1990–1999
Persönliche Checkliste für einen freudevollen ewig
Oktober 1993


Persönliche Checkliste für einen freudevollen ewig

Die Richtung, die ihr als junge Männer einschlagt, bestimmt, wo ihr als Erwachsener landen werdet.

Heute Abend wende ich mich an euch, junge Männer der Kirche, die ihr mit eurem Vater, euren Kollegiumsberatern, Bischöfen und Freunden hier seid.

Fliegen übt auf viele von uns eine besondere Faszination aus. Piloten gehen nach einem bestimmten Verfahren vor, ehe sie ruhig abheben und sich friedlich über der Erde fortbewegen oder sie vom Weltall aus erforschen und dann wieder sicher landen. Ob er mit einer einmotorigen Maschine fliegt oder ein Raumschiff steuert, das in 92 Minuten die Erde umkreist, arbeitet jeder erfahrene, kompetente Pilot sorgfältig eine Checkliste durch, um sich zu vergewissern, daß jedes System des Flugzeugs oder Raumschiffs funktioniert und flugbereit ist. Ob wir über einen Düsenjäger (wie die F-14 oder F-18) sprechen, der von einem Flugzeugträger aus in den Himmel donnert, oder von einem kleinen Sprühflugzeug, das über die Felder von Washington oder Kansas fliegt, oder von der Raumfähre Discovery, die in das All schießt, Satelliten freisetzt und dort wissenschaftliche und medizinische Experimente durchführt, es ist immer das selbe Verfahren. Jeder Pilot wird vor dem Start eine detaillierte Checkliste durchgehen, um sicherzustellen, daß alles bereit ist und funktioniert.

Jeder von euch ist wichtiger als irgendein Luftfahrzeug; darum wäre es klug, wenn ihr eure persönliche Checkliste durchgehen würdet, ehe ihr euch auf euren verbleibenden Lebensweg macht. Ich empfehle fünf Bereiche, die ihr überprüfen solltet, ehe ihr zu einem ewigen Glück abhebt. Viele von euch jungen Männern haben noch achtzig oder neunzig Jahre vor sich! Denkt daran! Welch verheißungsvolle Zukunft das ist, wenn ihr euch ordentlich vorbereitet und auf das Wesentliche konzentriert.

Punkt eins auf der Checkliste: Priestertum. Versteht und nutzt das Priestertum, das ihr tragt. Haltet es in Ehren, erkennt seine Macht. Denkt daran, daß das Aaronische Priestertum, das ihr tragt, das vorbereitende Priestertum ist, das zum Melchisedekischen Priestertum hinführt. Durch die Macht des Melchisedekischen Priestertums schuf der einziggezeugte Sohn Gottes als der vorirdische Jahwe Welten ohne Zahl (siehe Hebräer 1:2; LuB 76:24; Mose 1:33) und vollbrachte als unser Erretter Jesus Christus viele Wunder auf Erden. Ein weiser Priestertumsführer hat einmal gesagt, daß das Jetzt die Zeit in eurem Leben sei, zu handeln, so daß ihr später die Männer werden könnt, die ihr sein sollt.

Der himmlische Vater vertraut euch. Ihr tragt dasselbe Priestertum, das Aaron ehrenhaft trug und mit dem Johannes der Täufer Jesus taufte, um die Gerechtigkeit ganz zu erfüllen (siehe Matthäus 3:15). Etwa 1800 Jahre später ordinierte er am Ufer des Susquehanna Flußes Joseph Smith und Oliver Cowdery zu demselben Priestertum.

Denkt daran:

• Joseph Smith war so alt wie ihr Diakone, als er eingehend über Gott nachdachte.

• Joseph Smith war so alt wie ihr Lehrer, als er in den Wald ging, um zu beten, und damit gesegnet wurde, daß er mit Gott Vater und Jesus Christus, unserem älteren Bruder, sprechen konnte.

• Joseph Smith war so alt wie ihr Priester, als Moroni ihm das erste Mal erschien und ihm vom Bericht auf den Goldenen Platten erzählte.

Durch das Priestertum, das ihr tragt, könnt ihr die heiligen Symbole des Abendmahls, Brot und Wasser, vorbereiten, segnen und austeilen.

