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Frühjahr 2003 | Die Mitglieder-Missionsarbeit und ihre ausschlaggebende Rolle

Die Mitglieder-Missionsarbeit und ihre ausschlaggebende Rolle

Frühjahr 2003 Generalkonferenz

Wir müssen uns darauf vorbereiten, den Missionaren zur Seite zu stehen und die Kinder des himmlischen Vaters zu finden, die die Botschaft von der Wiederherstellung annehmen werden.

Brüder und Schwestern, zu Ostern feiert die christliche Welt vor allem die Auferstehung unseres Herrn und Erretters Jesus Christus. Dieses eine Ereignis hat alles für immer verändert. Der Erretter hat jede Schranke weggenommen, die uns daran hindert, zum himmlischen Vater zurückzukehren. Im Gegenzug fordert er von uns: „Geht zu allen Völkern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Matthäus 28:19,20.)

Derselbe Auftrag findet sich in sehr persönlicher Weise auch im Johannesevangelium. Jesus fragt Petrus am Ufer des Sees Gennesaret dreimal: „Liebst du mich?“ Und jedes Mal erwidert Petrus darauf das Gleiche: „Du weißt, dass ich dich liebe.“ Und jedes Mal weist der Erretter den Petrus an: „Weide meine Lämmer. … Weide meine Schafe. … Weide meine Schafe.“ (Johannes 21:15-17.)

Die bewegte Aufforderung des Erretters, seine Schafe zu weiden, gilt auch heute noch. Wie einst Petrus und seine Brüder, so haben auch heutzutage die Apostel des Herrn Jesus Christus den Auftrag, aller Welt das Evangelium zu bringen. Dieses Auftrags sind wir uns stets bewusst. Jede Generalautorität ist verpflichtet, als Missionar zu wirken.

Doch der Erretter hat nicht nur die Apostel gemeint; er spricht zu einem jeden, der gesegnet ist, weil er das Evangelium kennt und der Kirche des Herrn angehört. In einer Offenbarung an den Propheten Joseph Smith kleidet der Herr diesen Auftrag in folgende einfache Worte: „Und wer gewarnt worden ist, dem kommt es zu, seinen Nächsten zu warnen.“ (LuB 88:81.)

Bei der letzten Generalkonferenz wurden die jungen Männer aufgefordert, sich besser auf den Dienst für den Herrn Jesus Christus vorzubereiten. Sie wurden gebeten, würdige, kompetente und vom Geist belebte Missionare zu sein. Unter den ungewissen Bedingungen in der heutigen Welt müssen sie „die großartigste Generation von Missionaren in der Geschichte der Kirche“ sein. (Siehe M. Russell Ballard, „Die großartigste Generation von Missionaren“, Liahona, November 2002, Seite 46.) Wir erwarten keine Vollkommenheit, aber sie müssen sich dem Dienst voller Begeisterung bereitwillig verpflichten, damit sie sich als Evangeliumslehrer zu neuen geistigen Höhen aufschwingen können. Sie müssen die Botschaft von der Wiederherstellung des Evangeliums Jesu Christi kennen und sie mit eigenen Worten und unter dem Einfluss des Heiligen Geistes vermitteln können.

In der ganzen Kirche wird jede Anstrengung unternommen, all unseren Missionaren zu helfen, an geistiger Reife zuzunehmen. Die Anforderungen an die Missionare werden also gehoben, ein höherer Maßstab wird angelegt. Wir danken Ihnen, den Eltern, Bischöfen und Pfahlpräsidenten, dass Sie diese Bemühungen unterstützen. Wir danken auch euch glaubenstreuen jungen Menschen in der Kirche, dass ihr willens seid, den Vorgaben des Herrn gemäß zu leben. Möge unser Vater im Himmel euch weiterhin segnen in eurem Bemühen, ihm in diesen unruhigen Zeiten zu dienen.

