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Herbst 2007 | Glaube, Familie, Fakten und Früchte

Glaube, Familie, Fakten und Früchte

Herbst 2007 Generalkonferenz

Der zunehmende Bekanntheitsgrad der Kirche und die immer häufiger gestellten Fragen bieten uns hervorragende Gelegenheiten, Brücken zu schlagen, Freundschaften zu schließen und korrekte Informationen weiterzugeben.

Brüder und Schwestern, seit der 150-Jahr-Feier im Jahr 1997 verzeichnen wir weltweit eine immense Zunahme an Fragen über die Kirche. Dieses wachsende Interesse wird durch unser schnelles Wachstum, durch Ereignisse wie die Olympischen Winterspiele hier in Salt Lake City und durch den Bekanntheitsgrad erzeugt, den viele Mitglieder in ihrem Beruf erreicht haben.

Ich bin mir sicher, dass diese Fragen nicht nur an die Kirche gerichtet werden, sondern auch an Sie, die einzelnen Mitglieder. Es ist nicht leicht, jemandem, der nur wenig oder nichts über uns weiß, etwas so Komplexes wie die Kirche oder etwas so Wunderbares wie das wiederhergestellte Evangelium zu erklären. Es kann sogar schwierig sein, Fragen zu einem bestimmten Punkt zu beantworten, da jede Frage anscheinend mit anderen Fragen verknüpft ist. Die Bitte, die wir am häufigsten hören, ist ziemlich einfach; sie lautet in etwa so: „Erzählen Sie mir ein wenig über Ihre Kirche.“ Das Schlüsselwort hierbei ist „wenig“. Die Bitte lautet nicht: „Erzählen Sie mir alles, was Sie wissen, und schicken Sie mir dann jemanden, der mir alles andere erzählt.“

Natürlich freuen wir uns über das Interesse der Menschen, und viele möchten ja auch mehr über unsere Lehren und unseren Glauben erfahren. Deswegen haben wir über 53 000 Vollzeitmissionare, die auf eigene Kosten überall auf der Welt ihren Dienst verrichten.

Aber wir müssen bedenken, dass es einen Unterschied gibt zwischen Interesse und bloßer Neugier. Manchmal möchte jemand nur wissen, was die Kirche ist. Wer so allgemein seine Wissbegier befriedigen will, verdient eine klare und genaue Auskunft direkt von uns Mitgliedern, damit er sich nicht auf unvollständige Antworten, Halbwahrheiten oder falsche Aussagen stützen muss, die man vielleicht durch die Medien oder von anderen Außenstehenden erhält. Die vielen Missverständnisse und Fehlinformationen über die Kirche sind zum Teil selbstverschuldet, weil wir nicht klar sagen, wer wir sind und was wir glauben.

Das Komitee für Öffentlichkeitsarbeit, dem ich angehöre, hat festgestellt, dass ein großer Bedarf an klaren, einfachen Aussagen besteht, die denen, die neugierig sind, die Grundlagen der Kirche, wie sie heute ist, darlegen. Ich möchte Ihnen einiges erläutern, was sich als hilfreich erwiesen hat. Sie können eine eigene Liste von Stichpunkten erstellen, mit deren Hilfe Sie Ihren andersgläubigen Freunden und Bekannten schildern können, was wir glauben. Vielleicht ist es für Sie genauso eine Hilfe wie für mich, ein Blatt mit ein paar Fakten über die Kirche, wie sie heute ist, zur Hand zu haben. Dieses kann man anderen dann zusammen mit den Glaubensartikeln aushändigen.

Hier sind vier Themen, die Menschen in der heutigen Zeit helfen, eine grundlegende Vorstellung von der Kirche zu erhalten. Unter jeder der vier Überschriften gibt es ein paar einfache Aussagen, die sich bei mir bewährt haben. Versuchen Sie sich vorzustellen, dass sie jemand liest oder hört, der so gut wie nichts über uns weiß. Bei den vier Hauptthemen geht es um Fakten, Glauben, Familie und Früchte des wiederhergestellten Evangeliums.

