Das Zeugnis

Elder Cecil O. Samuelson Jr.

von den Siebzigern


Die Grundbedingungen, unter denen man ein Zeugnis vom Evangelium Jesu Christi erlangt und behält, sind eindeutig und klar, und jeder Mensch kann sie erfüllen.

Viele Jahre lang war es eine der größten Segnungen in meinem Leben, von jungen Menschen aus der Kirche umgeben zu sein und mit ihnen zu arbeiten. Diese Gemeinschaft und diese Freundschaften gehören zu den schönsten und wertvollsten in meinem Leben. Sie sind auch zum großen Teil der Grund dafür, wieso ich in Bezug auf die Zukunft der Kirche, der Gesellschaft und der Welt optimistisch bin.

In dieser Zeit habe ich auch mit einigen sprechen können, die irgendwie an ihrem Zeugnis gezweifelt haben oder ein Problem damit hatten. Die Umstände waren zwar verschieden und manchmal einzigartig, aber viele Fragen und Ursachen von Verwirrung waren recht ähnlich. Es handelt sich auch nicht um Sorgen und Probleme, die auf eine Bevölkerungs- oder Altersgruppe beschränkt sind. Sie können einen beunruhigen, wenn die Familie schon mehrere Generationen in der Kirche ist, aber auch wenn man ein neues Mitglied ist oder wenn man gerade erst die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage kennenlernt. Ihre Fragen sind für gewöhnlich das Ergebnis von aufrichtigem Interesse oder Neugier. Da die Folgen so bedeutsam und gravierend für jeden von uns sind, ist es wohl angebracht, einmal unser Zeugnis zu betrachten. In unserer Lehre bezeichnen wir die sichere Bestätigung der Wahrheit des Evangeliums Jesu Christi, die wir durch Offenbarung vom Heiligen Geist empfangen, als unser Zeugnis.

Dies erklärt zwar klar und einfach, was ein Zeugnis ist, doch ergeben sich aus dieser Erklärung einige mögliche Fragen, wie: Wer ist berechtigt, ein Zeugnis zu haben? Wie erlangt man die nötige Offenbarung? Was sind die Schritte, um ein Zeugnis zu erlangen? Ist es ein einmaliges Ereignis oder ein andauernder Vorgang, ein Zeugnis zu erlangen? Alle diese Fragen, und noch weitere, lassen sich unterteilen, aber die Grundbedingungen, unter denen man ein Zeugnis vom Evangelium erlangt und behält, sind eindeutig und klar, und jeder Mensch kann sie erfüllen.

Lassen Sie mich kurz auf diese etwaigen Unsicherheiten eingehen und dann einige Einsichten erläutern, die ich kürzlich von guten Freunden unter den jungen Erwachsenen gehört habe, die Erfahrung damit haben, ein Zeugnis zu erlangen. Sie konnten auch schon anderen helfen, die Schwierigkeiten oder Probleme mit einigen Aspekten ihres Glaubens hatten.

Erstens: Wer ist berechtigt, ein Zeugnis zu haben? Jeder, der bereit ist, den Preis zu zahlen – das heißt, die Gebote zu halten –, kann ein Zeugnis haben. „Darum ergeht die Stimme des Herrn an die Enden der Erde, damit alle, die hören wollen, hören mögen.“ (LuB 1:11.) Ein wichtiger Grund für die Wiederherstellung des Evangeliums besteht darin, dass „jedermann im Namen Gottes, des Herrn, ja, des Erretters der Welt, sprechen könne; damit auch der Glaube auf Erden zunehme“ (LuB 1:20,21).

