Besondere Erlebnisse und Erfahrungen

Ronald A. Rasband

Of the Presidency of the Seventy


Ein jeder von uns hat auf seinem Lebensweg viele besondere Erlebnisse und Erfahrungen, die zu Bausteinen für den Glauben und das Zeugnis werden.
 

Auch ich möchte an diesem be- sonderen Tag mein Zeugnis hinzufügen, dass Präsident Thomas S. Monson der Prophet des Herrn auf Erden ist. Ich bin dankbar, dass ich bei der Generalkonferenz sprechen darf.

Ich bin wie Sie dankbar für das, was wir bei dieser historischen Konferenz erleben: Auf geordnete und vorgegebene Weise bestätigen wir unseren neuen Propheten, unsere neue Erste Präsidentschaft sowie weitere Führer der Kirche.

Derartige Erlebnisse festigen unser Zeugnis und lassen unseren Glauben wachsen, weil wir wissen, dass dies tatsächlich die wahre und lebendige Kirche des Herrn ist.

Ein jeder von uns hat auf seinem Lebensweg viele besondere Erlebnisse und Erfahrungen, die zu Bausteinen für den Glauben und das Zeugnis werden. Diese Erlebnisse und Erfahrungen sehen für jeden von uns ganz unterschiedlich aus und kommen oft unerwartet. Es kann sich um eindrucksvolle Ereignisse, die unseren Geist ansprechen, handeln oder um kurze Augenblicke der Erleuchtung. Einige Erfahrungen stellen sich in Form großer Schwierigkeiten und schwerer Prüfungen ein, die unsere Fähigkeit, sie zu bewältigen, auf die Probe stellen. Wie diese Erfahrungen aber auch aussehen mögen: Jede einzelne gibt uns die Gelegenheit, zu wachsen, klüger zu werden, und – in vielen Fällen – anderen mit mehr Einfühlungsvermögen und Liebe zu dienen. Der Herr versicherte dem Propheten Joseph Smith im Gefängnis zu Liberty in einer seiner schwersten Stunden: „Wisse, mein Sohn, dass dies alles dir Erfahrung bringen und dir zum Guten dienen wird.“ (LuB 122:7.)

Je mehr Erfahrungen wir sammeln, desto mehr verstärken und unterstützen sie einander. So wie die einzelnen Bausteine eines Hauses das gesamte Gebäude stützen, werden auch unsere persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen zu Bausteinen unseres Zeugnisses, die unseren Glauben an den Herrn Jesus Christus vertiefen.

Gerade diese Konferenzversammlung verdeutlicht, wie wertvoll ein Leben voller Erfahrungen ist. Nachdem wir dem weisen Rat unserer Führer folgen und über ihre Worte und den Geist, den sie ausstrahlen, staunen, ist es da ein Wunder, dass sich der Herr den dienstältesten seiner Apostel nach Jahren der Vorbereitung als seinen Propheten erwählt?

Mein Patriarchalischer Segen besagt, dass ich besondere Erfahrungen machen würde, die mein Zeugnis stärken. Brüder und Schwestern, welche besonderen Erfahrungen durften Sie machen, denen Sie die Überzeugung und Freude, die Sie im Herzen tragen, verdanken? Wissen Sie noch, wie es war, als Ihnen klar wurde, dass Joseph Smith der Prophet war, durch den Gott das Evangelium wiederhergestellt hat? Erinnern Sie sich, wie Sie die Aufforderung Moronis annahmen und erkannten, dass das Buch Mormon wahrlich ein weiterer Zeuge für Jesus Christus ist? Erinnern sie sich, wie ein inbrünstiges Gebet erhört und Ihnen bewusst wurde, dass der himmlische Vater Sie persönlich kennt und liebt? Stimmt der Gedanke an besondere Erfahrungen dieser Art Sie nicht dankbar und weckt in Ihnen den Entschluss, mit frischem Glauben und neuer Bestimmtheit voranzugehen?

Vor kurzem haben meine Frau und ich etwas erlebt, was wir nie vergessen werden. Ich war beauftragt, den Vorsitz bei zwei Pfahlkonferenzen in Peru zu führen. Als wir dort waren, fuhren wir nach Puno, eine Stadt hoch in den Anden am Titicacasee. Sie liegt mehr als 3600 Meter über dem Meeresspiegel, und ihre Schlichtheit und Schönheit versetzte uns in Staunen. Wir trafen uns mit den Pfahlpräsidenten aus der Region und hatten eine schöne Fireside mit hunderten von Jugendlichen aus dem Gebiet rings um Puno.

An einem Morgen wurden wir eingeladen, eine kleine Gruppe der dortigen Mitglieder zu besuchen, die auf den schwimmenden Schilfinseln des Titicacasees zu Hause ist. Die Menschen, die dort leben, sind als die Uro-Indianer von Bolivien und Peru bekannt.

