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Herbst 2003 | Lasst unsere Stimme erschallen

Lasst unsere Stimme erschallen

Herbst 2003 Generalkonferenz

Wir wollen den Mund aufmachen und für aufbauendere, inspirierendere, annehmbarere Medien eintreten.

Im Herbst des Jahres bringen die Fernsehsender regelmäßig die Pilotsendungen ihrer neuen Serien und stellen neue Shows vor. Ein Freund erzählte mir, dass diesen Herbst 37 neue Fernsehserien starten. Nachdem er die Kritiken gelesen hatte, musste er feststellen, dass kaum eine dabei war, die er seinen Kindern erlauben würde. Die meisten Sitcoms, Familienserien oder Talkshows enthalten Unsittlichkeit und Gewalt sowie Spitzen gegen althergebrachte Werte und die traditionelle Familie. Von Jahr zu Jahr scheinen die neuen Sendungen schlimmer zu werden und den Rahmen dessen, was das Publikum akzeptiert, weiter auszureizen. Was aus Hollywood oder aus dem Internet kommt, und auch so manches in der aktuellen Musik, schafft ein dekadentes Netz, in dem sich unsere Kinder verfangen und wir alle in Gefahr geraten können.

Die Führer der Kirche haben die Pflicht, sich zu Fragen der Moral zu äußern und dem Einzelnen wie auch den Familien Rat zu erteilen. Die Familie ist die Grundeinheit der Gesellschaft, sie ist die Grundeinheit für die Ewigkeit. Wenn also gewisse Kräfte die Familie bedrängen, muss die Führung der Kirche reagieren.

Die Familie steht im Plan des himmlischen Vaters im Mittelpunkt, weil wir alle seiner Familie angehören und das Erdenleben für uns die Gelegenheit darstellt, selbst eine Familie zu gründen und die Elternrolle zu übernehmen. Die Familie ist der Ort, wo wir bedingungslose Liebe lernen; dort können wir sie erfahren und dadurch der Liebe Gottes sehr nahe kommen. Die Familie ist der Ort, wo man Werte vermittelt und den Charakter formt. Vater und Mutter sind Berufungen, aus denen wir nie entlassen werden, und es gibt keine wichtigere Treuhandschaft für uns, als die Verantwortung für die Geistkinder Gottes, die in unsere Familie kommen, zu übernehmen.

Angesichts der überragenden Bedeutung der Familie und der Bedrohungen, denen sie heute gegenübersteht, überrascht es nicht, dass die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel in der Proklamation an die Welt über die Familie unmissverständlich sagen: „Wir weisen warnend darauf hin, dass jemand, der … seinen familiären Verpflichtungen nicht nachkommt, eines Tages vor Gott Rechenschaft ablegen muss. Weiter warnen wir davor, dass der Zerfall der Familie Unheil über die einzelnen Menschen, die Gemeinwesen und die Nationen bringen wird, wie es in alter und neuer Zeit von den Propheten vorhergesagt worden ist.“1 Einer dieser Propheten war Maleachi, der die Eltern ermahnte, ihr Herz den Kindern zuzuwenden, und die Kinder, ihres den Eltern, sonst werde die ganze Welt verflucht (siehe Maleachi 4:6).

Diesen Warnungen, so alt wie das Alte Testament und so aktuell wie die Proklamation zur Familie, füge ich meine hinzu, insbesondere im Hinblick auf die gegenwärtige Medienlandschaft und die gewaltige negative Wirkung, die sie auf die Familie und das Familienleben haben kann.

Allein der schieren Bandbreite der heutigen Medien verdanken wir eine vielfältige Auswahl, die unterschiedlicher nicht sein könnte. Abgesehen von den schädlichen und gleichgültigen Seiten gibt es in den Medien auch viel Positives und Erbauliches. So gibt es im Fernsehen Geschichts-, Forschungs- oder Bildungsprogramme. Man kann immer noch Kinofilme und Fernsehproduktionen finden, die unterhaltsam und erbaulich sind und die Folgen von richtig und falsch korrekt darstellen. Das Internet kann ein hervorragendes Werkzeug für Information und Kommunikation sein, und der Vorrat an guter Musik ist auf der Welt unerschöpflich. Die größte Herausforderung besteht also darin, weise zu entscheiden, was man hört und was man anschaut.

Wie der Prophet Lehi gesagt hat, sind wir dank Christus und seinem Sühnopfer „für immer frei geworden, denn [wir] können gut von böse unterscheiden, [wir] bestimmen [unser] Handeln selbst, und es wird nicht über [uns] bestimmt“, uns ist gewährt, „Freiheit und ewiges Leben zu wählen – oder aber Gefangenschaft und Tod“ (2 Nephi 2:26,27).