In dem Maß, wie die Erwartungen an die Leistung der Missionare steigen, müssen aber auch die Erwartungen an die Leistung der Mitglieder der Kirche steigen. Sie müssen ebenfalls ihren missionarischen Obliegenheiten nachkommen. Wir brauchen Ihre Hilfe, Brüder und Schwestern! Sie müssen den Missionaren helfen und sie darin unterstützen, dass sie weitaus mehr Kinder des himmlischen Vaters finden und taufen. Wir brauchen Sie. Sie müssen auf die Missionare, die ja Knechte des Herrn sind, achten, sie beschützen und motivieren. Wenn ein höherer Maßstab angelegt werden muss, dann für uns alle. Wir müssen glaubenstreuer sein. Wir müssen geistiger gesinnt sein. Wir müssen uns darauf vorbereiten, den Missionaren zur Seite zu stehen und die Kinder des himmlischen Vaters zu finden, die die Botschaft von der Wiederherstellung annehmen werden.

Bedenken Sie bitte, Brüder und Schwestern: Wir vermarkten ja nichts. Wir verkaufen nichts. Wir wollen niemandem damit imponieren, wie groß die Kirche ist oder wie rasant sie wächst. Wir gehören der wiederhergestellten Kirche Jesu Christi an und sind vom Herrn selbst ausgesandt, jene zu finden, zu nähren und sicher in seine Kirche zu bringen, die danach trachten, die Wahrheit zu erkennen.

Aus dieser ewigen Perspektive betrachtet, scheint das, was wir zu tun haben, einfach und klar; aber ich weiß auch, dass Mitglieder-Missionsarbeit eine Herausforderung sein kann, die uns Angst macht. Ich möchte dreierlei vorschlagen – etwas, was nicht weiter schwierig ist und uns hilft, diesem gottgegebenen Auftrag nachzukommen.

Erstens müssen wir Glauben üben und sowohl persönlich als auch mit der Familie darum beten, dass wir Wege finden, wie wir unseren Mitmenschen vom wiederhergestellten Evangelium Jesu Christi erzählen können. Bitten Sie den Herrn, den Weg zu bereiten. Setzen Sie gebeterfüllt mit der Familie ein Datum, bis zu dem Sie jemanden zu sich nach Hause einladen wollen, damit ihn die Missionare unterweisen können. Bedenken Sie, Brüder und Schwestern: Dies ist die Kirche des Herrn. Lassen Sie ihn die Führung übernehmen. Beten Sie ständig. Tragen Sie ein Gebet im Herzen, und reden Sie mit jedermann. Haben Sie keine Vorurteile. Enthalten Sie niemandem die frohe Botschaft vor! Sprechen Sie mit jedermann, und vertrauen Sie darauf, dass Ihnen, wie verheißen, durch die Macht des Geistes eingegeben werden wird, was Sie sagen sollen. Überlassen Sie einem jeden selbst die Entscheidung, ob er Ihre Einladung annimmt oder nicht. Im Lauf der Zeit wird der Herr diejenigen Ihren Weg kreuzen lassen, die nach der Wahrheit suchen. Er ist der gute Hirt. Er kennt seine Schafe, und sie kennen seine Stimme, wenn sie durch Sie spricht, und folgen ihm nach (siehe Johannes 10).

Präsident Gordon B. Hinckley hat vor kurzem gesagt: „Es wird ein herrlicher Tag sein, wenn unsere Mitglieder nicht nur für die Missionare überall in der Welt beten, sondern auch den Herrn um Beistand bitten, dass sie den Missionaren, die in ihrer Gemeinde arbeiten, helfen können.“ („Der Missionsdienst“, Erste weltweite Führerschaftsschulung, 11. Januar 2003, Seite 22f.)

Zweitensmüssen die Führungskräfte mit gutem Beispiel vorangehen. Durch den Geist werden Ihnen Eingebungen zuteil. Sie werden zu denen geführt, die an unserer Botschaft interessiert sind. Ihre Würdigkeit gibt Ihnen den Mut und die Geisteskraft, die Mitglieder zu motivieren, dass sie die Missionare aktiv unterstützen.