Fakten

Zu den Fakten gehört beispielsweise:

  • Erstens: „Mormonen“ ist ein Spitzname für die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Die Mitglieder werden oft als „Mormonen“, „Heilige der Letzten Tage“ oder „Heilige“ bezeichnet. Der Ausdruck „Heiliger“ bedeutet „Mitglied“.

  • Zweitens: Die Kirche wurde im Jahr 1830 im Norden des Staates New York wiederhergestellt. Joseph Smith war der erste Prophet und Präsident. Heute befindet sich der Hauptsitz der Kirche in Salt Lake City und Präsident Gordon B. Hinckley ist der derzeitige Prophet.

  • Drittens: Die Kirche hat gegenwärtig über 13 Millionen Mitglieder in 176 Ländern und Gebieten. Ungefähr sechs Millionen leben in den Vereinigten Staaten, und damit sind wir die viertgrößte christliche Gemeinschaft in Amerika. Als eine der am schnellsten wachsenden christlichen Glaubensgemeinschaften der Welt stellen wir an jedem Werktag ein neues Gemeindehaus fertig. Die Mitglieder zahlen den Zehnten, also zehn Prozent ihres Einkommens, und ermöglichen dadurch dieses und andere Programme.

  • Viertens: Die örtlichen Gemeinden werden auf ehrenamtlicher Basis von Mitgliedern geleitet, die dafür kein Geld erhalten. Sowohl Männer als auch Frauen werden in Führungspositionen berufen.

  • Und fünftens: Mormonen sind in Politik und Staat gut vertreten (in den Vereinigten Staaten beispielsweise gehören 16 Mitglieder aus beiden politischen Lagern dem Kongress an). Zudem haben in aller Welt Mitglieder hohe und verantwortungsvolle Positionen in der Wirtschaft, in den Bereichen Medizin, Recht, Bildung, Medien, Sport oder in der Unterhaltungsbranche inne.

Glaube

Als Nächstes müssen die Menschen etwas über unseren Glauben als engagierte Christen mit festen, traditionellen Werten erfahren. Im Zusammenhang mit den Glaubensartikeln müssen wir betonen:

  • Wir glauben, dass die Seele ewig besteht, dass Gott der Vater unseres Geistes ist und dass wir nach dem Tod zu ihm zurückkehren können.

  • Wir glauben, dass Jesus Christus unser persönlicher Erretter ist, und wir bemühen uns, unser Leben nach ihm und seinen Lehren auszurichten. Wir gedenken des Sühnopfers Christi in unserem Gottesdienst am Sonntag, ähnlich der Kommunion in anderen Kirchen. Wir akzeptieren jeden als Mitchristen, der glaubt, dass Jesus Christus der Sohn Gottes und der Erlöser der ganzen Menschheit ist. Vielen Christen ist nicht bewusst, dass wir viel mit ihnen gemeinsam haben. Joseph Smith sagte, dass Jesus Christus der Mittelpunkt unseres Glaubens und alles andere nur eine Zugabe ist (siehe Elders’ Journal, Juli 1838, Seite 44). Der Name der Kirche lautet Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

  • Wir glauben, dass die ursprüngliche Kirche, die Jesus gegründet hatte, verloren ging und in unserer Zeit wiederhergestellt worden ist. Das Priestertum – die dem Menschen gegebene Vollmacht, im Namen Gottes zu handeln – mit Aposteln und einem Propheten, der uns führt, ist wiederhergestellt worden samt allen zur Errettung notwendigen heiligen Handlungen.

  • Wir glauben an die Bibel und wir verwenden sie, das Alte wie das Neue Testament.

  • Und wir glauben an das Buch Mormon und weitere heilige Schriften, die die Bibel untermauern und bestätigen und das Wirken und die Göttlichkeit Christi und die fortlaufende Offenbarung Gottes an die Menschheit bezeugen. Das Buch Mormon ist wahrhaftig „ein weite- rer Zeuge für Jesus Christus“.

