „untertauchen“.

Will Durrant, ein bekannter Historiker, wusste, was aus dem Bauplan hervorgeht, und bemerkte: „Im neunten Jahrhundert war die frühchristliche Art der Taufe durch vollständiges Untertauchen bereits allmählich durch die Taufe durch … Beträufeln ersetzt worden, weil dies für die nördlichen Klimazonen als weniger gesundheitsschädlich galt.“4

Es sollte nicht verwundern, dass Joseph Smith über die Art und Weise, wie die Taufe zu vollziehen ist, eine Offenbarung empfing, die mit dem Bauplan Christi völlig im Einklang steht (siehe LuB 20:73,74).

War die Taufe für Verstorbene bereits in der Urkirche Christi eine heilige Handlung? Ja.

Die Mitglieder der Kirche in Korinth nahmen an einer heiligen Handlung teil, die als die Totentaufe bekannt war. Sie zweifelten jedoch daran, dass es die Auferstehung wirklich gibt. Paulus spürte, dass ihr Verhalten nicht zu dem passte, woran sie glaubten, und so führte er ihre Teilnahme an der ordnungsgemäßen heiligen Handlung der Totentaufe an, um die richtige Lehre von der Auferstehung zu beweisen: „Wie kämen sonst einige dazu, sich für die Toten taufen zu lassen? Wenn Tote gar nicht auferweckt werden, warum lässt man sich dann taufen für sie?“ (1 Korinther 15:29.)

Sobald jemand die Lehre so weit nachvollziehen kann, dass ihm klar ist, dass die Taufe für die Erlösung unabdingbar ist (was auch so ist), wird er logischerweise irgendwann an die Taufe für Verstorbene glauben. Da gibt es kein Entrinnen. Wie wäre sonst die schwierige Frage zu beantworten, was mit denen ist, die gestorben sind, ohne dass sie getauft werden konnten? Wer vor diese Frage gestellt wird, kann aus vier möglichen Antworten wählen.

Erstens: Ein Mensch, der nicht getauft ist, wird verdammt und kommt in die Hölle. Eine solche Antwort steht jedoch im Widerspruch zu den Wahrheiten aus der Schrift, „dass Gott nicht auf die Person sieht“ (Apostelgeschichte 10:34) und dass „er will, dass alle Menschen gerettet werden“ (1 Timotheus 2:4).

Zweitens: Vielleicht hat Gott nicht wirklich gemeint, was er gesagt hat. Vielleicht ist die Taufe für die Errettung doch nicht wirklich notwendig. Doch das ist unrealistisch, weil Gott stets das sagt, was er meint: „Was ich, der Herr, gesagt habe, das habe ich gesagt, und ich entschuldige mich nicht.“ (LuB 1:38; siehe auch Mosia 2:24.)

Drittens: Manch einer glaubt, dass eine neuartige, sogenannte „Taufe aus Verlangen“ die Taufe durch Wasser ersetzen könne. Anders ausgedrückt: Wenn jemand Jesus nachfolgen möchte, aber im Laufe seines Lebens keine Möglichkeit hatte, getauft zu werden, dann wird ein aufrichtiger Wunsch als Ersatz für die Taufe im Wasser anerkannt. Das Problem dabei ist, dass dies durch die heiligen Schriften nicht gestützt wird. Dort steht nicht: „Wenn jemand nicht aus dem Wunsch geboren wird“, sondern: „Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen“ (Johannes 3:5; Hervorhebung hinzugefügt.)

Die vierte Möglichkeit ist die, dass Gott wirklich meinte, was er sagte, als er alle Menschen dazu aufforderte, sich taufen zu lassen, und dass er deswegen in seiner Gnade allen Menschen einen Weg bereitete, sich taufen zu lassen, selbst wenn sich während ihres Erdenlebens keine Gelegenheit dazu ergab. Es ist die Taufe für die Toten. Das ist die Möglichkeit, die zum Bauplan passt.

Was steht im Bauplan über die Art und Weise, wie die Gabe – nicht nur die zeitweilige Anwesenheit, sondern die ständige Gabe – des Heiligen Geistes nach der Taufe übertragen wird? Kommt dieser automatisch nach der Taufe auf jemanden herab? Kommt er herangebraust wie der Wind oder gibt es eine göttliche Ordnung, ein göttliches Verfahren, das befolgt werden muss, um diese Gabe zu erhalten? Im Bauplan steht die Antwort.

