Leben Sie nach den Geboten

David B. Haight

Of the Quorum of the Twelve Apostles


David B. Haight
Nehmen Sie die wundervollen Möglichkeiten, ein gutes Leben zu führen, wahr, seien Sie ein guter Mensch, verrichten Sie gute Werke, beeinflussen Sie andere Menschen positiv.

Meine lieben Brüder und Schwestern, was für ein wundervoller Anlaß, was für ein wunderschöner Tag, welch herrliche Zeit dies ist, vor allem für mich, der ich nach dem mitreißenden Zeugnis des Propheten Gottes hier auf der Erde hier stehen darf.

Als er jene Erstausgabe des Buches Mormon hochhielt, dachte ich an etwas, das ich vor ein paar Jahren erlebt habe, als wir an einem Seminar für Missionspräsidenten teilnahmen. Zum Schluß des zweitägigen Seminars in der Gegend um Palmyra und Fayette fand im renovierten Farmhaus von Peter Whitmer, jenem schönen kleinen Haus, wo die Kirche vor 168 Jahren gegründet wurde, ein Essen statt. Es war ein bewegendes Ereignis. Damals konnte in der kleinen Blockhütte nur über offenem Feuer gekocht werden. Wir sahen uns die Feuerstelle an. Dort hing ein Topf, so wie früher. Sie hatten damals keine der Annehmlichkeiten von heute. Ihr Wasser mußten sie draußen am Brunnen holen.

Gegen Ende der sehr geisterfüllten Versammlung mit den Missionspräsidenten ging ich die Treppe hoch und sah mir die beiden kleinen Schlafzimmer an. Die Familie Peter Whitmer hat dort gewohnt. Aber eins der Zimmer durfte der Prophet Joseph Smith benutzen, und er hat dort einen Teil des Buches Mormon übersetzt. Oliver Cowdery hat in diesem bescheidenen Haus mit ihm zusammengearbeitet. Mir brannte das Herz, und es war ein wundervolles Gefühl, in dem kleinen Farmhaus zu sein und mir vorzustellen, was dort geschehen ist und wie die Segnungen des Himmels über dieses Haus ausgegossen wurden.

Als wir an dem Abend unsere Versammlung beendeten und das kleine Farmhaus verließen, schien der Vollmond durch die Bäume. Ich sagte zu Ruby: „Ich kann mir den Abend des 6. April 1830 vorstellen, nachdem die kleine Gruppe sich versammelt hatte und die Kirche gegründet worden war und die sechs Männer, die da sein mußten, damit die Organisation entsprechend den Gesetzen des Staates New York gegründet werden konnte, dort waren; ich kann mir vorstellen, was gesagt wurde, was in bezug auf die Zukunft der Kirche prophezeit wurde und welche Zeugnisse gegeben wurden.„ Dann sagte ich: „Ich kann mir vorstellen, daß am Abend des 6. April 1830 der Vollmond schien ­ zum Zeichen dafür, daß unser Erretter anläßlich der Ereignisse des Tages herablächelte.

Später brachte ich diesen Gedanken in einer Gruppe zum Ausdruck, wo Bruder Chamberlain, der damals Direktor des Hansen-Planetariums in Salt Lake City war, mir zuhörte. Er war so nett, sich mit dem Marine-Observatorium in Verbindung zu setzen, um herauszufinden, was am 6. April 1830 geschehen war. Sie hatten keine so lange zurückreichenden Unterlagen, und so setzte er sich mit dem Königlichen Observatorium in Greenwich in England in Verbindung, um in Erfahrung zu bringen, welche Unterlagen dort wohl vorhanden waren. Er schickte mir später Unterlagen, aus denen hervorging, was in der Woche des 6. April 1830 am Himmel vor sich ging, und dort stand, daß an den Tagen um den 6. April Vollmond war, also ein herrlich strahlender Mond. Die Herrlichkeit des Herrn hatte sich über jenen Anlaß ergossen.

Es ist mir eine Ehre, daß ich heute hier sein darf, um mit Ihnen zu hören, wie Präsident Hinckley über jene bewegenden Ereignisse gesprochen hat, daß ich unterwiesen worden bin, daß ich bei Ereignissen in der ganzen Welt und im Tempel zugegen war und daß ich die Versammlungen der Kirche besucht habe, wo ich gespürt habe, wie der Geist des Herrn dieses Werk leitet, von dem ich Ihnen bezeuge, daß es wahr ist. Die Jahre vergehen, und es ist mir eine Ehre, daß ich mein Zeugnis dem Zeugnis unseres großen Propheten hinzufügen darf.

