Vorbereitung bringt Segen

Präsident Thomas S. Monson


Lasst uns über unsere Berufung nachdenken, lasst uns über unsere Pflichten nachsinnen und lasst uns Jesus Christus folgen.
 

Brüder, die Sie hier im Konferenzzentrum in Salt Lake City sind: Sie sind ein inspirierender Anblick. Es bewegt mich sehr, wenn ich bedenke, dass in tausenden Gemeindehäusern in aller Welt noch weitere von Ihnen – Träger des Priestertums Gottes wie Sie – eine Satellitenübertragung dieser Versammlung verfolgen. Wir gehören verschiedenen Völkern an und sprechen unterschiedliche Sprachen, doch eines haben wir alle gemeinsam: Uns wurde das Priestertum anvertraut, und wir dürfen im Namen Gottes handeln. In uns wird ein heiliges Vertrauen gesetzt. Von uns wird viel erwartet.

Eine meiner lebhaftesten Erinnerungen an eine Priestertumsversammlung ist, wie ich als frisch ordinierter Diakon beim Anfangslied mitsang: „Ihr Söhne Gottes, die zum Priestertum erwählet, kommt alle …“ Heute Abend möchte ich Ihnen ganz im Geiste dieses besonderen Liedes zurufen: „Ihr Söhne Gottes, die zum Priestertum erwählet, kommt alle“1 und lasst uns über unsere Berufung nachdenken, lasst uns über unsere Pflichten nachsinnen und lasst uns Jesus Christus, unserem Herrn, folgen!

Vor zwanzig Jahren war ich bei einer Abendmahlsversammlung, in der die Kinder das Thema „Ich gehöre zur Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ präsentierten. Die Jungen und Mädchen stellten unter Beweis, dass sie gut für den Dienst am Herrn und am Nächsten ausgebildet wurden. Die Musik war sehr schön, alle sagten fein auf, was sie gelernt hatten, und es herrschte ein himmlischer Geist. Einer meiner Enkel, der damals elf Jahre alt war, hatte in dem Programm den Auftrag, über die erste Vision zu sprechen. Als er danach zu seinen Eltern und Großeltern kam, sagte ich zu ihm: „Tommy, ich glaube, du bist fast schon bereit, auf Mission zu gehen.“

Er entgegnete: „Nein, noch nicht. Ich muss noch viel lernen.“

In den folgenden Jahren lernte Tommy tatsächlich – dank seiner Eltern und der Lehrer und Berater in der Kirche, die engagiert und gewissenhaft waren. Als er alt genug war, erhielt er eine Missionsberufung. Er erfüllte diese Mission in höchst ehrenvoller Weise.

Ihr Jungen Männer, ich ermahne euch: Bereitet euch auf den Dienst als Missionar vor. Es gibt zahlreiche Werkzeuge, die euch helfen, die Lektionen zu lernen, die euch nützlich sein werden und die euch auch helfen, euer Leben so zu leben, wie es sein muss, um würdig zu sein. Eines dieser Werkzeuge ist eine Broschüre mit dem Titel Für eine starke Jugend, die unter der Leitung der Ersten Präsidentschaft und des Kollegiums der Zwölf Apostel herausgegeben wurde. Sie enthält Grundsätzliches aus den Aussagen der Führer der Kirche und aus den heiligen Schriften, und wenn man sich daran hält, wird man vom Vater im Himmel gesegnet und von seinem Sohn geführt. Darüber hinaus gibt es Leitfäden, die nach gebeterfüllter Überlegung sorgsam zusammengestellt wurden. In der Familie gibt es den Familienabend, wo die Grundsätze des Evangeliums gelehrt werden. Fast jeder von euch hat die Gelegenheit, das Seminar zu besuchen, wo es eifrige Lehrer gibt, die einem vieles beibringen können.

Fangt an, euch auf eine Eheschließung im Tempel und auf eine Mission vorzubereiten. Im vernünftigen Rahmen gehören auch Verabredungen zu dieser Vorbereitung. In einem Kulturkreis, wo es üblich ist, miteinander auszugehen, fangt frühestens mit 16 Jahren damit an. „Man muss als Jugendlicher nicht unbedingt einen festen Freund bzw. eine feste Freundin haben; manche wollen es auch überhaupt nicht … Eure ersten Verabredungen solltet ihr als Gruppe haben oder zumindest zu viert. … Sorgt dafür, dass eure Eltern den Jungen bzw. das Mädchen [gut] kennenlernen, mit dem ihr ausgeht.“ Weil solche Verabredungen zur Vorbereitung auf eine Ehe gehören, „geht nur mit jemandem, der hohe Grundsätze hat“.2

Achtet darauf, dass ihr euch in guter Umgebung aufhaltet, wo ihr nicht Versuchungen ausgesetzt seid.

