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Herbst 1995 | Stellt euch der Schlauheit der Welt entgegen

Stellt euch der Schlauheit der Welt entgegen

Herbst 1995 Generalkonferenz

Mögen Sie die Kraft finden, den Schwierigkeiten des Alltags zu begegnen. Mögen Sie Weisheit empfangen, die über ihre bisherige Weisheit hinausgeht, damit Sie die Probleme bewältigen können, mit denen Sie unablässig zu kämpfen haben.

Liebe Schwestern, ich fühle mich sehr geehrt, daß ich heute bei Ihnen sein darf. Meine liebe Frau, Marjorie, könnte sicher viel besser zur Frauenhilfsvereinigung sprechen als ich. Sie ist das FHV-Mitglied unserer Familie, und dafür ehre ich sie. Aufgrund ihrer Persönlichkeit und ihrer Aktivitäten habe ich diese Organisation immer besser schätzengelernt. Die hinter uns liegende Versammlung war sehr schön, und ich lege Ihnen alles ans Herz, was Sie hier von den Schwestern gehört haben, die als Ihre Leiterinnen berufen sind und zu denen wir vollstes Vertrauen haben.

Wie groß Ihre Organisation doch geworden ist! Inzwischen gibt es dreieinhalb Millionen FHV-Schwestern in vielen verschiedenen Ländern mit vielen verschiedenen Sprachen. Doch alle verstehen mit dem Herzen. Jede Schwester ist eine Tochter Gottes. Machen Sie sich diese wichtige Tatsache doch nur einmal richtig bewußt!

Der ewige Vater hat Sie mit wundersamen Kräften gesegnet, und zwar sowohl was den Sinn als auch den Körper betrifft. Es war immer seine Absicht, daß Sie alles, was er erschaffen hat, mit Herrlichkeit krönen sollen.

Ich möchte heute wiederholen, was der Prophet Joseph Smith im April 1842 den FHV-Schwestern gesagt hat, nämlich: „Wenn Sie so leben, wie es Ihnen zukommt, dann kann nichts die Engel davon abhalten, bei Ihnen zu sein.‟ (Relief Society Minutebook, 28. April, 1842, im Archiv der Kirche.) In Ihnen schlummern so viele wunderbare Fähigkeiten!

Heute abend sehe ich schöne junge Frauen vor mir, die von Erfolg und Glück träumen. Ich sehe Mütter vor mir, die sich Sorgen um ihre Familie und ihre Kinder machen. Ich sehe alleinerziehende Mütter vor mir, die eine schwere Last zu tragen haben, die einsam sind und um Kraft und Gemeinschaft beten. Ich sehe betagte Großmütter und Urgroßmütter vor mir, die den Stürmen des Lebens getrotzt und viele Erfahrungen gesammelt haben schöne und weniger schöne. Ich bin dankbar, daß Sie alle heute hier sind. Ich bin dankbar für Ihre Kraft, für Ihre Treue, für Ihren Glauben, für Ihre Liebe. Ich bin auch dankbar dafür, daß Sie so fest entschlossen sind, im Glauben zu wandeln, die Gebote zu halten und allzeit und in jeder Situation das zu tun, was recht ist.

Ich glaube, daß dies für eine Frau die schönste Zeit der Weltgeschichte ist. Noch nie zuvor hat sie so viele Möglichkeiten gehabt, eine gute Ausbildung zu genießen und ihre Hände und ihren Sinn zu schulen. Nie zuvor hat es eine Zeit gegebenen, wo die Türen für sie so weit geöffnet waren wie heute.

