Dienen – eine göttliche Eigenschaft

Carlos H. Amado

Of the First Quorum of the Seventy


Wer dient, trachtet danach, seine Mitmenschen zu veredeln, zu erbauen und aufzurichten.
 

Alles, was Jesus für unsere Erret- tung getan hat, ist einzigartig. In den etwa drei Jahren seines Wirkens war er imstande, das Erlösungswerk zustande zu bringen. Heute möchte ich auf vor allem auf drei Zwecke eingehen, die das Erdenleben des Erlösers hatte.

1. Sein Sühnopfer

Der wichtigste und großartigste Zweck lag in dem einzigartigen und erstaunlichen Auftrag, den er von seinem Vater erhalten hatte: ein unbegrenztes und ewiges Sühnopfer für die gesamte Menschheit zu vollbringen.

Als der einziggezeugte Sohn des himmlischen Vaters im Fleisch hatte er alle göttlichen Eigenschaften seines Vaters, von seiner irdischen Mutter Maria aber alle Eigenschaften eines sterblichen Menschen geerbt.

Allein sein Opfer konnte uns aus unserem irdischen und gefallenen Zustand retten (siehe Alma 34:8-14). Er kam zu genau dem Zweck auf die Welt, sein Leben hinzugeben, denn nur sein Leben konnte uns ewiges Leben bringen.

Kein anderes sterbliches Wesen, das in Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft auf Erden lebte, lebt oder noch leben wird, kann für unsere Sünden sühnen. Er ist unser Erretter und Erlöser (siehe Johannes 3:16).

Er wird wiederkehren, um unter uns mit großer Macht und Herrlichkeit zu regieren und zu herrschen.

2. Seine Lehre

Der zweite Zweck seines Lebens unter uns lag darin, die Lehre zu verkünden, die er von seinem Vater gelernt hatte. Sie schließt die Verordnungen und Bündnisse der Errettung und Erhöhung mit ein (siehe Markus 1:27, Johannes 7:16).

In seiner Lehre geht es um Liebe, Vergebungsbereitschaft und Barmherzigkeit. Sie zeigt, wie man in Frieden und Eintracht unter den Menschen leben und zu Gott zurückkehren kann, um bei ihm zu leben.

3. Sein Dienst an den Kindern Gottes

Der dritte Zweck lag darin, das Reich Gottes aufzubauen, indem er anderen diente. Diese Art von Führung war neu. Dienen ist ein Kennzeichen seiner Nachfolger – eine göttliche Eigenschaft.

„Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es.

Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.

Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“ (Johannes 13:13-15.)

Er lebte, um das Evangelium vom Reich Gottes zu verkünden und alle Arten von Krankheit zu heilen (siehe Matthäus 4:23,24). Seine Lehre zu verkünden und unseren Mitmenschen zu dienen sind zwei Aufgaben, die wir bei unserer Taufe angenommen haben. Dadurch werden wir zu wahren Dienern Christi.

Einmal hatte er, nachdem er seine Lehre verkündet hatte, mit den Menschen Mitgefühl und vollbrachte das Wunder, Brot und Fisch zu vermehren und die Menge zu speisen. Dadurch offenbarte er uns seinen Charakter, der von Mitgefühl und Dienst am Nächsten geprägt war. Am nächsten Tag war die Menschenmenge, weil es ja etwas zu essen gegeben hatte, sogar noch größer. Er lehrte die Menschen mit Bestimmtheit, den Blick auf die Ewigkeit gerichtet:

„Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid.

Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird.“ (Johannes 6:26,27.)

Als Kirche ist es unsere Aufgabe, den Hungrigen speisen, dem Kranken zu helfen, den Nackten zu kleiden und dem Notleidenden Obdach zu geben. Durch das Fastopfer mildern wir die grundlegenden und dringenden Bedürfnisse der Mitglieder, und mit dem Wohlfahrtsplan helfen wir, die längerfristigen Bedürfnisse zu stillen. Bei Naturkatastrophen leisten wir unseren Brüdern und Schwestern, die nicht unserer Kirche angehören, humanitäre Hilfe.

Ohne diese zeitlichen Bedürfnisse zu vernachlässigen, verrichtet die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, so wie der Herr es ihr geboten hat, den erhabensten und vornehmsten Dienst überhaupt: Sie segnet alle Menschen, indem sie ihnen die Lehre Christi verkündet und sie einlädt, die errettenden heiligen Handlungen zu empfangen, damit sie Unsterblichkeit und ewiges Leben erlangen mögen (siehe Mose 1:39).

Eine Änderung im Denken und in der Einstellung

Ich weiß, dass Gott uns liebt. Er gestattet uns, unsere Entscheidungsfreiheit zu nutzen, selbst dann, wenn wir sie missbrauchen. Er erlaubt uns, eigene Entscheidungen zu treffen.

