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Herbst 2009 | Seid bereit

Seid bereit

Herbst 2009 Generalkonferenz

Ausschlaggebend ist die eigene Vorbereitung der Jungen Männer, die sich dafür entscheiden, ihre große Bestimmung als Priestertumsträger und Diener Gottes zu erfüllen.

Wo ich gehe und stehe, tags oder nachts, ist immer ein kleiner Behälter mit Olivenöl in greifbarer Nähe. Diesen hier bewahre ich in der mittleren Schublade des Schreibtischs, an dem ich arbeite, auf. Einen habe ich in der Tasche, wenn ich draußen arbeite oder unterwegs bin. Ein weiterer liegt zu Hause im Küchenschrank.

Dieser hier ist mit einem Datum versehen. An diesem Tag übte jemand die Macht des Priestertums aus, um das reine Öl für die Heilung von Kranken zu weihen. Die Jungen Männer im Aaronischen Priestertum und selbst ihre Väter mögen nun denken, meine Vorbereitungen seien ein wenig übertrieben.

Doch der Anruf am Tag oder das Klopfen an der Tür bei Nacht kommen jedes Mal überraschend. Dann heißt es: „Können Sie bitte ganz schnell kommen?“ Einmal, vor Jahren, rief ein Vater aus dem Krankenhaus an. Seine dreijährige Tochter war von einem Auto, das viel zu schnell gefahren war, fünfzehn Meter weit geschleudert worden, als sie über die Straße zu ihrer Mutter rennen wollte. Als ich im Krankenhaus eintraf, flehte der Vater darum, dass die Macht des Priestertums ihr Leben retten möge. Nur ungern gestatteten uns die Ärzte und Krankenschwestern, unsere Hände durch die Kunststoffabdeckung zu strecken, um einen Tropfen Öl auf die einzige freie Stelle zu träufeln, die nicht von dem großen Kopfverband bedeckt war. Ein Arzt sagte gereizt zu mir: „Beeilen Sie sich mit dem, was Sie vorhaben. Sie stirbt.“

Er täuschte sich. Sie blieb am Leben und lernte im Gegensatz zu der Ansicht des Arztes auch wieder laufen.

Als der Anruf kam, war ich bereit. Bereit zu sein bedeutete aber weitaus mehr, als nur geweihtes Öl griffbereit zu haben. Diese Vorbereitung muss lange vor dem Notfall beginnen, der die Macht des Priestertums erfordert. Wer bereit ist, kann dem Ruf folgen.

Die Vorbereitung beginnt in der Familie, in den Kollegien des Aaronischen Priestertums und vor allem im Leben der Jungen Männer. Die Kollegien und die Familien müssen sie unterstützen, ausschlaggebend ist aber die eigene Vorbereitung der Jungen Männer, die sich dafür entscheiden, ihre große Bestimmung als Priestertumsträger und Diener Gottes zu erfüllen.

Die heranwachsende Generation von Priestertumsträgern ist für viel Höheres bestimmt, als nur bereit zu sein, Gottes Macht herabzurufen, um die Kranken zu heilen. Sie bereiten sich darauf vor, hinzugehen und alles zu tun, was der Herr ihnen aufträgt, da sich die Welt auf sein Kommen vorbereitet. Keiner von uns weiß genau, was für Aufträge das sein werden. Aber wir wissen, was nötig ist, um bereit zu sein. Also kann sich jeder vorbereiten.

Was ihr im entscheidenden Moment braucht, entwickelt ihr nach und nach, indem ihr beständig gehorsam dient. Ich nenne euch zweierlei, was ihr braucht, und sage euch, welche Vorbereitung dazu nötig ist.

Als Erstes braucht ihr Glauben. Das Priestertum ist die Vollmacht, im Namen Gottes zu handeln. Es ist das Recht, die Mächte des Himmels herabzurufen. Deshalb müsst ihr daran glauben, dass Gott lebt und dass ihr sein Vertrauen gewonnen habt und daher seine Macht für seine Absichten einsetzen könnt.

Ein Beispiel aus dem Buch Mormon macht deutlich, wie ein Mann sich dafür bereit gemacht hat. Ein Priestertumsträger namens Nephi erhielt einen sehr schwierigen Auftrag vom Herrn. Gott sandte ihn aus, schlechte Menschen zur Umkehr zu rufen, ehe es zu spät für sie war. In ihrer Schlechtigkeit und ihrem Hass brachten sie einander um. Selbst ihr Leid hatte sie nicht demütig genug gestimmt, umzukehren und Gott zu gehorchen.