Aber es hat auch noch nie - jedenfalls nicht in neuerer Zeit - eine Zeit gegeben, wo Sie mit so vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Ich muß Ihnen sicher nicht sagen, daß wir in einer unruhigen Welt leben, wo sich die Werte ständig wandeln. Laute, schrille Stimmen wollen uns verlocken, die Verhaltensmaßstäbe aufzugeben, die sich in der Vergangenheit als richtig erwiesen haben. Die moralischen Grundfesten unserer Gesellschaft sind erschüttert. So viele junge und auch ältere Menschen hören nur noch auf die schmeichelnde Stimme der Befriedigung des Ichs. Die alleinstehenden jungen Frauen unter Ihnen haben große Schwierigkeiten zu bewältigen, und wir wissen, daß es für Sie nicht leicht ist. Ich kann gar nicht oft genug sagen, wie sehr ich Ihren festen Entschluß zu schätzen weiß, nach den Maßstäben der Kirche zu leben, ein tugendhaftes Leben zu führen und Ihren Sinn über den Schmutz zu erheben, der die Welt zu überfluten scheint. Danke dafür, daß Sie wissen: Es gibt einen besseren Weg! Danke dafür, daß Sie den Willen haben, nein zu sagen. Danke dafür, daß Sie die Kraft haben, Versuchungen zu widerstehen, über sie hinauszuwachsen und dahinter das strahlende Licht dessen zu sehen, was Sie in der Ewigkeit sein können.

Wie bitter ist doch die Frucht, die man erntet, wenn man die Maßstäbe der Tugend mißachtet! Die Statistik spricht hier eine deutliche Sprache. Mehr als ein Viertel aller Kinder, die in den USA geboren werden, kommen unehelich zur Welt, und ihre Zahl nimmt noch zu. Von den Mädchen, die im Teenageralter ein Kind bekommen, sind 46\% spätestens nach vier Jahren auf Sozialhilfe angewiesen; von den ledigen Müttern, die ihr Kind im Teenageralter bekommen, sind es sogar 73\%. (Siehe „Starting Points - Meeting the Needs of Our Youngest Children‟, Hrsg. Carnegie Corporation, New York 1994, Seite 4, 21.) Ich glaube, daß jedes Kind das Recht hat, in eine Familie hineingeboren zu werden, wo es willkommen ist, wo es gehegt und geliebt wird und wo es Eltern - einen Vater und eine Mutter - hat, die einander treu sind und ihre Kinder lieben. Ich bin sicher, daß die jungen Frauen in der Kirche sich gerade das wünschen und sich nicht mit weniger zufrieden geben. Stellen Sie sich deshalb der Schlauheit der Welt entgegen! Die Unterhaltungsmacher und modernen Schriftsteller wollen Ihnen etwas anderes einreden. Doch die Weisheit der Jahrhunderte zeigt klar und deutlich, daß man mehr Glück, mehr Sicherheit, mehr Seelenfrieden und mehr echte Liebe findet, wenn man sich vor der Ehe an die altbewährten Maßstäbe der Tugend hält und nach der Heirat absolut treu ist. Wir beten darum, daß Sie ein aufrichtiges Leben führen und die Kraft haben mögen, auch enge Wege weit zu machen.

Es gibt Menschen, die uns einreden wollen, auch die Eheschließung unter Gleichgeschlechtlichen sei rechtens. Unser Mitgefühl gilt den Menschen, die mit der Anziehungskraft des gleichen Geschlechts zu kämpfen haben. Wir beten für sie zum Herrn, wir empfinden mit ihnen, wir betrachten sie als unsere Brüder und Schwestern. Und doch müssen wir unsittliches Verhalten bei ihnen genauso verurteilen wie bei allen anderen. Den Ehefrauen und Müttern, die alles tun, um ein stabiles Zuhause zu schaffen, wo Liebe und Achtung und Dankbarkeit herrschen, sage ich: Möge der Herr Sie segnen. Üben Sie Glauben, wie immer Ihre persönliche Situation auch sein mag. Erziehen Sie Ihre Kinder in Licht und Wahrheit. Lehren Sie sie beten, solange sie noch jung sind. Lesen Sie ihnen aus der heiligen Schrift vor, auch wenn sie nicht alles verstehen, was Sie ihnen vorlesen. Lehren Sie sie, vom ersten Geld, das sie bekommen, den Zehnten und die übrigen Spenden zu zahlen, damit sie sich dies für ihr ganzes Leben zur Gewohnheit machen. Lehren Sie Ihre Söhne, die Frau in Ehren zu halten. Lehren Sie Ihre Töchter, tugendhaft zu sein. Übernehmen Sie Aufgaben in der Kirche, und vertrauen Sie darauf, daß der Herr Ihnen helfen wird, diese Aufgaben gut zu erfüllen. Ihr Beispiel zeigt Ihren Kindern, wie sie sich verhalten sollen. Kümmern Sie sich liebevoll um Niedergedrückte und Hilfsbedürftige.