Ein weiser Vater hat einmal zu seinem Sohn gesagt: „Wenn du dich jemals irgendwo wiederfindest, wo du nicht sein solltest, dann geh von dort weg!“ Das ist ein guter Rat für uns alle.

Die Diener des Herrn haben uns schon immer geraten, uns anständig zu kleiden und so ihm und uns selbst Achtung zu erweisen. Wie ihr euch kleidet, sagt etwas über euch aus und hat oft Einfluss darauf, wie ihr selbst handelt oder wie andere handeln. Kleidet euch darum so, dass es in euch und in anderen das Beste hervorbringt. Hütet euch vor Extremen, was die Kleidung und die äußere Erscheinung betrifft, dazu zählen auch Tätowierungen und Piercings.

Jeder Mensch braucht gute Freunde. Euer Freundeskreis hat großen Einfluss auf euer Denken und Verhalten, und ihr habt großen Einfluss auf das eurer Freunde. Wenn ihr gemeinsame Wertvorstellungen habt, könnt ihr einander stärken und Mut machen. Behandelt jedermann freundlich und respektvoll. Viele, die nicht Mitglied waren, sind durch Freunde, die sie zu Aktivitäten mitgenommen haben, zur Kirche gekommen.

Das oft gehörte Sprichwort stimmt nach wie vor: „Ehrlich währt am längsten!“ Ein junger Mann, der der Kirche angehört, lebt nach dem, was er sagt und was er glaubt. Er ist ehrlich zu anderen. Er ist ehrlich zu sich selbst. Er ist ehrlich zu Gott. Er ist gewohnheitsmäßig und ganz selbstverständlich ehrlich. Wenn er vor einer schwierigen Entscheidung steht, fragt er sich niemals „Was werden die anderen von mir halten?“, sondern „Was werde ich selbst von mir halten?“

Einige werden in Versuchung geraten, den Grundsatz der Ehrlichkeit außer Acht zu lassen. Ich weiß noch, wie an der Universität im Kurs Unternehmensrecht ein bestimmter Kommilitone sich nie auf das Unterrichtsgespräch vorbereitete. Ich fragte mich, wie er wohl die Abschlussprüfung schaffen würde.

Die Antwort bekam ich, als er zur Abschlussprüfung im Hörsaal erschien. Es war Winter, und er trug an seinen nackten Füßen lediglich ein Paar Sandalen. Ich war erstaunt und beobachtete ihn, als es losging. Wir hatten alle unsere Bücher auf den Boden gelegt, so lautete die Anweisung. Er streifte die Sandalen ab, und dann blätterte er geschickt mit seinen Zehen, die er trainiert und mit Glyzerin eingerieben hatte, die Seiten in einem der auf dem Boden liegenden Bücher um und sah sich darin die Antworten auf die Prüfungsfragen an.

Er bekam eine der besten Noten im Kurs Unternehmensrecht. Doch der Tag der Abrechnung kam. Als er sich später auf die Gesamtprüfung vorbereitete, erklärte der Leiter des Fachbereichs, dass er dieses Jahr erstmals von der Tradition abweichen und statt der schriftlichen eine mündliche Prüfung durchführen wolle. Unser Liebling musste feststellen, dass er diesmal wohl mit seinen meisterlich geschulten Zehen ins Fettnäpfchen getreten war, und fiel durch.

Wie ihr sprecht und welche Worte ihr wählt, sagt viel darüber aus, wie ihr von anderen gesehen werden wollt. Drückt euch so aus, dass eure Mitmenschen erbaut und aufgerichtet werden. Schimpfwörter, Obszönitäten und Grobheiten sowie unpassende oder zweideutige Witze beleidigen den Herrn. Missbraucht niemals den Namen Gottes oder Jesu Christi. Der Herr hat gesagt: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.“3

Unser himmlischer Vater möchte von uns, dass wir nach allem trachten, was tugendhaft und liebenswert ist, einen guten Klang hat oder lobenswert ist.4 Was immer ihr lest, anhört oder anschaut, hinterlässt einen Eindruck bei euch.

Pornografie ist besonders gefährlich und macht süchtig. Neugieriges Anschauen von Pornografie kann zu einer beherrschenden Gewohnheit werden, die zu härterem Material und zu sexueller Übertretung führt. Meidet Pornografie um jeden Preis.

