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Herbst 2004 | Ein echtes Zeugnis

Ein echtes Zeugnis

Herbst 2004 Generalkonferenz

Ein Zeugnis – ein echtes Zeugnis, das durch den Geist gegeben und vom Heiligen Geist bestätigt wird – verändert Menschen.

Vor kurzem bin ich von einer Reise nach Asien zurückgekehrt, wo wir mit glaubenstreuen Heiligen und Missionaren zusammengekommen sind. Eine der Versammlungen fand in einem Ballungsgebiet statt, in dem ungefähr 14 000 Mitglieder unter einer Gesamtbevölkerung von 21 Millionen Menschen leben. Würden wir das gleiche Verhältnis auf diese Versammlung übertragen, so wären unter den über 20 000 Anwesenden im Konferenzzentrum nur 13 Mitglieder der Kirche verstreut.

Diese Erfahrung hat mir deutlich gemacht, dass wir für das Wissen, dass nach Zeiten der Finsternis und des Abfalls vom Glauben Joseph Smith in einer bemerkenswerten Vision Gott den Vater und seinen Sohn im Heiligen Hain erblickte, zutiefst dankbar sein müssen. Offensichtlich ist es in der heutigen Welt ein seltenes und kostbares Gut, ein Zeugnis davon zu haben, dass Gott, unser Vater im Himmel, lebt, dass sein Sohn Jesus Christus unser Erretter und Erlöser ist und dass die Priestertumsvollmacht, mit der wir im Evangelium Jesu Christi amtieren können, auf Erden nochmals wiederhergestellt worden ist. Das große Glück, ein Zeugnis von diesen Wahrheiten zu haben, kann man weder ganz ermessen, noch darf es jemals als selbstverständlich betrachtet werden.

Ein persönliches Zeugnis ist die Grundlage unseres Glaubens. Es ist die bindende Kraft, die den Einfluss der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage auf ihre Mitglieder im Vergleich mit allen anderen Glaubensgemeinschaften in der Welt einzigartig macht. Die Lehre von der Wiederherstellung ist an sich schon herrlich. Aber erst durch das persönliche Zeugnis von Mitgliedern der Kirche in aller Welt, die die Wiederherstellung des Evangeliums annehmen und sich darum bemühen, jeden Tag nach seinen Lehren zu leben, wird sie kraftvoll und erhält sie ihre große Bedeutung.

Ein Zeugnis ist eine Bestätigung ewiger Wahrheiten, die sich durch den Heiligen Geist dem Einzelnen in Herz und Seele einprägt. Der Heilige Geist hat in erster Linie die Aufgabe, Wahrheit zu bezeugen, besonders, was den Vater und den Sohn betrifft. Wenn jemand durch diesen, von Gott festgesetzten Vorgang ein Zeugnis von der Wahrheit empfängt, wirkt es sich sofort auf das Leben des Betreffenden aus. Laut Alma dem Jüngeren „wird es anfangen, in eurer Brust zu schwellen; und wenn ihr dieses Schwellen spürt, so werdet ihr anfangen, in euch zu sagen: … Das Wort [ist] gut …, denn es fängt an, meine Seele zu erweitern; ja, es fängt an, mein Verständnis zu erleuchten; ja, es fängt an, mir köstlich zu sein.“ (Alma 32:28.)

Kurz gesagt: Ein Zeugnis – ein echtes Zeugnis, das durch den Geist gegeben und vom Heiligen Geist bestätigt wird – verändert Menschen. Es verändert Ihr Denken und Ihr Handeln. Es verändert, was Sie sagen. Jede Priorität, die Sie setzen, und jede Entscheidung, die Sie treffen, wird davon beeinflusst. Ein echtes und beständiges Zeugnis zu haben, heißt, „geistig aus Gott geboren“ zu sein, „sein Abbild in [den] Gesichtsausdruck“ aufzunehmen und eine „mächtige Wandlung [im] Herzen“ zu erleben (Alma 5:14).

Wie fast alles andere im Leben auch wächst und entwickelt sich ein Zeugnis durch Erfahrung und Dienen. Oft hören wir Mitglieder, und ganz besonders Kinder, Zeugnis geben, indem sie aufzählen, wofür sie dankbar sind: die Liebe zu ihrer Familie, die Kirche, ihre Lehrer, ihre Freunde. Das Evangelium ist für sie etwas, wofür sie dankbar sind, weil es ihnen ein glückliches und sicheres Gefühl gibt. Das ist ein guter Anfang. Zu einem Zeugnis muss aber noch viel mehr gehören. Es muss schon sehr früh in den ersten Grundsätzen des Evangeliums verankert werden.

