Treue

Gordon B. Hinckley

President of the Church


Gordon B. Hinckley
Seien Sie dem Besten in Ihnen treu. Seien Sie den Bündnissen treu, die zum Priestertum Gottes gehören.

Es gibt weltweit keine Versammlung, die mit dieser Versammlung vergleichbar wäre. Wo immer wir sind, welche Sprache wir auch sprechen, wir alle sind Männer, die durch Händeauflegen das Priestertum Gottes empfangen haben. Ob wir nun junge Männer sind, die das Geringere oder Aaronische Priestertum empfangen haben, oder erwachsene Männer, die das höhere oder Melchisedekische Priestertum empfangen haben, uns allen wurde etwas Wunderbares und Großartiges zuteil, etwas vom Wesen des Gottestums selbst.

Ich wiederhole: Es gibt weltweit keine vergleichbare Versammlung. Wir kommen als Brüder zusammen, in einer großen Zusammenkunft von Männern, die mit einer gewissen Macht und Vollmacht ausgestattet sind und das ehrenvolle Recht haben, im Namen des Allmächtigen zu sprechen und zu handeln. Der Herr, der Gott des Himmels, hat es als richtig erachtet, uns etwas von der Macht zu übertragen, die einzig und allein die seinige ist. Manchmal frage ich mich, ob wir ihrer würdig sind. Ich frage mich, ob wir sie wirklich zu schätzen wissen. Ich staune über die Grenzenlosigkeit dieser Macht und Vollmacht. Sie ist eng verbunden mit Leben und Tod, Familie und Kirche und mit der großartigen und überragenden Natur Gottes und seines ewigen Werks.

Brüder, ich begrüße Sie als Mitglieder der Kollegien des heiligen Priestertums. Ich begrüße Sie als Diener des lebendigen Gottes, der jedem von uns eine Verantwortung übertragen hat, der wir uns nicht entziehen dürfen und können.

In diesem Zusammenhang möchte ich heute über verschiedene Aspekte eines Begriffs sprechen. Dieser Begriff ist Treue.

Ich denke an die Treue uns selbst gegenüber. Ich denke an die absolute Treue gegenüber unserem Ehepartner. Ich denke an die absolute Treue gegenüber der Kirche und ihren zahlreichen Betätigungsfeldern. Ich denke an die unmissverständliche Treue gegenüber dem Gott des Himmels, dem ewigen Vater, und seinem geliebten Sohn, unserem Erlöser, dem Herrn Jesus Christus.

Wir müssen dem Besten in uns treu sein. Wir sind Söhne Gottes, die seine göttliche Vollmacht tragen dürfen. Aber wir leben in einer Welt des Bösen. Es gibt seit eh und je eine Macht, die uns hinabzieht und möchte, dass wir uns auf etwas einlassen, was in völligem Widerspruch zu dem göttlichen Priestertum steht, das wir tragen. Es ist interessant zu beobachten, wie der Vater der Lügen, dieser hinterlistige Sohn des Morgens, der aus dem Himmel ausgestoßen wurde, stets über Mittel und Fähigkeiten verfügt, diejenigen auf seine Wege zu locken, die nicht stark und wachsam sind. Gerade erst wurde ein Film als bester Film des Jahres ausgezeichnet. Ich habe ihn nicht gesehen und habe dies auch nicht vor. Mir wurde aber gesagt, dass viele Sexszenen darin enthalten sind und den ganzen Film über viel geflucht wird.

Pornografie ist eines der Kennzeichen unserer Zeit. Die Produzenten bereichern sich durch die Leichtgläubigkeit derjenigen, die so etwas gern ansehen. In den ersten Zeilen der Offenbarung, die wir das Wort der Weisheit nennen, erklärt der Herr: „Infolge der Frevel und bösen Absichten, die in den letzten Tagen im Herzen von böswilligen Menschen vorhanden sind oder noch sein werden, habe ich euch gewarnt und warne euch im Voraus, indem ich euch durch diese Offenbarung dieses Wort der Weisheit gebe.“ (LuB 89:4.)

Anschließend spricht er über die Nahrung, die wir durch den Mund zu uns nehmen. Dieselben Worte können in Bezug auf das gesagt werden, was wir durch unseren Verstand aufnehmen, wenn wir uns auf Pornografie einlassen.

