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Herbst 2009 | Das bleibende Vermächtnis der FHV

Das bleibende Vermächtnis der FHV

Herbst 2009 Generalkonferenz

Die Geschichte der FHV ist in Worten und Zahlen festgehalten, aber ihr Erbe wird von Herz zu Herz weitergereicht.

Ich freue mich, heute Abend bei Ihnen zu sein. Ich möchte Sie von Präsident Monson und Präsident Uchtdorf grüßen, die Ihnen sehr dankbar sind. Seit ihrer Entstehung im Jahr 1842 genießt die FHV den Segen einer aufmerksamen und liebevollen Betreuung durch den Propheten Gottes. Als sie in Nauvoo gegründet wurde, sprach Joseph Smith zu den Führern der Kirche und den anwesenden Mitgliedern.

Da ich mir dieser herrlichen Vergangenheit bewusst bin, spürte ich, welche Verantwortung auf mir lastet, als Präsident Monson mich bat, zu Ihnen zu sprechen. Bei einer der ersten Zusammenkünfte der FHV überraschte der Prophet Joseph Smith Bischof Whitney mit der Aufforderung, an seiner Stelle zu sprechen. Bischof Whitney sagte, er sei eigentlich voller Vorfreude darauf, vom Propheten zu hören, zu der Versammlung gekommen. Ich kann mir vorstellen, wie enttäuscht er war – so wie Sie vielleicht jetzt auch.

Also fragte ich Präsident Monson bei meiner Vorbereitung auf diese Ansprache, was seiner Meinung nach am nützlichsten für Sie sein könnte. Was er sagte, bestätigte, was mir bei meinen Überlegungen und im Gebet auch schon in den Sinn gekommen war.

Ich möchte heute Abend über das große Vermächtnis sprechen, das diejenigen, die Ihnen in der FHV vorangegangen sind, an Sie weitergegeben haben. An dem Fundament, das damals für Sie gelegt wurde, erscheint mir am wichtigsten und nachhaltigsten, dass die Seele der FHV in der Nächstenliebe besteht und dass diese jedem ihrer Mitglieder ins Herz dringen und zu einem Wesensmerkmal werden soll. Für die Schwestern damals bedeutete Nächstenliebe viel mehr als nur Mildtätigkeit. Nächstenliebe entsteht aus dem Glauben an den Herrn Jesus Christus und kommt zustande, wenn sein Sühnopfer im Herzen der Mitglieder wirkt. Es gibt viele mildtätige Frauengruppen, die viel Gutes leisten. Es gibt viele, die ein immenses Maß an Mitgefühl für die Leidgeprüften, die Kranken und Bedürftigen haben. Doch die FHV ist einzigartig, und das war sie von Anfang an.

In den Mittelpunkt des Fundaments, das sie legten, stellten diese hervorragenden Schwestern den Grundsatz, dass die Liebe niemals aufhört.1 Das war der FHV am Anfang von Nutzen, es war ihr in dem großen Zeitabschnitt, der sich daran anschloss, von Nutzen, es ist ihr jetzt, in einem neuen Zeitalter, von Nutzen und wird ihr in allen Zeiten, die noch kommen werden, von Nutzen sein.

Diese Organisation besteht aus Frauen, deren Nächstenliebe einem Herzen entspringt, das sich dadurch gewandelt hat, dass sie sich für Bündnisse, die es nur in der wahren Kirche des Herrn gibt, bereit gemacht haben und diese auch halten. Ihre Nächstenliebe kommt vom Herrn und durch sein Sühnopfer. Ihr wohltätiges Handeln wird vom Beispiel des Herrn geleitet und entspringt der Dankbarkeit für das grenzenlose Geschenk seiner Barmherzigkeit und dem Heiligen Geist, den der Herr seinen Dienern schickt, damit er sie bei ihren guten Werken leite. Aus diesem Grund haben die Frauen Ungewöhnliches für andere geleistet und sind auch jetzt dazu in der Lage. Sie finden Freude darin, auch wenn viele ihrer eigenen Bedürfnisse unerfüllt bleiben.