Fordern Sie Ihre Kinder auf, weniger fernzusehen und mehr zu lesen. „Eine Studie der American Psychological Association hat ergeben, daß das durchschnittliche Kind, das in der Woche 27 Stunden fernsieht,

in der Zeit von drei bis zwölf Jahren 8000 Morde und 100000 Gewalttaten anschaut.‟ (LL S. News & World Report, II. September 1995, Seite 66.)

Bemühen Sie sich, eine Atmosphäre zu schaffen, die das Lernen zu Hause fördert. In einem Leitartikel des Wall Street Journal wird dargelegt, wie sehr die Studenten asiatischer Herkunft den übrigen Studenten an der University of California in Berkeley in bezug auf Lernen überlegen sind. Über deren außergewöhnliche Leistungen heißt es: „Der wichtiste Faktor beim Aufstieg dieser neuen amerikanischen Elite besteht wohl im intensiven, von Hingebung geprägten Familienbewußtsein, durch das sich die typische asiatische Familie auszeichnet. … Dazu gehören auch die Achtung vor älteren Menschen und hohe Verhaltensmaßstäbe bei den Kindern, fleißiges Lernen in der Schule und außerschulische Aufgaben beispielsweise häufig die Mithilfe im Geschäft eines Verwandten.‟ (Wall Street Journal, 30. Mai 1995, Seite A14.)

In diesen Familien wird die Grundlage für die neuen Generationen gelegt. Hoffentlich ist den Müttern unter Ihnen bewußt, daß es für sie keine wichtigere und lohnendere Aufgabe gibt, als ihre Kinder in einer Umgebung aufzuziehen, wo Sicherheit, Friede, Zusammengehörigkeit, Liebe und der Wunsch herrschen, Fortschritt zu machen und gute Leistungen zu erzielen.

Den alleinstehenden Müttern möchten wir versichern, daß wir mit Ihnen fühlen. Dabei kommt es nicht darauf an, worauf Ihre derzeitige Lage zurückzuführen ist. Wir wissen, daß viele von Ihnen einsam sind und in Unsicherheit, Angst und Sorgen leben. Die meisten von Ihnen haben ständig zu wenig Geld. Sie machen sich unablässig Sorgen um Ihre Kinder und deren Zukunft. Für die meisten alleinstehenden Mütter gilt sicherlich, daß sie arbeiten müssen und ihre Kinder daher zum größten Teil sich selbst überlassen sind. Aber wenn Sie ihnen viel Zärtlichkeit und Liebe schenken, solange sie noch klein sind, und wenn Sie gemeinsam beten, dann werden Ihre Kinder höchstwahrscheinlich Frieden im Herzen haben und einen starken Charakter entwickeln. Unterweisen Sie sie in den Wegen des Herrn. Jesaja hat gesagt: „Alle deine Söhne werden Jünger des Herrn sein, und groß ist der Friede deiner Söhne.‟ (Jesaja 54:13.)

Je mehr Sie Ihre Kinder im Evangelium Jesu Christi unterweisen, je mehr Sie sie lieben und viel von ihnen erwarten, desto wahrscheinlicher ist es, daß ihre Kinder Frieden haben werden.