Nachdem Philippus in Samaria einige Bekehrte getauft hatte, kamen Petrus und Johannes zu ihm. Aus den heiligen Schriften geht hervor, wie diese heilige Handlung zu vollziehen ist: „Dann legten sie [Petrus und Johannes] ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist.“ (Apostelgeschichte 8:17; Hervorhebung hinzugefügt.)

Dieselbe Vorgehensweise wurde eingehalten, nachdem Paulus Bekehrte in Ephesus getauft hatte:

„Als sie das hörten, ließen sie sich auf den Namen Jesu, des Herrn, taufen.

Paulus legte ihnen die Hände auf und der Heilige Geist kam auf sie herab.“ (Apostelgeschichte 19:5,6; Hervorhebung hinzugefügt.)

Wieder einmal stimmen der Bauplan und die wiederhergestellte Kirche Christi völlig überein.

Die nächste Seite des Bauplans könnte heißen: „Die Früchte der Kirche Christi.“ Der Erretter wies uns auf ein Kennzeichen hin: „An ihren Früchten … werdet ihr sie erkennen.“ (Matthäus 7:20.) Von welchen Früchten der Kirche Christi ist im Bauplan die Rede?

Zunächst einmal waren die damaligen Mitglieder bestrebt, ihre Gesundheit zu erhalten. Von Paulus wissen wir, dass unser sterblicher Körper ein „Tempel“ ist, in dem unser Geist wohnt und der deshalb als etwas Heiliges behandelt werden soll: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1 Korinther 3:16; siehe auch 1 Korinther 6:19.) Deshalb befolgten die Mitglieder der Kirche Christi bestimmte Gesundheitsregeln. Beispielsweise unterlag der Genuss des Weines gewissen Einschränkungen, wie man in Epheser 5 und 1 Timotheus 3 nachlesen kann. Passend zu diesem göttlichen Gesetz, unseren Körper wie einen Tempel zu behandeln, erhielt Joseph Smith für die Mitglieder der wiederhergestellten Kirche Christi ein Gesundheitsgesetz vom Herrn, bekannt als das Wort der Weisheit. Eine Folge dieses Gesundheitsgesetzes: Studien haben wiederholt belegt, dass die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen Letzten Tage zu den gesündesten Menschen auf der Welt gehören. Das ist eine der Früchte, die hervorkommen, wenn man nach dem Gesundheitsgesetz Christi lebt.

Eine weitere Frucht der Kirche Christi waren die Wunder und die Geistesgaben. Sie finden sich überall im Neuen Testament. Sie waren ein Beweis dafür, dass die Macht Gottes in der Kirche Christi zugegen war (siehe Hebräer 2:4). Leider ließen die Wunder jedoch mit dem Abfall vom Glauben nach. Historiker haben dies bereitwillig bestätigt, Reformatoren haben es eingeräumt. Paul Johnson, ein bekannter Historiker, bemerkt: „Es ist bestätigt worden, dass das Zeitalter der Wunder mindestens seit der Kaiserzeit [gemeint ist die Zeit Konstantins] vorüber war: Die Führer der Christen konnten das Evangelium nicht mehr wie die Apostel mithilfe übernatürlicher Macht verbreiten.“5

Warum kam eine Zeit, in der es keine Wunder und Geistesgaben mehr gab? Weil der Baum, der die Frucht trug, nämlich die Kirche Christi, nicht mehr auf der Erde war und der Glaube der Menschen abnahm. John Wesley ist diese Abwesenheit der Geistesgaben in der Kirche seiner Zeit aufgefallen. „Allem Anschein nach waren die außergewöhnlichen Gaben des Heiligen Geistes nicht länger als zwei-, dreihundert Jahre in der Kirche verbreitet.“6

Belassen wir es dabei, dass ich, wie so viele von Ihnen, bezeugen kann, dass es heute in der wiederhergestellten Kirche Christi Wunder und Geistesgaben gibt, wie es in der Urkirche der Fall war.