Zweitens: Wie erlangt man die nötige Offenbarung, und was sind die grundlegenden Schritte, um sie zu erhalten? Das Muster ist zu allen Zeiten deutlich und gleich gewesen. Die Verheißung, die für ein Zeugnis vom Buch Mormon gilt, kann auch allgemein angewandt werden:

„Wenn ihr dieses hier empfangt“ – das bedeutet, dass man zugehört, gelesen, studiert und über die betreffende Frage nachgedacht hat –, „so fragt Gott, den Ewigen Vater, im Namen Christi, ob es wahr ist“ – das bedeutet, dass Sie ernsthaft, zielgerichtet und ehrfürchtig beten und entschlossen sind, gemäß der Antwort auf Ihr Gebet zu handeln –, „und wenn ihr mit aufrichtigem Herzen, mit wirklichem Vorsatz fragt und Glauben an Christus habt, wird er euch durch die Macht des Heiligen Geistes kundtun, dass es wahr ist.

Und durch die Macht des Heiligen Geistes könnt ihr von allem wissen, ob es wahr ist.“ (Moroni 10:4,5.)

Drittens: Ist es ein einmaliges Ereignis oder ein andauernder Vorgang, ein Zeugnis zu erlangen? Ein Zeugnis ist wie ein lebender Organismus, der wächst und sich entwickelt, wenn man richtig mit ihm umgeht. Es braucht ständig Nahrung, Pflege und Schutz, um zu wachsen und zu gedeihen. Genauso kann man sein Zeugnis verlieren oder es wird schwächer, wenn man von der Lebensweise abweicht, die für ein Zeugnis erforderlich ist. In den heiligen Schriften finden wir die Warnung, dass die Übertretung der Gebote Gottes dazu führen kann, dass man den Heiligen Geist verliert oder sogar das Zeugnis, das man einst hatte, verleugnet (siehe LuB 42:23).

Ich möchte nun von den Beobachtungen und Vorschlägen meiner teuren und treuen jungen Freunde zehn nennen. Ihre Ideen entspringen allgemeinen Gedanken und Erfahrungen und werden wohl keinen von uns überraschen. Leider können wir besonders in Zeiten, wenn wir selbst kämpfen und in Bedrängnis sind, vorübergehend vergessen oder ignorieren, dass wir sie selbst anwenden können.

Erstens: Jeder ist wertvoll, weil wir alle Kinder Gottes sind. Er kennt uns, er liebt uns und möchte, dass es uns gelingt, zu ihm zurückzukehren. Wir müssen lernen, auf seine Liebe und seinen Zeitplan zu vertrauen, anstatt auf unsere manchmal ungeduldigen und unvollkommenen Wünsche.

Zweitens: Obwohl wir voll und ganz an die mächtige Wandlung im Herzen glauben, die in den heiligen Schriften beschrieben wird (siehe Mosia 5:2; Alma 5:12-14,26), müssen wir verstehen, dass sie oftmals allmählich erfolgt und nicht sofort oder allumfassend; sie folgt auf spezielle Fragen, Erlebnisse und Sorgen ebenso wie auf das Studium und das Gebet.

Drittens: Wir dürfen nicht vergessen, dass ein grundsätzlicher Zweck des Lebens der ist, geprüft und erprobt zu werden, und so müssen wir lernen, an unseren Herausforderungen zu wachsen und dankbar zu sein für die Lektionen, die wir eben nicht auf leichtere Weise lernen können.

Viertens: Wir müssen lernen, auf das zu vertrauen, woran wir glauben oder was wir wissen, damit es uns in unsicheren Zeiten oder bei Problemen, die uns zu schaffen machen, Halt gibt.

Fünftens: Gewöhnlich erlangt man ein Zeugnis, wie Alma erklärt hat, indem man kontinuierlich hofft und glaubt und schließlich von einem bestimmten Grundsatz, einer Lehre oder dem Evangelium an sich weiß, dass es wahr ist (siehe Alma 32).

Sechstens: Es stärkt unser Zeugnis, wenn wir anderen sagen, was wir wissen, und damit ihr Zeugnis aufbauen. Wenn man jemandem Geld oder Nahrung gibt, hat man selbst weniger. Wenn man aber jemandem sein Zeugnis gibt, stärkt das beide – den, der spricht, und den, der zuhört.