Seien Sie Ihren Kindern ein Beispiel, denn das ist wichtiger als alles, was Sie sie mit Worten lehren. Seien Sie nicht zu nachgiebig. Ihre Kinder müssen lernen, wie wichtig Arbeiten ist, wie wichtig es ist, zu Hause zu helfen. Es ist gut, wenn sie selbst ein wenig Geld verdienen. Spornen Sie Ihre Söhne an, für eine Mission zu sparen und sich dafür bereitzumachen, und zwar nicht nur in finanzieller, sondern auch in geistiger Hinsicht, indem sie nämlich die Bereitschaft entwickeln, dem Herrn selbstlos zu dienen. Wenn Sie das tun, dann kann ich Ihnen ohne Zögern versprechen, daß der Herr Ihnen viele Segnungen schenken wird.

Gerade vergangenen Montag habe ich einen Brief erhalten, aus dem ich Ihnen gerne etwas vorlesen möchte:

„Zwanzig Jahre waren im letzten Juni vergangen, seit ich mein sechstes Kind erwartete. Dabei hatte ich schon fünf Kinder, von denen das älteste noch nicht einmal neun Jahre alt war. Mein Mann verließ uns, um seine eigenen Wege zu gehen. Ich wünschte, ich könnte von mir sagen, eine edle Pionierin gewesen zu sein, aber in Wirklichkeit war ich nichts weiter als eine naive, ängstliche, unsichere junge Mutter, die nicht wußte, was sie tun sollte, und die jeden Tag neue törichte Fehler machte. Dennoch bat ich meine Führer um Rat und gehorchte, auch wenn ich wußte, daß meine Lage dadurch manchmal noch schwieriger werden würde. Aber ich sagte mir, daß ich den Rat meiner Führer nicht in Frage stellen dürfe und daß es mir sicher nur Erfahrung gab, wenn die Ausführung dieses Rates vorübergehend mit Schmerzen verbunden war.

Ich weiß noch, wie ich Präsident Kimballs monatlichen Artikel im Ensign las, wo er verhieß, daß für jedes Problem, mit dem wir während des Tages zu kämpfen haben, eine Lösung in der heiligen Schrift zu finden ist, vorausgesetzt, wir lesen jeden Tag darin. Ich dachte:, Na gut, Präsident Kimball. Dann will ich Ihr Versprechen einmal auf die Probe stellen. Ich habe nämlich viele Probleme, die dringend gelöst werden müssen.' Ich rief meine Kinder zusammen, und wir lasen jeden Tag in der heiligen Schrift. Außerdem beteten wir, fasteten für ihren Vater und für uns, hielten den Familienabend und gingen zu den Versammlungen der Kirche. Wir vergaben meinem Mann, ihrem Vater, und ich gab meine Entscheidungsfreiheit buchstäblich in die Hände des himmlischen Vaters. Ich sagte ihm, wenn ich nun nicht für alle Ewigkeit mit meinem Mann Zusammensein könne, wie ich es vorgehabt hatte, dann solle er doch bitte die Liebe, die ich als Frau für ihn empfand, in christusgleiche Liebe verwandeln, weil ich lieber sterben wollte, als den Vater meiner Kinder weiter zu hassen und zu verabscheuen. Ich wollte meinen Kindern nämlich weder Zorn noch Haß noch Bitterkeit vermitteln. Ich wußte, daß mein Mann im Grunde ein guter Mensch war, der viele Fähigkeiten und Talente besaß. Aber er hatte einen schrecklichen Fehler begangen, und mir war klar, daß er dafür zahlen mußte. So war es dann auch. Meine Aufgabe aber war es, mich um meine bald sechs Kinder zu kümmern und sie so zu unterweisen, daß sie das Evangelium Jesu Christi richtig verstanden. Ich konnte es zwar ertragen, meinen Mann zu verlieren, aber ich hätte es nicht ertragen können, eins der kostbaren Kinder Gottes zu verlieren, die meiner Obhut anvertraut waren.