Es gibt noch eine dritte Frucht: Im Bauplan der Kirche Christi sind etliche Berichte über Engel und Visionen aufgezeichnet. In der heutigen Zeit betrachtet so manch einer eine Kirche, die von Engeln und Visionen spricht, skeptisch. Er vergisst dabei aber, dass Engel und Visionen ein entscheidendes Merkmal der Urkirche Christi waren: Ein Engel verkündete Maria die Geburt Christi, Engel erschienen Petrus, Jakobus und Johannes auf dem Berg der Verklärung, ein Engel befreite Petrus und Johannes aus dem Kerker, ein Engel sprach zu Kornelius, ein Engel warnte Paulus vor dem drohenden Schiffbruch, ein Engel erschien Johannes dem Offenbarer, Stephanus hatte eine Vision vom Vater und vom Sohn, Johannes eine von den Letzten Tagen, und es gibt noch weit mehr. Die Frage sollte nicht lauten, wie die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage die wahre Kirche sein kann, wenn es bei ihr angeblich Engel und Visionen gibt, sondern vielmehr, wie eine Kirche in der heutigen Zeit für sich beanspruchen kann, die wahre Kirche Christi zu sein, wenn sie keine Engel und Visionen hat – so, wie es in der Urkirche Christi der Fall war und wie es in seinem Bauplan offenbart ist.

Es gibt viele weitere Früchte, die mit der Urkirche Christi übereinstimmen:

Es war eine Kirche, die missionarisch tätig war. Den Aposteln wurde geboten, zu allen Völkern zu gehen (siehe Matthäus 28:19). Heute haben wir über 80.000 Missionare, die dieses Gebot halten und die Früchte daraus hervorbringen.

Es war eine Kirche, in der Sittlichkeit herrschte. Dem Bauplan zufolge wurde den Heiligen in der Urkirche Christi geboten, sich anständig zu kleiden und sich vorehelicher Beziehungen zu enthalten. Wie viele Kirchen verkünden diese sittlichen Werte nicht nur, sondern setzen sie auch um?

In der Urkirche Christi stand die Familie im Mittelpunkt. Dem Mann war es geboten, seine Frau zu lieben und ihr treu zu sein (siehe Epheser 5:23–25), den Kindern war es geboten, ihren Eltern zu gehorchen (siehe Epheser 6:1), und dem Bischof war es geboten, sein Haus ordentlich zu bestellen (siehe 1 Timotheus 3:4,5). Unsere heutige Kirche ist wie die Urkirche Christi dafür bekannt, dass die Familie im Mittelpunkt steht. Die Früchte der Kirche Christi sind in der Bibel sorgsam aufgezeichnet und in der wiederhergestellten Kirche Christi unserer Tage wiederzufinden.

Christus hat seine Kirche auf der Erde errichtet, aber die letzte Seite des Bauplans zeigt, dass es eine Verbindung zum Himmel gab, nämlich göttliche Offenbarung. Ohne diese Verbindung wäre die Kirche bloß eine von Menschen geführte Organisation, in der nichts als Vernunft herrschte. Der Prophet Amos hat gesagt: „Nichts tut Gott, der Herr, ohne dass er seinen Knechten, den Propheten, zuvor seinen Ratschluss offenbart hat.“ (Amos 3:7.) Paulus hat bestätigt, dass Offenbarung einen wesentlichen Teil der Kirche ausmacht und dass sie fortwährend ergehen sollte, denn er hat gesagt: „[Ich will] jetzt von Erscheinungen und Offenbarungen sprechen.“ (2 Korinther 12:1; siehe auch Apostelgeschichte 1:2.)

Übereinstimmend mit dieser grundlegenden Lehre ist auch die heutige Kirche Christi durch fortwährende Offenbarung mit dem Himmel verbunden. In der diesbezüglichen Erklärung der Kirche, bekannt als der neunte Glaubensartikel, steht: „Wir glauben alles, was Gott offenbart hat, und alles, was er jetzt offenbart; und wir glauben, dass er noch viel Großes und Wichtiges offenbaren wird, was das Reich Gottes betrifft.“

Wollte man den Bauplan der Urkirche Christi mit allen anderen Kirchen auf der heutigen Welt abgleichen, würde man feststellen, dass Punkt für Punkt, Organisation für Organisation, Lehre für Lehre, Verordnung für Verordnung, Frucht für Frucht und Offenbarung für Offenbarung sich nur eine damit deckt: die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

Falls jemand diese Kirche verwirft, nachdem er sich gründlich mit dem Bauplan befasst hat, wird er für jede andere Kirche wohl verloren sein, weil er zu viel weiß. Er wird wie Petrus sein, den der Erretter fragte: „Wollt auch ihr weggehen?“ (Johannes 6:67.) Die Antwort, die Petrus gab, sollte jeder sich mit ganzem Herzen einprägen und in der Familie in Ehren halten: „Zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“ (Johannes 6:68.)

