Nachrichten der Kirche

Mitglieder der Kirche lernen zu fischen

  • 6 August 2011

Präsident Fata und seine Frau in den Westen der Helping Hands, zusammen mit Präsident Tom, seiner Frau und einigen Dorfbewohnern.

ANMERKUNG DES HERAUSGEBERS: Dieser Artikel wurde ursprünglich am 27. Juli 2011 auf der offiziellen Internetseite der Kirche in Australien veröffentlicht.

Ende 2010 stand Rodney Tom, Zweigpräsident in Kukipi, wieder einmal reumütig vor dem Missionsheim in Port Moresby in Papua-Neuguinea. Dieses Mal waren die Nahrungsmittelvorräte, die der Missionspräsident Meliula Fata ihm gegeben hatte, schon nach ein paar Wochen zur Neige gegangen.

Präsident Tom hatte die Reise von 160 Kilometern schon mehrmals unternommen – eine zweistündige Bootsreise und dann mindestens fünf Stunden auf einem Transporter, beidseitig mit Planken bewährt, um viele Leute mit ihren Verkaufsgütern zu den verschiedenen Märkten zu bringen.

Dabei ging es ihm immer darum, notwendige Mittel für seinen kleinen Zweig zu beschaffen, der auf einer Insel im Delta in der Nähe des Flusses Miaru in Kukipi, in Moveave in Papua-Neuguinea sein Zuhause hat.

In Kukipi haben die Menschen gerade genug zum Überleben, und das einzige, was sie anbauen können, sind Bananen, Brotbaum und Maniok. Sie angeln nach Fischen und sammeln Krebse. Während der Trockenzeit können auch Kürbis und Süßkartoffel angepflanzt werden, aber oft wird die Insel aufgrund von Hochwassern und der sehr hohen Gezeitenströme im Winter und bei Vollmond von Salzwasser bedeckt. Deswegen ist der Boden unfruchtbar.

Die Mitglieder benötigten Nahrungsmittel und Präsident Fata besorgte sie oft von den Läden der Kirche, aber dieses Mal war es anders.

Präsident Fata rief den Zweigpräsident in sein Büro und sagte: „Ich kann Ihnen nicht mehr weiterhelfen. Ich kann Ihren Mitgliedern nicht alle paar Wochen mit Vorräten ausstatten. Sie müssen daran arbeiten, eigenständig zu werden.“

Präsident Fata fühlte sich dazu inspiriert, den Zweig mit drei Fischernetzen auszustatten, damit die Mitglieder genug Fische für alle fangen könnten. Solche Netze sind so teuer, dass sich die Dorfbewohner sie unter normalen Umständen nicht leisten könnten.

Zweigpräsident Tom machte sich mit den drei Netzen auf den Heimweg und Präsident Fata vertraute darauf, dass die Probleme des Zweiges Kukipi nun gelöst seien, aber nur sechs Wochen später berichtete Präsident Tom, dass es den Mitgliedern keineswegs besser ging.

„Warum? Was ist passiert“, fragte Präsident Fata.

Präsident Tom erzählte, dass die Mitglieder des Zweiges mit den Netzen so umgegangen sind wie mit anderen Spenden und sie an Einzelpersonen weitergegeben haben.

Präsident Fata bestellte den Zweigpräsidenten zu sich ins Missionsbüro, mitsamt den Netzen.

Präsident Tom war unglücklich und fragte sich, ob die Mitglieder je eigenständig werden könnten.

Zusammen mit Präsident Fata beriet er sich und zusammen entschieden sie sich dafür, es noch einmal zu versuchen. Präsident Fata sagte Präsident Tom, dass er die Netze zurück zum Dorf nehmen sollte, und dass er für sie noch zwei weitere Netze besorgen würde. Präsident Fata schrieb dazu noch einen Brief, den Präsident Tom den Mitgliedern vorlesen sollte, damit sie wüssten, wie die Netze gebraucht werden sollten.

Darin stand, dass die Netze nicht für einzelne Personen bestimmt seien. Er enthielt auch drei Vorgaben, die vom Zweig befolgt werden sollten:

  • Sie sollten zugunsten aller Mitglieder benutzt werden
  • Vom Ertrag solle der Zehnte bezahlt werden
  • Den Armen und Bedürftigen solle geholfen werden

Einige Monate gingen ins Land, als eines Morgens Präsident Fata sah, wie Präsident Tom wiederum zu ihm kam.

Präsident Fata dachte: „Oh nein! Kommt er schon wieder, um mehr Nahrungsmittel zu besorgen?“

Präsident Tom war aber nicht gekommen, um mehr Nahrung zu besorgen. Er wollte mithilfe des Geldes aus dem Verkauf der übrigen Fische drei weitere Netze kaufen.

Präsident Tom berichtete davon, dass die Dorfbewohner durch den Verkauf der Fische dazu in der Lage gewesen sind, Gemüse zu kaufen, zu sparen und ihren Zehnten zu zahlen. Auch die zuständige Fischereiabteilung war so beeindruckt, dass Gespräche darüber stattfanden, ein Fischerboot zu kaufen.

Die Dorfbewohner sind der Meinung, dass sie ihr Leben verbessern und eigenständiger werden können. Die Mitglieder denken über weitere Projekte nach, die sie zusammen in Angriff nehmen können, um ihre Eigenständigkeit zu erhöhen. Dazu gehört, den Fisch zu räuchern, damit er zu weiter entfernten Märkten zum Verkauf gebracht werden kann; Nähmaschinen zu kaufen, damit die Schwestern Kleidung nähen können – für sich und ebenfalls um ein wenig Geld damit zu verdienen.

Durch diesen Erfolg beflügelt hilft Präsident Fata nun auch anderen Zweigen in entfernt gelegenen Gemeinden und lehrt sie den Grundsatz der Eigenständigkeit. Seine Hoffnung ruht darauf, dass das andere durch das Vorbild des Zweiges Kukipi inspiriert und schneller eigenständig werden.

Marion G. Romney (1897–1988), ein Mitglied der Ersten Präsidentschaft, sagte einmal: „Wohlmeinende Menschen haben schon viele Programme ins Leben gerufen, um Bedürftigen zu helfen. Allerdings ist ein Großteil davon auf die kurzsichtige Absicht hin ausgelegt, ‚Menschen zu helfen‘, was das Gegenteil davon ist, ‚Menschen zu helfen, sich selbst zu helfen‘.“ („Eigenständigkeit – ein celestialer Grundsatz“, Liahona, März 2009, Seite 15.)

Diese Begebenheit zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie inspiriert das humanitäre Programm der Kirche ist, anderen Menschen zu mehr Eigenständigkeit zu verhelfen. Aber jeder muss sich selbst dazu verpflichten und bereit dazu sein, hart für den Erfolg zu arbeiten.

Es gibt ein bekanntes Zitat über erfolgreiche humanitäre Hilfe: „Wenn du einem Mann einen Fisch gibst, hast du ihm für einen Tag zu essen gegeben – bringst du ihm aber das Fischen bei, dann hat er sein Lebtag zu essen.“