Voller Demut kann ich heute sagen, daß der Herr meine Gebete hörte und erhörte. Der jüngste meiner vier Söhne erfüllt gerade eine Mission. … Seine drei älteren Brüder und eine Schwester haben ebenfalls die Möglichkeit erhalten, buchstäblich überall auf der Welt Zeugnis zu geben. … Meine älteste Tochter hat im Tempel einen zurückgekehrten Missionar geheiratet. … Die drei ältesten Jungen waren Ältestenkollegiumspräsident bzw. Gemeinde-Missionsleiter, die beiden Töchter waren in der PV-Leitung und der FHV-Leitung. Vier meiner Kinder haben bereits einen Gefährten bzw. eine Gefährtin für die Ewigkeit gefunden und im Tempel geheiratet. Sie sind auf dem richtigen Weg und haben schon ein wenig erfahren, wieviel Freude das Dienen bringt.

Präsident Hinckley, wenn dies kein Wunder ist, dann gibt es keine Wunder. Der Herr hat meine Kinder beschützt und erzogen. Er hat ihre Gebete erhört. …,

Der Herr hielt es auch für richtig, mir einen zweiten Mann zu schenken, und wir sind im Tempel aneinander gesiegelt worden. Wir sind eine Familie. War es leicht bis dahin? Nein, wir hatten unzählige Schwierigkeiten zu bewältigen. Aber die heilige Schrift war unsere, eiserne Stange', das Beten der Boden unter unseren Füßen und der Gehorsam der Weg, den wir gehen wollten. So haben meine Kinder gelernt, mit ganzem Herzen auf den Herrn zu vertrauen und nicht auf eigene Klugheit zu bauen.

Ich erzählen Ihnen das alles nicht, … um mich damit zu brüsten. Aber ich kann sozusagen mit dem Herrn prahlen. Das Sühnopfer ist Wirklichkeit für uns geworden. Die Wunden im Herzen sind verheilt, und wir haben wieder Vertrauen und Frieden gefunden. Es ist wirklich so, wie Sie gesagt haben: Jeder Grundsatz, den Gott offenbart hat, trägt die Überzeugung von seiner Wahrheit in sich.' … Ich denke an meinen ersten Mann und wünsche mir, er möge erkennen, daß er bereits den Preis für seinen Fehler gezahlt hat. … Ihm ist die Freude entgangen, seine begabten Kinder im Herrn aufwachsen zu sehen. Er hat ihre Leistungen in der Schule und in der Kirche nicht miterlebt, hat sie nicht verabschieden können, als sie auf Mission gingen, und nicht hören können, was sie nach ihrer Rückkehr erzählt haben. Und all dies macht doch das Leben erst schön. Wie dankbar bin ich dafür, daß ich an der Seite meiner Kinder sein durfte!

Ich weiß, daß es heute viele alleinstehende Mütter und Väter auf der Welt gibt, und ich würde ihnen so gerne bewußt

machen, daß sie keine Zeit damit verschwenden dürfen, ihre Wunden zu lecken. Ich habe nämlich erlebt, daß wir unsere Last auf den Erretter werfen dürfen und daß er sie trägt und Angst in Liebe verwandelt. … Möge der Herr Sie und Ihre Familie immer segnen. Mit großer Dankbarkeit und Liebe.‟ So endet der Brief.

Ich möchte auch den Großmüttern und Urgroßmüttern etwas ans Herz legen. Sie haben viele Erfahrungen gesammelt und besitzen großes Verständnis. Sie können in unserer Welt voller sich ständig ändernder Wertvorstellungen wie ein Anker sein. Sie haben ein langes Leben hinter sich und sind von den Widrigkeiten des Lebens, die Sie durchmachen mußten, geschliffen und poliert worden wie ein Edelstein. Still erteilen Sie wohlüberlegten Rat. Sie sind für unsere verkehrte Gesellschaft wie ein großer Schatz. Möge der Herr Sie segnen. Mögen die Ihnen verbleibenden Jahre voller Sonne sein, erwärmt von der Liebe Ihrer Angehörigen und der Liebe zum Herrn.

