An das Aaronische Priestertum: Bereitet euch auf das Jahrzehnt der Entscheidung vor

Robert D. Hales

Of the Quorum of the Twelve Apostles


Wie ihr jetzt dieses Priestertum tragt, wird euch darauf vorbereiten, in Zukunft die wichtigsten Entscheidungen zu treffen.

Brüder, die Sie überall auf der Welt versammelt sind – welch eine Freude ist es, mit Ihnen zusammen zu sein! Mir kommen die Worte eines Kirchenliedes in den Sinn: „Sieh unsres Gottes Heerschar in Glaubenskraft bewährt, zieht mutig aus zu siegen im Ringen um die Erd.“ 1 Sie sind in der Tat Gottes Heerschar, gläubig und treu.

Heute möchte ich zu den jüngsten Mitgliedern dieser Heerschar sprechen – dem Aaronischen Priestertum: Diakone, Lehrer und Priester, die sich auf dem Schlachtfeld des Lebens nach vorn wagen. Auch wenn ihr euch nicht daran erinnert, habt ihr euch mit einer einzigen Entscheidung, die ihr vor langer Zeit in unserem vorirdischen Dasein getroffen habt, dieser Sache verschrieben. Dort, beim großen Rat im Himmel, habt ihr euch entschieden, dem Willen eures himmlischen Vaters und seines Sohnes Jesus Christus zu gehorchen. Denkt daran: Ihr seid Söhne Gottes, die sich entschieden haben, dem Erretter zu folgen, als es wirklich darauf ankam, und das macht euch in der Tat zu großartigen Männern.

Aufgrund jener Entscheidung Gottes, die festlegte, dass ihr ewigen Fortschritt machen könnt, habt ihr einen physischen Körper erhalten und die Freiheit gewonnen, Gut statt Böse zu wählen, und jetzt wachst ihr auf und bereitet euch darauf vor, die Eigenschaften unseres Heilands anzunehmen. Ihr habt euch taufen lassen und den Heiligen Geist empfangen. Ihr lernt gerade, wer ihr seid, warum ihr hier seid und wohin ihr geht. Und jetzt habt ihr das Aaronische Priestertum empfangen!

Das Aaronische Priestertum ist das vorbereitende Priestertum, das für diese Vorbereitungszeit in eurem Leben bestimmt ist. Wie ihr jetzt dieses Priestertum tragt, wird euch darauf vorbereiten, in Zukunft die wichtigsten Entscheidungen zu treffen. Zu diesen Entscheidungen gehört, dass ihr das Melchisedekische Priestertum erhaltet, in den Tempel geht, eine Mission erfüllt, eine Ausbildung erlangt, einen Beruf auswählt und eine Gefährtin wählt und im heiligen Tempel für Zeit und alle Ewigkeit gesiegelt werdet. Es gibt eine Zeit für jede unserer Entscheidungen. Sorgt dafür, dass ihr eure Entscheidungen zur rechten Zeit trefft. All diese Entscheidungen, die unseren Lebensweg bestimmen, werden in einer sehr betriebsamen, relativ kurzen Zeitspanne, in euren Zwanzigern, getroffen – in dem „Jahrzehnt der Entscheidung“, wie ich es nenne.

Während meiner Ausbildung zum Jetpiloten bereitete ich mich auf solch lebenswichtige Entscheidungen im Flugsimulator vor. Ich übte zum Beispiel zu entscheiden, wann ich aus dem Flugzeug abspringen musste, wenn die Feuerwarnlampe aufleuchtete oder der Jet zu trudeln begann. Ich erinnere mich an einen lieben Freund, der diese Vorbereitungen nicht traf. Er fand eine Möglichkeit, um das Simulatortraining herumzukommen und stattdessen Golf zu spielen oder schwimmen zu gehen. Er übte nie die Notfallmaßnahmen! Ein paar Monate später brach in seinem Flugzeug Feuer aus, und es trudelte brennend zur Erde. Als sein jüngerer Begleiter die Feuerwarnlampe sah, wusste er aufgrund der eingeübten Routine, wann er abspringen musste, und landete sicher mit dem Fallschirm. Mein Freund aber, der auf diese Entscheidung nicht vorbereitet war, blieb im Flugzeug und kam bei dem Absturz ums Leben.