Wenn sich jemand von der Kirche abwendet, wo soll er dann die wiederhergestellte Wahrheit erfahren über das Wesen Gottes, das im heiligen Hain offenbart wurde, über die Verkündigung des Evangeliums an die Toten, die drei Reiche der Herrlichkeit oder die Ewigkeit der Familie? Wo soll er die heiligen Handlungen empfangen, durch die er errettet und erhöht werden kann? Wo soll er seine Frau und seine Kinder für die Ewigkeit an sich siegeln lassen? Wohin soll er sich wenden, wenn er für einen Angehörigen einen Priestertumssegen des Trostes und Rates oder einen Krankensegen haben möchte? Wohin soll er gehen, um einen Propheten Gottes zu finden? Er wird vergeblich nach diesen Lehren, heiligen Handlungen und Mächten und den Propheten suchen, denn sie sind einzig und allein in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu finden.

Man kann nicht die durch den Propheten Joseph Smith wiederhergestellten Lehren und heiligen Handlungen haben und nicht anerkennen, dass Joseph Smith und seine Geschichte dafür die Grundlage bilden. Sie sind untrennbar. Sie gehen Hand in Hand. Man kann die Frucht nicht gut nennen und dann den Baum schlecht. Der Erretter hat diese Wahrheit vor langer Zeit ausgesprochen: „Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte hervorbringen und ein schlechter Baum keine guten.“ (Matthäus 7:18.) Wenn also die Frucht der Lehre, über die wir heute Abend gesprochen haben, gut ist, dann ist der Baum, von dem sie stammt, nämlich Joseph Smith und die damit einhergehende, zugrunde liegende Geschichte offenbarter Wahrheiten, ebenso gut. Das eine ist ohne das andere nicht vorstellbar.

Vor Jahren verwies Elder B. H. Roberts in der Generalkonferenz immer wieder auf die Leistungen Joseph Smiths. Einmal sagte er, als ob er zu dessen Kritikern spräche: „Tun Sie es ihm doch gleich! Tun Sie es ihm gleich, sage ich, oder halten Sie sich den Mund zu, wenn sein Name fällt.“7

Was es an Einwänden aus geschichtlicher oder gesellschaftlicher Sicht und an angeblichen wissenschaftlichen Widersprüchen auch geben mag, ist alles Nebensache. Hauptsache sind die Lehren und Verordnungen, ist die Macht des Priestertums und sind die weiteren Früchte unserer Kirche, von denen wir etliche heute angesprochen haben. Vielleicht sagt nun einer: „Ich glaube das ja alles, aber was entgegne ich einem Kritiker auf eine konkrete Frage?“

Jeder Anwalt weiß, dass sein Mandant im denkbar schlechtesten Licht dasteht, nachdem der Staatsanwalt seinen Hauptzeugen aufgerufen hat. Wer mit einem Urteil schnell bei der Hand ist, hält den Angeklagten an dieser Stelle vielleicht schon für schuldig, doch dann ist im Gerichtssaal etwas Interessantes zu beobachten. Die Verteidigung beginnt mit dem Kreuzverhör desselben Zeugen, und was geschieht? Oftmals fallen die entschiedenen Aussagen des Zeugen unter dem Druck des Kreuzverhörs nach und nach in sich zusammen. Bei dem Zeugen, der so unanfechtbar schien, treten auf einmal Unstimmigkeiten zutage, möglicherweise sogar eklatante Erinnerungslücken. Die scheinbar grundsolide Geschichte des Zeugen wird mit jeder weiteren Frage an ihn immer fadenscheiniger und brüchiger. Er konnte mit den einfach zu beantwortenden Fragen seines Staatsanwalts gut umgehen, doch den harten, eindringlichen und bohrenden Fragen der Gegenseite kann er nicht standhalten. Nach dem Kreuzverhör wirkt der Zeuge weitgehend unglaubwürdig. Der Beobachter, der den Angeklagten schon aburteilen wollte, erkennt nun, dass der Mann völlig unschuldig ist.

