Auf dem Pfad bleiben

Rosemary M. Wixom

Präsidentin der Primarvereinigung


Wenn wir an unseren Kindern festhalten und uns vom Erlöser führen lassen, werden wir alle in unser himmlisches Zuhause zurückkehren und sicher in den Armen des Vaters im Himmel geborgen sein.
 

Vor kurzem war ich dabei, als die kleine Kate Elizabeth geboren wurde. Nachdem Kate auf die Welt gekommen und ihrer Mutter in die Arme gelegt worden war, streckte sie das Händchen aus und ergriff einen Finger ihrer Mutter. Es war so, als wolle die kleine Kate damit sagen: „Wenn ich mich hier festhalte, hilfst du mir dann, auf dem Pfad zu bleiben, der mich zum Vater im Himmel zurückbringt?“

Mit sieben Jahren erkrankte Joseph Smith an Typhus. Dabei entzündete sich auch sein Bein. Dr. Nathan Smith hatte ein neues Verfahren entwickelt, mit dem das entzündete Bein gerettet werden konnte. Hierzu musste Dr. Smith ohne Narkose das Bein aufschneiden und einen Teil des entzündeten Knochens entfernen. Joseph lehnte es ab, Branntwein zur Betäubung der Schmerzen zu sich zu nehmen und festgebunden zu werden. Stattdessen sagte er: „Mein Vater soll auf dem Bett sitzen und mich im Arm halten. Dann werde ich tun, was getan werden muss.“1

Den Kindern in aller Welt sagen wir: „Nimm meine Hand. Halte dich fest. Wir bleiben gemeinsam auf dem Pfad, der zurück zum Vater im Himmel führt.“

Ob Eltern, Großeltern, Nachbarn, Freunde oder PV-Führungsbeamte: Jeder von uns kann den Kindern die Hand reichen, damit sie sich festhalten können. Wir können innehalten, uns hinknien, ihnen in die Augen blicken und ihr angeborenes Verlangen danach spüren, dem Erlöser zu folgen. Nehmen Sie sie an die Hand. Gehen Sie den Weg mit ihnen. So können wir ihnen auf dem Pfad des Glaubens Halt geben.

Kein Kind muss diesen Pfad allein beschreiten – wenn wir nur offen mit unseren Kindern über den Erlösungsplan sprechen. Wenn sie den Plan verstehen, können sie an der Wahrheit festhalten, dass sie ein Kind Gottes sind und er einen Plan für sie hat, dass sie im vorirdischen Dasein bei ihm gelebt haben, dass sie vor Freude gejubelt haben, als sie zur Erde kommen sollten, und dass wir mit der Hilfe des Erlösers alle zum Vater im Himmel zurückkehren können. Wenn sie den Plan verstehen und wissen, wer sie sind, werden sie keine Angst haben.

In Alma 24 lesen wir: „Er [liebt] unsere Seele ebenso …, wie er unsere Kinder liebt; darum [wird] der Plan der Errettung uns ebenso kundgetan … wie zukünftigen Generationen.“2

Wir beginnen damit, den Plan unseren Kindern kundzutun, wenn wir selbst an der eisernen Stange festhalten.

Wenn wir an der eisernen Stange festhalten, sind wir in der Lage, die Hand unserer Kinder zu ergreifen und den engen und schmalen Pfad gemeinsam zu beschreiten. Unser Beispiel ist in ihren Augen entscheidend. Sie eifern unserem Beispiel nach, wenn sie sich bei dem, was wir tun, sicher fühlen. Wir müssen nicht vollkommen sein – es genügt, ehrlich und aufrichtig zu sein. Kinder möchten gern eins mit uns sein. Wenn Eltern also sagen: „Wir schaffen das! Wir lesen als Familie täglich in den heiligen Schriften!“, werden die Kinder mitmachen!

Eine Familie mit vier kleinen Kindern schreibt: „Wir haben klein angefangen, weil unsere Kinder sich anfangs nicht lange konzentrieren konnten. Unsere Älteste konnte zwar noch nicht lesen, unsere Worte jedoch nachsprechen. Also begannen wir damit, gemeinsam im Buch Mormon zu lesen – jeden Abend nur drei Verse. Mein Mann und ich lasen immer abwechselnd einen Vers, worauf Sydney den Vers dann wiederholte. Langsam steigerten wir uns auf vier Verse, dann auf fünf. Dann begannen auch die Jungen damit, die für sie bestimmten Verse nachzusprechen. Ja, es war mühsam, aber wir machten weiter. Wir konzentrierten uns mehr auf Beständigkeit als darauf, schnell vorwärts zu kommen. Wir brauchten dreieinhalb Jahre, um das Buch Mormon ganz durchzulesen. Als wir das geschafft hatten, fühlten wir uns großartig!“

Die Mutter schreibt weiter: „Als Familie täglich in den Schriften zu lesen, ist nun zur Gewohnheit geworden. Unsere Kinder sind mit der Sprache der heiligen Schrift vertraut, und mein Mann und ich nutzen die Gelegenheit, um Zeugnis von der Wahrheit zu geben. Was am wichtigsten ist: Der Geist ist bei uns zu Hause jetzt stärker zu spüren.“

Lernen Sie aus der Erfahrung dieser Familie dasselbe wie ich? Wenn es uns darum geht, am Wort Gottes festzuhalten, mag es sein, dass wir anfangs nur einen Vers in den heiligen Schriften lesen. Dafür ist es nie zu spät, und Sie können sofort damit anfangen.