Da Nephi sich vorbereitet hatte, segnete Gott ihn mit Macht, sodass er seinen Auftrag erfüllen konnte. Die liebevollen Worte, die der Herr an Nephi richtete, als er ihm Macht gab, können auch uns als Anleitung dienen:

„Gesegnet bist du, Nephi, um deswillen, was du getan hast; denn ich habe gesehen, wie du diesem Volk unermüdlich das Wort verkündet hast, das ich dir gegeben habe. Und du hast sie nicht gefürchtet und warst nicht auf dein eigenes Leben bedacht, sondern warst auf meinen Willen bedacht und dass du meine Gebote hältst.

Und nun, weil du dies so unermüdlich getan hast, siehe, so werde ich dich segnen immerdar; und ich werde dich mächtig machen im Wort und im Tun, im Glauben und in Werken; ja, selbst so, dass dir alles gemäß deinem Wort geschehe, denn du wirst nichts erbitten, was gegen meinen Willen ist.

Siehe, du bist Nephi, und ich bin Gott. Siehe, ich verkünde dir in der Gegenwart meiner Engel, dass du Macht haben wirst über dieses Volk und die Erde mit Hungersnot schlagen wirst und mit Seuche und Vernichtung, gemäß der Schlechtigkeit dieses Volkes.

Siehe, ich gebe dir Macht, dass, was auch immer du auf Erden siegeln wirst, im Himmel gesiegelt sein wird, und was auch immer du auf Erden lösen wirst, im Himmel gelöst sein wird; und so wirst du Macht unter diesem Volk haben.“1

Wie aus dem Bericht im Buch Mormon hervorgeht, kehrten die Menschen nicht um. Nephi bat deshalb Gott, die Jahreszeiten zu ändern. Er bat um ein Wunder, um die Menschen durch eine Hungersnot zur Umkehr zu bewegen. Die Hungersnot kam. Die Menschen kehrten um und flehten Nephi an, Gott um Regen zu bitten. Er bat Gott, und Gott belohnte Nephis unerschütterlichen Glauben.

Dieser Glaube war nicht plötzlich da, als Nephi ihn brauchte, ebenso wenig Gottes Vertrauen in Nephi. Nephi gewann diesen großen Glauben und Gottes Vertrauen durch seine furchtlose, unaufhörliche Arbeit im Dienst des Herrn. Ihr Jungen Männer entwickelt diesen Glauben jetzt für zukünftige Tage, wenn ihr ihn brauchen werdet.

Es mag nur eine Kleinigkeit sein, wie etwa im Diakons- oder Lehrerkollegium gewissenhaft Protokoll zu führen. Auch vor Jahren gab es Junge Männer, die sorgfältig aufschrieben, was Jungen, die nur Monate älter waren als sie, beschlossen und bewerkstelligten. Das erforderte Glauben daran, dass Gott schon Zwölfjährige in seinen Dienst beruft und diese durch Offenbarung geführt werden. Manche, die vor so vielen Jahren Kollegiumssekretär waren, sitzen heute in den präsidierenden Ratsgremien der Kirche. Sie lesen nun die Protokolle, die andere schreiben. Heute empfangen sie Offenbarung, ebenso wie die Kollegiumspräsidentschaft, der sie damals in eurem Alter dienten. Sie waren bereit, darauf zu vertrauen, dass Gott in seinem Reich seinen Willen offenbart, selbst in anscheinend unwichtigen Angelegenheiten.

Der Herr sagte, er vertraue Nephi, weil er nichts erbitten würde, was gegen Gottes Willen wäre. Ein solches Vertrauen in Nephi konnte der Herr nur haben, weil er sicher war, dass Nephi an Offenbarung glaubte, danach trachtete und entsprechend handelte. Langjährige Erfahrung damit, Eingebungen von Gott zu folgen, gehörte zu Nephis Vorbereitung als Priestertumsträger. Es muss auch Teil eurer Vorbereitung sein.

Ich habe gesehen, dass diese Vorbereitung stattfindet. In den letzten Monaten habe ich Ansprachen von Diakonen, Lehrern und Priestern gehört, die bestimmt so inspiriert und machtvoll waren wie diejenigen, die ihr bei dieser Generalkonferenz hört. Als ich die Macht spürte, die jungen Trägern des Priestertums gegeben wird, dachte ich, dass die heranwachsende Generation sich um uns wie eine Welle erhebt, die von der Flut hereingespült wird. Ich bete darum, dass diese Flutwelle mich und alle, die zu einer älteren Generation gehören, mit ihnen emporhebt. Wie sich die Jungen im Aaronischen Priestertum vorbereiten, ist für uns alle und auch für all jene ein Segen, denen sie in ihrer Generation und in kommenden Generationen dienen werden.