Habt keine Angst, das Kino zu verlassen, den Fernseher auszuschalten oder den Radiosender zu wechseln, wenn etwas nicht den Maßstäben des Vaters im Himmel genügt. Kurz gesagt, wenn ihr nicht sicher seid, ob ein bestimmter Film, ein Buch oder eine andere Form der Unterhaltung schicklich ist, dann schaut nicht hin, lest es nicht, nehmt nicht daran teil.

Der Apostel Paulus hat gesagt: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? … Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr.“5 Brüder, wir sind dafür verantwortlich, unseren Tempel sauber und rein zu halten.

Drogen, Medikamentenmissbrauch, Alkohol, Kaffee, Tee und Tabakerzeugnisse machen das körperliche, seelische und geistige Wohlbefinden zunichte. Jegliche Art von Alkohol schadet eurem Geist und eurem Körper. Tabak kann euch zum Sklaven machen, eure Lungen schwächen und euer Leben verkürzen.

Musik kann euch helfen, euch dem Vater im Himmel zu nahen. Sie kann bilden, erbauen, anregen und einen. Musik kann aber auch durch Tempo, Takt, Lautstärke oder Text eure geistige Empfindsamkeit trüben. Ihr könnt es euch nicht leisten, euren Kopf mit schlechter Musik vollzustopfen.

Weil sexuelle Intimität so heilig ist, verlangt der Herr Selbstbeherrschung und Reinheit vor der Ehe und völlige Treue in der Ehe. Wenn ihr mit jemandem ausgeht, dann behandelt ihn mit Respekt, und verlangt auch von ihm, euch mit Respekt zu behandeln. Auf Übertretung folgen unweigerlich Tränen.

Präsident David O. McKay, der neunte Präsident der Kirche, sagte einmal: „Ich flehe euch an: Haltet eure Gedanken rein.“ Dem folgte eine bemerkenswerte Wahrheit: „Jeder Tat geht ein Gedanke voraus. Wenn wir unsere Taten im Griff behalten wollen, müssen wir unsere Gedanken im Griff haben.“ Brüder, füllt euren Kopf mit guten Gedanken, und ihr werdet korrekt handeln. Möge jeder von euch sich von ganzem Herzen den Worten Tennysons anschließen können, die er Sir Galahad sprechen lässt: „Ich bin stark wie Zehn, weil mein Herz rein ist.“6

Vor nicht allzu langer Zeit kam der Autor einer Studie über Sexualität bei Jugendlichen zu dem Ergebnis, dass die Gesellschaft konfuse Signale an sie aussende: In der Werbung und den Massenmedien gebe es massive Signale, dass sexuelle Aktivitäten akzeptabel seien und erwartet würden – was einen Anreiz darstelle, der den Warnungen von Fachleuten und den Bitten der Eltern manchmal das Wasser abgrabe. Der Herr kappt alle Signale aus den Medien jedoch klar und unmissverständlich, wenn er uns auffordert: „Seid rein.“7

Wenn die Versuchung an euch herantritt, denkt an den weisen Rat des Apostels Paulus, der sagte: „Noch ist keine Versuchung über euch gekommen, die den Menschen überfordert. Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet. Er wird euch in der Versuchung einen Ausweg schaffen, sodass ihr sie bestehen könnt.“8

Als ihr als Mitglied der Kirche bestätigt wurdet, habt ihr das Recht erhalten, den Heiligen Geist als Begleiter zu haben. Er kann euch helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wenn ihr in Bedrängnis oder in Versuchung seid, braucht ihr euch nicht allein zu fühlen. Denkt daran, dass Beten der Schlüssel zu geistiger Kraft ist.

Ist einer von euch auf seinem Weg gestolpert, gibt es einen Weg zurück. Dieser Weg ist die Umkehr. Der Heiland ist gestorben, um uns dieses kostbare Geschenk zu machen. Auch wenn dieser Weg steinig ist, gilt die Verheißung: „Wären eure Sünden auch rot wie Scharlach, sie sollen weiß werden wie Schnee.“9

Setzt das ewige Leben nicht aufs Spiel. Haltet die Gebote Gottes. Falls ihr gesündigt habt: Je eher ihr euch auf den Rückweg macht, desto eher findet ihr den innigen Frieden und die Freude, die mit dem Wunder der Vergebung einhergehen. Das Glück kommt daher, dass man so lebt, wie der Herr es möchte, und dass man Gott und den Menschen dient.