Vor etlichen Jahren wurde ein treuer Bekehrter namens George McLaughlin berufen, in Farmingdale im US-Bundesstaat Maine über einen kleinen Zweig mit 20 Mitgliedern zu präsidieren. Dieser Bruder war ein einfacher Mann – von Beruf Milchwagenfahrer. Durch sein Fasten und Beten ließ ihn der Geist wissen, was er und die Mitglieder seines Zweiges tun mussten, damit die Kirche dort wachsen konnte. Er brachte den Mitgliedern durch seinen großen Glauben, durch ständiges Beten und sein machtvolles Beispiel bei, wie man andere am Evangelium teilhaben lässt. Dies ist eine wundervolle Geschichte – eine der großartigsten Missionarsgeschichten dieser Evangeliumszeit. Innerhalb eines Jahres gab es in diesem Zweig 450 Bekehrtentaufen. Im nächsten Jahr waren es weitere 200. Präsident McLaughlin sagte: „Meine Aufgabe als Zweigpräsident bestand darin, [die Neubekehrten] zu lehren, wie man ein Mormone ist. Ich musste ihnen beibringen, wie man eine Ansprache oder einen Unterricht hält. Ich musste sie lehren, wie man seine Kinder im Evangelium unterweist. Ich schulte die neuen Mitglieder, so dass sie stark wurden.“ Das klingt recht einfach.

Fünf Jahre später wurde der Pfahl Augusta Maine gegründet. Unter den neu berufenen Pfahlbeamten waren viele ehemalige Bekehrte aus dem Zweig Farmingdale. Warum, mag man sich fragen, hat es dort diesen großen Erfolg gegeben? Die Antwort mag lauten: Die Kirche musste dringend gestärkt werden. Ich möchte Ihnen versichern, dass dies heute in allen Einheiten der Kirche ein ebenso dringendes Anliegen wie damals ist.

Die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel haben klargestellt, dass Missionsarbeit Sache der Gemeinde ist. Die Pfahlpräsidenten und die Bischöfe haben die Aufgabe und die Treuhandschaft, den Mitgliedern zu helfen, diejenigen zu finden, die im Herzen rein sind, und sie für die Taufe und ein Leben des Dienens in Gemeinde und Pfahl bereitzumachen. Präsident Hinckley hat auch gesagt: „Ich möchte anregen, dass jeder Bischof in der Kirche seinen Mitgliedern dieses als Motto vorgibt: ‚Arbeiten wir alle zusammen daran, dass die Gemeinde wächst.‘“ („Findet die Lämmer, weidet die Schafe“, Der Stern, Juli 1999, Seite 120.)

Ein Bischof im US-Bundesstaat Washington hat diesen Rat gebeterfüllt befolgt, und zwar so: Der Gemeinderat koordiniert die Missionsarbeit über die Führungskräfte des Priestertums und der Hilfsorganisationen. Die Missionare werden zum Gemeinderat eingeladen, wo über Missionsarbeit gesprochen wird. Es werden Mitglieder eingeteilt, die mit den Missionaren die Untersucher besuchen. Die Mitglieder besuchen gemeinsam mit den Missionaren auch die weniger aktiven Familien sowie solche, bei denen nicht alle der Kirche angehören. Im vergangenen Jahr sind dort 46 neue Mitglieder getauft und konfirmiert worden, und die meisten davon sind in der Kirche aktiv. Wer sich in dieser Gemeinde der Kirche anschließt oder wieder aktiv wird, hat bereits Freunde, weil ja das Priestertum und die Hilfsorganisationen auf Weisung des Bischofs durch den Gemeinderat bereits in den Bekehrungsprozess mit eingebunden sind. (Siehe „Ward Council Is Secret of Centralia Ward Success“, Church News, 1. Februar 2003, Seite 5.)

Bischof, lassen Sie die ganze Gemeinde mitmachen und das Evangelium verkündigen. Sie werden merken, dass der Herr Sie und Ihre Mitglieder mit mehr Bekehrten segnet, und viele Mitglieder werden in der Kirche wieder aktiv. Die Missionsarbeit soll nicht nur ein Tagesordnungspunkt im Gemeinderat sein, sondern sie muss auch im Ältestenkollegium, in der FHV und den weiteren Kollegien, Gruppen und Hilfsorganisationen besprochen werden. Das Augenmerk soll darauf gerichtet werden, Vater und Mutter samt den Kindern zu taufen und aktiv zu halten. Daher muss die Missionsarbeit der Führungskräfte des Priestertums und der Hilfsorganisationen durch den Gemeinde-Missionsleiter und den Bischof mittels des Gemeinderats koordiniert werden. Auf diese Weise werden die Bekehrten zu voll aktiven Mitgliedern ihrer Gemeinde.

