Reicher Segen

Thomas S. Monson

President of the Church


Unser Zeugnis ist gestärkt worden. Ich glaube, wir sind nun alle noch fester entschlossen, nach den Grundsätzen des Evangeliums Jesu Christi zu leben.
 

Ich bin schon seit langer Zeit ein Konferenzbesucher. Aber ich glaube, ich habe mich noch nie so reich gesegnet gefühlt wie in dieser Versammlung. Wir haben von zahlreichen Sprechern ein Schnellfeuer an Botschaften gehört, und jeder einzelne hat ein sehr wichtiges Thema angesprochen. Wir hatten heute ein vielfältiges Festmahl des Glaubens, der Liebe und der guten Ratschläge. Mögen wir all dies in unserem Leben verankern.

Bruder Ballard, vor ein paar Jahren musste meine liebe Frau ins Krankenhaus. Den Kindern ließ sie einen Zettel da, auf dem stand: „Liebe Kinder, lasst Vati nicht an die Mikrowelle“, – dann kam ein Komma – „und lasst ihn auch nicht an den Herd, die Geschirrspülmaschine oder den Wäschetrockner.“ Ich möchte diese Liste lieber nicht weiter fortführen.

Ich glaube, Bruder Uchtdorf hat die Frage gestellt: „Sie haben den Zuhörern heute ja von Ihrem mütterlichen Erbe erzählt. Wie steht es denn um Ihr väterliches Erbe?“ Ich schließe also mit ein paar Bemerkungen über mein väterliches Erbe.

Der Vater meines Vaters kam aus Schweden und seine Frau aus England. Sie begegneten sich bei der Überfahrt auf dem Schiff. Er wartete ab, bis sie erwachsen war, und dann machte er ihr einen Heiratsantrag. Sie heirateten im Salt-Lake-Tempel, und er trug in sein Tagebuch ein: „Heute ist der glücklichste Tag meines Lebens. Mein Schatz und ich haben im heiligen Tempel für Zeit und Ewigkeit geheiratet.“

Drei Tage später, am 23. April 1898, notierte er: „Habe am Rio-Grande- Western-Bahnhof den Zug bestiegen und bin somit auf dem Weg, der mich irgendwann nach Skandinavien führen wird, wohin ich als Missionar berufen wurde.“ Und so fuhr er nach Schweden und verließ seine Braut nach nur drei Tagen.

Sein mit Bleistift geführtes Tagebuch hat mir ein Onkel vermacht, der aus irgendeinem Grund beschlossen hatte, mir seines Vaters Tagebuch zu hinterlassen. Der häufigste Eintrag in dem Tagebuch lautete: „Habe nasse Füße.“ Der schönste Eintrag aber war: „Wir waren heute bei den Janssons und haben dort Schwester Jansson kennengelernt. Sie hatte ein feines Essen für uns zubereitet. Sie ist ein gute Köchin.“ Und dann stand dort: „Alle Kinder haben gesungen oder Mundharmonika gespielt oder ein wenig getanzt, und dann zahlte sie ihren Zehnten. Fünf Kronen für den Herrn und eine für meinen Mitarbeiter, Elder Ipson, und eine für mich.“ Danach waren dann die Namen der Kinder aufgeführt.

Als ich sie in dem Tagebuch las, stand da der Name des Vaters meiner Frau unter den Angehörigen dieses Haushalts; wahrscheinlich hat er mitgesungen. Er sollte der Vater einer einzigen Tochter werden – des Mädchens, das ich geheiratet habe.

Als ich Frances das erste Mal sah, wusste ich, dass ich die Richtige gefunden hatte. Der Herr hat uns später noch einmal zusammengeführt, und ich bat sie, mit mir auszugehen. Ich ging zu ihr nach Hause, um sie abzuholen. Sie stellte mich ihren Eltern vor. Ihr Vater sagte: „Monson – das ist ein schwedischer Name, nicht wahr?“

Ich bejahte.

Er sagte: „Gut.“

Dann ging er in ein Nebenzimmer und holte ein Bild von zwei Missionaren mit Zylinder und Buch Mormon hervor.

„Sind Sie mit diesem Monson verwandt“, fragte er, „Elias Monson?“

Ich sagte: „Ja, das ist der Bruder meines Großvaters. Er war auch Missionar in Schweden.“

Da weinte ihr Vater. Er hatte überhaupt nah am Wasser gebaut. Er sagte: „Dieser Missionar und sein Mitarbeiter haben meiner Mutter und meinen Vater und alle meine Brüder und Schwestern und mich selbst das Evangelium gelehrt.“ Er gab mir einen Kuss auf die Wange. Da fing auch ihre Mutter an zu weinen und gab mir einen Kuss auf die andere Wange, woraufhin ich mich nach Frances umsah. Sie sagte: „Ich hole meinen Mantel.“

Meine liebe Frances ist vor ein paar Jahren schwer gestürzt. Sie kam ins Krankenhaus, wo sie etwa 18 Tage lang im Koma lag. Ich saß an ihrem Bett, und sie rührte sich kein bisschen. Die Kinder weinten, die Enkelkinder weinten und ich auch. Nicht ein Zucken!