Wie wir mit den Medien umgehen, kann ein Symbol dafür sein, wie wir im Leben entscheiden. Wenn wir uns bei den Fernsehsendungen oder Filmen, die wir anschauen, für das entscheiden, was gerade „in“, was erregend, was geschmacklos ist, dann entscheiden wir uns – wenn wir nicht Acht geben – zuletzt wohl auch im Leben nicht anders.

Wenn wir keine gute Wahl treffen, können die Medien unsere Familie zerstören und die Kinder vom schmalen Weg des Evangeliums abbringen. In der künstlichen, aber für echt gehaltenen Wirklichkeit auf einem großen oder kleinen Bildschirm werden familienfeindliche Ansichten und Verhaltensweisen in der Regel als vergnüglich, schick, spannend und normal dargestellt. Die verheerendsten Angriffe auf die Familie in den Medien kommen oft nicht direkt, geradeheraus oder unverblümt unsittlich daher. Dazu ist das intelligente Böse zu gerissen; es weiß, dass die meisten Menschen sich noch immer zur Familie und zu traditionellen Werten bekennen. Die Angriffe erfolgen vielmehr raffiniert und amoralisch – was richtig oder falsch ist, wird nicht einmal erwähnt. Allgegenwärtige Unsittlichkeit und Anspielungen auf das Sexuelle lassen manch einen glauben, dergleichen sei recht, weil es alle tun. Das schädlich Böse findet nicht draußen auf der Straße statt, es kommt direkt zu uns nach Hause, mitten ins Herz unserer Familie.

Um stark und glücklich zu sein, muss die Familie mit der Wahrheit genährt werden, die der 13. Glaubensartikel anspricht – dass es nämlich recht ist, „ehrlich, treu, keusch, gütig und tugendhaft zu sein und allen Menschen Gutes zu tun“. Zum Glück gibt es in allen Kulturkreisen und Religionen viele Gleichgesinnte, die ebenfalls nach dem trachten, was tugendhaft oder liebenswert ist, guten Klang hat oder lobenswert ist.

Wir leben aber in den „schweren Zeiten“, die der Apostel Paulus meinte, als er davor warnte, in unseren Tagen würden die Menschen „selbstsüchtig sein, habgierig, prahlerisch, überheblich, bösartig, ungehorsam gegen die Eltern, undankbar, ohne Ehrfurcht, lieblos …, verleumderisch …, rücksichtslos, roh …, verwegen, hochmütig, mehr dem Vergnügen als Gott zugewandt“ (2 Timotheus 3:1-4).

Verschwörerische Menschen, die eher den Gewinn als das Gute im Sinn haben, stacheln das Volk zu allerart Schlechtigkeit auf (siehe Alma 11:20) und verhindern so, dass die Medien zu dem edlen Zweck genutzt werden, den sie erfüllen könnten.

Bei der neuen Moral, die von der Kanzel der Medien verkündet wird, handelt es sich um nichts weiter als die alte Unsittlichkeit. Sie greift die Religion an, untergräbt die Familie, verkehrt Tugend in Laster und Laster in Tugend. Sie greift die Sinne an und traktiert die Seele mit Botschaften und Bildern, die weder tugendhaft noch liebenswürdig sind, weder guten Klang haben noch lobenswert sind.

Die Zeit ist gekommen, da die Mitglieder der Kirche den Mund aufmachen und sich den zahlreichen anderen besorgten Menschen anschließen müssen, die dem widerwärtigen, zerstörerischen, bösartigen Einfluss der Medien, der die Erde überflutet, entgegentreten.

Der Kaiser Family Foundation zufolge hat sich der Prozentsatz der Fernsehsendungen mit sexuellem Inhalt in der besten Sendezeit von 67 Prozent im Jahr 1998 auf 75 Prozent im Jahr 2000 erhöht.2 Medien, die solche Inhalte verbreiten, lösen zahlreiche negative Folgen aus. Sie begünstigen eine gefühllose Einstellung zur Frau, die oft als Objekt der Begierde und nicht als kostbare Tochter Gottes, die für seinen ewigen Plan unverzichtbar ist, dargestellt wird. Die lange gültige Vorstellung, dass man sich intimer Beziehungen vor der Ehe enthält und dass Mann und Frau nach der Trauung einander treu sind, wird verunglimpft und verspottet. Kinder und Jugendliche werden durch das abartige Verhalten verwirrt und in die Irre geführt, das die so genannten Stars, die sie bewundern und denen sie nacheifern, ihnen vormachen. In der von den Medien geschaffenen sittlichen Verwirrung werden dauerhafte Werte aufgegeben.

