Ein auf Christus ausgerichtetes Zuhause

Elder Richard J. Maynes

von den Siebzigern


Wir haben erkannt und glauben, dass die Familie für die Ewigkeit bestimmt ist. Diese Erkenntnis und dieser Glaube sollten uns Antrieb geben, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um ein auf Christus ausgerichtetes Zuhause zu schaffen.

Ganz zu Beginn meiner Dienstzeit als junger Missionar in Uruguay und Paraguay stellte ich bereits fest, dass ein großer Anziehungspunkt für die Menschen, die mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wissen wollten, ihr Interesse an unserer Lehre von der Familie war. Ja, schon seit der Wiederherstellung des Evangeliums Jesu Christi fühlen sich Wahrheitssuchende von der Lehre, dass die Familie für immer vereint sein kann, angezogen.

Der Grundsatz, dass die Familie ewig ist, ist ein wesentliches Element in Gottes großem Plan für seine Kinder. Grundlegend für diesen Plan ist die Erkenntnis, dass wir sowohl eine himmlische als auch eine irdische Familie haben. Der Apostel Paulus hat erklärt, dass der Vater im Himmel der Vater unseres Geistes ist:

„Sie sollten Gott suchen … und finden …

Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir … Wir sind von seiner Art.“1

Dass wir Kinder eines liebevollen Vaters im Himmel sind, ist ein so elementarer Grundsatz des Evangeliums Jesu Christi, dass selbst unsere Kinder diese Wahrheit verkünden, wenn sie das PV-Lied „Ich bin ein Kind von Gott“ singen. Kennen Sie den Text noch?

Ich bin ein Kind von Gott,
der mich zur Welt geschickt
und hier mit einem irdschen Heim
und Eltern mich beglückt.
Führet, leitet und begleitet,
dass den Weg ich find;
lehrt mich, alles das zu tun,
was mich zu ihm einst bringt.2

Wenn uns klar ist, dass wir eine himmlische Familie haben, erkennen wir auch die ewige Natur der irdischen Familie besser. Aus dem Buch Lehre und Bündnisse erfahren wir, dass die Familie in der Ordnung des Himmels von grundlegender Bedeutung ist: „Und die gleiche gesellschaftliche Beziehung, die unter uns hier vorhanden ist, wird auch dort unter uns vorhanden sein, nur wird sie mit ewiger Herrlichkeit verbunden sein.“3

Kenntnis von der ewigen Natur der Familie ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass man Gottes Plan für seine Kinder versteht. Der Widersacher andererseits will alles in seiner Macht Stehende tun, um den Plan des Vaters im Himmel zunichtezumachen. In seinem Bemühen, den Plan Gottes zu vereiteln, führt er einen beispiellosen Angriff auf die Institution Familie. Zu den mächtigeren Waffen, die er bei seinem Angriff einsetzt, gehören Selbstsucht, Habgier und Pornografie.

Uns ewig glücklich zu sehen, gehört nicht zu des Satans Zielen. Er weiß, dass ein wesentlicher Schlüssel dazu, Männer und Frauen so elend zu machen, wie er selbst ist, darin besteht, sie der Familienbeziehungen zu berauben, die ewig bestehen können. Da der Satan weiß, dass das wahre Glück in diesem Leben wie in der Ewigkeit in Gestalt der Familie zu finden ist, unternimmt er, was er nur kann, um die Familie zu zerstören.

Der Prophet Alma nannte Gottes Plan für seine Kinder „den großen Plan des Glücklichseins“.4 Die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel, deren Mitglieder wir als Propheten, Seher und Offenbarer bestätigen, haben uns diesen inspirierten Rat gegeben, was das Glück und das Familienleben angeht: „Die Familie ist von Gott eingerichtet. Die Ehe zwischen Mann und Frau ist wesentlich für seinen ewigen Plan. Kinder haben ein Recht darauf, im Bund der Ehe geboren zu werden und in der Obhut eines Vaters und einer Mutter aufzuwachsen, die die Ehegelübde in völliger Treue einhalten. Ein glückliches Familienleben kann am ehesten erreicht werden, wenn die Lehren des Herrn Jesus Christus seine Grundlage sind.“5

Dieses Glück, von dem einst Alma sprach und vor nicht allzu langer Zeit auch die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel sprachen, ist am ehesten zuhause in der Familie zu finden. Wir erleben es in reichem Maße, wenn wir alles tun, was wir können, um ein auf Christus ausgerichtetes Zuhause zu schaffen.

