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Herbst 1995 | Die ewigen Gesetze des Glücklichseins

Die ewigen Gesetze des Glücklichseins

Herbst 1995 Generalkonferenz

Indem wir die zehn Gebote halten zeigen wir, daß wir Gott lieben, und indem wir diese ewigen Grundsätze aktiv anwenden zeigen wir, daß wir unsere Mitmenschen lieben.

Präsident Hinckley, ich kann wohl im Namen der Mitglieder in aller Welt igen: Ihr prophetischer Auftrag, das Werk mit größerer Energie voranzubringen, hat uns sehr bewegt. Wir versprechen, unser Leben und unseren Gehorsam diesem Zweck zu widmen.

Als Bruder Dennis Rasmussen 1978 an der BYU lehrte, bewarb er sich erfolgreich um ein Studium am Jüdischen Technologischen Seminar Amerikas. In der ersten Vorlesung, als er seinen Namen und seine Universität nennen mußte, dröhnte Rabbi Muffs: „Sie sind der Mormone! - Zahlen Sie den Zehnten?‟ „Ja‟, antwortete Bruder Rasmussen. „Zahlen Sie ihn freudigem Herzens?‟ „Ja‟, antwortete er. Da sagte der Rabbi: „Ich glaube, daß Freude der Wesenskern der Religion ist. Nichts ist im religiösen Leben von grundlegenderer Bedeutung als Freude. … Ich schreibe gerade an einem Buch über die Freude.‟ Bruder Rasmussen entgegnete: „Im Buch Mormon heißt es:, Adam fiel, damit Menschen sein können, und Menschen sind, damit sie Freude haben können/‟1

Rabbi Muffs war außerordentlich gerührt und rief: „Den Text, nach dem ich mein Leben lang gesuchte habe, finde ich … im Buch Mormon!‟ Er wandte sich an Bruder Rasmussen und sagte: „Wiederholen Sie das bitte, aber nicht so schnell.‟ Als Bruder Rasmussen die vertrauten Worte wiederholte, leuchteten die Augen des Rabbis, der diese große Wahrheit verstand, aber sie noch nie so treffend ausgedrückt gehört hatte.2

Wie wichtig ist es doch, den Zweck unseres Daseins zu kennen! Die Menschen leben tatsächlich, damit sie Freude haben können, und diese Freude erleben wir, indem wir die Gebote Gottes halten!3

Im vergangenen Februar sah ich die personifizierte Freude, als ich die Missionare in Santiago in Chile auf einem Besuch bei einer neubekehrte Familie begleitete. Bei Familie Basuare öffneten uns die achtjährigen Zwillinge Nicolas und Ignacio die Tür. Mit ihren weißen Hemden und den Krawatten sahen sie wie die Missionare aus. Ihr Vater war vor drei Wochen getauft worden, und eine Woche später hatte er seine Frau und die Jungen getauft. Wir unterhielten uns über ihre Bekehrung. Sie erzählten, wie sehr sie die Missionare lieb hatten und welche Freude sie darin fanden, nach dem Evangelium zu leben und die Gebote zu halten. Stolz zeigten sie uns das Bild des Santiago-Tempels, das im Wohnzimmer hing; er war das Symbol für ihr Ziel, ein Jahr nach der Taufe eine ewige Familie zu werden.

Ich fragte Nicolas, ob er eines Tages, wenn er groß sei, gern Missionar werden wolle. Er sagte ja, und mit einem Händedruck besiegelten wir das Versprechen, daß er sich auf diesen Tag vorbereiten werde. Dann stellte ich Igancio die selbe Frage. Er zögerte und gab zurück: „Ich weiß nicht, ob ich das versprechen kann. Ich bin doch erst acht Jahre alt.‟ Ich faßte nach: „Nicolas hat es versprochen; würdest du das nicht auch gern tun?‟ Er zögerte immer noch und sagte: „Ich weiß nicht, ob ich dann bereit sein kann.‟ Ich sah ein, daß ich mir mehr vorgenommen hatte, als ich bewältigen konnte. Daher sagte ich: „Vielleicht solltest du das mal mit deinem Vater besprechen.‟

