Frühjahr 2010 | Was Mütter ihre Kinder zu Hause lehren

    Was Mütter ihre Kinder zu Hause lehren

    Frühjahr 2010 Generalkonferenz

    Ich glaube, dass Gott es so vorgesehen hat, dass die wesentliche Aufgabe einer Mutter darin besteht, die nächste Generation zu erziehen und zu lehren.

    Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, mit Elder Donald L. Hallstrom fünf Städte im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten zu besuchen. In jeder Stadt, wo wir waren, hielten wir mit den Vollzeitmissionaren und dann mit den Führern der Pfähle und Gemeinden eine Versammlung zum Thema Missionsarbeit ab. Zwischen diesen beiden Versammlungen bereitete die Pfahl-FHV-Leitung eine leichte Mahlzeit zu. So hatten wir Zeit, auch mit den Pfahlpräsidenten zusammenzukommen. Als wir nach Milwaukee in Wisconsin kamen, hatten sich zwei junge Familien bei der FHV gemeldet. Sie wollten das Essen zubereiten und auftischen. Die beiden Ehemänner machten sich in der Küche ans Werk. Die beiden Mütter kümmerten sich darum, dass der Tisch hergerichtet und das Essen serviert wurde. Drei kleine Kinder deckten unter der Aufsicht der Mütter den Tisch und brachten das Essen. Die Mütter nutzten diese Gelegenheit, um ihren Kindern etwas beizubringen. Es war schön mitzuerleben, wie die Kinder auf jede Einzelheit achteten, die ihre Mutter ihnen sagte. Sie führten ihre Aufträge exakt und vollständig aus.

    Dieses Erlebnis rief mir in Erinnerung, wie ich von meiner Mutter erzogen wurde. Wie der Prophet Nephi und wie viele von Ihnen stamme ich von guten Eltern (siehe 1 Nephi 1:1).

    Eine Nichte brachte mir neulich vier Notizbücher, die meine Mutter zur Vorbereitung ihres FHV-Unterrichts vollgeschrieben hatte. Diese Notizbücher – und es gibt weitere, die ich noch nicht durchgesehen habe – belegen, dass meine Mutter wohl hunderte Stunden mit Vorbereitungen zugebracht hat.

    Mutter war eine großartige Lehrerin, die sich fleißig und gründlich vorbereitete. Ich kann mich gut an die Tage vor ihrem Unterricht erinnern. Der Esszimmertisch war bedeckt mit Unterrichtsmaterial und den Notizen, die sie zur Vorbereitung brauchte. Es war immer so viel Material vorbereitet, dass sicherlich nur ein Bruchteil davon im Unterricht Verwendung fand. Aber ebenso gewiss waren ihre Vorbereitungen niemals vergeblich. Wie ich mir da so sicher sein kann? Als ich ihre Notizbücher durchblätterte, war mir, als hörte ich noch einmal, wie meine Mutter mich lehrte. Wie gesagt, stand in ihren Notizbüchern zu jedem Thema viel mehr, als man in einer einzigen Unterrichtsstunde aufgreifen könnte. Aber was sie dort nicht verwendete, nutzte sie dazu, ihre Kinder zu lehren.

    Man kann wohl bedenkenlos behaupten, dass meine Mutter eine ungemein gute Lehrerin für die Schwestern in der FHV war, aber ihr bester Unterricht fand zu Hause bei ihren Kindern statt. Natürlich lag das größtenteils daran, dass sie für die Unterweisung ihrer Kinder mehr Zeit hatte als für den Unterricht in der FHV. Aber ich meine, dass sie sich deshalb so gründlich vorbereitete, weil sie erstens ihren Kindern ein Beispiel geben wollte, wie man in der Kirche eifrig dient, und zweitens, weil sie erkannt hatte, dass alles, was sie bei der Unterrichtsvorbereitung lernte, wiederholt für einen höheren Zweck genutzt werden konnte – nämlich für die Unterweisung ihrer Söhne und Töchter.

    Ich möchte einen Moment in Erinnerungen schwelgen und darüber sprechen, was ich von meiner Mutter über den Evangeliumsunterricht zu Hause gelernt habe. Meine Mutter wusste, wie wertvoll es war, ihren Kindern schon in jungen Jahren Maßstäbe, Wertvorstellungen und die Lehre der Kirche nahezubringen. Sie war anderen, die ihre Kinder außerhalb der Familie unterrichteten – in der Schule oder in der Kirche – zwar dankbar, aber sie wusste auch, dass die Erziehung der Kinder den Eltern anvertraut ist und letztlich die Eltern dafür Sorge tragen müssen, dass die Kinder das lernen, was der Vater im Himmel vorgesehen hat. Meine Geschwister und ich wurden von unserer Mutter gründlich befragt, wenn wir außerhalb der Familie unterrichtet worden waren. Sie wollte sicher sein, dass uns die richtigen Lehren erreichten und unsere Vorstellungen prägten.