Ihr stellt die Mitglieder unter das feierliche Bündnis, „den Namen [des] Sohnes auf sich zu nehmen und immer an ihn zu denken und seine Gebote, die er ihnen gegeben hat, zu halten” (LuB 20:77). Ihr sammelt das Fastopfer, um Armen und Bedürftigen zu helfen. Viele von euch verrichten Türdienst, stellen für Versammlungen Stühle und Tische auf und erledigen sonstige wichtige Aufgaben.

Ihr Priester habt die Vollmacht zu taufen (siehe LuB 20:46), wie es die Missionare, euer Vater und andere ältere Männer tun. Außerdem ordiniert ihr andere unter bestimmten Bedingungen (siehe LuB 20:46-49).

Der Himmlische Vater liebt euch! Eure Priestertumsführer werden viele von euch als Mitglieder von Kollegiumspräsidentschaften oder Kollegiumssekretäre berufen und einsetzen. Wie viele Führungseigenschaften ihr doch schon in jungen Jahren entwickeln könnt! Bischöfe, was für eine wichtige Aufgabe Sie doch haben, weil Sie unseren jungen Männern durch Führungsämter in den Kollegien Schulung und praktische Erfahrungen vermitteln.

Punkt zwei auf der Checkliste: Familie und Freunde. Bedenkt immer, wie wichtig eure Familie, eure Eltern, sonstige Angehörige und eure Freunde sind. Erwartet nicht, daß eure Eltern für euch etwas tun, was ihr selbst tun könnt. Von jetzt an müßt

ihr in der Familie mehr Verantwortung übernehmen. „Aber Papa sollte das doch tun” oder „Ich möchte, daß Mutti das noch macht”, das mag zwar immer noch euer Wunsch sein. Glück in der Familie gründet sich auf die Liebe und Hilfsbereitschaft der Kinder, so wie es sich auch auf liebevolle Eltern stützt, die ihren Pflichten nachkommen.

Als ich siebzehn war, wusch ich einmal unser Auto, weil ich an dem Tag ausgehen wollte. Mein Vater kam aus dem Haus und beobachtete, was ich tat. Er kritisierte mich so sehr, daß ich den Eindruck hatte, ich würde überhaupt nichts richtig machen. Schließlich sagte ich etwas wie „Laß mich in Ruhe. Verstehst du denn nicht, daß ich zum ersten Mal Teenager bin?” Er sah mich an und antwortete: „Junge, weißt du nicht, das ich zum ersten Mal Vater bin?” Ich wurde klüger, weil ich damals erkannte, daß wir in der Familie gemeinsam lernen. Wir können genauso wenig erwarten, daß unsere Eltern vollkommen sind, wie wir erwarten können, daß wir jemals alles erreichen werden, was wir zu erreichen hoffen.

Vergebt bereitwillig, wenn es zu Hause Probleme gibt. Helft euren jüngeren Geschwistern, wenn es nötig ist. Ihr seid ihr Held. Wenn ihr zu Hause mehr Verantwortung übernehmt, findet ihr in anderen Bereichen eures Lebens zusätzliche Gelegenheiten.

Sucht euch eure Freunde sorgfältig aus. Sucht die Gesellschaft von anständigen jungen Männern und jungen Damen, die euch helfen, verantwortungsbewußt zu sein. Helft euren Freunden, sich für eine Mission zu entscheiden, besucht die Versammlungen der Kirche und nehmt an rechtschaffenen Aktivitäten teil. Ihr, die ihr sechzehn und älter seid und mit Mädchen ausgeht, bringt das Mädchen, mit dem ihr ausgeht, ebenso rein nach Hause, wie ihr es dort abgeholt habt.

Punkt drei auf der Checkliste: Den Geboten entsprechend leben. Füttert niemals die Füchse! Was bedeutet das? Die Gebote brechen ist wie Füchse füttern. In England, wo wir leben, hörten meine Frau und ich, daß Füchse gesehen worden seien, sogar in der Stadt. Wir wollten einen Fuchs sehen. Ein hilfsbereiter Nachbar sagte uns, daß wenn wir Futter auslegten, wir einen Fuchs zu Gesicht bekommen würden. Unser Metzger gab uns ein paar Knochen. Jeden Abend legten wir ein paar Knochen in den Garten. Bald kam ein Fuchs. Dann noch ein paar. Jetzt laufen mindestens fünf Füchse durch unsere Blumenbeete, buddeln den Rasen auf und hinterlassen jede Nacht ein Chaos, wie ein pelzbesetzter Jurassic Park. Was aus Neugierde begann, ist jetzt ein Problem. Mit der Sünde ist es ähnlich. Eine unbedachte Handlung kann einen Vorgang auslösen, der ein ganzes Leben durcheinander bringt.

