Vater und Sohn – eine besondere Beziehung

M. Russell Ballard

Of the Quorum of the Twelve Apostles


Vater und Sohn können einander ganz entscheidend dabei helfen, das Bestmögliche aus sich zu machen.
 

Es ist ein wunderbarer Anblick, wie Sie, die Väter, hier Schulter an Schulter mit Ihren Söhnen sitzen, um die Worte des Herrn zu vernehmen und Rat von den Generalautoritäten der Kirche zu erhalten. Es ist immer schön, mit den Brüdern im Priestertum vereint zu sein, aber es ist etwas Besonderes, die Väter gemeinsam mit ihren Söhnen hier zu sehen. Das führt uns bildlich zwei der machtvollsten Elemente unseres Glaubens vor Augen: das Priestertum und die Familie. Das Priestertum ist die göttliche Macht, durch die Familien für immer gesiegelt werden. Alles im wiederhergestellten Evangelium Jesu Christi, so auch die heiligen Handlungen des Tempels, ist darauf ausgerichtet, dass Familien Teil der ewigen Familie Gottes werden.

Ich möchte heute den Vätern und Söhnen sagen, wie Sie miteinander sprechen sollten. Keine Beziehung lässt sich mit der vergleichen, die es zwischen Vater und Sohn geben kann und soll. Diese Beziehung kann eine der lohnendsten und schönsten im Leben sein und großen Einfluss darauf haben, was aus einem Jungen und einem Vater wird. Mir ist klar, dass einige von euch Jungen Männern keinen Vater haben, mit dem ihr diese Art Gespräche führen könnt. Und einige von den Männern hier haben keinen Sohn oder sie haben ihn durch Unfall oder Krankheit verloren. Vieles, was ich sagen werde, gilt jedoch auch für Onkel, Großväter, Priestertumsführer und andere Vertrauenspersonen, die manchmal in diese wichtige Vater-Sohn-Beziehung einspringen.

Wir befinden uns alle auf einer Reise. Die Väter sind auf dem Weg zwar schon etwas weiter, aber das Ziel hat noch keiner von uns erreicht. Wir alle arbeiten gerade daran, wer wir eines Tages sein werden. Vater und Sohn können einander ganz entscheidend dabei helfen, das Bestmögliche aus sich zu machen.

Die Beziehung zwischen Vater und Sohn ist nie vollkommen. Das, was ich Ihnen heute ans Herz legen möchte, ist Ihnen jedoch möglich, wenn Sie sich nur anstrengen.

Junge Männer, ihr seid eures Vaters Stolz und Freude. Er sieht eine vielversprechende Zukunft in euch und erhofft sich eine bessere Version seiner selbst. Er freut sich, wenn ihr Erfolg habt. Eure Sorgen und Probleme sind auch seine Sorgen und Probleme.

Väter, Sie sind für Ihren Sohn das wichtigste Vorbild an Männlichkeit. Sie sind seine bedeutendste Vertrauensperson und, ob Sie es glauben oder nicht, auf unzählige Weise sein Held. Ihre Worte und Ihr Beispiel haben großen Einfluss auf ihn.

Heute möchte ich euch jungen Männern drei einfache Vorschläge machen, wie ihr die Beziehung zu eurem Vater voll und ganz auskosten könnt. Dann möchte ich den Vätern drei Vorschläge machen, wie Sie mit Ihrem Sohn umgehen und sprechen sollen.

Ihr Träger des Aaronischen Priestertums, ich glaube, wenn ihr diese drei einfachen Vorschläge befolgt, werdet ihr euch mit eurem Vater noch besser verstehen als momentan.

Erstens: Vertraut eurem Vater. Er ist nicht vollkommen, aber hat euch sehr lieb und würde nichts tun, was nicht zu eurem Besten ist. Redet mit ihm. Erzählt ihm, was ihr denkt, wie ihr euch fühlt – eure Träume und Ängste. Je mehr er über euch weiß, desto besser kann er eure Sorgen verstehen und euch gute Ratschläge geben. Wenn ihr eurem Vater vertraut, dann spürt er diese Verantwortung und strengt sich noch mehr an, euch zu verstehen und zu helfen. Er als euer Vater hat das Recht, Inspiration für euch zu empfangen. Sein Rat kommt von Herzen, denn er kennt euch und hat euch lieb. Mehr als alles andere möchte er, dass ihr glücklich und erfolgreich seid – warum also solltet ihr ihm nicht vertrauen? Jungs, vertraut eurem Vater.

Zweitens: Zeigt Interesse an eurem Vater. Fragt ihn über seinen Beruf, seine Interessen und Ziele aus. Wie hat er sich für seinen Beruf entschieden? Was hat er gemacht, als er in eurem Alter war? Wie hat er eure Mutter kennengelernt? Wenn ihr mehr über ihn erfahrt, werdet ihr merken, dass ihr durch seine Erfahrungen auch sein Verhalten viel besser verstehen könnt. Beobachtet euren Vater. Achtet darauf, wie er eure Mutter behandelt. Achtet darauf, wie er seine Berufung in der Kirche erfüllt. Achtet darauf, wie er mit anderen Leuten umgeht. Ihr werdet staunen, was ihr alles über ihn erfahrt, indem ihr ihn einfach beobachtet und ihm zuhört. Überlegt euch, was ihr noch nicht über ihn wisst, und fragt ihn danach. Eure Liebe, Bewunderung und euer Verständnis werden durch das, was ihr erfahrt, zunehmen. Jungs, zeigt Interesse an eurem Vater.