Genauso richten manche Kritiker einseitige Fragen an die Kirche, um diese in einem möglichst schlechten Licht darzustellen. Man kann aber jede Frage so oder so sehen.8 Der Hauptzeuge des Staatsanwalts ist in einem Kreuzverhör genauso verwundbar wie die schärfsten Kritiker der Kirche. Ich habe noch nie einen Gegner getroffen, der mir auf die folgenden Fragen im „Kreuzverhör“ eine zufriedenstellende Antwort geben konnte.

Erstens: Woher wusste Joseph Smith, wie die Lehren und heiligen Handlungen aus der Bibel wiederherzustellen waren, darunter die Lehre vom vorirdischen Dasein, vom wahren Wesen Gottes, vom Evangelium, das den Toten verkündet wird, von der Taufe für Verstorbene und viele weitere, über die wir heute gesprochen haben, wenn diese Lehren und heiligen Handlungen von anderen Kirchen seiner Zeit gar nicht verkündet wurden? Warum war Joseph Smith der Einzige, der diese Lehren entdeckte und sie wiederherstellte? Selbst wenn man ihn für ein theologisches Genie hält – warum gab es dann kein anderes solches Genie in den 1800 Jahren seit dem geistlichen Wirken des Erretters, das es ihm gleichtun konnte?

Zweitens: Wenn diese Kirche nicht die Kirche Christi ist, warum finden sich dann dort dieselben Früchte wie in der Urkirche Christi wieder, nämlich Wunder, Geistesgaben, fortwährende Offenbarung von Aposteln und Propheten, Engel und Visionen, Mitglieder, die gesund sind, sittlich anständig leben, den Missionsgedanken verinnerlicht haben und bei denen die Familie im Mittelpunkt steht? Hat nicht der Erretter das Kennzeichen genannt – dass man sie an ihren Früchten erkennen wird (siehe Matthäus 7:20)?

Sicherlich könnten bei einem Kreuzverhör viele weitere Fragen gestellt werden. Es gibt jedoch bestimmte Fragen, die weitergehen als alle anderen und sie übertreffen – sie bilden den eigentlichen Knackpunkt bei einem jeden Thema. Der Hinweis möge genügen, dass manche Fragen einfach wichtiger sind als andere, wenn man die Wahrheit herausfinden will. Wenn man erkennt, dass Joseph Smith die oben angesprochenen Lehren und heiligen Handlungen der Bibel wiederhergestellt hat, oder zu der Erkenntnis gelangt, dass die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage dieselben Früchte wie die Urkirche Christi aufweist, oder begreift, dass das Buch Mormon göttlichen Ursprungs ist, dann weiß man, dass Joseph Smith ein Prophet ist. Und wenn Joseph Smith ein Prophet ist, dann ist dies die einzig wahre und lebendige Kirche auf der Erde. Alle anderen Fragen treten demgegenüber in den Hintergrund. Es ist so, als ob der Oberste Gerichtshof ein Urteil verkündete. Alle anderslautenden Entscheidungen untergeordneter Gerichte werden damit gegenstandslos. Und auch alle Fragen von Kritikern, mögen sie noch so bohrend, faszinierend oder unterhaltsam sein, werden für die Wahrheitsfindung gegenstandslos. Warum? Weil die Schlüsselfragen – die entscheidenden, weitergehenden Fragen, die den Grundpfeiler für die Erkenntnis der Wahrheit bilden – bereits beantwortet wurden.

Dazu sei nur so viel gesagt: Ich kann mit mancher menschlichen Unvollkommenheit leben, selbst bei den Propheten Gottes – sie ist bei sterblichen Wesen zu erwarten. Ich kann mit manchem angeblich wissenschaftlichen Beweis gegen das Buch Mormon leben. Die Zeit wird ihn richtigstellen. Und ich kann mit manchen Ungereimtheiten leben, die es in der Geschichte offenbar gab. Sie spielen im Gesamtbild der Wahrheit eine untergeordnete Rolle. Aber ich kann nicht ohne die von Joseph Smith wiederhergestellten Wahrheiten der Lehre und heiligen Handlungen leben. Ich kann nicht ohne das Priestertums Gottes zum Segen meiner Familie leben, und ich kann nicht ohne das Wissen leben, dass meine Frau und meine Kinder für die Ewigkeit an mich gesiegelt sind. Das ist die Wahl, vor der wir stehen: ein paar unbeantwortete Fragen auf der einen Seite gegenüber einer Unmenge an Gewissheit, was die Lehre betrifft, und der Macht Gottes auf der anderen. Für mich, und hoffentlich auch für Sie, ist die Wahl einfach und vernünftig.

