Hauptnavigation überspringen
Frühjahr 2009 | Glaube an den Herrn Jesus Christus

Glaube an den Herrn Jesus Christus

Frühjahr 2009 Generalkonferenz

In einem Haushalt des Glaubens gibt es keinen Grund, sich zu fürchten oder zu zweifeln. Entscheiden Sie sich dafür, im Glauben zu leben und nicht in Furcht.

Ich bitte demütig darum, dass der Heilige Geist bei uns sein möge, wenn ich nun über einen wesentlichen Grundsatz des Evangeliums spreche, nämlich den Glauben an den Herrn Jesus Christus. Mit tiefer Dankbarkeit und Liebe erkenne ich die großen Vorbilder in meinem Leben an, die wahren Glauben und wahre Treue gezeigt haben. Meinen guten Eltern, meiner Familie, Priestertumsführern, lieben Missionaren, meinen wunderbaren Kindern und meiner lieben Frau, die ich so sehr schätze, spreche ich meine tiefste Liebe und Dankbarkeit aus. Ich möchte sagen, dass ich selbst als Jünger und Zeuge Christi größeren Glauben benötige und mir wünsche. Noch nie im Leben habe ich Glauben dringender gebraucht als jetzt.

Als Eltern wurde uns geboten, unsere Kinder zu lehren, „die Lehre … vom Glauben an Christus, den Sohn des lebendigen Gottes … zu verstehen“ (LuB 68:25). Dazu gehört mehr, als im Glauben lediglich einen Evangeliumsgrundsatz zu sehen. „Wenn man Glauben hat, setzt man Vertrauen in etwas oder jemanden.“ (Bible Dictionary, „Faith“, Seite 669.) Wahrer Glaube muss auf Jesus Christus beruhen. „Glaube ist ein Grundsatz, der zur Tat drängt und Macht verleiht.“ (Bible Dictionary, Seite 670.) Er erfordert, dass wir etwas tun, nicht nur an etwas glauben. Glaube ist eine geistige Gabe von Gott, die durch den Heiligen Geist gewährt wird. Um glauben zu können, braucht man das richtige Verständnis und die richtige Erkenntnis von Jesus Christus, seinen göttlichen Eigenschaften und seinem vollkommenen Charakter, seinen Lehren, dem Sühnopfer, der Auferstehung und der Macht des Priestertums. Wenn wir diese Grundsätze befolgen, entwickeln wir vollkommenes Vertrauen in ihn und seine ordinierten Diener und sind uns seiner verheißenen Segnungen gewiss.

Es gibt nichts anderes, was uns absolute Gewissheit geben kann. Es gibt keine andere Lebensgrundlage, die uns diesen Frieden, diese Freude und diese Hoffnung schenken kann. In ungewissen und schwierigen Zeiten ist der Glaube wahrlich eine geistige Gabe, die größte Anstrengung verdient. Wir können unseren Kindern Bildung, Unterricht, Sport, Kunst und materiellen Besitz bieten, aber wenn wir ihnen keinen Glauben an Christus vermitteln, dann haben wir ihnen nicht viel gegeben.

„Der Glaube wird dadurch entfacht, dass man das Zeugnis derer hört, die Glauben haben.“ (Bible Dictionary, Seite 669; siehe auch Römer 10:14-17.) Wissen Ihre Kinder, dass Sie Gewissheit haben? Sehen und spüren sie Ihre Überzeugung? „Starker Glaube entwickelt sich durch Gehorsam gegenüber dem Evangelium Jesu Christi.“ (Bible Dictionary, Seite 669.)

Elder Bruce R. McConkie hat erklärt: „Glaube ist eine Gabe von Gott, die als Lohn für Rechtschaffenheit verliehen wird. Er wird immer dann gegeben, wenn Rechtschaffenheit vorhanden ist. Je größer das Maß des Gehorsams gegenüber Gottes Gesetzen, desto mehr Glaube wird gewährt.“ (Mormon Doctrine, 2. Auflage, 1966, Seite 264.) Wenn wir uns mehr Glauben wünschen, müssen wir gehorsamer sein. Wenn wir unseren Kindern durch Wort oder Tat beibringen, dass man es mit Gottes Geboten von Fall zu Fall nicht so genau nehmen muss, hindern wir sie daran, diese lebenswichtige geistige Gabe zu empfangen. Glaube erfordert, dass wir zu strengem Gehorsam bereit sind, auch in den kleinen, einfachen Dingen.