Doch noch ist in Zion nicht alles vollkommen. Nicht alle Jugendlichen entscheiden sich dafür, sich vorzubereiten. Diese Entscheidung liegt bei ihnen. Sie sind für sich selbst verantwortlich. So sieht es der Herr in seinem liebevollen Plan vor. Aber viele Junge Männer erhalten nur wenig oder gar keine Unterstützung von denen, die ihnen bei der Vorbereitung helfen könnten. Wer helfen kann, wird sich vor dem Herrn verantworten müssen. Ein Vater, der sich nicht darum kümmert, dass sein Sohn Glauben und die Fähigkeit entwickelt, einer Eingebung zu folgen, oder dem sogar entgegenwirkt, wird eines Tages Kummer erleben. Das gilt für jeden, der in der Lage wäre, diesen Jungen Männern zu helfen, in den Tagen des vorbereitenden Priestertums kluge und gute Entscheidungen zu treffen.

Als Zweites brauchen diese Jungen Männer die Zuversicht, dass sie die Segnungen und das Vertrauen, das Gott ihnen anbietet, verdienen können. Die meisten Einflüsse, die sie umgeben, verleiten sie dazu, an der Existenz Gottes und seiner Liebe zu ihnen zu zweifeln und die oft leisen Botschaften, die sie durch den Heiligen Geist und den Geist Christi empfangen, in Frage zu stellen. Ihre Altersgenossen drängen sie vielleicht, zu sündigen. Wenn sie die Sünde wählen, werden diese Botschaften von Gott noch leiser.

Wir können ihnen helfen, sich für die Vorbereitung zu entscheiden, indem wir liebevoll mit ihnen umgehen, sie warnen und ihnen zeigen, dass wir an sie glauben. Noch hilfreicher aber ist das Beispiel, das wir als treuer und inspirierter Diener geben. In der Familie, im Kollegium, im Unterricht und überall, wo wir mit ihnen Umgang haben, können wir uns als wahre Träger des Priestertums erweisen, die dessen Macht so einsetzen, wie Gott es uns aufgetragen hat.

Die, wie ich finde, deutlichste Anweisung steht im 121. Abschnitt des Buches Lehre und Bündnisse. Der Herr mahnt uns in diesem Abschnitt, aus reinen Motiven zu handeln: „Kraft des Priestertums kann und soll keine Macht und kein Einfluss anders geltend gemacht werden als nur mit überzeugender Rede, mit Langmut, mit Milde und Sanftmut und mit ungeheuchelter Liebe.“2 Wenn wir Junge Männer führen und Einfluss auf sie ausüben, dürfen wir das niemals tun, um unseren Stolz oder Ehrgeiz zu befriedigen. Wir dürfen nie mit dem geringsten Maß von Unrecht Zwang ausüben. Das ist ein hoher Anspruch an uns als Vorbild für die Jugend.

Ich habe solche Vorbilder erlebt, als ich Lehrer und Priester war. Mein Bischof und diejenigen, die unter ihm dienten, waren entschlossen, keinen von uns zu verlieren. Soweit ich es beurteilen konnte, beruhte ihre Entschlossenheit auf ihrer Liebe zum Herrn und zu uns und nicht auf egoistischen Gründen.

Der Bischof hatte eine Methode. Jeder Berater eines jeden Kollegiums sollte zu jedem Jungen Mann, mit dem er an einem Sonntag nicht gesprochen hatte, Kontakt aufnehmen. Sie alle sollten nicht zu Bett gehen, bis sie mit dem Jungen gesprochen hatten, der gefehlt hatte, oder mit dessen Eltern oder einem guten Freund. Der Bischof versicherte ihnen, dass er das Licht erst dann ausschalten werde, wenn man ihm über jeden Jungen Bericht erstattet hatte. Ich glaube nicht, dass er einen Befehl erteilte. Er stellte einfach klar, dass er davon ausging, dass sie das Licht erst ausschalteten, wenn sie Bericht erstattet hatten.

Er und diejenigen, die unter ihm dienten, machten viel mehr, als über uns zu wachen. Sie zeigten uns durch ihr Beispiel, was es bedeutet, sich um die Schafe des Herrn zu kümmern. Keine Anstrengung war ihm oder denen, die uns in unseren Kollegien beistanden, zu groß. Durch ihr Beispiel lehrten sie uns, was es heißt, im Dienst des Herrn unermüdlich zu sein. Durch ihr Beispiel bereitete der Herr uns vor.

