Weil mein Vater das Buch Mormon gelesen hatte

Marcos A. Aidukaitis

Of the First Quorum of the Seventy


Ich fordere alle, die mich heute hören, auf, das Buch Mormon zu lesen, und die Verheißung darin auszuprobieren. Jeder, der dies tut, wird wissen, dass es wahr ist.

Guten Morgen, liebe Brüder und Schwestern, ich freue mich sehr und fühle mich geehrt, dass ich heute zu Ihnen sprechen darf. Ich bitte Gott, dass er meine Worte lenkt und dass sein Geist mit uns ist, denn so „verstehen der, der predigt, und der, der empfängt, einander, und beide werden erbaut und freuen sich miteinander“ (LuB 50:22).

Für mich ist der 2. Juni 1940 ein sehr wichtiger Tag in der Geschichte meiner Familie. An diesem Tag ließ sich mein Vater taufen und wurde Mitglied dieser Kirche.

Elder Jack McDonald, einer der Missionare, die meinen Vater tauften, beschrieb in einem Brief an seinen Vater diesen Tag folgendermaßen:

„Der letzte Sonntag war ein besonders schöner Tag. Wir Missionare gingen zu einem abgelegenen Ort am Flussufer außerhalb der Stadt, und dort vollzogen Elder Jones und ich [Elder McDonald] unsere erste Taufe. Antony Aidukaitis stieg in das eiskalte Wasser und wurde ein Mitglied der Kirche. … Alles war vollkommen. Der Himmel war so blau, die Landschaft so friedlich und grün, es war so herrlich, dass wir alle sehr stark die Anwesenheit des Geistes verspürten.

[Auf dem Rückweg] sagte dieses neue Mitglied, dass er nicht beschreiben könne, wie wunderbar dieser Tag für ihn gewesen sei, dass er sich wirklich wie ein neuer Mensch vorkomme. … Dies war unsere erste Taufe – sie war weder mein Verdienst noch das eines anderen. Er hat sich selbst bekehrt.“

Dieses Ereignis hat den Lauf meines Lebens verändert. Ich bin mir nicht so sicher, ob mein Vater damals ahnte, wie weise seine Entscheidung war, aber ich liebe ihn für das, was er an jenem Tag getan hat. Er ist vor über dreißig Jahren gestorben, aber ich werde seinen Namen auf ewig ehren und preisen.

Die Eltern meines Vaters kamen aus Litauen, doch er wurde in Schottland geboren. Er zog nach Brasilien, als er noch jung war. Seine Englischkenntnisse erleichterten seine Bekehrung, da er das Buch Mormon auf Englisch lesen konnte; damals gab es noch keine verlässliche Übersetzung ins Portugiesische. Diese Sprachbarriere hinderte meine Mutter ein paar Jahre lang daran, sich der Kirche anzuschließen, doch als sie es dann tat, wurde sie in unserer Familie ein machtvolles Vorbild an Engagement für andere und Liebe zu Gott. Sie ist jetzt 92 Jahre alt, und sie ist heute hier. Ich freue mich sehr, sagen zu können, dass ich sie wegen ihrer großen Glaubenstreue liebe. Auch ihren Namen werde ich ewig ehren und preisen.

Ich bewundere den Mut meines Vaters, sich trotz der Verhältnisse, denen er sich ausgesetzt sah, taufen zu lassen. Es war nicht einfach für ihn. Seine Frau ließ sich nicht zusammen mit ihm taufen. Die Laster Alkohol und Rauchen waren große Versuchungen für ihn. Er war arm. Seine Mutter war gegen seine Taufe, und sie sagte ihm, dass sie ihn nicht länger als ihren Sohn ansehen würde, wenn er sich taufen ließe. In Brasilien gab es weniger als 300 Mitglieder, und die Kirche hatte dort kein einziges Gemeindehaus. Ich kann nur über die Entschlossenheit und den Mut meines Vaters staunen.

Wie konnte er eine solche Entscheidung unter so ungünstigen Bedingungen treffen? Die Antwort ist einfach: weil mein Vater das Buch Mormon gelesen hatte. Als er es las, erlangte er die Gewissheit, dass die Botschaft der Wiederherstellung wahr ist. Das Buch Mormon ist ein Beweis dafür, dass die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wahr ist. In der Anleitung Verkündet mein Evangelium! heißt es: „Das Buch Mormon ist, zusammen mit dem Geist, das machtvollste Werkzeug bei der Bekehrung.“ (Seite 122.)

Präsident Gordon B. Hinckley hat gesagt: „Wer [das Buch Mormon] gebeterfüllt gelesen hat, der ist unter seinem Einfluss geistig gewachsen, unabhängig davon, ob er arm oder reich, gebildet oder ungebildet war. …

Ich verheiße Ihnen vorbehaltlos: Wenn Sie das Buch Mormon gebeterfüllt lesen – unabhängig davon, wie oft Sie es bereits gelesen haben –, wird der Geist des Herrn [in Ihrem Herzen] … sein. Sie werden sich noch fester entschließen, Gottes Gebote zu befolgen, und Sie werden ein festeres Zeugnis empfangen, dass der Sohn Gottes wirklich lebt.“ („Das Buch Mormon“, Der Stern, Oktober 1988, Seite 7.)

