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Herbst 2006 | Der Erlösungsplan

Der Erlösungsplan

Herbst 2006 Generalkonferenz

Wir müssen nicht auf uns allein gestellt durch das irdische Dasein irren, ohne den Masterplan zu kennen, den der Herr für seine Kinder entworfen hat.

Als ich während der Sommermonate eine Abendmahlsversammlung besuchte, durfte ich die Botschaften dreier Studenten hören, die während der Sommerferien zu Hause waren. Eine dieser Ansprachen interessierte mich besonders.

Diese Studentin hatte während der Sommerferien in einem Restaurant gearbeitet, das häufig von LKW-Fahrern besucht wurde. Ein Fahrer, der immer die gleiche Tour hatte, kam jede Woche am gleichen Tag zum Essen ins Restaurant. Da er regelmäßig dort war, kamen die beiden ab und zu ins Gespräch. Er fragte die junge Frau, wo sie wohnte. Sie erzählte, dass sie den Sommer zu Hause verbringe und Geld verdiene, bis im Herbst die Ausbildung wieder beginne. Seine nächste Frage war: „Welche Schule besuchen Sie denn?“ Voller Stolz erwiderte Sie: „Die BYU Idaho.“ Er wollte mehr über diese Schule wissen, was zu einem Gespräch über das Evangelium führte. Die Frau begann damit, das Wort der Weisheit zu erklären. Mit Erfolg. Sie überzeugte den Mann davon, mit dem Rauchen aufzuhören.

Dann wurde ihr Schichtplan geändert, und sie hatte keine Gelegenheit mehr, ihn zu bedienen; also schrieb sie ihm eine Nachricht, der sie die Missionarsbroschüre der Kirche über den Erlösungsplan beilegte. Einige Tage später erhielt sie eine Nachricht von dem Fahrer. Darin stand lediglich: „Etwas Ungeheuerliches geschieht mit meinem Leben.“ Dank dieser jungen Frau hatte der Fahrer etwas erfahren, was ihn dazu veranlasst hatte, über die Änderungen nachzudenken, die in seinem Leben stattfinden mussten. Das Endergebnis dieser Begegnung zwischen einer Kellnerin und einem LKW-Fahrer kenne ich nicht, aber offensichtlich wurde sein Leben beeinflusst.

Sie erklärte dann, wie einfach es ist, andere an der Schönheit des Evangeliums teilhaben zu lassen. Im normalen Ablauf unseres Lebens bieten sich jeden Tag Gelegenheiten, unseren Mund aufzutun und Menschen über die Evangeliumswahrheiten zu berichten, die ihnen hier und jetzt und bis in die Ewigkeit Segnungen bringen.

Viele fragen sich: Woher komme ich? Warum sind wir hier? Wohin gehe ich? Unser ewiger Vater hat uns nicht auf eine Reise ohne Ziel und Bedeutung auf die Erde geschickt. Er hat uns einen Plan gegeben, dem wir folgen können. Er selbst ist der Urheber dieses Plans. Er wurde aufgestellt, um den Fortschritt des Menschen und dessen endgültige Errettung und Erhöhung zuwege zu bringen. Ich zitiere aus der Anleitung Verkündet mein Evangelium! für Missionare:

„Gott ist der Vater unseres Geistes. Wir sind buchstäblich seine Kinder. Er liebt uns. Bevor wir zur Erde gekommen sind, gab es uns schon als Geistkinder des himmlischen Vaters. Wir waren jedoch nicht so wie der himmlische Vater. Wir konnten auch nicht so werden wie er und alle Segnungen genießen, die er hat. Dazu mussten wir erst einen Körper erhalten und die Erfahrungen des Erdenlebens durchmachen.

Die Absicht Gottes – sein Werk und seine Herrlichkeit – besteht darin, uns in die Lage zu versetzen, dass wir alle Segnungen empfangen, deren auch er sich erfreut. Zu diesem Zweck hat er einen vollkommenen Plan aufgestellt. Bevor wir zur Erde gekommen sind, haben wir diesen Plan verstanden und angenommen.“ (Seite 55f.)