In der Geschichte der FHV gibt es viele Beispiele für solch bemerkenswerten selbstlosen Dienst. In der schrecklichen Zeit der Verfolgung und Entbehrungen, als die Getreuen von Ohio nach Missouri, dann nach Illinois und schließlich über die Prärie gen Westen zogen, kümmerten sich die Schwestern trotz ihrer Armut und ihrer Sorgen um andere. Ihnen würden wie mir die Tränen kommen, wenn ich Ihnen jetzt einige Berichte aus der Geschichte der FHV vorläse. Sie wären gerührt von ihrer Großzügigkeit, aber noch viel mehr, wenn Ihnen bewusst würde, wie der Glaube sie emporgehoben und gestützt hat.

Die Frauen kamen aus den unterschiedlichsten Verhältnissen. Doch sie alle sahen sich den gleichen Prüfungen und dem Kummer des Lebens ausgesetzt. Ihre Entschlossenheit, die dem Glauben entsprang, dem Herrn und ihren Mitmenschen zu dienen, schien sie nicht um die Stürme des Lebens herumzulotsen, sondern mitten hinein. Einige waren jung, andere alt. Sie stammten aus vielen Ländern und Völkern – so wie Sie heute. Doch sie waren eines Herzens, eines Sinnes und hatten das gleiche Ziel. Sie waren entschlossen, dem Herrn zu helfen, sein Zion aufzubauen, wo sie das glückliche Leben führen konnten, das im Buch Mormon so anschaulich geschildert wurde. Sie kennen sicher einige der Stellen aus 4 Nephi, die sie im Herzen trugen, wohin der Herr sie auf ihrem Weg nach Zion auch führte:

„Und es begab sich: Im sechsunddreißigsten Jahr wurde alles Volk zum Herrn bekehrt, auf dem ganzen Antlitz des Landes, sowohl die Nephiten als auch die Lamaniten, und es gab keine Streitigkeiten und Auseinandersetzungen unter ihnen, und jedermann handelte gerecht, einer mit dem anderen.

Und sie hatten alles unter sich gemeinsam; darum gab es keine Reichen und Armen, Geknechteten und Freien, sondern sie waren alle frei geworden und hatten teil an der himmlischen Gabe. …

Und es begab sich: Wegen der Gottesliebe, die dem Volk im Herzen wohnte, gab es im Land keinen Streit.“2

Die allerersten FHV-Schwestern hatten keine so idyllische Zeit vor sich. Doch die Gottesliebe wohnte ihnen im Herzen. Und diese Liebe, und auch die Frauen, überstanden den Zug gen Westen und auch die folgenden Jahre. Aufgrund der widrigen Bedingungen konnte die FHV fast vier Jahrzehnte lang nicht überall in der Kirche bestehen bleiben. Doch 1868 berief Brigham Young dann Eliza R. Snow, den Bischöfen bei der Einrichtung der FHV zu helfen. 1880 wurde sie als zweite Präsidentin der Frauenhilfsvereinigung berufen. Die Aufzeichnungen der FHV belegen, dass die Führer der Kirche feststellten, dass die Nächstenliebe im Herzen der Frauen ungebrochen war, als sie auf die Schwestern zugingen, um die offizielle FHV-Arbeit wiederzubeleben. Sie hatten sich auch weiterhin voller Barmherzigkeit um Bedürftige gekümmert. Bei denjenigen, die ihren Bündnissen treu geblieben waren, war auch die Gabe der Nächstenliebe, die reine Christusliebe, noch vorhanden. Sie hatten sie noch.

In den folgenden Jahren nahmen die Anzahl der Mitglieder und auch das Vermögen der FHV, den Bedürftigen zu helfen, zu. Unter der Leitung von visionären und fähigen Frauen nahm es die FHV in die Hand, Bedürftigen auf eine Art beizustehen, wie es sie im amerikanischen Grenzland bis dahin nicht gegeben hatte. Die FHV richtete ein kleines Krankenhaus ein. Sie unterstützte Frauen dabei, im Osten des Landes eine medizinische Ausbildung zu erlangen und dann in dem Krankenhaus zu arbeiten. Das waren die Anfänge einer der größten Krankenhausketten in den Vereinigten Staaten.