Eines Tages jedoch schlug sie die Augen auf. Ich war noch nie so schnell an ihrer Seite gewesen. Ich gab ihr einen Kuss, umarmte sie und sagte: „Du bist wieder da! Ich liebe dich.“ Und sie sagte: „Ich liebe dich auch, Tom, aber jetzt stecken wir ganz schön in Schwierigkeiten.“ Ich dachte: Was für Schwierigkeiten können das schon sein, Frances? Sie sagte: „Ich habe vergessen, unsere vierteljährliche Einkommensteueranmeldung abzuschicken.“

Da sagte ich: „Frances, wenn du das gesagt hättest, bevor du mich geküsst hast und mir gesagt hast, dass du mich liebst, hätte ich dich womöglich hier liegen lassen.“

Brüder, behandeln wir unsere Ehefrauen doch mit Würde und Respekt. Sie sind unsere Gefährtinnen für die Ewigkeit. Schwestern, erweisen Sie Ihren Ehemännern Ehre. Sie brauchen ein gutes Wort von Ihnen. Sie brauchen ein freundliches Lächeln. Sie brauchen ein von Herzen kommendes Zeichen wahrer Liebe.

Lassen wir meine Familie nun aber einstweilen beiseite, Brüder und Schwestern. Diese Konferenz war wunderbar. Wir sind durch kluge und inspirierte Botschaften erbaut worden. Unser Zeugnis ist gestärkt worden. Ich glaube, wir sind nun alle noch fester entschlossen, nach den Grundsätzen des Evangeliums Jesu Christi zu leben.

Wir haben nicht nur gute Ansprachen genießen dürfen, sondern sind auch durch herrliche Musik aufgerichtet worden. Es ist für uns in der Kirche ein großer Segen, dass wir an den musikalischen Talenten anderer teilhaben dürfen. All die Chöre, die wir an den vergangenen beiden Tagen gehört haben, haben ihre Sache gut gemacht.

Ich möchte mich bei allen von Herzen bedanken, die hier mitgewirkt haben, und auch bei Ihnen allen, die Sie zugehört haben. Ich habe gespürt, dass Sie für mich gebetet haben. Es hat mir in den zwei Monaten, seit Präsident Hinckley von uns gegangen ist, geholfen und gut getan. Ich möchte Ihnen noch einmal danken, dass Sie mich bestätigt haben.

Ich kann nicht annähernd sagen, wie dankbar ich für die Wiederherstellung des Evangeliums in den Letzten Tagen bin und was sie für mein Leben bedeutet hat. Jeder Einzelne von uns, der dem Erlöser gefolgt ist und der sich an die Grundsätze seines Evangeliums gehalten hat, hat seinen Einfluss gespürt und ist davon geprägt worden.

Den Eltern unter Ihnen sage ich: Zeigen Sie Ihren Kindern, dass Sie sie lieb haben. Sie wissen ja, dass Sie sie lieb haben, aber sorgen Sie dafür, dass sie es auch wissen. Sie sind sehr kostbar. Sie sollen es wissen. Rufen Sie den himmlischen Vater um Hilfe an, wenn Sie sich Tag für Tag darum kümmern, was sie brauchen, und sich den Sorgen stellen, die die Elternschaft so mit sich bringt. Sie müssen sich bei der Erziehung auf mehr stützen als auf Ihre eigene Weisheit.

Wir sind voll des Lobes für unsere wunderbaren jungen Mitglieder, die sich dem Laster in der Welt entgegenstellen und nach besten Kräften nach den Geboten leben.

Denen, die in den Tempel gehen können, rate ich, es oft zu tun. Es trägt zu einer Stärkung der Ehe und der Familie bei.

Wir wollen nett zueinander sein, uns der Nöte des anderen bewusst sein und uns bemühen, diesen Nöten abzuhelfen.

Meine lieben Brüder und Schwestern, ich habe Sie lieb und ich bete für Sie. Bitte beten Sie für mich. Dann werden wir gemeinsam den Segen ernten, den unser himmlischer Vater für jeden von uns bereithält. Das ist mein Gebet, meine Bitte, der ich mein Zeugnis hinzufügen möchte. Dieses Werk ist wahr. Im Namen Jesu Christi. Amen.