Der Wohlfahrtsdienst der Kirche feiert sein 75-jähriges Bestehen

Hinzugefügt von Heather Wrigley, Nachrichten und Veranstaltungen der Kirche

  • 2. bis 3. April 2011

„Das Ziel der Kirche besteht darin, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Arbeit muss für unsere Mitglieder wieder zum beherrschenden Grundsatz werden“ – Präsident Heber J. Grant, 1936.

Im Rahmen der 181. Frühjahrs-Generalkonferenz der Kirche wird auch das 75-jährige Bestehen des Wohlfahrtsprogramms der Kirche gefeiert.

Das Wohlfahrtsprogramm ist nicht nur dazu da, um Mitgliedern vorübergehend in Schwierigkeiten zu helfen, sondern der Schwerpunkt liegt darin, Selbständigkeit zu entwickeln, wozu Bildung und Ausbildung, Gesundheit, Arbeit, eigene Herstellung und Vorratshaltung, die Finanzlage der Familie und geistige Kraft gehören.

Am Gründungstag im Jahr 1936 unterstrich Präsident David O. McKay (1873–1970), damals Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, dass der Wohlfahrtsplan der Kirche auf göttlicher Inspiration beruht: „[Das Wohlfahrtsprogramm] ist auf göttliche Offenbarung hin eingeführt worden, und es gibt nichts auf der ganzen Welt, wodurch man sich so gut um seine Mitglieder kümmern kann.“ (Henry D. Taylor, The Church Welfare Plan, unveröffentliches Manuskript, Salt Lake City, 1984, Seite 26f.)

Seither sind 75 Jahre vergangen. Wirtschaftlich ging es seit damals immer wieder auf und ab. Gesellschaftlich und kulturell gab es auf der Welt enorme Veränderungen, und die Kirche ist erheblich gewachsen. 

Aber das, was über den von Gott inspirierten Wohlfahrtsplan an jenem Tag im Jahr 1936 gesagt wurde, gilt heute noch genauso.

Grundsätze der Wohlfahrt

1936, sieben Jahre nach Beginn der Weltwirtschaftskrise, hatten sich die Vereinigten Staaten noch nicht von den schweren finanziellen Verlusten und den Abwärtstrends nach dem Börsensturz 1929 erholt. Die Arbeitslosigkeit in Utah hatte die 35,8 Prozentmarke erreicht. 

Obwohl die Kirche Wohlfahrtsgrundsätze umgesetzt hatte, beispielsweise in Form von Vorratshäusern und Arbeitsvermittlungsprogrammen, nahmen viele Mitglieder staatliche Hilfen in Anspruch.

„Ich glaube, dass die Neigung der Leute wächst, sich Geld vom Staat zu besorgen, auch wenn nur wenig Hoffnung besteht, dass sie es jemals zurückzahlen können“, sagte Präsident Heber J. Grant (1856–1945) einmal in jener Zeit. „Ich finde das falsch“ (Conference Report 1933, Seite 5).

Die Führer der Kirche wollten Mitgliedern in Not helfen, aber ohne Müßiggang oder Anspruchsdenken zu fördern.

Das Ziel der Führer der Kirche bestand darin, den Menschen zur Selbsthilfe und Unabhängigkeit zu verhelfen ohne dass sie auf die lebensnotwendigen Güter verzichten müssen. 

1933 verkündete die Erste Präsidentschaft: „Unsere nichtbehinderten Mitglieder dürfen nicht der Peinlichkeit ausgesetzt werden, etwas für nichts zu bekommen, außer als letzten Ausweg. . . . Die Beamten der Kirche müssen Mittel und Wege finden, wodurch sich alle nichtbehinderten Mitglieder, die in Not sind, für die empfangene Hilfe ersatzweise an einem Dienstprojekt beteiligen können“ (in James R. Clark, Herausgeber, Messages of the First Presidency of The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, 6 Bände, 5:332–34).

Nachdem die Grundsätze feststanden und genügend Glauben vorhanden war, machten sich einzelne Einheiten und auch die Kirche als Ganzes an die Arbeit. Kurse, in denen man Nähen und Einmachen lernte, wurden eingerichtet, Arbeitsprojekte durchgeführt, Farmen gekauft. Großer Wert wurde auf Rechtschaffenheit, Sparsamkeit und Unabhängigkeit gelegt.

Sehen Sie sich einen Film über die Wohlfahrtsfarmen der Kirche an und sehen Sie, welchem Zweck sie dienen.

Der Wohlfahrtsplan der Kirche

Mit der Einführung des Sicherheitsplans der Kirche (der 1938 in Wohlfahrtsplan der Kirche umbenannt wurde) erhielten die Mitglieder die Gelegenheit, im Rahmen ihrer Möglichkeiten für erhaltene Leistungen zu arbeiten. Der Grundgedanke des Plans war, dass man lieber selbst Hand anlegt, anstatt an anderer Stelle die Hand aufzuhalten. 