Siebtens: Wir müssen das, was zwar klein, aber notwendig ist, täglich und regelmäßig tun. Beten, das Schrift- und Evangeliumsstudium, die Versammlungen der Kirche besuchen, der Dienst im Tempel, Besuchslehren, Heimlehren und andere Aufgaben stärken unseren Glauben und tragen dazu bei, dass der Heilige Geist mit uns ist. Wenn wir eines von all dem vernachlässigen, bringen wir unser Zeugnis in Gefahr.

Achtens: Wir dürfen an andere keine höheren Maßstäbe anlegen als an uns selbst. Zu oft lassen wir zu, dass die Fehler oder das Versagen anderer, besonders der Führer und Mitglieder der Kirche, unsere Gefühle oder unser Zeugnis beeinträchtigen. Die Schwierigkeiten anderer Leute sind keine Entschuldigung für unsere Schwächen.

Neuntens: Wir müssen daran denken, dass es genauso schlimm sein kann, zu streng mit sich selbst zu sein, nachdem man einen Fehler gemacht hat, wie zu leichtfertig zu sein, wenn echte Umkehr notwendig ist.

Zehntens: Uns muss immer klar sein, dass das Sühnopfer Christi für jeden von uns stets in vollem Umfang wirksam ist, wenn wir es nur zulassen. Dann nimmt alles andere seinen Platz ein, selbst wenn wir nach wie vor mit manchen Einzelheiten, Gewohnheiten oder scheinbar fehlenden Stücken im Mosaik unseres Glaubens zu kämpfen haben.

Ich bin dankbar für die Einsichten, Stärken und Zeugnisse so vieler meiner vorbildlichen jungen Freunde und Weggefährten. Wenn ich mit ihnen zusammen bin, werde ich gestärkt, und wenn ich weiß, dass sie mit anderen zusammen sind, freue ich mich, weil ich weiß, wie viel Gutes sie tun und welchen Dienst sie für den Herrn leisten, den sie verehren und dem zu gehorchen sie sich bemühen.

Menschen vollbringen Gutes und Wichtiges, weil sie ein Zeugnis haben. Andererseits bekommen wir auch ein Zeugnis aufgrund dessen, was wir tun. Jesus hat gesagt:

„Meine Lehre stammt nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat.

Wer bereit ist, den Willen Gottes zu tun, wird erkennen, ob diese Lehre von Gott stammt oder ob ich in meinem eigenen Namen spreche.“ (Johannes 7:16,17.)

„Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ (Johannes 14:15.)

Wie Nephi und Mormon damals weiß ich „die Bedeutung von allem … nicht“ (1 Nephi 11:17; siehe auch Worte Mormons 1:7), aber lassen Sie mich sagen, was ich weiß.

Ich weiß, dass Gott, unser Vater im Himmel, lebt und uns liebt. Ich weiß, dass sein einzigartiger, besonderer Sohn Jesus Christus unser Erretter und Erlöser und das Haupt der Kirche ist, die seinen Namen trägt. Ich weiß, dass Joseph Smith all das erlebt hat, was er über die Wiederherstellung des Evangeliums in unserer Zeit berichtet und gelehrt hat. Ich weiß, dass wir heute von Aposteln und Propheten geführt werden. Präsident Thomas S. Monson trägt alle Schlüssel des Priestertums, die notwendig sind, um uns zu segnen und das Werk des Herrn voranzubringen. Ich weiß, dass wir ein Anrecht auf dieses Wissen haben, und wenn Sie zweifeln, können Sie sich darauf verlassen, dass die Zeugnisse, die Sie bei dieser Konferenz von diesem Rednerpult hören, wahr sind. Dies weiß ich und gebe Zeugnis davon im Namen Jesu Christi. Amen.