Und doch gibt es viele Menschen in der heutigen Welt, die darum ringen, Antworten auf die wesentlichen Fragen des Lebens zu finden. Die Rufe „Seht, hier ist es!“ und „Dort ist es!“ werden nur lauter und noch viel verwirrender. Die Technik hat dieses Durcheinander nur noch verstärkt, weil sie diese Botschaften über den Äther und durch die riesige Menge an Kabel schickt, die inzwischen die Erde bedeckt. Es gibt so viele Wege, immer mehr und immer unterschiedlichere Botschaften auszusenden; ich glaube, es sollte uns nicht überraschen, dass die Menschen verwirrt sind. Vor Jahrhunderten hat Paulus vorhergesagt:

„Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln; und man wird der Wahrheit nicht mehr Gehör schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden.“ (2 Timotheus 4:3,4.)

Wir brauchen aber nicht verwirrt zu sein. Die Menschheit hat zu ihrer Orientierung abermals die Antworten auf die rätselhaften Fragen über den Zweck des Lebens erhalten.

Zum ersten Mal haben wir vom Erlösungsplan gehört, ehe wir geboren waren, in unserem ersten Stand, wie er in der Schrift genannt wird (siehe Abraham 3:26). Was in diesem ersten Stand genau geschehen ist, wissen wir nicht, aber wir wissen, dass wir dort als Geister, als Kinder unseres himmlischen Vaters, lebten und gewisse Fortschritte machten, um uns dafür bereitzumachen, dass unser ewiger Geist in einem irdischen Körper wohnen konnte. Wir wissen auch, dass unser Vater einen großen Rat abhielt, um den Zweck des Erdenlebens zu erklären. Wir hatten die Möglichkeit, den Erlösungsplan anzunehmen oder abzulehnen. Er wurde uns nicht aufgezwungen. Das Wesentliche des Plans war, dass der Mensch die Möglichkeit bekommen sollte, sich mit Gottes Hilfe auf der Erde seine eigene Errettung zu erarbeiten. Ein Führer wurde ausgewählt, der uns lehren sollte, wie wir dem Plan folgen können, und der uns von Sünde und Tod erlösen sollte. Wie der Herr dem Mose erklärte: „Aber siehe: Mein geliebter Sohn, der mein Geliebter und Erwähltervon Anfang an war, sprach zu mir: Vater, dein Wille geschehe, und die Herrlichkeit sei dein immerdar.“ (Mose 4:2.)

Jesus Christus, unser älterer Bruder, trat als Erster für den Plan ein, den der Vater aufgestellt hatte, und wir nahmen den Plan und seine Bedingungen an. Mit dieser Wahl erwarben wir das Recht, auf die Erde zu kommen und in unseren zweiten Stand einzutreten.

Gott schuf Adam und Eva als sein Abbild, mit einem Körper aus Fleisch und Gebein, und brachte sie in den Garten von Eden. Dort konnten sie wählen, ob sie im Garten bleiben oder von der Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse essen wollten, um so die Möglichkeit zu bekommen, sterblich zu werden. Sie nahmen die Herausforderung an, aßen von der Frucht und wurden so sterblich und dem physischen Tod unterworfen. Aufgrund ihrer Wahl mussten sie alle Prüfungen und Mühen des sterblichen Daseins durchleben.

