Die Sprache der Liebe gelernt

  • 2012-05-05

David Fuchs (links) und sein Mitarbeiter Chase Young in der Hafenstadt Kotka, was übersetzt „Adler“ bedeutet

 

Erlebnisse eines österreichischen Missionars in Finnland

von David Fuchs, Gemeinde Wels

 

Eine der Herausforderungen für mich während meiner Mission in Finnland war die Sprache. Ich war hier wirklich auf die Hilfe Gottes angewiesen. Von Anfang bis zum Ende meines Aufenthalts waren von mir tägliche Anstrengung und wirkliches Bemühen gefordert, um die Landessprache zu erlernen. Das machte mich eigentlich sehr demütig. In den letzten Monaten meiner Mission belehrte unser Missionspräsident uns darüber, dass Finnisch nicht die einzige Sprache ist, die wir beherrschen müssen. Er sagte, dass es noch zwei weitere Sprachen gibt die wir lernen und können sollten, nämlich die Sprache der Liebe und die Sprache des Geistes. Dabei gab er uns zu verstehen, dass diese Sprachen wichtiger seien als Finnisch. Wie funktioniert die Sprache der Liebe?

 

Als ich erst ein paar Monate auf Mission und in meiner ersten Stadt in Finnland war, traf ich einen Mann und seine Frau. Sein Name war Mihail und von Anfang an kam er mir bekannt vor. Es fühlte sich so an, als würden wir uns schon viele Jahre kennen und als wären wir beste Freunde. Meine sprachlichen Möglichkeiten waren zu der Zeit sehr beschränkt, und er sprach kaum Englisch oder Deutsch. Trotzdem grüßten wir uns, lächelten einander an und freuten uns sehr, einander zu treffen. Es war wirklich zu spüren, dass wir, ohne je wirklich mit einander sprechen zu können, Freunde waren.

 

Bald danach kam ich in eine andere Stadt und verlor Mihail und seine Frau aus den Augen. Mein Wohnort änderte sich noch mehrere Male. Doch nach vielen Monaten oder vielleicht sogar einem Jahr, traf ich ihn wieder. Es war eine so große Freude ihn wiederzusehen! Er war wie ein guter alter Freund für mich. Von nun an sah ich ihn und seine Frau fast jeden Sonntag in der Kirche. Wir konnten uns bis zum Schluss kaum mit Worten verständigen. Ich hatte mittlerweile zwar Finnisch gelernt, aber Mihail und seine Frau waren aus Russland und sprachen fast nur Russisch.

 

Wenn ich in den Sprachen der Menschen
und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht,
so wäre ich ein dröhnendes Erz oder
eine lärmende Pauke.“ (1. Korinther 13:1)

 

Und trotzdem konnte ich immer seine Wertschätzung und Liebe spüren. Dies war wirklich erbauend und ermutigend, und ich bin ihm noch immer sehr dankbar dafür. Ich dachte an die Schriftstelle im 1 Korinther, Kapitel 13, Vers 1, die da lautet: „Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich ein dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.“ Das heißt, auch wenn ich eine Sprache perfekt beherrschte, wäre ich nichts ohne Liebe oder Nächstenliebe.

 

Ich kann bezeugen, dass dann, wenn ich für Menschen Liebe verspürte, die Sprache zwischen uns keine Barriere mehr war und ich mir keine Sorgen machte, was ich sagen sollte. Wenn wir von Liebe erfüllt sind, brauchen wir uns um Worte nicht zu sorgen.

Das ist mein Zeugnis. Im Namen Jesu Christi. Amen.