In dem Jahrzehnt, das vor euch liegt, habt ihr nur begrenzt Zeit euch vorzubereiten. Für euch als Träger des Aaronischen Priestertums ist es wichtig, dass ihr euch jetzt vorbereitet. Ihr müsst für die wichtigen Entscheidungen, die ihr im nächsten Jahrzehnt eures Lebens treffen werdet, eure eigenen festgelegten Routinen entwickeln. Ihr müsst wissen, was ihr wann tun müsst, wenn ihr vor einer Entscheidung steht. Denkt daran, dass überhaupt keine Entscheidung zu treffen genauso tödlich sein kann wie eine falsche Entscheidung. Viele Entscheidungen, die ihr trefft oder nicht trefft, werden ewige Folgen haben.

Jetzt ist die Zeit, ein Jünger Jesu Christi zu werden, was bedeutet, dass man seine Einladung „Komm und folge mir nach!“ 2 annimmt. Das ist die Entscheidung, die wir im vorirdischen Dasein getroffen haben. Nun müssen wir sie hier in unserem irdischen Dasein erneut treffen, jeden Tag, in jeder Situation, indem wir den Namen Jesu Christi auf uns nehmen, an sein Sühnopfer denken und seine Gebote halten. Das haben wir bei unserer Taufe gelobt, und wir haben jede Woche die Gelegenheit, diese Bündnisse zu erneuern, wenn wir vom Abendmahl nehmen.

Jetzt ist die Zeit, uns zu organisieren und darauf vorzubereiten, den Heiligen Geist als unseren ständigen Begleiter zu haben. Das bedeutet, das zu tun, was eure Eltern und Führer euch beigebracht haben: die heiligen Schriften studieren, morgens und abends beten, auf anständiges, gepflegtes Aussehen achten, einem Plan folgen, Ziele setzen und erreichen, in eurem Handeln ehrlich sein, Verpflichtungen einhalten und des Priestertums würdig sein, das ihr tragt. Lebt immer, immer, nach den Maßstäben, die die Propheten in der Broschüre Für eine starke Jugend offenbart haben.

Jetzt ist die Zeit festzulegen, wer euer Freund sein soll, und würdig zu werden für eine rechtschaffene ewige Partnerin. Das ist sehr einfach, Brüder. Es ist, wie meine Mutter mich lehrte: „Gleich und gleich gesellt sich gern.“ Euer Freundeskreis kann euch dazu inspirieren, Großartiges zu leisten, oder verleiten, auf fremden und schlechten Pfaden zu wandeln. Wahre Freunde machen es einem leichter, nach dem Evangelium zu leben. Sie stellen uns nie vor die Wahl zwischen ihren Wegen und den Wegen des Herrn. Sie helfen uns, die Art Mensch zu sein, die andere wahre Freunde anzieht. Und sie helfen uns, die Art Mensch zu werden, die sich eine rechtschaffene Partnerin für die Ewigkeit erwählen kann. Wenn ihr diese Art Freunde möchtet, fragt euch: „Bin ich so ein Freund für andere? Bin ich die Art Mensch, wie ich mir meine ewige Partnerin vorstelle?“

Jetzt ist die Zeit, sich auf Mission vorzubereiten. Abhängig von euren jeweiligen Umständen kann es euch möglich sein, eine Vollzeitmission zu erfüllen. Das ist wichtig, aber denkt daran, dass es sogar noch wichtiger ist, auf dem Weg zu eurer Mission in den Tempel zu gehen. Die Mission ist eine unschätzbare Gelegenheit, Tempelbündnisse zu erfüllen, indem man nach dem Gesetz der Weihung lebt – man gibt dem Herrn all seine Zeit, Fähigkeiten und Talente und dient ihm mit ganzem Herzen, aller Macht, ganzem Sinn und aller Kraft. Ich hatte immer das Gefühl, dass die zwei Jahre, die man dient, ein Zehnter an Zeit für die ersten zwanzig Jahre des Lebens sind. Aber selbst wenn es euch nicht möglich ist, eine Vollzeitmission zu erfüllen, könnt ihr euch auf den Tag in der Zukunft vorbereiten, an dem die Zeit gekommen ist, in den Tempel zu gehen, um heilige Bündnisse zu schließen, damit ihr eure ewigen Segnungen erhalten könnt.

