Nachrichten der Kirche

Kommentar: „Aus etwas Kleinem“

  • 4. Januar 2013

© Gary Smith

Als er im schmutzigen Gefängnis zu Liberty in Missouri einsaß, schrieb der Prophet Joseph Smith im März 1839 einen Brief an die Heiligen der Letzten Tage, die vom Pöbel unterdrückt und aus Missouri vertrieben worden waren. Darin stand zu lesen:

„Ihr wisst, Brüder, dass ein ganz kleines Steuer einem sehr großen Schiff in Zeiten des Sturms sehr viel zu nutzen vermag, wenn es dem Wind und den Wellen zum Trotz auf Kurs gehalten wird.

Darum, vielgeliebte Brüder, lasst uns frohgemut alles tun, was in unserer Macht liegt, und dann mögen wir mit größter Zuversicht ruhig stehen, um die Errettung Gottes zu sehen, und dass sein Arm offenbar werde.“ (LuB 123:16,17.)

Diese Aussage klingt erstaunlich gelassen, optimistisch, robust und schwungvoll, vor allem, wenn man die unheilvollen Umstände bedenkt, unter denen sie zu Papier gebracht wurde. Die Mitglieder der Kirche in Missouri mussten Gräueltaten über sich ergehen lassen, darunter körperliche Gewalt, Brandstiftung, Vertreibung, Enteignung und sogar Massenmord. Der Prophet und seine Mitarbeiter in der Führungsriege der Kirche wurden verraten, in die Hände einer feindlicher Miliz überantwortet, unter falschen Anschuldigungen festgehalten und wären beinahe kurzerhand öffentlich in der Mormonenstadt Far West hingerichtet worden, wenn es nicht einen heldenhaften Freund gegeben hätte.

Der Prophet hielt die Mitglieder dazu an, ihre innere Kraft und Weisheit zu bewahren und angesichts von Unterdrückung und Prüfung nicht zu verzweifeln, auch wenn es verständlich gewesen wäre. Dafür bediente er sich eines Beispiels aus der Seefahrt. Er erinnerte sie daran, dass ein großes Schiff von einem kleinen „Steuer“ gelenkt werde, einem Lenksystem, das aus dem Ruder, der Pinne und dem Steuerrad besteht.

Der gleiche Gedanke kann auch mit Worten aus der heiligen Schrift zum Ausdruck gebracht werden. In einer Offenbarung, die 1831 in Kirtland in Ohio an ihn ergangen ist, wurde der Prophet angewiesen: „Darum werdet nicht müde, Gutes zu tun, denn ihr legt die Grundlage für ein großes Werk. Und aus etwas Kleinem geht das Große hervor.“ (LuB 64:33; Hervorhebung hinzugefügt.)

Dieser Vers erinnert an eine Schriftstelle aus dem Buch Mormon. Als Nephi den Liahona beschrieb, das wunderbare Werkzeug, durch das Lehi und seine Familie auf ihrer Reise geführt wurden, erklärte er, dieser arbeite gemäß dem, von den Reisenden ausgeübten „Glauben und dem Eifer und der Beachtung“ (siehe 1 Nephi 16:28). Dann merkte er an: „Und so sehen wir, dass der Herr durch kleine Mittel Großes zuwege bringen kann.“ (1 Nephi 16:29.)

Die von Nephi angesprochenen ‚kleinen Mittel‘ bezogen sich nicht auf den Liahona selbst – der ja ein großes und wunderbares Werkzeug war –, sondern auf den „Glauben und [den] Eifer“, gemäß derer er arbeitete.

Daher sagte der Prophet Alma, als er mit seinem Sohn Helaman über diese Begebenheit sprach:

„Und er arbeitete für sie gemäß ihrem Glauben an Gott; wenn sie also den Glauben hatten, darauf zu vertrauen, daß Gott diese Spindeln den Weg anzeigen lassen konnte, den sie gehen sollten, siehe, dann geschah es; darum wurde für sie diese Wundertat ebenso wie viele andere Wundertaten durch die Macht Gottes Tag für Tag bewirkt. …

Und nun, mein Sohn, möchte ich, dass ihr versteht, dass dies alles nicht ohne einen Schatten ist; …

Denn siehe, es ist ebenso leicht, dem Wort von Christus Beachtung zu schenken, das dir einen geraden Weg zu ewiger Seligkeit zeigt, wie es für unsere Väter war, diesem Kompass Beachtung zu schenken, der ihnen den geraden Weg ins verheißene Land zeigte.