Die FHV rief Programme ins Leben, aus denen im Laufe der Jahre in aller Welt der Familiendienst der Kirche entstand. Sie führte eine Getreidebevorratung ein, die so gut funktionierte, dass man in Kriegs- und Notzeiten einem Hilfsgesuch der Regierung nachkommen konnte. Sie rief das ins Leben, was später die Primarvereinigung und die Organisation für die Jungen Damen in der Kirche wurde. Sie gründete ihre eigene Frauenzeitschrift. Sie wurde zu einer der größten Frauenorganisationen der Welt. Aus ihren Reihen wurden auch Führungspositionen in amerikanischen Frauenorganisationen besetzt.

Die FHV beseelte von Anfang an die Bestrebungen der Kirche, in aller Welt humanitäre Hilfe leisten zu können. Wenn Staatsleute Utah besuchen, äußern sie sich erstaunt und bewundernd angesichts dessen, was die Kirche überall für die Armen und für die Opfer von Kriegen und Naturkatastrophen leistet. Diese bemerkenswerten Geschenke an die Kinder Gottes gehören zum bleibenden Vermächtnis der FHV.

Der Prophet Joseph Smith sagte den FHV-Schwestern in den ersten Versammlungen voraus, dass aus ihren treuen Diensten derart Bemerkenswertes entstehen würde. Er sagte, dass Königinnen kommen würden, um von der FHV zu lernen und mit ihr zu dienen.3 Ich habe erlebt, wie diese Prophezeiung in Erfüllung gegangen ist. Und ich kann den Aufzeichnungen entnehmen, dass eine Verheißung aus den heiligen Schriften für diejenigen, die dem Herrn in seinem Werk dienen, auch für diese FHV-Pionierinnen Wirklichkeit wurde. Diese durch den Propheten Joseph Smith gegebene Verheißung steht im 88. Abschnitt des Buches Lehre und Bündnisse. Hier ist die Rede von denen, die berufen werden, mit dem Herrn in aufeinanderfolgenden Zeitabschnitten zu arbeiten:

„Und er sprach zum ersten: Gehe hin und arbeite auf dem Acker, und zur ersten Stunde werde ich zu dir kommen, und du wirst die Freude meines Angesichts schauen.

Und er sprach zum zweiten: Gehe auch hin auf den Acker, und zur zweiten Stunde werde ich dich mit der Freude meines Angesichts besuchen.

Und auch zum Dritten, nämlich: Ich werde dich besuchen; und zum vierten, und so weiter bis zum zwölften.

Und der Herr des Ackers ging in der ersten Stunde zum ersten und blieb die ganze Stunde bei ihm, und er wurde durch das Licht des Angesichts seines Herrn erfreut.“4

Aus den Aufzeichnungen, die sie hinterlassen haben, geht deutlich hervor, dass diese FHV-Frauen der ersten Stunde die Freude spürten, die der Herr verheißen hatte. Er verrichtete das Werk mit ihnen zusammen. Er ließ es gedeihen, und die Frauen spürten Freude und Licht.

Der Prophet Joseph Smith sah voraus, dass andere Zeiten folgen würden. Er sah die großen Werke, die sie im ersten Zeitabschnitt verrichten würden, aber er sagte auch, sie sollten denjenigen, die ihnen nahestanden und die sie persönlich kannten, dienen, ihnen helfen und sich um sie kümmern.

Nach einer freudigen Zeit des Dienens führte der Herr die FHV-Schwestern in einen anderen Zeitabschnitt, fort von den Feldern, die sie so wunderbar angelegt hatten. Für die glaubensstarken Männer, die beispielsweise die Krankenhauskette übernommen und auf der von der FHV geschaffenenen Grundlage ausgebaut hatten, war es schwer, als der Herr durch seine Propheten deutlich machte, dass seine Diener im Priestertum die Verantwortung für den Erhalt und Ausbau dieses großartigen Instruments, mit dem man Gutes tun konnte, anderen überlassen konnten. Und so gab die Kirche ihre wunderbare Krankenhauskette in andere Hände.

