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Frühjahr 1997 | Christus näher kommen

Christus näher kommen

Frühjahr 1997 Generalkonferenz

Es war gar nicht leicht für mich, mich zu ändern. Ich mußte demütig sein, um mir einzugestehen, daß ich etwas falsch gemacht hatte.

Ich habe das Evangelium von Geburt an in meiner Familie, und meine Eltern haben sich immer bemüht, mich gute Grundsätze zu lehren. Trotzdem habe ich mich mit etwa dreizehn Jahren sehr verändert. Ich habe damals beschlossen, den Weg zu gehen, der nach mehr Spaß aussah und auch leichter schien. Ich ließ mich von den Ratschlägen meiner Freundinnen leiten, mich unpassend zu kleiden, zu weniger guten Partys zu gehen und manchmal sogar schlechte Ausdrücke in den Mund zu nehmen.

Gleichzeitig fing ich an, mit meinen Eltern Probleme zu haben, und ich hörte auf, in den heiligen Schriften zu lesen. Mir war es am wichtigsten, daß ich beliebt war, und ich fand es gut, daß ich zu Partys ging und mich so kleidete wie meine Freundinnen. Aber in Wirklichkeit fühlte ich mich innerlich leer und einsamer als je zuvor. Ich hatte keinen inneren Frieden, weil ich immer irgend etwas vor meinen Eltern verbergen mußte, weil ich Angst hatte, sie würden schimpfen. Etwas sagte mir immer, daß das, was ich da tat, falsch war, aber ich entschloß mich trotzdem, meinen Freundinnen zu folgen und beliebt zu sein.

Erst mit ungefähr fünfzehn hatte ich allmählich das Gefühl, daß alles, was in der Kirche gesagt wurde, speziell an mich gerichtet war. In einer Abendmahlsversammlung waren alle Ansprachen genau das, was ich brauchte. Ich wandte mich meiner Mutter zu und fragte sie: „Mama, was hast du denen über mich erzählt?" Sie sagte, sie hätte den Sprechern gar nichts über mich erzählt. Damals beschloß ich, mich zu ändern, und damals wandten meine Freundinnen mir den Rücken zu. Ich fühlte mich richtig elend. Aber ich akzeptierte, daß meine Eltern immer recht gehabt hatten. Mir wurde klar, daß sie meine einzigen wahren Freunde waren.

Es war gar nicht leicht für mich, mich zu ändern. Ich mußte demütig sein, um mir einzugestehen, daß ich etwas falsch gemacht hatte. Ich wollte wirklich anders sein, deshalb begann ich mit der Arbeit in dem Heft Mein Fortschritt. Ich fing an, mich wohler zu fühlen. Ganz allmählich, Erfahrung um Erfahrung. Manchmal ist es mir sehr schwer gefallen, die Erfahrungen zu den JD-Idealen zu absolvieren, zum Beispiel in den heiligen Schriften zu lesen. Aber selbst wenn ich mich bloß ein bißchen bemühte, fühlte ich mich schon besser.

Als ich zum ersten Mal das Buch Mormon durchgelesen hatte, konnte ich fühlen, daß alles, was meine Eltern mir in bezug auf die Kirche beigebracht hatten, wahr ist und daß ich Christus näher kommen konnte. Als ich anfing, an den Lorbeermädchenprojekten zu arbeiten, fing ich an, zufriedener mit mir selbst zu sein, und durch den Dienst an meinen Mitmenschen bei meinen Projekten im Bereich Gute Werke spürte ich allmählich den inneren Frieden, nach dem ich gesucht hatte.

Jetzt habe ich mein Medaillon, und ich glaube, die Mühe hat sich gelohnt. Für mich ist es mehr als eine Halskette. Es ist ein Zeichen meiner Liebe zum himmlischen Vater. Es ist auch ein Zeichen meiner Würdigkeit, und es motiviert mich dazu, auch weiterhin das zu tun, was Christus von mir erwartet.

Ich bin so dankbar, daß wir uns zwischen Recht und Unrecht entscheiden können, und ich bin auch dankbar, daß wir aus unseren Fehlern lernen können. Die Freude, die ich jetzt spüre, wenn ich durch den Dienst an meinen Mitmenschen die Liebe Christi spüre, und mein neugewonnenes Selbstwertgefühl sind nichts im Vergleich zu dem Gefühl, in der Schule beliebt zu sein. Inzwischen kann sich wahrscheinlich niemand von meinen früheren Freundinnen an mich erinnern, aber es macht mich glücklich zu wissen, daß Christus mich kennt und daß er weiß, daß ich ihn liebe.

Ich weiß, wir können die Schwierigkeiten, die sich uns in den Weg stellen, meistern, weil wir ja Töchter des himmlischen Vaters sind, der uns liebt. Er läßt nicht zu, daß wir über unsere Widerstandskraft hinaus versucht werden. Ich weiß, daß Joseph Smith ein wahrer Prophet war, so wie Präsident Hinckley ein Prophet ist. Ich sage dies im Namen Jesu Christi. Amen.