Er ging zu seinem Vater, und der nahm ihn in den Arm und sagte: „Igancio, Jesus war ein Missionar. Genau wie Eider Sheets und sein Mitarbeiter ging er durch die Straßen und machte die Menschen glücklich, indem er sie lehrte, die Gebote zu halten. Möchtest du nicht gern wie Jesus sein?‟ „Ja, Papi, das möchte ich.‟ „Wenn wir zusammen daran arbeiten, meinst du nicht, daß du mit 19 Jahren auf Mission gehen kannst?‟ „Wahrscheinlich.‟ „Möchtest du Eider Mickelsen nicht versprechen, daß du das tun wirst?‟ Der Kleine kam zu mir, und wir gaben uns auf dieses Versprechen die Hand. Ich staunte, daß dieser jungen Vater, der sich erst vor drei Wochen bekehrt hatte, seiner Familie so einfühlsam helfen konnte, dem Erretter nachzufolgen, und daß er seinen Sohn wie ein Missionar belehren konnte. Unter der Führung dieses glaubenstreuen Vaters wird das Ziel, eine ewige Familie zu werden, sicherlich erreicht.

Seit Beginn der Schöpfung steht solches Familienglück im Mittelpunkt des Plans unseres Vaters im Himmel. Als Adam und Eva aus dem Garten von Eden vertrieben worden waren, fingen sie an, sich zu mehren und die Erde zu füllen. Als ihre Familie größer wurde, riefen sie den Herrn um Hilfe an. Er gab ihnen Gebote und trug ihnen auf, ihre Kinder diese Gebote zu lehren.4

Es waren dies ewige Gesetze, die Mose auf dem Sinai wiedergegeben wurden, die der Erretter in den beiden großen Geboten zusammenfaßte5 und die Joseph Smith in einer Offenbarung, die das Gesetz der Kirche genannt wird, wiederholt wurden6. Auch wir müssen unsere Kinder diese Gebote lehren. Unser Glücklichsein in diesem Leben und unsere künftige Freude als ewige Familie hängen davon ab, wie gut wir danach leben. Ich meine, daß wir unsere Kinder die zehn Gebote auf eine so positive Weise lehren können, daß sich darin das höhere Gesetz zeigt, daß der Erretter uns gegeben hat.

1. „Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.‟7

Lehren Sie die Kinder, daß Gott lebt, daß es ihn wirklich gibt und daß er buchstäblich der Vater unseres Geistes ist. Wir sind in seinem Ebenbild erschaffen worden. Wir tragen all seine Eigenschaften als Anlage in uns8.

Er liebt uns und möchte, daß wir wie er werden. Er möchte, daß wir mit ihm sprechen. Lehren Sie die Kinder beten.

1. „Du sollst dir kein Gottesbild machen.‟9

Unser Vater im Himmel muß an erster Stelle stehen. Nichts auf der Welt kann seinen Platz einnehmen. Lehren Sie Ihre Kinder, in allem seine Hand anzuerkennen und ihn zu achten und zu ehren.10

Zeigen Sie ihnen, wie man durch selbstlosen Dienst an anderen Menschen Gott verehrt. Verehren Sie ihn beim Familiengebet und beim Familienabend. Unsere Verehrung hat versagt, wenn wir Sport, Bildung, Unter-

haltung, Wohlstand, Nichtigkeiten oder irgendetwas weltlichem den Vorrang geben.

3. „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen.‟11

Bereiten Sie Ihre Kinder darauf vor, im Taufbündnis den Namen Christi auf sich zu nehmen. Wenn wir dieses Bündnis eingehen, werden wir seine Kinder genannt und versprechen, seine Gebote zu halten.12

Wenn wir das Versprechen und das Bündnis, daß wir mit ihm eingegangen sind, brechen und nicht umkehren, so mißbrauchen wir seinen Namen.13

4. „Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig‟14

Lehren Sie Ihre Kinder, ein Siebtel ihrer Zeit darauf zu verwenden, vom Herrn zu lernen, die Gedanken von der Last des Alltags abzuwenden und seiner zu gedenken. Wenn wir ihm diese Zeit widmen, wird unser Herz und Verstand auf den wahren Zweck unseres Daseins gerichtet, und dadurch lösen wir uns von der Welt. Dieser Tag ist dazu da, so wie er zu werden, ihn zu verehren und anderen so zu dienen, wie er es getan hat. Wir brauchen keine Regeln für den Sabbat, wenn wir den Zweck dieses Tages verstehen und entsprechend leben.