Denkt daran: Wenn ihr nicht anfangt, die Füchse zu füttern, bringen sie auch nicht euren Garten in Unordnung. Wenn ihr die kleinen, anscheinend so unbedeutenden Fehler nicht begeht, bleibt euer Leben später von vielen größeren Schwierigkeiten frei. Seid mutige Männer, indem ihr die Gebote nicht übertretet! Schafft glückliche Erinnerungen für euch und die Menschen um euch.

Punkt vier auf der Checkliste: Schule. Nutzt eure Schulzeit gut. Die Schrift sagt, daß es für jedes Geschehen unter dem Himmel eine bestimmte Zeit gibt (siehe Kohelet 3:1-8). Jetzt ist die Zeit eurer Vorbereitung. Die Richtung, die ihr als junge Männer einschlagt, bestimmt, wo ihr als Erwachsener landen werdet. Fliegt ihr in die Richtung, in die ihr wollt?

Wir, die wir älter sind, haben nicht vergessen, daß in der Schule und im Beruf nicht alles angenehm ist. Auch scheint nicht alles immer sinnvoll und nötig. Trotzdem ist das meiste, was ihr lernt, hilfreich. Lernt gern und gewöhnt euch an, die zweite Meile zu gehen (siehe Matthäus 5:41; 3 Nephi 12:41). Diese Gewohnheit bringt euch viel weiter, wenn ihr älter seid. Durch Studium und harte Arbeit macht ihr euch bereit für ein Leben geistiger, seelischer und wirtschaflicher Selbstsicherheit. Schafft jetzt das Fundament, auf das sich eure Zukunft stützt (siehe Matthäus 7:24,25). Freut euch, wenn ihr schwierige Aufgaben vollbringt.

Die jungen Männer, die vor Jahren hart gearbeitet haben, sind heute produktive und geachtete Männer. Viele von ihnen hatten in ihrer Jugend verschiedene Jobs und sparten ihr Einkommen für eine Mission und für ihre Ausbildung. Inzwischen sind sie anderen ein Segen. Eure Eltern sind nicht verpflichtet, für all eure Wünsche aufzukommen. Der Herr hat uns angewiesen, nicht träge zu sein! (Siehe LuB 42:42; 60:13; 75:3; 88:124).

Punkt fünf auf der Checkliste: Mission. Als Adjudant eines Generalmajors einer Reserveeinheit der Armee hatte ich viele Gespräche mit diesem bemerkenswerten militärischen Führer. Er war nicht von unserem Glauben. „Pinnock”, sagte er eines Tages. „Ist Ihnen klar, was für ein Glück Ihr Mormonen habt?” Ich antwortete etwas wie: „Jawohl, Sir, aber was meinen Sie eigentlich?” Er sagte: „Die Mission, Pinnock, das meine ich. Eure jungen Männer werden ermuntert, anderen zu dienen. Sie nehmen an Kraft zu, an Weisheit und werden zuverlässiger - dank der Mission.”

Der Prophet hat euch junge Männer zum Dienen aufgerufen; die Welt braucht eueren Dienst, und ihr müßt die Kraft und den Fortschritt erfahren, die sich ergeben, wenn man anderen dient und sie belehrt. Falls ihr aus irgendwelchen Gründen nicht auf Mission berufen werdet, so gibt es andere Möglichkeiten dem Herrn zu dienen.

Das ist sie also: eine Checkliste, die euch auf dem richtigen Kurs halten kann. Ein fähiger Pilot braucht für seinen Erfolg die Unterstützung einer fähigen Crew. Eure Eltern, euer Bischof, eure Kollegiumsführer sowie gute Freunde unterstützen euch während dieser entscheidenden Lebensjahre auf eurem Flug. Euch gehört eine herrliche Zukunft, wenn ihr euch an eure eigene Checkliste haltet. Wir beten für euch, ihr seid uns wichtig, und wir stehen bereit, euch zu helfen. Ich bezeuge diese Wahrheiten im Namen Jesu Christi. Amen.