Ich habe keine Ahnung, ob sie dachten, einer von uns würde je etwas Besonderes werden. Aber so behandelten sie uns: Sie waren bereit, jeden Preis zu zahlen, um uns davon abzuhalten, den Glauben zu verlieren.

Ich weiß nicht, wie der Bischof so viele Menschen dazu brachte, so hohe Erwartungen zu haben. Soweit ich sagen kann, geschah es „mit überzeugender Rede, mit Langmut, mit Milde und Sanftmut und mit ungeheuchelter Liebe“. Die Methode, die dieser Bischof einsetzte, würde mancherorts nicht funktionieren. Doch das unablässige Bemühen um jeden Jungen Mann und das rasche Handeln brachten die Macht des Himmels in unser Leben. Das wird immer so sein. Es half den Jungen Männern, sich auf die Zeit vorzubereiten, da Gott sie in ihrer Familie und in seinem Reich brauchte.

Mein Vater war für mich vorbildlich darin, wie man nach den Worten des Herrn im 121. Abschnitt die Hilfe des Himmels herabruft, um Junge Männer vorzubereiten. Als ich noch jung war, war er manchmal von meinem Verhalten enttäuscht. Er ließ es mich wissen. Am Klang seiner Stimme konnte ich erkennen, dass er etwas Besseres von mir erwartet hatte. Aber er hielt sich an die Weise des Herrn, nämlich „alsbald mit aller Deutlichkeit zurechtweisend, wenn vom Heiligen Geist dazu bewegt; und danach demjenigen, den du zurechtgewiesen hast, vermehrte Liebe erweisend, damit er nicht meint, du seiest sein Feind“.3

Selbst nach einer deutlichen Zurechtweisung wusste ich, dass mein Vater mich liebte. Seine Liebe schien sogar noch zuzunehmen, selbst wenn er seine strengste Form der Zurechtweisung einsetzte, nämlich einen missbilligenden und enttäuschten Blick. Er führte mich und bildete mich aus, aber niemals mit Zwang, und ich bin sicher, dass sich die Verheißung, die wir in dem Buch Lehre und Bündnisse lesen, für ihn erfüllen wird. Sein Einfluss auf mich wird ihm „zufließen für immer und immer“.4

Sicher denken viele Väter und Priestertumsführer, wenn sie die Worte des 121. Abschnittes im Buch Lehre und Bündnisse hören, dass sie besser werden müssen, um diesem Anspruch zu genügen. Mir ergeht es so. Erinnern Sie sich an Momente, als Sie ein Kind oder einen Jugendlichen mit aller Deutlichkeit zurechtgewiesen haben, aber aus einem anderen Grund als Inspiration? Haben Sie Ihrem Sohn schon einmal etwas aufgetragen oder ein Opfer von ihm verlangt, zu dem Sie selbst nicht bereit waren? Reue kann uns dazu anspornen, umzukehren und mehr dem Vorbild zu entsprechen, das zu sein wir gelobt haben.

Wenn wir unseren Verpflichtungen als Väter und Priestertumsführer nachkommen, helfen wir der nächsten Generation, sich ihrer herrlichen Zukunft zu widmen. Sie werden besser sein als wir, so wie Sie sich bemüht haben, noch bessere Eltern zu sein als Ihre Eltern und noch bessere Priestertumsführer als die großartigen Brüder, die Ihnen geholfen haben.

Ich bete darum, dass wir entschlossen sind, uns jeden Tag darin zu verbessern, die heranwachsende Generation vorzubereiten. Jedes Mal, wenn ich eine Flasche mit geweihtem Öl sehe, werde ich mich an den heutigen Abend erinnern, an den Wunsch, den ich jetzt empfinde, mehr zu tun, um mitzuhelfen, die Jungen Männer für den Dienst und die Möglichkeiten, die auf sie warten, vorzubereiten. Ich erbitte einen Segen für sie, dass sie sich darauf vorbereiten. Ich bin überzeugt, dass sie mit der Hilfe des Herrn, und mit unserer, bereit sein werden.

Ich bezeuge Ihnen, dass Gottvater lebt und dass Jesus Christus lebt und seine Kirche führt. Er ist allen Priestertumsträgern das vollkommene Vorbild. Präsident Thomas S. Monson hat alle Schlüssel des Priestertums auf der Erde inne und übt sie aus. Das ist die Wahrheit. Das bezeuge ich im Namen Jesu Christi. Amen.

Quellenangaben anzeigenQuellenangaben ausblenden
    1. Helaman 10:4-7

    2. LuB 121:41

    3. LuB 121:43

    4. LuB 121:46