Meine Frau und ich haben einige wichtige Grundsätze gelernt, als wir schon früh in unserer Ehe darangingen, ein auf Christus ausgerichtetes Zuhause zu schaffen. Zunächst einmal befolgten wir den Rat der Führer der Kirche. Wir riefen unsere Kinder zusammen und hielten wöchentlich den Familienabend ab. Wir beteten auch täglich und lasen täglich in den heiligen Schriften. Es war nicht immer leicht, bequem oder erfolgreich, aber mit der Zeit wurde aus diesen einfachen Zusammenkünften eine liebgewonnene Familientradition.

Wir stellten fest, dass unsere Kinder sich im Laufe der Woche zwar nicht unbedingt an alles aus der Lektion am Familienabend erinnerten, aber sie vergaßen nicht, dass wir ihn abgehalten hatten. Wir stellten fest, dass sie sich im Laufe des Schultags wahrscheinlich nicht mehr an den genauen Wortlaut der Schriftstellen oder des Gebets erinnerten, aber sie vergaßen nicht, dass wir in den Schriften gelesen und miteinander gebetet hatten. Brüder und Schwestern, wir empfangen große Kraft und Schutz für uns und unsere Kinder und Jugendlichen, wenn wir zuhause celestiale Traditionen schaffen.

Wenn wir zuhause die Grundsätze des Evangeliums Jesu Christi lernen, lehren und leben, schaffen wir ein Klima, in dem der Heilige Geist zugegen sein kann. Mithilfe solcher celestialen Traditionen bei uns zuhause können wir die falschen Traditionen der Welt überwinden und lernen, die Bedürfnisse und Sorgen anderer an die erste Stelle zu setzen.

Die Verantwortung, ein auf Christus ausgerichtetes Zuhause zu schaffen, liegt sowohl bei den Eltern als auch bei den Kindern. Eltern sind dafür verantwortlich, ihre Kinder in Liebe und Rechtschaffenheit zu unterweisen. Eltern werden vor dem Herrn darüber Rechenschaft ablegen müssen, wie sie dieser heiligen Aufgabe nachgekommen sind. Eltern lehren ihre Kinder durch Worte und durch ihr Beispiel. Ein Gedicht von C. C. Miller mit dem Titel „The Echo“ [das Echo] verdeutlicht, wie wichtig und weitreichend der Einfluss der Eltern auf ihre Kinder ist:

Ein Schaf lief weg und nicht ein Lamm,
wie Jesus im Gleichnis uns lehrte.
Erwachsen war’s, und es verließ
die neunundneunzig der Herde.
Und warum suchen wir nach dem Schaf
mit ernsthaftem Hoffen und Beten?
Gefahr droht vom verirrten Schaf:
denn das Lamm folgt seinem Blöken.
Ihr wisst, das Lamm folgt seinem Schaf,
wohin dieses sich auch wendet.
Verläuft sich nun das große Schaf,
der Weg seines Lammes dort endet.
Ihr Schafe, um der Lämmer willen
wir rufen euch inständig an.
Wenn ihr euch verirrt,
wie schrecklich es wird
für jedes kostbare Lamm!6

Die Folgen für Eltern, die ihre Kinder in die Irre führen, werden uns vom Herrn im Buch Lehre und Bündnisse vor Augen geführt: „Und weiter, wenn Eltern in Zion … Kinder haben und sie nicht lehren, die Lehre von der Umkehr, vom Glauben an Christus, den Sohn des lebendigen Gottes, und von der Taufe und der Gabe des Heiligen Geistes durch Händeauflegen zu verstehen, … so sei die Sünde auf dem Haupt der Eltern.“7