    An manchen Tagen meinte ich, wenn ich von der Schule nach Hause lief, dass es mit dem Lernen für diesen Tag vorbei sei. Aber diese Illusion verflüchtigte sich rasch, wenn ich sah, dass meine Mutter an der Tür auf mich wartete. Als wir noch Kinder waren, hatte jeder von uns einen kleinen Tisch in der Küche. Dort brachte uns unsere Mutter vieles bei, während sie Hausarbeit erledigte und das Abendessen zubereitete. Sie war die geborene Lehrerin und weit anspruchsvoller als alle Lehrer in der Schule oder in der Kirche.

    Die Bandbreite ihres Unterrichts umfasste sowohl Weltliches als auch Geistiges. Sie achtete darauf, dass wir alle Schulaufgaben erledigten, und gab uns oft zusätzliche Aufgaben. Sie übte auch ihren FHV-Unterricht mit uns als Zuhörern. Wir bekamen natürlich die ungekürzte Fassung aus ihrem Notizbuch zu hören, nicht die gekürzte, die in eine Unterrichtsstunde passen musste.

    Zu ihrem Unterricht gehörte auch, dass wir Schriftstellen, die Glaubensartikel und Worte der Propheten, Seher und Offenbarer auswendig lernten. Meine Mutter war der Ansicht, dass der Verstand schwächer wird, wenn er nicht ständig geschult wird. Sie lehrte uns, während wir Geschirr spülten, die Butter rührten oder vielerlei sonstige Arbeiten erledigten. Sie glaubte, man dürfe auch dann nicht zulassen, dass Kindern unnütze Gedanken in den Sinn kommen, wenn sie mit körperlicher Arbeit beschäftigt sind.

    Ich möchte meine Mutter nicht als Paradebeispiel für Eltern in der Welt von heute hinstellen. Die Zeiten heute sind ganz anders. Aber auch wenn die Zeiten sich ändern, darf man nie unterschätzen, was die Eltern einen zu Hause lehren. Man kann vieles tun, um die Wertvorstellungen einer Generation an die nächste weiterzugeben; aber das Entscheidende ist wohl, dass die Kinder zu Hause von ihren Eltern lernen. Das gilt insbesondere für Wertvorstellungen, sittliche und ethische Maßstäbe und für den Glauben.

    Was man zu Hause lernt, gewinnt in der heutigen Welt, in der der Widersacher einen so weitreichenden Einfluss hat, zunehmend an Bedeutung. Er greift die Grundlage unserer Gesellschaft an, nämlich die Familie, und versucht, sie zu schwächen und zu zerstören. Den Eltern muss klar sein, dass es eine heilige und wichtige Aufgabe ist, ihre Kinder zu Hause zu unterweisen. Andere Einrichtungen, wie die Kirche oder die Schule, können Eltern zwar dabei unterstützen, „[das Kind] für seinen Lebensweg“ zu erziehen (siehe Sprichwörter 22:6), doch letzten Endes obliegt diese Pflicht den Eltern. Im großen Plan des Glücklichseins ist den Eltern die Sorge für die Kinder des Vaters im Himmel und deren Entwicklung anvertraut. Unsere Familien sind fest in Gottes Werk und seiner Herrlichkeit verankert, nämlich „die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande zu bringen“ (Mose 1:39). Aus Gottes ewiger Sicht spielen die Eltern für gewöhnlich die Hauptrolle im Leben ihrer Kinder. Zum Glück ist aber auch eine Zweitbesetzung im Spiel, die einspringen kann, wenn die Eltern verhindert sind. Es sind jedoch die Eltern, denen vom Herrn geboten wurde, ihre Kinder in Licht und Wahrheit zu erziehen (siehe LuB 93:40).

    Die Eltern müssen Schritt für Schritt Licht und Wahrheit in die Familie bringen – mithilfe des Familiengebets, des gemeinsamen Schriftstudiums, des Familienabends, indem sie ein Buch vorlesen, ein Lied singen und gemeinsame Mahlzeiten pflegen. Sie wissen, dass kaum etwas so stark und nachhaltig das Gute in der Welt fördert wie der Einfluss einer rechtschaffenen, gewissenhaften, beständigen, täglichen Erziehung durch die Eltern. Das Wohl einer jeden Gesellschaft, das Glück der Menschen, ihr Wohlstand und ihr Friede sind alle darin verwurzelt, dass die Kinder zu Hause angeleitet werden.

    Elder Joseph Fielding Smith hat gesagt: „Es ist die Pflicht der Eltern, die Kinder die errettenden Grundsätze des Evangeliums Jesu Christi zu lehren, damit sie wissen, warum sie getauft werden müssen, und damit ihnen der Wunsch ins Herz gepflanzt wird, nach der Taufe weiterhin die Gebote Gottes zu halten, sodass sie in seine Gegenwart zurückkehren können. Möchten Sie, meine guten Brüder und Schwestern, Ihre Familie, Ihre Kinder bei sich haben? Möchten Sie an Ihre Väter und Mütter vor Ihnen gesiegelt werden? … Wenn ja, dann müssen Sie schon an der Wiege mit der Erziehung beginnen. Sie müssen Ihre Kinder durch Weisung und durch Beispiel lehren.“ (Herbst-Generalkonferenz 1948.)

