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Frühjahr 1996 | Der Sabbat und das Einkaufen am Sonntag

Der Sabbat und das Einkaufen am Sonntag

Frühjahr 1996 Generalkonferenz

Die Art und Weise, wie wir den Sabbat heilighalten, zeigt den Grad unserer Bekehrung und unserer Bereitschaft, die heiligen Bündnisse einzuhalten.

Guten Morgen, Brüder und Schwestern. Ich spreche heute über den Sabbat, insbesondere im Zusammenhang mit dem Einkaufen am Sonntag.

Von Anfang an hat Gott die Propheten angewiesen, sein Bundesvolk zu lehren, daß es den Sabbat in Ehren hält. Gott ruhte am siebten Tag von seinem Schöpfungswerk.1 Dieser Tag wurde gesegnet und als Tag des Herrn geheiligt.

Das vierte Gebot, das Mose erhielt, lautete: „Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!"2

Eider Bruce R. McConkie hat gelehrt, daß die Sabbatheiligung ein Zeichen zwischen dem alten Israel und seinem Gott war, wodurch sich Gottes auserwähltes Volk auszeichnete.3

Die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage betrachten den Sonntag als den Sabbat, und zwar in Erinnerung daran, daß Christus an einem Sonntag aus dem Grab hervorkam und die Apostel sich von da an am ersten Tag der Woche versammelten.4

Am Sonntag, den 7. August 1831 offenbarte der Herr dem Propheten Joseph Smith folgendes: „Und damit du dich selbst noch mehr von der Welt unbefleckt halten mögest, sollst du an meinem heiligen Tag ins Haus des Betens gehen und deine heiligen Handlungen darbringen; denn wahrlich, das ist der Tag, der bestimmt ist, daß ihr von eurer Arbeit ruht und daß du dem Allerhöchsten deine Ergebenheit erweisest; doch sollen deine Gelübde an allen Tagen und zu allen Zeiten in Rechtschaffenheit dargebracht werden; aber denke daran: An diesem Tag, am Tag des Herrn, sollst du dem Allerhöchsten deine Gaben und deine heiligen Handlungen darbringen und deinen Brüdern sowie vor dem Herrn deine Sünden bekennen. Und an diesem Tag sollst du nichts anderes tun als mit Herzenslauterkeit deine Speise bereiten, damit dein Fasten vollkommen sei oder, mit anderen Worten, damit deine Freude vollständig sei.5

In einer Regionsschulung für Priestertumsführer, die kürzlich stattfand, brachte Präsident Gordon B. Hinckley seine Sorge darüber zum Ausdruck, daß die Mitglieder der Kirche vielleicht dazu neigen, die Wege der Welt zu übernehmen. Er sagte:

„Wir nehmen sie nicht sofort an, aber leider übernehmen wir sie langsam. Ich wünschte, ich hätte die Macht, die ganze Kirche dazu zu bekehren, den Sabbat heilig zu halten. Ich weiß, daß unsere Mitglieder reichlicher vom Herrn gesegnet würden, wenn sie, was die Sabbatheiligung angeht, treu wären."6

Ein bedeutender Aspekt der richtigen Sabbatheiligung ist, nicht am Sonntag einzukaufen. Leider sind viele Geschäfte und Einrichtungen am Sonntag geöffnet. Die Welt findet nichts dabei, am Sonntag einzukaufen. Doch uns, den Mitgliedern der Kirche, raten die Propheten, daß wir uns „von der Welt unbefleckt halten"7 sollen. Wir sollen am Sonntag nicht einkaufen.

Präsident Hinckley unterwies die Priestertumsführer weiter: „Niemand in der Kirche muß am Sonntag Möbel kaufen. Wirklich niemand. Niemand in der Kirche muß am Sonntag ein neues Auto kaufen. Niemand. Niemand in der Kirche muß am Sonntag Lebensmittel kaufen, wenn er nur ein wenig vorausplant. Niemand. … Sie müssen am Sonntag auch kein Eis kaufen. … Sie dürfen den Sonntag nicht zum Einkaufstag machen. Wir sollten die Ladenbesitzer, die am Sabbat geöffnet haben, wirklich nicht unterstützen. Warum haben sie geöffnet? Um Kunden zu gewinnen. Wer sind diese Kunden? Nun, es sind nicht nur Leute, die nicht unserer Kirche angehören. Das wissen Sie so gut wie ich."8

Im Buch Nehemia, im Alten Testament, wurde das Volk gelehrt, den Sabbat heilig zu halten, und wurde angewiesen: „Wenn die Völker des Landes Waren, besonders Getreide jeder Art, am Sabbat zum Verkauf anbieten, werden wir ihnen am Sabbat oder an einem anderen heiligen Tag nichts abnehmen."9

