Farbenfrohes Tanzspektakel auf höchstem Niveau

Von Christian Gräub, Gemeinde Bonstetten

  • 23 Juni 2013

Mitglieder der BYU Ballroom Dance Company nach der Vorstellung im Gespräch mit dem Publikum. - (Foto: Matthias Weidmann)

Muttenz/Horgen (DW): Die BYU Ballroom Dance Company beendete ihre dreiwöchige Europatournee mit einem beeindruckenden Feuerwerk aus Musik, Tanz und Farben in Horgen. Mit Standing Ovation belohnte das Publikum die Tanzgruppe der Brigham Young Universität (BYU) aus Utah, USA, im Juni 2013.

In Zürich wird zum Frühjahrsbeginn alljährlich – einem alten Brauch folgend – eine grosse Puppe in Form eines wattierten Schneemanns verbrannt, der zuoberst auf einem riesigen Scheiterhaufen thront und der ausserdem mit zahlreichen Feuerwerksknallern bestückt ist. Wenn der Holzstoss um Punkt 18:00 Uhr entzündet wird und die sengenden Flammen lang­sam Richtung Schneemann züngeln, dann soll dem Winter endgültig der Garaus gemacht und ein warmes, schönes Sommerhalbjahr eingeläutet werden. Der Volksmund besagt aller­dings, dass nur ein „schneller Böögg“ (wie die Puppe genannt wird) einen schönen Sommer ga­rantiert: Wenn die gierigen Flammen weniger als 10 Minuten benötigen, bis sie den Schei­ter­haufen erklommen und den „Böögg“ in Brand gesteckt haben, dessen Kopf dann mit lautem Knall explodiert, verspricht dies, ein ausgezeichnetes Som­merhalbjahr zu werden; die Zeit zwischen 10 bis 20 Minuten lässt mittelprächtiges Wetter erwarten; was aber die Marke von 20 Minuten überschreitet, verheisst nichts Gutes: Kühle Temperatu­ren, regnerisches Wetter, bisweilen heftige Niederschläge.

Der diesjährige „Böögg“ erreichte mit einer Zeit von über 35 Minuten einen rekordverdächtigen Ne­gativwert. Und so erstaunte es im Grossraum Zürich denn auch niemanden wirklich, als sich ein düsterer, kühler und nasser Frühling einstellte, so schlecht, wie seit Menschenge­den­­ken nicht mehr – und auch die ersten Tage des Juni brachten keine Besserung.

Als ob die BYU BALLROOM DANCE COMPANY über diesen meteorologischen Missstand unterrichtet gewe­sen wäre, kamen die über 30 Tänzerinnen und Tänzer mit einem Pro­gramm angetanzt, das selbst einen Eisblock zum Schmelzen gebracht hätte: Das Ensemble versprühte mit seinen Tänzen in den unterschiedlichsten Stilrichtungen so viel Lebensfreude, Witz und Charme, dass es sich direkt in die Herzen eines begeisterten Publikums tanzte – eben ganz „Capture the Magic“ („Lass dich verzaubern“), dem Motto des zauberhaften Abends.

In schneller Abfolge wechselten sich Paartänze mit Grossformationen ab, deren Präzision immer wieder von neuem verblüffte. Verträumt schwebten verliebte Paare über die Bühnen­bretter („Come Thou Fount of Every Blessing; „Legendary Love“), melancholisch nahmen Soldaten Abschied von ihren Bräuten („Come Home Soon“), selbstbewusst stellten sich stählerne Männer dem Kampf („Sands of Time“).

Dem Einfallsreichtum waren keine Grenzen gesetzt: Die rührige Liebesromanze à la Charlie Chaplin („Paris Swing Box“), die Café-Szene mit aufblasbaren Puppen in Ermangelung „rich­tiger“ Tanzpartnerin­nen („La Cumparsita“), und nicht zuletzt das täuschend echt inszenierte Computergame mit wachsendem Super Mario („MicTendo“) haben nicht nur bei Erwachse­nen, sondern auch bei Kindern für glänzende Augen gesorgt und werden noch lange in Erin­nerung bleiben.

Das Feuerwerk an farbenfrohen Kostümen, Glanz und Glamour steigerte sich zusehends. Als dann die Company zum Schlussbouquet ansetzte und mit „Disney upon a Star“ und „Fire and Ice“ ein wahres Feuerwerkt an tänzerischen und athletischen Höchstleistungen zeigte – mit beiden Präsentationen hatte die Company in Blackpool GB an den britischen Meister­schaften im Gesellschaftstanz den ersten Preis gewonnen –, gab es für die Zuschauerinnen und Zuschauer kein Halten mehr: Es riss sie förm­lich von den Sitzen, um mit langanhalten­dem Applaus und Standing Ovation ihrer Begeiste­rung Ausdruck zu verleihen.

Zweifellos hat die Company den Winter endgültig vertrieben, das Eis zum Schmelzen und den Sommer gebracht – was die heissen Tage, die seit den Auftritten in Muttenz (BL) und Horgen (ZH) in der Schweiz Einzug gehalten haben, definitiv belegen!