    Das Beispiel meiner Mutter, die für uns Kinder eine gute Lehrerin war, führt mich zu einem weiteren Gedanken, in dem es um das Lehren geht. Die Führer der Kirche verbringen sehr viel Zeit mit Überlegungen, wie man den Unterricht in der Kirche verbessern kann. Warum verwenden wir so viel Zeit und Mühe darauf? Der Grund dafür ist, dass wir daran glauben, dass der Evangeliumsunterricht einen gewaltigen Einfluss darauf hat, den Glauben zu vertiefen und die Familie zu stärken. Ich bin überzeugt, dass eine der wirkungsvollsten Maßnahmen zur Verbesserung des Unterrichts in der Kirche darin besteht, dass die Unterweisung in der Familie verbessert wird. Wenn wir zu Hause unsere Kinder lehren, sind wir eher vorbereitet, auch in der Kirche bessere Lehrer zu sein, und unser Unterricht in der Kirche trägt dazu bei, dass wir zu Hause bessere Lehrer sind. Überall bei den Mitgliedern findet man Esszimmertische voller Unterrichtsmaterial und Notizbücher voller Ideen für künftige Lektionen. Man kann gar nicht zu gut vorbereitet sein, wenn man das Evangelium Jesu Christi lehrt. Denn Evangeliumskenntnis, ob sie nun im Unterricht zum Tragen kommt oder nicht, kann man auf jeden Fall zu Hause weitergeben.

    In der inspirierten Proklamation zur Familie heißt es:

    „Mann und Frau tragen die feierliche Verantwortung, einander und ihre Kinder zu lieben und zu umsorgen., Kinder sind eine Gabe des Herrn.‘ (Psalm 127:3.) Eltern haben die heilige Pflicht, ihre Kinder in Liebe und Rechtschaffenheit zu erziehen, sich ihrer physischen und geistigen Bedürfnisse anzunehmen und sie zu lehren, dass sie einander lieben und einander dienen, die Gebote Gottes befolgen und gesetzestreue Bürger sein sollen, wo immer sie leben. …

    Gott hat es so vorgesehen, dass der Vater in Liebe und Rechtschaffenheit über die Familie präsidiert und dass er die Pflicht hat, dafür zu sorgen, dass die Familie alles hat, was sie zum Leben und für ihren Schutz braucht. Die Mutter ist in erster Linie für das Umsorgen und die Erziehung der Kinder zuständig. Vater und Mutter müssen einander in diesen heiligen Aufgaben als gleichwertige Partner zur Seite stehen.“ (Artikelnummer 35538 150.)

    Gemäß der Proklamation zur Familie gelten die von mir angesprochenen Grundsätze zur Erziehung in der Familie für beide Eltern, doch die Mutter spielt dabei eine entscheidende Rolle. Der Vater verbringt meist einen Großteil des Tages bei der Arbeit und ist nicht zu Hause. Das ist einer von vielen Gründen, warum die Verantwortung für das, was das Kind zu Hause lernt, vor allem auf der Mutter ruht. Es gibt ganz unterschiedliche Lebensumstände und das Ideal ist nicht immer erreichbar, aber ich glaube, dass Gott es so vorgesehen hat, dass die wesentliche Aufgabe einer Mutter darin besteht, die nächste Generation zu erziehen und zu lehren. Es gibt heutzutage so viele Schwierigkeiten durch ablenkende und vernichtende Einflüsse, die Gottes Kinder in die Irre führen sollen. Vielen jungen Menschen mangelt es an den tiefen, geistigen Wurzeln, die sie brauchen, um bei all dem Unglauben und der Verzweiflung, die auf sie einstürmen, im Glauben fest zu bleiben. Zu viele Kinder des Vaters im Himmel lassen sich von weltlichen Begierden bezwingen. Unsere Kinder sind einem Ansturm von Schlechtigkeit ausgesetzt, die gleichzeitig heimtückischer und unverfrorener ist denn je. Wenn zu Hause das Evangelium Jesu Christi gelehrt wird, bildet sich eine Schutzschicht, die unsere Kinder vor weltlichen Einflüssen bewahrt.

    Gott segne Sie, die wunderbaren Mütter und Väter in Zion. Er hat seine ewigen Kinder Ihrer Obhut anvertraut. Als Eltern sind wir Gottes Partner, ja, seine Verbündeten darin, sein Werk und seine Herrlichkeit unter seinen Kindern zustande zu bringen. Es ist unsere heilige Pflicht, unser Bestes zu geben. Das bezeuge ich im Namen Jesu Christi. Amen.