Familie

Die nächste wichtige Information für die Menschen ist, dass die Familie eine wichtige Rolle in der Lehre und in unserem Leben spielt. Auch hier machen einfache Aussagen jemandem, der nicht viel weiß und nur interessehalber fragt, deutlich, wie wichtig die Familie für uns ist.

  • Mormonen legen besonderen Nachdruck darauf, dass die Familie die Grundeinheit der Kirche und der Gesellschaft ist. Wir treten entschieden für die Ehe ein (definiert als die Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau). Die Vielehe, die früher, in den Pioniertagen der Kirche, in begrenztem Maß praktiziert wurde, wurde 1890, also vor 117 Jahren, abgeschafft.

  • Familien und Einzelne, ob sie nun unserer Kirche angehören oder nicht, können am Sonntag die Versammlungen in unseren Gemeindehäusern besuchen. Hier verehren wir zusammen Gott und belehren einander aus den heiligen Schriften.

  • Die Familien in der Kirche sind dazu angehalten, wöchentlich, gewöhnlich am Montagabend, den Familienabend abzuhalten. Somit gibt es einen regelmäßigen, festen Termin, an dem die Eltern ihren Kindern Werte vermitteln und in heiterer Runde mit ihnen zusammen sein können. Wir laden diejenigen, die nicht unseres Glaubens sind, dazu ein, diesen Brauch in ihrer Familie einzuführen.

  • Die Kirche unterhält zur Unterstützung der Familie Hilfsorganisationen für Frauen, Jugendliche und Kinder. Diese Organisationen bieten religiöse Anleitung, Gelegenheit für christliches Dienen, Sport, Theater, Musik und Pfadfinderaktivitäten.

  • Auch dem erweiterten Familienkreis, der Ahnenforschung und der eigenen Familiengeschichte wird viel Bedeutung beigemessen. Dadurch wird Jung und Alt ein stärkeres Gefühl für ihre Wurzeln, Identität und Zugehörigkeit vermittelt. Die wichtigsten und heiligsten Riten unseres Glaubens haben mit der Familie zu tun, sowohl mit unseren lebenden als auch unseren verstorbenen Angehörigen, und einige dieser heiligen Handlungen werden im Tempel vollzogen.

Früchte

Nun kann zwar jemand ein paar Fakten über uns erfahren und sich anhand dessen, was wir glauben, und der Bedeutung, die wir der Familie beimessen, ein genaueres Bild von uns machen, doch der Erlöser hat gesagt: „An ihren Früchten … werdet ihr sie erkennen.“ (Matthäus 7:20; Hervorhebung hinzugefügt.) Jede Kirche oder Lebensweise muss anhand der hervorgebrachten Früchte oder Ergebnisse beurteilt werden. Ich habe hier ein paar Beispiele aus Statistiken aus den Vereinigten Staaten. Sie wären wohl überall auf der Welt bei praktizierenden Mormonen ähnlich (mit praktizierend meine ich diejenigen, die regelmäßig in die Kirche und in den Tempel gehen).

  • Eine dieser Früchte ist ein längeres Leben. Studien belegen, dass praktizierende Mormonen gesünder sind und daher länger als der landesweite Durchschnitt leben. 1833 offenbarte der Herr dem Propheten Joseph Smith das „Wort der Weisheit“, das beschreibt, welchen Lebensstil man pflegen muss, um lang und gesund leben zu können.

  • Zweitens liegt bei denen, die im Tempel geheiratet haben und diesen regelmäßig besuchen, die Scheidungsrate weit unter dem Landes- und Weltdurchschnitt.

  • Drittens erreichen wir ein Bildungsniveau, das über dem Landesdurchschnitt liegt.

  • Viertens gibt es über 70 000 Mitglieder, die ehrenamtlich auf eigene Kosten 18 bis 24 Monate lang im Bereich humanitäre Hilfe, im Kirchendienst oder als Vollzeitmissionar irgendwo auf der Welt dienen.