5. „Ehre deinen Vater und deine Mutter.‟15 Lehren Sie Ihre Kinder Gehorsam; erziehen Sie die Kinder für ihren Lebensweg.16

Unsere Kinder lernen dem Vater im Himmel zu gehorchen, indem sie lernen, ihre irdischen Eltern zu ehren und zu respektieren und ihnen zu gehorchen. Lehren Sie die Kinder gutes Betragen in der Familie, und setzen Sie die Rahmenbedingungen für ihr Verhalten fest. Der Herr hat den Kindern Israel verheißen, daß sie lange in dem Land leben würden, daß der Herr ihnen gegeben hatte. Die selbe Verheißung gilt auch noch heute. Für jene ging es um das Land Kanaan; für uns geht es um das ewige Leben mit unserer Familie.17

6. „Du sollst nicht morden.‟18

Wir sind als Abbild Gottes geschaffen worden.19

Durch die Einheit von Fleisch und Geist können wir eine Fülle der Freude empfangen.20

Lehren Sie Ihre Kinder, die Heiligkeit menschlichen Lebens zu achten, zu schätzen und sich daran zu erfreuen. Das menschliche Leben ist die kostbare Schwelle zu ewigem Leben, und vom Augenblick der Empfängnis an müssen wir es konsequent beschützen.21

7. „Du sollst nicht die Ehe brechen.‟22 Lehren Sie Ihre Kinder, daß unser Körper ein Tempel Gottes ist, in dem der Geist Gottes wohnen kann.23

Belehren Sie sie über das heilige Wesen der Familie, die Schönheit der Ehe und das göttliche Wesen der Zeugungskraft, die unser Vater im Himmel uns gegeben hat.

Wir gehen bei der Erschaffung von Leben eine Partnerschaft mit ihm ein. Diese Kraft muß geachtet und geschützt werden und darf nur innerhalb des heiligen Ehebündnisses ausgeübt werden. Es ist eine celestiale Kraft, und wenn wir sie mißbrauchen, wird sie uns genommen.24

8. „Du sollst nicht stehlen.‟25

Lehren Sie Ihre Kinder, ehrlich zu sein und das Eigentum anderer zu achten, besonders wenn es sich um das Eigentum des Vaters im Himmel handelt. Lehren Sie sie durch eigenes Beispiel, den Zehnten voll zu zahlen und großzügig zu spenden. Wenn die Kinder sich in allem Tun von Ehrlichkeit leiten lassen, werden sie vom Geist und der Macht Gottes erfüllt.26

Lehren Sie sie, daß geben und miteinander teilen Freude macht.27

9. „Du sollst nicht falsch aussagen.‟28 Lehren Sie Ihre Kinder, immer die Wahrheit zu sagen, die Dinge so darzustellen, wie sie sind, aufzubauen, in anderen Menschen Gutes zu finden sowie positiv und höflich zu sein. Die Wahrheit ist wertvoller als irgendein irdischer Besitz. Wahrheit ist der Wesenskern unseres Daseins.29

Wenn wir die Wahrheit sagen, wird unser Vertrauen in der Gegenwart Gottes und unserer Mitmenschen stark werden.30

10. „Du sollst nicht verlangen.‟31

Wir müssen unsere Kinder lieben und sie lehren, daß sie Kinder eines himmlischen Vaters sind, der sie auch liebt. Wenn sie unsere Liebe spüren, dann spüren sie auch seine Liebe, und sie werden für ihren guten Namen und für den Namen Christi, den sie tragen, dankbar sein. Wenn sie unsere Liebe und die Liebe des Vaters im Himmel spüren, dann wird es sie nicht nach der Habe anderer Menschen verlangen. Helfen Sie ihnen, den persönlichen Fortschritt zu messen und sich nicht mit anderen Menschen zu vergleichen. Lehren Sie sie, die anderen Menschen zu lieben und sich an deren Erfolg zu freuen.