Jesus kann uns nicht helfen, wenn wir ihm nicht vertrauen; er kann uns nicht lehren, wenn wir ihm nicht dienen. Er zwingt uns nicht, das Richtige zu tun, aber er zeigt uns den Weg, wenn wir uns dazu entschließen, ihm zu dienen. Wenn wir in seinem Reich dienen wollen, verlangt Jesus von uns, dass wir unser Denken und unsere Einstellung ändern.

„Denn wie soll jemand einen Herrn kennen, dem er nicht gedient hat und der für ihn ein Fremder ist und der den Gedanken und Absichten seines Herzens ferne steht?“ (Mosia 5:13.)

Die Segnungen des Dienens

Ich bezeuge, dass wir den Herrn kennenlernen, wenn wir unseren Mitmenschen dienen.

Das Dienen stärkt uns im Glauben, wir machen uns in Gottes Reich nützlich. Das Dienen gibt unserem Leben ein Ziel, es macht uns Mut. Es bringt uns Gott näher und hilft uns, unser göttliches Wesen zu veredeln. Es lehrt uns, unsere Mitmenschen zu lieben und zu verstehen, und hilft uns, unsere eigenen Wünsche zu vergessen und Selbstsucht, Stolz und Undankbarkeit abzulegen. Es lehrt uns, an die Bedürfnisse anderer zu denken, wodurch wir die Tugenden entwickeln können, die der Erlöser hat.

Güte, Liebe, Geduld, Verständnis und Einigkeit nehmen zu, wenn wir dienen, Intoleranz, Eifersucht, Neid, Habgier und Selbstsucht nehmen ab oder verschwinden. Je mehr wir geben, desto besser sind wir in der Lage, zu dienen, zu verstehen und zu lieben.

Wer dient, ist immer bestrebt, Gott zu gefallen und mit ihm im Einklang zu leben. Er wird von Frieden erfüllt, hat einen heiteren Gesichtsausdruck und ein freundliches Wesen.

Wer dient, trachtet danach, seine Mitmenschen zu veredeln, zu erbauen und aufzurichten; deswegen sieht er das Gute in anderen und findet weder Grund noch Zeit, gekränkt zu sein. Er entwickelt die Tugend, für diejenigen zu beten, die Kritik üben. Er erwartet weder Anerkennung noch Lohn. Er besitzt die Liebe Christi.

Wer dient, ist immer bereit, seinen Besitz und sein Wissen mit anderen zu teilen, und zwar jederzeit, überall und mit allen Menschen.

Wer dient, erhält sich selbst in der Not die lebendige Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Er bleibt inmitten einer Krise standhaft, denn seine Hoffnung liegt in Christus.

Wer dient, nimmt seine Aufträge demütig an und erkennt seine Grenzen, ist aber davon überzeugt, dass man zu zweit alles erreichen kann, was man sich vornimmt, solange einer der beiden Beteiligten Gott ist.

Von Gott inspiriert verkündete König Benjamin: „Wenn ihr im Dienste eurer Mitmenschen seid, [seid] ihr nur im Dienste eures Gottes.“ (Mosia 2:17.) Wer dient, versteht das Wesen und die Eigenschaften Gottes besser.

Wer mit Hingabe dient, selbst wenn nicht alles wie erwünscht ausfällt, ist nicht leicht entmutigt, müde oder frustriert, denn er geht nie dessen verlustig, was ihm verheißen ist, nämlich innerer Friede und dass der Heilige Geist bei ihm ist.

Wir dienen in aller Welt und vor der eigenen Haustür

In der Kirche gibt es zehntausende Mitglieder, die in über 170 Ländern in den unterschiedlichsten Sprachen selbstlos dienen. Sie dienen uneigennützig, indem sie führen, lehren und für andere sorgen, ohne finanziellen oder materiellen Lohn, ohne Beifall oder weltliche Anerkennung. Sie geben von ihrer Zeit, ihren Talenten und ihren Mitteln; sie opfern alles, was sie haben, bewirken viel und leisten Erstaunliches. Nach einiger Zeit werden sie entlassen und andere bekommen die Gelegenheit, ihren Mitmenschen zu dienen.

Dank der Lehre und des Dienstes Christi ist die wiederhergestellte Kirche Jesu Christi ein ständiger Segen für ihre Mitglieder. Wir danken Gott für einen jeden von Ihnen, den treuen Heiligen, der die Freude verspürt hat, die das Dienen mit sich bringt, der sie jetzt spürt und der sie verspüren wird, wenn er anderen dient. Wir beten, dass Gott Sie stets dafür segnen möge. Im Namen Jesu Christi. Amen.