Mit der Kraft des Herrn

David A. Bednar

Of the Quorum of the Twelve Apostles


David A. Bednar
Mit der Kraft des Herrn können wir alles tun, alles aushalten und alles überwinden.

Brüder und Schwestern, mir läuft das Herz über, mir dreht sich der Verstand, meine Knie sind schwach und wackelig und ich finde, dass Worte völlig unzureichend sind, auch nur annähernd die Gefühle und Gedanken wiederzugeben, die ich Ihnen mitteilen möchte. Ich bete und bitte darum, dass der Heilige Geist bei mir und bei Ihnen sein möge, wenn ich am heutigen Sabbatmorgen kurz zu Ihnen spreche.

In den Stunden, seit Präsident Hinckley diese neue Berufung zu dienen ausgesprochen hat, habe ich die Ermahnung Nephis, alle Schriften auf uns anzuwenden (siehe 1 Nephi 19:23) zielbewusster und intensiver beachtet denn je zuvor.

Ich habe über die Worte des Paulus nachgedacht: „Das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen.“ (1 Korinther 1:27.) Heute finde ich es sehr tröstlich zu wissen, dass ich wirklich zum Schwachen in der Welt gehöre.

Ich habe auch über die lehrreichen Worte Jakobs im Buch Mormon nachgedacht:

„Darum forschen wir in den Propheten, und wir haben viele Offenbarungen und den Geist der Prophezeiung, und da wir all diese Zeugnisse haben, erlangen wir Hoffnung, und unser Glaube wird unerschütterlich, so sehr, dass wir wahrhaftig im Namen Jesu gebieten können, und selbst die Bäume gehorchen uns oder die Berge oder die Wellen des Meeres.

Dennoch zeigt der Herr, Gott, uns unsere Schwäche, damit wir wissen, dass wir die Macht, dies alles zu tun, durch seine Gnade haben und durch seine große Herablassung gegenüber den Menschenkindern.“ (Jakob 4:6,7.)

Brüder und Schwestern, achten Sie bitte besonders auf das Wort Gnade, wie es in dem Vers vorkommt, den ich gerade vorgelesen habe. Dem englischen Bibelwörterbuch zufolge bezeichnet das Wort Gnade in den heiligen Schriften oft eine Macht, die Kraft oder Fähigkeiten verleiht:

„Die Grundidee hinter diesem Ausdruck ist göttliche Hilfe oder Stärkung, die der überreichen Barmherzigkeit und Liebe Jesu Christi entspringt. …

So kann der Einzelne auch durch die Gnade des Herrn, durch Glauben an das Sühnopfer Jesu Christi und durch Umkehr von seinen Sünden Kraft und Hilfe bekommen, um gute Werke zu tun, die er andernfalls aus eigener Kraft nicht vollbringen könnte. Diese Gnade ist eine Macht, die den Menschen dazu befähigt, das ewige Leben und die Erhöhung zu erlangen, nachdem er sein Bestes getan hat.“ (Seite 697.)

Folglich hilft uns der im Sühnopfer enthaltene Aspekt, dass wir befähigt werden und Kraft bekommen, auf eine Weise zu sehen, zu handeln und gut zu werden, die wir mit unseren begrenzten irdischen Fähigkeiten nie erfassen oder erreichen könnten. Ich bezeuge, dass im Sühnopfer des Erlösers wirklich eine Macht steckt, die uns Fähigkeiten verleiht. Ohne diese Macht aus dem Sühnopfer, die mir Kraft gibt, könnte ich heute Morgen nicht vor Ihnen stehen.

Lassen sich die Gnade und die Kraft verleihende Macht Christi im Zeugnis des Ammon erkennen? „Ja, ich weiß, dass ich nichts bin; was meine Kraft betrifft, so bin ich schwach; darum will ich nicht mit mir selbst prahlen, sondern ich will mit meinem Gott prahlen, denn in seiner Kraft kann ich alles tun; ja, siehe, viele mächtige Wundertaten haben wir in diesem Land vollbracht, und dafür wollen wir seinen Namen preisen immerdar.“ (Alma 26:12.) In der Tat, Brüder und Schwestern: Mit der Kraft des Herrn können wir alles tun, alles aushalten und alles überwinden.

Als ich das Verwaltungsgebäude der Kirche nach meiner Unterredung mit Präsident Hinckley Freitagnachmittag wieder verließ, fielen mir Henochs Worte ein:

„Und als Henoch diese Worte vernommen hatte, neigte er sich vor dem Herrn zur Erde und sprach vor dem Herrn, nämlich: Wieso habe ich Gunst gefunden in deinen Augen und bin doch nur ein Knabe und alles Volk hasst mich; denn meine Sprache ist unbeholfen; warum also bin ich dein Knecht?

Und der Herr sprach zu Henoch: Gehe hin und tue, wie ich dir geboten habe, und niemand wird dich durchbohren. Tue deinen Mund auf, und er wird erfüllt werden, und ich werde dir zu reden eingeben; denn alles Fleisch ist in meiner Hand, und ich werde tun, wie es mir gut scheint.“ (Mose 6:31,32.)

Für jeden von uns, der sich für unvorbereitet oder überfordert hält oder sich einer neuen Berufung oder Aufgabe nicht gewachsen fühlt, gilt die Verheißung des Herrn an Henoch gleichermaßen. Die Verheißung war zu Henochs Tagen wahr und ist es auch heute noch.