Eider Dallin H. Oaks vom Kollegium der Zwölf Apostel hat gelehrt:

„Die Propheten unserer Zeit haben uns aufgefordert, am Sonntag nicht einzukaufen. Wenn jemand von uns am Sonntag einkauft, so kann er sich nicht der Verantwortung dafür entziehen, daß er Geschäftsleute dazu ermuntert, am Sonntag offenzuhaben. Gewiß, für notwendige Dienste muß gesorgt sein, aber die meisten geschäftlichen Tätigkeiten ließen sich am Sonntag vermeiden, wenn Geschäftsleute und Kunden entschlossen wären, am Tag des Herrn keine Geschäfte zu machen."10

Brüder und Schwestern, wir wollen am Sonntag nicht einkaufen. Eine Möglichkeit, dies zu vermeiden, besteht darin, im voraus zu planen. Tanken Sie schon am Samstag. Kaufen Sie die Lebensmittel für das Wochenende am Samstag ein. Geben Sie niemandem Grund dafür, am Sonntag zu arbeiten, weil Sie in seinem Geschäft etwas kaufen. Natürlich gibt es wichtige Einrichtungen, wo auch sonntags gearbeitet werden muß. Dazu gehören Notdienste, Krankenhäuser, der öffentliche Verkehr sowie Polizei und Feuerwehr. Wir sind den Leuten dankbar, die in diesen wichtigen öffentlichen Einrichtungen arbeiten und uns Schutz und Hilfe gewähren.

In vielen Ländern auf der Welt und in manchen amerikanischen Bundesstaaten ist das Einkaufen am Sonntag gar nicht möglich oder sogar gesetzlich untersagt. Wir als Gemeinschaft der Heiligen sollten unseren Einfluß in positiver Weise geltend machen, um andere Bürger dazu zu ermuntern, am Sonntag nicht einzukaufen. Wir müssen den Anfang machen. Wenn wir am Sonntag nicht einkaufen, haben Geschäfte, die sonntags geöffnet haben, keinen finanziellen Anreiz mehr, sonntags weiterhin geöffnet zu haben. So einfach ist das.

Ich fahre oft durch ländliche Gegenden und kleine Städte, wenn ich am Sonntagnachmittag von einer Pfahlkonferenz nach Hause fahre. Dabei stelle ich fast immer fest, daß die Traktoren stillstehen und niemand auf den Feldern arbeitet. Ich danke Gott für den Glauben der demütigen Landwirte. Wenn ich dann durch die größeren Städte fahre, sehe ich die Parkplätze vieler Geschäfte voll mit Autos, und es stimmt mich traurig, daß das Gesetz des Herrn nicht eingehalten wird. Die Inhaber und Geschäftsleiter solcher Geschäfte rechtfertigen sich oft damit, daß sie wettbewerbsfähig bleiben, sich den Geschäftsmethoden anpassen müssen usw.

Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch, das Präsident Spencer W. Kimball einmal mit einem treuen Mitglied der Kirche führte. Es verlief etwa so:

„Was sind Sie von Beruf?" Der Mann antwortete: „Ich betreibe eine Tankstelle." Und ich fragte: „Haben Sie am Sonntag geöffnet?" Seine Antwort lautete: „Nein, habe ich nicht." „Wie kommen Sie dann zurecht? Die meisten Tankstellenbesitzer sind doch wohl der Meinung, sie müßten auch sonntags geöffnet haben." „Ich komme gut zurecht", sagte er. „Der Herr ist gut zu mir." „Ist die Konkurrenz nicht hart?" fragte ich. „Ja, das ist sie", antwortete er. „Gegenüber ist eine Tankstelle, die den ganzen Sonntag über geöffnet hat." „Und Sie haben nie geöffnet?" fragte ich. „Nein", sagte er, „und ich bin dankbar dafür. Der Herr ist gut, und ich habe alles, was ich brauche."11

Die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sind ein Bundesvolk. Wir wissen, daß wir in der Welt leben, aber wir sind angewiesen worden, nicht von der Welt zu sein. Wie das alte Israel, das ebenfalls ein Bundesvolk war, sollten wir die richtige Sabbatheiligung fördern, indem wir am Sonntag nicht einkaufen. Das soll ein Zeichen zwischen uns und unserem Gott werden, das uns auszeichnet.