Brüder, jeder Junge und jeder erwachsene Mann, der mich heute hört, weiß, was erniedrigend ist. Sie brauchen keine Straßenkarte, um zu sehen, wohin es führt, wenn Sie sich darauf einlassen. Halten Sie dem die Schönheit, den Frieden, das wunderbare Gefühl entgegen, das wir erleben, wenn wir dem Herrn nahe sind und uns über die heimtückischen betäubenden Praktiken erheben, die uns umgeben.

Dies trifft auch auf euch zu, meine lieben jungen Männer, die ihr heute hier seid. Ihr seid besondere Ziele für den Widersacher. Wenn er jetzt Macht über euch erlangen kann, weiß er, dass er euch vielleicht das ganze Leben lang besitzt. Euch sind für einen göttlichen Zweck wunderbare Kräfte und Bedürfnisse eingepflanzt worden. Wenn diese jedoch missbraucht werden, wirken sie nicht aufbauend, sondern zerstörerisch.

Ich bin für die Stärke der Jugend zutiefst dankbar. Aber ich weiß auch, dass manche verloren gehen. Jeder Verlust ist ein großes Unglück. Das Reich unseres Herrn braucht euch. Erweist euch als dessen würdig. Seid dem Besten in euch treu. Gebt euch nie für etwas her, was euch die Kraft nehmen kann, standhaft zu bleiben.

An die erwachsenen Männer richte ich eine Aufforderung. Flüchten Sie vor der Flut an Unmoral, die Sie zu überwältigen droht. Fliehen Sie vor den Übeln der Welt. Seien Sie Ihrem besseren Ich treu. Seien Sie dem Besten in Ihnen treu. Seien Sie den Bündnissen treu, die zum Priestertum Gottes gehören. Sie können sich nicht der Lüsternheit hingeben, Sie können nicht lügen, Sie können nicht betrügen, Sie können nicht andere übervorteilen, ohne das göttliche Erbteil in Ihnen zu leugnen, das jeder von uns in sich trägt. Brüder, ich bete mit aller Kraft, dass wir uns darüber erheben und unserem besseren Ich treu sind.

Seien Sie den Beziehungen in Ihrer Familie treu. Ich habe viel Gutes und viel Schlimmes in Ehen gesehen. Jede Woche gehört es zu meinen Pflichten, über Anträge auf die Annullierung von Siegelungen zu entscheiden. Scheidung ist zu einem weit verbreiteten Phänomen in der Welt geworden. Auch dort, wo es nicht rechtens ist, verstoßen Männer und Frauen einfach gegen das Gesetz und leben zusammen. Ich bin dankbar, sagen zu können, dass Scheidungen bei Tempelehen bedeutend seltener vorkommen. Aber auch hier gibt es viel mehr Scheidungen, als es geben sollte.

Der Bräutigam und die Braut kommen zum Haus des Herrn und bekunden so ihre Liebe zueinander. Sie gehen heilige und ewige Bündnisse miteinander und mit dem Herrn ein. Ihre Beziehung wird in einem ewigen Bund gesiegelt. Niemand erwartet, dass jede Ehe reibungslos funktioniert. Aber man kann erwarten, dass jede Ehe, die im Haus des Herrn geschlossen wird, durch einen Bund gegenseitiger Treue gekennzeichnet ist.

Ich habe erkannt, dass der wichtigste Beitrag zu einer glücklichen Ehe darin besteht, dass man sich eifrig um das Glück und Wohlergehen seines Ehepartners bemüht. In den meisten Fällen ist Selbstsucht der treibende Faktor, der zu Streit, Trennung, Scheidung und gebrochenen Herzen führt.

Brüder, der Herr erwartet etwas Besseres von uns. Er erwartet etwas Besseres als das, was in der Welt zu finden ist. Denken Sie immer daran, dass Sie selbst sich Ihre Frau ausgesucht haben. Sie waren es, der das Gefühl hatte, es gebe auf der ganzen Welt niemanden, der so ist wie sie. Sie waren es, der sich wünschte, sie für immer zu haben. Aber allzu oft verblasst das Bild der Siegelung im Tempel. Lüsterne Bedürfnisse können der Grund sein. Das Suchen nach Fehlern tritt an die Stelle von Lob. Wenn wir nach dem Schlechten bei jemandem suchen, werden wir es auch finden. Aber wenn wir uns auf das Gute konzentrieren, wird es immer deutlicher hervortreten.