Ich kenne und bewundere die Männer, die die Freude erlebten, in dieser Krankenhauskette mitzuarbeiten. Und ich habe auch gesehen, dass sie wussten, dass die Freude daher kam, dass sie mit dem Herrn an einem Strang zogen, und nicht auf ihren eigenen Leistungen beruhte. Und so lächelten sie und gaben freudig auf, was sie aufgebaut hatten. Sie glaubten daran, dass der Herr ihren Dienst anderswo nötiger brauchte, auf einem anderen Feld, in einem anderen Zeitabschnitt.

Ein kostbarer Teil Ihres FHV-Erbes ist ebendieser Glaube im Herzen der Führerinnen und auch der Mitglieder der FHV. Der Herr hatte gewusst, wo ihre großen Talente im nächsten Zeitabschnitt gebraucht werden würden und wo sie sogar noch mehr Freude finden würden als bei den herrlichen mildtätigen Projekten, die sie angefangen und aufgebaut hatten.

Die Kirche wurde größer und erstreckte sich über die ganze Welt. Die von der FHV eingeführten Dienste erforderten nun immense Mittel und ständige Beaufsichtigung – in einer wachsenden Kirche und einer Welt, in der es immer turbulenter zuging. Bei den großen und zentral verwalteten Programmen hätten die FHV-Führerinnen und -Mitglieder weniger Gelegenheit gehabt, die Freude zu spüren, jemandem im Auftrag des Herrn und zusammen mit ihm zu dienen.

Für einen neuen Zeitabschnitt hatte der Herr bereits vorgesorgt. Die einzige Methode, wie man in einer so großen Kirche und einer so vielschichtigen Welt Beistand und Trost spenden konnte, bestand darin, dass den Bedürftigen jemand diente, der in ihrer Nähe war. Der Herr hatte dies schon vom ersten Tag der FHV an kommen sehen.

Er legte ein Muster fest. Zwei FHV-Schwestern nehmen die Aufgabe, andere zu besuchen, als Berufung vom Herrn an. Das war schon von Anfang an so. Die FHV-Beamtinnen benannten Schwestern, von denen sie wussten, dass sie sich aus Überzeugung für andere einsetzen würden, wenn die zuständigen Besuchslehrerinnen nicht mehr weiterhelfen konnten. Alles spielte sich in der Nähe ab, die Beteiligten kannten sich. Die Mitglieder lehren in den Versammlungen ihrer Gemeinde das Evangelium und geben Zeugnis vom Erlöser und der Wiederherstellung. Die Töchter wachen über die Mütter. Die Mütter hören den Töchtern zu, lehren sie und kümmern sich um sie.

Die Mitglieder der FHV hatten schon immer das Vertrauen der örtlichen Priestertumsführer und Hirten. Jeder Bischof und jeder Zweigpräsident hat eine FHV-Leiterin, auf die er sich verlassen kann. Sie hat Besuchslehrerinnen, die die Schwierigkeiten und Bedürfnisse jeder einzelnen Schwester kennen. Durch die Besuchslehrerinnen kann sie erfahren, was in den Schwestern und in den Familien vorgeht. Sie kann auf Bedürfnisse eingehen und dem Bischof bei seiner Berufung, für die einzelnen Mitglieder und Familien zu sorgen, helfen.

Ein herrlicher Teil des Erbes der FHV zeigt sich darin, wie das Priestertum der FHV schon immer Respekt gezollt und diesen auch von der FHV bekommen hat. Ich habe das erlebt und Sie auch. Der Bischof meiner Familie fragte mich vor einigen Jahren lächelnd: „Wie kommt es, wenn ich ein Mitglied besuche, das Probleme hat, dass Ihre Frau anscheinend immer schon vor mir da war?“ Jeder Bischof und Zweigpräsident mit ein wenig Erfahrung hat schon erlebt, wie er durch das inspirierte Beispiel der FHV-Schwestern sanft erinnert wurde. Sie rufen uns ins Gedächtnis, dass keiner, weder Frau noch Mann, ohne Dienst am Nächsten errettet werden kann.