Drittens: Bittet euren Vater um Rat. Seien wir mal ehrlich: Er wird euch sowieso Rat erteilen, ob ihr ihn wollt oder nicht, aber es funktioniert doch viel besser, wenn ihr ihn darum bittet! Bittet ihn um Rat, was das Leben in der Kirche, den Unterricht, Freunde, die Schule, Verabredungen, Sport oder andere Hobbys betrifft. Bittet ihn um Rat zu euren Aufgaben in der Kirche, zur Missionsvorbereitung und zu Entscheidungen, die ihr treffen müsst. Man erweist jemandem kaum größere Achtung, als wenn man ihn um Rat bittet, denn damit sagt man ihm eigentlich: „Ich bin dankbar für das, was du weißt, und für deine Erfahrungen, und ich schätze deine Ideen und Vorschläge.“ Für einen Vater ist es schön, so etwas von seinem Sohn zu hören.

Ich habe festgestellt, dass ein Vater, den man um Rat bittet, noch mehr bemüht ist, gute, vernünftige und nützliche Ratschläge zu geben. Wenn ihr euren Vater darum bittet, profitiert ihr nicht nur selbst davon, sondern ihr tragt dazu bei, dass er noch ein wenig motivierter ist, ein besserer Vater und Mann zu sein. Er denkt gründlicher darüber nach, was er euch nahelegen möchte, und bemüht sich, seinen Worten Taten folgen zu lassen. Junge Männer, bittet euren Vater um Rat!

Väter, nun sind Sie an der Reihe. Ich möchte besprechen, wie Sie die Beziehung zu Ihrem Sohn verbessern können. Sie werden feststellen, dass die drei Vorschläge, die ich Ihnen unterbreite, mit denen, die ich Ihren Söhnen gemacht habe, etwas zu tun haben. Das ist kein Zufall.

Erstens: Väter, hören Sie Ihrem Sohn ganz genau zu. Stellen Sie die richtigen Fragen und hören Sie zu, was er Ihnen sagt, wenn Sie etwas Zeit miteinander verbringen. Sie müssen wissen – nicht nur vermuten – was im Leben Ihres Sohnes geschieht. Gehen Sie nicht davon aus, Sie wüssten, wie er sich fühlt, nur weil Sie auch einmal jung waren. Ihr Sohn lebt in einer ganz anderen Welt als Sie zu Ihrer Jugendzeit. Wenn er Ihnen berichtet, was ihn im Moment beschäftigt, müssen Sie ihm genau zuhören, ohne gleich zu urteilen, damit Sie begreifen können, was er denkt und was er gerade durchmacht.

Finden Sie heraus, was für Sie am besten funktioniert. Manche Väter gehen mit ihrem Sohn angeln oder zu einer Sportveranstaltung. Andere fahren einfach im Auto umher oder arbeiten gemeinsam im Garten. Bei einigen ist der Sohn für ein Gespräch offen, ehe er abends schlafen geht. Tun Sie das, was für Sie am besten funktioniert. Eine enge Beziehung zu Ihrem Sohn sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Jeder Vater muss mindestens einmal im Monat ein zielgerichtetes, gutes Gespräch mit seinem Sohn führen, bei dem man ganz konkret über Schule, Freunde, Gefühle, Videospiele, SMS-Schreiben, Würdigkeit, den Glauben und das Zeugnis redet. Wo und wann das geschieht, ist weit weniger wichtig, als dass es geschieht.

Vor allem das Zuhören ist so wichtig. Denken Sie daran: Wenn Sie 90 Prozent der Zeit reden, führen Sie kein Gespräch. Fragen Sie, so oft es sich in einem Gespräch unterbringen lässt, was Ihr Sohn fühlt und denkt. Fragen Sie: „Wie gefällt dir das, was du in diesem Schulfach lernst?“ „Was denkst du darüber, was dein Freund gesagt hat?“ „Was bedeuten dir dein Priestertum und die Kirche?“

Sie müssen aber nicht bei jedem dieser Gespräche jedes Problem gleich lösen. Meistens ist es am besten, wenn Sie einfach zuhören. Ein Vater, der mehr zuhört als redet, wird feststellen, dass sein Sohn mehr davon berichtet, was ihn wirklich beschäftigt. Väter: Hören Sie Ihrem Sohn zu.

Zweitens: Beten Sie mit Ihrem Sohn und für ihn. Geben Sie ihm Priestertumssegen. Wenn er Angst vor einer wichtigen Prüfung oder einem anderen bedeutenden Ereignis hat, hilft ihm ein Segen von seinem Vater ganz sicher. Besondere Anlässe wie das neue Schuljahr, der Geburtstag oder die ersten Verabredungen können eine gute Gelegenheit bieten, Ihren Sohn im Namen des Herrn zu segnen. Wenn Sie gemeinsam beten und einander Zeugnis geben, kommen Sie sowohl einander als auch dem Herrn näher.