Geistige Kraft erwächst oft aus selbstlosem Dienen. Vor einigen Jahren besuchte ich die Kalifornien- Mission, wie sie damals hieß, und hatte eine Unterredung mit einem jungen Missionar aus Georgia. Ich entsinne mich, ihn gefragt zu haben: „Schreiben Sie jede Woche Ihren Eltern?“

Er erwiderte: „Ja, Bruder Monson.“

Dann fragte ich ihn: „Bekommen Sie auch gern Post von zu Hause?“

Er antwortete nicht. Schließlich fragte ich ihn: „Wann haben Sie denn das letzte Mal Post von zu Hause erhalten?“

Mit zitternder Stimme antwortete er: „Ich habe noch nie Post von zu Hause erhalten. Mein Vater ist bloß Diakon und meine Mutter kein Mitglied der Kirche. Sie haben auf mich eingeredet, nicht zu gehen. Sie sagten, wenn ich auf Mission gehe, schreiben sie mir nicht. Was soll ich bloß machen, Bruder Monson?“

Ich betete im Stillen zu meinem Vater im Himmel: „Was soll ich diesem jungen Diener von dir sagen, der alles geopfert hat, um dir zu dienen?“ Dann kam die Erleuchtung. Ich sagte: „Elder, schicken Sie Ihrer Mutter und Ihrem Vater jede Woche, die Sie auf Mission sind, einen Brief. Berichten Sie ihnen, was Sie machen. Schreiben Sie ihnen, wie lieb Sie sie haben, und geben Sie ihnen dann Zeugnis.“

Er fragte: „Werden sie mir denn dann schreiben?“

Ich erwiderte: „Dann werden sie Ihnen schreiben.“

Wir verabschiedeten uns, und ich ging wieder meiner Wege. Monate später besuchte ich eine Pfahlkonferenz im Süden Kaliforniens. Da kam ein junger Missionar auf mich zu und meinte: „Bruder Monson, erinnern Sie sich noch an mich? Ich bin der Missionar, der in den ersten neun Monaten seiner Mission keine Post von seiner Mutter oder seinem Vater bekommen hatte. Sie haben mir gesagt: ,Elder, schicken Sie Ihren Eltern jede Woche einen Brief, dann werden sie Ihnen schreiben.‘“ Dann fragte er: „Erinnern Sie sich an diese Verheißung, Elder Monson?“

Ich erinnerte mich und fragte: „Haben Sie von Ihren Eltern gehört?“

Er griff in seine Tasche, holte ein Bündel Briefe hervor, die er mit einem Gummiband umwickelt hatte, zog den obersten Brief aus dem Stapel und sagte: „Ob ich von meinen Eltern gehört habe? Hören Sie, was meine Mutter mir schreibt: ,Mein Sohn, wir freuen uns sehr über deine Briefe. Wir sind stolz auf dich, unseren Missionar. Stell dir vor: Dein Vater ist zum Priester ordiniert worden. Er bereitet sich darauf vor, mich zu taufen. Ich treffe mich mit den Missionaren, und in einem Jahr, wenn deine Mission zu Ende geht, möchten wir nach Kalifornien kommen, weil wir mit dir in den Tempel des Herrn gehen und eine ewige Familie werden möchten.‘“ Der junge Missionar fragte: „Bruder Monson, erhört der Vater im Himmel jedes Gebet und erfüllt er jede Verheißung eines Apostels?“

Ich antwortete: „Wenn einer den Glauben hat, den Sie bewiesen haben, hört der Vater im Himmel so ein Gebet und er erhört es auf seine Weise.“

Reine Hände, ein lauteres Herz und ein williger Verstand hatten den Himmel berührt. Ein Segen vom Himmel hatte das inständige Gebet, das ein Missionar demütigen Herzens gesprochen hatte, erfüllt.

Brüder, ich bete darum, dass wir so leben mögen, dass auch wir den Himmel berühren und ähnlich gesegnet werden können, ein jeder von uns. Im Namen dessen, der uns alle Segnungen schenkt, nämlich Jesus Christus. Amen.

Quellenangaben anzeigen

  1.  

    1. „Das Volk des Herrn“, Gesangbuch, Nr. 208

  2.  

    2.  Für eine starke Jugend, 2001, Seite 24, 25

  3.  

    3. Exodus 20:7

  4.  

    4. Siehe 13. Glaubensartikel

  5.  

    5. 1 Korinther 3:16,17

  6.  

    6. Alfred Lord Tennyson, in Familiar Quotations, Seite 647

  7.  

    7. Lehre und Bündnisse 38:42

  8.  

    8. 1 Korinther 10:13

  9.  

    9. Jesaja 1:18