  • Und fünftens legen wir großen Wert auf Eigenständigkeit und eine hohe Arbeitsmoral. Wir halten die Mitglieder dazu an, sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen und anderen zu dienen. Die Kirche spendet immer wieder für humanitäre Einsätze rund um den Erdball beträchtliche Gelder, Waren und Dienstleistungen, darunter unzählige Arbeitsstunden, in denen Mitglieder nach einer Katastrophe aufräumen oder helfen.

Brüder und Schwestern, ich habe festgestellt, dass sich die meisten Menschen in der heutigen schnelllebigen Welt nur mit ein paar wichtigen Fakten auf einmal beschäftigen. Was auch immer Sie auswählen, um Ihre Freunde und Bekannten über die Kirche zu informieren, schreiben Sie es auf, überprüfen Sie die Richtigkeit und halten Sie es einfach und kurz.

Der zunehmende Bekanntheitsgrad der Kirche und die immer häufiger gestellten Fragen bieten uns hervorragende Gelegenheiten, Brücken zu schlagen, Freundschaften zu schließen und korrekte Informationen weiterzugeben. Dies stellt aber gleichzeitig auch eine größere Gefahr für Missverständnisse dar, und manchmal entstehen sogar Vorurteile, wenn wir es anderen überlassen, zu erklären, wer wir sind und was wir glauben, statt es selbst zu tun.

Im Allgemeinen gibt es damit keine Probleme bei denen, die persönlich mit unseren Mitgliedern bekannt sind. Doch es gibt Abermillionen, die kein Mitglied unserer Kirche kennen. Ich würde mir wünschen, dass diejenigen, die sehr wenig über die Kirche wissen, gerne mehr über uns erfahren wollen. Ich würde mir wünschen, sie würden unsere Mitglieder kennenlernen, statt uns anhand von Fehlinformationen zu beurteilen, die von Unkundigen und in manchen Fällen sogar von Menschen verbreitet werden, die absichtlich falsch informieren oder verleumden.

Sie als Mitglieder können mithelfen, dass dies geschieht, indem Sie auf andere zugehen und die grundlegenden Informationen aus den Glaubensartikeln sowie etwas über Fakten,Glaube,Familie und Früchte des Evangeliums an sie weitergeben.

Wir sollten auch bedenken, dass wir dem Interesse anderer Menschen oft am besten damit begegnen, wie wir leben, wie wir die Freude am Evangelium in unserem Leben ausstrahlen, wie wir andere behandeln und wie gewissenhaft wir die Lehren Christi befolgen.

Wenn jemand mehr wissen möchte als die Grundzüge, die ich angesprochen habe, kann man die Missionare hinzuziehen. Diese können ihm anhand Kapitel 3 in der Anleitung Verkündet mein Evangelium! die Lehre erläutern. Die Missionare wissen, wie sie weitere Fragen beantworten und den Betreffenden zur Bekehrung und Taufe führen können.

Jetzt ist es für uns alle an der Zeit, auf andere zuzugehen und ihnen zu sagen, wer wir sind. Tragen Sie ein paar einfache Fakten zusammen wie die, über die ich heute gesprochen habe. Erzählen Sie denen, die wissbegierig sind, ein wenig über die Kirche, und wecken Sie dann in ihnen den Wunsch, mehr über die Wiederherstellung des Evangeliums zu erfahren.

Brüder und Schwestern, zögern Sie nie, aufrichtig und liebevoll Ihr Zeugnis zu geben. Die Macht des persönlichen Zeugnisses lässt sich nicht leugnen. Oft entfacht sie in anderen den Wunsch, mehr zu erfahren. Ich weiß, dass dem so ist, und gebe Ihnen mein vollkommenes Zeugnis davon, dass ich weiß, dass die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wahr ist. Dieses Zeugnis gebe ich Ihnen im Namen Jesu Christi. Amen.