Das Leben in Sterblichkeit bezweckt zweierlei. Erstens sollen wir Erfahrung sammeln, die wir auf keine andere Weise bekommen könnten. Zweitens brauchen wir einen sterblichen Körper aus Fleisch und Gebein. Beides ist unerlässlich im Dasein des Menschen. Wir werden hier geprüft und erprobt, damit sich zeigt, ob wir alles tun werden, was der Herr uns geboten hat. Diese Gebote sind die Grundsätze und Verordnungen des Evangeliums, und sie bilden das Evangelium Jesu Christi. Jeder Grundsatz und jede Verordnung trägt dazu bei, dass wir den eigentlichen Zweck unserer Prüfung erfüllen, nämlich uns darauf vorzubereiten, zu unserem himmlischen Vater zurückzukehren und ihm ähnlicher zu werden. Elder Bruce R. McConkie hat Folgendes über den engen und schmalen Pfad gesagt:

„Ich denke, jeder von uns muss herausfinden, was er bezüglich der verschiedenen Aspekte des irdischen Daseins glaubt. Dann treffen wir auf der Grundlage des allgemeinen Gesamtkonzepts, das klar und einfach ist, die Entscheidung, wie wir unser Leben auf diesem oder jenem Gebiet führen wollen, um den Zustand der Bewährung und die Prüfung des irdischen Lebens zu bestehen. Wenn wir das Richtige wählen, werden wir ewigen Lohn erhalten, und wenn nicht, dann werden wir einen niedrigeren oder geringeren Platz in einem der Reiche einnehmen, die dafür bereitet sind. …

Jedermann in der Kirche, der sich auf dem engen und schmalen Pfad befindet, der sich anstrengt und abmüht und zu tun wünscht, was recht ist, auch wenn [er] in diesem Leben noch lange nicht vollkommen ist, wird, wenn er aus diesem Leben tritt, während er sich auf dem engen und schmalen Pfad befindet, seinen ewigen Lohn im Reich seines Vaters erhalten.“ (The Probationary Test of Mortality, Ansprache anlässlich einer Andacht am Religionsinstitut von Salt Lake City, 10. Januar 1982, Seite 8f.)

All das hat Jesus Christus ermöglicht. Er ist die Schlüsselfigur im ewigen Plan des Vaters, der Erretter, der als Lösegeld für die Menschheit bereitet war. Gott sandte seinen geliebten Sohn, um den Fall Adams und Evas zu überwinden. Jesus kam zur Erde als unser Erretter und Erlöser. Er überwand für uns das Hindernis des körperlichen Todes, indem er sein eigenes Leben gab. Als er am Kreuz starb, trennte sich sein Geist von seinem Körper. Am dritten Tag wurden sein Geist und sein Leib auf ewig vereinigt, um nie mehr getrennt zu werden.

Das Leben auf der Erde ist von begrenzter Dauer. Für jeden von uns kommt die Zeit, wenn sich der Geist und der Körper im Tod trennen. Aber wegen der Auferstehung Jesu Christi werden wir alle auferstehen, ungeachtet dessen, ob wir Gutes oder Böses im Leben vollbracht haben. Unsterblichkeit ist ein Geschenk unseres Vaters im Himmel an jedes seiner sterblichen Kinder. Der Tod muss als Tor zu einem neuen und besseren Leben angesehen werden. Durch die herrliche Auferstehung werden Körper und Geist wieder vereinigt. Wir werden einen vollkommenen, unsterblichen Körper aus Fleisch und Gebein haben, der niemals mehr Schmerzen oder den Tod erleiden wird. Aber die Herrlichkeit, die wir im nächsten Leben erlangen werden, hängt von unserem Verhalten in diesem Leben ab. Nur durch die Gabe des Sühnopfers und unseren Gehorsam gegenüber dem Evangelium können wir zu Gott zurückkehren und wieder bei ihm leben.

Nach der Auferstehung Jesu gingen die Zwölf hinaus, um den Nationen der Erde diese herrliche Botschaft kundzutun. Sie reisten weit, als sie die Mission des Erretters verkündeten. Das Christentum breitete sich langsam über viele Länder aus. Aber ganz allmählich bewegte sich die Kirche auf einen allgemeinen Abfall vom Glauben zu, in dessen Verlauf die Nachfolge im Priestertum unterbrochen wurde. Die Vollmacht, heilige Handlungen zu vollziehen, war auf Erden nicht mehr zu finden.