„Es [war] unser vornehmstes Ziel, … ein System zu schaffen, das den Fluch des Müßiggangs und die Nachteile von staatlichen Almosen beseitigt und bei unseren Leuten wieder Unabhängigkeit, Fleiß, Sparsamkeit und Selbstachtung entstehen lässt“, sagte Präsident Grant bei der Herbst-Generalkonferenz 1936. „Das Ziel der Kirche besteht darin, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Arbeit muss für unsere Mitglieder wieder zum beherrschenden Grundsatz werden.“ (aus Conference Report, Okt. 1936, Seite 3.)

Im Laufe der Jahre wurden im Rahmen des Wohlfahrtssystems der Kirche viele Programme eingeführt: der Sozialdienst der Kirche (heute Familiendienst der Kirche), die LDS Charities, der Humanitäre Dienst und die Katastrophenhilfe. Durch diese und weitere Programme konnte Hunderttausenden geholfen werden, ob sie Mitglied der Kirche waren oder nicht.

Sehen Sie sich die Geschichte des Welfare Squares und anderer Wohlfahrtseinrichtungen der Kirche an.

Über die Grenzen der USA hinaus

Selbst als die Weltwirtschaftskrise mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ein Ende fand, trat Präsident J. Reuben Clark Jr. (1871–1961), Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, in weiser Voraussicht, weiterhin für das Wohlfahrtsprogramm ein. Im Oktober 1945 wandte sich US-Präsident Harry S. Truman an den Präsidenten der Kirche, George Albert Smith (1870–1951), um zu klären, wie und wann Hilfsgüter in die vom Krieg verwüsteten Gebiete Europas geliefert werden könnten. Zu Präsident Trumans Überraschung teilten die Führer der Kirche ihm mit, dass bereits Lebensmittel, Kleidung und weitere Hilfsgüter zusammengestellt worden und versandbereit waren.

Im Laufe der Zeit erweiterte die Kirche die Wohlfahrtseinrichtungen und -programme, um weitere Bedarfsfelder und geografische Gebiete abzudecken. In den 70er Jahren richtete die Kirche in Mexiko, England und auf den pazifischen Inseln weitere Produktionsstätten und Projekte des Wohlfahrtsdienstes ein. Im darauffolgenden Jahrzehnt wurden in Argentinien, Chile, Paraguay und Uruguay die ersten Arbeitsberatungsstellen außerhalb der Vereinigten Staaten eröffnet.

Als 1985 der Humanitäre Dienst der Kirche seine Arbeit aufnahm, wurden die Wohlfahrtsaktivitäten der Kirche außerhalb Nordamerikas erheblich ausgebaut; Kleidung und weitere Hilfsgüter wurden versandfertig sortiert und bei Armut und Katastrophen in alle Welt verschickt.

Heute stellen die gestiegenen Mitgliederzahlen außerhalb Nordamerikas, besonders in den Entwicklungsländern, die Kirche vor neue Herausforderungen, auf die man sich beim Wohlfahrtsprogramm einstellt.

Ein inspirierter Plan für die heutige Zeit

Die Grundprinzipien der Wohlfahrt – Selbständigkeit und Fleiß – sind heute noch die gleichen wie einst, als der Herr dem Adam gebot: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen.“ (Genesis 3:19.)

Das von Präsident Clark formulierte langfristige Ziel des Programms wird nach wie vor erreicht, nämlich „dass die Mitglieder der Kirche – und zwar sowohl der, der gibt, als auch der, der empfängt – in ihrer Persönlichkeit gefestigt werden: Alles, was an Gutem in ihnen steckt, soll bewahrt bleiben, und was an innerer Größe in ihnen schlummert, soll zur Blüte gebracht werden und Frucht tragen, denn schließlich ist das die Mission und der Daseinszweck dieser Kirche“ (aus einer Sonderversammlung für Pfahlpräsidenten, 2. Oktober 1936). 

In den Letzten Tagen verkündete der Herr: „Und das Vorratshaus soll durch die Weihungen aus der Kirche erhalten bleiben; und Witwen und Waisen sollen versorgt werden, ebenso die Armen.“ (LuB 83:6.) [link]. Dann mahnte er: „Aber es muss notwendigerweise auf meine eigene Weise geschehen.“ (LuB 104:16.)

Die Grundsätze der Wohlfahrt werden täglich in aller Welt in den Familien der Mitglieder umgesetzt. 

„Die Stärke der Kirche und das wirkliche Vorrathaus des Herrn sind im Zuhause und im Herzen derer zu finden, die zu seinem Volk gehören“, sagte Elder Robert D. Hales vom Kollegium der Zwölf Apostel.(„Welfare Principles to Guide Our Lives: An Eternal Plan for the Welfare of Men’s Souls “, Ensign, Mai 1986, Seite 28). 

Solange der Einzelne durch Glauben an Jesus Christus darauf hinarbeitet, auf eigenen Füßen zu stehen, kann er anderen helfen, selbständig zu werden.

Der Erlöser hat uns ein vollkommenes Beispiel von dem gegeben, was er gelehrt hat: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25:40.)