Ich bin kurz auf einige der schwerwiegenden Probleme eingegangen, mit denen sich viele Schwestern in der Kirche auseinandersetzen müssen.

Wir wissen, daß wir warnen und ermahnen müssen, weil es heute auf der Welt so viele falsche Lehren gibt, die als Wahrheit dargestellt werden, so viele falsche Ansichten in bezug auf Maßstäbe und Wertvorstellungen und so viele Verlockungen, sich nach und nach von der Welt beflecken zu lassen. Daher verkünden wir der Welt als Erste Präsidentschaft und Rat der Zwölf Apostel der Kirche eine Proklamation, in der wir auf die für das Familienleben notwendigen Maßstäbe, Lehren und Gewohnheiten hinweisen, die die Propheten, Seher und Offen-

barer dieser Kirche in der Vergangenheit immer wieder betont haben. Lassen Sie mich diese Proklamation jetzt verlesen: „Wir, die Erste Präsidentschaft und der Rat der Zwölf Apostel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, verkünden feierlich, daß die Ehe zwischen Mann und Frau von Gott verordnet ist und daß im Plan des Schöpfers für die ewige Bestimmung seiner Kinder die Familie im Mittelpunkt steht.

Alle Menschen - Mann und Frau - sind als Abbild Gottes erschaffen. Jeder Mensch ist ein geliebter Geistsohn beziehungsweise eine geliebte Geisttochter himmlischer Eltern und hat dadurch ein göttliches Wesen und eine göttliche Bestimmung. Das Geschlecht ist ein wesentliches Merkmal der individuellen vorirdischen, irdischen und ewigen Identität und Lebensbestimmung.

Im vorirdischen Dasein kannten und verehrten die Geistsöhne und töchter ihren ewigen Vater und nahmen seinen Plan an; nach diesem Plan konnten sie einen physischen Körper erhalten und die Erfahrungen des irdischen Lebens machen, um sich auf die Vollkommenheit hin weiterzuentwickeln und letztlich als Erben ewigen Lebens ihre göttliche Bestimmung zu verwirklichen. Der göttliche Plan des Glücklichseins macht es möglich, daß die Familienbeziehungen über das Grab hinaus Bestand haben. Die heiligen Handlungen und Bündnisse, die im heiligen Tempel vollzogen werden können, ermöglichen es dem einzelnen, in die Gegenwart Gottes zurückzukehren, und der Familie, auf ewig vereint zu sein.

Das erste Gebot, das Gott Adam und Eva gab, bezog sich darauf, daß sie als Ehemann und Ehefrau Eltern werden konnten. Wir verkünden, daß Gottes Gebot für seine Kinder, sich zu vermehren und die Erde zu bevölkern, noch immer in Kraft ist. Weiterhin verkünden wir, daß Gott geboten hat, daß die heilige Fortpflanzungskraft nur zwischen einem Mann und einer Frau angewandt werden darf, die rechtmäßig miteinander verheiratet sind.

Wir verkünden, daß die Art und Weise, wie sterbliches Leben erschaffen werden soll, von Gott so festgelegt ist. Wir bekräftigen, daß das Leben heilig und in Gottes ewigem Plan von wesentlicher Bedeutung ist.

Mann und Frau tragen die feierliche Verantwortung, einander und ihre Kinder zu lieben und zu umsorgen. „Kinder sind eine Gabe des Herrn.‟ (Psalm 127:3.) Die Eltern haben die heilige Pflicht, ihre Kinder in Liebe und Rechtschaffenheit zu erziehen, für ihre physischen und geistigen Bedürfnisse zu sorgen, sie zu lehren, daß sie einander lieben und einander dienen, die Gebote Gottes befolgen und gesetzestreue Bürger sein sollen, wo immer sie leben. Mann und Frau - Vater und Mutter - werden vor Gott darüber Rechenschaft ablegen müssen, wie sie diesen Verpflichtungen nachgekommen sind.