Mit der Zeit begannen inspirierte Männer, eine Reformation einzuleiten. Präsident Gordon B. Hinckley hat das als das Dämmerung eines schönen Tages bezeichnet. Er hat gesagt:

„Doch irgendwie wurde in der langen, finsteren Zeit eine Kerze angezündet. Die Renaissance brachte eine Blüte der Bildung, der Kunst und der Wissenschaften hervor. Es gab eine Bewegung kühner und mutiger Männer und Frauen, die zum Himmel aufblickten und Gott und seinen göttlichen Sohn anerkannten. Das bezeichnen wir als Reformation.

Und dann, nachdem viele Generationen über die Erde gegangen waren – so viele von ihnen erlebten Konflikte, Hass, Finsternis und Schlechtigkeit –, kam der große, neue Tag der Wiederherstellung. Der erste Schritt zur Wiederherstellung dieses herrlichen Evangeliums war, dass der Vater und der Sohn dem jungen Joseph erschienen. Auf der Welt brach die Evangeliumszeit der Fülle an. Zu dieser besonderen Zeit wurde alles, was in sämtlichen vorangegangenen Evangeliumszeiten gut, schön und göttlich gewesen war, wiederhergestellt.“ (Liahona, Mai 2004, Seite 82.)

Nachdem die erste Vision, dieses herrliche Ereignis, stattgefunden hatte, wurde dem Propheten Joseph Smith ein heiliger Bericht übergeben, das Buch Mormon. Damit erhielten die Völker der Welt ein neues Zeugnis von unserem Herrn und Erretter und seiner Mission.

So erkennen wir durch den ewigen Plan unseres Vaters, dass seine Liebe keine Grenzen kennt. Jedes seiner Kinder ist mit eingeschlossen. Alle Menschen haben denselben Ursprung und die gleiche Möglichkeit, ihre ewige Bestimmung zu verwirklichen.

Der Prophet Amulek, der im Buch Mormon bezeugt, dass die Worte Christi uns Errettung bringen, sagt:

„Und nun, meine Brüder, möchte ich, nachdem ihr so viele Zeugnisse empfangen habt und in Anbetracht dessen, dass die heiligen Schriften davon zeugen, dass ihr vortretet und Frucht bringt zur Umkehr.

Ja, ich möchte, dass ihr vortretet und euer Herz nicht länger verhärtet; denn siehe, jetzt ist die Zeit und der Tag für eure Errettung, und darum, wenn ihr umkehrt und euer Herz nicht verhärtet, wird der große Plan der Erlösung sogleich für euch zuwege gebracht werden.

Denn siehe, dieses Leben ist die Zeit, da der Mensch sich vorbereiten soll, Gott zu begegnen: Ja, siehe, der Tag dieses Lebens ist der Tag, da der Mensch seine Arbeiten verrichten soll.“ (Alma 34:30-32.)

Lassen Sie uns nicht mehr ein Spiel der Wellen sein, hin und her getrieben von jedem Widerstreit der Meinungen (siehe Epheser 4:14). Wir erklären der Welt, dass die Himmel offen sind und die Wahrheit von Gottes ewigem Plan der Menschheit erneut offenbart worden ist. Wir leben in der Evangeliumszeit der Fülle. Wir leben in einer Zeit, in der wir durch die heiligen Schriften das Zeugnis von dem großartigen Plan haben, den der Herr seinen Kindern vom Anfang der Zeit bis zur gegenwärtigen, letzten Evangeliumszeit gegeben hat. Der Beweis ist gut dokumentiert; wir müssen nicht, auf uns alleine gestellt, durch das irdische Dasein irren, ohne den Masterplan zu kennen, den der Herr für seine Kinder entworfen hat. Er hat sich selbst durch einen feierlichen Bund verpflichtet, uns gemäß unserem Gehorsam gegenüber seinem Gesetz die Segnungen des Himmels zu geben. O denkt daran, denkt daran, dass dies wahr ist, denn Gott, der Herr, hat uns diese ewigen Wahrheiten offenbart. Im Namen Jesu Christi. Amen.