Uns wurde gesagt, dass sich einige Familien, die der Kirche angehören, zusammengetan und ihre eigene kleine, neue, schwimmende Insel gebaut hatten. Begeistert fuhren wir mit einem Boot zu der Insel und wurden von diesen guten Mitgliedern herzlich willkommen geheißen.

Wir hielten ihre Babys, die in wunderschöne, bunte, handgefertigte Decken gewickelt waren, auf dem Arm. Wir aßen den Fisch, den sie am selben Tag im See gefangen und sorgfältig zubereitet hatten und nun großzügig mit uns teilten. Wir sahen uns ihre Waren und Handarbeiten an und tauschten mit ihnen Geschenke aus.

Bei unserem Besuch erfuhren wir, dass ihre Kinder, um in Puno zum Seminar und in die Schule zu gehen, jeden Tag hin und zurück jeweils 45 Minuten mit dem Kanu paddeln. Es freute uns auch, dass diese Mitglieder die heiligen Schriften gut kannten, sie verstanden und liebten. Freudig zeigten sie uns ihre gültigen Tempelscheine; sie hatten im Cochabamba-Tempel in Bolivien das Endowment empfangen und waren dort gesiegelt worden.

Kurz vor unserer Abreise bat eine der Mütter uns, mit ihnen niederzuknien und ein Familiengebet zu sprechen. Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich mit diesen glaubenstreuen Heiligen auf dem schwammigen Schilf kniete. Als wir niederknieten, bat sie mich, das Gebet zu sprechen und kraft des Melchisedekischen Priestertums ihre neue Insel und Wohnstatt zu weihen.

Es stimmte mich sehr demütig, dass dort, auf den schwimmenden Inseln des Titicacasees, diese glaubenstreuen Familien von Heiligen der Letzten Tage mich baten, für die kleine Insel Apu Inti zu beten und den Herrn zu bitten, das Zuhause und die Familien der Lujanos und Jallahuis zu segnen.

Wenn ich an dieses besondere Erlebnis, das der Herr uns geschenkt hat, zurückdenke, wird mir bewusst, dass mein Haus des Glaubens um einen Baustein erweitert worden ist. Ich betrachte das, was ich dort in Puno erlebt habe, oft als weiteres Zeichen dafür, dass mein Patriarchalischer Segen in Erfüllung geht.

Das Geleitwort zum Buch Lehre und Bündnisse wurde 1831 niedergeschrieben und sagt voraus, wie sich das Werk des Herrn in unserer Zeit ausweitet. Darin offenbarte der Herr :

„Damit jedermann im Namen Gottes, des Herrn, ja, des Erretters der Welt, sprechen könne; damit auch der Glaube auf Erden zunehme; damit mein immerwährender Bund aufgerichtet werde; damit die Fülle meines Evangeliums durch die Schwachen und die Einfachen bis an die Enden der Welt … verkündigt werde.“ (LuB 1:20-23.)

Brüder und Schwestern, die schwachen und einfachen Mitglieder der Kirche wie Sie und ich bringen das Evangelium an die Enden der Erde, nach Puno in Peru und zu anderen weit entfernten Orten. Der Glaube nimmt unter dem Bundesvolk Gottes zu, und ich glaube, das kann jedem von uns eintreten, der einen eigenen Schatz an solch kostbaren Erfahrungen und Erlebnissen hat.

Präsident Monson hat gesagt: „[Der Herr] gebietet. Und denen, die ihm gehorchen, offenbart er sich, unabhängig davon, ob sie klug oder weniger gebildet sind. Er zeigt sich ihnen in den Kämpfen, den Schwierigkeiten und Leiden, die sie als seine Jünger bestehen müssen, und aus eigener Erfahrung erkennen sie dann, wer er ist.“ (Zitiert in „Die Weise des Meisters“, Liahona, Januar 2003, Seite 7; Zitat aus Albert Schweitzer, The Quest of the Historical Jesus, 1948, Seite 401; Hervorhebung hinzugefügt.)

Behalten wir doch gerade in der heutigen Zeit, in der Weltliches in unser Leben dringt und Prüfungen und Schwierigkeiten uns zu verschlingen scheinen, unsere besonderen geistigen Erlebnisse im Gedächtnis. Diese Bausteine für den Glauben bringen uns die Überzeugung und Gewissheit, dass der Vater im Himmel, der sich um uns sorgt und uns liebt, und unser Herr und Erlöser, Jesus Christus, wirklich leben und dass sie ihre wahre und lebendige Kirche wiederhergestellt haben. Das bezeuge ich im Namen Jesu Christi. Amen.