Ich habe da ein wenig Erfahrung. Meine Frau und ich sind bald 66 Jahre verheiratet. Ich weiß nicht, wie sie es eine so lange Zeit mit mir ausgehalten hat. Nun sind wir alt. Aber wie dankbar bin ich für sie. Wie sehr bin ich darum bemüht, dass sie sich wohl fühlt. Wie sehr wünsche ich mir das Beste für sie. Was für eine wunderbare Gefährtin ist sie doch. Was für eine großartige Ehefrau und hervorragende Mutter, Großmutter und Urgroßmutter.

Sie haben sicherlich die Geschichte über den Mann gehört, der sehr alt geworden war und von Reportern gefragt wurde, worauf er sein langes Leben zurückführe. Er antwortete, dass er und seine Frau bei der Hochzeit vereinbart hätten, dass bei einem Streit einer der beiden aus dem Haus gehen sollte, vor die Tür. Er sagte: „Gentlemen, ich führe mein langes Leben auf den Umstand zurück, dass ich in all den Jahren so oft an die frische Luft gekommen bin.“

Brüder, seien Sie Ihrer Frau treu. Möge Ihre Ehe mit einer kompromisslosen Treue zueinander gesegnet sein. Machen Sie einander glücklich. Geben Sie Ihrer Frau die Möglichkeit, ihren eigenen Interessen nachzugehen, ihre Talente zu entfalten, auf ihre Art zu wachsen und Erfüllung zu finden.

Nun möchte ich etwas über die Treue gegenüber der Kirche sagen.

Wir sehen sehr viel Gleichgültigkeit. Es gibt einige, die sagen: „Die Kirche kann mir nicht vorschreiben, wie ich über dies, das oder jenes denken soll oder wie ich mein Leben zu leben habe.“

Nein, die Kirche schreibt niemandem vor, wie er denken oder was er tun soll. Die Kirche zeigt den Weg auf und lädt jedes Mitglied ein, das Evangelium zu leben und sich an den Segnungen zu freuen, die sich daraus ergeben. Die Kirche schreibt niemandem etwas vor, aber sie erteilt Rat, überzeugt, bittet eindringlich und erwartet Treue von denen, die sich als Mitglieder der Kirche betrachten.

Als ich Student war, sagte ich einmal zu meinem Vater, die Generalautoritäten hätten meiner Ansicht nach ihre Vollmachten überschritten, als sie eine bestimmte Sache befürworteten. Mein Vater war ein sehr weiser und guter Mann. Er sagte: „Der Präsident der Kirche hat uns unterwiesen und ich unterstütze ihn als Propheten, Seher und Offenbarer, und ich gedenke, seinen Rat zu befolgen.“

Ich gehöre seit nunmehr 45 Jahren den führenden Gremien dieser Kirche an. Ich war Assistent des Kollegiums der Zwölf Apostel, Mitglied des Kollegiums der Zwölf Apostel, Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft und bin nun seit acht Jahren Präsident. Ich bezeuge Ihnen, dass ich in wirklich tausenden Sitzungen gesessen habe, in denen Richtlinien und Programme der Kirche besprochen wurden, und ich bisher in keiner Sitzung war, in der nicht um die Führung des Herrn gebetet wurde oder in der einer der Anwesenden gewünscht hätte, etwas zu befürworten oder zu tun, was für andere schädlich sein könnte oder sie zu etwas zwingen würde.

In der Offenbarung heißt es: „Ich kenne deine Werke. Du bist weder kalt noch heiß. Wärest du doch kalt oder heiß!

Weil du aber lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien.“ (Offenbarung 3:15,16.)

Ich versichere Ihnen, meine lieben Brüder, dass ich, solange ich meine derzeitigen Aufgaben erfülle, niemals eine Richtlinie, ein Programm, eine Lehre unterstützen oder befürworten werde, die für die Mitglieder der Kirche des Herrn von Nachteil wäre.