Ich gebe Zeugnis, dass die Kirche, über die Sie eines Tages präsidieren werden, den Namen Christi trägt, weil sie die von Gott genehmigte Organisation, seine Lehren, seine heiligen Handlungen, seine Mächte, seine Früchte und seine fortwährende Offenbarung aufzuweisen hat, und all dies gehört zu seinem göttlichen Bauplan. Mögen wir geistig ein Auge für die Zusammenhänge zwischen diesem Bauplan und der wiederhergestellten Kirche Christi in der heutigen Zeit haben, denn sie geben uns ein unwiderstehliches Zeugnis von Gott. Davon gebe ich Zeugnis und darum bete ich im Namen Jesu Christi. Amen.

© 2014 Intellectual Reserve, Inc. Alle Rechte vorbehalten. Genehmigung: Englisch 9/13, Übersetzung 9/13. Das Original trägt den Titel: What Is the Blueprint of Christ’s Church? German. PD50051805 150

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    Anmerkungen

  1.  

    1. Der Prophet Joseph Smith hat gesagt: „Ein Evangelist ist ein Patriarch.“ (Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Smith, Seite 154).

  2.  

    2. Hirte ist ein allgemeiner, nicht näher bezeichnender Ausdruck für jemanden, der über eine Herde wacht.

  3.  

    3. Manche Leute glauben, dass der wiederauferstandene Körper Christi nur eine um der sterblichen Menschen willen angenommene, vorübergehende Erscheinung gewesen sei und dass er, als er in den Himmel auffuhr, diesen Körper abgelegt habe, damit ihm die „Schranken“ eines körperlichen Daseins nicht länger zur Last fielen. Demzufolge sei Christus auch heute als ein Geist im Himmel. In den heiligen Schriften findet sich allerdings keinerlei Beleg dafür, dass der wiederauferstandene Körper Christi nur vorübergehender Art gewesen sei oder dass er ihn jemals wieder abgelegt habe. Paulus, der diese Ansicht zweifellos vorhersah, verurteilte sie denn auch. Er erklärte, es sei Christus unmöglich gewesen, seinen wiederauferstandenen Körper abzulegen: „Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn.“ (Römer 6:9; Hervorhebung hinzugefügt.) Aus dieser Schriftstelle geht hervor, dass Christus nach seiner Auferstehung nicht mehr sterben konnte. Da der Tod die Trennung von Körper und Geist ist (siehe Jakobus 2:26), ergibt sich aus dieser Schriftstelle, dass Christus seinen physischen Körper vor der Auffahrt in den Himmel nicht ablegen konnte; wäre dem so gewesen, hätte er zum Zeitpunkt der Auffahrt einen zweiten Tod erlitten – was Paulus zufolge unmöglich war.

  4.  

    4. Will Durrant, The Story of Civilization: The Age of Faith, 1950, Seite 738

  5.  

    5. Paul Johnson, A History of Christianity, 1976, Seite 162; Hervorhebung hinzugefügt

  6.  

    6. John Wesley, The Works of John Wesley, 14 Bände, 3. Auflage, Ausgabe von 1872, Nachdruck 1986, 7:26

  7.  

    7. B. H. Roberts, zitiert in Truman G. Madsen, Defender of the Faith: The B. H. Roberts Story, 1980, Seite 351

  8.  

    8. Als der Erretter den Tempel gereinigt hatte und dorthin zurückgekehrt war, um zu lehren, kamen seine Kritiker auf ihn zu und fragten ihn: „Mit welchem Recht tust du das alles?“ Da ihm klar war, dass man diese Frage auf verschiedene Weise betrachten konnte, erwiderte er im Grunde: „Ich beantworte euch eure Frage, wenn ihr mir zuerst meine beantwortet. Woher stammte die Taufe des Johannes? Vom Himmel oder von den Menschen?“ Die Kritiker erkannten, welche Gefahr in der Antwort auf diese Frage lag, und erklärten, sie könnten sie nicht beantworten, woraufhin der Erretter entgegnete: „Dann sage auch ich euch nicht, mit welchem Recht ich das alles tue.“ (Siehe Matthäus 21:23–27.)