Indem wir die zehn Gebote halten zeigen wir, daß wir Gott lieben, und indem wir diese ewigen Grundsätze aktiv anwenden zeigen wir, daß wir unsere Mitmenschen lieben. Es sind dies ewige Gesetze, deren Befolgung uns zurück zum Vater im Himmel führt.32

Ich bete darum, daß wir die Kinder durch Beispiel und durch Vorschrift belehren können. Mögen auch wir die Freude der Familie Basuare empfinden, so wie damals, als die Eltern das Evangelium kennenlernten, und wie heute, wenn die Eltern nun ihre Kinder die Gebote lehren.

Wenn unsere Kinder die Gebote recht verstehen, werden sie sie besser befolgen wollen, und wenn sie Fehler machen, werden sie die Macht des Sühnopfers zur Vergebung besser begreifen. Wenn sie das

Opfer besser verstehen, das Christus für uns gebracht hat, dann kehren sie um und schreiten mit dem vollkommenen Glanz der Hoffnung voran, denn sie wissen, daß Christus den Preis für ihre Sünden zahlt, sofern sie ihm nachfolgen.33

Mögen wir die Gebote so lehren und befolgen, daß wir gemeinsam mit unserer Familie das Maß unserer Erschaffung erfüllen34 und die Freude empfangen, die sich unser Vater im Himmel für uns wünscht. Im Namen Jesu Christi. Amen.

Quellenangaben anzeigenQuellenangaben ausblenden
    1. 2 Nephi 2:25; vergleiche auch Mose 5:10; 6:48

    2. Dennis F. Rasmussen, An Eider among the Rabbis, BYU Studies Band 21 (Sommer 1981), Seite 344f.

    3. siehe Jakob 5:75; Joseph F. Smith, Gospel Doctrine, 5. Ausgabe (Deseret Book Co., Salt Lake City 1939), Seite 276

    4. siehe Mose 5:1-5; 6:57-62; LuB 20:19

    5. siehe Matthäus 22:36-40; Markus 12:33

    6. siehe LuB 42, Vorwort und Text

    7. Exodus 20:3

    8. siehe James E. Talmage, The Articles ofFaith (The Church of Jesus Christ of Latterday Saints, Salt Lake City 1966), Seite 487

    9. Exodus 20:7; siehe auch Matthäus 19:16-22; 2 Nephi 27:25; Apostelgeschichte 17:29; LuB 93:19

    10. siehe LuB 59:21; Alma 31:5

    11. Exodus 20:7

    12. siehe Alma 19:35; Mosia 5:7; Mose 5:1-9; LuB 20:37; Moroni 6:1-8

    13. siehe Sprichwörter 30:9; LuB 136:21

    14. Exodus 20:8-11; siehe auch LuB 59:9-14

    15. Exodus 20:12

    16. siehe Sprichwörter 22:6; Discourses of Brigham Young, Hrsg. John A. Widtsoe (Deseret Book Co., Salt Lake City 1978), Seite 207; Hebräer 12:9

    17. siehe LuB 132:19

    18. Exodus 20:13; siehe auch LuB 42:18; Matthäus 19:8

    19. siehe Genesis 1:27; Mose 1:13; Ether 3:16,17; Mosia 7:27

    20. siehe LuB 93:33

    21. Eider James E. Faust, BYU devotional address, 15. November 1994

    22. Exodus 20:14; siehe auch LuB 42:24

    23. siehe l Korinther 6:19

    24. siehe LuB 49:15-17

    25. Exodus 20:15; siehe auch Matthäus 19:18; LuB 42:20; LuB 119; Maleachi 3:8-11

    26. siehe Discourses of Brigham Young, Seite 43

    27. siehe Matthäus 5:42; Apostelgeschichte 20:35

    28. Exodus 20:16; siehe auch Matthäus 19:18

    29. siehe Hymns, 1985, Nr. 272; LuB 93:24; Johannes 8:32

    30. siehe LuB 121:45

    31. Exodus 20:17; siehe auch LuB 19:25

    32. siehe 2 Nephi 9:18-24

    33. siehe 2 Nephi 31:20

    34. siehe LuB 88:19; John Taylor, The Government ofGod (S.W. Richards, Liverpool 1852), Seite 32-46