Die Familie ist von Gott eingerichtet. Die Ehe zwischen Mann und Frau ist wesentlich für seinen ewigen Plan. Das Kind hat ein Recht darauf, im Bund der Ehe geboren zu werden und in der Obhut eines Vaters und einer Mutter aufzuwachsen, die den Ehebund in völliger Treue einhalten. Ein glückliches Familienleben kann am ehesten erreicht werden, wenn die Lehren des Herrn Jesus Christus seine Grundlage sind. Erfolgreiche Ehen und Familien gründen und sichern ihren Bestand auf den Prinzipien Glaube, Gebet, Umkehr, Vergebungsbereitschaft, gegenseitige Achtung, Liebe, Mitgefühl, Arbeit und sinnvolle Freizeitgestaltung. Gott hat es so vorgesehen, daß der Vater in Liebe und Rechtschaffenheit über die Familie präsidiert und daß er die Pflicht hat, dafür zu sorgen, daß die Familie alles hat, was sie zum Leben und für ihren Schutz braucht. Die Mutter ist in erster Linie für das Umsorgen und die Erziehung der Kinder zuständig. Vater und Mutter müssen einander in diesen heiligen Aufgaben als gleichwertige Partner zur Seite stehen. Behinderung, Tod und sonstige Umstände mögen eine individuelle Anpassung erforderlich machen. Bei Bedarf leisten die übrigen Verwandten Hilfe.

Wir weisen warnend darauf hin, daß jemand, der die Bündnisse der Keuschheit verletzt, der seinen Ehepartner oder seine Kinder mißhandelt oder seinen familiären Verpflichtungen nicht nachkommt, eines Tages vor Gott Rechenschaft ablegen muß. Weiter warnen wir davor, daß der Zerfall der Familie Unheil über die einzelnen Menschen, die Gemeinwesen und die Nationen bringen wird, wie es in alter und neuer Zeit von den Propheten vorhergesagt worden ist.

Wir rufen die verantwortungsbewußten Bürger und Regierungsvertreter in aller Welt auf, solche Maßnahmen zu fördern, die darauf ausgerichtet sind, die Familie als Grundeinheit der Gesellschaft zu bewahren und zu stärken.‟

Wir legen Ihnen ans Herz, diese Proklamation sorgfältig, aufmerksam und gebeterfüllt zu lesen. Die Kraft eines Volkes steht und fällt mit der Familie. Deshalb fordern wir unsere Mitglieder überall auf der Welt auf, ihre Familie im Einklang mit den altbewährten Wertvorstellungen zu stärken.

Möge der Herr Sie segnen, liebe Schwestern. Sie sind die Hüterinnen der Familie. Sie bringen die Kinder zur Welt. Sie erziehen sie und formen ihre Gewohnheiten. Keine andere Aufgabe ist so eng mit dem Göttlichen verbunden wie die Aufgabe, die Söhne und Töchter Gottes zu erziehen. Mögen Sie die Kraft finden, den Schwierigkeiten des Alltags zu begegnen. Mögen Sie Weisheit empfangen, die über ihre bisherige Weisheit hinausgeht, damit Sie die Probleme bewältigen können, mit denen Sie unablässig zu kämpfen haben. Mögen Ihre Gebete und Bitten mit Segnungen für Sie und Ihre Lieben beantwortet werden. Wir versichern Sie unserer Liebe und geben Ihnen unseren Segen, damit Sie Frieden und Freude haben mögen, denn so kann es sein. Viele von Ihnen können bezeugen, daß es so ist. Möge der Herr Sie jetzt und in den kommenden Jahren segnen. Darum bitte ich demütig im Namen unseres Erretters, des Herrn Jesus Christus. Amen.