Der Wunsch ist ein Glaubenspartikelchen, das sich in uns entwickelt, wenn wir göttliche Wahrheit erfahren. Es geht um eine Art geistige Photosynthese. Der Einfluss des Heiligen Geistes, der durch das Licht Christi in jedem Menschen wirkt, ruft das geistige Gegenstück einer chemischen Reaktion hervor – ein Aufrütteln, eine Herzenswandlung, den Wunsch zu wissen. Wenn die Glaubenspartikelchen zu Molekülen werden und man einfache Versuche unternimmt, nach wahren Grundsätzen zu leben, entsteht Hoffnung.

Lernt man dann Schritt für Schritt Gehorsam, empfängt man auch die damit verbundenen Segnungen, und Überzeugung tritt zutage. Der Wunsch, die Hoffnung und die Überzeugung sind Formen des Glaubens. Der Glaube aber, der einem Macht verleiht, entsteht aus kontinuierlichem und überzeugtem Gehorsam. Für Rechtschaffenheit muss man sich entscheiden. Der Glaube ist eine Gabe Gottes, und wer sie besitzt, kann ungeheure geistige Macht empfangen.

Es gibt eine Art von Glauben, die sich dann entwickelt, wenn wir uns mit ganzem Herzen, aller Macht, ganzem Sinn und aller Kraft bemühen. Solchen Glauben erkennen und spüren wir in den Augen eines großartigen Missionars, einer mutigen und tugendhaften Jungen Dame, rechtschaffener Eltern und Großeltern. Man erkennt ihn im Leben junger und alter Menschen in jedem Land und jedem Kulturkreis – welche Sprache sie auch sprechen, in welchen Lebensumständen sie sich auch befinden und welchen Stand sie auch haben mögen. Es ist das „gläubige Auge“, von dem der Prophet Alma spricht (siehe Alma 5:15-26), die Fähigkeit, den Blick auf ein Ziel zu richten und standhaft zu sein, beständig an wahren Grundsätzen festzuhalten und nicht zu zweifeln – selbst dann nicht, wenn der Nebel der Finsternis, der uns umgibt, außerordentlich dicht ist. Diese Art von Glauben ist äußerst machtvoll.

Allerdings: „Es muss notwendigerweise so sein, dass es in allem einen Gegensatz gibt. … Der Herr, Gott, [hat] dem Menschen gewährt, für sich selbst zu handeln. Der Mensch könnte aber nicht für sich selbst handeln, wenn es nicht so wäre, dass er von dem einen oder dem anderen angezogen würde.“ (2 Nephi 2:11,16.) So ist es auch mit dem Glauben. Es kann verlockend sein, Zweifel und Unglauben dem Glauben vorzuziehen.

Als Jesus von dem überirdischen geistigen Erlebnis auf dem Berg der Verklärung zurückkehrte, kam ein verzweifelter Vater auf ihn zu, dessen Sohn Hilfe brauchte. Der Vater flehte: „Wenn du kannst, hilf uns; hab Mitleid mit uns!“

Jesus erwiderte: „Wenn du kannst? Alles kann, wer glaubt.

Da rief der Vater des Jungen: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9:22-24.)

Glaube und Furcht können nicht nebeneinander bestehen. Das eine muss dem anderen weichen. Die Sache ist ziemlich einfach: Wir alle müssen unseren Glauben beständig stärken und Quellen zerstörerischen Unglaubens überwinden. Das hat der Heiland zum Ausdruck gebracht, als er Glauben mit einem Senfkorn verglichen hat (siehe Matthäus 13:31,32). Man könnte es so sagen: Der Glaube, der uns netto zur Verfügung steht, ist das, was übrig bleibt, wenn wir alle Quellen unseres Zweifels und Unglaubens abgezogen haben. Sie können sich also fragen: „Liegt mein Nettoglaube im Plus oder im Minus?“ Ist Ihr Glaube größer als Ihre Zweifel und Ihr Unglaube, lautet die Antwort wahrscheinlich: im Plus. Erlauben Sie aber dem Zweifel und dem Unglauben, Sie zu beherrschen, könnte die Antwort lauten: im Minus.