Die Älteren unter Ihnen wissen noch, wie Präsident Marion G. Romney eine Schriftstelle anführte, als er erklärte, er sei genau so entschlossen wie die Schwestern, diesen Dienst treu zu leisten. Er zitierte König Benjamin: „Und nun, um deswillen, was ich zu euch gesprochen habe – das heißt, um deswillen, dass ihr euch von Tag zu Tag Vergebung für eure Sünden bewahrt, sodass ihr ohne Schuld vor Gott wandeln könnt – möchte ich, dass ihr von eurer Habe mit den Armen teilt, ein jeder gemäß dem, was er hat, wie die Hungrigen zu speisen, die Nackten zu kleiden, die Kranken zu besuchen und ihnen Hilfe zuteilwerden zu lassen, geistig ebenso wie zeitlich, gemäß ihren Bedürfnissen.“5

Der Grund, weshalb Präsident Romney dabei lächelte, war, dass er für diesen Dienst wirklich seine Sünden vergeben haben wollte, wie er sagte. Deshalb wollte er sich den Schwestern bei jedem Dienst am Nächsten, wo es ihm möglich war, anschließen.

Sprechen wir jetzt noch darüber, was Sie tun müssen, um dieses wundervolle und heilige Vermächtnis der FHV an jene weiterzugeben, die nach Ihnen kommen. Dazu braucht man Kleines und Einfaches. Denken Sie einfach daran, dass das Vermächtnis von Herz zu Herz weitergegeben wird. Nächstenliebe, die reine Christusliebe, ist Teil der mächtigen Herzenswandlung, die der Herr seinen treuen Jüngern verheißt. Es ist also unschwer zu erkennen, welche einfachen Dinge Sie tun können und müssen, um das Vermächtnis weiterzureichen.

Beispielsweise müssen Sie sich jedes Mal, wenn Sie mit Ihrer Partnerin besuchslehren gehen, ins Gedächtnis rufen, was Erfolg bedeutet. Erfolg ist mehr, als nur eingelassen zu werden. Erfolg ist mehr, als über die Besuchslehrbotschaft zu sprechen. Erfolg ist mehr, als zu fragen, wie man helfen kann. Der Erfolg stellt sich vielleicht erst nach vielen Besuchen ein. Und in dieser Welt sehen Sie womöglich gar nicht mehr die Früchte Ihrer Arbeit. Aber Sie können auf dem Weg dorthin den Geist spüren.

Ich habe mit einer FHV-Schwester über ihre Besuchslehrarbeit gesprochen. Sie besuchte eine Frau, die schon bald plötzlich und auf tragische Weise ihren Mann verlieren sollte. In den Jahren zuvor hatte die Frau nur gelegentlich Kontakt zur FHV gehabt.

Die Besuchslehrerin bereitete sich vor, indem sie kurz anhielt und Blumen kaufte. Zu der Zeit gab es gerade Tulpen in vielen Farben. Sie suchte ihre Lieblingsfarbe aus, doch dann hatte sie das Gefühl, sie solle eine andere nehmen. Sie wusste nicht, warum sie die gelben nahm, sie kaufte sie einfach.

Als sie die gelben Tulpen an der Tür überreichte, lächelte die Frau und meinte: „Schauen Sie sich einmal meinen Garten an!“ Überall standen gelbe Tulpen in voller Blüte. Die Frau sagte: „Ich hatte gerade überlegt, ob ich mir ein paar Tulpen für das Haus abschneiden soll. Doch jetzt kann ich sie stehenlassen und mich etwas länger im Garten an ihnen erfreuen, weil Sie mir die hier mitgebracht haben.“ Sie plauderten nett miteinander, als seien sie schon lange befreundet. Diese Eingebung, Blumen mitzubringen – und zwar gelbe Tulpen –, war für die Besuchslehrerin der Beweis, dass sie im Auftrag des Herrn unterwegs war. Als sie mir davon erzählte, konnte ich die Freude in ihrer Stimme hören.