Zurzeit können die Mitglieder andere durch den Film „Glauben an Christus finden“, der als DVD der April-Ausgabe 2003 der Zeitschrift Ensign beiliegt, am Evangelium teilhaben lassen. Laden Sie Ihre Nachbarn und Freunde in der Osterzeit an einem Abend zu sich nach Hause ein und sehen Sie sich mit ihnen den Film über das Leben, das Wirken und die herrliche Auferstehung des Herrn Jesus Christus an. Vielleicht ist es angebracht, auch die Missionare einzuladen, damit sie darüber sprechen, wie der Herr seine Kirche durch den Propheten Joseph Smith wiederhergestellt hat.

Drittens brauchen wir für die Mitglieder-Missionsarbeit keine neuen Strategien oder Tricks. Was wir brauchen, ist Glaube – wahrer Glaube sowie Vertrauen in den Herrn. Man braucht dazu auch wahre Liebe. Das wichtigste Gebot lautet: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. … Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Matthäus 22:37,39.)

Lassen wir uns daher von der Macht der Liebe leiten und lassen wir Angehörige, Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen und alle anderen, die unseren Lebensweg kreuzen, am Evangelium teilhaben. So ziemlich jeder wünscht sich Frieden und will glücklich sein. Das liegt in der Natur des Menschen. Man möchte Antworten finden hinsichtlich der Probleme, vor denen man steht. Dies gilt umso mehr für die Zeit, in der wir leben.

Die Karriere, eine Gehaltserhöhung, eine größere Wohnung, ein neues Auto oder neue Freizeitmöglichkeiten – das alles bringt keinen dauerhaften Frieden und kein dauerhaftes Glück. Glücklich wird man, wenn man Gott kennen lernt und weiß, dass er einen Plan hat, der uns ewige Freude und ewigen Frieden bringen soll. Glücklich wird man, wenn man den Erretter erkennt und liebt und nach seinen Lehren lebt. Glücklich wird man, wenn man in der Familie und in der Kirche starke zwischenmenschliche Beziehungen hat, die auf Evangeliumswerten beruhen.

Manche Mitglieder sagen: „Ich habe Angst davor, jemandem vom Evangelium zu erzählen, weil ich fürchte, ich könnte ihn beleidigen.“ Die Erfahrung zeigt, dass niemand Anstoß nimmt, wenn man im Geist der Liebe und Fürsorge mit ihm spricht. Wie könnte einer daran Anstoß nehmen, wenn wir so etwas sagen wie: „Ich bin so froh darüber, wie mir meine Kirche hilft“ – und dann hinzufügen, was der Geist uns eingibt? Wenn wir den Anschein erwecken, als erfüllten wir lediglich einen Auftrag, wenn wir kein echtes Interesse und keine wahre Liebe an den Tag legen, dann, ja, dann beleidigen wir den anderen. Vergessen wir nie, Brüder und Schwestern, dass wir genau die Lehren haben, die einen anderen zum Herrn zu bringen vermögen. Das wiederhergestellte Evangelium Jesu Christi kann den Menschen wahrhaftig und dauerhaft glücklich machen, und das ist etwas, was man Zeit seines Lebens und in alle Ewigkeit schätzen wird. Uns geht es ja nicht darum, einfach jemanden zur Kirche zu bringen. Wir lassen ihn an der Fülle des wiederhergestellten Evangeliums Jesu Christi teilhaben. Doch so machtvoll unsere Botschaft auch ist – sie kann niemandem gewaltsam aufgezwungen werden. Sie kann nur mitgeteilt werden – von Herz zu Herz, von Seele zu Seele, von Geist zu Geist –, indem man ein guter Nachbar ist, sich umeinander kümmert und seine Liebe zeigt. Wir müssen aufeinander Acht geben und aufeinander zugehen. Wenn wir dies tun, strahlen wir das Evangelium aus und vermitteln den Menschen eine Vorstellung von den Segnungen, die es zu bieten hat.

Folgen wir der Aufforderung des Propheten Joseph Smith: „Nach allem, was gesagt worden ist, bleibt als größte und wichtigste Aufgabe, das Evangelium zu predigen.“ (Lehren des Propheten Joseph Smith, Seite 115.)

Wir können und müssen es besser machen, Brüder und Schwestern. Ich bete, der Herr möge uns allen den Glauben und den Mut geben, dass wir die Vollzeitmissionare vermehrt darin unterstützen, alle Kinder Gottes überall in der Welt am wiederhergestellten Evangelium teilhaben zu lassen. Im Namen Jesu Christi. Amen.