Wir haben die Wahl. Wir bekommen das, worauf wir uns beständig konzentrieren. Da es in allem einen Gegensatz gibt, gibt es auch Kräfte, die an unserem Glauben nagen. Manche sind dem direkten Einfluss des Satans zuzuschreiben. Bei anderen jedoch liegt die Schuld allein bei uns. Sie sind zurückzuführen auf persönliche Neigungen, unsere Einstellung und Gewohnheiten, die wir aber ändern können. Ich nenne sie die „sechs destruktiven Kräfte“. Überlegen Sie, wenn ich sie nun aufzähle, welchen Einfluss sie auf Sie oder Ihre Kinder haben.

Erstens: der Zweifel. Der Zweifel ist kein Grundsatz des Evangeliums. Er entspringt weder dem Licht Christi noch dem Einfluss des Heiligen Geistes. Zweifel ist ein negatives Gefühl, eng verwandt mit Angst. Es entspringt mangelndem Selbstvertrauen oder mangelndem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Er ist unvereinbar mit unserer göttlichen Herkunft als Kind Gottes.

Zweifel führt zu Entmutigung. Entmutigung entsteht durch unerfüllte Erwartungen. Chronische Entmutigung führt dazu, dass man seine Erwartungen senkt, sich weniger anstrengt, nicht mehr so zielstrebig ist und es einem schwerer fällt, den Geist zu spüren und ihm zu folgen (siehe Verkündet mein Evangelium!, Seite 11). Entmutigung und Verzweiflung sind das genaue Gegenteil von Glaube.

Entmutigung führt zu Ablenkung, man konzentriert sich nicht mehr auf das Ziel. Ablenkung beseitigt das klare Ziel, das das „gläubige Auge“ braucht. Entmutigung und Ablenkung sind zwei der besten Werkzeuge des Satans. Sie sind aber auch schlechte Gewohnheiten.

Ablenkung führt zu einem Mangel an Eifer; es ist einem nicht mehr so wichtig, treu zu bleiben und trotz Mühsal und Enttäuschung vorwärtszustreben, bis das Ziel erreicht ist. Enttäuschung ist ein unumgänglicher Bestandteil des Lebens. Sie muss aber nicht zu Zweifel, Entmutigung, Ablenkung oder mangelndem Eifer führen.

Wenn diese Entwicklung nicht umgekehrt wird, führt sie schließlich zu Ungehorsam, der die eigentliche Grundlage des Glaubens zerstört. Das Ergebnis ist oft Unglaube, die bewusste oder unbewusste Weigerung zu glauben.

In den heiligen Schriften wird Unglaube so beschrieben, dass man bewusst das Herz verhärtet. Man hat kein Gefühl mehr dafür.

Diese sechs destruktiven Kräfte – Zweifel, Entmutigung, Ablenkung, Mangel an Eifer, Ungehorsam und Unglaube – nagen an unserem Glauben und zerstören ihn. Wir können uns aber dafür entscheiden, sie zu meiden und zu überwinden.

Schwierige Zeiten erfordern größere geistige Macht. Denken Sie gründlich über diese Verheißung des Herrn nach: „Wenn ihr Glauben an mich habt, werdet ihr Macht haben, alles zu tun, was mir ratsam ist.“ (Moroni 7:33.)

Ich verkünde demütig, dass Gott, unser himmlischer Vater, lebt und jeden von uns, seinen Kindern, liebt. Jesus Christus ist unser Erretter und Erlöser. Er lebt und führt seine Kirche durch Präsident Monson, seinen gesalbten Propheten. Weil er lebt, gibt es immer Hoffnung für uns, die unseren Weg erhellt. In einem Haushalt des Glaubens gibt es keinen Grund, sich zu fürchten oder zu zweifeln. Entscheiden Sie sich dafür, im Glauben zu leben und nicht in Furcht. Im heiligen Namen Jesu Christi. Amen.