Heimkehr

Elder Eduardo Gavarret

Of the First Quorum of the Seventy


Wie enorm es sich doch auf das Leben vieler Menschen auswirkt, wenn wir der Aufforderung des Erretters nachkommen, seine Schafe zu weiden!

In meiner Heimatstadt Minas in Uruguay wird es im Winter sehr kalt. Bei Sonnenuntergang legte meine Mutter immer Holzklötze in den Kamin, damit es im Esszimmer warm war, und dorthin kamen wir, meine Eltern, meine Schwestern und ich, einer nach dem anderen, sobald unsere täglichen Aufgaben erfüllt waren. Diese Behaglichkeit, die die Wärme des Kamins schuf, und die Anwesenheit eines jeden Mitglieds der Familie weckten Gefühle in mir, die ich immer schätzen und bewahren werde.

Nachdem meine Frau und ich unsere eigene Familie gegründet hatten, versammelten wir uns auch häufig, ob nun am Kamin oder einfach in der Wärme, die wir immer empfinden, wenn wir mit unseren Kindern zusammen sind.

Das ist ein herrliches Gefühl. Unser Zuhause ist ein wunderbarer Ort, eine Zuflucht.

Über die Jahre hinweg lebte unsere Familie in verschiedenen Ländern, und in jedem fanden wir in der Kirche bei den Mitgliedern jeder Gemeinde, die wir besuchten, dasselbe Gefühl der Wärme.

Jedes Mitglied der Kirche sollte Gelegenheit haben, solch angenehme Gefühle zu erleben – etwas, was ihnen die Gelegenheit dazu verschafft, sind unsere Anstrengungen bei der Reaktivierung und Missionsarbeit.

Ich möchte Ihnen berichten, was sich in einigen Pfählen und Distrikten in Peru zugetragen hat, und werde dabei auch einige Familiennamen nennen: Familie Causo, Familie Banda, Familie Vargas – die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Auf ihr stehen 1700 Namen von Mitgliedern, die heimgekehrt sind. Es sind Mitglieder aus verschiedenen Gemeinden, Zweigen, Pfählen und Distrikten überall in Peru, die von Pfahlpräsidenten, Bischöfen und den Führungskräften der Kollegien und Hilfsorganisationen eingeladen wurden, nach Hause zu kommen. Sie nahmen diese Einladung an, die von Priestertumsführern, Vollzeitmissionaren und anderen ausgesprochen wurde, die die Aufgabe übernommen hatten, ihnen zu helfen, in die Kirche zurückzukehren und zu Christus zu kommen. Jedem von ihnen sagen wir: „Willkommen. Willkommen daheim!“

Wodurch wurde es diesen Menschen möglich, heimzukehren? Es war die gemeinsame Anstrengung von 14 Pfählen und vier Distrikten einer Mission, die ein Jahr lang daran arbeiteten, die Rückkehr dieser Menschen durch Reaktivierung und die heiligen Handlungen Taufe und Konfirmierung zu bewirken.

Dieser Einsatz war inspiriert von den Worten des Erlösers – „Liebst du mich? … Weide meine Schafe!“ (Johannes 21:16) – und von dieser Aussage aus dem Mund von Präsident Thomas S. Monson: „Im Laufe der Jahre haben wir diejenigen, die weniger aktiv sind, die sich gekränkt fühlen, die kritisch sind oder die übertreten haben, immer wieder eindringlich gebeten, zurückzukommen. ‚Kommt zurück und speist an der Tafel des Herrn, kostet erneut die süßen und sättigenden Früchte der Gemeinschaft mit den Heiligen.‘“(„Zurückschauen und vorangehen“, Liahona, Mai 2008, Seite 90.)

Alma litt sehr aus Sorge um die Seele seiner Brüder und bat den Herrn:

„O Herr, wollest du uns gewähren, dass wir Erfolg haben, sie in Christus wieder zu dir zu bringen.

Siehe, o Herr, ihre Seele ist kostbar, und viele von ihnen sind unsere Brüder; darum schenke uns, o Herr, Macht und Weisheit, dass wir diese unsere Brüder wiederum zu dir bringen können.“ (Alma 31:34,35.)