Bei diesem Gespräch wusste sie freilich nicht, was die Witwe über diesen Besuch gedacht hatte. Doch wenn diese nur glaubte, dass Gott sie liebte und ihr einen Engel gesandt hatte, dann hatte die Besuchslehrerin ihr schon geholfen, in den Augen des Herrn auf der Straße des Erfolgs voranzukommen. Diese Besuchslehrerin wird den Erfolg ihrer treuen Bemühungen vielleicht erst in der künftigen Welt bestätigt bekommen.

Das gilt auch für zwei Besuchslehrerinnen, die unermüdlich ebenfalls einer Witwe Liebe erwiesen, die fast neun Jahre in einem Pflegeheim in der Nähe wohnte. Nach schweren Prüfungen verstarb sie erst vor ein paar Wochen. Nach dem, was ich von einem Sohn dieser Witwe hörte, bin ich sicher, dass die Besuchslehrerinnen erfolgreich waren. Sie werden die Freude erleben, die die Mutter des Propheten Joseph Smith den Schwestern in einer FHV-Versammlung, die sie besuchte, schilderte. Sie sagte: „Wir müssen füreinander sorgen, übereinander wachen, einander trösten und Weisung annehmen, damit wir alle im Himmel beisammensitzen können.“6

Sie geben das Erbe weiter, wenn Sie anderen helfen, im Herzen die Gabe der Nächstenliebe zu empfangen. Sie können diese dann wieder an andere weitergeben. Die Geschichte der FHV ist in Worten und Zahlen festgehalten, aber ihr Erbe wird von Herz zu Herz weitergereicht. Darum haben die Familien solch großen Nutzen von der FHV.

Meine Mutter hat mir eine kleine Anstecknadel mit den Worten „Die Liebe hört niemals auf“ hinterlassen. Diese kleine hier für mein Revers habe ich von Schwester Beck bekommen.

Das bleibende Vermächtnis, das meine Mutter ihrer Familie hinterlassen hat, war jedoch mehr als diese Anstecknadel. Es war ihre Liebe und die Liebe des Herrn, die ich sah und spürte, wenn sie – auf ganz einfache Weise – in seinem Namen Mitgefühl übte. Sie war eine FHV-Schwester. Meine Mutter hatte keine Töchter, aber meine Frau hat das Erbe an unsere beiden Töchter weitergegeben. Und diese werden es im Herzen anderer bewahren. Es wird bestehen bleiben, weil die Liebe niemals aufhört.

Ich bezeuge, dass die Nächstenliebe die reine Christusliebe ist. Er lebt. Wenn wir mit ihm zusammen anderen dienen, spüren wir seine Freude. Durch sein Sühnopfer ist es möglich geworden, dass wir die Gabe der Nächstenliebe erflehen und empfangen können. Ich weiß, dass der Vater lebt und unsere Gebete erhört. Sie gehören einer Organisation an, die durch den Propheten der Wiederherstellung, Joseph Smith, gegründet und auf den Weg gebracht wurde. Schwester Beck und ihre Ratgeberinnen wurden durch Inspiration von Gott, die an einen lebenden Propheten erging, berufen. Ich weiß, dass dem so ist.

Sie haben ein herrliches Erbe. Ich bete zu Gott, dass er Sie inspirieren möge, es zu bewahren und weiterzugeben, damit es diesen Segen und diese Freude auch in künftigen Generationen und Zeitabschnitten geben wird. Im heiligen Namen Jesu Christi, dem wir dienen. Amen.

Quellenangaben anzeigenQuellenangaben ausblenden
    1. Siehe 1 Korinther 13:8, Moroni 7:46

    2. 4 Nephi 1:2,3,15

    3. Siehe Protokollbuch der FHV, März 1842 bis März 1844, Eintrag vom 28. April 1842, Historisches Archiv der Kirche, Seite 39

    4. LuB 88:52-56; Hervorhebung hinzugefügt

    5. Mosia 4:26

    6. Lucy Mack Smith im Protokollbuch der FHV, März 1842 bis März 1844, Eintrag vom 24. März 1842, Seite 18f.