Ein Zeugnis von der wirklich vorhandenen Liebe unseres Himmlischen Vaters, vom Leben und Wirken Jesu Christi und davon, wie sich sein Sühnopfer auf alle Söhne und Töchter Gottes auswirkt, bringt den Wunsch hervor, umzukehren und würdig zu sein, dass der Heilige Geist einen begleiten kann. Es bestätigt uns auch im Innersten, dass das Evangelium in diesen Letzten Tagen wiederhergestellt worden ist. Ein wirkliches Zeugnis von diesen kostbaren Wahrheiten bekommt man durch den Heiligen Geist, wenn man sich aufrichtig und entschlossen darum bemüht hat – wozu die Unterweisung zu Hause, das Beten, das Schriftstudium, der Dienst am Nächsten und das eifrige Befolgen der Gebote des Himmlischen Vaters gehören. Um ein Zeugnis von den Wahrheiten des Evangeliums zu erlangen und für immer daran festzuhalten, ist kein Preis an geistiger Vorbereitung, den wir vielleicht zahlen müssen, zu hoch.

Meine Erfahrungen überall in der Kirche stimmen mich besorgt darüber, dass sich zu viele unserer Mitglieder in ihrem Zeugnis bei „Ich bin dankbar“ und „Ich liebe“ aufhalten. Zu wenige können mit demütiger, aber aufrichtiger Klarheit sagen: „Ich weiß.“ Das führt dazu, dass es unseren Versammlungen manchmal an von Zeugnis durchdrungenem, geistigem Inhalt mangelt, der die Seele bewegt, etwas aussagt und guten Einfluss auf diejenigen hat, die zuhören.

Unsere Zeugnisversammlungen müssen mehr auf den Erretter, die Lehren des Evangeliums, die Segnungen der Wiederherstellung und die Lehren aus den heiligen Schriften ausgerichtet sein. Ersetzen Sie Familiengeschichten, Reiseberichte und Vorträge durch echte Zeugnisse. Wer damit betraut wird, in unseren Versammlungen zu sprechen und zu lehren, muss die Lehre so machtvoll darlegen, dass man es nicht nur hört, sondern auch fühlt, wodurch der Geist und die Mitglieder erbaut werden. Sie werden sich an die mächtige Predigt König Benjamins an sein Volk erinnern. Das Kernstück dieser Rede war sein persönliches Zeugnis vom Erretter, der zu der Zeit noch gar nicht als sterblicher Mensch geboren worden war.

An einer Stelle der Predigt des Königs, als er dem Volk gerade Zeugnis gegeben hatte, „kam der Geist des Herrn über sie, und sie wurden von Freude erfüllt … wegen des überaus großen Glaubens, den sie an Jesus Christus hatten, der da kommen würde“ (Mosia 4:3).

Das ist so, weil der Geist nicht zurückgehalten werden kann, wenn ein echtes Zeugnis von Christus gegeben wird. Deshalb wurde König Benjamins Volk so sehr durch sein Zeugnis inspiriert, dass sich ihr Leben auf der Stelle veränderte. Sie wurden zu neuen Menschen.

Denken Sie auch an Abinadi und Alma. Abinadi brachte den schlechten König Noa mit seinem mutigen Zeugnis vom Herrn Jesus Christus außer sich vor Zorn. Schließlich brachte dieser großartige Missionar das größte Opfer für sein Zeugnis und seinen Glauben, doch erst nachdem sein Zeugnis in ein gläubiges Herz gedrungen war. Alma, einer der Priester König Noas, kehrte von seinen Sünden um, akzeptierte Jesus als den Messias und ging heimlich unter das Volk und fing an, die Worte Abinadis zu lehren (siehe Mosia 18:1). Viele bekehrten sich zum Evangelium Jesu Christi, was die direkte Folge davon war, dass Abinadi machtvoll vom Erlöser ein Zeugnis gegeben hatte, dem nur einer, nämlich Alma, geglaubt hatte.

Der Apostel Paulus gab auch inniges Zeugnis von Christus und bekehrte viele durch seine Missionsarbeit. Er schreckte nicht davor zurück, sein Zeugnis vor König Agrippa abzulegen. Seine Worte waren so beeindruckend, dass selbst dieser einflussreiche Repräsentant des Römischen Reiches sich bemüßigt fühlte zu sagen: „Fast überredest du mich dazu, mich als Christ auszugeben.“ (Apostelgeschichte 26:28.)