Dies ist sein Werk. Er hat es aufgerichtet. Er hat seine Lehren offenbart. Er hat seine Vorgehensweise festgelegt. Er hat seine Führung eingesetzt. Es ist sein Werk und sein Reich, und er hat gesagt: Die nicht für mich sind, sind gegen mich (siehe 2 Nephi 10:16).

1933 gab es in den Vereinigten Staaten eine Bewegung, das Gesetz, das die Herstellung von alkoholischen Getränken und den Handel damit verbot, aufzuheben. Als es zur Abstimmung kam, war die Stimme von Utah die ausschlaggebende.

Ich war auf Mission und arbeitete in London, als mir die Schlagzeilen ins Auge fielen: „Utah kippt Prohibition“.

Präsident Heber J. Grant, damals der Präsident dieser Kirche, hatte unseren Mitgliedern nahe gelegt, gegen die Abschaffung der Prohibition zu stimmen. Es brach ihm das Herz, dass so viele Mitglieder der Kirche in diesem Bundesstaat seinen Rat missachtet hatten.

Ich möchte an dieser Stelle nicht über die Vor- und Nachteile der Prohibition sprechen, sondern über die bedingungslose Treue gegenüber der Kirche.

Brüder, wie dankbar bin ich doch, wie außerordentlich dankbar für den großen Glauben so vieler Heiliger der Letzten Tage, die sich an der Haltung der Kirche orientieren, wenn sie bei einer großen Entscheidung Stellung bezogen hat. Ich bin besonders dankbar, sagen zu können, dass unter denen, die treu sind, Männer und Frauen sind, die Bedeutendes erreicht haben, die gebildet sind, Einfluss haben und Stärke besitzen – hoch intelligente und begabte Persönlichkeiten.

Jeder von uns muss sich der Frage stellen – entweder ist die Kirche wahr oder ein Schwindel. Es gibt keine Grauzone dazwischen. Dies ist entweder die Kirche und das Reich Gottes auf Erden oder ein Nichts.

Ich danke Ihnen, meine lieben Brüder, Sie sind Männer von großer Stärke, großer Treue, von großem Glauben und großer Loyalität.

Nun zu der Treue gegenüber Gott, unserem ewigen Vater, und seinem geliebten Sohn, dem Herrn Jesus Christus.

Jeder in dieser Kirche ist berechtigt zu erfahren, dass Gott unser ewiger Vater ist und sein geliebter Sohn unser Erlöser. Der Erretter zeigte uns, auf welche Weise wir dies erfahren können. So sagte er: „Wer bereit ist, den Willen Gottes zu tun, wird erkennen, ob diese Lehre von Gott stammt oder ob ich in meinem eigenen Namen spreche.“ (Johannes 7:17.)

Judas Iskariot ist als der große Verräter in die Geschichte eingegangen, der seine Treue für 30 Silberstücke verkaufte (siehe Matthäus 26:15).

Wie oft wird heute, um mit den Worten von Paulus zu sprechen, der „Sohn Gottes noch einmal ans Kreuz [geschlagen] und … zum Gespött“ gemacht durch Fluchen und gotteslästerliche Reden (siehe Hebräer 6:6).

Ihr wisst um die Gotteslästerung auf den Schulhöfen und auf der Straße. Geht ihr aus dem Weg. Lasst solche Wörter niemals über eure Lippen kommen. Zeigt eure Treue dem Gott des Himmels und dem Erlöser der Welt gegenüber, indem ihr ihren Namen heilig haltet.

Betet zu eurem himmlischen Vater im Namen des Herrn Jesus Christus und erweist ihnen immer, unter allen Umständen, durch die Art, wie ihr lebt, eure Treue und eure Liebe.

Wer steht zum Herren, wer?
Jetzt heißts entschieden sein;
wir fragen ohne Furcht:
Wer steht zum Herren, wer?
(Altes Gesangbuch, Nr. 208.)

Mögen die Segnungen des Himmels auf Ihnen und Ihrer Familie ruhen, meine lieben Brüder. Möge jeder von uns immer treu und glaubenstreu sein, ein Mann oder ein Junge von Integrität und bedingungsloser Treue. Darum bete ich im heiligen Namen Jesu Christi. Amen.