Ich habe vor ein paar Tagen einen Brief von einem jungen Mann erhalten, von dem neunzehnjährigen Kevin Campbell in Juniper, Idaho. Ich will gar nicht erst versuchen, Ihnen zu erklären, wo das liegt, aber vielleicht können Sie es sich vorstellen. Bruder Kevin hat mir folgendes geschrieben: „Ich habe erfahren, daß Sie schon ziemlich alt sind, und ich wollte Ihnen schreiben, ehe Sie auf die andere Seite hinüberwechseln. Wie ist das Leben eigentlich, wenn man so alt ist wie Sie? Ich habe schon oft darüber nachgedacht, deshalb frage ich Sie: Wie ist das Leben? Ich möchte gern wissen, was mich erwartet, wenn ich so alt werde, wie Sie es jetzt sind.“

Ich möchte dem lieben Kevin Campbell sagen: Das Leben ist wundervoll. Ich kann es nur so sagen: Ich bin mein Leben lang gesegnet worden, und ich bin mit Herausforderungen und vielen Möglichkeiten und Fragen und Problemen gesegnet worden, die alle zum Leben dazugehören. Aber das Leben ist wundervoll, wenn wir nach den einfachen Grundsätzen leben, die gelehrt worden sind, und wenn wir so leben, wie wir es als richtig erkannt haben. Eine der wundervollen Segnungen des Alters besteht darin, daß wir mehr Zeit für unsere Kinder und ihre Kinder und deren Kinder haben, daß wir uns versammeln und mit ihnen zusammensein können.

Erst vor kurzem haben wir uns eines Abends im Gemeindehaus zu einem Taufgottesdienst versammelt, wo Rachel, eine Urenkeltochter, getauft wurde. Ein paar Abende vorher war Richard, ein Urenkel, getauft worden. Ich habe sie angesehen und mit ihnen gesprochen und sie gedrückt und das Funkeln in ihren Augen und das Licht des Evangeliums gesehen, das ihnen Herz und Seele erfüllte. Sie waren so begeistert von der Vorstellung, sich taufen zu lassen und Mitglieder der Kirche zu werden. Ihre Familie hatte sie die wahren Grundsätze des Evangeliums gelehrt. Ich weiß noch, wie ich sagte: „Richard, einen richtigen Missionarshändedruck bitte.“ Und dann quetschte er mir mit seiner kleinen achtjährigen Hand fast die Finger ab. Dabei sagte ich: „Richard, du wirst ein großartiger Missionar.“ Und die kleine Rachel wird auch ein großartiges Mitglied der Kirche werden.

Bei derselben Gelegenheit durften wir uns im Kreis aufstellen; der junge Peter jun. erhielt das Aaronische Priestertum, und sein Vater übertrug ihm die Segnungen des Priestertums. Und wir älteren durften im Kreis stehen und die Bedeutung dieses Anlasses verspüren und wissen, daß alle Anwesenden Teil unserer Familie sind. Ich möchte, daß unsere wachsende Familie um ihre Väter weiß. Ich verwende diesen Begriff im Plural, wie Helaman ihn verwendet hat ­ jener große Prophet Helaman im Buch Mormon ­ als er seinen Söhnen von ihren Vätern, darunter auch Nephi und Lehi, erzählte und davon, wie sie das Wort Gottes befolgt hatten und wie sie die Gebote gehalten und Jerusalem verlassen und hinaus in die Wildnis gezogen waren, wie es im Buch Mormon offenbart ist. Helaman erklärte seinen Kindern, daß ihre Väter viele Werke verrichtet hatten und daß es gute Werke waren.

Und so hoffe ich, daß unsere Kinder im Laufe der Generationen um ihr Erbe wissen, daß sie wissen, wer sie sind und daß sie Väter hatten, die glaubten, und daß sie wissen, daß ihre Väter ihre Herausforderungen hatten und daß sie Väter hatten, die die Wahrheit untersucht und in der Welt verkündet haben ­ daß sie nicht nur Schriftstellen zitiert haben ­ sondern mit Herz und Seele gespürt haben, daß das, was wir tun, wahr ist.

Wir konnten unser altes Haus in Oakley in Idaho zurückkaufen und es so wieder herrichten, daß unsere Kinder um ihre Vorfahren wissen werden und daß sie wissen werden, daß ihre Väter und deren Werke auch gut waren. Ich habe noch eine goldene Uhr, die mein Vater von der Gemeinde Oakley 1 geschenkt bekommen hat, als er dort Bischof war. Das war 1905, ein Jahr vor meiner Geburt. Wir haben einen Teil, ein kleines Vermächtnis, eine Erinnerung daran, daß die Werke unserer Eltern gut waren und daß sie mitgeholfen haben, dieses wundervolle Werk voranzubringen.