Am Abend des 20. Juni 2000 arbeitete ich mit einigen Kollegen noch spät im Verwaltungsbüro des damaligen Ricks College in Rexburg in Idaho. Wir trafen die letzten Vorbereitungen für eine unerwartete und historische Versammlung auf unserem Campus am nächsten Morgen, bei der Präsident Hinckley ankündigen sollte, dass das Ricks College zu einer Einrichtung werden solle, die einen Hochschulabschluss verleihen darf, und dass es fortan Brigham-Young-Universität Idaho heißen solle. Uns als Verwaltungsangestellten wurde gerade erst bewusst, welch gewaltiges Ausmaß die Verantwortung und die Aufgaben hatten, die vor uns lagen.

Als wir an dem Abend das Gebäude verließen, fragte mich ein Kollege: „Präsident, ist Ihnen nicht bange?“ Soweit ich mich erinnere, antwortete ich in etwa wie folgt: „Wenn ich glaubte, wir müssten diesen Übergang ausschließlich im Vertrauen auf unsere eigenen Erfahrungen und Kenntnisse vollziehen, wäre ich in Angst und Schrecken. Uns aber wird der Himmel helfen. Nachdem wir wissen, wer das Zepter führt, und wissen, dass wir nicht allein sind – nein, da ist mir nicht bange.“ Wir, die an der BYU Idaho arbeiten, können gemeinsam bezeugen, dass der Himmel uns geholfen hat, dass Wunder sich ereignet haben, Offenbarungen empfangen wurden, Türen sich öffneten und dass wir persönlich wie auch als Institution reich gesegnet wurden.

Gestatten Sie mir nun bitte, mich zu bedanken. Ich bin dankbar für meine Vorfahren – die glaubenstreuen und standhaften Männer und Frauen, die ich so achte und ehre und denen ich alles verdanke. Ich liebe meine Mutter und meinen Vater und die Mutter und den Vater meiner Frau und bin ihnen dankbar. Ich danke ihnen, dass sie mich lieben, unterstützen, unterweisen und aufbauen.

Meine Frau, Susan, ist eine tugendhafte Frau und eine patente Mutter. Man kann leicht erkennen, dass aus ihrem Gesichtsausdruck Lauterkeit und Güte sprechen. Ich liebe sie und bin ihr dankbarer, als Worte es ausdrücken können. Ich danke ihr dafür, was für eine Frau sie ist, was sie mir beigebracht hat und was für eine Liebe uns verbindet.

Susan und mir sind drei aufrechte Söhne geschenkt worden. Ich liebe sie und danke ihnen. Zu unserer wachsenden kleinen Familie gehören inzwischen auch zwei patente Schwiegertöchter und drei unbeschreiblich entzückende Enkeltöchter. Wenn wir zusammen sind, freuen wir uns, ein kleines Zipfelchen dessen zu erblicken, was der Familienbund in der Ewigkeit bedeutet.

Meine lieben Brüder und Schwestern, ich danke auch Ihnen. Wenn ich Sie hier im Konferenzzentrum versammelt sehe und mir vorstelle, wie sie in aller Welt in Gemeindehäusern sitzen, bin ich glücklich darüber, wie treu und ergeben Sie dem Erlöser sind. Als Sie am Samstag den Arm rechtwinklig erhoben, spürte ich, wie diese Bestätigung in bemerkenswerter Weise meine Seele erfüllte. Kaum jemand von Ihnen weiß, wer ich bin, aber Sie wissen, wer die Berufung ausgesprochen hat, und sind daher zur Bestätigung und Unterstützung bereit. Ich bedanke mich bei Ihnen und weihe mein ganzes Herz und meine ganze Kraft diesem heiligen Werk.

Ich werde gehen, wohin der Herr und die Führer seiner Kirche mich senden, ich werde tun, was sie mir auftragen, ich werde lehren, was sie mich lehren heißen und ich werde mich bemühen, der zu werden, der ich werden soll und muss. Mit der Kraft des Herrn und dank seiner Gnade weiß ich, dass Sie und ich so gesegnet werden können, dass wir alles erreichen.

Als einer der Schwächsten der Schwachen bezeuge ich, dass Gott lebt. Ich bezeuge, dass Jesus der Messias ist. Er ist unser Erretter und Erlöser und er lebt. Und ich bezeuge, dass die Fülle des Evangeliums Jesu Christi und seine wahre Kirche in diesen Letzten Tagen durch den Propheten Joseph Smith auf Erden wiederhergestellt worden sind. Die Schlüssel, die Vollmacht und die errettenden Verordnungen des Priestertums sind auf Erden wieder vorhanden. Durch die Macht dieses Priestertums kann eine Familie wirklich für immer zusammen sein. Das Buch Mormon ist das Wort Gottes und der Schluss-Stein unserer Religion. Brüder und Schwestern, der Himmel ist nicht verschlossen. Gott spricht – zu jedem Einzelnen und zu den Führern seines irdischen Reiches in den Letzten Tagen. Präsident Gordon B. Hinckley ist heute auf der Welt der Prophet des Herrn. Dies bezeuge ich im heiligen Namen Jesu Christi. Amen.