Ich weiß, dass viele von Ihnen darunter leiden, dass Ihr Sohn sich auf Abwegen befindet und in der Welt umherirrt, wie auch Alma und Mosia sich um ihre Söhne sorgten. Lassen Sie nichts unversucht, um in der Familie eine gute Beziehung aufrechtzuerhalten. Geben Sie nie auf, auch wenn Sie nichts weiter tun können, als inständig für Ihren Sohn zu beten. Dieser wertvolle Mensch wird für immer Ihr Sohn bleiben! Väter, beten Sie mit Ihrem Sohn und segnen Sie ihn.

Drittens: Sprechen Sie mit Ihrem Sohn auch über heikle Themen. Sie wissen, wovon ich spreche: Gespräche über Drogen, Alkohol, die Gefahren der heutigen Medien – das Internet, virtuelle Welten, Pornografie – und über Würdigkeit im Priestertum, Achtung vor Frauen und sittliche Reinheit. Sie sollen mit Ihrem Sohn nicht nur über solche Themen sprechen, aber bitte meiden Sie sie auch nicht. Ihr Sohn braucht Ihren Rat, Ihre Führung und Ihre Meinung bezüglich dieser Themen. Wenn Sie über etwas so Wichtiges miteinander sprechen, wird auch Ihr Vertrauen zueinander wachsen.

Es ist mir besonders wichtig, dass wir mit unseren Söhnen offen und deutlich über Sexualität sprechen. Ihr Sohn wächst in einer Welt auf, die es begrüßt und damit prahlt, wenn auch junge Leute nach Belieben und bedenkenlos miteinander schlafen. Ihr Sohn wird all den aufdringlichen sexuellen Bildern, Botschaften und Verlockungen um ihn herum nicht einfach entgehen können. Die Väter und Führer der Kirche müssen offen und häufig lehren und klarstellen, wie ein junger Priestertumsträger damit umgehen muss. Äußern Sie sich positiv, wie wundervoll und schön sexuelle Intimität ist, wenn man sie innerhalb der vom Herrn festgelegten Grenzen ausübt, also auch im Rahmen der Tempelbündnisse und des ewigen Ehebundes. Studien belegen, dass ein wahlloses Sexualverhalten am ehesten gebremst wird, wenn man eine gesunde Einstellung hat, bei der Intimität mit aufrichtiger Hingabe und reifer Liebe verbunden ist. Väter, wenn Sie mit Ihrem Sohn noch nicht über diese Themen gesprochen haben, dann holen Sie das schnell nach.

Zum Schluss möchte ich mich an die zurückgekehrten Missionare wenden. Alles, was ich heute gesagt habe, gilt auch für Sie. Vertrauen Sie Ihrem Vater. Sie können ihm näher stehen als je zuvor, unabhängig davon, wie Ihre Beziehung zueinander vor der Mission war. In den nächsten Jahren treffen Sie die wichtigsten Entscheidungen Ihres Lebens. Neben Ihrem Gebet zum himmlischen Vater kann Ihnen der Rat Ihres irdischen Vaters bei den Entscheidungen in Bezug auf Ausbildung, Beruf und Ehe helfen. Die wichtigste Entscheidung, die Sie jemals treffen werden, ist, die richtige Frau im Tempel zu heiraten! Niemand soll diese wichtige Entscheidung überstürzt treffen, aber jeder zurückgekehrte Missionar soll daran arbeiten. Halten Sie sich dort auf, wo Sie gute Freunde kennenlernen. Treffen Sie Verabredungen. „Abhängen“ funktioniert nicht und reicht nicht aus. Das „Werben“ scheint eine verloren gegangene Kunst zu sein. Entdecken Sie es neu. Es funktioniert wirklich! Fragen Sie Ihren Vater – er weiß Bescheid! Irren Sie nicht auf die Wege der Welt ab. Wahren Sie stattdessen die Würde und den Geist Ihrer Mission. Die Kirche braucht künftig Führer wie Sie.

Väter, die drei Vorschläge, die ich Ihnen gerade gemacht habe, gelten genauso für die Beziehung zu Ihrem Sohn, der von Mission zurückgekehrt ist. Hören Sie ihm zu und kommen Sie ihm durch regelmäßige, zielgerichtete Gespräche näher. Führen Sie tiefgehende Gespräche über seine Gefühle und Bedürfnisse. Beten Sie mit ihm und segnen Sie ihn, damit er wichtige Entscheidungen für seine Zukunft treffen kann.

Ich bin dankbar für meine Söhne und meine Schwiegersöhne, die mich viel gelehrt haben. Und ich bete jetzt darum, dass unser himmlischer Vater uns alle, Väter und Söhne, segnen wird, damit wir unser Priestertum ehren und einander Liebe erweisen, indem wir unsere Beziehung zueinander zu einer der großen und ewigen Prioritäten machen. Das ist mein Gebet im Namen Jesu Christi. Amen.