Präsident Angel Alarcón vom Pfahl Puente Piedra in Lima, Peru, erzählte mir folgendes Erlebnis: „Jeden Samstag von halb neun bis Mittag besuchen die Missionare, ein Bischof, einige Führungskräfte der Hilfsorganisationen und ich weniger aktive Mitglieder, Nichtmitglieder und Neubekehrte.“

An dieser Stelle seiner Geschichte kamen mir die Worte eines Kirchenliedes in den Sinn:

Tief in dem Herzen des Hirten
wohnen die Lämmer so klein.
Manche verließen die Weiden
und sind nun hilflos, allein.
All die verlorenen Lämmer
suchet der liebende Hirt;
die er so teuer erkaufte,
freudig nach Hause er führt.

Bruder Vargas, der in einer Gegend wohnte, die nur schwer zugänglich ist, erhielt eines Samstagmorgens einen Anruf. Es war Präsident Alarcón, der mit dem Handy anrief und seine Ankunft ankündigte. Bruder Vargas sagte daraufhin: „Das überrascht mich, mein Haus ist nur sehr schwer zu erreichen.“

Darauf kam als Antwort: „Ich stehe gerade vor Ihrer Tür, und ich möchte mit Ihnen sprechen. Wir brauchen Sie, und wir laden Sie ein, morgen zu den Versammlungen in die Kirche zu kommen.“

Der Mann, der seit vielen Jahren nicht mehr zur Kirche gekommen war, antwortete: „Ich werde da sein.“ Und so begann er seine Heimreise.

„Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen. …

Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25:35,36,40.)

Als ich vor einigen Wochen sonntags die Versammlungen besuchte, begegnete ich einem Bruder, der erstmals seit vielen Jahren wieder gekommen war. Seine Frau, die kein Mitglied der Kirche war, begleitete ihn.

Als ich ihn fragte, warum er sich entschlossen habe, zurückzukehren, antwortete er: „Mein Freund Fernando und dieser gute Bischof haben mich eingeladen, und ich bin gekommen. Ich habe die Kirche vor vielen Jahren gefunden, und eine kleine Flamme lodert noch immer in meinem Herzen. Sie ist vielleicht nicht groß, aber sie ist da.“

Da sagte ich: „Nun, als deine Brüder werden wir sie gemeinsam anfachen, damit sie lebendig bleibt.“ Dann umarmten wir einander.

Wenn wir uns für unsere Brüder interessieren, ihnen Aufmerksamkeit schenken und uns um sie sorgen, tun wir damit deutlich kund, dass wir den himmlischen Vater lieben. Tatsächlich drücken wir unsere Liebe zu Gott dadurch aus, dass wir dienen und uns dabei vor allem auf das Wohl unseres Nächsten konzentrieren.

König Benjamin hat darüber gesagt: „Und siehe, ich sage euch dies, damit ihr Weisheit lernt, damit ihr lernt, dass, wenn ihr im Dienste eurer Mitmenschen seid, ihr nur im Dienste eures Gottes seid.“ (Mosia 2:17.)

Wie enorm es sich doch auf das Leben der vielen weniger aktiven Familien und der Menschen, die keine Mitglieder der Kirche sind, auswirken kann, wenn wir der Aufforderung des Erretters nachkommen, seine Schafe zu weiden und allen zu helfen, zu Christus zu kommen!

Diese Erlebnisse sind nur einige wenige Beispiele für all das, was tausende Brüder im Stillen tun und so der Aufforderung des Herrn folgen, seine Schafe zu weiden. Denken wir daran, dass Liebe und Dienen wie Zwillinge sind, die sich nicht voneinander trennen lassen.

Möge doch jeder von uns als deutlich sichtbaren Ausdruck unserer Liebe für den himmlischen Vater die Aufgabe annehmen, die wir als Mitglieder dieser Kirche haben – nämlich uns um diejenigen zu bemühen, die nicht bei uns sind. Wenn wir durch diesen liebevollen Dienst auch nur eine Seele zur Kirche bringen und wenn wir dies zu unserem Lebensziel machen, wie viel Freude wird das uns und denjenigen bringen, denen wir helfen, zu Christus zurückzukommen!

Hört doch sein inniges Rufen,
liebevoll bittet er heut:
Wollt ihr nicht helfen, zu suchen
alle, die weithin zerstreut?

Ich bezeuge, dass wir Söhne und Töchter eines himmlischen Vaters sind, der uns liebt und einen jeden von uns beim Namen kennt.

Ich gebe Zeugnis, dass unser Vater und der Erretter uns lieben. Er hat uns zuerst geliebt, und er hat uns seinen Sohn gegeben, damit wir durch ihn heimkehren können. Ich liebe ihn: meinen Erretter, meinen Herrn und Meister, meinen Erlöser. Im Namen Jesu Christi. Amen.