Und nun sage ich: Ist nicht darin ein Sinnbild? Denn ebenso gewiss, … werden die Worte von Christus, wenn wir ihrem Weg folgen, uns über dieses Tal der Trauer hinaus in ein weit besseres Land der Verheißung führen.“ (Alma 37:40,43-45.)

An der Schwelle dieses neuen Jahres haben dieses von Alma erkannte „Sinnbild“ und dieser „Schatten“ Bedeutung für uns, die wir in den Letzten Tagen leben. Durch scheinbar kleine Mittel – indem wir etwa beten, fasten, die Gebote Gottes befolgen und auf andere Weise den Worten von Christus, wie sie uns in den heiligen Schriften und in den Worten der neuzeitlichen Propheten nahegebracht werden, Beachtung schenken – können auch wir Großes vollbringen.

Die meisten von uns können sich glücklich schätzen, sich nicht selbst in einer schweren Notlage zu befinden, wie sie Joseph Smith und die Mitglieder der Kirche im Winter 1838/1839 erlebten. Dennoch kann es sein, dass die Prüfungen und Herausforderungen des Alltags uns an den Rand der Verzweiflung bringen. Dabei kann es um die Finanzen, um Gesundheit, Beziehungen in der Familie, den Beruf oder andere beliebige Lebensumstände gehen. Vielleicht haben sich Zweifel eingeschlichen, die es schwierig machen, sich an die Gelegenheiten zu erinnern, als geistige Erlebnisse der Seele Frieden geschenkt haben (siehe LuB 6:22,23).

In solchen Zeiten, können wir an die Worte von Joseph Smith denken und unser „Steuer … dem Wind und den Wellen zum Trotz“ festhalten, Widerstand zu unserem Vorteil wenden, indem wir ihn als Mittel für unser Wachstum nutzen und stets dem Beistand und der Stärke vertrauen, die wir durch das Sühnopfer Christi erlangen.

Während wir bestrebt sind, die Absichten Gottes zuwege zu bringen und seinen Willen in unserem Leben umzusetzen, kann es uns von Nutzen sein, wenn wir daran denken, wer wir sind.

Seit vielen Jahrzehnten sprechen Psychologen bereits über die Macht des Selbstbilds, nämlich wie jemand die eigenen Möglichkeiten, das eigene Potenzial und den eigenen Selbstwert einschätzt. Theoretisch hat das Selbstbild eine machtvolle Wirkung auf das Verhalten, das geistige Wachstum und die Leistung eines Menschen.

Das wird etwa durch den Bericht in Mose 1 im Buch „ Die Köstlichen Perle“ veranschaulicht. Mose hatte mit Gott von Angesicht zu Angesicht gesprochen, und ihm wurde dessen Herrlichkeit und die Unermesslichkeit seiner unbegrenzten Werke gezeigt. Darüber hinaus war es Mose gegeben, seinen eigenen Wert in den Augen Gottes zu verstehen.

Später, als Satan ihn in Versuchung führte und von Mose verlangte ihn anzubeten, konnte Mose ihm entgegnen: „Ich bin ein Sohn Gottes, im Ebenbild seines Einziggezeugten; und wo ist deine Herrlichkeit, dass ich dich anbeten sollte?“ (Mose 1:13.)

Wir lernen daraus, uns stets unseres eigenen göttlichen Werts und unseres Potenzials bewusst zu sein, das um nichts geringer ist, als mit Christus Miterben all dessen zu werden, was der Vater hat, einschließlich seiner göttlichen Eigenschaften (siehe Römer 8:16,17).

Möge dies unser Endziel sein, wenn wir „Kleines“ anstreben und damit Großes zuwege bringen.