Jetzt ist die Zeit, sich auf eine Ausbildung und einen Beruf vorzubereiten. Als junge Männer des Aaronischen Priestertums befindet ihr euch im Praktikum für das Leben. Euer Eifer jetzt in der Schule wird es euch ermöglichen, in der Zukunft Präsident Hinckleys Rat zu folgen, euch so viel Bildung anzueignen, wie ihr könnt. 3 Entscheidet euch jetzt, in der Schule und bei der Arbeit euer Bestes zu geben. Dann werdet ihr, wenn die Gelegenheiten an die Tür klopft, bereit sein zu öffnen und sie euch zunutze zu machen. Wir sollten alle daran denken: „Jedem Menschen ist … eine Gabe gegeben.“ 4 Entwickelt eure Gaben und Talente. Junge Männer, sucht gebeterfüllt Klassen, Kurse und Jobs aus, die euch auf bedeutendere Möglichkeiten und größere Verantwortung in der Zukunft vorbereiten.

Jetzt ist die Zeit, gehorsam zu sein. Im vorirdischen Dasein gab es keinen selektiven Gehorsam für uns. Wir haben uns nicht ausgesucht, welchen Teil des ewigen Plans wir befolgen wollten. Diese Lektion habe ich bei meinem ersten nächtlichen Alleinflug während der Pilotenausbildung gelernt, als wir alle angewiesen wurden: „Fliegt nachts keine Kunststücke! Ihr seid Anfänger ohne Instrumentenflug-Ausbildung.“ Einige Zeit später beschloss ein sonst guter Pilot und wundervoller Freund, diesen Befehl nicht zu befolgen. Als er im Nachthimmel über Texas Loopings und Rollen flog, schaute er durch die Cockpithaube und dachte, er sähe die Sterne über sich, aber in Wirklichkeit sah er die Lichter von Ölbohrtürmen unter sich. Er hatte Schwindelgefühle: Die Beschleunigungskräfte, die auf sein Flugzeug wirkten, ließen ihn annehmen, er fliege richtig herum, obwohl er tatsächlich auf dem Kopf flog. Als er den Knüppel zog, um höher in den Nachthimmel zu steigen, tauchte er Richtung Erde ab und stürzte in die blinkenden Lichter der Ölfelder unter sich.

Wenn man ein Flugzeug steuert und die Richtung nur um jeweils ein Grad ändert, kann das Innenohr diesen Richtungswechsel nicht wahrnehmen. Brüder, alt oder jung, wenn wir selektiven Gehorsam üben, ändern wir unsere Richtung zum Herrn – und zwar in der Regel jeweils nur um ein Grad. Wenn die täuschenden Kräfte des Widersachers an uns arbeiten, können wir sie nicht entdecken; wir erleben geistige Schwindelgefühle. Während es so scheint, als seien wir auf dem sicheren Weg, steuern wir tatsächlich geradewegs in die Katastrophe. Im vorirdischen Dasein war unsere Entscheidung, dem Herrn zu folgen, eine Alles-oder-Nichts-Entscheidung. Wenn wir diesem Muster in unserer irdischen Bewährungszeit folgen, wird das jeden von uns zum himmlischen Vater zurückbringen.

Jetzt ist die Zeit, unsere Zeit richtig zu nutzen. „Dieses Leben ist die Zeit, da der Mensch sich vorbereiten soll, Gott zu begegnen.“ 5 Ich bezeuge, dass ihr ausreichend Zeit auf der Erde haben werdet, wenn ihr in eurer Jugend lernt, sie weise zu nutzen. „O denke daran, mein Sohn, und lerne Weisheit in deiner Jugend; ja, lerne in deiner Jugend, die Gebote Gottes zu halten.“ 6

Jetzt ist die Zeit, euer Geburtsrecht zu schützen. Gegen Ende seines Lebens gab Jakob, der Prophet im Alten Testament, jedem seiner Söhne einen väterlichen Segen. Ruben war der Erstgeborene, und nur für ihn war der besondere Erstgeburtssegen vorgesehen. Aber in seinem Segen sagte sein Vater zu ihm, er sei „[unbeständig] wie Wasser. Der Erste sollst du nicht bleiben.“ 7 Denkt einen Moment darüber nach, was der Ausdruck unbeständig wie Wasser bedeutet. Wenn Wasser erhitzt wird, verdampft es. Wenn es abkühlt, gefriert es. Wenn es nicht kanalisiert ist, verursacht es Erosion und zerstört, was immer ihm in den Weg kommt.

Als Träger des Aaronischen Priestertums habt auch ihr ein Geburtsrecht. Ich fordere euch auf, gehorsam und stark zu sein. Ich fordere euch auf, nicht zuzulassen, dass eure Entschlossenheit nachlässt und euer Vorsatz, dem Heiland zu folgen, sich verflüchtigt. Seid fest wie ein Felsen darin, das Evangelium zu leben. Keiner von uns kennt all die Segnungen, die uns erwarten. Wir können diese Segnungen nur verlieren, indem wir sie durch Ungehorsam preisgeben. Gebt euer ewiges Erbe nicht für die Dinge dieser Welt auf. Lasst uns gehorsam sein und uns jetzt bereitmachen, unser herrliches Geburtsrecht in Ehren zu halten, zu beschützen und in Empfang zu nehmen.