Diese Verheißungen haben sich bei meinem Vater und in meiner Familie erfüllt. Gemäß dem, was uns gelehrt wurde, lesen wir als Familie täglich in den heiligen Schriften. Das machen wir schon seit vielen Jahren. Wir haben das Buch Mormon mehrere Male mit der Familie gelesen und werden es auch künftig tun. Wie es verheißen wurde, ist der Geist des Herrn stärker in unserem Leben und unserer Familie zu spüren, und wir sind noch fester entschlossen, Gottes Gebote zu befolgen, und haben ein festeres Zeugnis empfangen, dass der Sohn Gottes wirklich lebt.

Wenn man weiß, dass das Buch Mormon wahr ist, weiß man auch, dass Joseph Smith von Gott berufen wurde, die Kirche Jesu Christi auf Erden wiederherzustellen. Man weiß, dass Joseph Smith den Vater und den Sohn gesehen hat. Man weiß, dass es nur einen Glauben und eine gültige Taufe gibt. Man weiß, dass es heute einen Propheten Gottes auf Erden gibt und dass er alle Schlüssel des Priestertums innehat und auch das Recht, diese auszuüben wie Petrus vor alters. Man weiß, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist und man nur durch seinen Namen Errettung erlangen kann. Man weiß, dass Gott, der Vater, lebt und dass er uns liebt. Man weiß, dass sein Erlösungsplan vollkommen ist, und man hat den Wunsch, die heiligen Handlungen zu vollziehen, nach den Geboten zu leben und bis ans Ende auszuharren.

Ich bin traurig, wenn jemand, dem das Buch Mormon gegeben wurde und dem all dies erklärt wurde, sich trotzdem weigert, es zu lesen. Ich bin traurig über Menschen, die sich von anderen beeinflussen lassen, die sich weigern, das Buch zu untersuchen, und es als wertlos beiseitelegen, die niemals die geistige Fülle genießen, die es zu bieten hat. Das ist mir völlig unverständlich. Das ist so, als würde ein Kind, das von seinem liebevollen Vater getrennt ist, sich weigern, einen Brief von ihm zu lesen, und noch nicht einmal den Umschlag öffnen. Wer sich so entscheidet, ist wie ein verwöhntes Kind, das sich sträubt, das Essen wenigstens zu kosten, das seine Mutter so liebevoll zubereitet hat.

Gott offenbart seine Wahrheit, wenn die Menschen sich an die Aufforderung in Moroni 10:3-5 halten. In der Anleitung Verkündet mein Evangelium! wird Moronis Auftrag so zusammengefasst:

  • Erstens, „das Buch Mormon lesen und über dessen Aussage über Jesus Christus nachdenken“.

  • Zweitens, „mit Glauben an Jesus Christus zu Gott beten, um das Zeugnis zu erlangen, dass das Buch Mormon wahr ist und dass Joseph Smith der Prophet der Wiederherstellung ist“.

  • Drittens, „aufrichtig und mit wirklichem Vorsatz beten, was bedeutet, dass sie sich vornehmen, entsprechend der Antwort, die sie von Gott erhalten, auch zu handeln“. (Seite 129f.)

Denen, die sagen, man könne all das gar nicht wissen, bezeuge ich, dass dies durchaus möglich ist, wenn wir demütig genug sind, das zu tun, was Gott uns durch seine Propheten auf Erden gesagt hat. Würde man etwas anderes glauben, würde man die absurde Theorie akzeptieren, dass Gott nicht wisse, wo die Wahrheit zu finden sei, und nicht die Macht habe, sie uns zu zeigen. Nur weil jemand nicht gemäß der Verheißung dieses Buches gehandelt hat, heißt das nicht, dass andere dies ebenfalls nicht getan haben.

Warum ich den Namen meines Vaters liebe und ehre? Weil mein Vater die Verheißung im Buch Mormon las und demgemäß handelte. Warum ich den Namen meines Vaters liebe und ehre? Weil er sich nicht von der Antwort abwandte, die er erhielt, obwohl er vor großen Schwierigkeiten stand. Warum ich den Namen meines Vaters liebe und ehre? Weil er mein Leben verbessert hat, noch bevor ich geboren wurde, weil er den Mut hatte, das zu tun, was Gott von ihm erwartete.

Ich fordere alle, die mich heute hören, auf, das Buch Mormon zu lesen, und die Verheißung darin auszuprobieren. Jeder, der dies tut, wird wissen, dass es wahr ist.

Ich gebe Zeugnis davon, dass das Buch Mormon das Wort Gottes ist. Durch dieses Zeugnis weiß ich, dass Joseph Smith ein Prophet Gottes ist. Ich weiß, dass er das Buch Mormon nicht geschrieben, sondern durch die Macht Gottes übersetzt hat. Ich weiß, dass Thomas S. Monson heute ein Prophet Gottes auf Erden ist, der einzige Mensch auf der Erde, der alle Schlüssel des Priestertums innehat und auch das Recht hat, diese auszuüben. Ich weiß, dass Jesus Christus unser Erretter ist und dass er lebt. Ich weiß, dass Gott lebt und uns liebt. Im Namen Jesu Christi. Amen.