Die Cyberpornografie, die über das Internet zu sexueller Abhängigkeit führt, nimmt rasant zu. Manche werden derart süchtig danach, sich im Internet Pornografie anzuschauen oder online in gefährlichen Chat-rooms mitzuwirken, dass sie ihre Ehebündnisse und ihre Familienpflichten vergessen und oft auch ihren Arbeitsplatz aufs Spiel setzen. Manch einer kommt mit dem Gesetz in Konflikt. Wieder andere werden ihrem verkehrten Verhalten gegenüber immer toleranter und nehmen immer mehr Gefahren in Kauf, um ihre unmoralische Sucht zu befriedigen. Ehen zerfallen und Beziehungen scheitern, weil der Abhängige oft alles verliert, was von wahrem, ewigem Wert ist.

Einem Gesellschaftskritiker zufolge hat „das Fernsehen Familie, Schule und Kirche – und zwar in dieser Reihenfolge – als Hauptträger für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Vermittlung von Werten abgelöst. … Gier, Ausschweifungen, Gewalt, grenzenlose Selbstbefriedigung, das Fehlen sittlicher Beschränkungen … bilden die tägliche Kost, die unseren Kindern in bunten Farben vorgesetzt wird.“3

Wir müssen uns über die Gewalt verherrlichenden und sexbetonten Texte so manchen aktuellen Popmusikstücks und die relativ neue „Kunstform“ des Musikvideos Gedanken machen. Beobachter der Branche schätzen, dass 40 Prozent der Konsumenten von Musikvideos noch keine 18 Jahre alt sind.4 Aus einer Studie geht hervor, dass etwa drei Viertel sämtlicher Musikvideos eine Geschichte mit erotischen Bildern unterlegen und etwa die Hälfte Gewalttaten zeigen.5 Und die Modetrends, die sich aus den Bildern ableiten, sind so weit davon entfernt, tugendhaft, liebenswert, von gutem Klang oder lobenswert zu sein, wie man es sich nur vorstellen kann. Wir leben wahrhaft in einer Zeit, in der der Mensch „das Böse gut und das Gute böse“ nennt (Jesaja 5:20).

Ich möchte wiederholen, dass die Familie das Hauptangriffsziel des Bösen ist. Sie gilt es daher vor allem zu schützen und zu verteidigen. Wie ich schon einmal sagte: Wenn Sie innehalten und alles vom Gesichtspunkt einer teuflischen Strategie betrachten, ist es für den Satan sinnvoll, die Familie zu bekämpfen. Wenn er das Werk des Herrn zum Erliegen bringen will, wird er nicht den Weltvorrat an Erdnussbutter vergiften und so das gesamte Missionswerk der Kirche in die Knie zwingen. Er lässt keine Welle von Kehlkopfentzündungen ausbrechen, um den Tabernakelchor heimzusuchen, und unternimmt auch nichts gegen Kartoffelsalat und Würstchen. Wenn das Böse losschlagen und Gottes Werk ins Mark treffen will, greift es die Familie an. Dabei zielt es darauf ab, das Gesetz der Keuschheit zu missachten, die sexuelle Orientierung zu verwischen, gegen Gewalt abzustumpfen, eine gemeine und gotteslästerliche Ausdrucksweise anzunehmen und unsittliches oder abartiges Verhalten wie die Regel anstatt wie die Ausnahme erscheinen zulassen.

Wir müssen an das denken, was Edmund Burke einmal sagte: „Es genügt, dass gute Menschen nichts tun, und schon triumphiert das Böse.“6 Wir müssen gemeinsam mit anderen besorgten Bürgern in aller Welt die Stimme gegen den herrschenden Trend erheben. Wir müssen den Sponsoren anstößiger Medien mitteilen, dass es uns reicht. Wir müssen Programme und Produkte fördern, die positiv und aufbauend sind. Wenn wir uns mit Nachbarn und Freunden, die unsere Bedenken teilen, zusammentun, können wir den Verantwortlichen eine klare Botschaft zukommen lassen. Auf der Internetseite steht ihre Adresse und die ihrer örtlichen Vertreter. Briefe und E-Mails können mehr bewirken, als die meisten vermuten, zumal wenn es solche sind wie die von einer FHV-Schwester, die schrieb: „Ich vertrete eine Gruppe von über hundert Frauen, die sich wöchentlich treffen und sich oft darüber unterhalten, welchen Schaden Ihr Programm unseren Kindern zufügt.“