Junge Männer, ihr seid die lebendige Kraft der Heerschar des Herrn, die jungen Soldaten dieser Letzten Tage. 8 „Was auch immer ihr sät, das werdet ihr auch ernten.“ 9 Angesichts der herrlichen Ernte, die vor uns liegt, lade ich euch ein, darüber nachzusinnen, auf welche Weise ihr im kommenden Jahrzehnt Entscheidungen trefft.

Das Gesetz der Ernte bietet uns ein Muster dafür, wie man Entscheidungen trifft. Da du weißt, dass du ein Sohn Gottes bist, bereite den Boden durch Gebet vor. Säe den Samen, indem du dich mit denen berätst, die vernünftigen Rat geben; dann trachte nach der Führung des Heiligen Geistes. Lass den Samen der Inspiration wachsen. Die aufkeimenden Ideen brauchen Pflege. Sie brauchen Zeit zum Reifen. Das Licht der Inspiration wird die geistige Ernte bringen, die wir erhalten, wenn wir den himmlischen Vater im Gebet fragen, ob wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Wenn wir diesem Licht folgen, wird die Finsternis verschwinden und das „Licht wird heller und heller bis zum vollkommenen Tag“ 10 – jenem Tag, da wir in der Gegenwart unseres Vaters im Himmel sind.

Und schließlich: Sei da. Jeder von uns war da beim Rat im Himmel, um für den großen Plan des Glücklichseins zu stimmen, den wir jetzt haben. Junge Männer, wenn ihr euch gegenüber euch selbst, eurer Familie, eurem Bischof, eurem Arbeitgeber verpflichtet habt, dann seid da. Wenn es Zeit ist, in der Kirche zu sein oder bei der gemeinsamen Aktivität oder einen Priestertumsauftrag auszuführen, dann seid da. Wenn es Zeit ist, die Schule oder einen Kurs erfolgreich zu beenden, dann seid da. Wenn es Zeit ist, eine Mission zu erfüllen, dann seid da. Wenn das Mädchen, das ihr am meisten liebt, am Altar in Gottes heiligem Tempel kniet, dann seid da (und nicht als Zeuge). Wenn eure Familie im celestialen Reich versammelt ist, dann seid da. Wenn der Erretter darauf wartet, euch bei eurer ehrenvollen Rückkehr vom Leben auf dieser Erde zu begrüßen, und euer himmlischer Vater euch in die Arme seiner Liebe schließen will, dann seid da.

Nach eurem Jahrzehnt der Entscheidungen geht weiter – vorwärts und aufwärts. „Steht auf, [ihr] Männer Gottes!“ 11 Seid ein treuer Ehemann und Vater. Seid treu. Steht auf und seid der würdigen Töchter Gottes würdig, die uns unterstützen und uns zur Seite stehen. Mögen wir sie so ehren, wie wir den Herrn ehren.

Ich gebe Zeugnis, dass euer himmlischer Vater weiß, dass ihr heute Abend hier seid. Ihr seid Teil seiner Heerschar, nämlich „viel tausend tapfre Menschen des Heilgen Geistes voll, so folgen sie dem Meister und singen freudevoll: Uns der Sieg, uns der Sieg, durch den, der uns erlöst so gern! Uns der Sieg, uns der Sieg, durch Christum, unsern Herrn.“ 12 Er ist da, er will uns bei sich haben, er führt uns, und unser Sieg kommt durch ihn. Das bezeuge ich im Namen Jesu Christi. Amen.

Quellenangaben anzeigen

  1.  

    1. „Sieh unsres Gottes Heerschar“, Gesangbuch (1977), Nr. 112

  2.  

    2. Lukas 18:22

  3.  

    3. Siehe „Rat und Gebet eines Propheten für die Jugend“, Liahona, April 2001, Seite 34

  4.  

    4. LuB 46:11

  5.  

    5. Alma 34:32

  6.  

    6. Alma 37:35

  7.  

    7. Genesis 49:3,4

  8.  

    8. Siehe Alma 53

  9.  

    9. LuB 6:33

  10.  

    10. LuB 50:24

  11.  

    11.  Hymns, Nr. 323

  12.  

    12.  Gesangbuch (1977), Nr. 112