Ich glaube, die Lehre daraus ist eindeutig: Es genügt nicht, nur ein Zeugnis zu haben. In der Tat können wir, wenn wir wirklich bekehrt sind, nicht davon abgehalten werden, Zeugnis zu geben. Wie die Apostel und die glaubenstreuen Mitglieder in alter Zeit haben auch wir die Ehre und die heilige Pflicht, zu „[verkünden], wovon [wir wissen], dass es wahr ist“ (LuB 80:4).

Noch einmal: Denken Sie bitte daran, dass es uns darum geht, ein echtes Zeugnis zu geben und nicht nur allgemein darüber zu plaudern, wofür wir dankbar sind. Auch wenn es immer gut ist, Liebe und Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, stellen derlei Aussagen nicht die Art Zeugnis dar, die im Leben eines anderen ein Feuer des Glaubens entfacht. Zeugnis geben bedeutet, „durch die Macht des Heiligen Geistes Zeugnis geben; eine feierliche Erklärung der Wahrheit aufgrund persönlichen Wissens oder Glaubens abgeben“ (Schriftenführer, „Bezeugen“). Wenn die Wahrheit klar verkündet wird, ändert sich der Mensch. Dadurch wird eine Herzenswandlung bewirkt. Genau das kann der Heilige Geist den Kindern Gottes im Herzen bestätigen.

Auch wenn wir von so manchem ein Zeugnis haben können, gibt es für uns Mitglieder der Kirche Grundwahrheiten, über die wir ständig miteinander reden und die wir Andersgläubigen nahe bringen müssen. Bezeugen Sie, dass Gott unser Vater und Jesus der Messias ist. Der Erlösungsplan beruht auf dem Sühnopfer, das der Erretter gebracht hat. Joseph Smith hat die Fülle des immerwährenden Evangeliums Jesu Christi wiederhergestellt und das Buch Mormon beweist, dass unser Zeugnis wahr ist.

Wenn Mitglieder und Missionare gemeinsam denen, die nicht Mitglieder unser Kirche sind, aufrichtig Zeugnis geben, geschehen Wunder. Zum Beispiel waren viele Menschen im Land Ammoniha von Almas Zeugnis beeindruckt. Als Amulek aber aufstand und sein Zeugnis hinzufügte, „fing das Volk an, sich zu verwundern, weil sie sahen, dass es mehr als einen Zeugen gab, der all das bezeugte“ (Alma 10:12). Das Gleiche kann mit uns auch heute geschehen. Wenn wir zusammenstehen, wird der Herr uns dabei helfen, viele weitere seiner Schafe zu finden, die seine Stimme erkennen werden, wenn wir ihnen gemeinsam Zeugnis geben.

Vor vielen Jahren erzählte Brigham Young von einem der ersten Missionare der Kirche, der gebeten worden war, sein Zeugnis vor einer großen Menschenmenge zu geben. Laut Präsident Young war der Betreffende „noch nie fähig gewesen, zu sagen, dass er wusste, dass Joseph Smith ein Prophet war“. Er hätte es vorgezogen, nur ein Gebet zu sprechen und dann zu gehen. Aber die Umstände machten das unmöglich. Also fing er an zu sprechen, und „sobald er ‚Joseph‘ herausbrachte, gefolgt von ‚ist ein Prophet‘ …, war seine Zunge gelöst, und er sprach weiter bis kurz vor Sonnenuntergang“.

Präsident Young verdeutlichte anhand dieses Erlebnisses, dass „der Herr seinen Geist über einen Menschen ausgießt, wenn er das bezeugt, was der Herr ihm zu bezeugen aufgibt“ (Millennial Star, Beilage, 1853, Seite 30).

Der Bruder des Propheten, Hyrum, wusste das und bezeugte furchtlos Gottes Wahrheit, so, wie sie seinem Bruder Joseph offenbart und ihm selbst im Herzen bestätigt worden war. Sein Zeugnis hat vielen geholfen, unter anderem Parley P. Pratt. Als Pratt zum ersten Mal mit dem Buch Mormon in Berührung kam, nahm Hyrum ihn mit nach Hause und verbrachte die Nacht damit, ihn zu unterweisen und ihm Zeugnis zu geben. Er gab Zeugnis von dem prophetischen Mantel, mit dem Joseph bekleidet war, und von der Wahrheit des Buches Mormon. Kurz darauf stellte Hyrum seine eigenen Belange hintan und [ging] … mit Parley, um seiner Bitte um die Taufe zu entsprechen. (Siehe Autobiography of Parley Parker Pratt, Hg. Parley P. Pratt Jr., 1938, Seite 35-42.)