Man kann gar nicht genug betonen, welch wichtige Rolle die Eltern dabei spielen, ihren Kindern durch Worte und durch ihr Beispiel celestiale Traditionen mit auf den Weg zu geben. Auch die Kinder leisten einen wichtigen Beitrag dazu, ein auf Christus ausgerichtetes Zuhause zu schaffen. Ich möchte eine kurze Ansprache wiedergeben, die mein acht Jahre alter Enkel Will neulich gehalten hat und die dies veranschaulicht:

„Ich reite gern und es macht mir Spaß, mit meinem Vati das Lasso zu werfen. Bei einem Lasso sind verschiedene Stränge miteinander verwoben, damit es stark ist. Hätte das Lasso nur einen Strang, könnte es seinen Zweck nicht erfüllen. Aber durch den Zusammenhalt mehrerer Stränge kann man das Lasso für vieles benutzen, und es hält etwas aus.

Eine Familie kann wie ein Lasso sein. Wenn nur einer sich anstrengt und das Rechte tut, ist die Familie nicht so stark, wie sie es sein könnte, wenn alle sich Mühe geben und einander helfen.

Ich weiß, dass ich meiner Familie helfe, wenn ich das Rechte tue. Wenn ich zu meiner Schwester Isabelle lieb bin, sind wir beide fröhlich, und unsere Eltern freuen sich. Wenn meine Mutti etwas erledigen muss, kann ich ihr helfen, indem ich mit meinem kleinen Bruder Joey spiele. Ich helfe meiner Familie auch, wenn ich mein Zimmer aufräume und so oft wie möglich mit einer guten Einstellung mithelfe. Da ich in meiner Familie das älteste Kind bin, weiß ich, dass mein gutes Beispiel wichtig ist. Ich kann mein Bestes versuchen, um das Rechte zu wählen und die Gebote zu halten.

Ich weiß, dass Kinder ihrer Familie dabei helfen können, so stark zu werden wie ein Lasso. Wenn alle ihr Bestes geben und zusammenarbeiten, kann die Familie glücklich und stark sein.“

Wenn Eltern in Liebe und Rechtschaffenheit über die Familie präsidieren und ihre Kinder das Evangelium Jesu Christi durch Worte und durch ihr Beispiel lehren, und wenn Kinder ihre Eltern lieben und unterstützen, indem sie die Grundsätze, die ihre Eltern lehren, annehmen und in die Tat umsetzen, wird ein auf Christus ausgerichtetes Zuhause geschaffen.

Brüder und Schwestern, als Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage haben wir erkannt und glauben wir, dass die Familie für die Ewigkeit bestimmt ist. Diese Erkenntnis und dieser Glaube sollten uns Antrieb geben, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um ein auf Christus ausgerichtetes Zuhause zu schaffen. Ich bezeuge Ihnen: Wenn wir diese Anstrengungen unternehmen, spielen die Liebe und der Dienst am Nächsten, die im Leben und im Sühnopfer unseres Erlösers Jesus Christus zum Ausdruck kommen, eine viel größere Rolle. So wird unser Zuhause wahrlich zum Himmel auf Erden. Im Namen Jesu Christi. Amen.

Quellenangaben anzeigen

  1.  

    1.  Apostelgeschichte 17:27,28

  2.  

    2. „Ich bin ein Kind von Gott“, Gesangbuch, Nr. 202

  3.  

    3.  Lehre und Bündnisse 130:2; siehe auch Robert D. Hales, „Die ewige Familie“, Der Stern, Januar 1997, Seite 61

  4.  

    4.  Alma 42:8

  5.  

    5. „Die Familie – eine Proklamation an die Welt“, Liahona, November 2010, Rückumschlag

  6.  

    6. C. C. Miller, „The Echo“, in Best-Loved Poems of the LDS People, Hg. Jack M. Lyon und andere, 1996, Seite 312f.

  7.  

    7.  Lehre und Bündnisse 68:25; Hervorhebung hinzugefügt