Der wirksamste Protest gegen Medien mit schlechtem Einfluss besteht natürlich darin, sie nicht anzuschauen, nicht zu sehen, nicht zu lesen, nicht abzuspielen. Bringen wir unserer Familie doch bei, den Rat zu befolgen, den die Erste Präsidentschaft den Jugendlichen erteilt hat. Was sie in der Broschüre Für eine starke Jugend zum Thema Unterhaltung und Medien sagt, ist unmissverständlich:

„Wenn etwas vulgär, unsittlich, gewalttätig oder in irgendeiner Weise pornografisch ist: Geht nicht hin, schaut es nicht an, nehmt nicht daran teil. Nehmt an nichts teil, was auf irgendeine Weise Unsittlichkeit oder Gewalt als annehmbar darstellt. …

Habt den Mut, das Kino oder eine Video-Party zu verlassen, den Computer oder den Fernseher auszuschalten, den Radiosender zu wechseln oder eine Zeitschrift wegzulegen, wenn das, was dort gezeigt wird, nicht den Maßstäben des himmlischen Vaters gerecht wird. Tut das auch dann, wenn die anderen es nicht tun.“7

Brüder und Schwestern, lassen Sie sich nicht benutzen. Lassen Sie sich nicht manipulieren. Unterstützen Sie kein Programm, das traditionelle Werte der Familie angreift. Anfangs mag unsere Stimme noch schwach sein, doch wir wollen trotzdem den Mund aufmachen und für aufbauendere, inspirierendere, annehmbarere Medien eintreten.

Abgesehen davon, dass unsere Stimme erschallen soll, möchte ich mit sieben Punkten schließen, wie alle Eltern die negative Wirkung der Medien auf ihre Familie eindämmen können:

  1. Wir müssen Familienrat halten und Maßstäbe für den Umgang mit den Medien festlegen.

  2. Wir müssen so viel Zeit sinnvoll mit unseren Kindern verbringen, dass wir und nicht die Medien oder Gleichaltrige beständig der wichtigste Einfluss für sie sind.

  3. Wir müssen selbst eine gute Wahl in Bezug auf die Medien treffen und so unseren Kindern ein gutes Beispiel geben.

  4. Wir müssen die Zeit begrenzen, in der unsere Kinder täglich fernsehen, Videospiele spielen oder sich im Internet aufhalten. Die künstliche Wirklichkeit darf nicht die andere ersetzen.

  5. Wir müssen Filter im Internet nutzen und Fernsehsender sperren, damit unsere Kinder nicht „zufällig“ auf etwas stoßen, was sie nicht sehen sollen.

  6. Wir müssen den Fernseher und den Computer in einem stark frequentierten Raum im Haus aufstellen und nicht im Schlafzimmer oder in einer dunklen Ecke.

  7. Wir müssen uns Zeit nehmen, gemeinsam mit unseren Kindern gute Programme anzuschauen, und dann mit ihnen darüber sprechen, wie man etwas auswählt, was aufbaut und erhebt und nicht entwürdigt und zerstört.

Möge Gott uns mit Mut und Weisheit segnen, dass wir unser Möglichstes tun und dazu beitragen, die Tendenz in den Medien umzukehren, fort von der Finsternis und hin zu Wahrheit und Licht. Möge Gott unsere Familien segnen, dass sie stark sind und den Grundsätzen des Evangeliums treu bleiben. Darum bete ich im Namen Jesu Christi. Amen .

Quellenangaben anzeigenQuellenangaben ausblenden
    1. „Die Familie – eine Proklamation an die Welt“, Der Stern, Oktober 1998, Seite 24

    2. Siehe Dale Kunkel und andere, Sex on TV 2003: A Biennial Report to the Kaiser Family Foundation, 2003, Seite 40

    3. Zbigniew Brzezinski, „Weak Ramparts of the Permissive West“, in Nathan P. Gardels, Hg., At Century’s End: Great Minds Reflect on Our Times, 1995, Seite 53

    4. Siehe National Institute on Media and the Family, „Fact Sheet“, im Internet unter http://www.mediafamily.org/facts/facts_mtv. shtml

    5. Siehe Barry L. Sherman und Joseph R. Dominick, „Violence and Sex in Music and Videos: TV and Rock ‘n’ Roll“, Journal of Communication, Winter 1986, Seite 79-93

    6. Abgedruckt in John Bartlett, Hg., Familiar Quotations, 15. Auflage, 1980, Seite ix

    7. Für eine starke Jugend, 2001, Seite 17ff.