Vielleicht werden wir die weitreichenden Folgen des Zeugnisses, das Hyrum unter vier Augen an Parley P. Pratt richtete, nie ganz verstehen oder ermessen können. Parley brachte durch sein apostolisches Zeugnis und seine Missionsarbeit nicht nur seine glaubenstreuen Nachkommen, sondern auch zahllose weitere Menschen in das Reich Gottes. Interessanterweise gehörten zu denen, die sich direkt infolge seines Wirkens in Kanada der Kirche anschlossen, Joseph Fielding und seine Schwestern Mary und Mercy. Nachdem seine erste Frau, Jerusha, gestorben war, lernte Hyrum Smith Mary Fielding kennen und heiratete sie. Aus ihrer Ehe gingen Präsident Joseph F. Smith und unzählige weitere Mitglieder und Führer der Kirche hervor. Nun, ich weiß wohl, dass nicht alle Zeugnisse so einen Segen hervorbringen wie das von Hyrum.

Joseph Kimber, ein einfacher Mann, Neubekehrter aus Thatcham in England, gab einem anderen Landarbeiter ein schlichtes Zeugnis. Ich glaube, dass Bruder Kimbers Zeugnis von Joseph Smith und der Wiederherstellung das Feuer des Zeugnisses im Herzen des 17-jährigen Henry Ballard entfachte und ihn dazu veranlasste, um die Taufe zu bitten. Generationen der Familie Ballard sind die Nutznießer dieses demütigen Zeugnisses.

Die Mitglieder und die Missionare in unserer Zeit können die Bekehrung anderer miterleben, wenn sie ihr Leben so gut wie möglich leben und bereit sind, „allzeit und in allem und überall, wo auch immer [sie sich] befinden [mögen] … als Zeugen Gottes aufzutreten“ (Mosia 18:9). Ein Freund erzählte mir vor kurzem von einer 90-minütigen Busfahrt in Brasilien. Er hatte das Gefühl, er solle an das hintere Ende des Busses gehen, um sich dort mit den jungen Leuten, die sich für seine Gruppe von Geschäftsleuten als Fremdenführer betätigt hatten, zu unterhalten. Ein Geschäftspartner seines Vaters folgte ihm an das Ende des Busses und hörte sein Zeugnis über die Wahrheit des wiederhergestellten Evangeliums. Später sagte dieser Mann: „Als ich Ihr Zeugnis hörte, durchströmte meinen ganzen Körper das unmissverständliche Gefühl, dass dies wahr ist.“ Er und seine Frau lassen sich bald taufen.

Die Missionare bereiten sich jetzt darauf vor, die Lektionen nicht als auswendig gelernte Dialoge oder mechanische Präsentationen zu geben. Sie werden vielmehr die Grundsätze des Evangeliums in geordneter Weise darlegen und den Geist bitten, ihnen zu zeigen, wie sie den Untersuchern Evangeliumswahrheiten vermitteln können, von Geist zu Geist und von Herz zu Herz. Brüder und Schwestern, schließen Sie sich den Missionaren an, indem Sie jeden Tag andere an ihrem kostbaren Zeugnis teilhaben lassen und bei jeder Gelegenheit die herrliche Botschaft der Wiederherstellung bezeugen. Das Feuer Ihres Zeugnisses ist alles, was Sie brauchen, um das Evangelium vielen weiteren Kindern des Vaters im Himmel vorzustellen. Vertrauen Sie auf den Herrn und unterschätzen Sie niemals die Auswirkungen, die Ihr Zeugnis auf das Leben anderer haben kann, wenn Sie es durch die Macht des Geistes geben. Zweifel und Furcht sind Werkzeuge des Satans. Die Zeit ist für uns alle gekommen, dass wir jede Furcht überwinden und jede Gelegenheit nutzen, Zeugnis vom Evangelium zu geben.

Möge der Herr Sie segnen, wenn Sie Ihr Zeugnis auch weiterhin durch Ihre Gebete, Ihr persönliches Evangeliumsstudium und ihren tatkräftigen Einsatz nähren. Mit großer Freude bezeuge ich demütig, dass Gott, unser Himmlischer Vater, uns liebt, dass Jesus der Messias ist, dass Joseph Smith die Fülle des immerwährenden Evangeliums wiederhergestellt hat und dass das Buch Mormon all diese Wahrheiten bestätigt. Wir werden heute von einem lebenden Propheten geführt. Ich bete darum, dass der Herr Sie segnen möge, meine lieben Brüder und Schwestern, wenn Sie unterweisen und Zeugnis geben. Darum bete ich demütig im Namen Jesu Christi. Amen.