Das ist unser Erbe. In dieser Evangeliumszeit werden wir seit den Tagen unserer Pioniervorfahren darüber unterwiesen. Ich erinnere mich an eine Ansprache, die Präsident Hinckley vor einigen Jahren gehalten hat. Darin sagte er: „Einen Augenblick lang möchte ich Sie 142 Jahre in die Vergangenheit mitnehmen, als es weder Tabernakel noch Tempel oder Tempelplatz gab. Am 24. Juli 1847 kamen die ersten Pioniere in dieses Tal. Ein paar von ihnen waren schon ein, zwei Tage vorher angekommen. Brigham Young traf am Samstag ein. Am nächsten Tag wurden am Vormittag und am Nachmittag Sonntagsversammlungen abgehalten. Es gab kein Versammlungsgebäude. Ich nehme an, die Leute saßen in der Gluthitze jenes Julitags auf der Deichsel ihres Wagens oder lehnten sich an ein Rad, während die Brüder sprachen. Es war schon spät im Jahr, und sie hatten eine gewaltige und dringende Aufgabe vor sich, wenn sie für das kommende Jahr noch etwas anbauen wollten. Brigham Young bat sie jedoch eindringlich, weder jetzt noch später den Sonntag zu entheiligen."12

Können wir uns überhaupt vorstellen, was für eine Versuchung es für unsere Pioniervorfahren gewesen sein muß, den Sabbat zu entweihen? Ihr Überleben hing von der Nahrung ab, die sie anpflanzen und ernten konnten. Und doch gaben ihre Führer ihnen den Rat, an die Verheißungen des Herrn zu glauben und den Sabbat heiligzuhalten.

Wie lauten die Verheißungen und Segnungen des Herrn für diejenigen, die den Sabbat in Ehren halten, indem sie am Sonntag nicht einkaufen? Der 59. Abschnitt in Lehre und Bündnisse und das 26. Kapitel des Buches Levitikus im Alten Testament enthalten ähnliche Verheißungen: „Euch gehört die Fülle der Erde; ich gebe euch Regen zur rechten Zeit und die Erde liefert ihren Ertrag; ich schaffe Frieden im Land; ich wende mich euch zu, mache euch groß und halte meinen Bund mit euch aufrecht."13

Präsident George Albert Smith nannte einmal eine weitere Segnung, die gleichzeitig eine Warnung ist:

„Ein großer Teil des Leids und des Elends, das die Menschheit quält, ist darauf zurückzuführen, daß sie seine (Gottes) Ermahnung mißachten, den Sabbat heiligzuhalten."14

Und schließlich zeigt die Art und Weise, wie wir den Sabbat heilighalten, den Grad unserer Bekehrung und unserer Bereitschaft, die heiligen Bündnisse einzuhalten, gerade auch in dieser wunderbaren Osterzeit. Elder Mark E. Petersen hat gesagt:

„Inwieweit wir den Sabbat heilig halten oder nicht, ist ein sicherer Maßstab für unsere Einstellung gegenüber dem Herrn selbst und gegenüber seinem Leiden in Getsemani, seinem Tod am Kreuz und seiner

Auferstehung von den Toten. Daran läßt sich erkennen, ob wir tatsächlich Christen sind oder ob unsere Bekehrung so oberflächlich ist, daß die Erinnerung an sein Sühnopfer uns nichts oder nur wenig bedeutet."15

Ich gebe demütig Zeugnis von der Heiligkeit des Sabbats und von der Notwendigkeit, daß wir uns fest vornehmen, am Sonntag nicht einzukaufen. Die Sabbatheiligung ist Teil unseres Glaubens und die Befolgung eines ewigen Grundsatzes. Sie ist ein Zeichen zwischen Gott und seinem auserwählten Volk. Sie ist ein wahres Gesetz und ein Gebot Gottes. Im Namen Jesu Christi. Amen. D

Quellenangaben anzeigenQuellenangaben ausblenden
    1. Siehe Mose 3:3; Genesis 2:2,3.

    2. Exodus 20:8.

    3. Siehe Bruce R. McConkie, Mormon Doctrine, Seite 658; siehe auch Nehemia 13:15-22; Jesaja 56:1-8; Jeremia 17:19-27; Ezechiel 46:1-7; Exodus 31:12-17.

    4. siehe Johannes 20:1; Lukas 24:1; Markus 16:1; Matthäus 28:1; Apostelgeschichte 20:7.

    5. LuB 59:9-13.

    6. Regionskonferenz Heber City/Springville Utah,

    7. LuB 59:9.

    8. Regionskonferenz Heber City/Springville Utah, Priestertumsführerschaftsversammlung, 13. Mai 1995.

    9. Nehemia 10:32

    10. Der Stern, Januar 1987, Seite 19.

    11. The Teachings of Spencer W. Kimball, Seite 227.

    12. Der Stern, Januar 1990, Seite 52.

    13. LuB 59:16-19; Levitikus 26:2-6,9.

    14. Generalkonferenz, Oktober 1935 (zitiert von Präsident Ezra Taft Benson, Ensign, Mai 1971, Seite 7).

    15. Generalkonferenz, April 1975.