Im ersten Abschnitt des Buches Lehre und Bündnisse hat der Herr verkündet: „Das ist … mein Geleitwort für das Buch meiner Gebote.“ (Vers 6.) Die Brüder, die dort in Hyrum in Ohio, 18 Monate nach der Gründung der Kirche, zusammenkamen, sollten diese Offenbarungen zusammenstellen und drucken lassen und den Menschen die Gebote, die der Prophet Joseph erhalten hatte, verfügbar machen. In jenem ersten Abschnitt erklärte der Herr, wie er Joseph Smith die Macht und Inspiration und die Weisung aus dem Himmel gegeben hatte, damit er das Buch Mormon übersetzen und die Kirche „aus der Dunkelheit, aus dem Finstern“ hervorbringen konnte (siehe Vers 29,30).

Denken Sie doch heute einmal darüber nach, was mit Präsident Hinckley geschieht, wenn er die Welt bereist und mit den Mitgliedern zusammenkommt. Wenn wir darüber sprechen, daß die Kirche aus der Dunkelheit, aus dem Finstern, hervorkommt, dann denken Sie doch einmal an all das, was er in der Welt tut ­ mit der Presse, den Medien, mit Menschen von überallher. Denken Sie daran, daß diese Menschen die Möglichkeit haben, den Propheten Gottes zu sehen und sein Zeugnis zu hören und ihn erklären zu hören, was sich zugetragen hat. Viele einflußreiche Zeitungen und Zeitschriften und andere Medien haben viele positive Berichte über die Kirche gebracht.

Wäre es nicht wundervoll, wenn die Welt heute eine wirkliche Vorstellung von den schlichten Zehn Geboten hätte, die der Herr mit seinem Finger auf steinerne Tafeln geschrieben hat? Mose kam vom Berg Sinai herab, um sie den rebellischen Israeliten zu zeigen, damit sie nicht sagen konnten, sie verständen nicht, was gesagt wurde. Als Mose die steinernen Tafeln mitbrachte, konnten die Menschen die Aussagen des Herrn lesen: „Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.“ (Exodus 20:3.) Und: „Du sollst dir kein Gottesbild machen.“ (Exodus 20:4.) Sie sollten nichts anderes anbeten ­ sie sollten nur den Herrn lieben, Gott lieben. Der Herr sagte, wir dürften den Namen Gottes nicht mißbrauchen (siehe Vers 7) und wir sollten den Sabbat heilighalten (siehe Vers 8). Er sagte: „Du sollst nicht morden.“ (Vers 13.) „Du sollst nicht die Ehe brechen.“ (Vers 14.) Stellen Sie sich vor, was das in der heutigen Welt und in den Vereinigten Staaten und mit den politischen Wahrheitsverdrehern bewirken würde. Und: „Du sollst nicht stehlen.“ (Vers 15.) „Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.“ (Vers 16.) Man soll auch nicht nach den Ochsen des Nächsten, nach seiner Farm, seiner Frau oder irgend etwas verlangen, das er hat (siehe Vers 17).

Das Evangelium unseres Herrn und Erretters ist auf der Erde wiederhergestellt worden. Gott lebt. Er ist unser Vater. Ich weiß das. Jesus ist der Messias. Ich habe seine Stimme gehört, denn ich habe den Geist verspürt, so wie er es uns erklärt: „Meine Stimme [ist] Geist; mein Geist ist Wahrheit.“ (LuB 88:66.) Ich weiß, daß das wahr ist. Joseph Smith war der Wiederhersteller und derjenige, der gefunden und geschult wurde und der als Werkzeug der Wiederherstellung in jeder Hinsicht gehorsam und tapfer war. Und wir haben heute auf der Erde einen lebenden Propheten, der uns auf der ganzen Erde so großartig vertritt.

Brüder und Schwestern, leben Sie nach den Geboten. Tun Sie, was recht ist. Nehmen Sie die wundervollen Möglichkeiten, ein gutes Leben zu führen, wahr, seien Sie ein guter Mensch, verrichten Sie gute Werke, beeinflussen Sie andere Menschen positiv. Das Evangelium ist wahr. Ich hoffe, daß ich jeden Tag meines Lebens etwas Gutes tun kann und daß ich jemanden dazu anspornen kann, ein besseres Leben zu führen und zu verstehen, was auf der Erde wiederhergestellt worden ist. Im Namen Jesu Christi, amen.