Angela Brower - ein Star zum Anfassen

Von Regina Schaunig, Redakteurin der Regionalen Umschau

  • 22.Oktober 2013

Angela Brower bei ihrem Abschied im Klagenfurter Gemeindehaus - (Foto von Elder Tracy Hall (Missionar))

Klagenfurt/München: Die junge Mezzosopranistin Angela Brower ist seit 2008 an der Bayrischen Staatsoper engagiert. Aufgewachsen ist sie zusammen mit fünf Brüdern in einer Mormonenfamilie in Arizona. Ihr Studium absolvierte sie an der Indiana und Arizona State University. Sie Sängerin verkörpert mit viel Charme und Engagement nicht nur Mädchen-, sondern auch sogenannte „Hosenrollen“. Während sie als Aschenputtel in Rossinis „La Cerentola“ und Zaida in „Il Turco in Italia“, Dorabella in Mozarts „Così fan tutte“, Rosina im „Barbier von Sevillia“, Wellgunde in Wagners „Nibelungen“ oder Juliette (Julia) in Gounods „Romeo et Juliette“ durchaus gern in schönen langen Keidern auftritt, freut es sie auch, wie sie sagt, zwischendurch „ein Junge zu sein“ und jene Rollen zu singen, die wegen der hohen Stimmlage von Tenören nicht übernommen werden können. Zu ihren viel beachteten Hosenrollendebüts gehören Cherubino in Mozarts „Hochzeit des Figaro“, Hänsel in Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“, Maffio Orsini in Donizettis „Lucrezia Borgia“ und zuletzt Nicklausse in der Bayrischen Staatsopernproduktion „Les Contes d'Hofmann“ (Hoffmanss Erzählungen) an der Seite von Rolando Villazón und Diana Damrau. Die „New York Times“ lobte im Rahmen dieser Produktion ihre besondere Stimmfärbung, die Süddeutsche Zeitung feierte Schwester Brower als „Entdeckung“. Noch im Juni sprang die Künstlerin in derselben Rolle auch kurzfristig an der San Francisco Opera ein, wobei die Zeitungen ihre „phänomenale Umsetzung dramatischer Energie und ihr reifes stimmliches Vermögen“ hervorhoben. Ihre Traumrolle sieht Angela Brower in der Charlotte in Massenets „Werther“ an, doch ist sie gern bereit, auf die Erfüllung dieses Traums noch zu warten. Im Moment sind noch ein Auftritt am Nationaltheater von Tokio, die Rolle des Annio in Mozarts „La Clemenza di Tito“ und des Siebel in Gounods „Faust“ geplant, wo sie zusammen mit Anna Netrebko auf der Bühne stehen wird.

Von zwei Missionaren begleitet, sang Schwester Brower das Lied „Consider the lilies“ - (Foto von Elder Tracy Hall (Missionar))

Bis  vor kurzem war Angela Brower noch am Klagenfurter Stadttheater in der Rolle des „Rosenkavaliers“ zu sehen, nämlich als Octavian Graf Rofrano, dem 17-jährigen Hauptdarsteller der von Hugo von Hofmannsthal verfassten und von Richard Strauß vertonten Operette mit Wiener Flair. Sonntags besuchte sie regelmäßig die kleine örtliche Gemeinde der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, wo sie sich, wie sie sagt, „sehr wohlgefühlt hat“. „Ich liebe diese Gemeinde, die Mitglieder sind mir in kurzer Zeit sehr ans Herz gewachsen“, bekannte sie zum Abschied und versprach, über Facebook und E-Mail mit ihnen in Verbindung zu bleiben. Auch in München wird die Rückkehr der Sängerin von lieben Freunden und Bekannten erwartet.

Schwester Brower ist aber nicht nur eine gefeierte, hoch aufstrebende Künstlerin, sondern auch ein Star zum Anfassen. Sie begegnet den Mitgliedern mit natürlicher Fröhlichkeit, aber auch voll Anteilnahme und menschlicher Wärme. Mitunter singt sie spontan im Kreis der Schwestern des Frauenhilfsvereins. Morgens sitzt sie manchmal noch vor Beginn der Versammlungen am Klavier und spielt – für sich selbst, wie sie sagt – Kirchenlieder. In München begleitet sie, sofern sie sich nicht gerade beruflich im Ausland aufhält, die Kinder der Primarvereinigung am Klavier. Kinder und Jugendliche sind ihr besonders ans Herz gewachsen.

Obwohl Angela Brower beruflich sehr beschäftigt war, machte sie der Gemeinde Klagenfurt vor ihrem Abschied ein besonderes Geschenk: sie musizierte am 4. Oktober 2013 zusammen mit den Kindern, dem Gemeindechor, talentierten Soloinstrumentalisten und begabten Missionaren. Freunde und Bekannte wurden eingeladen und kamen gern. Unter anderem sang sie, instrumental begleitet von Arnulf Schaunig, Elder Krieger und Sister Hall, Nicklausse's „Violin Aria“ aus „Hoffmanns Erzählungen“ und das geistliche Lied „Consider the lilies“ mit schwebender Leichtigkeit und Grazie. Am Schluss trug sie, halb a capella, ihr Lieblingskirchenlied „Komm, du Quelle jedes Segens“ vor. Der aufbauende Abend, an dem eine große Sängerin ihr Talent mit den Mitgliedern teilte, wirkte in denen, die ihn miterleben durften, noch lange nach.