Wenn wir unsere Kinder nicht lehren, wird die Welt das übernehmen, und Kinder können – selbst, wenn sie noch klein sind – all das aufnehmen, was die Welt ihnen beibringt. Was sie in fünf Jahren wissen sollen, muss bereits heute in unsere Gespräche mit ihnen einfließen. Lehren Sie sie in jeder Situation; machen Sie jede schwierige Entscheidung, jede Konsequenz, jede Prüfung, vor der sie stehen mögen, zu einer Gelegenheit, ihnen beizubringen, wie man an den Evangeliumswahrheiten festhält.

Shannon, eine junge Mutter, hatte nicht erwartet, dass sie ihren Kindern etwas über die Macht des Gebets beibringen würde, als sie mit ihnen ins Auto einstieg, um nach Hause zu fahren – eine Fahrt von nur etwa 40 Minuten. Als sie das Haus der Großmutter verließen, stürmte es überhaupt nicht, als sie jedoch den Canyon entlangfuhren, wurde aus dem leichten Schneefall ein Schneesturm. Der große Kombi kam auf der Straße ins Schlingern. Schon bald konnte man überhaupt nichts mehr sehen. Die beiden jüngsten Kinder spürten, wie ernst die Lage war, und begannen zu weinen. Shannon sagte zu den älteren Kindern, der achtjährigen Heidi und dem sechsjährigen Thomas: „Ihr müsst beten. Wir brauchen die Hilfe des Vaters im Himmel, um sicher nach Hause zu kommen. Betet, dass wir nicht steckenbleiben oder von der Straße abkommen.“ Ihre Hände zitterten, als sie das Lenkrad umfasste, doch konnte sie hören, wie die Kinder auf dem Rücksitz immer wieder leise ihre Gebete flüsterten. „Vater im Himmel, bitte hilf uns, dass wir sicher nach Hause kommen; bitte hilf uns, dass wir nicht von der Straße abkommen.“

Mit der Zeit beruhigten sich die Kleinen dank der Gebete und hörten gerade auf zu weinen, als die Familie erfuhr, dass die Straße gesperrt und eine Weiterfahrt unmöglich war. Shannon wendete vorsichtig und suchte für die Nacht ein Motel. Nachdem sie im Motel angekommen waren, knieten sich alle hin und dankten dem Vater im Himmel dafür, dass sie in Sicherheit waren. An diesem Abend brachte eine Mutter ihren Kindern bei, welche Macht darin liegt, am Gebet festzuhalten.

Welche Prüfungen stehen unseren Kindern bevor? So wie Joseph Smith können auch unsere Kinder den Mut aufbringen, alles zu tun, was getan werden muss. Wenn wir darum bemüht sind, sie an die Hand zu nehmen und ihnen den Plan des himmlischen Vaters nahebringen, indem wir mit ihnen beten und in den heiligen Schriften lesen, werden sie wissen, woher sie kommen, warum sie hier sind und wohin sie einst gehen werden.

Im vergangenen Frühjahr schauten mein Mann und ich bei einem Fußballspiel zu, bei dem unser vierjähriger Enkel mitspielte. Man konnte die Begeisterung auf dem Spielfeld spüren, als die Spieler hin und her rannten, um dem Ball nachzujagen. Als der Schlusspfiff ertönte, wussten die Spieler nicht, wer nun eigentlich gewonnen und wer verloren hatte. Sie hatten einfach nur Fußball gespielt. Die Trainer forderten die Spieler auf, den Spielern der gegnerischen Mannschaft die Hand zu reichen. Dann geschah etwas recht Bemerkenswertes. Der Trainer bat alle Anwesenden, Spalier zu stehen. Alle Eltern, Großeltern und weiteren Zuschauer, die das Spiel angesehen hatten, erhoben sich und bildeten zwei gegenüberstehende Reihen. Dann hoben alle ihre Arme und bildeten so eine Brücke. Die Kinder kreischten vor Vergnügen, als sie zwischen den jubelnden Erwachsenen hindurch den Weg entlangrannten, den die Zuschauer gebildet hatten. Gleich darauf waren auch die Kinder aus der gegnerischen Mannschaft an der Reihe und alle – Gewinner wie Verlierer – freuten sich, den Siegestunnel hindurchzurennen und dabei von den Erwachsenen bejubelt zu werden.

Vor meinem geistigen Auge sah ich noch etwas anderes. Mir war es, als sehe ich Kinder, die nach dem Plan lebten, den der Vater im Himmel für jedes einzelne Kind aufgestellt hat. Sie liefen den engen und schmalen Pfad entlang, vorbei an den ausgestreckten Armen der Zuschauer, die sie lieb hatten, und jeder verspürte, welche Freude es macht, auf dem Pfad zu bleiben.

Jakob sagte: „O wie groß der Plan unseres Gottes!“3 Der Heiland „zeigte uns den rechten Weg“4. Ich bezeuge: Wenn wir an unseren Kindern festhalten und uns vom Erlöser führen lassen, werden wir alle in unser himmlisches Zuhause zurückkehren und sicher in den Armen des Vaters im Himmel geborgen sein. Im Namen Jesu Christi. Amen.

Quellenangaben anzeigen

  1.  

    1. Siehe Lucy Mack Smith, History of Joseph Smith by His Mother, Hg. Preston Nibley, 1958, Seite 56f.

  2.  

    2.  Alma 24:14

  3.  

    3.  2 Nephi 9:13

  4.  

    4. „Wie groß die Weisheit und die Lieb“, Gesangbuch, Nr. 122